Cicero und die Catilinarische Verschwörung


Seminararbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2


Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Brauchbarkeit von Reden in der historischen Forschung

4. Catilina- Staatsfeind oder Freiheitskämpfer? Wie glaubhaft sind Cicero und Sallust? Hätte die Verschwörung verhindert werden können?

5. Selbsteinschätzung Ciceros

6. Zusammenfassung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Literatur

2. Einleitung

Die Catilinarische Verschwörung ist deswegen ein interessantes Kapitel in Ciceros

Lebenslauf, weil sie für ihn gleichzeitig größter Triumph als auch die Vorgeschichte seiner späteren Verbannung sein sollte.

Nachdem Cicero während seiner Zeit als Konsul diese Konspiration gegen Rom aufgedeckt, ihren Anführer, Sergius Catilina, vertrieben, fünf der Hauptschuldigen überführt und hatte hinrichten lassen, ließ er sich als den Retter Roms feiern. Allerdings dauerte es nicht lange, da wurden Vorwürfe laut, er hätte mit der Hinrichtung der Angeklagten gegen die lex sempronia von 123 v.Ch. verstoßen, wonach kein Bürger ohne Appellation an das Volk hingerichtet werden darf.

Da Cicero sich im Jahre 62 Clodius zum Feind gemacht hatte, indem er vor Gericht gegen ihn aussagte - er war wegen Religionsfrevel angeklagt - sah dieser im Jahre 58 seine Gelegenheit gekommen sich an Cicero dafür zu rächen. Caesar hatte Cicero nicht verziehen, dass dieser sich nicht in seiner Zeit als Konsul mit ihm verbündet hatte. Und so erhob er, als pontifex maximus, Clodius in den Plebejerstand, was es diesem möglich machte sich zum Volkstribun wählen zu lassen. So geschehen, erließ Clodius seine lex clodia, nach welcher jeder, der einen römischen Bürger ohne Gerichts- und Volkszustimmung tötet oder töten lässt geächtet werden soll. Da dieses Gesetz auch nachwirkend durchgesetzt werden konnte, erkannte Cicero den Zusammenhang zu seiner Tat von 63 und verlies in der Nacht vor Aufnahme des Gesetzes heimlich Rom.[1]

Weil der Ausgang der Catilinarische Verschwörung gleichzeitig glorreich und Grund für Ciceros Verbannung war soll sich diese Arbeit mir ihr auseinandersetzen. Als wichtige Grundlage hierfür dienen unter anderem die erfolgreichen Catilinarischen Reden. Ciceros Reden, sowie all seine Werke sind von großer Bedeutung für die historische Forschung, da es keinen anderen nichtchristlichen, lateinische Autor der Antike gibt, von dem mehr Schriftliches erhalten ist. Von seinen Reden sind insgesamt 58 teilweise lückenhaft und 100 Titel oder Fragmente bekannt.[2]

Zu Anfang soll geklärt werden, welche Bedeutung und welchen historischen Wert Reden allgemein und speziell die Catilinariae besitzen.

Außerdem wird auf die Frage eingegangen, welche Gefahr Catilina und seine Anhänger wirklich für Rom bildeten oder ob die Verschwörung nur eine Revolution war, die auch ohne den gestarteten Aufwand hätte verhindert werden können.

Ein weiteres interessantes Thema soll die Selbsteinschätzung Ciceros sein. Wie er sich und den Wert seiner Person beurteilt geht zum großen Teil aus den Reden hervor.

3. Brauchbarkeit von Reden in der historischen Forschung

Zunächst muss klargestellt werden, dass Reden nicht so gehalten worden sind, wie man sie veröffentlicht hat. Bevor dass nämlich geschah, wurden sie bearbeitet und abgeändert. Das Motiv dafür ist, dass die veröffentlichten Reden als Modelle für spätere Reden dienen sollten. Zum größten Teil wurden für die spätere schriftliche Aufzeichnung von Reden lediglich die Notizen der Redner benutzt oder er nutze sein Gedächtnis um sie auf Papier zu bringen.[3] Dennoch ist eine Interpretation nicht sinngemäß, auch nicht, wenn eine Rede in schriftlicher Form publiziert worden ist, denn die eigentliche Wirkung besitzen sie wirklich nur in dem Moment, in dem sie gehalten und von Tonfall und Mimik des Redners unterstützt wird. Selbst die öffentlich gemachten Reden sollten, um wenigstens einen Teil ihrer Wirkung zu behalten, ohne Unterbrechung, Nachlesen und Zurückblättern laut gelesen werden.

