Die E-Portfolio-Methode. Prominenter Baustein zur Förderung der E-Partizipation?


Akademische Arbeit, 2019

15 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhalt

(E-)Partizipation – Was ist das eigentlich?

E-Partizipation macht Schule
Partizipation und LehrplanPLUS
SchülerInnenmitverwaltung im Schulunterrichtsgesetz (SchUG) § 58
Portfolio und E-Portfolio als Lehr-/Lernwerkzeug
Die fünf Prozessphasen der E-Portfolio-Methode
Die fünf Stufen der E-Partizipationspyramide
Die E-Portfolio-Methode als Baustein zur Förderung der E-Partizipation

Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

(E-)Partizipation – Was ist das eigentlich?

Partizipation sowie ihre digitale Variante, die E-Partizipation, ist derzeit in aller Munde. In Schulen, Hochschulen und Universitäten, ja bereits im Kindergarten soll Partizipation gefördert werden. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Wort? Das ist momentan ganz eindeutig noch der Knackpunkt, da vielfach recht Unterschiedliches unter dem Begriff Partizipation bzw. E-Partizipation verstanden wird.

Der Begriff Partizipation leitet sich aus dem lateinischen Wort particeps (= an etwas teilnehmend) ab und bedeutet sinngemäß so viel wie sich beteiligen, an etwas teilhaben, mitwirken, mitbestimmen und auch mitentscheiden. Nach Straßburger und Rieger (2014) bedeutet Partizipation, „an Entscheidungen mitzuwirken und damit Einfluss auf das Ergebnis nehmen zu können. Sie basiert auf klaren Vereinbarungen, die regeln, wie eine Entscheidung gefällt wird und wie weit das Recht auf Mitbestimmung reicht“ (S. 230). „Unter E-Partizipation wird die Einbindung in Diskussions-, Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse mittels IKT (Informations- und Kommunikationstechnologien) verstanden. Der Begriff wird oftmals in Zusammenhang mit e-Government, e-Demokratie und e-Administration verwendet“ (schule.at, 2014).

Dennoch wird in der wissenschaftlichen Literatur darauf hingewiesen,

dass Partizipation etwas ist, das sich nicht nur auf politische Teilhabe beschränken lässt, sondern sehr viele Bereiche des Lebens umfassen kann. Partizipation kann in der Familie, im Kindergarten und der Schule, aber auch im Unternehmen, im öffentlichen Raum, in Freizeiteinrichtungen oder [eben] in der Politik gelebt werden. (Demokratiezentrum Wien, o.D.).

E-Partizipation macht Schule

Lernende werden von Lehrenden immer wieder dazu aufgefordert, sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Dieses „sich aktiv beteiligen“ beschränkt sich aber meist nur darauf, auf den Erhalt von Informationen zu reagieren. Wesentlich seltener haben die Lernenden die Möglichkeit der Mitbeteiligung, Mitbestimmung und Mitentscheidung. Allerdings ist eine aktive Mitgestaltung, d.h. Mitbeteiligung, Mitbestimmung und Mitentscheidung im schulischen Bereich mit nicht zu unterschätzendem Aufwand verbunden. Denn E-Partizipation ist keine grundsätzliche Fähigkeit, sondern muss durch Lern- und Erfahrungsprozesse erst erworben werden. Kontinuierliche Erfahrungen mit E-Partizipation im Unterricht stärken die Bereitschaft der Lernenden, sich erneut zu beteiligen, an etwas teilzuhaben, mitzuwirken, mitzubestimmen und auch mitzuentscheiden. Ernst gemeinte Angebote im Unterricht sind daher maßgeblich, um eine aktive Mitgestaltung im schulischen Bereich zu fördern.

Partizipation und LehrplanPLUS

Im LehrplanPLUS Bayern ist unter dem Punkt 3.3 Bildung als individueller und sozialer Prozess „Partizipation als Kinderrecht“ verankert:

Kinder haben – unabhängig von ihrem Alter – ein Recht auf Partizipation. Alle Bildungsorte stehen in der Verantwortung, der Partizipation der Kinder einen festen Platz einzuräumen und Demokratie mit Kindern zu leben. Partizipation bedeutet die Beteiligung an Entscheidungen, die das eigene Leben und das der Gemeinschaft betreffen, und damit Selbst- und Mitbestimmung, Eigen- und Mitverantwortung und konstruktive Konfliktlösung. Basierend auf dem Bild vom Kind als aktivem Mitgestalter seiner Bildung sind Partizipation und Ko-Konstruktion auf Dialog, Kooperation, Aushandlung und Verständigung gerichtet. Partizipation ist Bestandteil ko-konstruktiver Bildungsprozesse und Voraussetzung für deren Gelingen. Erwachsene und ihr Umgang miteinander sind stets Vorbild und Anregung für die Kinder. Deshalb erfordert gelingende Partizipation der Kinder immer auch die Partizipation der Eltern und des Teams bzw. Kollegiums. Aus der Kultur des gemeinsamen Lernens und Entscheidens ergibt sich eine neue Rolle und Haltung des pädagogischen Personals. (LehrplanPLUS, 2014, S. 11).

