Diese Arbeit thematisiert emotionsfokussierte Beratung im schulischen Feld. Im Fokus stehen Kommunikation und Kontakterfahrungen, nicht nur zwischen Personen, sondern weitergehend zwischen Gegenständen, Wissenschaften, Ideen und Ansätzen. Beziehungen werden eine besondere Rolle zugetan und in verschiedenen Kontexten betrachtet oder neu hergestellt. In einem hypothetischen Gedankenspiel wird der Ansatz der Emotionsfokussierten Therapie in Form einer Emotionsfokussierten Beratung für das pädagogische Handlungsfeld Schule umformuliert. Alle vollzogenen Schritte stehen unter dem Aspekt der Emotionen. Diese werden nicht als die Konsequenz von Beziehungen verstanden, sondern als Basis jedes menschlichen Handelns und stellen den Kern der Emotionsfokussierten Therapie nach Leslie S. Greenberg dar.
In hypothetischer Ausführung wird ein Konzept beschrieben, wie eine Emotionsfokussierte Beratung an Schulen umsetzbar wäre. Dabei werden unter anderem der Bedarf einer solchen Beratung durch aktuelle psychische Belastungen bei Schülern und Lehrern bestätigt und exemplarische Fallbeispiele aufgezeigt.
Der Humanismus beschreibt ein Bildungsideal, welches die Würde des Menschen unter Berücksichtigung seines bewussten Handelns betont. Die Annahme, den Menschen in seiner Ganzheit einschließlich seinen anthropologischen Voraussetzungen und als aktives Geschöpf mit der Freiheit der Wahl wahrzunehmen, unterlag unterschiedlichen Einflüssen, die letzten Endes die Perspektive der humanistischen Psychologie (HP) ausmachen.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT
A HUMANISTISCHE PSYCHOLOGIE UND PÄDAGOGIK
A.I Humanistische Psychologie
I.1 Entstehung der Wissenschaft
I. 1. 1 Wurzeln
I. 1. 2 Gesellschaftliche Einflüsse
I. 1. 3 Phänomenologisches und existenzialistisches Denken
I. 1. 4 Bedeutung der Transzendenz
I.2 Menschenbild
I. 2. 1 Bedeutung der historischen Epoche
I. 2. 2 Authentizität des Menschen
I. 2. 3 Ganzheit des Menschen
I. 2. 4 Bewusstheit und Sinnorientierung
I. 2. 5 Freiheit und Bezogenheit
I. 3 Prozessorientierte Ansätze
I. 3. 1 Gesprächstherapie
I. 3. 2 Gestalttherapie
I. 3. 3 Psychodrama
I. 3. 4 Bioenergetik
I. 3. 5 Themenzentrierte Interaktion (TZI)
I. 3. 6 Transaktionsanalyse (TA)
A. II Einflüsse auf die Pädagogik
II. 1 Beziehung zwischen Psychologie und Pädagogik
II. 1. 1 Psychologie
II. 1. 2 Pädagogik
II. 1. 3 Nähe und Distanz der Wissenschaften
II.2 Humanistische Pädagogik
II. 2. 1 Entwicklung
II. 2. 2 Anliegen
II. 2. 3 Überschneidungen in der Praxis
B BEZIEHUNGEN GESTALTEN UND KONTAKTE KNÜPFEN
B. I Therapie – Beratung – Pädagogik
I.1 Zusammenhang Therapie und Beratung
I. 1. 1 Therapie
I. 1. 2 Beratung
I. 1. 3 Nähe von Therapie und Beratung
I.2 Zusammenhang: Therapie und Pädagogik
B. II In Beziehung gehen
II. 1 Beziehungsaspekte in der Gesprächs- und Gestalttherapie
II. 1. 1 Beziehungen herstellen
II. 2. 2 Kontakte knüpfen
II. 2. 3 Beziehung zwischen Klient und Therapeut
II. 2. 4 Beziehung von Individuum zu seinem Selbst
II. 2. 5 In Kontakt mit dem Bewusstsein
II. 2. 6 Beziehung zwischen Gegenwart und Erfahrung
II. 2. 7 Beziehung zwischen Entwicklung – Wachstum – Veränderung
II. 2. 8 Beziehungsindikator Emotionen
II. 2. 9 Beziehung zwischen Gesprächstherapie und Gestalttherapie
II. 2 Übertragung auf die Emotionsfokussierte Therapie
II. 2. 1 Das Konzept
II. 2. 2 Einflüsse
II. 2. 2. 1 Humanistische Therapien
II. 2. 2. 2 Erlebnisorientierte Theorie
II. 2. 2. 3 Aspekte
II.3 Darüber hinaus…
II. 3. 1 Marker
II. 3. 2 Zwei-Stuhl-Technik
II. 3. 3 Wirksamkeit
C EMOTIONSFOKUSSIERTE THERAPIE - EMOTIONSFOKUSSIERTE BERATUNG?
