Diese Arbeit thematisiert die forschungsgeschichtliche Entwicklung zur Zwei-Quellen-Theorie. Vergleicht man die ersten drei Evangelien des Neuen Testaments miteinander, so machen sich schon auf den ersten Blick einige wesentliche Unterschiede bemerkbar: Das Matthäus Evangelium berichtet beispielsweise von einigen Geschichten, die im Markus Evangelium nicht enthalten sind und ist deswegen auch länger. Auch im Lukasevangelium befinden sich Erzählungen, die sich sowohl sprachlich als auch von der Reihenfolge her von Markus und Matthäus unterscheiden. Einige der Geschichten und Texte, die in allen drei Evangelien enthalten sind, sind teilweise genau gleich, während andere sich bloß ähneln und wieder andere völlig unterschiedlich sind.
Daraus ergibt sich die Frage, wie sich diese Unterschiede und Gemeinsamkeiten erklären lassen. Heutzutage geht man von der sogenannten Zwei-Quellen-Theorie aus, jedoch gibt es noch weitere Theorien, die schon vor der Zwei-Quellen-Theorie entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Urevangeliumshypothese
3. Die Traditionshypothese
4. Die Fragmentenhypothese
5. Die Diegesenhypothese
6. Die Benutzungshypothese
7. Die Zwei-Quellen-Theorie
8. Aktuelle Forschungsansätze
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die forschungsgeschichtliche Entwicklung der Entstehungshypothesen der synoptischen Evangelien mit einem besonderen Fokus auf die Etablierung und Begründung der Zwei-Quellen-Theorie.
- Synoptischer Vergleich der Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas
- Kritische Analyse frühgeschichtlicher Entstehungshypothesen
- Die Zwei-Quellen-Theorie als zentrales Modell der neutestamentlichen Exegese
- Die Rolle der Logienquelle und des Sondergutes
- Literarische Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den Evangelisten
Auszug aus dem Buch
Die Zwei-Quellen-Theorie
Die Zwei-Quellen-Theorie, entstanden letztendlich um 1880/1890, ist diejenige, welche heutzutage von den meisten Menschen angenommen wird. Nach dieser ist das Markus Evangelium das älteste, weil es das kürzeste ist. Matthäus und Lukas haben dann von Markus abgeschrieben, was somit eine Form der Benutzungstheorie darstellt. Da es aber auch Texte gibt, die Matthäus und Markus teilweise wortgleich überliefern, die aber nicht im Markus Evangelium vorkommen, setzt das voraus, dass es noch eine andere Quelle gegeben haben muss, die Lukas und Matthäus benutzt haben. Hierin liegt allerdings auch der mögliche Schwachpunkt dieser Theorie: Eine solche Quelle ist nicht nachgewiesen. Trotzdem ist die Zwei-Quellen-Theorie die plausibelste. Die Quellen, von denen die zusätzlichen Informationen von Matthäus und Lukas stammen werden Sondergut genannt. Hierzu gehören z.B. die Bergpredigt, der barmherzige Samariter, die Hirten auf dem Feld in der Geburtsgeschichte Jesu etc.
Ein anderes Problem, das diese Theorie behaftet findet sich jedoch in Mk. 7,31-37. Hier erzählt Markus die Geschichte über die Heilung eines Taubstummen nach, die es weder bei Matthäus noch bei Lukas gibt. Somit muss es Teile geben, die später hinzugefügt worden sind (Hierzu gehört auch Mk. 16,9-20). Höchstwahrscheinlich hat es also zwei Fassungen vom Markus Evangelium gegeben, und Matthäus und Lukas stand nur die erste dieser beiden zur Verfügung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der ersten drei Evangelien des Neuen Testaments.
2. Die Urevangeliumshypothese: Erörterung der Theorie eines ursprünglichen, aramäischen oder hebräischen Urevangeliums als gemeinsame Vorlage.
3. Die Traditionshypothese: Analyse der Annahme einer gemeinsamen mündlichen Überlieferung als Ursprung der Evangelien.
4. Die Fragmentenhypothese: Darstellung der Hypothese, dass einzelne schriftliche Notizen als Basis der Evangelien dienten.
5. Die Diegesenhypothese: Untersuchung von Theorien über die Ansammlung verschiedener Einzelaufzeichnungen durch die Evangelisten.
6. Die Benutzungshypothese: Diskussion der Idee, dass die Evangelisten jeweils die Schriften der anderen als direkte Vorlage nutzten.
7. Die Zwei-Quellen-Theorie: Detaillierte Betrachtung des heute wissenschaftlich dominierenden Modells unter Einbeziehung der Markus-Priorität und der Logienquelle.
8. Aktuelle Forschungsansätze: Kurzer Ausblick auf moderne Varianten der Benutzungshypothese.
9. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung zum literarischen Zusammenhang der Evangelien trotz historischer Unwägbarkeiten.
Schlüsselwörter
Zwei-Quellen-Theorie, Synoptiker, Markus-Priorität, Evangelienforschung, Urevangelium, Logienquelle, Sondergut, Traditionshypothese, Benutzungshypothese, Exegese, Neues Testament, Entstehungsgeschichte, Literarische Abhängigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der forschungsgeschichtlichen Entwicklung der verschiedenen Hypothesen zur Entstehung der synoptischen Evangelien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Vergleich zwischen Matthäus, Markus und Lukas sowie die Analyse der Abhängigkeitsverhältnisse zwischen diesen Texten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Nachzeichnung der wissenschaftlichen Debatte, die schließlich zur Etablierung der Zwei-Quellen-Theorie führte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Methode der Literaturanalyse und den synoptischen Vergleich von Evangelientexten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Erklärungsmodelle wie die Urevangeliums-, Traditions-, Fragmenten-, Diegesen- und Benutzungshypothese bis hin zur Zwei-Quellen-Theorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Zwei-Quellen-Theorie, Synoptiker, Markus-Priorität und Logienquelle.
Was unterscheidet das Sondergut von anderen Quellen?
Als Sondergut werden Informationen bezeichnet, die Matthäus oder Lukas jeweils zusätzlich zur Markus-Quelle in ihre Evangelien aufgenommen haben.
Warum gilt die Zwei-Quellen-Theorie heute als plausibelste Erklärung?
Trotz der fehlenden physischen Nachweisbarkeit einer zweiten Quelle kann sie die wortgleichen Übereinstimmungen zwischen Matthäus und Lukas am besten erklären.
Welche Rolle spielt Markus in der Zwei-Quellen-Theorie?
Markus gilt als das zeitlich älteste Evangelium, das Matthäus und Lukas als schriftliche Vorlage diente.
- Arbeit zitieren
- Jessica Deifel (Autor:in), 2014, Die Zwei-Quellen-Theorie und ihre forschungsgeschichtliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510275