SchülerInnenmitverwaltung im Schulunterrichtsgesetz (SchUG) § 58

Im österreichischen Schulunterrichtsgesetz sind unterschiedliche Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte von Lernenden vorgesehen wie beispielsweise die Wahl der Klassensprecherin/des Klassensprechers oder auch der Schulsprecherin/des Schulsprechers. Neben diesen herkömmlichen Partizipationsformen existieren aber auch innovativere Formen wie z.B. Klassenräte oder SchülerInnenparlamente (institutionelle Ebene), selbstbestimmtes, forschendes Lernen, Projektunterricht oder E-Portfolioarbeit (individuelles Lernen), die es den Lernenden ermöglichen, ihre Schule mitzugestalten und Verantwortung für das Schulleben zu übernehmen (ÖGUT, o.D.). „Ziel ist, dass junge Menschen lernen, zur eigenen Meinung zu stehen und andere Meinungen zu akzeptieren, dass sie demokratische Entscheidungsfindung üben und erfahren, dass jede/r Einzelne etwas bewirken kann“ (ÖGUT, o.D.).

Der Einsatz partizipatorischer Methoden im Unterricht wie beispielsweise der E-Portfolio-Methode unterstützen Lernende dabei, „sich zu eigenständigen, kompetenten und selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln“ (Zopp, o.D.).

Portfolio und E-Portfolio als Lehr-/Lernwerkzeug

Der Begriff bzw. das Wort Portfolio setzt sich aus dem lateinischen Verb portare für tragen und dem lateinischen Nomen folium für Blatt zusammen. Frei übersetzt lässt sich das Portfolio als tragbare Mappe bezeichnen (von Raben, 2010, S. 5). Im französischen Sprachgebrauch ist der Begriff Portefeuille vor allem im wirtschaftlichen Bereich vorzufinden und bezeichnet eine Zusammenstellung von Wertpapieren (Klampfer, 2013, S. 12). Eine allgemeingültige Definition für den Portfolio-Begriff zu finden, erweist sich nach von Raben (2010, S. 5) als nahezu unmöglich. Dennoch scheint die Begriffserläuterung vor allem im Hinblick auf den vorliegenden Beitrag als besonders geeignet. So sieht von Raben (2010) das Portfolio als „eine zielgerichtete Sammlung von Arbeiten, welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen der/des Lernenden auf einem oder mehreren Gebieten zeigt“ (S. 6). Von Raben (2010) merkt weiter an, dass diese gezielte Zusammenstellung ausgewählter Arbeitsergebnisse „die Beteiligung der/des Lernenden an der Auswahl der Inhalte, der Kriterien für die Auswahl, der Festlegung der Beurteilungskriterien sowie Hinweise auf die Selbstreflexion der/des Lernenden einschließen“ (S. 6) muss. In ähnlicher Weise beschreiben auch Häcker (2005a, S. 14, 2005b), Rachbauer (2013a, S. 22, 2013b, S. 6) und Winter (2007, S. 34) das Portfolio als eine von Lernenden gezielt zusammengestellte Auswahl von Leistungen, mit deren Hilfe diese ihre persönlichen Fortschritte und Weiterentwicklungen in einem bestimmten oder auch in mehreren Lernbereichen zeigen.

„Befindet sich vor dem Portfoliobegriff der Buchstabe E, spricht man von einem elektronischen Portfolio, kurz E-Portfolio“ (Rachbauer, 2013a, S. 23). Die digitale Portfolio-Version bietet im Gegensatz zur traditionellen papierbasierten Sammelmappe sowohl für Lernende als auch für Lehrende zahlreiche Vorteile. Insbesondere der verstärkte Einsatz von Lernplattformen mit integrierten Portfolio-Funktionalitäten wie z. B. ILIAS oder Moodle im Bildungsbereich ermöglicht es den Lernenden bei der Erstellung und Präsentation ihrer E-Portfolios auf ein größeres Repertoire an Gestaltungsmöglichkeiten zurückzugreifen. Beispielsweise können sie HTML-, PDF-, Audio-, Video- oder Grafikdateien einsetzen und so ihre Arbeitsergebnisse multimedial gestalten. Außerdem sind die eingesetzten Lernplattformen mit einem differenzierten Rollen- und Rechtesystem ausgestattet, sodass die Lernenden selbst entscheiden können, welche Portfolio-Inhalte sie für Lehrende zur Bewertung freigeben. Den Lehrenden wiederum „stellen sie Funktionen zur Verfügung, mit denen diese Anmerkungen und Feedback zu den gesammelten Arbeiten der Lernenden hinzufügen“ (Rachbauer, 2013a, S. 23) können.

