Welche Folgen die Bargeldabschaffung haben kann. Argumente für und gegen bargeldlose Zahlungsmittel


Fachbuch, 2020

75 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Bargeldabschaffung im Überblick
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.2 Funktionen des Bargeldes
2.3 Zahlungsmittel im Wandel

3 Argumente
3.1 Kontrollgewinn der Zentralbanken
3.2 Eindämmung illegaler Transaktionen
3.3 Emission von Bargeld und dessen Kosten
3.4 Bargeld als Schutz vor ungewollter Datenerhebung
3.5 Weiterführende Argumentationen

4 Fazit

Literaturverzeichnis

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Impressum:

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Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wechselkurs Bitcoin-US Dollar.

Abbildung 2: Zinsinstrumente der EZB

Abbildung 3: Geldpolitische Instrumente des Eurosystems im Überblick .

Abbildung 4: Funktionen des Geldes.

Abbildung 5: Gesamtwert Banknoten Europäische Währungsunion.

Abbildung 6: Technologische Entwicklung der Kartenzahlung

Abbildung 7: Bargeldobergrenzen EU

Abbildung 8: Zinsveränderungen der Zentralbanken seit Einführung negativer Zinssätze .

Abbildung 9: 10-jährige Staatsanleihe Deutschland.

Abbildung 10: World average Real Interest Rate.

Abbildung 11: Die Nominalzins-Falle.

Abbildung 12: Nominalzinsen, Haushaltsdefizit und Wirtschaftswachstum in Japan

Abbildung 13: BIP Eurozone

Abbildung 14: BIP USA.

Abbildung 15: Realzinsen 10-jährige Staatsanleihe Deutschland und Haushaltsersparnisse in Prozent.

Abbildung 16: Bevölkerungspyramide Deutschland 2014.

Abbildung 17: Investment und Bürokratieeffizienz.

Abbildung 18: Verhältnis der Schattenwirtschaft zum offiziellen BIP 2016.

Abbildung 19: Steuerverlust OECD 2013

Abbildung 20: Kosten im Zahlungsverkehr

Abbildung 21: Selbsteinschätzung des Zahlungstyps 2014/2011.

Abbildung 22: Gründe für ausschließliche Barzahlung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Schattenwirtschaftliche Aktivitäten im Überblick .

Tabelle 2: Kosten von Zahlungsmedien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Am 4. Mai 2016[1] beschließt der EZB-Rat die Abschaffung der 500-Euro-Banknote. Die Ausgabe der Geldscheine wird gegen Ende 2018 eingestellt. Die Produktion des wertmäßig größten Scheines in der Europäischen Währungsgemeinschaft wird beendet. Die Notenbank Dänemarks hat angekündigt, ab 2017 keine neuen Kronen mehr zu drucken[2]. Auch in anderen europäischen Ländern ist Bargeld auf dem Rückzug. Seit 2011 sind Bargeldzahlungen in Italien nur bis zu einem Betrag von 999,99 Euro möglich, in Frankreich sind nur noch Barzahlungen bis 1000 Euro erlaubt (vgl. Beck & Prinz, 2015, S. 515). Seit Februar 2016 ziehen auch die versammelten EU-Finanzminister eine einheitliche Bargeldobergrenze innerhalb der Europäischen Währungsunion in Erwägung (vgl. Eilfort & Raffelhüschen, 2016, S. 3).

„Mit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Produktion und Ausgabe der 500-Euro-Banknote einzustellen und den derzeitigen Überlegungen zur gesetzlichen Begrenzung von Bargeldzahlungen in Deutschland bzw. EU-weit, hat die Diskussion um eine Abschaffung von Bargeld deutlich an Intensität gewonnen (Noack & Philliper, 2016, S. 5)“.

Die Abschaffung von Papiergeld soll zum einen die Bekämpfung der organisierten Kriminalität und der Schwarzarbeit verbessern, zum anderen soll sie einen erneuten Kontrollgewinn der Zentralbanken ermöglichen. Kritiker befürchten, dass die Beschränkungen einen Schritt in die Richtung einer totalitären Überwachung darstellen. Die Debatte geschieht vor dem Hintergrund eines global veränderten Zahlungsverhaltens gefördert durch Innovationen auf der Basis des technologischen Fortschritts (vgl. Noack & Philliper, 2016, S. 5). In der Umsetzung sollen große Banknoten Schritt für Schritt abgeschafft, während kleinere Scheine und Münzen langfristig oder gar unbefristet beibehalten werden (vgl. Rogoff, 2016, S. 9).

