Linguistische Diskursanalyse der Antrittsreden von Michelle Bachelet unter dem Gesichtspunkt der chilenischen Frau und des erzeugten Wir-Gefühls


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019
18 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Michelle Bachelet – zur Person

3. Linguistische Diskursanalyse
3.1. Körpersprachenanalyse
3.2. Sprechaktanalyse
3.2.1.1. Diskursstrang – Die Rolle der chilenischen Frau
3.2.2.2. Diskursstrang – Das erzeugte Wir-Gefühl

4. Abschlussdiskussion

5. Literaturverzeichnis

6. Eigenständigkeitserklärung

„Ich verkörpere alles, was in Chile als Todsünde gilt, denn ich bin weiblich, sozialistisch, agnostisch und lebe von meinem Mann getrennt.“ (Michelle Bachelet)

1. Einleitung

Das einleitende Zitat stammt von Michelle Bachelet, der ersten Präsidentin Chiles. Chile ist bereits kein Dritte-Welt-Land mehr, sondern ein Schwellenland auf dem Weg zu einer eigenständigen starken Wirtschaftskraft.1 Die erste Frau an der Spitze Chiles könnte einen Weg in eine neue Zukunft darstellen, doch auch hier drohen Stolpersteine. Michelle Bachelet verfügt über eine internationale Vergangenheit. Die Frage ist einerseits, inwieweit sich der chilenische Durchschnittsbürger überhaupt mit ihr identifizieren kann, andererseits aber auch, was Bachelet auch auf der anderen Seite durch ihr international geprägtes Leben mitbringen kann, um das Land voranzubringen. Bachelet war von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018 Präsidentin ihres Landes. Sie wäre auch 2010 wiedergewählt worden, aber in Chile ist es nicht erlaubt, zwei Amtszeiten direkt hintereinander anzutreten.

Die folgende Arbeit ist eine linguistische Diskursanalyse und legt den Fokus vor allem auf die beiden Antrittsreden von 2006 und 2014 sowie auf die Körpersprache und das dadurch transportierte Bild. Konzentrieren wird sich die Analyse der Antrittsreden vor allem auf zwei Diskursstränge, die bereits im Titel der Arbeit angeklungen sind und sich auf das erzeugte Wir-Gefühl beziehen, ein typisches Mittel in politischen Reden, und auf die Rolle der Frau, auf die sich natürlich auch Bachelet als erste Präsidentin ihres Landes stützt. Zunächst werden im ersten Teil die Diskursanalyse und das Vorgehen erläutert, bevor dann eine Vorstellung von Michelle Bachelet folgt und anschließend die Antrittsreden anhand von Textausschnitten, passend zum jeweiligen Diskursstrang analysiert werden. Es folgt eine Abschlussdiskussion, die sich kritisch mit den einzelnen angesprochenen Themen auseinandersetzt und auch Stimmen einbindet, die sich während und nach der Amtszeit von Bachelet, erhoben haben. Die Vorgehensweise dieser Diskursanalyse ist zunächst die Entwicklung des Diskursgegenstandes und einer passenden Fragestellung gewesen. Für den Teil der linguistischen Diskursanalyse folgte das aufmerksame Lesen der Antrittsreden und das Heraussuchen wichtiger Zitate, anhand derer dann die Fragestellungen beantwortet und kritisch beleuchtet werden sollen. Im Folgenden wird die Präsidentin Michelle Bachelet vorgestellt, da auch ihre Vergangenheit zur Analyse des folgenden Diskurses beiträgt. Außerdem findet sich angehängt das Foto, auf das sich der Teil der Körpersprachenanalyse bezieht, da auch die Analyse der Körpersprache etwas über die Aussagekraft eines Menschen erzählt.

