Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft. Welche Möglichkeiten für ein energieeffizientes Bauen und Sanieren gibt es?


Fachbuch, 2020

66 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Untersuchungsziel
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Nachhaltige Immobilien-Projektentwicklung
2.1 Einführung
2.2 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.3 Politische Grundlage der Nachhaltigkeit
2.4 Vergleichende Betrachtung der Nachhaltigkeit im Projektgeschäft
2.5 Nachhaltigkeitszertifikate

3 Energieeffizientes Bauen und Sanieren
3.1 Definition
3.2 Energie im Wandel
3.3 Erneuerbare Energien

4 Nachhaltiges Property Management
4.1 Einblick in das Property Management
4.2 Nachhaltigkeitsziele im Property Management

5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Nachhaltigkeit

6 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Lebenszyklus einer Immobilie

Abbildung 3: Kostenunterschied bei einer lebenszyklusorientierten Projektentwicklung

Abbildung 4: Einflüsse auf den Bewohner / Nutzer

Abbildung 5: Meilensteine der Nachhaltigkeit

Abbildung 6: Nachhaltige Regenwassernutzung mittels Zisterne und Aufbereitungsanlage

Abbildung 7: Grundgedanke Entsorgung

Abbildung 8: Konzept "Skypark Berlin"

Abbildung 9: Solarenergetische Nutzung

Abbildung 10: Oberflächennahes geothermisches Verfahren

Abbildung 11: Managementebenen der Immobilienwirtschaft

1 Einleitung

1.1 Untersuchungsziel

Aufgrund des stetig voranschreitenden Klimawandels und der hohen Luftverschmutzung, vor allem in Ballungsgebieten, werden bereits Maßnahmen getroffen um dem entgegen zu wirken. Ob das Glühbirnenverbot, die Stilllegung von Kernkraftwerken oder das voraussichtlich kommende Dieselfahrverbot in Städten, die Politik lässt sich einiges für den Klimaschutz einfallen. Ein Hauptverursacher der Treibhausgasemissionen deutschlandweit sind aber betriebene Gebäude.1 Dieses Problem wurde erkannt und erste präventive Maßnahmen eingeleitet. Der Oberbegriff, der einen Großteil der hohen Umweltbelastung für Mensch und Natur reduzieren kann, ist nachhaltiges Bauen. Nachhaltiges Denken führt zu nachhaltigem Handeln und dafür ist es allerhöchste Zeit. Aus diesem Grund ist das vorrangige Ziel dieser Arbeit, dem Leser den Sinn einer nachhaltigen Immobilien-Projektentwicklung zu vermitteln und die Notwendigkeit eines nachhaltigen Gebäudebetriebs verständlich darzustellen. Außerdem werden die aktuellen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten im Neubau sowie im Bestand, auf ihre Nachhaltigkeit mit dem Property Management verglichen, um den Zusammenhang sichtbar zu machen. Des Weiteren soll das Verständnis in Bezug auf alternative Energiequellen gefördert und die mögliche Energieeffizienz deutlich gemacht werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Da der Umfang dieser Ausarbeitung hinsichtlich der Seitenanzahl begrenzt ist und zudem das Thema der Nachhaltigkeit sehr umfangreich, können nicht alle möglichen Nachhaltigkeitsaspekte im Neubau, im Bau im Bestand und im Property Management aufgeführt werden.

Zu Beginn wird die nachhaltige Immobilien-Projektentwicklung durch die Begriffe Nachhaltigkeit und Immobilien-Projektentwicklung definiert und ein detaillierter Einblick in die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit gewährt. Daraufhin werden die politischen Grundlagen und Rahmenbedingungen der Nachhaltigkeit auf deutscher und europäischer Ebene genannt. Ferner wurde eine vergleichende Betrachtung der Nachhaltigkeitsaspekte im Neubau und im Bestand durchgeführt und die Notwendigkeit von Nachhaltigkeitszertifikaten, mit ihren Vor- und Nachteilen, betrachtet.

