Die Vermittlung von Wissen ist auf vielfältige Weise möglich, auch Sprichwörter können diese Rolle erfüllen. Da jeder Mensch ungefähr 100 Sprichwörter kennt, sind Sprichwörter in fast jedem Lebensbereich relevant, so auch im Erziehungs- oder im Führungsverhalten. Man wächst mit Sprichwörtern auf, oft hört man die ersten Weisheiten von den Großeltern und Eltern, aber auch Lehrerinnen und Lehrer ermahnen zu besserem Verhalten und nutzen dabei Sprichwörter. Viele dieser Sprichwörter begleiten Kinder und Jugendliche bis ins Erwachsenenalter, wo sie diese Sprichwörter dann an ihre eigenen Kinder weitergeben und sich dadurch erhoffen, richtiges Verhalten und gesellschaftliche Werte und Normen vermitteln zu können. Die erzieherischen Sprichwörter sollen aber nicht vorausgreifen, sondern zum Nachdenken anregen. Sie helfen, die richtige Entscheidung zu treffen und die Welt zu interpretieren.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob sich die Bedeutung des Sprichwortes, mit besonderem Blick auf erzieherische Sprichwörter, seit dem 16. Jahrhundert mit dem Einfluss Martin Luthers verändert hat und ob die aktuelle Definition von einem Sprichwort auch auf die früheren Jahrhunderte übertragbar wären. Hierfür wird in dieser Arbeit zu Anfang geklärt, welchen Ursprung das Sprichwort hat, was ein Sprichwort ausmacht und welche Eigenschaften ein Sprichwort besitzt. Darauffolgend wird die Funktion eines Sprichwortes herausgearbeitet, hier wird sich besonders auf erzieherische Sprichwörter konzentriert. Im Anschluss wird eine Vorrede Martin Luthers auf seine Sicht zu Sprichwörtern untersucht, die helfen soll, die Bedeutung von Sprichwörtern im 16. Jahrhundert herauszukristallisieren. Im Anschluss wird die Bedeutung des Sprichwortes im 21. Jahrhundert und im 16. Jahrhundert verglichen und anhand von Beispielen geklärt, welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten die Bedeutungen von Sprichwörtern in den verschiedenen Jahrhunderten haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist ein Sprichwort?
2.1. Ursprung und Definition von Sprichwörtern
2.2. Eigenschaften eines Sprichwortes
3. Funktion von erzieherischen Sprichwörtern
4. Analyse Martin Luthers Vorrede auf die Funktion von Sprichwörtern
5. Bedeutung von Sprichwörtern in der Vergangenheit versus Gegenwart
5.1. Bedeutung von Sprichwörtern ab dem 15. Jahrhundert bis ins 17. Jahrhundert
5.2. Bedeutung von Sprichwörtern im 21. Jahrhundert
5.3. Vergleich der Bedeutung von Sprichwörtern früher und heute
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, ob sich die erzieherische Bedeutung von Sprichwörtern seit dem 16. Jahrhundert durch den Einfluss Martin Luthers verändert hat und inwieweit moderne Definitionen auf frühere Epochen anwendbar sind.
- Wissenschaftliche Analyse der Definition und Eigenschaften von Sprichwörtern
- Untersuchung der erzieherischen Funktionen von Sprichwörtern
- Analyse der Vorrede von Martin Luther zu den Büchern Salomonis
- Historischer Vergleich der Bedeutung von Sprichwörtern vom 15. bis zum 21. Jahrhundert
- Bedeutung von Sprichwörtern als Mittel der Normenvermittlung und kulturellen Brückenbildung
Auszug aus dem Buch
4. Analyse Martin Luthers Vorrede auf die Funktion von Sprichwörtern
In Martin Luthers Werken spielen Sprichwörter eine zentrale Rolle20, das kann man auch in seiner Vorrede „Vorrede auff die Bucher Salomonis“ erkennen. In dieser Vorrede erfährt man viel über seine Ansicht auf Sprichwörter und Lebensweisheiten. Eine Vorrede sind einleitende Worte, die sich nicht immer auf den folgenden Text beziehen müssen. Nach Gérard Genette sind Vorreden Paratexte, da sie Anfügungen zum Text sind.21 In dieser Vorrede geht es vor allem um den erzieherischen Wert in Sprichwörtern.
