Die Gedanken von Friedrich Nietzsche im Nationalsozialismus. Eine Interpretation des Übermenschen


Hausarbeit, 2019

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung

2. Nietzsche

3. Der Ubermensch
3.1 Das Bildnis des Ubermenschen
3.2 Der Feind

4. Gedankengut der Nationalsozialisten

5. Nietzsche im Nationalsozialismus
5.1 Interpretation des Ubermenschen
5.1.1 Nietzsche als Bruder im Geiste
5.1.2 Der Unterschied
5.2 Bezug zur Darwinischen Evolutionstheorie
5.3 Meinungen zu Nietzsche

6. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Einfuhrung

In dieser Hausarbeit beschaftige ich mich mit dem Ubermenschen aus Friedrich Nietz­sches Werk „Der Antichrist“, geschrieben 1888, dessen Interpretation im Nationalsozia- lismus und der moglichen Schuld, die Nietzsche am Holocaust tragen konnte. Im Laufe dieser Hausarbeit wird zunachst mit einer kurzen Biographie der Verlauf von Nietzsches Leben beschrieben und spater mit dem Kapitel „Der Ubermensch“ fortgefuhrt. Das Kapitel „Der Ubermensch“ gibt ein Bild des Ubermenschen, wie Friedrich Nietzsche ihn vor Augen hatte, was er erfullen sollte, warum er der restlichen Menschheit uberlegen und warum diese sein Feind sei.

Nach der kurzen Einfuhrung in den Nationalsozialismus geht es zum Ende dieser Arbeit auf das Thema der Interpretation von Nietzsches Aussagen in Bezug auf den Nationalso- zialismus zu. Zunachst wird uber die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Par- teien aufgeklart und danach ein Bezug zu Darwins1 Evolutionstheorie geknupft, da er wie Nietzsche die Grundlage der nationalsozialistischen Rassenbiologie liefert. AbschlieBend zu diesem Kapitel werden andere Autoren, die bereits uber Friedrich Nietzsche und des­sen Zusammenhang zum Nationalsozialismus berichtet haben, hinzugezogen und mitein- ander verglichen.

2. Nietzsche

Friedrich Wilhelm Nietzsche wird am 15. Oktober 1844 als Sohn eines Pfarrers in Rocken, Sachsen, geboren. Im Alter von funf Jahren verliert Nietzsche im Jahr 1849 bereits seinen Vater und siedelt 1850 mit seiner Mutter und seiner Schwester nach Naumburg an der Saale um. Bereits 1854 schreibt Nietzsche seine ersten Gedichte und Kompositionen und wird 1858 als Internatsschuler des Gymnasiums Schulpforta bei Naumburg eingeschult. Sechs Jahre spater wird er bereits das Theologie- und Philologie-Studium an der Univer- sitat Bonn aufnehmen. Ein Jahr nach dem Beginn seines Studiums zieht er 1865 mit sei- nem Lehrer Ritschl nach Leipzig und fuhrt dort sein Studium fort. Auf Empfehlung Ritschls wird Nietzsche 1869 an die Universitat Basel als auBerordentlicher Professor der klassi- schen Philologie berufen und beginnt die Arbeit an „Die Geburt der Tragodie aus dem Geiste der Musik“, in dem er das Begriffspaar apollinisch-dionysisch in den wesentlichen Kunstformen differenziert. (Nietzsche, F. (1888): Der Antichrist, Fluch auf das Christentum, (Hrsg.: Guth, K.-M.), Hofenberg, Berlin, 2013, Biographie)

Bereits 1879, nachdem er inzwischen mehrere Werke geschrieben hat, legt er sein Lehr­amt an der Universitat, aufgrund von schwerer Krankheit, nieder. In den Jahren 1883-1885 arbeitet er an seinem vierteiligen Werk „Also sprach Zarathustra“, welches sein wichtigstes Lebenswerk darstellen wird. In dem Werk beschreibt er den inneren Wer- degang des persischen Religionsstifter und Propheten Zarathustra, der der Verkunder der Umwertung aller Werte des Ubermenschen ware. (Xlibris, Zusammenfassung „Also sprach Zarathustra“)

