Todesanzeigen als Gegenstand einer textlinguistischen Untersuchung


Seminararbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Einbettung

3 Textanalyse
3.1 Textgrammatik
3.2 Textthema
3.3 Textfunktion
3.4 Emotionalität
3.5 Zusammenfassung

4 Fazit

5 Anhang

5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Beispieltexte

1 Einleitung

Der Tod gehört schon seit jeher zu den großen Tabuthemen, die es in unserer Gesellschaft gibt. Trotzdem gelangt die mit ihm verbundene Todesanzeige zu einer immer größer werdenden Beliebtheit. In den Tageszeitungen gibt es eine eigene Rubrik für das Veröffentlichen von Todesfällen und auch im Internet existieren immer mehr Websites, sogenannte „Online-Friedhöfe“, dafür. Wenngleich jede Zeitung und jeder „Anbieter“ eine eigene grafische Gestaltung für die Todesanzeige besitzt, gibt es doch essentielle Eigenschaften, die alle Anzeigen gemeinsam haben.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Textsorte Todesanzeige zu beschreiben, mit verschiedenen Mitteln der Textlinguistik zu untersuchen und anhand von Beispielen zu veranschaulichen. Dafür findet zuerst eine theoretische Einbettung statt, welche die wichtigsten text-linguistischen Voraussetzungen der Todesanzeigen beinhaltet.

Gefolgt wird dieser Bereich von der Textanalyse, welche in mehrere Teilkapitel gegliedert ist. Dazu gehört die Textgrammatik, das Textthema mit besonderem Blick auf den themenanalytischen Dreischritt, die Textfunktion sowie auch die Emotionalität, welche den Todesanzeigen innewohnt. Dieses Kapitel beinhaltet auch eine kurze Zusammenfassung der Textsorte Todesanzeige und dessen Besonderheiten.

Vollendet wird diese Arbeit mit einem kurzen Fazit, welches das Spezielle, das Besondere in Hinblick auf die Emotionen in den Todesanzeigen hervorhebt.

Die Namen und Bilder von in dieser Seminararbeit verwendeten Todesanzeigen, welche als Beispielmaterial dienen sollen, wurden unkenntlich gemacht, um die Aufmerksamkeit von den Verstorbenen hin zur Textsorte selbst zu lenken und um die Privatsphäre der Verstorbenen und deren Angehörigen zu schützen.

2 Theoretische Einbettung

Um sich mit der Textsorte der Todesanzeigen näher befassen zu können, bedarf es zuerst einer groben theoretischen Einbettung. „[Todesanzeigen an sich] sind private offene Anzeigen, die für Verwandte, Freunde, Arbeits- und Teamkollegen, Vereinsmitglieder oder Sportkameraden aufgegeben werden“ (Möller 2009: S. 9). Anzeigen werden also von einer Privatperson oder einer Institution in einer Zeitung für alle sichtbar veröffentlicht. Todesanzeigen sind neben Kleinanzeigen die einzigen Texte, welche von Privatpersonen aufgesetzt werden und gehören zu den meistgelesenen Zeitungstexten, weit vor dem redaktionellen Teil (ebd.: S. 9).

Die Textsorte Todesanzeige zählt zu den Textsorten des Alltags. Für Heinemann (2000: S. 604) ist der Alltag ein festgelegter, von Wiederholung gekennzeichneter und durch Arbeit bestimmter Ablauf des Lebens. Daher ist das Verständnis von Alltag auch nicht für Jedermann gleich, da die Lebensabläufe individuell sind. Der Begriff Alltag impliziert Bewusstseinsinhalte wie Wiederholung, Trivialität und auch Monotonie (Heinemann 2000: S. 606). Auch die Todesanzeige ist von diesen Bewusstseinsinhalten geprägt. Durch tägliches Erscheinen von Anzeigen in Zeitungen, erringt die Textsorte eine alltägliche Wiederholung.