Im weiteren Verlauf wird energieeffizientes Bauen und Sanieren eingeleitet, mit besonderer Betrachtung der erneuerbaren Energien. Hier wird ein kurzer Blick auf den Wandel der Energie geworfen und Solarenergie, Geothermie und Biomasse als erneuerbare Energien näher beleuchtet.

Im Folgenden wird der Themenbereich des nachhaltigen Property Managements behandelt. Zunächst wird Property Management definiert und die Aufgabenbereiche aufgelistet. Darauffolgend werden die Nachhaltigkeitsaspekte ökologisch, ökonomisch und soziokulturell dargestellt.

Schließlich werden die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Zusammenhänge einer nachhaltigen Immobilien-Projektentwicklung und einem nachhaltigen Property Management ausgearbeitet.

Das Fazit fasst die Problematik der immer noch bestehenden mangelnden Nachhaltigkeit und die Notwendigkeit dafür, in der Bau- und Immobilienbranche, zusammen. Unter Berücksichtigung der erörterten Aspekte regt der Autor letztendlich zum Nachdenken an.

2 Nachhaltige Immobilien-Projektentwicklung

2.1 Einführung

Bezüglich der Thematik „Nachhaltige Immobilien-Projektentwicklung“ gilt es zunächst zu klären, was darunter zu verstehen ist. Hierfür wird der Begriff in seine zwei Komponenten „Nachhaltigkeit“ und „Immobilien-Projektentwicklung“ aufgeteilt.

Nachhaltigkeit, ein Begriff der jedem geläufig, dessen Bedeutung vielen aber noch unklar ist. Sie steht für eine seit der UN-Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 gültige entwicklungspolitische Bedingung, dessen Fokus und Wachstum in einem ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Gleichgewicht dargestellt wird.2 Nachhaltigkeit zielt auf mehr Verantwortung zur Schonung unserer natürlichen Ressourcen mitinbegriffen geplanter und betriebener Gebäude.3 Im Brundtland Bericht „Our Common Future“ von 1987 wurde Nachhaltigkeit wie folgt definiert: „Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeit künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“4

Ein Immobilienprojekt bzw. eine Immobilien-Projektentwicklung ist im Grunde genommen eine Realisierung einer Projektidee in Form eines Neubauprojektes oder Bestandsobjektes, welches geplant, gebaut oder saniert wird. „Durch Projektentwicklung sind die Faktoren Standort, Projektidee und Kapital so miteinander zu kombinieren, dass profitable, wettbewerbsfähige, sozial- und umweltverträgliche Immobilienobjekte geschaffen und dauerhaft rentabel genutzt werden können.“5

2.2 Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit6

Die vorangegangene Abbildung (Abb.1) zeigt verbildlicht die drei Dimensionen, hier Säulen, die die Nachhaltigkeit ausmachen. Keineswegs ist Nachhaltigkeit nur durch Umweltschutz oder Klimaschutz zu erreichen, sondern vielmehr durch den in Einklang stehenden drei Dimensionen. Diese drei Dimensionen sind essentiell für eine nachhaltig erfolgreiche Projektentwicklung und müssen deshalb genauestens betrachtet werden.

2.2.1 Ökologische Dimension

Die Intention der ökologischen Dimension ist es, die weltweiten Ressourcen so zu schonen, dass noch viele weitere Generationen die Erde zu denselben Bedingungen bewohnen können. Viele wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass dies dringend notwendig scheint. Der Grund dafür ist der jahrzehntelange übermäßige Verbrauch von Rohstoffen, der in keiner Relation zum natürlichen Wachstum dieser steht. Dies war sicherlich einer der Gründe für die Entwicklung des Nachhaltigkeitsansatzes in der Bau- und Immobilienbranche.

