Einfluss des Vertrauens auf die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit am Beispiel von "Fifty Shades of Grey"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017
20 Seiten, Note: 2,0
Bianca Pri (Autor)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Fifty Shades of Grey
2.1. Die Struktur
2.2. Die Sprache

3. Die Aspekte des Vertrauens
3.1. Definition: Vertrauen
3.2. Vertrauen zwischen Anastasia Steel und Christian Grey

4. Faktoren der Handlungsfähigkeit Anastasias
4.1. Selbstbestimmte Handlungsfähigkeit
4.2. Die Bedeutung der Freiwilligkeit

5. Fazit

1. Einleitung

„Es geht eher darum, dass ich mir dein Vertrauen und deinen Respekt verdiene und du dich freiwillig meinem Willen beugst. Deine Unterwerfung wird mir Freude bereiten [...]“ ( James 2015, S.116). Vertrauen, ist das Schlagwort, das im erotischen Roman ,Fifty Shades of Grey‘ neben dem eigentlichen Thema des Buches, dem Sex, eine wichtige Rolle spielt. „Vertrauen, so könnte man sagen, ist der Stoff, der unsere Welt zusammenhält“ (Hartmann zitiert in: Die Zeit, Nr.4/2012), so schreibt es der Luzerner Philosoph Martin Hartmann in einem Artikel in der Zeit vom 19. Januar 2012.

Vertrauen ist demnach auch die Basis, die die sexuelle Beziehung zwischen den beiden Protagonisten Christian Grey und Anastasia Steel im Roman ,Fifty Shades of Grey‘ zusammenhält und im Verlauf der Geschichte eine wichtige Rolle spielt. Dabei ist Vertrauen nicht auf die gesamte Welt bezogen, sondern die sexuelle Lebenswelt, in denen sich die beiden Figuren befinden und die vor allem Christian Grey sehr ausgiebig auslebt. Christian Grey versucht innerhalb der Geschichte das Vertrauen der Studentin Anastasia Steel zu gewinnen, es, wie er selbst sagt, sich zu verdienen, um die 21-jährige Studentin in seine Welt zu bannen, um die Kontrolle über sie zu erlangen.

Die vorliegende Ausarbeitung beschäftigt sich mit Vertrauen und Misstrauen im erotischen Roman ,Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen, geschrieben von der Autorin E.L. James. ,Geheimes Verlangen ist der erste Band der Roman Trilogie. Die Hausarbeit bezieht sich ausschließlich auf die deutsche Übersetzung des Bandes.

Um Kenntnisse über den Inhalt zu gewähren, wird in Kapitel 2 der Hausarbeit eine Zusammenfassung des Bandes vorgenommen, welche detailreich genug ist, aber dennoch den Rahmen der Hausarbeit nicht sprengt.

Sowohl die Romanreihe ,Shades of Grey‘, insbesondere der erste Teil, als auch die Verfilmung, haben nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit für öffentliches Aufsehen gesorgt, als der erste Band im Jahr 2012 veröffentlicht wurde. Die Meinungen der Rezipienten gehen noch heute weit auseinander, wenn es um die Diskussion der Thematik, vor allem über den Sadomachismus, welcher im Buch ausgelebt wird, handelt. Oftmals wurde das Buch, aber auch die Verfilmung des Romans in den Medien zerrissen und als langweilig, gar todlangweilig, deklariert.

Die vorliegende Arbeit soll jedoch weniger auf die sexuellen Interaktionen eingehen, sondern beschäftigt sich tiefgründiger, nämlich mit der Relevanz des Vertrauens. „Wie schafft es Christian Grey das Vertrauen zu Anastasia Steel aufzubauen?“, „Ist das überhaupt Vertrauen, was zwischen den beiden besteht?“, „Wie wird aus Vertrauen Misstrauen?“, sind die Fragen, welche in dieser Arbeit analysiert und herausgearbeitet werden sollen. Dabei liegt des Weiteren der Fokus auf die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit der Protagonistin Anastasia und die damit verbundene Frage, ob Christian Grey es schafft, durch einen Vertrauensaufbau ihre Selbstbestimmung zu beeinflussen.