Zu Beginn der Arbeit wird ein Überblick über das Thema der Bargeldabschaffung gegeben. Hierbei werden begriffliche Grundlagen, die Funktionen von Bargeld und die Veränderungen von Zahlungsmittel im Laufe der Zeit dargestellt. Im Hauptteil wird die gesamte Debatte in vier Hauptargumente gegliedert, während im letzten Abschnitt zwei weniger relevante Punkte prägnant zusammengefasst werden.

Ziel der Arbeit ist es, die aktuelle Diskussion über eine Abschaffung des Bargeldes wissenschaftlich, detailliert und anschaulich darzustellen. Es existieren bereits zahlreiche Publikationen bzw. wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, jedoch meist mit der Präferenz eines Standpunktes oder fehlendem Überblick über die Gesamtsituation. Diese Arbeit soll einen Rundumblick auf die in der Debatte genannten Argumente ermöglichen, die Plausibilität dieser erörtern und mögliche Folgen einer Abschaffung darstellen.

2 Bargeldabschaffung im Überblick

In Kapitel 2 werden einige für das Thema relevante Begriffe genauer erklärt. Anschließend wird ein Einblick in die Funktionen gegeben, die Bargeld im aktuellen Wirtschaftsgeschehen hat, sowie Veränderungen der Zahlungsmittel im Laufe der Zeit aufgezeigt und eine denkbare Umsetzung der Bargeldabschaffung in Zukunft erläutert.

2.1 Begriffliche Grundlagen

Um besser in die Thematik der Debatte einführen zu können, werden vorab einige Begriffe zum Verständnis der in Kapitel 3 folgenden Argumente erläutert. Definiert werden die Begriffe Bargeld, Abschaffung in Bezug auf Bargeld und alternative Zahlungsmittel. Darüber hinaus wird ein Kurzüberblick über die Handlungsweise der Wirtschaftsbzw. Geldpolitik gegeben.

Unter Bargeld werden Banknoten und Münzen verstanden, die auf einen konkreten Betrag in einer bestimmten Währung lauten. Münzen stellen eine Ergänzung zum Papiergeldumlauf dar und sind für kleinere Zahlungen vorgesehen. Ist ihr Nennwert höher als der Metallwert, wie z.B. beim Euro oder US-Dollar, wird von Scheidemünzen gesprochen. Im Euro-Währungsgebiet gelten Banknoten als einziges, unbeschränktes gesetzliches Zahlungsmittel. Im Gegensatz zu Banknoten sind Münzen nicht unbeschränkt gesetzliches Zahlungsmittel. Im Euroraum ist der Gläubiger z.B. nicht verpflichtet, mehr als 50 Münzen pro Zahlung anzunehmen.

Banknoten werden von einer staatlich befugten, unabhängigen Stelle, der Zentralbank ausgehändigt (vgl. Böhle, 2004, S. 673). Die Zentralbank verfügt über ein Notenmonopol. Im Euroraum sind die EZB und die nationalen Zentralbanken zur Ausgabe von Geldscheinen berechtigt. Das Volumen der in Umlauf gebrachten Noten wird ausschließlich über die Nachfrage bestimmt. Um diese zu erwerben, nehmen Geschäftsbanken i.d.R. Kredite bei Zentralbanken auf (vgl. Mussel, 2011, S. 25). Im Wirtschaftskreislauf existieren zwei Arten von Geld, Bargeld und Giralgeld (vgl. Blanchard & Illing, 2009, S. 113).