Das Hauptaugenmerk der ökologischen Perspektive, aus Projektentwicklungssicht, liegt aber auf der Optimierung des Einsatzes, der Wiederverwertung von Baustoffen, Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und der Minimierung des Medienverbrauchs. Darunter versteht man Wasser, Abwasser, Strom und das Beheizen eines Gebäudes.7 Voraussetzungen für eine zielgerichtete Planung bzw. für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten sind bestimmte Indikatoren. Diese gilt es im Sinne der Nachhaltigkeit zu berücksich­tigen.

„Die Zielvereinbarung ist ein wesentlicher Bestandteil einer qualitativ hochwertigen Projektvorbereitung. Eine nach­haltigkeitsorientierte Zielvereinbarung dient der Festle­gung von konkreten objekt- bzw. vorhabenspezifischen Planungszielen.“8

Diese werden wie folgt gegliedert:

I. Wirkung auf die globale Umwelt

- Treibhauspotenzial (GWP), d.h. im Hinblick auf die Erderwärmung
- Ozonschichtabbaupotenzial (ODP), d.h. im Hinblick auf das Ozonloch
- Ozonbildungspotenzial (POCP), d.h. im Hinblick auf den Sommersmog
- Versauerungspotenzial (AP), d.h. im Hinblick auf den Sauren Regen
- Überdüngungspotenzial (EP), d.h. im Hinblick auf Gewässer bzw. Grundwasserverschmutzung
- Risiken für die lokale Umwelt
- Nachhaltige Materialgewinnung / Biodiversität

II. Ressourceninanspruchnahme

- Primärenergiebedarf, d.h. erneuerbar / nicht erneuerbar
- Trinkwasserbedarf und Abwasseraufkommen
- Flächeninanspruchnahme9

Diese Indikatoren gelten für den Neubau, aber auch für Modernisierungen bestehender Gebäude. Besonders hervorzuheben ist, dass nicht nur in der Projektentwicklung die Nachhaltigkeit in ökologischer Hinsicht enorm wichtig und als Basis einer erfolgreichen Projektentwicklung gesehen werden sollte, sondern der ganze Lebenszyklus ökologisch nachhaltig gestaltet werden muss um dies zu garantieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Lebenszyklus einer Immobilie10

Diese Abbildung (Abb. 2) zeigt den geringen zeitlichen Anteil der Projektentwicklung im Lebenszyklus einer Immobilie.

Um die 70-80% machen die Nutzung bzw. der Betrieb aus. Dies zeigt auf wie enorm wichtig es ist, langfristig nachhaltig zu entwickeln und das bis zur Verwertung fortzuführen.11

2.2.2 Ökonomische Dimension

In der ökonomischen Dimension, welche auf die Maximierung des ökonomischen Ertrags bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der benötigten Eingangsressourcen zielt, ist Nachhaltigkeit nicht wieder nur allein auf die Projektentwicklung bzw. das Errichten einer Immobilie einzugrenzen.12 Wie bereits dargestellt, ist ein Projekt nur dann nachhaltig erfolgreich, wenn die Entwicklung, über den Betrieb, bis hin zum Abbruch bzw. Verwertung alle Nachhaltigkeitsaspekte erfüllt. Die Ökonomie beschäftigt sich in erster Linie mit anfallenden Kosten. Deshalb werden folgende Lebenszykluskosten betrachtet:

I. Errichtungskosten:

Grundstück, Erschließung, Planung, Gebäude, Baustellenbetrieb, Bauüberwachung, Dokumentation, Makler, Notar, Versicherung (während der Bauzeit)

II. Nutzungskosten:

Medienverbrauch – Heizwärme, Warmwasser, Strom, Wasser, Abwasser

gebäude- und bauteilspezifische Aufwendungen – Reinigung, Wartung u. Instandhaltung, Modernisierung

