Humor in der Grundschule


Examensarbeit, 2005

118 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Begriffsfeld Humor
2.1 Historischer Überblick über die Entwicklung des Humorbegriffs
2.2 Humor in seiner engeren Bedeutung – Versuch einer Definition
2.3 Formen von Humor – sinnverwandte Begriffe
2.3.1 Witz
2.3.2 Ironie und andere Formen des „Schwarzen Humors“.
2.3.3 Humor und Lachen
2.3.4 Humor und Freude
2.4 Positive Funktionen von Humor
2.4.1 Humor und seine Bedeutung für die soziale Kommunikation.
2.4.2 Humor und sein Einfluss auf die Gesundheit
2.5 Funktionen von Humor kritisch betrachtet
2.6 Zusammenfassung

3. Humor in der Kindheit
3.1 Entwicklungsstufen des Humors
3.1.1 Die Anfänge des Humors: Lachen und Lächeln des Säuglings..
3.1.2 Humor im zweiten und dritten Lebensjahr
3.1.3 Humor im (dritten/) vierten bis sechsten Lebensjahr
3.1.4 Humor bei Kindern zwischen sieben und zwölf Jahren
3.2 Zum Humor erziehen – humoral fördern
3.3 Geschlechterunterschiede
3.3.1 Humor der Jungen
3.3.2 Humor der Mädchen
3.4 Humorale Motive
3.5 Zusammenfassung

4. Humor in Schule und Unterricht
4.1 Humor – eine pädagogische Rarität
4.2 Positive Auswirkungen des Humors
4.2.1 Etwas Kritisches vorweg
4.2.2 Die Lehrerpersönlichkeit als entscheidender Faktor
4.2.3 Humor und seine Bedeutung für das soziale Klima
4.2.4 Der Einfluss von Humor auf ein angstfreies Lernklima
4.2.5 Humor, Aufmerksamkeit und Lernprozesse
4.2.6 Humor und Freude im Motivationsgeschehen
4.2.7 Positive Wirkungen auf Sprache und Kreativität des Kindes
4.2.8 Positive psychologische und physiologische Auswirkungen
4.3 Die Kehrseite des Humors
4.3.1 Die Quantität des Humors
4.3.2 Die Qualität des Humors
4.3.3 Negativer Humor im Unterricht
4.3.4 Der Lehrer im Umgang mit negativen und selbstabwertenden
Schülerhumor
4.4 Hinweise für die pädagogische Praxis
4.4.1 Die Humorsensibilität der Lernenden.
4.4.2 Humor und seine praktische Anwendung
4.4.3 „Clownstage“ in der Schule?
4.5 Zusammenfassung

5. Beobachtungen an der Grundschule92
5.1 Auf der Suche nach Humor
5.1.1 Erster Versuch
5.1.2 Zweiter Versuch
5.1.3 Dritter Versuch
5.1.4 Vierter Versuch
5.1.5 Fünfter Versuch
5.1.6 Sechster Versuch
5.1.7 Siebter Versuch
5.1.8 Achter Versuch
5.1.9 Neunter Versuch
5.2 Ergebnisse
5.3Zusammenfassung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens“ lautet ein Sprichwort. Also hat Humor im Unterricht wohl nichts zu suchen, wenn man Bildung und Erziehung ernst nimmt?

Die Ernsthaftigkeit ist vielleicht ein Grund, warum sich die Erziehungs-wissenschaft bislang nur am Rande mit dem Humor befasste. Andere Wissen-schaftsdisziplinen wie die Medizin und die Psychologie haben sich bereits intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. Sie setzen den Humor schon längere Zeit zielgerichtet in der Therapie (Therapeutischer Humor) ein und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Lachen das Immunsystem stärkt. Eigen-ständige Humorkongresse werden abgehalten, und weltweit werden immer mehr Lachclubs gegründet, um die positiven Wirkungen des Lachens zu fördern. Manager und Mitarbeiter von Unternehmen werden in Seminaren mit Humor geschult. Humor wird immer häufiger in den Medien populärwissen-schaftlich aufbereitet und thematisiert. Auch der kindliche Humor wurde mehrfach untersucht.

Angesichts dieses Hintergrundes ergibt sich die Frage, ob die positiven Wirkungen des Humors auch in Unterricht und Bildung zielgerichtet eingesetzt werden können. Im Rahmen meiner Examensarbeit soll verdeutlicht werden, ob und wie Humor in Schule und Unterricht ein angstfreies Lern- und Lehrklima fördert und sich damit manche Probleme des Schullebens für alle Beteiligten mildern oder sogar lösen lassen. Im Vordergrund steht dabei, dem Humor in der Schule Raum zu geben und ihn in unterschiedlichen Kontexten gezielt ein-zusetzen. Damit verbunden ist die Absicht, durch und mit Humor Anlass zur Freude zu schaffen und die Lernleistungen durch Lernen mit Emotionen zu verbessern. Außerdem soll der Einfluss des Humors auf die sozialen Interaktionen aufgezeigt werden, die für ein besseres Miteinander und Lernklima entscheidend sind. Darüber hinaus sollen auch die Probleme und Folgen des falschen Einsatzes von Humor in Schule und Unterricht aufgezeigt werden: z.B. wann herrscht eigentlich zuviel Humor? Gibt es „falschen“ Humor? Was ist humorloser Unterricht?

Im Rahmen meiner Arbeit werde ich mich aufgrund der wenigen Forschungs-ergebnisse im Bereich des Humors im pädagogischen Kontext in einigen Punkten immer wieder auf fundierte Ergebnisse aus der Psychotherapie und der Medizin stützen. Darüber hinaus habe ich versucht meine theoretischen Bezüge mit Erfahrungen aus der Praxis zu belegen.

Im ersten Teil möchte ich den Leser in die Thematik Humor einführen und in diesem Zusammenhang alle wichtigen Begriffe klären. Dabei werde ich über die historische Entwicklung des Begriffs einsteigen und mich im Anschluss mit dem Versuch einer Definition auseinandersetzen. Um die engere Bedeutung des Humors hervorzuheben, gehe ich auf verschiedene Formen des Humors ein, die seine Bedeutung im eigentlichen Sinne verfehlen. Außerdem setze ich mich auch mit Lachen und Freude als Reaktionen des Humors auseinander. Weiterhin thematisiere ich die positiven Auswirkungen des Humors auf die Kommunikation und Gesundheit und beziehe mich auf allgemeine Erkenntnisse aus der Therapie, Medizin, Lach- und Humorforschung. Im Anschluss werde ich mich kritisch mit bestimmten Formen des Humors auseinandersetzen. Dieses Kapitel beschäftigt sich hauptsächlich mit den theoretischen Grundlagen und soll dem Leser einen allgemeinen Überblick geben. Wichtige Aspekte werde ich im späteren Verlauf der Arbeit erneut aufgreifen. An einigen entscheidenden Punkten weise ich auf Zusammenhänge mit der Kindheit oder Grundschule hin.

Das 3. Kapitel untersucht die Humorentwicklung des Kindes, vom ersten Lächeln bis hin zu verschiedenen Stufen des Humorverständnisses. Was nützt schließlich der beste Humor in der Klasse, wenn ihn die Schüler nicht verstehen? Darüber hinaus gehe ich aber auch auf den Einfluss der Erwachsenen auf die Prägung des kindlichen Humors ein, wie auch auf spezifische Geschlechtsunterschiede. Außerdem werden die meiner Ansicht nach wichtigsten humoralen Motive von Kindern aufgeführt. Ich halte diesen Teil der Arbeit für wichtig, da er meines Erachtens die Voraussetzung für den Umgang mit Humor in der Schule bildet. Handlungen und Reaktionen der Kinder können so leichter nachvollzogen werden. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich mich in diesem Kapitel nur mit Aspekten des Kinderhumors beschäftige, die mir für die Arbeit wichtig erscheinen. Deshalb werde ich nicht das gesamte Spektrum des kindlichen Humors einbeziehen.

Kapitel vier thematisiert den Humor in Schule und Unterricht. Unter 4.1 möchte ich verstärkt auf die Rarität des Humors im pädagogischen Verhältnis aufmerksam machen. Im Anschluss daran werde ich auf die positiven Auswirkungen des Humors in der Schule eingehen, bevor ich mich mit der Negativseite beschäftige. Nachdem der Leser beide Facetten des Humors kennen gelernt hat, werde ich mich mit einigen wichtigen Anregungen für die pädagogische Praxis befassen.

Im Rahmen der behandelten Thematik war ich gezielt auf der Suche nach einer heiteren und gelassenen Grundhaltung in der Schule, die einer ernsten, hierarchisch organisierten Lehr- und Lernsituation entgegengesetzt wird. Kapitel fünf befasst sich daher mit den wichtigsten Ergebnissen meiner Beobachtungen an der Grundschule.

Der Schluss fasst die Hauptthesen meiner Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf die praktische und bildungspolitische Relevanz der Thematik.

Zur Vereinfachung und besseren Lesbarkeit möchte ich auf die Trennung der Geschlechter verzichten und beide in der männlichen Form vereinen.

2. Das Begriffsfeld Humor

Zu Beginn möchte ich einen historischen Überblick über die Entwicklung des Humorbegriffs geben, um den Leser grob in die Bedeutung von Humor einzuführen. Im Anschluss daran werde ich versuchen, den Begriff Humor zu definieren und ihn zu verwandten Formen und Begriffen in Beziehung setzen und abgrenzen. Unter Punkt 2.4 möchte ich auf die mir wichtig erscheinenden positiven Funktionen von Humor für Gesundheit und Kommunikation eingehen, bevor ich den Humor unter 2.5 kritisch betrachte.