Unter einer Abschaffung wird eine Handlung verstanden, die etwas ungültig oder nicht mehr existent macht (vgl. Duden, 2016). In Bezug auf Bargeld würde die Wirkung als gesetzliches Zahlungsmittel außer Kraft gesetzt und dieses schrittweise dem Wirtschaftskreislauf entzogen. Rogoff (2016, S. 123ff.) wendet sich der Frage zu, wie in der praktischen Welt eine Abschaffung etabliert werden könnte. Zur zukünftig weiteren Vorgehensweise wird vorgeschlagen, Banknoten mit großem Wert Schritt für Schritt abzuschaffen (vgl. Rogoff, 2014, S. 1). Im Laufe der Zeit werden immer niedrigere Stückelungen erreicht, bis schließlich das Bargeld in seinen Funktionen vollständig eingeschränkt wird. Rogoff (2016, S. 123ff.) sieht das Hauptziel der Abschaffung darin, wiederholte, umfangreiche und anonyme Zahlungen zu erschweren. Darüber hinaus soll der heimliche Transport und die Lagerung großer Bargeldmengen erschwert werden. Der Wandel muss jedoch langsam stattfinden und sich über mindestens fünf bis zehn Jahre erstrecken. Ein schrittweises Vorgehen verhindert eine exzessive Umwälzung und gibt den Institutionen und der Bevölkerung Zeit, sich anzupassen. Darüber hinaus muss Menschen mit geringen Einkommen und ohne eigenes Bankkonto Zugang zu kostenlosen, einfachen Guthabenkonten gewährt werden. Im Idealfall können diese Kosten direkt vom Staat getragen werden. Im Prinzip lautet die Zielsetzung kleine, anonyme Transaktionen zu ermöglichen, z.B. bis ein paar hundert Dollar, während gleichzeitig große, komplett anonyme Zahlungen nur durch illiquide und kostenintensive Transaktionsmethoden durchgeführt werden können.

Ab dem Zeitpunkt des Eintritts einer vollständigen Abschaffung ist die Bevölkerung auf alternative Zahlungsmittel angewiesen. Neben dem Bargeld existieren bereits alternative Formen von Zahlungsinstrumenten. Unter Zahlungsmittel werden Geld i.S.v. Bargeld und geldnahe Objekte, die unmittelbar Zahlungsmittelfunktionen übernehmen können, da sie leicht liquidierbar sind, verstanden (vgl. Büschgen, 2012, S. 1174). Eine Zahlung wird durch die Übertragung eines Zahlungsmittels von einem Wirtschaftssubjekt auf ein anderes zur Begleichung einer Verbindlichkeit definiert. Daneben können Zahlungen mit Giralgeld bewirkt werden, was unbar geschieht. Der unbare Zahlungsverkehr ist zwingend auf Zahlungsverkehrsinstrumente angewiesen. Im Laufe der Zeit haben sich diese unter der Verwendung neuer technischer Möglichkeiten immer weiter differenziert. Sie lassen sich in vier Kategorien unterteilen: Internetfähige Zahlungsinstrumente des Giroverkehrs, wie z.B. Überweisungen, elektronisches Geld, wie z.B. Bitcoin-Systeme, virtuelle Guthaben-Konten, wie z.B. PayPal und Aggregationssysteme (vgl. Böhle, 2004, S. 673). Als besonders geeignetes Bargeldsubstitut werden sog. Kryptowährungen beschrieben. Ziel dieser Währungen ist es, bargeldlosen Zahlungsverkehr ohne die Abhängigkeit, Aufsicht oder Mitwirkung von Banken und Behörden zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist die bereits bestehende Digitalwährung Bitcoin, die im Internet mit der Nutzung eines speziellen Browsers nahezu anonyme Zahlungen ermöglicht (vgl. Sorge, 2015, S. 521). Bitcoin ist ein System, welches zum Bezahlen von Waren und Dienstleistungen eingesetzt werden kann. Der Preis von Gütern oder Dienstleistungen kann in der Einheit „Bitcoin“ angegeben werden. Im Wesentlichen besteht es aus einem Verfahren, das Überweisungen zwischen Konten der Nutzer ermöglicht. Für die Benutzer entsteht jedoch ein großes Risiko an Wechselkursverlusten. In Abbildung 1 ist erkennbar, dass der Wechselkurs des Bitcoins im Gegensatz zum Dollar erheblich schwankt. Daraus folgt, dass der Wechselkurs mit anderen Währungen ebenfalls nicht konstant gehalten werden kann (vgl. Sorge & Krohn-Grimberghe, 2013, S. 721f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wechselkurs Bitcoin-US Dollar (Sorge & Krohn-Grimberghe, 2013, S.722).