I. Bezug zwischen Pädagogik - psychosozialer Beratung – EF-Beratung
II. Bedarf einer EF-Beratung
II. 1 Stress
II. 2 Angst
II. 3 Depression
II. 4 Auswirkungen auf Lern- und Leistungsprozesse
III. Einbettung in einen pädagogischen Kontext
III. 1 Beratungsangebote an Schulen
III. 2 Emotionsfokussierte Beratung – eine Erweiterung der Schulberatung?
III. 3 Mögliche Ansatzpunkte für die Praxis
IV. Exemplarische Fallbeispiele
IV. 1 Emotionsfokussierte Schüler-Beratung
IV. 2 Emotionsfokussierte Lehrer-Beratung
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der Emotionsfokussierten Therapie (EFT) nach Leslie S. Greenberg und deren Anwendungspotenzial in Form einer "Emotionsfokussierten Beratung" innerhalb des pädagogischen Handlungsfelds Schule. Ziel ist es, ein Konzept zu entwerfen, das Lehrer und Schüler bei der Bewältigung psychischer Belastungen unterstützt und durch die Integration emotionsfokussierter Techniken eine nachhaltige Förderung der psychischen Gesundheit im Schulalltag ermöglicht.
- Vergleich und Synthese humanistischer Therapieformen und der EFT
- Analyse des Bedarfs an psychosozialer Beratung in der Institution Schule
- Übertragung therapeutischer Methoden (z. B. Zwei-Stuhl-Technik) in einen pädagogischen Kontext
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen emotionalen Zuständen und Lernprozessen
- Konzeptualisierung einer emotionsfokussierten Beratungsform für den Schulalltag
Auszug aus dem Buch
II. 3. 1 Marker
Die sogenannten Marker173 beschreibt Greenberg als „im Verhalten eines Klienten ablesbare Indikatoren, an welcher Aufgabe oder welchem Thema der Klient gerade arbeitet oder in welchem Erlebniszustand er sich befindet“174. Sie erfordern eine genaue Beobachtung von Prozessanzeichen in der Therapie und gehören damit zu den speziellen Strategien der EFT im Umgang mit Emotionen. An die Marker knüpfen entsprechende Interventionen, „therapeutische Aufgaben“175, an, so ist das Herausarbeiten und Deuten dieser verbalen oder non-verbalen Signale des Klienten von grundlegender Funktion.
Des Öfteren sind bestimmte Marker stark mit bestimmten Störungsbildern assoziiert, beispielsweise selbstkritische Prozesse mit Affektiven Störungen oder Selbstberuhigung mit Angststörungen176. Marker eines Klienten geben nicht nur seinen momentanen Verarbeitungszustand und die spezielle Intervention an, sie geben auch Aufschluss über die gegenwärtige Bereitschaft des Klienten, an dem problematischen Zustand zu arbeiten.