2.1 Historischer Überblick über die Entwicklungsgeschichte des Humors

Der Begriff des Humors stammt aus dem Lateinischen (humor) und bezeichnete ursprünglich Feuchtigkeit (siehe Begriffe wie „humus“ oder „humid“) sowie alle möglichen Flüssigkeiten. Im weiteren Verlauf und bis ins Mittelalter hinein waren mit den Flüssigkeiten dann die Körpersäfte (humores naturales) Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle gemeint. „Die vierhumoreswaren nach der Meinung mittelalterlicher Medizin die vier Hauptsäfte des menschlichen Temperamentes.“ (Geißler 1970, S. 1284).

Birgit Rißland zufolge wurde ein Ungleichgewicht dieser Flüssigkeiten zunächst für Krankheiten, später dann ab dem 16. Jahrhundert für Launen und Stimmungen oder gar für bestimmte Charakterzüge eines Menschen (Choleriker, Melancholiker, Phlegmatiker, Sanguiniker) verantwortlich gemacht.

Die humores cardinales und die dazugehörigen Temperamente (vgl. Rißland 2002, S. 17):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im 17. Jahrhundert wurde der Begriff „Humor“ zur Kennzeichnung von ab-normen Persönlichkeiten benutzt, über die gelacht werden durfte. Also solche Menschen, die wir heute z.B. als Spinner oder Exzentriker bezeichnen. Dieses „Objekt“ der Belustigung nannte man im Englischen „humourist“, während derjenige, der sich über solche Menschen lustig machte, als „man of humour“ bezeichnet wurde. Die Engländer hatten also großen Einfluss auf die Entwicklung von Humor. Humor verband sich jetzt mit Komik und galt als die Begabung, andere zum Lachen zu bringen. Dennoch hatte er nach wie vor einen negativen Beigeschmack. Es hatte mit Menschen zu tun, deren Verhalten man nicht ernst nehmen durfte. Vor allem die Kirche betrachtete vieles, was mit Humor zu tun hatte, sehr argwöhnisch.

Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts begann das Zeitalter der Aufklärung, der Toleranz und der Humanität. Das Auslachen von Menschen, die für ihre Abnormität nichts konnten, galt zunehmend als unschicklich. Stattdessen wurde mehr über die kleinen und großen Missgeschicke des Alltags und Fehler des Menschen gelacht. Deshalb versuchte man auch zwischen „bad humour“ (z.B. Spott) und „good humour“ zu unterscheiden. Aus dem good humour, der ein menschliches, freundliches, tolerantes und warmherziges Lachen bzw. Verhalten meint, entwickelte sich so langsam der moderne Begriff des Humors. Zu dieser Eigenschaft gehörte es auch, wenn man sich Kritik und Spott von außen souverän stellen konnte. Menschen mit dieser Fähigkeit hatten nach damaligem Verständnis einen Sinn für Humor, was allerdings noch nicht so formuliert wurde.

Einen „echten Humor“ bzw. „Sinn für Humor“ (sense of humour) haben, bedeutete gegen Ende des 18. Jahrhunderts, sich als Lacher mit dem Ausgelachten auf die gleiche Stufe zu stellen. Es wurde weniger aus Überheblichkeit über menschliche Fehler und Schwächen gelacht, sondern mehr und mehr aus Mitgefühl und Sympathie. Schließlich hat der Lacher letztlich die gleichen oder ähnliche Macken und Fehler wie der, über den gelacht wird.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Humorbegriff zu dem, was wir heute darunter verstehen (vgl. Kapitel 2.2). Insbesondere in England wird Humor zur Kardinaltugend[1]erhoben. Durch den großen weltpolitischen Einfluss des British Empire fand dieses Verständnis von Humor vor allem in Europa weite Verbreitung.

Ein einheitliches Verständnis von Humor existiert jedoch bis heute nicht. Es gibt enge und weite Definitionen sowie unterschiedliche Dimensionen, Kom-ponenten und Konzepte. Man kann z.B. versuchen, Humor durch Abgrenzung von anderen Arten der Komik zu „definieren“ (vgl. Rißland 2002, S. 17ff).

2.2 Humor in seiner engeren Bedeutung – Versuch einer Definition

Es ist schwierig, ein so vielfältiges Phänomen wie Humor zu definieren. Die Schwierigkeit beim Versuch einer begrifflichen Klärung von Humor liegt darin, dass es bis heute keine einheitliche Verwendung für diesen gibt und er immer wieder mit anderen Konzepten aus dem Begriffsfeld der Komik gleichgesetzt wird. Außerdem mag es darin begründet sein, dass die Definition und Betrachtung des Humors auch immer eine kulturgeschichtliche sein wird (vgl. Rißland 2002, S. 19).

Rudolf Presber schreibt, „Humor ist, was man nicht hat, sobald man ihn definiert.“ (Rudolf Presber, zit. nach Gruntz-Stoll 2001, S. 18) Er fügt hinzu, dass man uHuHHumor nicht genau analysieren, konstruieren oder lehren könne (vgl. Seibert u.a. 1990, S. 55). Eine wohl wissentlich nicht ganz legitime Definitions-möglichkeit versuchen Seibert u.a., indem sie aufzeigen, was Humor nicht ist, und dies anhand von besonders humorlosen Menschen beschreiben (vgl. ebd. 1990, S. 10ff).

Trotz meines vermeintlichen Humorverlustes versuche ich nun trotzdem, den Humor begrifflich zu erfassen:

Während meiner Recherche fand ich viele eher oberflächliche „Definitionen“ von Humor, die ich eher der Kategorie Aphorismen zuordnen würde. Hier einige Beispiele:

„Humor ist die Fähigkeit heiter zu bleiben, wenn es ernst wird.“

(Ernst Petzold, zit. nach Seibert, u.a., S. 10)

Oder Wilhelm Busch`s Variante:

„Humor ist die Lust zu lachen, wenn`s zum Weinen ist.“

(Wilhelm Busch, zit. nach Kassner 2002a, S. 55)

Für Rabe ist Humor der„Schwimmgürtel auf dem Strom des Lebens“

(Rabe zit. nach Seibert u.a. 1994, S. 13)

F. Beutelrock meint:„Humor ist, mit einer Träne im Auge, lächelnd dem Leben beipflichten.“(Beutelrock, zit. nach Seibert u.a. 1994, S. 13)

Und die wohl häufigste Definition des Volksmunds:

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“

(Otto Julius Bierbaum, zit. nach Kassner 2002a, S. 55)

Dies sind unterschiedliche Versuche Humor zu definieren, die meiner Meinung nach den Kern des Humors treffend beschreiben. Trotzdem möchte ich diesen noch verdeutlichen.

Sicher ist, dass Humor etwas ist, was ausschließlich dem Menschen zukommt, da nur dieser über die Erfahrung des Widersprüchlichen verfügt, die eine Voraussetzung für den Humor darstellt (vgl. Persy & Rieder 1996, S. 256). Humor zeigt sich in der Heiterkeit des Wesens, welche auch an das Gute und Sinnvolle in der Welt glaubt. Humor bezeichnet im Prinzip eine Charakter-eigenschaft emotionaler Art. Er ist eine positive, wohlwollende und „lächelnde“ Einstellung gegenüber dem Leben und den Menschen (März 1967, S. 33). Juan Andrés Bernhardt definiert Humor wie folgt:

„Humor ist [...] eine menschliche Haltung, die in allem Wirklichen, auch wenn es unbedeutend und widrig ist, das Bedeutsame oder doch Liebenswerte erkennt. Im Humor ist eine Heiterkeit, die von Gedanken unbeschwert ist. Aus der Realität vermag der Humor Frohsinn zu gewinnen. Den menschlichen Schwächen, den Schwierigkeiten des menschlichen Daseins bringt der Humor ein wohlwollend - verständnisvolles Lächeln entgegen. Jemand mit Humor hat eine solche Einstellung zum Leben, die die Menschen und menschlichen Verhältnisse, aber auch sich selbst in den Schwächen und Unzulänglichkeiten irdischen Daseins durchschaut, liebevoll versteht und verzeiht. Diese Bedeutung des Wortes ‘Humor’ finden wir in den Enzyklopädien verschiedener Sprachen; sie beschreiben den Humor als anzustrebenden Wert.“ (Bernhardt 1985, S.16)

Nach Kiphard löst Humor Freude, Erheiterung, Belustigung, Lächeln und Lachen aus und gerät damit manchmal in den Verdacht nicht ernst genug, eben lächerlich zu sein. Er sagt, Erwachsene seien es gewohnt, alles im Leben durch eine furchtbar ernste Brille zu sehen. Auf diese Weise machen sie vieles komplizierter als es sei. Der Humor trete als Gegengewicht gegen das zu Ernste, Schwere und Würdevolle in Erscheinung. Dabei habe der Humor seinen eigenen Ernst, seine ihm eigene Lebensweisheit. Es sei das Wissen um die Unzulänglichkeiten und Unvollkommenheiten unserer Welt. Mit den Mitteln des Humors habe der Mensch die Möglichkeit, eine Brücke zwischen seiner idealen Traumwelt und der oft ernüchternden Realwelt zu schlagen und damit den Nihilismus zu überwinden. Vorbedingungen für eine humorvolle Weltbe-trachtung seien vor allem Echtheit und Ehrlichkeit. Der leise Humor komme aus dem Herzen. Er sei versöhnlich und betrachte das Widrige dieser Welt mit Nachsicht – eben mit Humor (vgl. Kiphard 1999, S. 1).

