Unterrichtsvorbereitung gehört zu den zentralen Aufgaben einer Lehrperson. Sie ist wesentlicher Bestandteil der Lehrertätigkeit und gehört zum Alltag einer jeden Lehrkraft. Unterricht ist ohne Unterrichtsvorbereitung nicht denkbar, da eine unzureichende oder fehlende Vorbereitung starken Einfluss auf die Qualität des Unterrichts nimmt. Abzugrenzen ist hier die Unterrichtsvorbereitung von der Unterrichtsplanung. Letztgenannte geht, dem Verständnis dieser Studie nach, der konkreten Vorbereitung voraus und beschäftigt sich mit didaktischen Entscheidungen zu Inhalt, Ziel, Methode und Medium:
„Vorbereitung meint die Umsetzung der bloß im Kopf vorgenommenen Planungsentscheidungen in konkrete Maßnahmen“ (Peterßen 2004).
Zur Planung und Vorbereitung von Unterricht wurden in der Allgemeinen Didaktik einige Modelle aufgestellt, die sich oft damit beschäftigen, welche Aspekte den größten Einfluss auf das Planungshandeln von Lehrkräften haben. Vor dem Hintergrund pädagogischer Auffassungen und wissenschaftlicher Theorien versuchen diese Modelle auch, sowohl angehenden als auch erfahrenen Lehrpersonen eine Orientierung im komplexen Strukturgefüge der Unterrichtsplanung und -vorbereitung zu geben. Angehende Lehrkräfte (Novizen) haben bei der Vorbereitung von Unterricht mitunter andere Probleme und eine andere Vorgehensweise als erfahrende Lehrpersonen (Experten). Da Unterrichtsvorbereitung ein Bestandteil der Lehrerausbildung ist, orientieren sich Novizen zunächst an vorgegebenen Konzepten (Raster, Schemata), die ihnen aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung Sicherheit geben können. In untersuchten Unterrichtsentwürfen von Novizen wird deutlich, dass diese sich noch sehr starr an normativen Planungsvorgaben orientieren (vgl. Jank/Meyer 2009; Peterßen 2004). Daher stellt sich die Frage, inwieweit sich die Unterrichtsvorbereitung von Novizen und Experten unterscheidet. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede kristallisieren sich heraus und inwiefern spielt die Routine der Experten dabei eine Rolle? Sowohl die Unterrichtsvorbereitung von Novizen als auch der Vergleich mit Experten wurden in empirischen Untersuchungen bislang kaum fokussiert. Meist wurde dieser Aspekt nur als einer von vielen untersucht (vgl. Bromme 1981, 1992; Seel 2011; Haas 1998). Besonders im deutschsprachigen Raum liegen nur wenig empirisch abgesicherte Erkenntnisse vor.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeine Didaktik und Unterrichtsvorbereitung
