„Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens“ lautet ein Sprichwort. Also hat Humor im Unterricht wohl nichts zu suchen, wenn man Bildung und Erziehung ernst nimmt?
Die Ernsthaftigkeit ist vielleicht ein Grund, warum sich die Erziehungswissenschaft bislang nur am Rande mit dem Humor befasste. Andere Wissenschaftsdisziplinen wie die Medizin und die Psychologie haben sich bereits intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. Sie setzen den Humor schon längere Zeit zielgerichtet in der Therapie (Therapeutischer Humor) ein und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen das Immunsystem stärkt. Eigenständige Humorkongresse werden abgehalten, und weltweit werden immer mehr Lachclubs gegründet, um die positiven Wirkungen des Lachens zu fördern. Manager und Mitarbeiter von Unternehmen werden in Seminaren mit Humor geschult. Humor wird immer häufiger in den Medien populärwissenschaftlich aufbereitet und thematisiert. Auch der kindliche Humor wurde mehrfach untersucht.
Angesichts dieses Hintergrundes ergibt sich die Frage, ob die positiven Wirkungen des Humors auch in Unterricht und Bildung zielgerichtet eingesetzt werden können. Im Rahmen meiner Examensarbeit soll verdeutlicht werden, ob und wie Humor in Schule und Unterricht ein angstfreies Lern- und Lehrklima fördert und sich damit manche Probleme des Schullebens für alle Beteiligten mildern oder sogar lösen lassen. Im Vordergrund steht dabei, dem Humor in der Schule Raum zu geben und ihn in unterschiedlichen Kontexten gezielt einzusetzen. Damit verbunden ist die Absicht, durch und mit Humor Anlass zur Freude zu schaffen und die Lernleistungen durch Lernen mit Emotionen zu verbessern. Außerdem soll der Einfluss des Humors auf die sozialen Interaktionen aufgezeigt werden, die für ein besseres Miteinander und Lernklima entscheidend sind. Darüber hinaus sollen auch die Probleme und Folgen des falschen Einsatzes von Humor in Schule und Unterricht aufgezeigt werden: z.B. wann herrscht eigentlich zuviel Humor? Gibt es „falschen“ Humor? Was ist humorloser Unterricht?
Im Rahmen meiner Arbeit werde ich mich aufgrund der wenigen Forschungsergebnisse im Bereich des Humors im pädagogischen Kontext in einigen Punkten immer wieder auf fundierte Ergebnisse aus der Psychotherapie und der Medizin stützen. Darüber hinaus habe ich versucht meine theoretischen Bezüge mit Erfahrungen aus der Praxis zu belegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Begriffsfeld Humor
2.1 Historischer Überblick über die Entwicklung des Humorbegriffs
2.2 Humor in seiner engeren Bedeutung – Versuch einer Definition
2.3 Formen von Humor – sinnverwandte Begriffe
2.3.1 Witz
2.3.2 Ironie und andere Formen des „Schwarzen Humors“
2.3.3 Humor und Lachen
2.3.4 Humor und Freude
2.4 Positive Funktionen von Humor
2.4.1 Humor und seine Bedeutung für die soziale Kommunikation
2.4.2 Humor und sein Einfluss auf die Gesundheit
2.5 Funktionen von Humor kritisch betrachtet
2.6 Zusammenfassung
3. Humor in der Kindheit
3.1 Entwicklungsstufen des Humors
3.1.1 Die Anfänge des Humors: Lachen und Lächeln des Säuglings
3.1.2 Humor im zweiten und dritten Lebensjahr
3.1.3 Humor im (dritten/) vierten bis sechsten Lebensjahr
3.1.4 Humor bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren
3.2 Zum Humor erziehen – humoral fördern
3.3 Geschlechterunterschiede
3.3.1 Humor der Jungen
3.3.2 Humor der Mädchen
3.4 Humorale Motive
3.5 Zusammenfassung
4. Humor in Schule und Unterricht
4.1 Humor – eine pädagogische Rarität
4.2 Positive Auswirkungen des Humors
4.2.1 Etwas Kritisches vorweg
4.2.2 Die Lehrerpersönlichkeit als entscheidender Faktor
4.2.3 Humor und seine Bedeutung für das soziale Klima
4.2.4 Der Einfluss von Humor auf ein angstfreies Lernklima
4.2.5 Humor, Aufmerksamkeit und Lernprozesse
4.2.6 Humor und Freude im Motivationsgeschehen
4.2.7 Positive Wirkungen auf Sprache und Kreativität des Kindes
4.2.8 Positive psychologische und physiologische Auswirkungen
4.3 Die Kehrseite des Humors
4.3.1 Die Quantität des Humors
4.3.2 Die Qualität des Humors
4.3.3 Negativer Humor im Unterricht
4.3.4 Der Lehrer im Umgang mit negativen und selbstabwertenden Schülerhumor
4.4 Hinweise für die pädagogische Praxis
4.4.1 Die Humorsensibilität der Lernenden
4.4.2 Humor und seine praktische Anwendung
4.4.3 „Clownstage“ in der Schule?
4.5 Zusammenfassung
5. Beobachtungen an der Grundschule
5.1 Auf der Suche nach Humor
5.1.1 Erster Versuch
5.1.2 Zweiter Versuch
5.1.3 Dritter Versuch
5.1.4 Vierter Versuch
5.1.5 Fünfter Versuch
5.1.6 Sechster Versuch
5.1.7 Siebter Versuch
5.1.8 Achter Versuch
5.1.9 Neunter Versuch
5.2 Ergebnisse
5.3 Zusammenfassung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob und wie Humor im Unterricht der Grundschule zielgerichtet eingesetzt werden kann, um ein angstfreies Lern- und Lehrklima zu fördern, das soziale Miteinander zu verbessern und Lernleistungen durch positive Emotionen zu steigern.