Das Bitcoin-System wird nicht als vollständig anonymes Bezahlverfahren imengeren Sinne bezeichnet, da es auf Konten basiert. Ein Nutzer kann dies teilweise umgehen, da man beliebig viele Bitcoin-Adressen bzw. Konten anlegen kann. Jedoch sind sämtliche Transaktionen öffentlich, sodass beispielsweise das Trans-ferieren von Guthaben zwischen eigenen Konten deren Zusammengehörigkeit offenlegt. Dennoch wird Bitcoin als sehr gutes alternatives Zahlungsmittel zum Bargeld gehandelt (vgl. Sorge, 2015, S. 521).

Um das Argument des Kontrollgewinns der Zentralbanken in Kapitel 3.1 besser darstellen zu können, wird im Folgenden die Handlungsweise der Wirtschafts- bzw. Geldpolitik prägnant skizziert. Dieser Ansatz wird bewusst gewählt, da gegenwärtige Handlungsbeschränkungen der Zentralbanken zum Hauptargument für eine Abschaffung des Bargeldes führen.

Prinzipiell wird davon ausgegangen, Wirtschaftspolitik würde stets rational betrieben. Dies impliziert den Ansatz der Politik an den Ursachen der Fehlerentwicklung. Aus den aus der Wirtschaftstheorie gewonnenen Erkenntnissen kann die Politik im Anschluss adäquate Handlungen ableiten. Als oberstes Ziel gilt die Preisniveaustabilität, die als Primäraufgabe in Art. 105 des EG-Vertrages verankert ist. Für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsraum ist die EZB verantwortlich. Zusätzlich hat Geldpolitik die Aufgabe, die Wirtschaftspolitik zu unterstützen und gesetzlich geregelte Ziele zu erreichen (vgl. Mussel, 2010, S. 163-164).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Zinsinstrumente der EZB (Thiele, 2015, S. 4).

Um zu erläutern, welche Art von Instrumenten von Zentralbanken zur Handlung in Anspruch genommen werden können, wird Abbildung 2 herangezogen. Zur Darstellung sind die verschiedenen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank von 2004 bis 2015 aufgetragen. Geschäftsbanken sind auf den Leitzins, auch Hauptrefinanzierungssatz, in blau dargestellt, angewiesen, um Liquidität in Form von Krediten zu erlangen. Liquidität benötigen Geschäftsbanken, um Mindestreserven bei Zen-tralbanken zu halten und Bargeld an Kunden auszuzahlen. Die Zentralbank ist mit Hilfe dieser Maßnahmen in der Lage, die Aktivität einer Volkswirtschaft mittels des Leitzinses zu beeinflussen (vgl. Rogoff, 2016, S. 156ff.). Das geldpolitische Instrumentarium der EZB wird in drei Gruppen eingeteilt: Offenmarktgeschäfte, ständige Fazilitäten und Mindestreserven (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Geldpolitische Instrumente des Eurosystems im Überblick[3].

Die Zentralbank legt mit den verfügbaren Instrumenten die Konditionen fest, zu denen sie Geschäftsbanken Zentralbankgeld zur Verfügung stellt. Auf diese Weise wird das Geschehen auf dem Geldmarkt gesteuert. Technisch wird dies durch die Festsetzung der Menge an Liquidität sowie deren Preis, also der Zinssätze, umgesetzt. Will die Zentralbank die Vergrößerung der Geldmenge drosseln, so werden die Instrumente restriktiv eingesetzt. Die Bereitstellung von Zentralbankgeld wird verringert bzw. die Preise dafür erhöht. Umgekehrt gilt dies für den Einsatz von expansiven Mitteln. Der Schwerpunkt des Instrumenteneinsatzes der EZB liegt in Offenmarktgeschäften. Aus Abbildung 3 geht hervor, dass deren Abwicklung auf verschiedenen Arten basieren kann. Das Instrument der ständigen Fazilität gibt Banken die Möglichkeit, aus eigener Initiative Einfluss auf ihre Liquiditätsposition auszuüben. In dieser Situation legt die EZB die Zinssätze fest, Geschäftsbanken entscheiden über Beträge. Mit dem Spitzenrefinanzierungssatz, hellblau in Abbildung 2, kann sich eine Bank jederzeit Zentralbankgeld beschaffen (vgl. Mussel, 2010, S. 208ff.). Dass die aktuelle Geldpolitik in ihrer Handlungsweise beschränkt ist und eine Abschaffung des Bargeldes eine Lösung des Problems darstellen kann, wird in Kapitel 3.1 dargestellt.

