Die deduktiv-nomologische Erklärung. Die Schwierigkeit wissenschaftlicher Erklärungsmodelle


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

I INHALTSVERZEICHNIS

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Erklären wissenschaftlicher Phänomene
2.1 Philosophische Eingliederung
2.2 Empirismus und Rationalismus

3 Das deduktiv-nomologische Modell
3.1 Die vier Bedingungen
3.2 Das Modell in der Anwendung
3.3 Zur Kritik des D-N-Modells

4 Das induktiv-statistische Modell
4.1 Das I-S-Modell in der Anwendung
4.2 Zur Kritik des I-S-Modells

5 Resultat
5.1 Erstellung und Vertiefung von Kernaussagen
5.2 Das Problem und seine Lösung

Fazit

Literaturverzeichnis

1 EINLEITUNG

In der wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzung mit kommunikations wissenschaftlichen oder soziologischen Sachverhalten werden empirische Methoden verwendet, um auf wissenschaftlicher Basis haltbare Nachweise zu erbringen. Dieses ist notwendig, um die komplexen Tatsachen und Ereignisse des Zusammenlebens unter Menschen in ein Verhältnis zueinander zu bringen (vgl. Schnell et. al. 2004: S. 47). Auf dieser Grundlage ist es möglich, Aussagen über die Realität zu treffen und diese intersubjektiv nachvollziehbar darzustellen (vgl. Schnell et. al. 2004: S. 47).

Zur Auswertung der empirischen Ergebnisse ist es nötig, bestimmten wissenschaftlichen Modellen zu folgen, um wissenschaftlich haltbare Erklärungen für die entsprechenden Phänomene zu liefern. Demzufolge handelt es sich bei der Wissenschaftstheorie überwiegend um eine Methodologie, die versucht, Vorschläge zu entwickeln, wie wahre Aussagen über die Realität zu erbringen sind (vgl. Schnell et. al. 2004: S. 48).

Phänomene für soziales Handeln, für zwischenmenschliche Beziehungen können nicht direkt verarbeitet werden, sie müssen zunächst in Sprache gefasst werden (vgl. Schnell et. al. 2004: S. 48). Soziale Ereignisse, Merkmale der Kommunikation oder generell Phänomene wissenschaftlicher Tatsachen sind immer nur als ihr Abbild in Form der Sprache zu sehen. So können Aussagen über die Realität getroffen, Erklärungen für wissenschaftliche Phänomene geliefert werden.

Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert das deduktiv- nomologische Modell von Carl Gustav Hempel und Paul Oppenheim hat und ob eine alternative Erklärung wissenschaftlicher Phänomene Anwendung finden kann. Unter besonderer Aufmerksamkeit der gegensätzlichen Vorgehensweisen von Ableitungen steht hier der Versuch, ein umfassendes und präzises Modell zur Erklärung wissenschaftlicher Phänomene zu finden. Im Hintergrund liegt stets das Augenmerk auf das Anwendungsgebiet, nämlich das der Sozial- bzw. Kommunikationswissenschaften. Eine philosophische Eingliederung des Deduktivismus, bzw. des Induktivismus ist aufgrund der Verständlichkeit der Vorgehensweise und der Fragestellung unabdingbar.

2 ERKLÄREN WISSENSCHAFTLICHER PHÄNOMENE

Das Erklären wissenschaftlicher Phänomene ist lediglich eine Methode, sich mit wissenschaftlichen Tatsachen und Ergebnissen auseinanderzusetzen. Neben weiteren möglichen Vorgehensweisen soll erwähnt sein, dass das wissenschaftliche Erklären an sich auch Ablehnung widerfährt. Die Anhänger des logischen Positivismus untersuchen zwar auch die empirisch gelieferten Phänomene und ordnen diese ein, Erklärungen hierfür zu finden, sei jedoch etwas, das etwas metaphysisches eigen hätte, so dass mit der reinen Systematisierung der Ergebnisse die wissenschaftliche Arbeit vollendet sei, denn alles weitere sei Spekulation und könne sich nicht mehr als wissenschaftliche Arbeit betiteln lassen (vgl. Moulines 2008: S. 90).