III. Rückbaukosten:

Abriss, Abtransport, Wiederverwertung, Entsorgung13

Diese Kosten gilt es, im nachhaltigen Bauen, immer „im Auge“ zu behalten bzw. einzuplanen. Ein weiteres Kriterium ist Wirtschaftlichkeit und Wertstabilität, zu beiden gehören Flächeneffizienz und Anpassungsfähigkeit. Wirtschaftliche Qualität ist ein großer Faktor in der Projektentwicklung, vor allem aber in der nachhaltigen Projektentwicklung. „Ein abgestimmtes Paket aus Bausteinen zur Kostensenkung umfasst folgende Ansatzpunkte:

- umfassende und abgestimmte Planung mit Berücksichtigung der notwendigen Vorlaufzeiten,
- rechtzeitige Vorbereitung der einzelnen Baumaßnahmen,
- optimale Ausnutzung des vorhandenen Grundstücks,
- Reduzierung der Erschließungskosten,
- Reduzierung der Bauwerkskosten und der Bauzeit durch Vorfertigung und Verwendung von Serienelementen, gute Koordination des Projektablaufs und sinnvolle Reduzierung der Standards sowie
- Reduzierung der Instandhaltungskosten durch hohe Qualität und regelmäßige Wartung.“14

Diese Abbildung (Abb. 3) zeigt mögliche Einsparpotenziale bei lebenszyklusorientierter Projektentwicklung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Kostenunterschied bei einer lebenszyklusorientierten Projektentwicklung15

Da die Projektentwicklung am Anfang des Lebenszyklus einer Immobilie steht, werden viele enorm kostenintensive Entscheidungen bereits in der Konzeptphase getroffen. Dies gilt auch für die Umweltbelastungen, die ein Gebäude über seinen Lebenszyklus hinweg verursacht. Da die Erstellungskosten als auch die Nutzungskosten nach Fertigstellung der Entwurfsplanung nur noch gering zu beeinflussen sind, muss in der Konzipierung und der Planungsphase die Nutzungsphase berücksichtigt werden. Dasselbe gilt für die Umweltbelastung während des Baus und die Umweltbeeinträchtigung während der Nutzungsphase. Um eine nachhaltige Projektentwicklung zu gewährleisten, sollten Planungsteam, ausführende Unternehmen, Betreiber und Nutzer mit in die Planungsphase einbezogen werden. Das schafft eine gute Vorrausetzung, da alle Beteiligte gemeinsam den größten Teil des Lebenszyklus einer Immobilie abdecken.16

2.2.3 Soziokulturelle Dimension

Die soziale Nachhaltigkeit bzw. die soziokulturelle Nachhaltigkeit ist vermutlich die komplexeste aller Nachhaltigkeitsdimensionen. Soziokulturell, in der Projektentwicklung auch Nutzerqualität genannt, betrifft Lebensqualität und Zufriedenheit des Nutzers, als auch das der Menschen im Umfeld. Soziokulturelles konzentriert sich auf soziale als auch funktionale Aspekte der Nachhaltigkeit. Die Wirkung zwischen Gebäude und Gesellschaft, über den ganzen Lebenszyklus betrachtet, muss die Projektentwicklung in dieser Dimension berücksichtigen. Unter die Basisanforderungen fallen Grundversorgung (Wohnen, Gesundheit etc.) und andere „soziale Ressourcen“ (Identität, Gemeinwohl, Integration und Toleranz), welche sich einer quantitativen Bewertung nur schwer unterziehen lassen. Deshalb kann die nachhaltige Projektentwicklung nur qualitative Aspekte der soziokulturellen Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die soziale und ökologische Dimension gehen daher nahtlos ineinander über, denn Mensch und Rohstoffe sind Teil eines Ökosystems – Ökosystem Erde. Da sich die Anforderungen, beispielsweise an das Wohnen und das Wohnumfeld, im Gegensatz zur Nachkriegszeit, enorm geändert haben, muss sich die Projektentwicklung mit dem Thema „Wohnen als Lebensmittelpunkt“ neu definieren. Der Markt und die Gesellschaft „schreit“ nach mehr Lebensqualität, Identität und Integration neuer Bauvorhaben in die unmittelbare Umgebung. Das Stadtbild bzw. die Stadtgestaltung sowie die Entwicklung von neuen Stadtquartieren hat mehr Aufmerksamkeit denn je verlangt. Ebenso sind die zukünftigen Nutzer­ansprüche von bereits vorhandenen Gebäuden in eine funktionierende Stadtstruktur einzupflegen. Kulturelle Identität, verbunden mit kulturellem Erbe, wie Denkmalpflege und die Erhaltung schützenswerter Bausubstanz, sind wichtige Aspekte der soziokulturellen Nachhaltigkeit.17 18

Das Thema „Nachhaltigkeit“ gilt es in der Immobilienbranche weiterhin zu optimieren und Grundvoraussetzungen, wie bereits in anderen Ländern geschehen, zu schaffen. Die nachhaltigkeitsorientierte Zielvereinbarung gliedert sich wie folgt:

I. Gesundheit, Behaglichkeit und Nutzerzufriedenheit

- Thermischer Komfort
- Innenraumlufthygiene
- Akustischer Komfort
- Visueller Komfort
- Einflussnahmemöglichkeiten durch Nutzer
- Aufenthaltsqualitäten
- Sicherheit

II. Funktionalität

- Barrierefreiheit
- Zugänglichkeit
- Mobilitätsinfrastruktur

III. Sicherung der Gestaltungsqualität

- Gestalterische und städtebauliche Qualität
- Kunst am Bau19

Die europäische Norm (EN 15643-1), definiert einige wesentliche gebäudebezogene Kategorien der sozialen Nachhaltigkeit so:

- „Gesundheit und Behaglichkeit

wärmetechnisches Verhalten, Feuchte, Qualität des Wassers zur Nutzung in Gebäuden, Qualität der Innenraumluft, akustische Eigenschaften, visuelle Behaglichkeit, elektromagnetische Eigenschaften, räumliche Eigenschaften

- Zugänglichkeit

Zugänglichkeit für Menschen mit besonderen Bedürfnissen (Barrierefreiheit), Zugang zu haustechnischen Anlagen

- Anpassungsfähigkeit

individuelle Nutzeranforderungen, Änderungen der Nutzeranforderungen, technische Änderungen, Änderungen der Nutzung

- Instandhaltung

Instandhaltungsaufwand

- Sicherheit/Schutz

Beständigkeit gegen klimatische Veränderungen, Widerstandsfähigkeit gegen außergewöhnliche Einwirkungen, Einbruchssicherheit und Schutz gegen Vandalismus, Schutz vor Versorgungsunterbrechungen (z.B. Energie und Wasser)

- Belastungen für die Nachbarschaft

Lärm, Emissionen an Außenluft, Boden und Wasser, grelles Licht und Verschattung, Stöße/Erschütterungen, lokalisierte Windeffekte

- Beschaffung von Materialien und Dienstleistungen
- Einbeziehung der Beteiligten“ 20

Diese Abbildung (Abb. 4) zeigt mögliche Einflüsse auf den Bewohner / Nutzer.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Einflüsse auf den Bewohner / Nutzer21

Ferner ist hinzuzufügen, dass nicht nur allein Gebäude soziokulturelle Eigenschaften erfüllen sollten, sondern auch die unmittelbaren Außenanlagen. Das schafft Akzeptanz und Anerkennung, nicht nur im direkten Wohnumfeld. Soziokulturelle Qualität ist erst dann gegeben wenn auch die gesamte Architektur Zufriedenheit in hohem Maße vermitteln kann. Des Weiteren tangieren auch andere Aspekte die soziale Dimension. Regional Effekte wie, Beschäftigung, Wertschöpfung, die Inanspruchnahme regionaler Ressourcen und Unternehmen sind Beispiele, wie weit soziokulturelle Nachhaltigkeit reicht. Darauf bezogen ist noch zu erwähnen, dass diese Effekte, wie bereits erwähnt, wiederum in die ökologische Dimension miteinfließen. So reduzieren diese beispielsweise den Transportaufwand und die damit verbundenen Emissionen für ein Bauvorhaben.22