2.2 Funktionen des Bargeldes

„In unserer modernen arbeitsteiligen Welt erfüllt Geld ganz bestimmte Aufgaben, ohne die ein Funktionieren moderner Volkswirtschaften nicht möglich wäre. Es steht dabei den Wirtschaftssubjekten sowohl als Bargeld, als auch Giralgeld bzw. Buchgeld zur Verfügung (Noack & Philliper, 2016, S. 7).“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Funktionen des Geldes[4].

Im klassischen Sinn erfüllt Geld in Form von Banknoten oder Giralgeld die Funktion eines Tauschmittels, eines Wertaufbewahrungsmittels und einer Recheneinheit (siehe Abbildung 4). Hierbei treten einige Unterschiede zwischen Bar- und Buchgeld auf (vgl. Noack & Philliper, 2016, S. 7).

Geld agiert als allgemein akzeptiertes Zahlungs- und Tauschmittel. In dieser Funktion wird sein ökonomischer Ursprung begründet. In einer modernen Volkswirtschaft mit hohem Grad an Arbeitsteilung existieren zahlreiche einseitige Wertübertragungen. Beispiele hierfür sind Steuerzahlungen, Erbschaften oder Geldstrafen (vgl. Mussel, 2010, S. 17). Bargeld fungiert in der Gesellschaft sowohl als Zahlungs-, aber auch als Tauschmittel. Bei sehr großen Summen kann es jedoch an physische bzw. gesetzliche Grenzen stoßen (vgl. Noack & Philliper, 2016, S. 7).

Papiergeld wird nur dann von der Bevölkerung hinreichend angenommen, wenn es als Gegenleistung im Gütertausch oder als Entlohnung akzeptiert wird. Nutzern muss es möglich sein, darauf zu vertrauen, es mit stabilem Wert im Gütertausch wieder einsetzen zu können. Aus diesem Grund unterliegen Zentralbanken dem Gebot der Sicherung der Preisstabilität (vgl. ebd., S. 7). Die Tatsache, dass Geld in seiner Eigenschaft auch als Zwischentauschgut zu einem späteren Zeitpunkt für Tauschhandlungen oder Zahlungen zu verwenden ist, impliziert die Funktion des Wertaufbewahrungsmittels. Es dient als Wertspeicher. Der Zeitpunkt der weiteren Wertübertragung wird zu Beginn einer Transaktion nicht festgelegt. Hierbei wird von einer Thesaurierungsfunktion gesprochen (vgl. Mussel, 2010, S. 18). Sowohl Barals auch Buchgeld haben die Funktion eines Wertspeichers inne (vgl. Noack & Philliper, 2016, S. 7). In einer Studie belegen Beck und Prinz (2015, S. 515f.), dass Bargeld auch in größeren Dimensionen als Wertspeicher fungieren kann. Durch ein Beispiel wird der Sachverhalt erläutert: Im Euroraum werden kleine Geldscheine hauptsächlich innerhalb der Währungsunion nachgefragt, während die Nachfrage nach größeren Banknoten vom kurzfristigen Zinssatz, den Schwankungen der Inflationsrate und dem Wechselkurs abhängt. Letzteres gilt als Indiz für die ausländische Nachfrage an Euro-Banknoten und als Beweis für eine Wertspeicherung von Papiergeld im Ausland. Bargeld ist nach wie vor eine der größten Komponenten in der Bilanz der meisten Notenbanken: In der Bilanz der EZB beläuft sich der Banknotenumlauf 2014 auf rund 1 Billion Euro (siehe Abbildung 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Gesamtwert Banknoten Europäische Währungsunion (Beck & Prinz, 2015, S. 516).