Schaffert, Hornung-Prähauser, Hilzensauer und Wieden-Bischof (2007, S. 78) fassen die Vorteile des E-Portfolios im Vergleich zur papierbasierten Variante in fünf Punkten zusammen, die nachfolgend dargestellt sind:

- Vorteil 1 Transportabilität und Verteilung. Zum einen haben die Lernenden orts- und zeitunabhängig Zugriff auf ihre Artefakte, d. h. Rechercheergebnisse, Literaturlisten, Protokolle, Audio- und Videoaufnahmen, Diagramme, Tabellen, Lernzielvereinbarungen, Bewertungen von Leistungen usw. Zum anderen können sie diese den Lehrenden sowie ihren Kolleginnen und Kollegen zugänglich machen, „ohne dass dazu Papiere im Umlauf sind (die nicht nur verteilt, sondern entsprechend auch kopiert werden müssen)“ (Schaffert, Hornung-Prähauser, Hilzensauer & Wieden-Bischof, 2007, S. 78).
- Vorteil 2 Dokumentation und Verwaltung. Durch die digitale Speicherung und Verwaltung der Artefakte und deren Entwicklungsschritte können Lernende Beschreibungen hinzufügen und ihre Artefakte auch verschlagworten. Dadurch erzeugen die Lernenden unterschiedliche Ansichten, sogenannte Views. Die Verschlagwortung bewirkt, dass ein bestimmtes Artefakt nur einmal abgespeichert werden muss, aber in verschiedenen Views angezeigt wird.
- Vorteil 3 Multimediareiche Artefakte. In einem digitalen Portfolio können nicht nur reine Texte, sondern auch Bilder, Audio- und Video-Dateien und sonstige Formate abgespeichert werden.
- Vorteil 4 Ausweitung des Blickfeldes auf Lernprozesse. Durch die Verlinkungen zu anderen Webseiten (Fotoverzeichnisse, Dateiverzeichnisse etc.), oder durch das Einbinden von externen Quellen (News-Feeds, Blogs, Webseiten etc.) „wird die Integration von außerinstitutionellen und informellen Lernprozessen unterstützt“ (Schaffert et al., 2007, S. 78).
- Vorteil 5 Kommunikation und Rückmeldung. Kommentar- und Feedback-Funktionen ermöglichen es den Lernenden, sich sowohl Rückmeldungen von ihren Lehrenden als auch von ihren Kolleginnen und Kollegen (Peer-Feedback) zu holen. Von Vorteil ist hierbei auch, dass die Rückmeldungen zeitnah erfolgen. Das heißt, dass die Lernenden sich durch die kontinuierlichen Feedbacks ständig weiterentwickeln können.

Ein E-Portfolio kann als eine Erweiterung der papierbasierten Variante gesehen werden, die eben genannte Vorteile aufweist, indem es, wie auch Egloffstein und Oswald (2008, S. 93) anmerken, Computer und internetbasierte Medien zur Erstellung und Präsentation einbezieht.

Die fünf Prozessphasen der E-Portfolio-Methode

Wird in der Fachliteratur von einem E-Portfolio gesprochen, ist damit nicht zwingend eine Lernplattform mit integrierten E-Portfolio-Funktionalitäten oder ein eigenständiges E-Portfolio-System, mit anderen Worten das Lehr-/Lernwerkzeug, gemeint. Unter einem E-Portfolio kann auch eine didaktische Methode, in diesem Fall ist meist von der sogenannten E-Portfolio-Methode die Rede, verstanden werden. Diese Methode beschreibt den idealtypischen Ablauf der E-Portfolio-Arbeit in Form eines fünfphasigen Kreisprozesses, der in Abbildung 1 veranschaulicht ist. Die erste Prozessphase muss dabei immer zu Beginn durchlaufen werden, während die Phasen zwei bis fünf mehrmals oder gleichzeitig durchlaufen werden können (Hornung-Prähauser et al., 2007, S. 15; Stratmann, Preussler & Kerres, 2009, S. 98).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 . Die E-Portfolio-Arbeit mit ihren fünf Prozessphasen. Eigene Darstellung in Anlehnung an Rachbauer (2013a, S. 24, 2013b, S. 7).

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die E-Portfolio-Methode. Prominenter Baustein zur Förderung der E-Partizipation?
Hochschule
Universität Passau
Note
1.3
Autor
Jahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V510337
ISBN (eBook)
9783346091079
ISBN (Buch)
9783346091086
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E-Partizipation, E-Portfolio-Methode
Arbeit zitieren
Tamara Rachbauer (Autor:in), 2019, Die E-Portfolio-Methode. Prominenter Baustein zur Förderung der E-Partizipation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510337

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