2010 wählte die Gesellschaft für deutsche Sprache das Wort Cyberkrieg unter die zehn Wörter des Jahres. Diese Wörter des Jahres sind jedes Mal welche, die auf verschiedene Weise das wirtschaftliche, politische und soziale Leben beeinflusst haben. In den häufigsten Fällen handelt es sich dabei um Wortneuschöpfungen. Ich habe das Wort Cyberkrieg gewählt, da es unter Beweis stellt, wie wichtig Konfixe bei der Wortschatzerweiterung sind.
Krieg ist Stamm des Wortes und kann ebenfalls alleine stehen. [Cyber-] ist ein „exogenes Konfix“ aus dem Englischen und bedeutet so viel wie etwas aus der virtuellen Computerwelt. Die Sprache hat einen hohen Bedarf sich stets in ihrem Vokabular zu vergrößern und der Außenwelt anzupassen. Das Konfix [cyber-] ist erst entstanden, als die virtuelle Computerwelt und ein Bedürfnis Vorgänge und Abläufe in ihr zu benennen entstanden ist. Nach ERBEN besteht immer „die kommunikative Notwendigkeit […], alles, was man kennen lernt oder lehrt, auch nennen zu müssen.“ Es sind aber nicht nur Novitäten, die betitelt werden müssen. In der Wortbildung entstehen auch Synonyme, die ausdrückstärker, zeitgemäßer oder anders konnotiert sind. Wortbildung ist aber nicht die einzige Option das Vokabular einer Sprache zu erweitern. Entlehnung gilt mitunter der Bedeutungsveränderung zu weiteren Mitteln der Wortschatzerweiterung.
Konfixe, die den Wortschatz erweitern, sind überwiegend Gräzismen, Latinismen und Anglizismen. Heimische Konfixe wie zum Beispiel [schwieger-] sind in den meisten Fällen nicht produktiv, es gibt jedoch wenige Ausnahmen (z.B.: [lotter-]).
Inhaltsverzeichnis
1. Konfix: Definitionsansätze und Diskussionen
1.1 Allgemeine gegenwärtige Definition
1.2 Entwicklung der Definitionsansätze
1.3 Konfixcharakteristika
1.3.1 Lexikalische Bedeutung
1.3.2 Gebundenheit
1.3.3 Basisfähigkeit
1.3.4 Kompositionsgliedfähigkeit
1.4 Abgrenzung von Konfixen
1.4.1 Abgrenzung von Affixen
1.4.2 Abgrenzung von Wörtern
1.4.3 Abgrenzung von Affixoiden
1.4.4 Abgrenzung von unikalen Morphemen
1.4.5 Abgrenzung von Kürzungen
1.5 Zwischenfazit
2. Konfixnutzen
2.1 Sind Konfixe im Sprachgebrauch nötig?
2.2 Warum entstehen Konfixe?
2.3 Kann die Linguistik auf das Konfix verzichten?
3. Das Konfix in verschiedenen Wörterbüchern
3.1 WAHRIG Deutsches Wörterbuch
3.2 DUDEN. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache
3.3 Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache
3.4 Wortfamilienwörterbuch der deutschen Gegenwartsprache
3.5 Deutsches Neologismenwörterbuch
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die linguistische Einordnung und Relevanz des Konfixes in der deutschen Wortbildung, mit dem Ziel, seine Daseinsberechtigung als eigenständige Kategorie gegenüber traditionellen Affixen und Wortstämmen zu begründen und abzugrenzen.