Schätzungen von Krüger, Fisher und Seitz (2004) zufolge werden nur ca. 30% der Euro-Bargeldmenge für inländische Transaktionen genutzt, die restliche Menge außerhalb der Eurozone gehortet oder zirkuliert.

Papiergeld ist in der Öffentlichkeit tief verwurzelt, trägt einen symbolischen Wert und prägt das Bild der Regierung und des Landes (vgl. Rogoff, 2014, S. 1). Global hat Bargeld zusätzlich die Funktion, eine Vertrauensbasis für die Bevölkerung zu schaffen. Das Aufkommen der Bargeldbestände steigt in den vergangenen Jahren trotz des technologischen Fortschrittes kontinuierlich an. In der Bilanz der EZB liegt der Banknotenbestand 2009 noch bei knapp 700 Milliarden Euro, während dieser bis 2015 auf über eine Billion steigt (siehe Abbildung 5). Im Vergleich zu anderen Industrienationen ist der Bargeldumlauf im Verhältnis zum BIP in Deutschland sehr hoch (vgl. Beck & Prinz, 2015, S. 516). Banknoten sind als Teil des Zentralbankgeldes das liquideste Zahlungsmittel. Ebenso kann es bei der Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel einen Unterschied machen, ob Baroder Buchgeld gehalten wird, da Zufluss- und Ausgabedatum von Einkommen zeitlich auseinanderfallen und Einkommen dementsprechend zwischenzeitlich aufbewahrt bzw. gespart wird, auch in Bargeld (vgl. Noack & Philliper, 2016, S. 7).

Die dritte Funktion ist die eines Wertmessers bzw. einer Recheneinheit. Sämtlichen ökonomischen Transaktionen wird eine Bewertung vorausgesetzt. Es bedarf einem Vergleichsmaßstab angesichts der Heterogenität, der auf den Märkten getauschten Objekte. Geldeinheiten, die in der Lage sind, alle Preise auszudrücken, bieten sich zu diesem Zweck an. Mit Hilfe von Rechenoperationen sind alle ökonomischen Transaktionen durchzuführen (vgl. Mussel, 2010, S. 18). Die Funktion der Recheneinheit trifft auf Bargeld in vollem Umfang zu (vgl. Buiter, 2009, S. 6).

2.3 Zahlungsmittel im Wandel

Erst mit der Erfindung der Münze vor ca. 2600 Jahren wird es für Geschäftsleute möglich, rund um das Mittelmeer weiträumig Handel zu betreiben (vgl. Milkau, 2013, S. 20). Das erste sichere Zahlungsmittel, das die Aufbewahrung und Zahlung von Waren erleichtert, entsteht. Banknoten haben im Vergleich zur Münze eine kurze geschichtliche Entwicklung (vgl. Siekmann, 2012, S. 10). Rudimentäre Formen von Papiergeld kursieren zwar schon im 7. Jahrhundert n. Chr. in China, zu dieser Zeit werden diese aber nicht weit verbreitet (vgl. Fish & Whymark, 2015, S. 4).

In der westlichen Welt wird die papierene Form der Bezahlung erst im 16. Jahrhundert in Gebrauch genommen. Zu Beginn handelt es sich um Quittungsscheine für hinterlegte Münzen oder Edelmetalle. Vor allem bei norditalienischen oder niederländischen Händlern entsteht früh ein Bedürfnis, die Dokumente anstelle von schweren Gold- und Silbermünzen mit sich zu führen. Diese gelten als unpraktisch, teuer und gefährlich. Im Laufe des 17. Jahrhunderts werden von den ersten Finanzinstituten Scheine ausgegeben, die das Recht auf eine festgelegte Menge an Edelmetallen oder Münzen ohne das Zustandekommen einer tatsächlichen Einlage verbriefen. Aufgrund dieser Maßnahme sind die Banken in der Lage, Finanzinstrumente in Umlauf zu bringen, deren summierter Nennwert den Wert der hinterlegten Güter übersteigt. Der Begriff Banknote für alle Dokumente, die Ihren Besitzer ohne Nachweis dazu berechtigen, den jeweiligen Gegenwert zu beanspruchen, entsteht. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts sind viele Dokumente in dieser Form in Gebrauch, in Deutschland bis 1937. „Als entscheidende Eigenschaft von Geld gilt lange Zeit, dass die Finanzverwaltung eines Staates diese Papiere als Zahlungsmittel für Gebühren oder Steuern akzeptierte (Siekmann, 2012, S. 12).“ Erst ab dem Jahr 1910 müssen Banknoten der Reichsbank überall als gesetzliches Zahlungsmittel akzeptiert werden (vgl. Siekmann, 2012, S. 12).