Im Sinne von Greenberg177 werden nun die Hauptmarker näher beschrieben: Marker 1: Problematische Reaktionen, die sich anhand von Verwirrung angesichts emotionaler oder verhaltensbezogener Reaktionen auf bestimmte Situationen äußern. Ein Beispiel dafür kann ein Klient sein, der erzählt, er habe einen kleinen Hund mit großen Augen beim Spaziergang gesehen und habe sich plötzlich traurig gefühlt. In diesem Fall ist ein systematisches Vorgehen des Therapeuten gefragt. Durch das Wiederholen der Szene soll die erfahrene Emotion erneut durchlebt werden mit dem primären Ziel, die Verbindung zwischen der erlebten Situation und der emotionalen Reaktion herauszuarbeiten, um letzten Endes auf die implizite Bedeutung der Situation zu kommen, welche die Emotion nachvollziehbar macht178.
Zusammenfassung der Kapitel
A Humanistische Psychologie und Pädagogik: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge und das Menschenbild der Humanistischen Psychologie und deren Einfluss auf die moderne Pädagogik.
B BEZIEHUNGEN GESTALTEN UND KONTAKTE KNÜPFEN: Hier werden die methodischen und theoretischen Schnittstellen zwischen Therapie, Beratung und Pädagogik analysiert, um die Basis für einen neuen Beratungsansatz zu legen.
C EMOTIONSFOKUSSIERTE THERAPIE - EMOTIONSFOKUSSIERTE BERATUNG?: Dieser Teil überträgt das therapeutische Modell der EFT auf das pädagogische Feld und konkretisiert die Anwendung anhand von Fallbeispielen.
Schlüsselwörter
Emotionsfokussierte Therapie, Humanistische Psychologie, Pädagogik, Beratung, Emotionen, Selbstkonzept, Prozessorientierung, Coping-Strategien, Schulberatung, Emotionsregulation, Zwei-Stuhl-Technik, Lehrergesundheit, Schulangst, Lernprozesse, Selbstorganisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Prinzipien und Methoden der Emotionsfokussierten Therapie in den schulischen Beratungskontext integriert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Humanistische Psychologie, Pädagogik, die EFT nach Greenberg, Stressmanagement und psychosoziale Beratung im Bildungssektor.
Was ist das primäre Ziel?
Ein theoretisch begründetes Konzept für eine "Emotionsfokussierte Beratung" an Schulen zu formulieren, um psychische Belastungen bei Schülern und Lehrern präventiv und intervenierend zu bearbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Auseinandersetzung mit humanistischen Therapieformen geführt, die durch psychologische Forschungsergebnisse zur EFT ergänzt und in ein pädagogisches Beratungsmodell übersetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Herleitung der theoretischen Grundlagen liegt der Fokus auf der praktischen Anwendung, insbesondere bei Stress und Angst, sowie der Nutzung spezifischer Techniken wie der Stuhl-Arbeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Prozessorientierung, Selbstaktualisierung, Emotionale Schemata, Coping und psychosoziale Reflexivität.
Wie unterscheidet sich die EF-Beratung von einer normalen Psychotherapie?
Die Beratung orientiert sich stärker an aktuellen, alltäglichen Situationen und zielt präventiv auf die Stärkung von Bewältigungskompetenzen, anstatt auf die Heilung pathologischer Persönlichkeitsstörungen.
Wie kann die Zwei-Stuhl-Technik in der Schule eingesetzt werden?
Sie wird genutzt, um Konfliktanteile (z.B. Selbstkritik) zu externalisieren, erlebbar zu machen und durch einen Dialogprozess zu integrieren, was Schülern bei der Überwindung von Blockaden hilft.
Warum ist das "Erleben" für diese Beratung so wichtig?
Weil nach der EFT emotionale Veränderungen die Basis für nachhaltige Entwicklungen bilden; das unmittelbare Erleben in der Sitzung ist somit der Schlüssel zur Veränderung.
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- Anuschka Fertig (Author), 2014, Emotionsfokussierte Beratung im schulischen Feld. Die Perspektive der Humanistischen Psychologie und Pädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/506945