Vorab soll ein kurzer inhaltlicher Überblick in Kapitel 2 stattfinden, danach schließen in Kapitel 3 wichtige Definitionen an. In Kapitel 4 wird die Handhabung des Vertrauens im Roman genauer analysiert und durch entsprechende Stellen im Roman belegt. Abschließend dient der erarbeitete Kontext als Basis für die Analyse von Anastasias Handlungsfähigkeit, wodurch untersucht werden soll, ob die Protagonistin Vertrauen gegenüber Christian Grey aufgebaut hat, oder ob sie durch pure Naivität diesem verfällt.

2. Fifty Shades of Grey

Bevor auf die Struktur der Erzählung eingegangen wird, erfolgt zunächst eine kleine inhaltliche Zusammenfassung, welche zum besseren Verständnis führen soll, falls keine Grundkenntnisse über den Roman vorliegen sollten. Dazu soll eine kurze Zusammenfassung des ersten Bandes der Trilogie erfolgen. Es wird nur der erste Band skizziert, da er die Basis der vorliegenden Seminararbeit bildet.1

Bei einem Interview lernt die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele den 27-jährigen Milliardär Christian Grey kennen, der ein erfolgreicher Unternehmer und der begehrteste Junggeselle Seattles ist. Schon bei der ersten Begegnung fühlt sich die äußerst schüchterne und introvertierte Studentin zu dem Unternehmer Mr. Grey hingezogen. Der Protagonist Christian Grey übernimmt in der Geschichte die Rolle eines typischen Byronic Hero, mit den charakteristischen Merkmalen der Intelligenz und des zielgerichteten Tuns. Er spiegelt damit den Charakter eines Antihelden wieder, da er keine Moral vertritt und die eigene Persönlichkeit, sowohl über sich selbst, als auch über die Welt stellt. Grey scheint an vielen Stellen der Erzählung als eine einzigartige Persönlichkeit, welche eine besondere Überlegenheit ausstrahlt. Gleicherweise spiegelt sich seine Einzigartigkeit auch in einer Art Einzelgänger Dasein wieder, trotz hoher gesellschaftlicher Stellung. Er verfügt über Wohlstand und genießt seine Unabhängigkeit in einem luxuriösen Lebensstil. Typisch für den Byronic Helden ist, dass er sich mit einem düsteren Geheimnis umgibt, was durch Christians sexuelle Vorlieben, die durchaus als Perversionen klassifiziert werden können, definitiv gegeben ist.

Auch Christian fühlt sich zu Anastasia hingezogen und übernimmt nach und nach die Kontrolle über ihre Gefühlswelt. Bei weiteren Treffen, die oftmals von Christian initiiert werden, lernen sich die beiden näher kennen. Anastasia erfährt schon bald von Christians Geheimnis, nämlich seiner sexuellen Neigung. Christian Grey erfüllt sein Sexualleben durch Dominanz, Sadismus und der Vorliebe für Bondage2. Die sexuelle Dominanz zeichnet sich vor allem dadurch aus, das sadistische Empfindungen geprägt werden, wodurch der sexuelle Partner beherrscht und unterworfen werden soll (vgl. Dunde 1992, S.359). Auch erfährt Anastasia, dass Grey eine schwierige Kindheit durchlebt hat, die von Gefühlskälte und Verwahrlosung geprägt war, bis er von seinen Eltern adoptiert wurde. Christian Grey hat schnell Gefallen an der jungen, unerfahrenen Studentin gefunden und möchte sie wiedersehen. Nach und nach führt er sie dann in seine dunkle, für Ana unbekannte, sexuelle Welt ein, in der Lust und Begierde eine wichtige Rolle spielen. Anastasia ist zu Beginn von den neuen Erlebnissen eingeschüchtert, zumal sie selbst noch keine sexuellen Erfahrungen gemacht hat und noch Jungfrau ist. Christian Grey löst in ihr die Begierde aus, so dass sie sich ihm immer mehr hingibt. Christian jedoch möchte keine Liebesbeziehung im klassischen Sinn führen, denn eine feste Beziehung scheint für den Unternehmer nicht in Frage zu kommen, da es ihm schwer fällt über seine echte Gefühls- und Lebenswelt zu erzählen. Nur langsam nähert er sich Anastasia an und vertraut ihr seine intimen Erlebnisse an. Gleichzeitig lässt sich die Studentin immer mehr auf seine BDSM3 - Spiele ein, da sie auf eine feste Beziehung hofft. Auch merkt Christian Grey bald, dass er sich zu stark gegen seine wahren Gefühle wehrt und dass er mehr für die junge Frau empfindet, als sie bloß zu dominieren. Die Gefühlswelt Anastasias ist durch die sexuelle Erfahrung, die sie mit Mr. Grey erlebt mehr und mehr aus den Fugen geraten. Sie möchte Klarheit schaffen und eine Beziehung führen. Christian Grey ist sich seiner Gefühle zwar bewusst, kann aber den Schritt in eine Beziehung nicht wagen. Obwohl er Anastasia seinen Eltern vorstellt, was er zuvor auch noch nie getan hat. Obwohl er mit ihr so viele Dinge erlebt, die für ihn und seinen speziellen Umgang mit Frauen, Prämieren sind. Obwohl sich Ana auf die sexuelle Züchtigung einlässt, endet der Roman mit der Trennung der Beiden.

[...]


1 Stellenweise werden in der vorliegenden Hausarbeit auch Szenen aus dem 3. Band zitiert, welche aufgestellte Behauptungen unterstreichen sollen. Zum Verständnis ist es jedoch nicht nötig den dritten Band zusätzlich zusammenzufassen, da die ausgewählten Stellen lediglich als eine Gedankenstütze dienen.

2 Bondage (engl. bond = Band, Fessel; bondage = Leibeigenschaft, Hörigkeit, Knechtschaft): Bondage bezeichnet eine sexuelle Praktik, bei der es um das Fesseln, Festbinden, In-Ketten/Handschellen-Legen bzw. Anketten des Partners ggf. als Vorbereitung zu anschließenden Schmerzzufügungen, handelt (Dunde 1992, S.356).

3 BDSM ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene sexuelle Vorlieben, welche auch als Sadomachismus bezeichnet werden. Sadismus-Masochismus ist ein Ausdruck, der den wechselseitigen Zusammenhang sadistischer und masochistischer Triebausprägungen schon in einer Person anzeigen soll. Dazu zählen sexuelle Vorlieben, die durch Dominanz und Unterwerfung ihren Höhepunkt erreichen. Dies geschieht durch spielerische Bestrafung, sowie Lustschmerz oder Fesselspiele. Hierbei unterwirft sich der Sexualpartner ,Sub‘ dem dominanten Partner ,Dom‘. Bei dieser Sexualpraktik ist eine große Vertrauensbasis nötig, ohne jene eine solche Art von sexueller Beziehung nicht stattfinden kann (vgl. Dunde 1992, S.375). Freud beschreibt einen Sadisten wie folgt: „Ein Sadist ist immer auch gleichzeitig ein Masochist, wenngleich die aktive oder passive Seite der Perversion bei ihm stärker ausgebildet sein und seine vorwiegende sexuelle Betätigung darstellen kann“ (Freud 1905, S.35).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Einfluss des Vertrauens auf die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit am Beispiel von "Fifty Shades of Grey"
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Germanistik)
Veranstaltung
Vertrauen in der Literatur
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V512395
ISBN (eBook)
9783346110954
ISBN (Buch)
9783346110961
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literatur, Literaturwissenschaft, Fifty Shades of Grey, Roman, Literarische Analyse, Vertrauen, Handlungsfähigkeit, Buchanalyse, Germanistik
Arbeit zitieren
Bianca Pri (Autor), 2017, Einfluss des Vertrauens auf die selbstbestimmte Handlungsfähigkeit am Beispiel von "Fifty Shades of Grey", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512395

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