Auch Seibert u.a. sind der Meinung, Humor sei zwar nicht unbedingt dort, wo man nichts mehr ernst nimmt, aber es sei doch auch eines seiner besonderen Kennzeichen, dass man sich nicht zu ernst nimmt. Seibert u.a. fügen hinzu, Humor bedeute auch, dass man seine eigenen Grenzen sehe und anerkenne. Gleichzeitig beinhalte er, dass man in gewisser Weise über einer Sache steht. Man habe den gewissen Abstand zu etwas, und in diesem Sinne sei Humor eine Art Distanzgefühl (vgl. Seibert u.a. 1994, S. 11).

Dass es zur humorvollen Haltung gehört, den richtigen Abstand zu den Dingen und Ereignissen zu finden, wird auch im weiteren Verlauf der Arbeit noch näher behandelt.

Ein weiteres Bestimmungsmerkmal des Humors ist nach Seibert u.a. die Nähe des Humors zur Fantasie und zum Schöpferischen. Humor lebt aus der Krea-tivität und der Freude am Neuen. Fantasie verlässt eingefahrene Denkwege und ist durch Spontaneität und Originalität gekennzeichnet (vgl. ebd., S. 12).

Ich möchte mich, wie die Humorforscher nicht für eine eindeutige Definition des Humors entscheiden. Für diese Arbeit sehe ich den Humor unter zwei Aspekten: Zum einen als „Haltung“ oder „Fähigkeit“ im Sinne der klassischen Definition, zum anderen als ein Beziehungsphänomen. Kauke bemerkt in diesem Zusammenhang, Humor sei eine Kategorie des sozialen Verhaltens und Erlebens, wodurch Unvereinbarkeiten (Konflikte, Ambivalenzen und Wider-sprüche) im Zusammenleben spielerisch kreiert, erheiternd verstanden und zunehmend witzig aufgelöst würden (vgl. Kauke 1996, S. 400) Wichtig ist darüber hinaus, dass der positive Humor deutlich von dem sogenannten „Schwarzen Humor“ (siehe Kapitel 2.3.2) abgegrenzt werden muss.

Exkurs:

Im aktuellen Sprachgebrauch und Verständnis ist Humor viel weiter gefasst. Unter Humor oder Sinn für Humor versteht man weniger eine Art (Welt-) Haltung, als viel mehr den allgemeinen Sinn etwas komisch zu finden. Die relativ klare Definition aus dem Bereich der Ästhetik löst sich auf: Wird heutzutage davon gesprochen, dass jemand Humor oder einen Sinn für Humor habe, ist damit oft gemeint, dass diese Person witzig sei und andere Menschen zum Lachen bringen könnte (vgl. Rißland, S. 22).

Nach Eysenck schreiben wir einer Person Humor zu, wenn sie

- über die selben Dinge lacht wie wir (Konformität)
- häufig lacht und leicht zu amüsieren ist (Quantität)
- die Begabung hat, andere durch lustige Geschichten oder Witze zu unterhalten und zu amüsieren (Produktivität)“ ( ebd., S.22).

Humor wird mittlerweile als Sammelbegriff sowohl für Lachen, als auch für die anderen Spielarten der Komik verwendet und hat somit den Begriff des Komischen ersetzt. Dies erschwert eine wissenschaftliche Erfassung des Phänomens deutlich, denn Lachen kann z.B. unabhängig von Humor auftreten. Es besteht bis heute keine Einigkeit darüber, was den Begriff Humor formal und inhaltlich ausmacht (vgl. Rißland 2002, S. 22 ).

2.3 Formen von Humor – sinnverwandte Begriffe

2.3.1 Witz

Obwohl Humor und Witz früher wie auch heute noch häufig synonym verwendet wurden und werden, besteht zwischen beiden Begriffen ein deutlicher Unter-schied. Bernhardt und Rißland sprechen dem Wort „Witz“ eine zweifache Bedeutung zu. Witz meint eine kognitive Fähigkeit des Intellekts, denn ursprünglich stand der Begriff Witz für Sehen, Wissen, Klugheit und Weisheit. Noch heute versteht man darunter Schlagfertigkeit, Cleverness und eben Gewitztheit oder aber einen ausformulierten Witz. Als belustigende pointierte Anekdote ist ein Witz eine spezifische Form des Komischen (vgl. Bernhardt 1985, S. 19; Rißland 2002, S. 21). Rißland betont, Witz könne aggressiv, kritisch und bissig sein, ohne Publikum verpuffe aber seine Wirkung. Unter dem Begriff Witz wird also eine Verstandestätigkeit (gilt auch für Ironie und Satire) gefasst, die sich nur vor Publikum entfalten kann (vgl. Rißland 2002, S. 21). Auch Freud ist der Meinung, dass der Witz eines zweiten oder dritten Mitakteurs bedarf, um sich zu entfalten. Er erklärt den Witz als eine höhere Stufe des Scherzes, das heißt ein entwickeltes Spiel, vornehmlich am Wort- und Gedankenmaterial (vgl. Freud 1940, S. 192). Für Weinrebe, der sich mit dem Witz hinsichtlich seiner Bedeutung im Rahmen sozialer Beziehungen auseinandersetzt, können Witze entweder als Waffen dienen und sich gegen andere richten, oder aber heilende Wirkung haben, indem sie einigen (vgl. Weinrebe 1979, S.22). Auch Kassner macht in seinen Ausführungen auf den Witz im sozialen Kontext aufmerksam, der psychologisch und pädagogisch wichtig ist. Er erwähnt in dem Zusammenhang das Lachen als eine kognitive, sozial abhängige, emotionale Reaktion auf einen Witz, eine spaßige Bemerkung (vgl. Kassner 2002a, S. 29). Weinrebe sieht im Witz auch den Versuch, „Momente des spielerischen Umgangs mit sich selbst, den Worten und der Welt gegen die Ansprüche des einrastenden Realitätsprinzips hinüber zu retten.“ (Weinrebe 1979, S. 22).

Freud sagt Witz und Humor unterscheiden sich wie folgt: „Die Lust des Witzes schien uns auserspartem Hemmungsaufwandhervorzugehen, [...] und die des Humors auserspartem Gefühlsaufwand.“ (Freud 1940, S. 192f)

Zur Verdeutlichung bietet Hans-Dieter Gelfert einen Definition von Humor in Abgrenzung zu Witz und Komik an:

Erzähle jemand eine Geschichte über einen Mann, der auf einer Bananenschale ausrutsche, sei dies ein Witz. Beobachte diese Person eine andere dabei, wie diese auf einer Bananenschale ausrutsche und rege diese Begebenheit den Betrachter zum Lachen an, sei dies Komik. Rutsche diese Person aber selbst auf der besagten Bananenschale aus und sage lachend beim Aufstehen: „Ein Glück war es kein Hundehaufen“, so sei dies Humor (vgl. Gelfert 1998, S. 20f).

2.3.2 Ironie und andere Formen des „Schwarzen Humors“

Manche Unterformen des Humors haben spezielle Eigenschaften, die eine gesonderte Betrachtung verlangen. Als häufigste Sonderform des Humors begegnet man nach Frings sowohl in der Literatur als auch in der Praxis derIronie(Frings 1996, S. 87). Auch nach Bernhardt ist sie eine Ausdrucksform, die man häufig in der alltäglichen Kommunikation vorfindet. Ironie entstammt der griechischen Sprache und bedeutet „Verstellung“ (vgl. Persy & Rieder 1996, S. 257). Sie ist in erster Linie eine Redeweise, bei der das Gegenteil des ausgesprochenen Wortlauts gemeint ist. Sie stellt etwas in Frage (vgl. Bernhardt 1985, S. 18). Um Ironie zu verstehen, muss man erkennen, was sich hinter der Rede des anderen verbirgt. Der Empfänger muss dabei verstärkt auf die Tonlage und Betonung des Sprechers, sowie auch auf den sprachlichen Ausdruck als Ganzen und den logischen Zusammenhang von Aktion und Rede achten (vgl. Schreiner 2003, S. 128). Der Gebrauch von Ironie ermöglicht es, sich auf einer direkten und indirekten Sprachebene zu äußern - sei dies in Beabsichtigung einer gedämpften Kritik oder eines abgeschwächten Lobes. Ironie kann alsdidaktischesKommunikationsmittel dienen. Durch das bewusst ausgesprochene Gegenteil des Gemeinten soll im Zuhörer eine „positive Erkenntnisanregung“ provoziert werden. In ironisierter Form zu kommunizieren, erlaubt dem Sprecher etwas mit Humor zu sagen und signalisiert dem Sozialpartner, dass er die „Situation humoral im Griff hat“ (ebd., 2003, S. 128).

„Man spricht von sokratischer Ironie und meint damit jene paradoxe Weise des Umgangs mit dem anderen, die verletzt, um zugleich den anderen von seiner Verblendung zu heilen – eine Ironie, die schon kaum mehr eine ist, weil in ihr Liebe und Güte mitschwingen.“ (März 1967, S. 18)

In dieser Form angewandt ist Ironie weder aggressiv noch versöhnlich, sondern eher kritisch und korrigierend (vgl. Bernhardt 1985, S. 18).

Die Ironie alsrhetorischesMittel findet man dort, wo der Sprecher Werturteile der Zuhörer oder seiner Umwelt nicht teilt und sie daher übertreibt, überzieht. Diese Form der Ironie ist fast immer aggressiv (vgl. ebd., S. 18). Persy und Rieder beschreiben die Ironie als absoluten Gegensatz zum Humor, der mehr eine eigene Position relativiert und andere toleriert und respektiert. Ironie zielt ihrer Meinung nach auf die Vernichtung ihres Gegenstandes. Sie erzeugt Gelächter auf Kosten anderer und fungiert nicht selten als intolerantes Machtmittel (vgl. Persy & Rieder 1996, S. 257). Entscheidend für den Rahmen dieser Arbeit ist die Aussage von März, der verdeutlicht, dass Ironie eine menschliche Haltung sei, die im pädagogischen Verhältnis keine Berechtigung hat; dies nicht nur wegen ihrer anhaftenden Kälte und Lieblosigkeit, sondern vielmehr deshalb, weil Kinder diese Ausdrucksformen gar nicht verstehen können (vgl. März 1967, S. 17f).