Ein Jahr darauf schreibt er das Buch „Jenseits von Gut und Bose. Vorspiel einer Philoso- phie der Zukunft.“, in dem die Moral von Sklaven und deren Herren diskutiert wird. (getabstract, Zusammenfassung, „Jenseits von Gut und Bose“) Die darauffolgenden Jah- re schreibt er vor dem Hintergrund von „Jenseits von Gut und Bose“ das Buch „Zur Ge- nealogie der Moral“ und beendet 1888 das Buch „Der Antichrist“, welches die Grundlage dieser Hausarbeit darstellt.

1889 kommt es in Turin zu einem Zusammenbruch Nietzsches, woraufhin er in einer wir- ren geistigen Verfassung bis zu seinem Tod 1900 in Weimar verharrt. (Nietzsche, F. (1888): Der Antichrist, Fluch auf das Christentum, (Hrsg.: Guth, K.-M.), Hofenberg, Berlin, 2013, Biographie)

3. Der Ubermensch

3.1 Das Bildnis des Ubermenschen

Friedrich Nietzsche2 behandelt in seinem Werk „Der Antichrist“, geschrieben 1888, die Unfahigkeit und Schadlichkeit des Christentums fur den Menschen und beschreibt dabei den Typus des Ubermenschen, der im Gegensatz zum Rest der Menschheit und zur Lehre des Christentums steht.

Mit dem ersten Satz des Vorwortes „Dies Buch gehort den wenigsten.“ (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort Z. 1) leitet Nietzsche in die Thematik des Ubermenschen ein. Diese Wenigsten seien seiner Meinung nach die Einzigen, die seine Gedanken verstehen werden. Sie seien die „[.]Vorherbestimmung zum Labyrinth.“ (Nietzsche, F., Der Anti­christ, 1888, Vorwort, Z. 15). Das Labyrinth dient hier als Metapher fur den Gedanken, den Nietzsche in diesem Buch niederschreibt und dafur, dass nicht jeder den Ausweg also die Losung zu diesem Gedanken finden kann. Nur der Ubermensch sei dazu in der Lage. Mit dem Satz „[.]Einige werden posthum geboren.“ (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vor- wort, Z. 5) bestatigt er sich selber, dass die damalige Zeit noch nicht reif fur seine Gedan- kenwelt ist und seine Gedanken vielleicht erst in spateren Generationen verstanden wer- den konnen.

Als Voraussetzung, die man erfullen muss, um den Gedanken Nietzsches verstehen zu konnen, nennt er zunachst seinen Ernst und seine Leidenschaft. (Nietzsche, F., Der Anti­christ, 1888, Vorwort, Z. 8/9) Fur ihn sei es wichtig eine geistige Harte zu besitzen, die nur die auserwahlten Ubermenschen haben konnen, um seinen Gedanken uberhaupt aushal- ten zu konnen. Wie er gegen Ende des Vorwortes schreibt, benotigt der Ubermensch Mut zu den Fragen und Wahrheiten, mit der sich der Rest der Menschheit nicht zu befassen traut. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort, Z. 13-15) Das Wort Mut benutzt er in diesem Fall gezielt, weil seine Gedanken auf Veranderung abzielen und nichts mehr so sein wird, wie es zuvor war, sobald man den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen erkenne. Der Ubermensch brauche „Neue Ohren fur neue Musik“ (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort, Z. 16/17), also einen neuen Sinn fur Gedanken, mit denen er zuvor noch nicht vertraut war.