2.3 Politische Grundlage der Nachhaltigkeit

Wie bereits erwähnt, war die UNO-Konferenz 1992 in Rio de Janeiro ausschlaggeben für das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Mit der Agenda 21 wurde ein grundlegendes Aktionsprogramm für eine globale und dringend notwendige Umsetzung des Konzepts Nachhaltigkeit im 21. Jahrhundert beschlossen. Der nächste Schritt in Richtung Nachhaltigkeit war 1997 die Verpflichtung der teilnehmenden Industrienationen beim Weltklimagipfel in Kyoto, in Form des Kyoto-Protokolls, die Emissionen von sechs Treibhausgasen bis zum Ende des Verpflichtungszeitraums von 2008-2012 um fünf Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu verringern. Diese beiden Ereignisse gelten als auschlaggebende politische Maßnahmen in Richtung globaler Nachhaltigkeit.23

2.3.1 Deutsche Ebene

Bezogen auf die UNO-Konferenz 1992, veröffentlichte die Bundesregierung im Jahre 2002 ihre nationale Nachhaltigkeitsstrategie unter dem Titel „Perspektiven für Deutschland“. Diese erste Nachhaltigkeitsstrategie bestand aus 21 Indikatoren. Mit Hilfe dieser Indikatoren wurde die Nachhaltigkeit in Hinsicht auf Entwicklung von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft kontinuierlich beobachtet. Daher erfolgt alle vier Jahre ein Fortschrittsbericht. Zudem veröffentlicht das Statistische Bundesamt, im Auftrag der Bundesregierung, alle zwei Jahre einen Indikatorenbericht, welcher die Fortschritte der Entwicklung offenlegt. Wie sich das Interesse und Wissen in Sachen Nachhaltigkeit gesteigert haben, ist daran zu erkennen, dass aus damaligen 21 Indikatoren mittlerweile 63 (2016) geworden sind. Diese Indikatoren werden in Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung gegliedert.24 25

Diese Abbildung (Abb. 5) zeigt die Meilensteine der Nachhaltigkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Meilensteine der Nachhaltigkeit26

Da Nachhaltigkeit nicht nur auf die Projektenwicklung und den damit verbundenen Bau projiziert wird, gilt es, die Nachhaltigkeit auf deutscher Ebene und europäischer Ebene rein auf die Projektentwicklung bzw. den Bau einzugrenzen.

Ein wichtiger Markt und von der EU als „Leitmarkt“ betitelt, ist die Baubranche mit der dazugehörigen Planung (Projektentwicklung). Aus diesem Grund wurde 2001 der Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“ verfasst und veröffentlicht. Im Jahr 2011 wurde dieser fortgeschrieben, 2013 und 2015 mit neu gewonnen Aspekten eingeführt. Inhaltlich umfasst dieser Zielvorgaben für die Gebäudeplanung von Neubauvorhaben, Erweiterungsbauten im Regelungsbereich der Bundesbauverwaltung und Nutzung und Bewirtschaftung von Gebäuden, sowie Gebäudebestand. Um die Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung umsetzen zu können, bedarf es einiger Organe und Instrumente.27

So wurde durch den erstmals 2001 veröffentlichten Leitfaden der „Rat für Nachhaltige Entwicklung“, welcher Mietglied des Netzwerkes „European Environment and Sustainable Development Advisory Councils“ (EEAC) ist, gegründet. Dieser berät die Bundesregierung, in Sachen „(…) Erarbeitung von Zielen und Indikatoren zur Fortentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie, (…) sowie konkrete Handlungsfelder und Projekte für die Umsetzung (...).“28 Der Rat für Nachhaltige Entwicklung setzt sich aus 13 Mietgliedern unterschiedlicher Bereichen des öffentlichen Lebens zusammen. Dieser ist im stetigen Kontakt mit Akteuren der Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und versucht, der breiten Öffentlichkeit Nachhaltigkeitspolitik nahezubringen. „Der Rat entwickelt konkrete Handlungsempfehlungen, z. B.

- zur Energieeffizienz und -forschung,
- zur Verminderung der Flächeninanspruchnahme,
- gegen die unkontrollierte Nutzung natürlich vorkommender Ressourcen,
- zur Modernisierung des öffentlichen Beschaffungswesens
- und zur unternehmerischen Verantwortung in einer globalisierten Welt.“29

Ein weiteres Organ und gewissermaßen die „Arme und Beine“ der Nachhaltigkeitspolitik der Bundesregierung ist der Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung (Green Cabinet). Sein Hauptaufgabenfeld besteht darin, die Nachhaltigkeitsstrategie umzusetzen, weiterzuentwickeln und zu überprüfen. Er gilt als Ansprechpartner für den Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung, berät auf Bundesländerebene und ist im stätigen Austausch mit den kommunalen Spitzenverbänden.

Seine Beschlüsse für den Bereich Bauen und Wohnen beziehen sich speziell auf die notwendige Betrachtung des gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes (siehe Abb. 2) und unter Einbezug, der bereits erörterten, drei Dimensionen der Nachhaltigkeit.

Ein weiteres Instrument im Apparat Nachhaltigkeitspolitik und vor allem auf die Öffentlichkeitsarbeit ausgerichtet, ist das Referat II 5 welches die Aufgaben der Geschäftsstelle Nachhaltiges Bauen übernimmt. Neben der Öffentlichkeitsarbeit, wie das Verwalten der Informationsplattform (www.nachhaltigesbauen.de), unterstützt das Referat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung fachlich und organisatorisch.

Das letzte Gremium „Runder Tisch Nachhaltiges Bauen“ wurde zeitgleich zum Leitfaden „Nachhaltiges Bauen“ 2001 zur Unterstützung dessen gegründet. „Er setzt sich aus Vertretern der Bauwirtschaft, der Industrie, der Architekten- und Ingenieurkammern, der wesentlichen Bauverwaltungen und der Wissenschaft zusammen.“30 Seine Arbeit besteht darin, den Leitfaden durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu überarbeiten und konkrete Handlungsempfehlungen zur Umsetzung zu kommunizieren. Außerdem hat er bei der Fortschreibung des Leitfadens 2011 bedeutsam mitgewirkt.31

2.3.2 Europäische Ebene

Die EU reagierte etwas später auf den notwendigen Ansatz einer globalen Nachhaltigkeitsstrategie durch die Veröffentlichung der EU Leitmarktinitiative 2007. Diese sollte besonders entwicklungsreiche Märkte dazu veranlassen ihren Output (hier Umsatz) zu verdoppeln. Als einer dieser Leitmärkte wurde das nachhaltige Bauen mit der dazugehörigen Projektentwicklung benannt. Ein weiterer Leitmarkt ist erneuerbare Energien, welche auch einen wichtigen Bestandteil einer nachhaltigen Projektentwicklung darstellen. Der Grund für die Betitelung als Leitmarkt, durch die Europäische Kommission, ist der Fakt, dass der Anteil von Gebäuden auf den Endenergieverbrauch der EU bei 42% liegt. Des Weiteren verursachen Gebäude rund 35% aller Treibhausgasemissionen. Dieser Beleg zeigt die Entwicklungsstärke des Marktes und soll Innovation im Umweltschutz, Gesundheitsfragen und Komfort der Nutzer, welcher durchaus bezogen auf den demographischen Wandel Sinn macht, hervorbringen.32

[...]


1 Vgl. Umwelt Bundesamt: Energiesparende Gebäude, unter: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/energiesparen/energiesparende-gebaeude#textpart-1, 13.02.19

2 Vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Die Rio Konferenz 1992, unter: https://www.bmz.de/de/ministerium/ziele/2030_agenda/historie/rio_plus20/umweltgipfel/index.html, 11.01.19

3 Vgl. Schäfer, J., Conzen, G.: Praxishandbuch Immobilien-Projektentwicklung, 3. Auflage, München 2013, S. 299

4 Hauff, V.: Brundtland Report 1987, unter: https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/brundtland_report_563.htm, 11.01.19

5 Lucht, D., nach Diederichs: Betriebswirtschaftliche Grundlagen der Immobilienwirtschaft; 1.2 Projektentwicklung im Spiel von Angebot und Nachfrage, Folie 3

6 Studentenwerk Dresden: Die drei Säulen der Nachhaltigkeit, unter: https://static.studentenwerk-dresden.de/bilder/drei-saeulen-der-nachhaltigkeit.jpg, 11.01.19

7 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 5

8 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, Anlage B1, S. 1

9 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, Anlage B1, S. 2

10 Friedrichsen, S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 4

11 Vgl. Universität Leipzig: Institut für Immobilienmanagement, unter: http://www.sorsch.de/Docs/Facility_Planning_040329.pdf, 12.01.19

12 Vgl. Wirtschaftslexikon Gabler: Ökonomische Nachhaltigkeit, unter: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/oekonomische-nachhaltigkeit-53449, 13.01.19

13 Vgl. Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat: Nachhaltiges Bauen, unter: https://www.nachhaltigesbauen.de/de/nachhaltiges-bauen/nachhaltiges-bauen/drei-dimensionen-des-nachhaltigen-bauens.html, 13.01.19

14 Friedrichsen S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 181

15 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, S. 34

16 Friedrichsen S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 182

17 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, S. 15

18 Friedrichsen S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 237 ff.

19 Vgl. Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, unter: https://www.nachhaltigesbauen.de/de/nachhaltiges-bauen/nachhaltiges-bauen/drei-dimensionen-des-nachhaltigen-bauens.html, 14.01.19

20 DIN EN 15643-1: Nachhaltigkeit von Bauwerken - Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden - Teil 1: Allgemeine Rahmenbedingungen, 2010

21 Friedrichsen, S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 252

22 Friedrichsen, S.: Nachhaltiges Planen, Bauen und Wohnen, Heidelberg 2018, S. 239

23 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 2

24 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 3

25 Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, S. 8

26 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB): Leitfaden Nachhaltiges Bauen 2016, Berlin, S. 8 f.

27 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 3

28 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 3

29 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 3

30 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 4

31 Vgl. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Bericht Nachhaltiges Bauen – Strategien – Methodik – Praxis, Bonn April 2011, S. 4

32 Vgl. Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat: EU Leitmarktinitiative, unter: https://www.nachhaltigesbauen.de/eu-leitmarktinitiative.html, 16.01.19

Ende der Leseprobe aus 66 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft. Welche Möglichkeiten für ein energieeffizientes Bauen und Sanieren gibt es?
Autor
Jahr
2020
Seiten
66
Katalognummer
V511475
ISBN (eBook)
9783963560224
ISBN (Buch)
9783963560231
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Immobilien Projektentwicklung, Property Management, Facility Management, Drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, Politische Grundlage der Nachhaltigkeit, Neubau, Sanierung, Nachhaltige Entwicklungsaspekte, Nachhaltigkeitszertifikate, DGNB, LEED, Energie, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Geothermie, Biomasse, Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Nachhaltigkeitszertifikat, Solarenergie, Regenwassernutzung
Arbeit zitieren
Felix Wilden (Autor), 2020, Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft. Welche Möglichkeiten für ein energieeffizientes Bauen und Sanieren gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511475

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