Die Steigerung der Ironie findet sich in dem sogenannten „Schwarzen Humor“ wie Spott, Hohn und Sarkasmus. Sie sind zwar in der Nähe von Ironie anzusiedeln, bezeichnen aber aggressive Äußerungsformen oder Haltungen. Diese werden dem humorvollen Menschen nicht eigen, dieser verwendet eher nicht-aggressive Ironie in seiner Kommunikation (vgl. Bernhardt 1985, S. 18).

Besonders beimSpottbekommt das Verletzende und Vernichtende Über-gewicht. Man versucht den anderen in seiner ganzen Schwäche bloßzustellen. Vereinzelt gibt es einen harmlosen, liebevollen Spott, ganz nach dem Sprich-wort: „was sich liebt, das neckt sich“. Aber meistens zielt der Spott auf das Negative, besonders dort, wo sich Spott zumHohnsteigert (vgl. März 1967, S. 19). Ein Verhalten, das

„meist mit großer Geste und einem Aufwand an Pathos von einer angeblich höheren moralischen Plattform aus in Szene gesetzt wird und eine Steigerung des Selbstgefühls und Selbstgenusses des Höhnenden bewirkt.“ (Ruppert 1955, S. 421)

Kommen im Spott jedoch Hass und Verachtung voll zum Durchbruch und erreicht das Negative seinen größtmöglichen Tiefstand, dann spricht man vonSarkasmus(vgl. März 1967, S. 19). Auch Frings stellt den beißenden Spott und Hohn im Sarkasmus heraus. In der Psychoanalyse ist man sich über den oralsadistischen Charakter des Sarkasmus einig, der schon in der etymolo-gischen Bedeutung des Wortes liegt. Sarkasmus kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ich zerfleische“. Frings fügt hinzu, in der Analyse sein das Auftauchen dieser Humorform meist mit Bitterkeit und Enttäuschung verknüpft (vgl. Frings 1996, S. 92).

Die literarische Form all der betrachteten mehr oder weniger negativen Verhaltensweisen nennt manSatire. Sie vollzieht sich von der geistreichen Ironie über Scherz und Spott bis zum bissigen und vernichtenden Hohn (vgl. März 1967, S. 20).

Als weitere Form des schwarzen Humors gibt es denZynismus. Im Gegensatz zum Sarkasmus gilt dieser als eine Humorform, die ohne größere affektive Betroffenheit auskommt. Er bezieht sich meist auf das Lächerlichmachen von Idealen und Werten. Laut Frings` Erfahrungen verbergen sich oft Enttäuschung, Resignation oder Bitterkeit in Verbindung mit einer großen Verletzlichkeit hinter dem zynischen Humor (vgl. Frings 1992, S. 92f).

Diese menschlichen Ausdrucksweisen und Verhaltensmöglichkeiten werden daher nicht mit dem Humor gleichgesetzt, weil sie bei genauerem Hinsehen das Wesen des Humors verfehlen.

„Da ist jene seelische Verfassung; die am Vordergründigen und Ober-flächlichen hängen bleibt; der jeglicher Sinn für Ernst und jeglicher Tiefgang fehlt; deren LeichtigkeitLeichtsinnheißt, weil sie sich dieser Leichtigkeit nicht hindurchringen mußte; deren sinnfälliger AusdruckGelächterist, jene Weise des Lachens, die man weithin hört.“(März 1967, S. 15).

Eine solche Lustigkeit und Wohlgelauntheit hat nichts mit der Heiterkeit gemein, die aus der Tiefe des Herzens kommt. Trotzdem werden Formen wie Witz, Satire, Ironie und Spott zumindest als dem Humor ähnlich oder mit ihm verwandt verstanden (vgl. ebd., S. 15).

2.3.3 Humor und Lachen

In der Literatur werden Lachen und Humor, wie auch Humor und Witz meistens synonym gebraucht. Lächeln und Lachen finden wir beim humorvollen Menschen oft, wie auch in der Reaktion anderer auf diesen (vgl. Bernhardt 1985, S. 19). Würde man jemanden fragen, woran er erkenne, dass eine Person gerade eine Humorreaktion erlebe, so würde man als Antwort erhalten: ‘Sie oder er lacht’.“ (Schreiner 2003, S. 90) Ein Humorerlebnis äußert sich für alle sichtbar im Lachen, der physischen Reaktion (Paulos 1991, S. 22). Die Humorreaktion muss sich allerdings nicht immer im lauten Lachen äußern. Bischofberger weist in diesem Zusammenhang auf den stillen Humor hin (vgl. Bischofberger 2002, S. 5).

Lachen ist eine angeborene typisch menschliche Verhaltensweise, die durch lusterregende Situationen mit humoristischem, spaßigem, heiteren Aspekt herbeigeführt wird und in Verbindung mit einer bestimmten Grundstimmung steht (vgl. Hehlmann 1974, S. 283). Als Formen nonverbaler Kommunikation treten sie fast ausschließlich im Beziehungsaspekt der zwischen-menschlichen Mitteilungen auf (vgl. Bernhardt 1985, S. 19). Laut Kiphard gebrauchen schon Babys instinktiv das Lächeln in enger Korrespondenz mit der Mutter als Medium des emotionalen Austauschs. Als soziales Phänomen signalisiert Lächeln Offenheit und Kontaktbereitschaft. Es schlägt die Brücke vom Ich zum Du. Man kann sein Lächeln anderen schenken. Und selbst im Umgang mit Fremden löst ein Lächeln Spannungen auf und hemmt Aggressionen (siehe auch Kapitel 4.). Lachen wirkt wie eine Befreiung. Lachen bedeutet aber auch den Sieg über die eigene Furcht vor allem Autoritären. Indem der lachende Mensch sich über alle Zwänge und Tabus hinwegsetzt, rebelliert er gegen alles Starre und Verbotene. Insofern ist im Lachen auch etwas aggressiver Verborgen; zumindest dient es der Selbstverteidigung (vgl. Kiphard 1999, S. 2).

Lachen als Ausdrucksverhalten zeigt sich sowohl in feinsten Abstufungen, vom nur „angedeuteten Lächeln“ bis hin zum „nichtendenwollenden Lachkrampf“ als auch in vielfältigen inhaltlichen Variationen, wie z.B. dem kindlichen, ironischen, blasierten, gequälten, gemütvollen, befreienden, verzweifelten, bösen oder koketten Lachen. Lachen tritt auch als rein reflektorische Ausdrucksweise auf (etwa durch Kitzeln) und kann dabei eine ganze Bandbreite der Gemüts- und Charakterwerte spiegeln, die in einer Persönlichkeit angelegt sind (vgl. Hehlmann 1974, S. 283).

2.3.4 Humor und Freude

Nicht ganz sinnverwandt aber eine gewisse Folge von Humor ist auch die Freude. Sie wird mit der Belustigung als emotionale Basiskategorie bzw. Reaktion des Humors verstanden (vgl. Paulus 1991, S. 10). Jedermann kennt das Gefühl der Freude und hat es schon oft empfunden. Wir freuen uns über gelungene Taten, über Geschenke, über die Zuneigung anderer, über die Erfüllung von Hoffnungen und Aufgaben, über Hilfe und Zuspruch im Leid und vieles mehr. Das Phänomen der Freude durchzieht unser ganzes Dasein und auch im Kummer und Leid ist der Mensch noch fähig, Freude zu empfinden (vgl. Persy & Rieder 1996, S. 255). Deshalb zählt die Freude auch zum Urphänomen des Gefühls, von dem Kinder, die ganz dem Tage leben, noch stärker beherrscht werden als Erwachsene (vgl. Lassahn 1975, S. 553f). Kleine Kinder erschließen und erobern sich die Welt, indem sie von sich aus tätig werden. Diese Tätigkeit löst Freude aus. Lassahn warnt davor, die kindlichen Tätigkeiten zu sehr einzuschränken und damit die Freude als „stärkste vorhandene Motivation“ zu zerstören (vgl. ebd., S. 556).

Frostig stellt mit Bedauern fest, dass die Freude als positivstes menschliches Gefühl, in der Psychologie wie auch generell in der Therapie zu kurz komme. Frostig bezeichnet die Freude als „das beste Gegenmittel gegen emotionale Störungen“ (Frostig 1973, 1978, zit. nach Kiphard 1999, S. 2). Es ist in der Tat so, dass freudige, humorvolle Kinder und Jugendliche besser mit ihren Problemen und Schwierigkeiten umzugehen vermögen als andere (vgl. Titze 1996, S. 36).

Kiphard betont, die Freude sei im wahrsten Sinne des Wortes ein erhebendes Gefühl. Sie ist ein mächtiges Gegengewicht zur Erdenschwere. Sie wendet sich gegen belastende und bedrückende Gefühle des Menschen wie Schwermut, Resignation und Depression. In der Freude keimt Hoffnung auf. Der freudige, humorvolle Mensch blickt hoffnungsvoll in die Zukunft, ist fest entschlossen, das Leben zum Besseren hin zu verändern. Ziel muss die Erhöhung der Lebens-qualität und Lebensfreude sein (vgl. Kiphard 1999, S. 2).