Nachdem Carl Gustav Hempel und Paul Oppenheim 1948 ein neues System entwickelt hatten, mit welchem sie empirische Phänomene erklären (vgl. Moulines 2008: S. 91), ließen sich mit diesem Erklärungssystem Regelmäßigkeiten und unerwartete Phänomene in einen rational-argumentativen Zusammenhang bringen (vgl. Moulines 2008: S. 91). Somit sind sie nicht mehr bloßen Vermutungen ausgesetzt, sondern wissenschaftlich nachvollziehbar. Aus diesen Überlegungen und Forschen an der optimalen Erklärung entstand das so genannte deduktiv-nomologische Modell (vgl. Hempel 1977: S. 5f). Dieses Modell steht nicht ohne jede Kritik in einem Kontext von verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungsmodellen (vgl. Moulines 2008: S. 99ff). Besondere Aufmerksamkeit erregt dabei das Grundprinzip der Deduktion (vgl. Chalmers 1999: S. 35ff). Als Gegensatz dazu stehen induktivistische Erklärungsmodelle (vgl. Chalmers 1999: S. 48).

2.1 PHILOSOPHISCHE EINGLIEDERUNG

Der Grundgedanke der wissenschaftlichen Erklärungsversuche ist der der Deduktion (vgl. Popper 2005: S. 8f). Das heißt, dass mit Hilfe von logischen Schlussfolgerungen alle wissenschaftlichen Begründungsmethoden auf anderen, allgemeineren Aussagen beruhen. Eine andere Möglichkeit ist jedoch der auf der Induktion beruhende Erklärungsversuch (Kant-Studien 1928: S. 28f). Hier wird von dem besonderen Fall auf das Allgemeine geschlossen; mit Hilfe von Erfahrungswerten werden Naturgesetze oder auch soziale Gesetzmäßigkeiten abgeleitet. Der Rationalismus und der Empirismus sind hier die wichtigsten Vertreter der deduktiven, bzw. induktiven Vorgehensweise (vgl. Popper 1979: S. 7).

2.2 EMPIRISMUS UND RATIONALISMUS

Der Empirismus geht einer induktiven Vorgehensweise der Erkenntnistheorie nach. Nur durch die Erfahrung zeige sich, ob eine Theorie wahr oder falsch sei, die Erfahrung der Menschen lasse den Schluss auf Naturgesetze zu (vgl. Popper 1979: S. 7-15). Im Gegensatz dazu steht der klassische Rationalismus mit seinen Entscheidungen für oder gegen eine Aussage, allein aus der Vernunft heraus getroffen (vgl. Popper 1979: S. 10). Der Rationalismus ist streng an der Deduktion orientiert (vgl. Popper 1979: S. 35). Hier finden sich geometrische Formen, welche die Erklärungstheorien abstrakt erscheinen lassen (vgl. Oppenheim 1926: S.27-31) (vgl. Popper 1979: S.14). Die Erklärungsversuche und -theorien sind stark an den Naturwissenschaften ausgerichtet (vgl. Hempel 1974) (vgl. Oppenheim 1926) (vgl. Kant-Studien 1928). Diese spielen im Rationalismus in der Form eine Rolle, dass die Ableitungen der Physik, Biologie und Chemie streng deduktiv sind (vgl. Popper 1979: S. 8). Diese streng logische Art und Weise der Beurteilung von Tatsachen und Ereignissen überträgt der Rationalismus auf die empirische Sozialforschung. Es ist nicht möglich, Naturgesetze, Theorien oder Aussagen über die Wirklichkeit direkt zu verifizieren (vgl. Popper 1979: S. 8). Um zu erkennen, ob diese wahr sind, müssen ihre Folgerungen überprüft werden (vgl. Popper 1979: S. 10). Der letztendliche logische Schluss auf das Ergebnis ist jedoch zunächst immer hypothetisch. Erst durch das Ausschließen, das Widerlegen von Hypothesen, kann die Wahrheitsaussage immer weiter eingegrenzt werden, der Informationsgehalt steigt (vgl. Schnell 2004: S. 59ff). Die Hypothesen müssen also potentiell falsifizierbar sein. Nur so ist die Wahrheitsaussage immer weiter einzugrenzen und der Wahrheitsgehalt heraus zu filtern.