- Die theoretische Einordnung des Humorbegriffs und seine Abgrenzung zu anderen Formen der Komik.
- Die Untersuchung der kindlichen Humorentwicklung sowie relevanter Geschlechterunterschiede.
- Die Analyse der Auswirkungen von Humor auf die Lernatmosphäre, Aufmerksamkeit und Motivation in der Schule.
- Die kritische Betrachtung negativer Humorformen und deren Auswirkungen auf den Unterricht.
- Praktische Anregungen und Beobachtungen zum Einsatz von Humor im Grundschulalltag.
Auszug aus dem Buch
2.2 Humor in seiner engeren Bedeutung – Versuch einer Definition
Es ist schwierig, ein so vielfältiges Phänomen wie Humor zu definieren. Die Schwierigkeit beim Versuch einer begrifflichen Klärung von Humor liegt darin, dass es bis heute keine einheitliche Verwendung für diesen gibt und er immer wieder mit anderen Konzepten aus dem Begriffsfeld der Komik gleichgesetzt wird. Außerdem mag es darin begründet sein, dass die Definition und Betrachtung des Humors auch immer eine kulturgeschichtliche sein wird (vgl. Rißland 2002, S. 19).
Rudolf Presber schreibt, „Humor ist, was man nicht hat, sobald man ihn definiert.“ (Rudolf Presber, zit. nach Gruntz-Stoll 2001, S. 18) Er fügt hinzu, dass man Humor nicht genau analysieren, konstruieren oder lehren könne (vgl. Seibert u.a. 1990, S. 55). Eine wohl wissentlich nicht ganz legitime Definitionsmöglichkeit versuchen Seibert u.a., indem sie aufzeigen, was Humor nicht ist, und dies anhand von besonders humorlosen Menschen beschreiben (vgl. ebd. 1990, S. 10ff).
Trotz meines vermeintlichen Humorverlustes versuche ich nun trotzdem, den Humor begrifflich zu erfassen:
Während meiner Recherche fand ich viele eher oberflächliche „Definitionen“ von Humor, die ich eher der Kategorie Aphorismen zuordnen würde. Hier einige Beispiele:
„Humor ist die Fähigkeit heiter zu bleiben, wenn es ernst wird.“ (Ernst Petzold, zit. nach Seibert, u.a., S. 10) Oder Wilhelm Busch`s Variante: „Humor ist die Lust zu lachen, wenn`s zum Weinen ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Humors in Erziehung und Bildung, stellt die zentrale Forschungsfrage nach dessen Nutzen für ein angstfreies Lernklima und beschreibt den Aufbau der Arbeit.
2. Das Begriffsfeld Humor: Dieses Kapitel klärt den Humorbegriff historisch und versucht eine Definition, wobei Humor als positive Lebenseinstellung von anderen Formen der Komik wie Witz oder Ironie abgegrenzt wird.
3. Humor in der Kindheit: Das Kapitel untersucht die Humorentwicklung des Kindes vom Säuglingsalter bis ins Schulalter, beleuchtet Geschlechterunterschiede und betrachtet humorale Motive von Kindern.
4. Humor in Schule und Unterricht: Hier werden die pädagogischen Auswirkungen des Humors analysiert, wobei sowohl positive Effekte auf Klima und Motivation als auch negative Risiken und der Umgang damit thematisiert werden.
5. Beobachtungen an der Grundschule: In diesem Kapitel werden empirische Beobachtungen aus verschiedenen Grundschulklassen ausgewertet, um die theoretischen Annahmen in der schulischen Praxis zu überprüfen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont, dass Humor ein essenzieller Bestandteil einer positiven pädagogischen Grundhaltung ist.
Schlüsselwörter
Humor, Grundschule, Humor im Unterricht, Lernklima, pädagogische Praxis, kindliche Entwicklung, Humorverständnis, Lehrerpersönlichkeit, Angstfreiheit, soziale Kommunikation, Motivation, Coping-Strategie, Humorlernen, Clownstage, Schulalltag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und die Auswirkungen von Humor im Kontext der pädagogischen Arbeit, speziell an Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Humor, der Humorentwicklung bei Kindern, den Auswirkungen von Humor auf das soziale Klima und die Lernprozesse sowie der Rolle der Lehrerpersönlichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird erforscht, ob und wie Humor zielgerichtet eingesetzt werden kann, um ein angstfreies Lernumfeld zu fördern und Unterrichtsprobleme zu mildern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse theoretischer Grundlagen sowie einer qualitativen Beobachtungsstudie in verschiedenen Grundschulklassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse der kindlichen Entwicklung, die Erörterung des Humoreinsatzes im Unterricht und eine praktische Beobachtungsphase.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Humor, pädagogische Grundhaltung, Lernklima, kindliche Entwicklung, Lehrerrolle und Lernmotivation.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen Humor und "schwarzem Humor"?
Weil "schwarzer Humor" (z.B. Ironie, Spott, Sarkasmus) im pädagogischen Kontext meist verletzend wirkt und das Lernklima belastet, während positiver Humor als unterstützend und förderlich angesehen wird.
Welche Bedeutung kommt dem "Lehrer als Clown" zu?
Der Lehrer als "Clown" dient als identifikationsstiftendes Vorbild, das hilft, die Schwere des Schulalltags aufzulockern und Schülern Sicherheit im Umgang mit Fehlern zu geben.
- Quote paper
- Jessica Reese (Author), 2005, Humor in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51323