Im Bereich des elektronischen Bezahlens haben sich seit 1920 fortschrittliche Technologien etabliert. In Abbildung 6 ist die Entwicklung der Technologie der Kartenzahlung von den Ursprüngen über die verschiedenen Formen des Plastikgeldes bis hin zu Mobile Payments in den Vereinigten Staaten von Amerika dargestellt. Einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Zahlungsverkehrs hat seit einigen Jahren die Verbreitung von Mobiltelefonen und Smartphones (vgl. Milkau, 2012, S. 21).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Technologische Entwicklung der Kartenzahlung (Milkau, 2012, S. 22)[5].

Das aktuelle Zahlungsverkehrssystem, wie es beispielsweise in Deutschland existiert, setzt sich aus einem elektronischen Zahlungsverkehr, wie z.B. Überweisungen, Kartenzahlungen, Mobile Payments und Lastschriften, in Verbindung mit dem Bargeldkreislauf zusammen (vgl. ebd., S. 21).

Im Jahr 2005 ruft MasterCard, eines der größten Kreditkartenunternehmen der Welt, in den Medien den War on Cash [6] aus. Seit diesem Zeitpunkt werden immer wieder Vorschläge laut, Bargeld vollständig abzuschaffen (vgl. Rösl & Seitz, 2015, S. 525). Auf einer Ifo-Konferenz 2015 spricht sich Rogoff dafür aus, Bargeld langsam und schrittweise auslaufen zu lassen. Spätestens seit der Einführung von Bargeldobergrenzen und einem Spiegelinterview[7] von Bofinger gelangt die Diskussion auch an die deutsche Öffentlichkeit (vgl. Krüger & Seitz, 2015, S. 9).

Gesetzliche Vorschriften sind bereits veranlasst, um die Verwendung von Bargeld zu verbieten, die eine bestimmte Grenze übersteigt. In vielen EU-Ländern werden Obergrenzen für Barzahlungen eingeführt (siehe Abbildung 7), darunter beispielsweise in Belgien, Griechenland, Polen, Portugal und Tschechien. In Frankreich wird Ende 2015 nach den terroristischen Attentaten die Bargeldobergrenze von 3000 Euro auf 1000 Euro herabgesetzt (vgl. Quitzau, 2016, S. 5).

[...]


[1] EZB: Pressemitteilung vom 20.05.2016.

[2] Diese Information stammt von einer Rede von Thiele (Vorstand der Deutschen Bundesbank) vom 2.12.2015 in Berlin.

[3] Eigene Abbildung in Anlehnung an Mussel (2011, S. 209).

[4] Eigene Abbildung in Anlehnung an Mussel (2011, S. 17ff.).

[5] Die Jahreszahlen beziehen sich jeweils auf die ersten Wurzeln der Technologie.

[6] Krieg gegen das Bargeld.

[7] Das Interview fand im Mai 2015 statt.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Welche Folgen die Bargeldabschaffung haben kann. Argumente für und gegen bargeldlose Zahlungsmittel
Autor
Jahr
2020
Seiten
75
Katalognummer
V510761
ISBN (eBook)
9783963560361
ISBN (Buch)
9783963560378
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bargeld, Bargeldabschaffung, ezb, Banknoten, Münzgeld, Schwarzarbeit, Illegale Transaktionen
Arbeit zitieren
Vera Dembski (Autor), 2020, Welche Folgen die Bargeldabschaffung haben kann. Argumente für und gegen bargeldlose Zahlungsmittel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/510761

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