Darüber hinaus ist die Freude wie das Lächeln auch ein soziales Bindungs- und Verbindungsmittel. Freude muss man mit anderen teilen. Laut Kiphard wird dieser soziale Aspekt viel zu oft übersehen. In der Freude neigt der Mensch dazu, statt das Trennende das Gemeinsame zu betonen, es entsteht ein Gefühl der Solidarität. Negative Emotionen wie Habgier und Neid haben hier keinen Platz (vgl. Kiphard 1999, S. 2).

2.4 Positive Funktionen von Humor

Die positiven Wirkungen humorvollen Erlebens und Verhaltens zeigen sich in unterschiedlichen Bereichen, von der physischen und psychischen Gesundheit und Stressbewältigung über die sozialen Beziehungen bis hin zu kreativen Prozessen, Aufmerksamkeits-, Lern- und Erinnerungsleistungen. Im Folgenden soll nun der Nutzen des humorvollen Erlebens und Verhaltens auf die Bereiche Gesundheit und soziale Interaktion hervorgehoben werden.

2.4.1 Humor und seine Bedeutung für die soziale

Kommunikation

Humor ist Bestandteil eines jeden sozialen Systems. Er hat die Tendenz Freude mit anderen zu teilen und seine Umgebung mit Witzen, Scherzen und lustigen Geschichten usw. zu erfreuen. In dieser Form taucht er in fast allen Interaktionen auf. Rißland bezeichnet den Humor als „Schmiermittel“ vor allem in der alltäglichen Interaktion. Soziale Interaktionen werden durch humorvolle Äußerungen in Gang gebracht und am Laufen gehalten. Humor und Lachen sind wichtige Quellen der Freude und des Vergnügens und wir mögen Leute die uns Vergnügen bereiten. Birgit Rißland bezieht sich in ihren Ausführungen auf Ziv (1984), der Humor als Schlüssel zur Erschließung zwischenmenschlicher Beziehungen hervorhebt (vgl. Rißland 2002, S. 42). Nach Hain und Titze wirkt Humor in der Kommunikation erfrischend, entspannend und anregend. Er ist ein originelles und anregendes Kontaktmittel, dass zu einer freundlich konstruktiven Beziehung beiträgt (vgl. Titze ohne Jahr, S. 1; Hain ohne Jahr, S. 2). Der soziale Humor ist nach Rißland eine angepasste (adaptive) Form des Humors. Dahinter steht auch die Intention, zwischenmenschliche Spannungen zu reduzieren und soziale Beziehungen leichter zu gestalten. Der zwischen-menschliche Zusammenhalt und die Attraktivität wird gefördert (vgl. Rißland 2002, S. 27).

Auch in Gruppen entwickeln sich laut Bernhardt relativ schnell charakteristische Formen der Interaktion, die sich von anderen Individuen oder Gruppen unterscheiden. Er ist wie Rißland der Meinung, das Humor eine Gruppen kennzeichnen kann (vgl. Bernhardt 1985, S. 118; Rißland 2002, S. 42). Rißland erklärt, wenn eine Person von einer bereits bestehenden Gruppe akzeptiert werden möchte, durchlaufe sie eine Art „Testphase“, in der sie von den Gruppen mitgliedern genau beobachtet und bewertet wird. Rißland sieht hier einen großen Vorteil des humorvollen Menschen. Indem dieser die Gruppe zum Lachen bringt, gewinnt er für kurze Zeit deren Zuneigung (vgl. Rißland 2002, S. 42f).

„Das Lachen der Gruppenmitglieder ist Ausdruck davon, dass man etwas miteinander teilt und schließt den Neuling mit ein. Kann die Gruppe jedoch nicht über seinen Humor lachen, sinken seine Chancen akzeptiert zu werden erheblich.“ (ebd., S. 43)

Hovelynck und Peeters machen darüber hinaus auf den Humor als indirekte Form der Kommunikation aufmerksam. In dieser Form hat er die Fähigkeit, das Aussprechen und die Akzeptanz von Interpretationen zu ermöglichen, die in anderer Form zurückgewiesen würden. Der Initiator kann sich auf sicheres Terrain zurückziehen, wenn das Publikum nicht entsprechend reagiert. Wenn man die Akzeptanz der Gruppe auf diese Weise auslotet, dann kann man schwierige Themen ansprechen, ohne zu verletzend zu werden. (vgl. Hovelynck & Peeters 1999, S. 9). Eine vergleichbare Funktion beschreibt auch Schreiner in der Interaktion unter Kindern, die den Humor in Form von Lachen, Rätseln und Witzen gebrauchen, um ihre Probleme und Ängste darin zu äußern und diese bei Zurückweisung des Gegenübers als erfundenen Quatsch abtun können (siehe auch Kapitel 3.4).

Laut Titze und Hain kann Humor helfen, Hemmungen aufzulösen und zur Reaktivierung verdrängter Affekte anregen. Durch gemeinsames Lachen ermöglicht er einen unmittelbaren Austausch menschlicher Gefühle und führt zu freizügiger Gleichwertigkeit (vgl. Titze ohne Jahr, S. 1, Hain ohne Jahr, S.2).

Die wichtigste soziale Funktion des Humors in der Gruppe liegt aber vor allem in der Verminderung von Spannungen und Konflikten. Gemeinsamer Humor und gemeinsames Lachen sind Faktoren, die verbinden und damit die Gruppen-kohäsion fördern(vgl. Rißland 2002, S. 43; Bernhardt 1985, S. 118f).

Rißland stützt ihre Arbeit auf verschiedene Studien, die sich mit dem Humor am Arbeitsplatz beschäftigen. Die Ergebnisse der Studien decken sich mit denen des Humors in der Schule. Humor am Arbeitsplatz wird eine teambildende und teamfördernde sowie stressmindernde und konfliktlösende Wirkung zuge-schrieben. Außerdem dient er dazu, Spannungen abzubauen und mit Enttäuschungen fertig zu werden. Werden Ideen, Gefühle und Einstellungen auf angemessene Art humorvoll ausgedrückt, reduziert sich das Konfliktpotential und es ist leichter seine Kommunikationspartner zu beeinflussen und zu überzeugen. Humor baut Frustrationen ab, verringert Langeweile und erleichtert den Transfer von Informationen. Humor am Arbeitsplatz ermöglicht eine intensivere Kommunikation, größeren Zusammenhalt zwischen den Ange-stellten, eine gesteigerte Produktion, sowie verminderten Stress, reduzierte Müdigkeit und Angst. Humor beeinflusst darüber hinaus die Einstellung zum Arbeitsplatz und den Arbeitsbedingungen. Entscheidend ist auch in Bezug auf die Schule und den Unterricht, dass Untergebene, die ihre Vorgesetzten als humorvoll bewerteten, diese auch bezüglich anderer Merkmale positiver einschätzen und eine höhere Arbeitzufriedenheit berichteten (vgl. Rißland 2002, S. 43).

2.4.2 Humor und sein Einfluss auf die Gesundheit

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass Humor und Lachen eine ganz wichtige therapeutische Wirkung haben (Lachclubs, Cliniclowns, Therapie mit Kindern, etc.). Rubinstein verweist beim Lachen als physiologische Äußerung eines Zustandes der Freude und der Lust auf seine therapeutische Wirkung gegen den Stress und sieht Lachen beim gesunden Menschen fast immer als Zeichen körperlicher und seelischer Gesundheit und als Ausdruck des Lebenswillens (vgl. Rubinstein1987, S.124). In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass auch der Begriff „Spaß“ besonders positive Befindlichkeiten von Körper und Seele zusammenfasst und als lustvolles Vergnügen oder Belustigung verstanden wird (vgl. Titze 1985, S. 27).

Neue Erkenntnisse aus Medizin und Forschung sprechen für den Einfluss von Humor auf die physische Gesundheit. Der Humor hat einen positiven Einfluss auf verschiedene Bereiche des Immunsystems. Untersuchungen zu Folge steigen die Werte des für die Abwehr von Erkältungen und Atemweg-erkrankungen zuständigen Immunglobin A nach Betrachtung eines lustigen Videos an. Die gleiche Wirkung konnte man hinsichtlich der Produktion vom Immunglobin M (sofort reagierender Antikörper), Immunglobin G (Langzeit-Abwehr) sowie von B-Zellen (verantwortlich für die Produktion der Immun-globine) erzielen (vgl. Rißland 2002, S. 39). Ebenfalls konnte durch den Einsatz von Humor die Produktion von Killerzellen gesteigert werden, die z.B. für das Auffinden und Zerstören von Krebszellen und Grippeviren zuständig sind (vgl. Rißland 2002, S. 39; Kassner 2002a, S. 36).

Darüber hinaus wird nach Rißland die Sauerstoffversorgung des Blutes verbessert und der Gasaustausch über die Lungen um das drei- bis vierfache gesteigert. Weiterhin wird der Stoffwechsel der Fette erhöht. Wichtig ist, dass die Dauerhaftigkeit dieser Effekte von der Dauerhaftigkeit des Humors abhängt. Das heißt Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Humor sind dem gemäß weniger anfällig für Erkrankungen als negativ eingestellte Menschen. Interessant ist, dass Personen, die sich humorvoll einschätzen, sich selbst auch für gesünder halten (vgl. Rißland 2002, S. 39f).