Die Textsorte Alltagstexte lässt sich anhand einiger Merkmale erkennen, die Heinemann (2000: S. 607) in 5 Gruppen aufgeteilt hat: Funktion, Situation, Textinhalt und Textthema, Textstrukturierung und Textformulierungen. Mit Funktion bezieht sich Heinemann vorrangig auf die Funktion des Austauschs von sachlichen und persönlichen Informationen. Dabei gehören die miteinander kommunizierenden Kleinst- und Kleingruppen an, meist Familie, Freunde und Bekannte (Heinemann 2000: S. 608). Diese verschiedenen Möglichkeiten von miteinander Kommunizierenden fallen für Heinemann in die Gruppe der Situation. Mit dem Textinhalt und Textthema bezieht sich Heinemann auf die spontane Entfaltung des Textes, der nicht von langer Hand geplant wird, sondern in der Regel aus der Situation heraus entsteht, so wie es auch bei den Todesanzeigen der Fall ist. Die Textstrukturierung wird wie folgt beschrieben:

„[Bei der] Strukturierung von Alltagstexten dominieren spontan gestaltete und daher wenig gegliederte und kaum organisierte Texte. In der Alltagskommunikation […] fordern bestimmte Textsorten […] aber auch die Befolgung bestimmter Grundmuster des Textaufbaus“ (Heinemann 2000: S. 608).

Dies ist auch der Fall bei den Todesanzeigen, die zwar ein bestimmtes Grundmuster besitzen am Ende jedoch von jedem individuell gestaltet werden können. Im letzten Punkt, der Textformulierung, geht es vor allem um die Verwendung der Alltagssprache und das Vermeiden von schwierigen Konstruktionen und außergewöhnlichen Stilmitteln (ebd.: S. 608).

Aktuelle Forschungsarbeiten, die sich explizit auf den Bereich der Todes- und Traueranzeigen konzentrieren, sind nur sehr schwer zu finden. Da wäre einerseits Petra Möller, die in ihrem Werk „Todesanzeigen – Eine Gattungsanalyse“ von 2009 versucht, sehr theoretisch an die einzelnen Bausteine einer Todesanzeige heranzugehen. Jedoch ist die Literatur, die sie dafür verwendet, größtenteils noch vor der Jahrtausendwende erschienen. Ein etwas älteres Werk veröffentlichte Yvonne Gächter mit „Die Textsorte Todesanzeige in österreichischen Tageszeitungen“ im Jahr 2008. Hierbei handelt es sich um einen Vergleich von Todesanzeigen aus dem Jahre 2003 mit jenen aus dem Jahre 1993.

3 Textanalyse

3.1 Textgrammatik

Die Textgrammatik untersucht, wie aus einer Aneinanderreihung von sprachlichen Elementen, also Wörtern und Sätzen, ein zusammenhängender Text entstehen kann. Dabei gibt es so einige Hinweise, anhand welcher TextrezipientInnen Zusammenhänge im Text erschließen können. Diese Hinweise werden in verschieden Gruppen unterteilt, dabei gibt es textrelevante Wiederholungen, grammatische Vor- und Rückverweise, Relationshinweise sowie textsorten-relevante Strukturhinweise. Diese werden im Folgenden kurz beschrieben und anhand eines Beispieltextes veranschaulicht.

Textrelevante Wiederholungen

Die wohl am einfachsten zu erkennende Gruppe, sind die textrelevanten Wiederholungen. Die Textverknüpfung beruht unter anderem darauf, dass es in Texten etwas gibt, was konstant bleibt und Wiederholungen machen diese Konstanz erfahrbar. Dabei kommt es nicht nur zu Wiederholungen von Buchstaben, Buchstabenkombinationen und Wörtern, sondern auch von Sätzen und syntaktischen Konstruktionen. Neben diesen Wiederholungen gibt es auch wiederkehrende morphologische Merkmale wie Tempus-, Modus- und Diathesenkonstanz. Durch die Kürze der Textsorte gibt es nur sehr wenige textrelevante Wiederholungen in Todesanzeigen.

Sie können eine Tempuskonstanz besitzen, da sie zwar zum größten Teil in Präsens verfasst werden, es aber auch Textpassagen geben kann, welche ins Präteritum gesetzt sind. Zudem kann es auch eine Moduskonstanz geben, wenn die Anzeige zum Beispiel in den Imperativ wechselt, kann dies auf einen Instruktionsabschnitt hindeuten. Wiederholungen von Wörtern oder gar Sätzen sind hingegen kaum zu finden.