2.1 Begriffsbestimmung: Unterrichtsplanung vs.
Unterrichtsvorbereitung
2.2 Didaktische Modelle
2.2.1 Didaktische Modelle der Unterrichtsvorbereitung
2.2.2 Bildungstheoretische Didaktik - Didaktische Analyse und
Perspektivenschema
2.2.3 Lerntheoretische Didaktik – Berliner Modell & Hamburger Modell
2.2.4 Weitere Modelle
2.3 Stufen der Unterrichtsplanung und -vorbereitung
2.4 Grundsätze der Unterrichtsvorbereitung
2.5 Aktuelle Tendenzen in der Unterrichtsvorbereitung
3 Vom Wissen, Können und Handeln einer Lehrperson
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Das Experten-Novizen-Paradigma
3.3 Erkenntnisse der Expertiseforschung
4 Empirische Forschung zur Unterrichtsvorbereitung
4.1 Empirische Ergebnisse
4.2 Kontext
4.3 Abfolge
4.4 Inhalte
4.5 Schriftliche Notizen
4.6 Materialien und Medien
4.7 Fächerbedingte Unterschiede
4.8 Kooperatives Planen
4.9 Routinen bei der Unterrichtsvorbereitung
4.10 Zusammenfassung und Fazit
4.11 Tabellarische Übersicht der empirischen Untersuchungen
5 Forschung
5.1 Erkenntnisinteresse
5.2 Ableitung von Forschungsfragen und Hypothesen
5.3 Methodik
5.3.1 Methodologische und methodische Vorüberlegungen
5.3.2 Erhebungsdesign
5.3.3 Stichprobe
5.3.4 Auswertungsdesign
5.4 Analyse, Interpretation und Konsequenzen der Untersuchung
5.4.1 Beruflicher Werdegang
5.4.2 Aktuelle Entwicklungen
5.4.3 Unterrichtsmaterial
5.4.4 Abfolge
5.4.5 Schriftliches
5.4.6 Unterschiede
5.4.7 Früher-Heute
5.4.8 Kontext
5.5 Kritik an der verwendeten Forschungsmethode
6 Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Diskussion der Forschungsergebnisse
6.2 Konsequenzen für die Lehrerausbildung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Unterrichtsvorbereitungshandeln von Experten und Novizen im Vergleich, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Planungspraxis zu identifizieren und den Einfluss von Routine und Erfahrung zu beleuchten. Basierend auf einer qualitativen Studie wird analysiert, wie verschiedene Lehrkräfte ihre Unterrichtsstunden methodisch und inhaltlich aufbereiten und welchen Stellenwert theoretische didaktische Modelle dabei in der gelebten Praxis einnehmen.
- Vergleich von Experten- und Novizen-Strategien bei der Unterrichtsvorbereitung
- Rolle der Expertise und Routine in der Lehrertätigkeit
- Analyse des Einflusses von Kontextfaktoren wie Ort, Zeit und Medium
- Untersuchung von schriftlichen Planungsnotizen als Ausdruck kognitiver Prozesse
- Ableitung von Konsequenzen für die Ausbildung angehender Lehrkräfte
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Unterrichtsvorbereitung gehört zu den zentralen Aufgaben einer Lehrperson. Sie ist wesentlicher Bestandteil der Lehrertätigkeit und gehört zum Alltag einer jeden Lehrkraft. Unterricht ist ohne Unterrichtsvorbereitung nicht denkbar, da eine unzureichende oder fehlende Vorbereitung starken Einfluss auf die Qualität des Unterrichts nimmt. Abzugrenzen ist hier die Unterrichtsvorbereitung von der Unterrichtsplanung. Letztgenannte geht, dem Verständnis dieser Studie nach, der konkreten Vorbereitung voraus und beschäftigt sich mit didaktischen Entscheidungen zu Inhalt, Ziel, Methode und Medium:
„Vorbereitung meint die Umsetzung der bloß im Kopf vorgenommenen Planungsentscheidungen in konkrete Maßnahmen“ (Peterßen 2004, S.11).
Zur Planung und Vorbereitung von Unterricht wurden in der Allgemeinen Didaktik einige Modelle aufgestellt, die sich oft damit beschäftigen, welche Aspekte den größten Einfluss auf das Planungshandeln von Lehrkräften haben. Vor dem Hintergrund pädagogischer Auffassungen und wissenschaftlicher Theorien versuchen diese Modelle auch, sowohl angehenden als auch erfahrenen Lehrpersonen eine Orientierung im komplexen Strukturgefüge der Unterrichtsplanung und -vorbereitung zu geben. Angehende Lehrkräfte (Novizen) haben bei der Vorbereitung von Unterricht mitunter andere Probleme und eine andere Vorgehensweise als erfahrende Lehrpersonen (Experten). Da Unterrichtsvorbereitung ein Bestandteil der Lehrerausbildung ist, orientieren sich Novizen zunächst an vorgegebenen Konzepten (Raster, Schemata), die ihnen aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung Sicherheit geben können. In untersuchten Unterrichtsentwürfen von Novizen wird deutlich, dass diese sich noch sehr starr an normativen Planungsvorgaben orientieren (vgl. Jank/Meyer 2009; Peterßen 2004). Daher stellt sich die Frage, inwieweit sich die Unterrichtsvorbereitung von Novizen und Experten unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das zentrale Thema der Unterrichtsvorbereitung, grenzt den Begriff zur Unterrichtsplanung ab und führt in die Problemstellung des Experten-Novizen-Vergleichs ein.
2 Allgemeine Didaktik und Unterrichtsvorbereitung: Dieses Kapitel erläutert didaktische Grundbegriffe, stellt zentrale Planungsmodelle (z.B. Berliner Modell) vor und diskutiert Grundsätze sowie aktuelle Tendenzen.
3 Vom Wissen, Können und Handeln einer Lehrperson: Hier werden die Begriffe Novize und Experte definiert und das Experten-Novizen-Paradigma sowie Erkenntnisse der Expertiseforschung dargestellt.
4 Empirische Forschung zur Unterrichtsvorbereitung: Dieses Kapitel fasst bisherige empirische Ergebnisse zusammen, von der Planung von Kontexten und Inhalten bis hin zur Rolle von Routinen.
5 Forschung: Der Hauptteil der Arbeit erläutert das Erkenntnisinteresse, die Ableitung der Hypothesen und die methodische Vorgehensweise der eigenen qualitativen Untersuchung.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Diskussion der gewonnenen Forschungsergebnisse ab und leitet daraus pädagogische Konsequenzen für die Lehrerausbildung ab.
Schlüsselwörter
Unterrichtsvorbereitung, Unterrichtsplanung, Experten-Novizen-Paradigma, Lehrerexpertise, Didaktik, Lehrerbildung, Empirische Forschung, Qualitative Analyse, Berufserfahrung, Routine, Schulbuch, Medienwahl, Unterrichtsentwurf, Schulpraxis, Kompetenzorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das alltägliche Planungshandeln von Lehrkräften und vergleicht dabei die Herangehensweisen von erfahrenen Experten mit denen von Studierenden bzw. Novizen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Prozess der Unterrichtsvorbereitung, die Bedeutung von Erfahrung und Routine, die Nutzung von Medien und Materialien sowie die Rolle der Ausbildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Experten und Novizen bei der Unterrichtsvorbereitung zu identifizieren und den Einfluss von Routine auf das professionelle Handeln zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine qualitative Forschungsmethode in Form von teilstrukturierten, mit Karten moderierten Leitfadeninterviews, ergänzt durch eine qualitative Inhaltsanalyse.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich nach einer theoretischen Fundierung mit der empirischen Untersuchung, der Auswertung der Interviews und der Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich verschiedener Kategorien wie Abfolge, Kontext und schriftliche Fixierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Unterrichtsvorbereitung, Expertiseforschung, Experten-Novizen-Paradigma, Lehrerbildung und Unterrichtsplanung.
Inwiefern beeinflusst das Alter oder die Schulform die Planung?
Die Studie deutet darauf hin, dass die Berufserfahrung und die damit verbundene Routine die Planung stärker beeinflussen als das Alter oder die Schulform allein, wobei jedoch auch fachspezifische Unterschiede bestehen.
Spielt der Bildungsplan eine wichtige Rolle für Experten?
Interessanterweise gaben Experten an, dass sie den Bildungsplan oft nur indirekt nutzen, da sie durch ihre Erfahrung bereits wissen, welche Kompetenzen gefordert sind und sich stärker am Schulbuch oder an der Prüfung orientieren.
Welchen Stellenwert hat das Studium für die Unterrichtsvorbereitung?
Die befragten Studierenden und Experten gaben an, dass die praktische Erfahrung (z.B. durch Praktika/ISP) einen deutlich höheren Stellenwert für ihre professionelle Entwicklung hat als rein theoretische Studieninhalte.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Medien zwischen beiden Gruppen?
Während beide Gruppen den Overheadprojektor nutzen, zeigen Experten eine stärkere Tendenz zur Nutzung neuerer Medien, stoßen dabei jedoch häufig auf schulische Rahmenbedingungen, die den Einsatz erschweren.
- Arbeit zitieren
- Ramona Frommknecht (Autor:in), 2016, Unterrichtsvorbereitung. Ein Experten-Novizen-Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506061