Kassner formuliert ganz deutlich „Wer lacht, lebt länger“ oder „Wer dreimal täglich herzhaft lacht, lebt länger“. Er bestätigt die vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen und die Unterstützung des Immunsystems durch Lachen, das „eine Art inneren Joggens ist, das den Körper trainiert und die Freisetzung von nützlichen Neurotransmittern im Gehirn und Hormonen stimuliert“. (Kassner 2002a, S. 37)

Ein weiterer positiver Effekt des Humors ist der Einfluss auf die Schmerz-reduktion. Verschiedene Studien bei unterschiedlich bedingten Schmerzen haben gezeigt, dass Humor und Lachen das subjektive Schmerzempfinden deutlich absenken. Warum sich das so verhält, ist bisher ungeklärt. Eine Möglichkeit liegt in der Entspannung des Körpers, eine andere in der Ablenkung. Lachen wird in Krankenhäusern oft als Entspannungstechnik eingesetzt (vgl. Rißland 2002, S. 40; Schreiner 2003, S. 95).

Die meisten neueren Forschungen heben positive Effekte von Humor und Lachen in Zusammenhang mit der Stressforschung hervor. Diese Effekte können sich nach Rißland zum Einen auf der physiologischen Ebene in Form einer Reduktion von Stresshormonen (z.B. Epinephrin, Cortisol), einer Ab-senkung des Blutdrucks sowie positiver Wirkungen auf stressbedingte Herz-erkrankungen, chronische Angstzustände oder Kopfschmerzen auswirken (vgl. auch Titze & Hain 1999, S. 2). Zum Anderen zeigt sich eine positive Wirkung von Humor auf der psychologischen Ebene in Form von Bewältigungs-Ressourcen und Coping-Strategien[2](vgl. Rißland 2002, S. 41).

Kassner zitiert den Psychiater Robert Holden, welcher sagt ‘Lächeln und Lachen produzieren glückbringende Stoffe, Endophine genannt, die im Gehirn bewirken, dass sich ein umfassendes Wohlgefühl einstellt ’. (Kassner 2002a, S. 37) Eine Studie zeigte, dass Personen, die nach eigener Einschätzung Humor häufig als Copingstrategie einsetzen, mehr Kontrolle über ihr Leben wahr-nehmen und sich in belastenden Situationen weniger überwältigt, ängstlich und gestresst einschätzen als Personen, die Humor nicht als Bewältigungsstrategie verwenden (vgl. Rißland 2002, S. 69).

Andere betonen, die Funktion des Humors als Mittel zur kognitiven Distan-zierung sei am effektivsten.

„Die flexibel einsetzbare Fähigkeit zum Perspektivenwechsel erlaubt dem humorvollen Menschen, sich von einer bedrohlichen Situation zu distanzieren und so die Gefühle der Besorgnis und Hilflosigkeit zu reduzieren.“ (vgl. O´Connell, zit. nach Rißland 2002, S. 74).

Nach Rißland zeichnen sich flexible und stressresistente Personen u.a. dadurch aus, dass sie auch ungewollte Veränderungen als Herausforderung und Möglichkeit zu persönlichem Wachstum sehen. Sie haben ein stärkeres Gefühl der Kontrolle und Empfinden sich nicht als Opfer des Schicksals, sie behalten eine positive Einstellung, sind optimistisch, weil sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten haben. Humor fördert diese Qualitäten und erhöht die Stress-resistenz. Er ermöglicht der Person, das gegenwärtige Problem als Heraus-forderung zu sehen und innovative Lösungen zu finden. Humor hilft dabei Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und ermöglicht eine größere Kontrolle über das Problem und die Emotionen. Durch ihn erreicht man eine optimistische positive Grundhaltung (vgl. Rißland 2002, S. 73).

Mit der Freude und der Gelassenheit kann der Alltag oft viel leichter überwunden werden, und wir sind hoffnungsvoller und positiv eingestellt. Diese Grundhaltung führt zu einer höheren Lebensqualität und Lebensfreude (vgl. Kiphard 1999, S. 2).

Trotz dieser positiven Auswirkungen von Humor und Lachen möchte ich darauf aufmerksam machen, dass laut einiger Studien Erwachsene täglich ungefähr 15 mal lachen, während Kinder ca. 400 mal täglich lachen! Beim Erwachsen-werden haben wir irgendwie ein paar hundert tägliche Lacher verloren. Durch das Wiedererlernen leichter und öfter zu lachen, könnten wir einen grundlegenden und positiven Effekt auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden erzielen (vgl. Kassner 2002a, S. 37). Auch nach Titze und Hain sollten Menschen viel bewusster Lachen und systematisch nach komischen Auslösereizen suchen, die den Lachreflex in Gang setzen. Sie fügen hinzu, es stehe in unserer Macht, dem Alltag viele lustige Situationen abzugewinnen und mit unseren Mitmenschen Scherze und Witze auszutauschen. Dabei sollte man sich bewusst um ein lautes und intensives Gelächter bemühen (vgl. Titze & Hain 1999, S. 3).

2.5 Humor kritisch betrachtet

Der Einsatz von Humor hat jedoch nicht nur positive Wirkungen. Im Folgenden möchte ich auch auf die negativen Aspekte aufmerksam machen. Rißland spricht in diesem Zusammenhang von maladaptiven (fehlangepassten) Formen des Humors, die sich in aggressivem und selbstabwertendem Humor äußern (vgl. Rißland 2002, S. 27).

Aggressiver bzw. feindseliger Humor hat laut Rißland eine lange Geschichte. Das Wort Lachen kommt in der Bibel etwa 29 mal vor, davon 13 mal mit aggressiver Konnotation. Platon zufolge lachen Menschen, wenn sie der Schwäche einer anderen Person begegnen. Aristoteles bezeichnete Lachen als Ausdruck der Freude, andere zu demütigen und herabzusetzen (vgl. ebd, S. 35f). Auch Rißland betont, aggressive Humorformen könnten dazu dienen, andere herabzusetzen, zu verletzen und zu manipulieren und dabei ver-schiedene Formen annehmen: vom direkten, rücksichtslosen Bloßstellen und Lächerlichmachen bis hin zum subtilen Wortwitz mit verstecktem Spott (vgl. ebd., S. 36). Humor kann sich auch in Sarkasmus oder Zynismus verwandeln und als demütigend und beschämend erlebt werden(siehe auch Kapitel 2.3.2). Auf diese „lustige“ Art können Personen von Therapeuten, Chef, Kollegen oder auch Ehepartnern ausgelacht, degradiert und ausgegrenzt werden[3](vgl. Hain 2000, S. 2).

Auf der anderen Seite kann ein Individuum aggressiven Humor auch gegen sich selbst anwenden und sich damit selbst herabsetzen und abwerten (siehe Kapitel 4.3.4). Dieser Humor kann sich darin äußern, dass sich die Person über sich selbst lustig macht, um andere zu erheitern und zum Lachen zu bringen oder mit lacht, wenn sie von anderen herabgesetzt wird (vgl. Rißland 2002, S. 36). Eine solche Art von Humor schließt laut Rißland auch die Neigung ein, durch den Gebrauch von Humor seine eigenen Gefühle vor sich selbst und anderen zu verstecken und den Umgang mit Problemen zu vermeiden. Exzessivem selbstabwertendem Humor liegt meist ein geringes Selbstbewusst-sein zugrunde (vgl. Rißland 2002, S. 28; Schreiner 2003, S. 248).

In vielen Fällen dient Humor dazu, ein soziales Klima zu schaffen, in dem Statusunterschiede wenig Bedeutung haben. Humor kann aber auch wie viele andere Verhaltensweisen funktionieren und als Machtinstrument fungieren. Dabei ist er nicht nur ein Mittel, Herrschaftsverhältnisse zu unterlaufen, sondern kann auch dazu dienen, Hierarchien zu stützen (vgl. Rißland 2002, S. 37).

Humor im engeren Sinne beinhaltet die Fähigkeit sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und über die Unzulänglichkeiten des Lebens zu lächeln. Rißland sieht darin allerdings die Gefahr, letztlich nichts mehr ernst zu nehmen und jeglicher Auseinandersetzung, wie auch den eigenen Gefühlen humorvoll aus dem Wege zu gehen (vgl. ebd., S. 37). März bemerkt in diesem Zusammenhang, dass die seelische Verfassung, der jeglicher Sinn für den Ernst fehlt bzw. die man bei Menschen antrifft, die Aufgabe meiden und wenig bereit sind Verantwortung zu übernehmen zwar dem Humor ähnlich oder verwandt, jedoch nicht mit ihm gleichzusetzen sind (vgl. März 1967, S. 15).

2.6 Zusammenfassung

Der Begriff Humor wechselte im Laufe der Jahrhunderte vom rein stofflichen in den geistigen Bereich und fand erst Ende des 16. Jahrhunderts Zugang zum Begriffsfeld der Komik. Erst im 18. Jahrhundert erhielt der Humor seine wohlwollende Bedeutung, die den modernen Humorbegriff prägte. Humor im eigentlichen Sinne ist eine positive Grundhaltung des Menschen und wird als Gabe gesehen, den Unzulänglichkeiten der Welt und den Menschen mit einer heiteren Gelassenheit zu begegnen. Damit grenzt sich der Humor klar von den anderen Begriffen der Komik, wie Witz, Ironie, Satire und Sarkasmus ab.

Humor steht im engen Zusammenhang mit dem Lachen und der Freude, die als Reaktionen auf den Humor verstanden werden und auch in Verbindung mit einer bestimmten Grundstimmung stehen. Humor kann demnach zum einen als „Haltung“ oder „Fähigkeit“ angesehen werden, zum anderen als ein Be-ziehungsphänomen.

Bei der Auseinandersetzung mit Humor werden seine zahlreichen Vorzüge deutlich. In seiner sozialen Funktion kann Humor zur Verringerung von Spannungen und Konflikten beitragen, sowie den Gruppenzusammenhalt und die Kommunikation fördern.