3 DAS DEDUKTIV-NOMOLOGISCHE MODELL

Paul Oppenheim und Carl Gustav Hempel entwickelten unter den genannten Aspekten des klassischen Rationalismus eine Theorie für Erklärungen, entstanden ist daraus das Hempel-Oppenheim-Schema (vgl. Hempel 1977: S. 6). Hempel und Oppenheim gehen bei dieser Methode deduktiv vor (vgl. Hempel 1977: S. 6). Sie gehen von bestimmten allgemeingültigen Aussagen und Gesetzen aus, von denen sie auf den besonderen Fall schließen. Durch die Verknüpfung der Deduktion und den dessen zugrunde liegenden Gesetzen (griechisch: Nomos) nennt sich dieses Schema auch das deduktiv- nomologische Modell. Dieses Erklärungsmodell der beiden Wissenschaftstheoretiker Hempel und Oppenheim geht den Fragen nach der Ursache und dem Grund eines empirischen Ergebnisses nach und versucht, dieses wissenschaftlich nachvollziehbar und haltbar zu erklären (vgl. Hempel 1977: S. 6).

3.1 DIE VIER BEDINGUNGEN

Damit dieses Modell (D-N-Modell) funktioniert, sind vier Bedingungen zu erfüllen (vgl. Poser 2001: S. 46f):

1. Das Explanandum (das zu erklärende Ereignis) muss als logisch korrekter Schluss aus dem Explanans (der Deutung) hervorgehen (vgl. Poser 2001: S. 47).
2. Das Explanans enthält mindestens ein allgemeingültiges Gesetz (vgl. ebd.).
3. Das Explanans hat einen empirischen Gehalt (vgl. ebd).
4. Das Explanans besteht aus wahren Sätzen (vgl. ebd).

Mit dieser Möglichkeit lassen sich nun zweierlei Dinge erklären: Singuläre Phänomene und Gesetzesmäßigkeiten (vgl. Moulines 2008: S. 61). Folgendes Schaubild stellt die vorangeganenen Erläuterungen dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Das Explanans besteht aus betroffenen Sachverhalten und allgemeinen Gesetzen (vgl. Hempel 1977: S. 7). Der argumentativ logische Schluss, der daraus gezogen wird, ist das Explanandum (vgl. Hempel 1977: S. 7). Das Explanandum, das spezielle zu Erklärende, ordnet sich deduktiv dem komplexen Explanans unter (vgl. Hempel 1977: S. 7).
2. Es ist unerlässlich für das Explanans, allgemeingültige Gesetze zu enthalten (vgl. Hempel 1977: S. 8ff). Ohne diese, ist eine sinnvolle Deduktion nicht möglich, denn es entstünden Aussagen, die unabhängig vom Wahrheitswert logisch abgeleitet immer wahr sind, Aussagen, die keinen Erkenntnisgewinn bringen, so genannte Tautologien (vgl. Poser 2001: S. 47f).
3. Der empirische Gehalt des Explanans ist insofern eine Bedingung, als dass metaphysische Aussagen somit auszuschließen sind (vgl. Poser 2001: S. 48). Der wissenschaftliche Wert eine Erklärung wird gewahrt.
4. Nur wenn das Explanans der Wahrheit entspricht, ist auch die Ableitung, das Explanandum wahr (vgl. Hempel 1977: S. 7). Also müssen die Sätze über die betroffenen Sachverhalte und allgemeinen Gesetze immer wahre Sätze sein (vgl. Poser 2001: S. 48).

Wenn ein zu erklärendes Phänomen die oben genannten Bedingungen erfüllt, so lässt es sich mit dieser Methode untersuchen und erklären. Dieses soll an einem Beispiel gezeigt werden.