Die Reden Ciceros verdanken ihre einnehmende Wirkung unter anderem der Leidenschaft, mit der sie gehalten wurden und dass er in dieser Leidenschaft all das selbst zu glauben schien, was seine Rede beinhalten.[4] Denn das was er von sich gab war nicht notwendigerweise einstimmig mit den Tatsachen, denn „[d]er Ruhm [...] galt ihm mehr als die historische Wahrheit“[5].

Es ist auch nicht mit Gewissheit zu sagen, wann er begonnen hat seine Worte in Schrift zu fassen und wie sie dann noch dem Gesprochenen glichen wenn man bedenkt, dass seine eigentlich improvisierten Catilinarischen Reden erst im Jahre 60 veröffentlicht und dementsprechend verändert worden sind.[6] Vor allem der Schluss der dritten Catilinaria („Aber meine Taten haben nicht dasselbe Los und dieselbe Vorraussetzung wie die Taten derer, die auswärtige Kriege geführt haben, da ich mit denen leben muss, die ich besiegt und bezwungen habe [...])[7] klingt, nach Gelzer, verdächtig nach einem Zusatz aus dem Jahr 60.[8] Um wirklich so gehalten wie geschrieben worden zu sein, sind die vier Catilinarischen Reden zu sehr aufeinander abgestimmt. Hinzu kommt, dass sie ja Modelle für spätere Reden sein sollten und Cicero deswegen sehr wahrscheinlich Zusätze eingebracht hat, die er nicht gesagt, aber im Nachhinein für angemessen gehalten hat. Nach Gelzer zum Beispiel wurden die Abschnitte 2 –3 („Daher denkt an euch selbst, Senatoren, sorgt für das Vaterland, rettet euch, eure Frauen und Kinder, schützt den Namen und das Wohl des römischen Volkes, hört aber auf, mich zu schonen und an mich zu denken![...]“) nachträglich in seine vierte Catilinaria eingefügt oder ihr Ausdruck vertieft, weil seine Absicht vorher nicht eindeutig geworden ist. Ebenso ist davon auszugehen, dass er wichtige Informationen hinzugefügt hat, die den Hörern, nicht aber den zukünftigen Lesern bekannt waren.[9]

Um seine Position gegen Catilina zu stärken, machte Cicero in seinen Reden gerne von Übertreibungen Gebrauch, wie in seiner vierten Rede vor dem Senat: „Mir ist es nämlich, als sähe ich diese Stadt, die Leuchte des Erdkreises und die Burg aller Völker, plötzlich in einem einzigen Brand zusammenstürzen [..]“. Er musste den Senat dazu bringen, zu glauben, dass der Mord an ihm, dem Konsul, verheerende Folgen für den Staat gehabt hätte; und er war erfolgreich.

Ein Leser muss sich immer im Klaren sein, dass „das wichtigste Anliegen des Redners ist [...], Erfolg zu haben, also nicht die Wahrheit zu sagen oder Recht zu haben, sondern möglicherweise sogar Dank bewusst gestifteter Verwirrung zum Ziele zu gelangen.“[10].

[...]


[1] Vgl. Giebel, S.39 f.

[2] Vgl. Der Neue Pauly, S. 1196.

[3] Vgl. Classen, S. 4.

[4] Vgl.Drexler, S. 164.

[5] Ziegler, S. 17.

[6] Vgl. Gelzer, S. 87.

[7]Cat III 27,1.

[8] Vgl. Gelzer, S. 94 f.

[9] Classen, S. 6

[10] Classen, S. 7

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Cicero und die Catilinarische Verschwörung
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V50844
ISBN (eBook)
9783638469692
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cicero, Catilinarische, Verschwörung, Proseminar, Thema Cicero
Arbeit zitieren
Friederike Doppertin (Autor), 2005, Cicero und die Catilinarische Verschwörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/50844

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