In dieser Arbeit wird der Einfluss der englischen Sprache auf das Deutsche untersucht. Zu diesem Zwecke wird die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in einem deutschen Magazin analysiert. Jeweils zwei Ausgaben aus den Jahren 1985 und 2016 werden gegenübergestellt und verglichen. Der Vorteil von Printmedien ist, dass man leichten Zugriff auf große Datenmengen unterschiedlicher Jahre hat. Auch kann man Massenmedien als Spiegel der aktuellen Zeit betrachten. Sie üben einen großen Einfluss auf die Sprache und den Wortschatz durch die Verbreitung neuer Wörter aus. Die Zeitungssprache kann also sowohl schöpferisch agieren als auch aktuelle sprachliche Trends der Bevölkerung aufnehmen und widerspiegeln. Da Anglizismen ein Phänomen sind, welches vor allem in der Jugendsprache anzutreffen ist, wird bei der Analyse auf das auflagenstarke Jugendmagazin BRAVO zurückgegriffen.
Die Zielsetzung hierbei ist, zu zeigen, wie sich die Häufigkeit der Anglizismen über den Zeitraum von 21 Jahren verändert hat. In diesem Zusammenhang sollen die absolute und die relative Häufigkeit sowie die Häufigkeit nach Rubriken und Wortart miteinander verglichen werden. Welche Veränderung ist zu beobachten? Welche Trends sind erkennbar? Außerdem werden die zehn am häufigsten verwendeten Anglizismen aus beiden Jahrgängen analysiert. Es wird geklärt, ob deutsche Entsprechungen für die verwendeten Entlehnungen existieren und in welchen Kontexten das Wort auftauchen kann.
Sprachkontakt findet überall dort statt, wo verschiedene Sprachen oder Varietäten aufeinandertreffen. Dadurch kommt es zu einer wechselseitigen Beeinflussung. Für die Sprachenwissenschaft sind hierbei die Ergebnisse dieser Beeinflussung besonders interessant. Diese können sowohl auf der Ebene der Grammatik, der Pragmatik als auch des Wortschatzes stattfinden. Die Interaktion derer, die verschiedene Sprachen sprechen, führt unter anderem zu der Übernahme von Fremdwörtern. Diese spielen eine wichtige Rolle, denn sie können etwas über die Beziehung zu anderen Völkern und Ländern aussagen. Auch das Deutsche unterlag in seiner Geschichte einem stetigen Wandel und einer stetigen Beeinflussung durch verschiedene Sprachen. Den längsten und vor allem nachhaltigsten Einfluss übte das Lateinische auf die deutsche Sprache aus. In den Anfängen des 17. Jahrhunderts wurde der deutsche Wortschatz unter dem französischen Einfluss um viele Entlehnungen ergänzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Jugendsprache
2.2 Aktuelle Schwerpunkte der Jugendsprachforschung
2.2.1 Jugendsprache als Gruppenphänomen
2.2.2 Jugendsprache als Medienphänomen
2.2.3 Jugendsprache als internationales Phänomen
2.3 Merkmale von Jugendsprache
2.4 Jugendsprache in den Medien
3. Der Entlehnungsprozess aus dem Englischen
3.1 Historischer Umriss des Sprachkontakts
3.2 Sprachliche Entlehnungsarten
3.2.1 Äußeres Lehngut
3.2.1.1 Direkte Entlehnungen
3.2.1.2 Scheinentlehnungen
3.2.2 Inneres Lehngut
3.2.2.1 Lehnbedeutung
3.2.2.2 Lehnbildungen
3.3 Begriffsklärung: Anglizismus
3.3.1 Lehnmotivation von Anglizismen in der deutschen Sprache
3.3.2 Anglizismen in der Jugendsprache
4. Methodik und Korpus
4.1 Methodik
4.2 Regeln für die Auswertung
4.3 Korpuszusammenstellung
4.3.1 Allgemeines über die BRAVO-Zeitschrift
4.3.2 Gründe für die Auswahl der BRAVO
4.4 Genutzte Anglizismenwörterbücher
5. Anglizismen in der BRAVO
5.1 Vergleich der Anglizismenhäufigkeiten der Jahre 1985 und 2016
5.2 Häufigkeit nach Rubriken
5.3 Häufigkeit nach Wortart
5.4 Die zehn frequentesten Anglizismen
5.4.1 Anglizismen mit deutscher Entsprechung
5.4.2 Anglizismen ohne deutsche Entsprechung
5.4.3 Übersetzung und Analyse der zehn frequentesten Anglizismen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Englischen auf das Deutsche, indem sie die Häufigkeit und Verwendung von Anglizismen in der Jugendzeitschrift BRAVO analysiert und einen diachronen Vergleich zwischen den Ausgaben der Jahre 1985 und 2016 vornimmt, um sprachliche Trends und Entwicklungen innerhalb der Jugendsprache aufzuzeigen.