3.2 DAS MODELL IN DER ANWENDUNG

Das zu erklärende Phänomen ist die aus der Soziologie stammende Ausprägung

„Ausländerfeindlichkeit“ (Schnell et. al. 2004: 55) in verschiedenen Formen und Ausprägungen in einer bestimmten Gesellschaftsgruppe. Ausländerfeindlichkeit nimmt in dem sozialen Gefüge starken Einfluss auf die verbale und nonverbale Kommunikation und ist somit in diesem kommunikationswissenschaftlichen Kontext ein anschauliches Beispiel. Es stellt sich die Frage: Warum tritt hier Ausländerfeindlichkeit auf (vgl. Hempel 1977: S. 6)?

Zunächst müssen die Anfangsbedingungen, die so genannten Antecedensbedingungen des Explanandums ,Ausländerfeindlichkeit´ festgestellt werden (vgl. Poser 2001: S. 46). Diese sind in diesem Beispiel die Konkurrenzen in der Gesellschaftgruppe an den Arbeitsplätzen und auf dem Wohnungsmarkt. Für eine Erklärung ist nun noch ein Gesetz nötig. Es lautet beispielhaft: „Wenn in dieser Gesellschaftsgruppe sich die Einheimischen in einer Konkurrenzsituation zu Ausländern sehen, dann neigen sie zu Ausländerfeindlichkeit (vgl. Schnell 2004: S. 56).“ Eine empirische Überprüfung des Phänomens stellt sich hier dar als überprüfbare Indikatoren wie z.B. negative Betitelungen von Ausländern am Arbeitsplatz, ausländerfeindliche Beschriftungen an Hauseingängen von Ausländern oder öffentliche Drohgebärden gegenüber Ausländern in dieser Gesellschaftsgruppe. Eine empirische Überprüfung der Konkurrenz sei hier beispielsweise die bessere Bezahlung von Ausländern bei gleicher Arbeitsleistung und niedrigere Mieten für Ausländer in den Wohnungen in dieser Gesellschaftsgruppe. Es herrscht also in dieser Gesellschaftsgruppe Ausländerfeindlichkeit. In diesem Beispiel wird davon ausgegangen, dass die getroffenen Aussagen wahr sind. So sind die Bedingungen erfüllt und das Explanandum ,Ausländerfeindlichkeit´ lässt sich aus den genannten Aussagen aus dem Explanans logisch deduktiv ableiten:

[...]

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Details

Titel
Die deduktiv-nomologische Erklärung. Die Schwierigkeit wissenschaftlicher Erklärungsmodelle
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V503435
ISBN (eBook)
9783346037923
ISBN (Buch)
9783346037930
Sprache
Deutsch
Schlagworte
D-N-Modell, DN-Modell, deduktiv-nomologisches Modell, deduktiv-nomologische Erklärung, Wissenschaftstheorie, Kommunikationswissenschaft, soziale Phänomene, wissenschaftliche Erklärungsmodelle, Sozialwissenschaftliche Erklärungsmodelle, sozialwissenschaftliche Erklärungen, Deduktion, Empirismus, Rationalismus, Philosophie, I-S-Modell, IS-Modell, Induktiv-Statistisches Modell, Carl Gustav Hempel, Paul Oppenheim, Naturwissenschaft, Axiome, Ableitungen, wissenschaftliche Phänomene, empirische Phänome, Erklären empirischer Phänomene, wissenschaftliche Erklärungsversuche, Voraussage, Kritik D-N-Modell, Kritik I-S-Modell, Kritik DN-Modell, Kritik IS-Modell, Hypothesen, Falsifikation, falsifizieren, Popper, Explanans, Explanandum, Ausländerfeindlichkeit, Schnell, Antecedensaussagen, Kausalzusammenhang, Kausalzusammenhänge, Wahre Sätze, Allgemeingültige Sätze, Unvollständige Erklärungen, ad-hoc-Erklärung, partielle Erklärtung, zirkulärer Schluss, Metaphysik, implizite Gesetze, Antecedensbedingung
Arbeit zitieren
Alke Eva Caris (Autor), 2012, Die deduktiv-nomologische Erklärung. Die Schwierigkeit wissenschaftlicher Erklärungsmodelle, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/503435

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