Ziel dieser Arbeit ist es, Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogene Schätzungen voneinander abzugrenzen, bestehende Schwierigkeiten bei der Abgrenzung aufzuzeigen und diese vor dem Hintergrund der Abgrenzungskonzeption zu entstricken. Zudem sollen die aktuellen Bestrebungen des IASB ( International Accounting Standard Boards) kritisch beleuchtet werden.
Erklärtes Ziel des Rechnungslegungssystems nach IFRS (International Financing Reporting Standards) ist es, dem Abschlussadressaten einen Abschluss zu präsentieren, der nützliche Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens für wirtschaftliche Entscheidungen liefert. Um dem Abschlussadressaten eine solche Entscheidung zu ermöglichen, ist es notwendig, dass er die Abschlüsse vergleichen kann. Die Abschlüsse eines Unternehmens im Zeitablauf, um Veränderungen in der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zu erkennen, aber auch mit Abschlüssen anderer Unternehmen der gleichen Branche im externen Vergleich. Aus diesem Grund ist der Grundsatz der Vergleichbarkeit in den IFRS verankert, um die Möglichkeit der Vergleichbarkeit von Abschlüssen durch stetige Bewertung und Darstellung ähnlicher Geschäftsvorfälle im Zeitablauf zu gewährleisten. Dieser Zielsetzung begegnet der Standardsetter mit dem IAS 8 "Rechnungslegungsmethoden, Änderungen von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen und Fehler".
Dazu erfolgt im ersten Teil der Arbeit zunächst eine Begrifssbestimmung der Schlüsselbegriff, bevor in einem zweiten Abschnitt die Methoden der Schätzung näher gegeneinander abgegrenzt werden. In einem dritten Teil erfolgt dann eine genauere Erläuterung, wie die IASB eine deutlichere Abgrenzung dieser Verfahren untereinander anstrebt. Abschließend werden die gesammelten Ergebnisse nochmals zusammengefasst und ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Rechnungslegungsmethoden
2.2 Rechnungslegungsbezogene Schätzungen
2.3 Fehler in der Rechnungslegung
3. Abgrenzung von Methoden und Schätzungen
3.1 Abgrenzungsschwierigkeiten in der Praxis
3.2 Abgrenzungssystematik
3.3 Bilanzielle Behandlung
4. Bestrebungen des IASB zur deutlicheren Abgrenzung
4.1 Due Process Verfahren
4.2 ED/2017/5: Vorgeschlagene Änderungen und Stellungnahmen
4.3 ED/2018/1
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogene Schätzungen voneinander abzugrenzen, die in der Praxis bestehenden Schwierigkeiten bei dieser Differenzierung zu identifizieren und diese vor dem Hintergrund einer fundierten Abgrenzungskonzeption aufzulösen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht dabei, wie eine präzise Klassifizierung von Sachverhalten erreicht werden kann, um die Vergleichbarkeit von Abschlüssen zu gewährleisten.
- Grundlagen der Rechnungslegungsmethoden und Schätzungen nach IAS 8
- Analyse praktischer Abgrenzungsprobleme und ihre Auswirkungen auf die Bilanz
- Anwendung einer Stufenkonzeption zur systemischen Unterscheidung
- Kritische Würdigung der aktuellen IASB-Reformbestrebungen (ED/2017/5 und ED/2018/1)
Auszug aus dem Buch
3.2 Abgrenzungssystematik
Eine eindeutige Abgrenzung zwischen einer Rechnungslegungsmethode und einer rechnungslegungsbezogenen Schätzung bzw. ein allgemeingültiges und anerkanntes Konzept existiert in den IFRS nicht. Aus den Definitionen des IAS 8.5 und der eingänglichen Begriffsbestimmung lässt sich ein erstes Grundgerüst gestalten, welches das Zusammenwirken der beiden Termini verdeutlicht. Die gemäß IAS 8.5 als Prinzipien, grundlegende Überlegungen, Konventionen, Regeln und Praktiken verstandenen Rechnungslegungsmethoden können als übergeordnete Berechnungs- bzw. Strukturierungslogik zusammengefasst werden. IAS 8.35 legt daneben eindeutig fest, dass es sich bei einer Änderung der Bewertungsgrundlage, um eine Änderung der Rechnungslegungsmethode handelt. Unter Bewertungsgrundlagen versteht man die der Bilanzierung zugrunde gelegten Prinzipien der Bewertung, sozusagen eine Vorstufe für die Anwendung von Rechnungslegungsmethoden. Beispiele dafür sind die historischen Anschaffungs- und Herstellungskosten, der Nettoveräußerungswert oder der erzielbare Betrag. Demgegenüber sind Schätzungen immer dann anzunehmen, wenn ein Parameter als Element zur Ausfüllung einer vorgegebenen übergeordneten Berechnungslogik geändert wird. Schätzungen dienen folglich dazu, die vorgegebenen Regelungen auszufüllen. Nach Blaum/Holzwarth/Wendlandt ist eine Rechnungslegungsmethode, bzw. die Bilanzierungs- und Bewertungsmethode ‚das Verfahren‘, das heißt die Rechen- oder Ermittlungslogik, welches sich aus verschiedenen wertbeeinflussenden Bausteinen, ‚den Faktoren‘, zusammensetzt und die bei der Bilanzierung eines Sachverhaltes zu beachten sind. Schätzungen dienen in diesem Zusammenhang dazu, die von der Bewertungsmethode vorgegebene Bewertungsgrundlage, ‚den Faktor‘, auszufüllen. Diese ‚Faktoren‘ können entweder mit Präzision ermittelbar sein oder aber mit Unsicherheit behaftet, wobei Schätzungen zum Einsatz kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung des Grundsatzes der Vergleichbarkeit in IFRS-Abschlüssen und stellt die zentrale Problemstellung der Abgrenzung zwischen Methoden- und Schätzungsänderungen gemäß IAS 8 vor.