Humor kann sich darüber hinaus positiv auf die psychische und physische Gesundheit auswirken. Er kann helfen mit Belastungen und stressauslösenden Situationen besser fertig zu werden und stellt somit eine individuelle Coping-Strategie dar, die wiederum einen Beitrag zur psychischen und physischen Gesundheit leistet.

Den genannten positiven Aspekten humorvollen Erlebens und Verhaltens stehen jedoch auch negative Aspekte gegenüber. Es wird deutlich, dass Humor in seiner weiten Definition durchaus als Waffe und Mittel zur Macht missbraucht werden kann. Aber auch in seiner engeren Auffassung als eine Art heitere Gelassenheit gegenüber den Widrigkeiten des Lebens bleibt Humor nicht ohne Kritik. Es besteht darin die Gefahr, dass der Mensch sich zu humorvoll mit seinem Schicksal abfindet, anstatt gegen widrige Umstände anzugehen und diese zu seinem Vorteil zu verändern. Wichtig ist auch, dass sich die Funktionen humorvollen Erlebens und Verhaltens in der Gruppe und am Arbeitsplatz auf die Organisation Schule übertragen lassen, was ich im vierten Kapitel versuche darzustellen.

3. Humor in der Kindheit

Für Pädagogen und Eltern ist es wesentlich, Kinder in ihrer „Gleichaltrigen-Welt“ zu verstehen. Nach Kauke lebt die Welt der Kinder von Ausgelassenheit, lustvollem Unfug und Späßen. Humorvoll bewältigen sie den Schulalltag. Kauke stellt sich allerdings die Frage, ob Kindern bereits Humor zugesprochen werden kann? (vgl. Kauke 1996, S. 399) Deshalb möchte ich im folgenden Kapitel auf die Humorentwicklung im Kindesalter eingehen und den Zusammenhang zwischen Humor und kognitiver Entwicklung klären. Es wird verdeutlicht, in wie weit Kinder Humor verstehen und in der Lage sind diesen selbst zu initiieren. Zum besseren Verständnis und der Vollständigkeit halber beginne ich schon im Säuglingsalter und ende in der Adoleszenz.

Gesondert werde ich auf das Humorverhalten von Mädchen und Jungen eingehen, um für den späteren Verlauf der Arbeit Grundlegendes zu klären. Anschließend möchte ich kurz darauf eingehen, in welcher Art und Weise sich Humor bei Kindern beeinflussen bzw. fördern lässt.

Der letzte Teil dieses Kapitels beschäftigt sich mit der Bedeutung des Humors in der Kindheit, in dem ich auf mir interessant erscheinende humorale Motive von Kindern eingehen werde.

3.1 Entwicklungsstufen des Humors

3.1.1 Die Anfänge des Humors: Lachen und Lächeln des Säuglings

Stellt man sich die Frage, wann und auf welche Weise sich der Humor das erste Mal in der Humanentwicklung zeigt, stößt man wieder auf das bekannte Definitionsproblem. Es ist nach wie vor umstritten, ob die Entwicklung des Humors schon im Säuglingsalter beginnt oder sich erst zu späterer Zeit zeigt.

„Sieht man das Lachen oder Lächeln als ausreichenden Hinweis für eine Humorreaktion an, kann die Ontogenese des Humors bis in die ersten Lebenswochen, einige behaupten sogar bis in die ersten Tage, des Säuglings zurückverfolgt werden.“ (Schreiner 2003, S. 120).

Lächeln wird als ein angeborener Reflex angesehen. Einige erkennen diesen bereits bei Neugeborenen, andere sehen ein Lächeln erst zwei Wochen nach der Geburt. Geht man allerdings davon aus, dass Humor zur emotionalen Basiskategorie Freude gehört, dann beginnt der Humor des Säuglings zu dem Zeitpunkt, in dem er erstmals Freude und Vergnügen zeigt (vgl. ebd., S. 120f).

Die Form des „sozialen Wiederlächelns“ tritt erst sechs bis acht Wochen nach der Geburt ein. Zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat erfolgt die Entwicklung des lauten Lachens. Säuglinge dieser Altersstufe lachen am häufigsten infolge von auditiven und taktilen Stimuli (z.B. Kitzeln am Bauch mit gurrender Stimme) und nehmen vermutlich ab dem vierten Monat Inkon-gruenzen[4]wahr, z.B. das Auftauchen und Verschwinden einer Kasperle-Figur.

Ab dem sechsten Monat beginnt der Säugling zwischen Bekannten und Fremden zu unterscheiden, so dass er auf Unbekannte z.B. mit Angst bzw. auf seine Mutter mit einem Lächeln reagieren kann.

Mit circa acht Monaten tritt eine erste wesentliche Veränderung ein. Zu diesem Zeitpunkt reagieren sie besonders auf visuelle und soziale Reize mit einem Lachen oder Lächeln (vgl. Schreiner 2003, S. 120f).

Einige Forscher glauben, dass erst bestimmte kognitive Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um Humor entwickeln zu können. Nach Wicki stellt Lachen oder Lächeln weder eine notwendige noch hinrechende Bedingung für Humor dar, weil dieses eben durch verschiedene Reize ausgelöst wird. Seiner Meinung nach gibt das ab dem 12. bis 13. Monat erstmals auftretende Symbolspiel dem Kind eine Möglichkeit, humorvolle Szenen herzustellen. Denn erst dann verfügt das Kleinkind über die für das Erleben und Produktion von Humor notwendigen Fähigkeiten (vgl. Wicki 2000, S. 176).

3.1.2 Humor im zweiten und dritten Lebensjahr

Das Kleinkind hat nun das Verständnis für die „normale“ Ordnung der Dinge und Ereignisse erworben. Schreiner wie auch Wicki und Bönsch-Kauke sind der Meinung, dass Inkongruenzen bzw. Abweichungen von dieser „Normalität“ das Kind zum Lachen bringen können. Im Symbolspiel (Als-ob-Spiel) kreieren die Kleinkinder bereits selbständig lustige Szenen, was zu einer umfassenden Weiterentwicklung kognitiver, emotionaler und sozialer Kompetenzen führt. Im Spielverhalten versuchen die Kinder das Höchstmaß an Erfahrungen zu sammeln. Das Symbolspiel ermöglicht eine lustvolle, vorläufige Befreiung von den Realitäten, ohne dass der Bezug zur Realität verloren geht[5]. Weiß ein Kind, welche Funktion ein Gegenstand üblicherweise hat, kann es über eine sach-fremde Funktionalisierung herzhaft lachen. In dieser Phase beginnt es erstmals selbst komische Szenen zu initiieren (z.B. einen Löffel verkehrt herum zu halten und Essbewegungen anzudeuten oder sich einen Schuh auf den Kopf zu setzen) (vgl. z.B. Schreiner 2003, S. 122ff und S. 132, Bönsch-Kauke 1999, S. 102). Gegen Ende des zweiten Lebensjahres ermöglichen die ausdifferen-zierten sprachlichen Fertigkeiten dem Kind inkongruente Bezeichnungen für Objekte und Ereignisse zu verwenden. Ein Hund wird z.B. belustigt als Katze bezeichnet (vgl. Wicki 2000, S. 176).

Wicki hebt besonders die Erweiterung des Sachwissens der Kinder ab dem dritten Lebensjahr hervor. Aufgrund dessen werden den Kindern Späße auf einer wachsenden Anzahl von Gebieten möglich. Darüber hinaus beginnen die Kinder zu unterscheiden, was die Eltern ernst meinen und was nicht. Sie lachen über „unmögliche“ Dinge, z.B. über die Aussage, sie hätten einen Fisch auf dem Kopf (vgl. ebd., S. 176). Kinder in diesem Alter erwerben verstärkt ein Verständnis für das, was komisch ist. Nach Schreiner merken sie, wie sie z.B. bei den Eltern ein lautes Lachen auslösen können, zumal sie jetzt auch der Sprache mächtig genug sind. Wenn also ein Elternteil lacht, versucht das Kind diese positive Reaktion durch Wiederholung seines humoral erfolgreichen Verhaltens erneut hervorzurufen. Das gemeinsame Lachen verstärkt die emotionale Bande zwischen den Beteiligten und löst ein Gefühl der Wohligkeit aus. Das Kind fühlt sich bestärkt und durch die elterliche Reaktion indirekt gelobt (vgl. Schreiner 2003, S. 126).

3.1.3 Humor im (dritten/) vierten bis sechsten Lebensjahr

Im Alter von vier Jahren nehmen die Interaktionen, in denen herzhaft gelacht wird, weiterhin zu, wobei der überwiegende Teil humorvoller Situationen eher zufällig als bewusst initiiert entsteht. Schreiner schreibt, Kinder dieser Altersstufe lachen vorwiegend in der Gruppe und in der Familie, vor allem in motorischen, körperbetonten Spielen wie Herumalbern, den Clown spielen, Toben, Grimassen schneiden, etc. Diese handlungsbezogene Form des Humors bleibt während des ganzen Vorschulalters vorherrschend. Die Kinder machen die Erfahrung, dass Lachen ansteckend ist, und halten es in dieser Zeit für sehr wichtig andere zum Lachen zu bringen (vgl. Schreiner 2003, S. 126).

Die Kinder finden nun auch Gefallen an unsinnigen Wortspielereien und Rätseln, malen lustige Bilder oder ahmen Laute verzerrt nach. Sie nutzen ab dem Alter von drei Jahren ihre Fähigkeit zum begrifflichen Denken und sind in der Lage, einem Objekt verschiedene Eigenschaften zuzuordnen. Durch diese Fähigkeit hat das Kind Freude daran, ein Bild mit einer tanzenden, Zähne putzenden Kuh zu betrachten oder Freunde mit falschem Namen anzu-sprechen. Schreiner behauptet, Kinder diesen Alters machen dabei die Erfahrung, dass Lachen ansteckend wirke (vgl. ebd. S. 126f).