Zu Anfang richtet sich Luther an die Jugend, indem er schreibt:
„Denn er darin leret ein gut leben furen / für Gott vnd der wellt / vnd sonderlich nimpt er fur sich / die liebe jugent / vnd zeucht sie gantz veterlich zu Gottes Geboten / mit tröstlichen verheissungen / wie wol es den frommen gehen solle / vnd mit drewen / wie die bösen gestrafft werden müssen / Denn die jugent / von ir selber zu allem bösen geneigt / dazu als ein vnerfahren volck / der wellt vnd Teuffels list vnd bosheit / nicht verstehett / vnd den bösen Exempeln vnd ergernissen widerzustehen / viel zu schwach ist / vnd sich selbs ja nicht vermag zu regier / Sondern / wo sie nicht gezogen wird / ehe sie sich vmbsihet / verderbet vnd verloren ist / Darumb darff sie wol / vnd mus haben lerer vnd regirer / die sie vermanen / warnen / straffen / züchtigen vnd imer zu Gottes furch vnd Gebot halten / dem Teuffel / der wellt vnd fleisch zu wehren / wie denn Salomo inn diesem Buch mit allem vleis vnd reichlich thut / Vnd seine lere inn Sprüche fasset (…)“22
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Allgegenwärtigkeit von Sprichwörtern in der Erziehung dar und formuliert die Forschungsfrage zur historischen Bedeutungswandlung unter Einfluss Martin Luthers.
2. Was ist ein Sprichwort?: Hier werden die begrifflichen Grundlagen sowie die stilistischen Merkmale und Erscheinungsformen von Sprichwörtern definiert.
3. Funktion von erzieherischen Sprichwörtern: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen und erzieherischen Wirkungsweisen von Sprichwörtern, wie Orientierungshilfe und Denkanstöße.
4. Analyse Martin Luthers Vorrede auf die Funktion von Sprichwörtern: Eine detaillierte Untersuchung von Luthers Vorrede zeigt dessen Fokus auf die erzieherische und religiöse Instrumentalisierung von Sprichwörtern zur Jugendführung.
5. Bedeutung von Sprichwörtern in der Vergangenheit versus Gegenwart: Dieses Kapitel vergleicht die historische Blütezeit des Sprichworts mit der heutigen Relevanz in einer globalisierten, multikulturellen Gesellschaft.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz schwindender religiöser Bezüge die erzieherische Grundfunktion von Sprichwörtern über die Jahrhunderte hinweg weitestgehend stabil geblieben ist.
Schlüsselwörter
Sprichwort, Martin Luther, Erziehung, Lebensweisheit, Reformationszeit, Didaktik, Moral, Sprachwandel, kulturelle Vermittlung, Religion, Normen, Werte, Volksmund, Literaturanalyse, Geschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige erzieherische Bedeutung von Sprichwörtern und analysiert, wie sich diese seit dem 16. Jahrhundert verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themenfelder umfassen die Definition von Sprichwörtern, ihre erzieherischen Funktionen, die Analyse von Luthers Vorreden sowie einen diachronen Vergleich der Nutzung von Sprichwörtern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob sich die Bedeutung von Sprichwörtern unter dem Einfluss Martin Luthers gewandelt hat und ob moderne Definitionen des 21. Jahrhunderts auf frühere Jahrhunderte anwendbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine exemplarische Textanalyse, insbesondere der Vorrede von Martin Luther zu den Büchern Salomonis, sowie einen vergleichenden kulturhistorischen Ansatz.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die theoretische Herleitung des Sprichwortbegriffs, die erzieherische Funktion und den Vergleich zwischen der reformatorischen Sichtweise und der heutigen Bedeutung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sprichwort, Martin Luther, Erziehung, Didaktik und kulturelle Normen charakterisiert.
Welche spezifische Rolle spielt Martin Luther in der Analyse?
Martin Luther dient als historisches Fallbeispiel, da er Sprichwörter in seiner Vorrede direkt mit religiösen Normen und der Erziehung der Jugend verknüpft hat.
Wie unterscheiden sich die erzieherischen Funktionen früher und heute?
Während Sprichwörter früher stark religiös und gottbezogen zur Moralvermittlung eingesetzt wurden, dienen sie heute vermehrt als Brücke über Sprachbarrieren und zur Vermittlung allgemeiner gesellschaftlicher Werte.
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- Anonym (Autor:in), 2019, Die erzieherische Bedeutung von Sprichwörtern heute und im 16. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/512932