- Definition und wissenschaftliche Diskursgeschichte des Konfixes
- Analyse der zentralen Charakteristika: Gebundenheit, Basisfähigkeit und Produktivität
- Abgrenzung des Konfixes von Affixen, Wörtern, Affixoiden und Kurzwörtern
- Untersuchung der Rolle von Konfixen bei der Wortschatzerweiterung und Neologismenbildung
- Evaluierung der Repräsentation von Konfixen in gängigen deutschsprachigen Wörterbüchern
Auszug aus dem Buch
1.3.2 Gebundenheit
Konfixe sind auf morphologischer Ebene immer gebunden (Ausnahmen werden später betrachtet). Nach DONALIES gelten als gebunden „Einheiten, wenn sie nach phonischen bzw. grafischen und mitunter semantischen Kriterien normalerweise nicht frei vorkommen.“ Für sie ist das Herausstellungsmerkmal der Gebundenheit, das „Hauptkriterium zur Abgrenzung der Konfixe von den Wörtern.“ Wörter tragen nämlich ebenso wie Konfixe eine lexikalische Bedeutung, sind basisfähig und kompositionsgliedfähig. Betrachtet man das Konfix in seiner Wortherkunft aus dem Lateinischen configere, was „zusammenfügen“ bedeutet, so lässt sich hier schon die Eigenschaft der Gebundenheit ableiten.
Wie schon in 1.2 erwähnt ist es wichtig, dass Konfixe nicht als Kurzwörter gesehen werden. ELSEN macht hier das Beispiel mit dem Konfix [Euro-] wie in Euromobil. Dem Konfix steht nämlich noch das Kurzwort Euro entgegen, das die Währung beschreibt und frei ist. Auf grund der Gebundenheit der Konfixe, können sie also nicht der Kategorie Stamm zugeordnet werden, was jedoch nicht ihre Basisfähigkeit beeinflusst. Das Merkmal der Gebundenheit teilt sich das Konfix mit den Affixen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konfix: Definitionsansätze und Diskussionen: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Definitionen des Konfixes, seine historischen Beschreibungsansätze sowie seine charakteristischen Merkmale und die notwendige Abgrenzung von anderen Wortbildungselementen.
2. Konfixnutzen: Hier wird der Bedarf an Konfixen im Sprachgebrauch diskutiert, ihre Entstehung analysiert und die Frage beantwortet, ob die Linguistik auf diese Kategorie verzichten kann.
3. Das Konfix in verschiedenen Wörterbüchern: Das Kapitel untersucht anhand von vier spezifischen Konfixen, wie diese in verschiedenen Wörterbüchern gelistet und definiert werden, wobei Diskrepanzen zur Forschungsliteratur aufgezeigt werden.
Schlüsselwörter
Konfix, deutsche Wortbildung, Morphologie, Gebundenheit, Basisfähigkeit, Produktivität, Sprachwissenschaft, Neologismen, Konfix-Komposita, Affixoid, unikale Morpheme, Wortschatzerweiterung, Linguistik, Lehnwortbildung, Wortbildungseinheiten
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem „Konfix“ als einer zentralen Einheit der deutschen Wortbildung und untersucht dessen linguistische Eigenschaften, Nutzen und die Art der Abgrenzung von anderen Morphemklassen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Definitionsgeschichte, die morphologischen Charakteristika, die Abgrenzung von Affixen, Wörtern und Kurzwörtern sowie die praktische Erfassung in Wörterbüchern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Konfix als eigenständige und unverzichtbare Kategorie in der deutschen Morphologie zu etablieren, um die linguistische Präzision bei der Analyse moderner Wortbildungen zu erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender linguistischer Theorien sowie auf eine kontrastive Untersuchung von Wörtereinträgen in verschiedenen Standard- und Fachwörterbüchern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition und Charakterisierung, die Diskussion des Konfixnutzens im Kontext der Sprachentwicklung und eine empirische Analyse von Wörterbucheinträgen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Konfix, Gebundenheit, Produktivität, Morphologie, Neologismen und Wortbildungseinheiten.
Wie unterscheidet sich ein Konfix von einem Affix laut dem Autor?
Der zentrale Unterschied liegt in der Basisfähigkeit des Konfixes und seiner präzisen lexikalischen Bedeutung, während Affixe im Vergleich dazu keine Stämme bilden können.
Warum hält der Autor die Kategorisierung als "Kürzung" für problematisch?
Die Betrachtung als Kürzung setzt eine exakte, allgemein definierbare Vollform voraus, was bei den meisten Konfixen nicht gegeben ist und daher zu inkorrekten Analysen führt.
- Arbeit zitieren
- Franz Johann (Autor:in), 2018, Das Konfix. Definitionsansätze, Diskussionen und Konfixnutzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509840