Der erste Diskursgegenstand, den die folgende Arbeit untersuchen möchte, ist das erzeugte Wir-Gefühl in den Antrittsreden. Die Fragestellung dazu lautet: Inwieweit erzeugt Michelle Bachelets Sprache und Rhetorik ein Wir-Gefühl bei den Menschen? Wen schließt sie damit ein und wen aus? Der zweite Diskursgegenstand beleuchtet die Rolle der chilenischen Frau. Die Fragestellung dazu lautet: In welchem größeren Zusammenhang steht die Antrittsrede und wie können wir anhand der sprachlichen Analyse Rückschlüsse auf die Rolle der chilenischen Frau ziehen?

Abbildung 1:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Michelle Bachelet – zur Person

Verónica Michelle Bachelet Jería wurde am 29.11.1951 in Santiago de Chile als Tochter des Luftwaffengenerals Alberto Bachelet und der Anthropologin Ángela Jería geboren. Alberto Bachelet blieb bis zum Putsch loyal an der Seite von Salvador Allende und wurde dafür 1973 von Pinochet gefangen genommen, gefoltert und starb in Gefangenschaft an einem Herzinfarkt. Michelle und ihre Mutter wurden auch gefoltert, überlebten und flohen zuerst nach Australien, dann in die DDR. Dort lernte Michelle am Herder-Institut der Universität Leipzig Deutsch und schloss dann in Berlin ihr Medizinstudium erfolgreich ab. 1977 heiratete sie den chilenischen Architekten Jorge Leopoldo Dávalos Cartes, der ebenfalls im Exil in Deutschland lebte und bekam zwei Kinder mit ihm. 1979 kehrte sie nach Chile zurück und musste dort ihre Studien neu aufnehmen, da ihr ihr Studienabschluss aus Deutschland nicht anerkannt wurde. 1984 trennte sie sich von ihrem ersten Mann und lernte 1990 Aníbal Hernán Henriquez Marich kenne, mit dem sie 1992 ihr drittes Kind bekam.

Bachelet spricht 6 Sprachen (Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch, Portugiesisch und Russisch) und ist seit dem 1. September 2018 Hohe Kommissarin für Menschenrechte der UN. 2006 bis 2010 und 2014 bis 2018 war sie Präsidentin ihres Landes und damit die erste Frau an der Spitze Chiles.2

Ihre politische Karriere startete 1994. Drei Jahre arbeitete sie im Gesundheitsministerium und nahm 1996 an einer militärischen Fortbildung am Inter- American Defense College in Washington, D.C. teil. Zwei Jahre später wechselte sie ins Verteidigungsministerium. Am 11. März 2000 wurde sie von Präsident Ricardo Lagos zur Gesundheitsministerin ernannt. 2002 wurde Bachelet als erste Frau in Chile dann Verteidigungsministerin. Damit stand sie einer Armee vor, die zu großen Teilen immer noch von Personen geführt wurde, die die Diktatur Pinochets aktiv mitgetragen hatten und für Tausende Morde und Zehntausende Folteropfer verantwortlich waren. Bachelet war in ihrer sozialistischen Partei sehr beliebt und so wurde sie Mitte 2005 als Präsidentschaftskandidatin nominiert und mit 53,3% gewählt. Ihr hohes Ansehen weltweit eröffnete ihr nach dem Ende ihrer Amtszeit eine internationale Karriere. So wurde sie 2010 von UN-Generalsekretär Ban Ki- moon in das Amt der Leiterin der Frauen-Organisation UN Women berufen. Für die Präsidentschaftswahl am 17. November 2013 wurde Bachelet erneut als Kandidatin für das Wahlbündnis Nueva Mayoría nominiert, das Parteien der Mitte und der Linken umfasste. Bachelet setzte sich am 15. Dezember 2013 im zweiten Wahlgang gegen die konservative Kandidatin Evelyn Matthei durch, sie erhielt rund 62 Prozent der Stimmen. Am 8. August 2018 ernannte UNO-Generalsekretär António Guterres Bachelet zur Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte.3