- Diachrone Untersuchung der Anglizismen-Frequenz in der BRAVO (1985 vs. 2016)
- Analyse der Verwendung nach Rubriken und Wortarten
- Qualitative Auswertung der zehn am häufigsten verwendeten Anglizismen
- Definition und theoretische Einordnung des Begriffs Anglizismus sowie dessen Rolle in der Jugendsprache
- Bewertung der Anglizismen im Hinblick auf den Bedarf an deutschen Entsprechungen
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Direkte Entlehnungen
Die Kategorien der Lehnwörter und Fremdwörter bilden innerhalb des englischen Worteinflusses die größte Gruppe (vgl. Yang 1990, S. 11). Ob ein Wort als Lehn- oder Fremdwort gilt, hängt von dem „Eindeutschungsgrad“ ab (ebd.). Der Duden beschreibt das Fremdwort als ein aus „einer fremden Sprache entnommenes oder in der übernehmenden Sprache mit Wörtern oder Wortteilen aus einer fremden Sprache gebildetes Wort“ (Duden 2016, Fremdwort). Die fremde Herkunft des Wortes lässt sich meist leicht erkennen. Beispiele für solche Fremdwörter aus dem Englischen sind Callgirl, Football, Barbecue, Business und viele weitere. Bei der Verwendung solcher substantivischen Fremdwörter in der deutschen Schriftsprache werden die Anfangsbuchstaben jedoch groß geschrieben.
Das Lehnwort ist ähnlich wie das Fremdwort ein aus einer anderen Sprache entnommener Begriff, jedoch wird er der Nehmersprache morphologisch und/oder orthographisch und/oder phonologisch angepasst (vgl. Yang 1990, S.11). Nach Yang (1990) stellen diese drei Faktoren die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale zwischen einem Fremd- und einem Lehnwort dar.
1. Morphologisches Merkmal: Unter diesem Merkmal versteht Yang, dass an jedes, ins Deutsche entlehnte Verb das deutsche Infinitivmorphem –e(n) angehangen wird (vgl. ebd.). Aus to dance wird also dancen, aus to chill wird chillen. Auch die Personalendungen werden bei der Flexion berücksichtigt (vgl. ebd.), zum Beispiel er hatte gestern gecampt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema Sprachkontakt und den Einfluss des Englischen auf das Deutsche vor, erläutert die Relevanz der Jugendzeitschrift BRAVO als Untersuchungsgegenstand und benennt die Zielsetzung der Arbeit.
2. Jugendsprache: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Jugendsprache, diskutiert aktuelle Forschungsschwerpunkte wie Jugendsprache als Gruppen- und Medienphänomen und benennt wesentliche Merkmale sowie die Rolle der Medien als "Promotoren des Wandels".
3. Der Entlehnungsprozess aus dem Englischen: Es wird ein historischer Umriss des Sprachkontakts gegeben und verschiedene linguistische Entlehnungsarten (äußeres/inneres Lehngut) sowie der schwierige Begriff des Anglizismus theoretisch fundiert.
4. Methodik und Korpus: Dieses Kapitel erläutert die Vorgehensweise der diachronen Analyse, legt die Regeln für die Auswertung fest, beschreibt die Zusammensetzung des Korpus (BRAVO 1985 und 2016) und stellt die verwendeten Nachschlagewerke vor.
5. Anglizismen in der BRAVO: Dies ist der Hauptteil, in dem die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Auswertung hinsichtlich Häufigkeit, Rubriken, Wortarten und der zehn frequentesten Anglizismen präsentiert und analysiert werden.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, bestätigt den Anstieg der Anglizismen über 21 Jahre und reflektiert über die Zukunft des Sprachwandels sowie die Rolle von Sprachpurismus.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Jugendsprache, Sprachkontakt, BRAVO, Lehnwörter, Fremdwörter, diachroner Vergleich, Sprachwandel, Wortarten, Entlehnungsprozess, Medienphänomen, Sprachökonomie, Begriffsentlehnungen, Luxuslehnwörter, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der englischen Sprache auf die deutsche Jugendsprache, speziell analysiert anhand der Jugendzeitschrift BRAVO.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Definition von Jugendsprache, der linguistische Entlehnungsprozess aus dem Englischen und eine empirische Analyse der Anglizismen-Häufigkeit in zwei verschiedenen Zeiträumen (1985 und 2016).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein diachroner Vergleich, um zu zeigen, wie sich die Verwendung von Anglizismen über einen Zeitraum von 21 Jahren verändert hat und welche Trends in der BRAVO erkennbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diachrone Vergleichsmethode, bei der ausgewählte Ausgaben der BRAVO aus 1985 und 2016 auf absolute und relative Häufigkeiten von Anglizismen, deren Rubriken und Wortarten untersucht werden, basierend auf den Modellen von u.a. Andrea Zürn und Werner Betz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die quantitative Auswertung der Anglizismen-Frequenz, eine Analyse nach inhaltlichen Rubriken und Wortarten sowie eine qualitative Analyse der zehn am häufigsten verwendeten Anglizismen in den untersuchten Magazinen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind neben Anglizismen und Jugendsprache auch Sprachkontakt, Lehnwörter, diachroner Vergleich sowie die spezifische Analyse von Massenmedien wie der BRAVO.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Fremdwörtern und Lehnwörtern?
Die Unterscheidung basiert primär auf dem Grad der Integration: Während Fremdwörter ihre ursprüngliche Form weitgehend beibehalten, werden Lehnwörter morphologisch, orthographisch oder phonologisch an das deutsche Sprachsystem angepasst.
Warum wurde die BRAVO als Grundlage für die Untersuchung gewählt?
Die BRAVO wurde aufgrund ihrer langjährigen Marktpräsenz und ihrer Rolle als auflagenstärkstes Jugendmagazin gewählt, was einen realitätsgetreuen Einblick in die aktuelle Jugendsprache und deren Wandel ermöglicht.
- Quote paper
- Ebru Tasin (Author), 2016, Anglizismen in der Jugendzeitschrift BRAVO in den Jahren 1985 und 2016, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/507714