2. Begriffsbestimmung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen für Rechnungslegungsmethoden, Schätzungen sowie Fehlerkorrekturen definiert, um ein Verständnis für die terminologische Abgrenzung innerhalb des IAS 8 zu schaffen.
3. Abgrenzung von Methoden und Schätzungen: Dieses Kapitel analysiert praktische Schwierigkeiten bei der Differenzierung, stellt eine methodische Systematik zur Klassifizierung vor und erörtert die daraus resultierende unterschiedliche bilanzielle Behandlung.
4. Bestrebungen des IASB zur deutlicheren Abgrenzung: Dieses Kapitel untersucht kritisch die aktuellen Exposure Drafts des IASB (ED/2017/5 und ED/2018/1) und fasst die dazu eingegangenen Stellungnahmen verschiedener Institutionen und Prüfungsgesellschaften zusammen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit von fachlicher Expertise sowie einer ergänzenden Konzeption zur Beseitigung bestehender Grauzonen bei der Abgrenzung.
Schlüsselwörter
IAS 8, Rechnungslegungsmethoden, rechnungslegungsbezogene Schätzungen, Abgrenzung, Stetigkeitsgrundsatz, Bilanzielle Behandlung, IASB, Exposure Draft, Vergleichbarkeit, Bewertungsverfahren, Fehlerkorrektur, Stufenkonzeption, Rechnungslegungsstandards, Finanzberichterstattung, Ermessensspielraum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Abgrenzung zwischen Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogenen Schätzungen innerhalb des Standards IAS 8, da eine falsche Zuordnung die Vergleichbarkeit von Abschlüssen beeinträchtigen kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Differenzierung der Begriffe, die Analyse praktischer Probleme bei der Anwendung des IAS 8 sowie die Bewertung der aktuellen Reformvorschläge des IASB zur Präzisierung dieser Regeln.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, bestehende Abgrenzungsschwierigkeiten aufzuzeigen und ein systematisches Konzept (die Stufenkonzeption) zu erörtern, das dem Bilanzierenden hilft, Änderungen korrekt als Methoden- oder Schätzungsänderung zu klassifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse der IAS/IFRS-Standards, der einschlägigen Fachliteratur sowie der kritischen Auswertung von Stellungnahmen zu den Exposure Drafts durch Experten und Standardsetter.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Begriffe, die Erarbeitung einer Abgrenzungssystematik anhand von Praxisbeispielen, die Darstellung der bilanziellen Folgen und die Diskussion der Bestrebungen des IASB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind IAS 8, Rechnungslegungsmethoden, Schätzungsänderungen, Bilanzielle Behandlung, Vergleichbarkeit und Stufenkonzeption.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Methoden und Schätzungen für Investoren so relevant?
Die Unterscheidung bestimmt, ob Anpassungen retrospektiv (Methodenänderung) oder prospektiv (Schätzungsänderung) in den Abschlüssen erfasst werden müssen, was erhebliche Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Kennzahlen über verschiedene Zeitperioden hat.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Vorschläge des IASB?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Vorschläge des IASB zwar einen Fortschritt darstellen, jedoch noch nicht ausreichen, um alle bestehenden Grauzonen vollständig zu beseitigen, weshalb der Bedarf an fachkundiger Einschätzung fortbesteht.
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- Marvin Hiemsch (Author), 2018, Rechnungslegungsmethoden und rechnungslegungsbezogenen Schätzungen nach IAS 8. Eine Abgrenzung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509677