3. Linguistische Diskursanalyse

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Diskursbegriffe in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen, wie in der Linguistik oder in der Geschichtswissenschaft. Für die Sprachwissenschaft ist die linguistische Diskursanalyse am bedeutendsten und stützt sich auf die Theorien von Jäger. Laut Jäger ist die linguistische Diskursanalyse eine Analyse des Zusammenhangs von Handeln, Denken und Sprechen von Menschen in konkreten sozio-historischen Kontexten beziehungsweise die Analyse von Texten in Hinblick auf die Verwendung sprachlicher Methoden (Laut, Wort, Satz, Text, Diskurs). Die linguistische Untersuchung eines Diskurses erfolgt auf der sprachlichen Ebene und erlaubt Rückschlüsse auf die interpretatorische Ebene. Die Sprache ist dabei wie eine Folie, durch die wir auf die uns umgebende Welt schauen und sie interpretieren. Gut veranschaulicht ist das in der Darstellung nach Ekkehard Felder.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2

3.1. Körpersprachenanalyse

Gegenüber der wörtlichen Ausdrucksweise ist die nonverbale Kommunikation, die mit dem höchsten Wahrheitsgehalt. Der erste Eindruck entscheidet darüber, ob uns jemand gefällt oder Abneigung in uns hervorruft. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Die Einflussfaktoren für den ersten Eindruck sind vor allem die Kleidung, Bewegungen, Mimik, Ausdrucksweise, Dialekt und Sprachgeschwindigkeit. Der optische Eindruckt ist so prägend, dass sofort ein unbewusstes Urteil über die soziale und finanzielle Kompetenz dieser Person.5 Die Mimik hat eine besondere Bedeutung, da im Gesicht die meisten Gefühlsregungen ablesbar sind. Gesagtes muss aber nicht zwangsläufig mit der Mimik einhergehen. Die Gestik einer Person unterstützt das Gesagte und lässt meist selbstbewusster wirken. Die Gestik ist allerdings auch kulturell und vom Temperament abhängig. Es ist auch möglich, (sich) ohne Gestik gelungen zu präsentieren. Über Blickkontakt ist es möglich, auch ohne Worte Kontakt zu Menschen aufzunehmen. Über den Blick kann man Ignoranz, Gleichgültigkeit aber auch Verständnis und Zuneigung ausdrücken. Auch die Körperhaltung sagt etwas über den Charakter aus und unterstützt den Sprechakt.

[...]


1 Vgl. Birle, Peter (2010): „Lateinamerika im Wandel“, Baden-Baden: Nomos-Verl.-Ges., 1. Aufl., S.26

2 Vgl. Guzmán, Patricio (2006): „Michelle Bachelet von der Partido Socialista zur ersten Präsidentin Chiles gewählt“. SLP (Stand 25.3.2019) https://www.slp.at/artikel/michel-bachelet-von-der-partido-socialista- zur-ersten-pr%C3%A4sidentin-chiles-gew%C3%A4hlt-1461

3 Ebd.

4 Vgl. Scharloth, Joachim (2013): „Linguistische Diskursanalyse: Überblick, Probleme, Perspektiven“, Wiesbaden: VS Verlag, S. 11f.

5 Ebd., S. 14f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Linguistische Diskursanalyse der Antrittsreden von Michelle Bachelet unter dem Gesichtspunkt der chilenischen Frau und des erzeugten Wir-Gefühls
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Romanistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
18
Katalognummer
V511614
ISBN (eBook)
9783346084712
ISBN (Buch)
9783346084729
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Linguistische Diskursanalyse, Diskursanalyse, CDA, Antrittsrede, Michelle Bachelet, Wir-Gefühl, Chile, chilenische Frau, Frauenbewegung, Mapuche
Arbeit zitieren
Catharina Henning (Autor), 2019, Linguistische Diskursanalyse der Antrittsreden von Michelle Bachelet unter dem Gesichtspunkt der chilenischen Frau und des erzeugten Wir-Gefühls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/511614

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Linguistische Diskursanalyse der Antrittsreden von Michelle Bachelet unter dem Gesichtspunkt der chilenischen Frau und des erzeugten Wir-Gefühls


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden