Fehlerkultur als Erfolgsfaktor im betrieblichen Innovationsmanagement


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Betriebliches Innovationsmanagement
2.2 Unternehmenskultur
2.3 Fehlerkultur

3 Generelles zur Fehlerkultur
3.1 Hintergrund der Fehlerkultur
3.2 Umgang mit Fehlern

4 Fehlerkultur im betrieblichen Innovationsmanagement
4.1 Erfolgsfaktoren im betrieblichen Innovationsmanagement
4.1.1 Innovationsfähigkeit
4.1.2 Innovationsbereitschaft
4.1.3 Innovationsermöglichung

5 Förderung einer Fehlerkultur
5.1 Beeinflussbarkeit der Unternehmenskultur
5.2 Maßnahmen zur Etablierung einer positiven Fehlerkultur

6 Fazit und Ausblick

7 Quellenverzeichnis

Buchquellen

Internetquellen

1 Einleitung

Bei der Frage nach den künftig besonders erfolgskritischen Aspekten des betrieblichen Innovationsmanagements häufen sich die Vermerke, in denen einer positiven Fehlerkultur eine große Bedeutung zugesprochen wird. Für gewöhnlich werden die Begriffe Innovationsmanagement und Fehlerkultur nicht miteinander assoziiert.

„Fehler schaffen Raum für Innovation und eröffnen die Chance, eingefahrene Prozesse zu hinterfragen oder neue Ziele zu setzen. Damit das klappt, brauchen Mitarbeiter, Teams und Unternehmen aber einen angemessenen Umgang mit Patzern – eine gute Fehlerkultur.“[1]

Das Ziel dieses Assignments ist es, den Leser gegenüber der Wichtigkeit einer positiven Fehlerkultur im betrieblichen Innovationsmanagement zu sensibilisieren. Zwar sind Vielen die „Alltäglichkeit und Bedeutung von Misserfolg durchaus bewusst [..] Dennoch findet ein offener Umgang mit diesem Thema viel zu selten statt. […] Dies hemmt Veränderung und Innovation und erschwert die Verbreitung von Lernerfahrung von Unternehmen.“[2]

Um sich der Thematik Schritt für Schritt zu nähern, wird nach der Erläuterung einiger grundlegender Begriffe in ausführlicher und systematischer Weise auf die Thematik der Fehlerkultur eingegangen. Dabei wird betrachtet, wie sich Fehlerkulturen unterscheiden, in welcher Art und Weise sie sich äußern und welche unterschiedlichen Formen es beim Umgang mit Fehlern gibt. Im Anschluss daran wird analysiert, inwiefern sich Fehlerkulturen auf das betriebliche Innovationsmanagement auswirken. Im Schlussteil geht es um die Beeinflussbarkeit der Unternehmenskultur sowie um die Frage: Lässt sich eine positive Fehlerkultur proaktiv etablieren? Nach der Betrachtung von Möglichkeiten zur Beeinflussung von Fehlerkulturen werden diese im letzten Kapitel kritisch hinterfragt.

2 Grundlagen

Lars Hinrich, der ein „bemerkenswertes Beispiel für gelebte Fehlerkultur“[3] ist, setzte sich nach dem Konkurs seines ersten Unternehmens intensiv mit den gemachten Managementfehlern auseinander. Das dadurch erlangte Wissen setzte er bei seinem nächsten Projekt, dem Internet-Netzwerk XING SE, dann erfolgreich um.[4] Seiner Aussage nach wäre sein neues Projekt nicht bzw. nicht so schnell erfolgreich gewesen, hätte er nicht aus seinen Fehlern die richtigen Schlüsse gezogen.[5] Doch nur „wenige Unternehmen haben es geschafft, eine wirklich fehlerfreundliche Kultur zu etablieren.“[6]

Um einen gemeinsamen Rahmen und ein Basisverständnis für das Thema dieses Assignments zu schaffen, werden zunächst die Grundbegriffe betriebliches Innovationsmanagement, Unternehmenskultur und Fehlerkultur umrissen.

2.1 Betriebliches Innovationsmanagement

Nach der Definition von Geschka ist Innovationsmanagement „die systematische Gestaltung aller Prozesse und Entscheidungen im Unternehmen, die zur Realisierung von Innovationen beitragen.“[7] Hierzu zählt er auch „die punktuelle Mitwirkung des Topmanagements in einzelnen Phasen und bei einzelnen Entscheidungen sowie die gezielte Inanspruchnahme interner und externer Unterstützung.“[8] Ergänzend beschäftigt sich das Innovationsmanagement mit allen Maßnahmen, „um Innovationen in Organisationen zu begünstigen“[9]. Das „Innovationsmanagement ist der Teil des betrieblichen Managements, der die Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen steuert.“[10]

2.2 Unternehmenskultur

Als Unternehmenskultur kann man „die von den Organisationsmitgliedern geteilten Werte, Normen und Überzeugungen bezeichnen. Diese steuern das Verhalten und werden den Mitarbeitern in symbolischer Form nahegebracht. Demzufolge ist die Kultur ein soziales Phänomen, das funktional erlernbar und wandelbar ist.“[11] Die „Unternehmenskultur manifestiert sich danach in der Summe der von den Mitarbeitern erlernten, als selbstverständlich akzeptierten, weitergegebenen und im Unternehmensalltag praktizierten Grundannahmen.“[12]

Simplifiziert ausgedrückt: Die „Unternehmenskultur kann vielleicht am ehesten als Charakter und Persönlichkeit eines Unternehmens bezeichnet werden.“[13]

2.3 Fehlerkultur

Unter einer Fehlerkultur versteht man die Einstellung von Organisationsmitgliedern zu Misserfolgen.[14] Sie offenbart „sich sowohl im Verhalten der Organisationsmitglieder als auch in den zugrundeliegenden Werten und Normen.“[15] Die Fehlerkultur kann als mentales Fundament betroffene Personen sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.[16]

Zumeist werden Fehler in Unternehmen negativ ausgelegt und wirken dadurch auf „alle Beteiligten demotivierend, da vornehmlich in Kategorien von Schuld und Unschuld gedacht wird und nicht in Chancen zur Verbesserung.“[17] „Doch aus Misserfolg kann in der Folge auch Positives erwachsen, sofern aus Fehlern die richtigen Schlüsse und Konsequenzen gezogen werden.“[18] Fehlerkulturen bestimmen, ob mit Misserfolgen destruktiv oder konstruktiv umgegangen wird.[19] Einige Unternehmen gehen dieses Thema bereits aktiv an, indem Sie ein Fehlermanagement etabliert haben.

3 Generelles zur Fehlerkultur

Einer Studie[20] von Berth zufolge, erachteten ein Großteil der 256 befragten Manager eine Fehlertoleranz als eine der wichtigen Unternehmenseigenschaften für ein innovatives Klima.[21]

In diesem Kapitel erfolgt eine systematische Betrachtung des Begriffs Fehlerkultur. Dabei werden die unterschiedlichen Dimensionen nach Mandl sowie deren Merkmale und Eigenschaften betrachtet. Im Anschluss an dieses Kapitel wird die Unternehmenskultur als erfolgskritischer Faktor des Innovationsmanagements näher betrachtet.

3.1 Hintergrund der Fehlerkultur

Grundlegend wird die Fehlerkultur als Bestandteil der Unternehmenskultur verstanden.[22] Die Fehlerkultur zählt zu den nicht-sichtbaren Bestandteilen der Unternehmenskultur, worauf im Kapitel 5.1 näher eingegangen wird.

„Jede Person geht anders mit Misserfolg um, d. h. sie besitzt ein individuelles Fehler-Mindset.“[23] Die Fehlerkultur eines Unternehmens spiegelt sich darin, wie die Summe der Mitarbeiter mit Misserfolg umgehen. Generell ist ein konstruktiver oder destruktiver Umgang mit Fehlern möglich.[24] Dies hängt stark damit zusammen, wie Fehler gesehen werden.

In negativen Fehlerkulturen werden Fehler als ein Scheitern angesehen. Jede Abweichung des geplanten Zielzustandes wird als ein Nichterreichen des Ziels aufgefasst. Hiermit wird propagiert, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Dies führt logischerweise dazu, dass Mitarbeiter Fehler gerne vermeiden möchten. Die Angst vor Fehlern sowie die Angst vor dem Zugeben von Fehlern sind hierbei oftmals zusätzliche Begleiterscheinungen.[25] In der Folge verharren die Mitarbeiter lieber im risikoarmen Tagesgeschäft statt sich in das Gebiet der risikoreichen Innovationen zu begeben.

Bei positiven Fehlerkulturen wird dagegen anders mit Fehlern umgegangen. Misserfolge werden als Herausforderungen angesehen[26], um etwas Neues dazuzulernen.[27] Es ist hierbei üblich, dass der Misserfolg zum Anlass genommen wird, Lerneffekte hervorzurufen, die in einer Verbesserung resultieren.[28] Mitarbeitern wird vermittelt, dass „Fehlermachen“ zum einen menschlich ist und sie sich zum anderen nicht davor fürchten müssen. Fehler werden als Lerngelegenheiten betrachtet, die als eine Chance zur Verbesserung dienen können.[29] Werden Misserfolge als Fehlschläge, im Sinne von positiven Misserfolgen, gesehen und nicht als Scheitern, dann macht dies nach Mandl „ eine Person, eine Abteilung oder auch das ganze Unternehmen erfolgreicher.“[30] Nach Schaefer ist man erst dann im negativen Sinne gescheitert, wenn man den Fehler als Scheitern interpretiert.[31]

Die Unternehmens- und Fehlerkultur jedes Unternehmens ist stark von dem Verhalten von Führungspersonen geprägt.[32] Eine Fehlerkultur muss nicht für das ganze Unternehmen gelten, sondern ist oftmals abteilungs- und teamspezifisch.

3.2 Umgang mit Fehlern

Während die Wertvorstellungen bzw. die Hintergründe der Fehlerkulturen nicht sichtbar sind, äußern sie sich letztlich in den Handlungen auf der sichtbaren Ebene. Der Umgang mit Fehlern wird nach Mandl in drei Dimensionen geteilt: Die Vorbereitung, der Umgang mit Misserfolg beim Auftreten sowie die Nachbereitung.[33]

Umgang mit Fehlern im Vorfeld

In der Vorbereitungsphase stellt sich die Frage, ob und inwieweit einem Mitarbeiter von vornherein bewusst ist, dass jedes handeln, vor allem bei ungewissem Ausgang, ein Scheitern nach sich ziehen kann.[34] Die Akzeptanz möglicher Fehler ist ein Bestandteil der konstruktiven Umgangsart. Dies führt dazu, dass aufkommenden Fehlern gelassener entgegengesehen wird. Dadurch kann auch bereits im Vorfeld über mögliche Gegensteuerungsmaßnahmen gesprochen werden. Eine Auseinandersetzung mit möglichen Fehlern vorab ist unabdingbar, um negative Überraschungseffekte zu vermeiden, die den Handelnden in einem größeren Maße belasten können.[35] Vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass sich Fehler „trotz exakter Berechnung von Risiken nicht immer vermeiden“[36] lassen, sondern zum Entwicklungsprozess dazugehören.[37]

Umgang mit Fehlern beim Auftreten

Der direkte Umgang beim Auftreten des Misserfolges äußert sich in dem sogenannten Fehlerbewusstsein. „Im Kern erlaubt das Fehlerbewusstsein einer Person sich selbst zu reflektieren.“[38] Während in negativen Fehlerkulturen das Auftreten von Fehlern dazu führt, dass Fehler ignoriert werden oder z. B. eine Abwehrhaltung hervorgerufen wird, ist es in positiven Fehlerkulturen üblich, dass unmittelbar mit der Suche nach den Gründen des Misserfolgs begonnen wird. Zudem wird der Misserfolg als Herausforderung gesehen, um daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.[39] Das Entscheidende ist, ob Fehler als ein Scheitern angesehen werden, da eine Abweichung zum Zielzustand vorliegt oder als Chance, etwas bis dato nicht Bekanntes in Erfahrung zu bringen.[40] Werden Misserfolge dagegen als ein Scheitern empfunden, kommt die Angst vor Fehlern bzw. dem Zugeben von Fehlern zu Tage und der Umgang wird destruktiv.[41]

Umgang mit Fehlern im Nachhinein

Bei der Nachbereitung von Fehlern liegt der Fokus u. a. auf der Fehlerbelastung. Diese gibt Aufschluss darüber, wie der Misserfolg sich psychologisch, finanziell und sozial auf den handelnden Mitarbeiter auswirkt, die den Fehler begangen hat. Auch die Motivation wird hierdurch beeinflusst. In negativen Fehlerkulturen ist es üblich, dass bei auftretenden Fehlern zunächst „vornehmlich in Kategorien von Schuld und Unschuld“[42] gedacht wird, statt diese zu akzeptieren und den Blick nach vorne zu richten. Anders geht es dagegen in positiven Fehlerkulturen zu. Hier wird der Misserfolg zum Anlass genommen, Lerneffekte hervorzurufen, die in einer Verbesserung resultieren.[43]

[...]


[1] n-tv.de (2017)

[2] Mandl (2017), S.1

[3] Schaefer (2016), S. 181

[4] vgl. Schaefer (2016), S. 181

[5] vgl. Schaefer (2016), S. 181

[6] Schaefer (2016), S. 179

[7] Geschka/Schwarz-Geschka (2017) a., S. 34

[8] Geschka/Schwarz-Geschka, (2017) a., S. 34

[9] Hensberger (2016)

[10] Witten/Mathes/Mencke, (2007), S. 24

[11] Roppel (2017)

[12] Specker (2017), S. 87

[13] Tschirky/Müller (1996), S. 96

[14] vgl. Mandl (2017), S. 20

[15] Mandl (2017), S. 22

[16] vgl. Mandl (2017), S. 20

[17] Mandl (2017), S. 22

[18] Mandl (2017), S. 1

[19] vgl. Mandl (2017), S. 22

[20] vgl. Berth (1990), S. 206

[21] vgl. Berth (1990), S. 208

[22] vgl. Tschirky/Müller (1996), S. 96

[23] Mandl (2017), S. 11

[24] vgl. Mandl (2017), S. 22

[25] vgl. Schaefer (2016), S. 183

[26] vgl. Mandl (2017), S. 13

[27] vgl. Mandl (2017), S. 4ff

[28] vgl. Mandl (2017), S. 14

[29] vgl. Mandl (2017), S. 22

[30] Mandl (2017), S. 7

[31] vgl. Schaefer (2016), S. 207

[32] vgl. Mandl (2017), S. 23

[33] vgl. Mandl (2017), S. 22

[34] vgl. Mandl (2017), S. 12

[35] vgl. Mandl (2017), S. 12

[36] Meyer (2010), S. 35

[37] vgl. Meyer (2010), S. 35

[38] Mandl (2017), S. 13

[39] vgl. Mandl (2017), S. 13

[40] vgl. Mandl (2017), S. 4ff

[41] vgl. Schaefer (2016), S. 183

[42] Mandl (2017), S. 22

[43] vgl. Mandl (2017), S. 14

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Fehlerkultur als Erfolgsfaktor im betrieblichen Innovationsmanagement
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
Produkt- und Prozessmanagement
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V512500
ISBN (eBook)
9783346097101
ISBN (Buch)
9783346097118
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fehlerkultur, Innovationsmanagement, Erfolgsfaktoren im Innovationsmanagement, Fehlerkultur als Erfolgsfaktor, Innovationskultur, Betriebliches Innovationsmanagement
Arbeit zitieren
Dejan Veselinovic (Autor), 2018, Fehlerkultur als Erfolgsfaktor im betrieblichen Innovationsmanagement, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512500

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