Grammatische Vor- und Rückverweise

Neben den textrelevanten Wiederholungen gibt es auch grammatische Vor- und Rückverweise. Diese grammatischen Mittel, welche meist Pronomen und Artikel sind, besitzen die Funktion, auf etwas anderes in einem Text zu verweisen. Dabei variiert der Umfang des Elements, auf welches durch die Verkettungshinweise hingedeutet wird. Als Verweisziel können einzelne Wörter sowie auch komplexe Nominalgruppen, ganze Sätze und Satzfolgen dienen.

Die Textsorte Todesanzeige besitzt durch ihre kurze Ausprägung nur vereinzelt Verkettungshinweise. Im hier herangezogenen Beispiel gibt es ein Personalpronomen, welches als Rückverweis dient. „Der Trauergottesdienst für unsere liebe B. findet am Freitag […] statt. Gemeinsam beten wir für sie am Mittwoch […]“ (Beispieltext 1). Das Personalpronomen „sie“ verweist in diesem Beispiel auf die vorhin erwähnte Person.

Relationshinweise

Ein weiterer wichtiger Untersuchungsgegenstand im Bereich der Textgrammatik sind die Relationshinweise. Diese helfen uns zu verstehen, wie bereits Gelesenes und noch zu Lesendes zueinander in Verbindung gesetzt werden sollen. Und auch wenn die Textsorte Todesanzeige eine recht Kurze ist, gibt es dennoch einige Relationshinweise.

Da wären zuallererst additive Relationshinweise, dabei wird ein Sachverhalt 2 zu einem Sachverhalt 1 hinzugefügt. Typische Konjunktionen und Adverbien dafür sind: und, oder, auch, außerdem, zudem. Im hier besprochenen Beispiel besitzt der Text einen Relationshinweis: „Allen, die an den Rosenkränzen und an der Beerdigung teilnehmen […] ein herzliches Vergelt‘s Gott“ (Beispieltext 1). Die Konjunktion „und“ verknüpft beide Sachverhalte zu einer gemeinsamen Einheit.

Ein weiterer Relationshinweis, den der Text beinhaltet, ist der temporale Relationshinweis. Dabei wird zuerst ein Sachverhalt 1 geäußert und danach ein Sachverhalt 2 in eine zeitliche Beziehung zu Sachverhalt 1 gesetzt. Dabei kann der Sachverhalt 2 vorzeitig, nachzeitig sowie auch gleichzeitig sein. In dem hier untersuchten Textbeispiel, handelt es sich um einen nachzeitigen temporalen Relationshinweis. Erkennbar sind diese besonders an Wörtern wie: anschließend, dann, daraufhin, schließlich, nachher. “Der Trauergottesdienst für unsere liebe B. findet am Freitag […] statt. Anschließend erfolgt die Beisetzung im Ortsfriedhof“ (Beispieltext 1). Der Sachverhalt 2, die Beisetzung, wird hier in eine zeitliche Beziehung zum Sachverhalt 1, dem Trauergottesdienst, gesetzt. Diese Form von Relationshinweisen kommt in der Todesanzeige sehr häufig zur Anwendung.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Todesanzeigen als Gegenstand einer textlinguistischen Untersuchung
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Germanistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V506231
ISBN (eBook)
9783346063533
ISBN (Buch)
9783346063540
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textlinguistische Untersuchung, Todesanzeige, Textsorte, Busch, Stenschke, Yvonne Gächter, Die Textsorte Todesanzeige in, österreichischen Tageszeitungen, Margot Heinemann, Textsorten des Alltags, Petra Möller, Todesanzeigen - Eine Gattungsanalyse, Zum Ausdruck von Emotionen in Todes- und Traueranzeigen, Stephan Stein
Arbeit zitieren
Simon Riegler (Autor), 2018, Todesanzeigen als Gegenstand einer textlinguistischen Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506231

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