Nach Meinung der Sexualforscher lachen Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, insbesondere die Jungen, bevorzugt über Wörter aus der Fäkal-sprache, die oft auch konkret sexuelle Anspielungen enthalten. Insbesondere bei intellektuell und sprachlich weit entwickelten Mädchen und Jungen tauchen zunehmend aggressive Humorformen auf, die sich vornehmlich gegen andere Kinder richten (vgl. Schreiner 2003; S. 127, Popp 1994, S. 90).

Humor in dieser Alterstufe ist eng mit der sprachlichen Entwicklung und der wachsenden Beherrschung der Körperfunktionen verbunden. Jede neu erlernte Fertigkeit gibt den Kindern nun Sicherheit und Selbstbewusstsein. Das Kind kann dann über andere Kinder lachen, die diese Fähigkeit noch nicht besitzen (z.B. Schuhe zubinden) (vgl. Schreiner 2003, S. 129). „Es scheint dabei die selbst überwundene und somit ihren Schrecken verlorene Angst vor dem eigenen Versagen und der damit verbundenen Scham auszulachen.“ (ebd. 2003, S. 129) Auch Lempp betont, dass das Auslachen bei jüngeren Kindern kein bewusstes Auslachen ist, da ihnen die Fähigkeit sich in andere hineinzufühlen noch fehlt. Sie lachen nur über komische Situationen, ohne mitzuempfinden, dass das andere Kind darunter leiden könnte (vgl. Lempp 1998, S. 7).

Laut Lempp tritt das Auslachen, ebenso wie die Schadenfreude erst bei älteren Kindern, d.h. zu Beginn des Schulalters auf und dient vor allem der Abgrenzung. Das Kind fühlt sich dem anderen Kind überlegen und dieses verliert an Macht und Ansehen und somit an Bedrohlichkeit. Im eigentlich kindlichen Lachen sieht Lempp aber ein Lachen, das nicht auf Kosten anderer geht. In diesem Lachen gibt es keine aggressive Komponente, vielmehr spiegelt es Wohlbefinden und Freude wider. Das lachende Kind ist in diesem Augenblick frei von Sorgen und Ängsten, seine Bedürfnisse sind befriedigt (vgl. ebd., S. 7).

Wicki kommt zu der Erkenntnis, dass Kinder, die besonders häufig und aktiv an sozialen Spielen teilnehmen und überdurchschnittlich oft in aggressive Auseinandersetzungen verwickelt sind, auch häufiger Humor initiieren als die übrigen Kinder. Bestimmte Temperamentseigenschaften, wie hohe Aktivität und Bereitschaft, sich unbekannten Situationen anzunähern, sowie vergleichsweise gut entwickelte kommunikative Kompetenzen scheinen seiner Meinung nach im Vorschulalter für humorvolle Kinder charakteristisch zu sein (vgl. Wicki 2000, S. 176).

Laut Schreiner ermöglicht kurz vor der Einschulungszeit eine neue humorale Spielart, die Ironie, den Kindern sich auf zwei Sprachebenen zu äußern: einer direkten (Gegenteil der Aussage) und einer indirekten (Teilaspekte der Aussage sind ironisiert). Der Zugang zur Ironie in diesem Alter hängt mit der etablierten Fähigkeit zusammen, sich in andere hineinzuversetzen und sich aus deren Perspektive selbst betrachten zu können.

„Hierdurch wird es dem sechsjährigen Kind nach dem lustvollen Spiel mit Wasser und Sand möglich, die etwas säuerlich vorgetragene Bemerkung seiner Mutter: ‘Schön, dass du dich überhaupt nicht dreckig gemacht hast!’ als das zu verstehen.“ (Schreiner 2003, S. 128)

Das sechsjährige Kind kann bereits einfache ironische Bemerkungen verstehen und teilweise selbst im sozialen Miteinander einsetzen (vgl. ebd., S. 128). Auch Kauke kommt in ihren Beobachtungen zum Humor unter Kindern im Schulalltag zu dem Ergebnis, dass einige Produktionen der Kinder den Kategorien Ironie und „Witzeln“ zuordenbar sind (vgl. Kauke 1996, S. 403).

Nach Schreiner verfügt es jedoch noch längst nicht über alle ironischen Kommunikationsmöglichkeiten und hat noch Mühe, subtile Formen richtig zu deuten. Der Gebrauch von Ironie beschränkt sich in diesem Alter auf den Einsatz abgemilderter Kritik, indem Kinder das Gegenteil von dem äußern, was sie meinen. Dass auch ironisch boshafte Bemerkungen über andere humorvoll sein können, lernen Kinder erst circa zwei Jahre später (vgl. Schreiner 2003, S. 128). Eine gänzlich andere Meinung vertritt März, der mehrfach betont, dass Kinder die Ausdrucksform der Ironie gar nicht verstehen können und vor dem Gebrauch von Ironie gegenüber Kindern warnt (vgl. März 1967, S.17f). Lempp schreibt, dass Ironie erfahrungsgemäß auch für ältere Kinder und Jugendliche noch gar nicht verstehbar ist (vgl. Lempp 1998, S. 6).

Ich bin der Meinung, dass Kinder Ironie im Sinne des Beispiels von Schreiner sicher verstehen können. Innerhalb meiner Beobachtungen in der Schule (siehe Kapitel 5.1.7) fand die Ironie in Form der Aussage des Gegenteils Verwendung und die Kinder haben sie verstanden. In unproblematischer Form und Situation finde ich Ironie im pädagogischen Verhältnis nicht kritisch. In heiklen Situationen oder in missverständlicher Form sollte Ironie meiner Meinung nach besser vermieden werden.

[...]


[1]in der katholischen Ethik: Gerechtigkeit, Klugheit, Maß und Tapferkeit

[2]Resch sieht im Coping eine Handlung, die im Sinn einer absichtsvoll gewählten und flexiblen Strategie der intersubjektiven Logik verpflichtet bleibe. „Coping-Prozesse helfen Menschen in Belastungs-situationen, in denen die Handlungsfähigkeit als Folge von Eingriffen in das Person-Umwelt-Passungs-gefüge bedroht ist. Sie zielen auf eine Restrukturierung dieses Gefüges unter Aufrechterhaltung der Intersubjektivität.“ (Resch 1999, S. 235).

Nach Rißland umfasst der Coping-Begriff alle Anstrengungen einer Person mit stressrelevanten Situa-tionen fertig zu werden (vgl. Rißland 2002, S. 69).

[3]Auf diese verletzenden Aspekte werde ich in Bezug aucf die Schule in Kapitel 4 näher eingehen.

[4]Inkongruenz (lat.) Nicht-Übereinstimmung. Die Inkongruenztheorie stellt den kognitiven Aspekt des Humors in der Vordergrund. Nach dieser Theorie führt Humor zwei normalerweise nicht zusammen-passende (inkongruente) Ideen, Konzepte oder Situationen auf eine überraschende Art und Weise zusammen. Im Zuhörer werden bekannte Schemata aktiviert und somit Erfahrungen hervorgerufen, wie die inkongruenten Dinge wohl zusammen passen. Die bereits gemachten Erfahrungen des Zuhörers spielen in diesem Kontext eine wichtige Rolle. Der inkongruentauflösende Input, die Pointe stößt mit den eigenen Erwartungen zusammen, so dass eine Art kognitiver Widerspruch entsteht, welcher eine Überraschung produziert (vgl. Rißland 2002, S. 47).

[5]Allerdings durchläuft das Symbolspiel mehrere aufeinanderfolgende Stadien. Humor und Symbolspiel ermöglichen eine lustvolle, vorläufige Befreiung von Realitäten und man ist sich der Inkongruenz und des Wiederspruchs zur Realität spielerisch bewusst. Im Alter von drei Jahren kann das Symbolspiel jedoch einen ernsthaften Charakter annehmen. Das Kind schafft in seinem Spiel („Ich bin Superman...“) eine kompensatorische Welt, in welcher es Ängste, Wünsche und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und verarbeiten kann (vgl. Schreiner 2003, S. 124). Bis dahin haben die gemeinsame Realität und die Vorstellungen des Kindes die gleiche Wertigkeit. Für die psychische Entwicklung des Kindes ist es aber wichtig mit zunehmender Begegnung der Realität der Erwachsenen von der Beziehungsebene der Nebenrealität zur Hauptrealität zu wechseln. Dieser Überstieg, der Wechsel von erlebter Realität zur Vorstellung in der Phantasie und wieder zurück, spielt bei Komik und Humor eine wichtige Rolle, er ist sozusagen das Grundprinzip. Es ist der überraschende Wechsel von der Hauptrealität in die Nebenrealität, der zur Komik führt. Zum Verstehen der Komik ist es also notwendig, dass das Kind in seiner psychosozialen Entwicklung so weit fortgeschritten ist, dass es in gewisser Weise den Überstieg zwischen den Realitätsebenen zu vollziehen vermag. Laut Lempp können Kinder das etwa vom Grundschulalter an. Deshalb sind viele Witze, über die Erwachsene lachen, für Kinder oft noch nicht als Witz verständlich (vgl. Lempp 1998, S. 6).

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Humor in der Grundschule
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
118
Katalognummer
V51323
ISBN (eBook)
9783638473262
Dateigröße
750 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Humor, Grundschule
Arbeit zitieren
Jessica Reese (Autor), 2005, Humor in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51323

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