Wichtig fur Nietzsche ist, auBer dem gewappneten Geist fur seine Erkenntnisse, auch die Objektivitat, mit der der Ubermensch seine Umwelt betrachtet. Er bezeichnet sich und die Ubermenschen als Hyperboreer3 (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 1, Z. 1) und schreibt: „Man muss geubt sein, auf Bergen zu leben (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort, Z. 10). Die Metapher des Berges verbildlicht die Entfernung zur Zivilisation, der gesamten Menschheit und allem was dazu gehort. Zudem eroffnet der Berg die Sicht uber alles, was unter einem liegt und ermoglicht daher eine objektive, nuchterne und so- mit “abgehobene“ Sichtweise auf Alles, was die Menschheit am Boden nicht sehen kann. Fortlaufend spricht er von dem erbarmlichen Zeitgeschwatz von Politik und Volker- Selbstsucht (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort, Z. 10/11), dem man sich, wie eben ausgedruckt durch die Berg-Metapher, entziehen soll. Fur ihn ist die Gleichgultigkeit und dessen objektive Sichtweise essenziell fur das Verstehen seines Buches.

Wichtig zu nennen ist, dass Nietzsche die Ubermenschen als Glucksfalle der Menschheit bezeichnet.

„[.] Dieser hoherwertigere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als ein Glucksfall, als eine Ausnah- me, niemals als gewollt.[.]“ (Nietzsche, F.: „Der Antichrist“, Kapitel 3, Z. 6/7)

Dabei mussen sich diese Glucksfalle nicht nur auf eine einzelne Person beziehen, son- dern konnen ganze Geschlechter, Stamme und Volker betreffen. (Nietzsche, F., Der Anti­christ, 1888, Kapitel 4, Z. 13-16)

3.2 Der Feind

Der Feind des Ubermenschen ist nicht der Untermensch, sondern die Menschheit. Fried­rich Nietzsche nennt die Menschheit in seinem Vorwort den „Rest“, der neben den Uber- menschen ubrig bleibt, der seine Gedanken nicht nachvollziehen kann. Man solle ihr so- wohl mit Kraft als auch mit verachtendem Geiste gegenuberstehen und ihr uberlegen sein. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Vorwort, Z. 23-25)

Nicht so wie der Ubermensch sei die Menschheit erkrankt „[.]am faulen Frieden, am fei- gen KompromiB, an der ganzen tugendhaften Unsauberkeit des modernen Ja und Nein. [.]“. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 1, Z. 10-12) Diese ganzen Vorwurfe fuhrt Nietzsche weiter in seinem Buch aus, in dem er in weiteren Kapiteln uber die Moral und seine “moralinfreien“ Worte schreibt. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 6, Z. 3-5). Besonders zielt er dabei im Verlaufe des Buches auf Christen ab, die es unter anderem zur Tugend nehmen, mitleidig zu sein, was eine Form der Schwache sei. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 2, Z. 12/13) Mitleid ist fur Nietzsche deswegen eine Schwa- che, weil es den Willen und das Gefuhl von Macht mindert, welches er fur gut empfindet. Alles was aus der Schwache kommt sei schlecht. Gluck erfahren konne man einzig und allein durch Machtwachstum, Uberwindung des Widerstandes, Krieg und Moralische Freiheit „[...]nicht Tugend, sondern Tuchtigkeit[...].“.(Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 2, Z. 1-8)

Zum Schluss seines zweiten Kapitels schreibt er Menschenliebe sei es, den Schwachen und Missratenen dabei zu helfen sich selber zum Wohle der Menschheit auszurotten. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 2, Z. 9-11) Damit beginnt er den Gedanken von der Zuchtung des hoheren Typus Mensch - dem Ubermenschen - den er in Kapitel 3 weiterfuhrt. Nietzsche traumt in seinem Werk von der bewussten Zuchtung eines Men- schen: „[.]den hoherwertigeren, lebenswurdigeren, zukunftsgewisseren.“. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 3, Z. 3-5) Den Ausdruck der Zuchtung benutzt Nietzsche, da dieser Typus Ubermensch ansonsten nur als Ausnahme oder Glucksfall geboren wird. Um die Schwachen, die groBtenteils aus der christlich gepragten Menschheit bestehen, aus- zuloschen und die Menschheit zu “retten“, will Nietzsche den Typus Ubermensch aus der Menschheit herausselektieren, um daraus eine neue, bessere Menschheit schaffen zu konnen.

Diese Ausnahme, der Ubermensch, soll von der Menschheit, nach Nietzsche, niemals gewollt worden sein, da er gefurchtet werde aus Angst vor ungewisser Veranderung. Aus diesem Grunde wurde absichtlich der umgekehrte Typus Mensch gezuchtet „[.]das Her- dentier[.].“ (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 3, Z. 11) Den Begriff des Herden- tiers benutzt er hier, weil es alle Merkmale besitzt, die Nietzsche zuvor als schwach be- zeichnet hatte, wie etwa: kein Wille zur Macht, fauler Frieden, feige Kompromisse und Angst vor Veranderung. Mit anderen Worten ein schweigsamer Mitlaufer. Zudem macht er mit dieser Wortwahl deutlich, dass sich die Ubermenschen seiner Meinung nach auf einer Niveau und intellektuell hoheren Ebene befinden und sie daher die Macht und die Fuh- rung uber diese Menschen besitzen. Denn wie der Name schon sagt, ist das Herdentier lediglich dazu da, sich unter seinesgleichen aufzuhalten und ist somit zu nichts hoherem bestimmt.

Weiter im Buch nennt er das Naturgesetz der Selektion und erlautert, dass ohne Selektion keine Entwicklung stattfinden kann. Ohne das Gesetz der Selektion wurde alles erhalten werden, was dem Untergang geweiht ist. (Nietzsche, F., Der Antichrist, 1888, Kapitel 7, Z. 14-18) Aus diesem Grund sieht er Mitleid als eine Schwache an, weil man die Schwache- ren, obwohl sie wegen ihrer mangelnden Merkmale des Ubermenschen dem Untergang geweiht sind, mit durchs Leben zieht. Daher ist Nietzsche in diesem Punkt unerbittlich und schreibt, dass der Ubermensch derjenige sein muss, der alles Schwache selbst zu beenden hat.

„[.. .]Hier Arzt sein, hier unerbittlich sein, hier das Messer fuhren - das gehort zu uns[...]“ (Nietzsche, F.: „Der Antichrist“, Kapitel 7, Z. 51)

[...]


1 Charles Darwin (*12.02.1809, f 19.04.1882) war ein englischer Naturforscher und Biologe. Sein groBtes Lebenswerk war die auf der naturlichen Selektion beruhende Evolutionstheorie. (Spektrum, Biographie Charles Robert Darwin, Lexikon der Biologie, 1999)

2 Friedrich Nietzsche (*15.10.1844, f 25.08.1900) war ein deutscher Philosoph, Theologe und Philologe. Zu seinen bekanntesten Werken zahlen u.a. „Also Sprach Zarathustra. Ein Buch fur Alle und Keinen“, „Jenseits von Gut und Bose“ und „Der Antichrist“. (Nietzsche, F. (1888): Der Antichrist, Fluch auf das Christentum, (Hrsg.: Guth, K.-M.), Hofenberg, Berlin, 2013, Biographie)

3 Definition „Hyperboreer": Angehoriger eines sagenhaften Volkes im hohen Norden; griech. Hyperboreos, „der weit hinter dem Nordwind (Boreas) Wohnende“ (Duden, 2019)

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Details

Titel
Die Gedanken von Friedrich Nietzsche im Nationalsozialismus. Eine Interpretation des Übermenschen
Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter
Veranstaltung
Das Christentum im Denken Friedrich Nietzsches
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V509853
ISBN (eBook)
9783346077653
ISBN (Buch)
9783346077660
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche, Christentum, Übermensch, Philosophie, Nationalsozialismus, Rassentheorie, Antisemitismus
Arbeit zitieren
Carolin Lichius (Autor), 2019, Die Gedanken von Friedrich Nietzsche im Nationalsozialismus. Eine Interpretation des Übermenschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/509853

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