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Früher Niederdeutsch - heute Hochdeutsch: Die Umkehrung des Spracherwerbes im Nordostdeutschen Raum

Title: Früher Niederdeutsch - heute Hochdeutsch: Die Umkehrung des Spracherwerbes im Nordostdeutschen Raum

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Matthias Widner (Author)

German Studies - Linguistics
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Schon im 18. Jahrhundert schrieb Lessing in seinem Werk „Über das Plattdeutsche“: „Die Niedersachsen haben sehr Unrecht, wenn sie für die Verdrängung ihrer Mundart der Reformation Schuld geben. Die Reformation war die Veranlassung, aber die Schuld ist lediglich ihr eigen.“ Bernd-Axel Widmann schlussfolgerte über 230 Jahre später, dass Lessing hier schon den „Kreisschluss eines solchen Problemkreises wie der Mehr- oder Zweisprachigkeit in einem Landstrich umrissen“ hat. Weniger die äußeren Umstände sind für das Verschwinden einer Sprache verantwortlich, als viel mehr die innere Einstellung der Sprecher und Schreiber zu ihrer Sprache.
Die Verwendung der Sprache entscheidet folglich über den primären Spracherwerb der nachwachsenden Generation. Während schon im 18. Jahrhundert der Wandel vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen anfing – Lessing gab hier die Meinung an, dass die Reformation ein Katalysator gewesen wäre – erfolgte die vollständige Umkehrung des primären Spracherwerbes im niederdeutschen Raum erst im 20. Jahrhundert. Vor allem auf dem Land sprach man bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein im privaten Kreis nur plattdeutsch, während man die hochdeutsche Sprache erst in der Schule korrekt erlernte und häufig nur für die externe Kommunikation außerhalb der eigenen Gemeinde verwendete.
Bevor diese Problematik der Umkehrung des niederdeutschen Spracherwerbes untersucht wird, kommt es vorab zu einer Begriffserklärung. Es soll versucht werden, die niederdeutsche Mundart genau zu definieren.
Das dritte Kapitel soll im vergleichenden Maßstab den Spracherwerb im Zeitraum zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Jahr 1960 und der heutigen Sprachpraxis untersuchen. Nach dem gemeinsamen Ausgangspunkt des Kriegsendes entwickelte sich die Bildungspolitik, wie auch der Umgang mit der Mundart in der DDR und der BRD different. Im Kapitel 3.2. soll, dem erklärend, Rechnung getragen werden. Wenn man jedoch den heutigen Sprachgebrauch, der in der Sekundärliteratur interessanter Weise schlechter belegt ist, untersucht, kommt es zu einer Akzentuierung auf die Themen der didaktischen Überlegungen und der allgemeinen Sprachplanung, da nicht nur die Schule für den heutigen Kontakt mit dem Niederdeutschen zuständig sein soll, sondern gleichfalls die sozialisierende Umwelt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung

3. Spracherwerb zwischen 1945 und 1960

3.1. Der niederdeutsche Status nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

3.2. Wechselwirkung zwischen der Bildungspolitik und dem Spracherwerb

4. Spracherwerb heute

4.1. Didaktische Überlegungen

4.2. Allgemeine Sprachplanung

5. Schlusswort

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Transformation des primären Spracherwerbs im nordostdeutschen Raum vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen. Sie analysiert, wie sich bildungspolitische Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Veränderungen in der DDR und BRD seit 1945 auf die Sprachpraxis auswirkten und diskutiert die Möglichkeiten zur Wiederbelebung des Niederdeutschen im heutigen Bildungskontext.

  • Historische Entwicklung des niederdeutschen Sprachraums
  • Einfluss der Bildungspolitik auf den Spracherwerb
  • Vergleich der Sprachsituation zwischen 1945 und 1960 sowie heute
  • Didaktische Konzepte zur Einbindung des Niederdeutschen
  • Soziolinguistische Voraussetzungen für eine allgemeine Sprachplanung

Auszug aus dem Buch

3.1. Der niederdeutsche Status nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges

Die Problematik des primären niederdeutschen Spracherwerbes nach 1945 erklärt sich besser durch einen kurzen Exkurs über den Umgang mit dem Niederdeutschen während des Nationalsozialismus.

Die Verbindung des Volksbegriffes mit dem Begriff der Mundart, d.h. die Volksmundart, definiert sich vage, wenn man sich die Kommentare aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 anschaut. Stroh schrieb 1933, dass der Erhalt der Volkmundart als „Voraussetzung für die Erhaltung eines bodenständigen und lebenskräftigen bäuerlichen Volkstum“ von essentieller Bedeutung sei. So stellten die nationalsozialistischen Sprachwissenschaftler entgegengesetzt den Zusammenhang zwischen einer liberalen Weltansicht und der hochdeutschen Schulbildung her, da nur die massive Förderung der Dialekte, die „Verbindung zur Kulturschicht des heimatlichen Volkstums“ sicherstellen könne. Eine weitere Motivation für die Verwendung des Plattdeutschen im nationalsozialistischen Gedankengut war der „Brücke[nschlag] zu unseren Stammesbrüdern und Nachbarn im germanischen Lebensraum“. Trotz dieser verordneten Aufwertung des Niederdeutschen blieb es bei einer funktionalen Diglossie, wie sie in den 20er Jahren, in denen das Niederdeutsche hauptsächlich für die häusliche Kommunikation verwendet wurde und das Hochdeutsche in der Bildung, sowie bei Amtsgängen Anwendung fand, vorhanden war.

Die Nachkriegssituation mit den starken Bevölkerungswanderungen veränderte die Sprachwirklichkeit Norddeutschlands nur teilweise. Die damals als Problem empfunden primäre Sprachsozialisation in Niederdeutsch bekam durch die Flüchtlinge zwar eine größere Varianz, blieb im Verhältnis zu hochdeutsch sprechenden Schulanfängern jedoch konstant.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Problematik der Verdrängung des Niederdeutschen ein und formuliert das Ziel der Untersuchung, den Wandel des primären Spracherwerbs zu analysieren.

2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel liefert eine wissenschaftliche Definition des Niederdeutschen und grenzt es methodisch als Diasystem von einer eigenständigen Sprache ab.

3. Spracherwerb zwischen 1945 und 1960: Das Kapitel vergleicht die Situation des Spracherwerbs nach 1945 unter Berücksichtigung unterschiedlicher bildungspolitischer Ansätze in DDR und BRD.

3.1. Der niederdeutsche Status nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges: Dieser Abschnitt beleuchtet den Status des Niederdeutschen nach 1945 unter Berücksichtigung der vorangegangenen nationalsozialistischen Sprachideologie und der Nachkriegssituation.

3.2. Wechselwirkung zwischen der Bildungspolitik und dem Spracherwerb: Hier wird analysiert, wie schulische Vorgaben und die Wahl der Unterrichtssprache die Sprachsozialisation der Schüler beeinflussten.

4. Spracherwerb heute: Dieser Teil betrachtet die aktuelle Situation und die verringerte Bedeutung des Niederdeutschen in der primären Sprachsozialisation.

4.1. Didaktische Überlegungen: Das Kapitel diskutiert Möglichkeiten der schulischen Einbindung des Niederdeutschen durch Literatur, Theater und interdisziplinäre Ansätze.

4.2. Allgemeine Sprachplanung: Hier werden soziolinguistische Voraussetzungen und Schwierigkeiten einer geplanten Wiederbelebung des Niederdeutschen erörtert.

5. Schlusswort: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer zukünftigen Erhaltung des Dialekts als realistisch begrenzt.

Schlüsselwörter

Niederdeutsch, Spracherwerb, Sprachplanung, Norddeutschland, Diglossie, Sprachsozialisation, Bildungspolitik, Dialekt, Mittelniederdeutsch, Sprachgeschichte, Sprachpraxis, Kulturgut, Sprachunterricht, Mundart, Sprachverlust.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische Umkehrung des primären Spracherwerbs im nordostdeutschen Raum, bei der das Niederdeutsche zunehmend vom Hochdeutschen als Umgangssprache verdrängt wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Sprachpraxis nach 1945, der Einfluss bildungspolitischer Maßnahmen auf den Dialektgebrauch und die heutige Relevanz des Niederdeutschen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, wie die Verdrängung des Niederdeutschen historisch verlief und ob eine Reaktivierung des Dialekts durch gezielte schulische und gesellschaftliche Planung heute noch möglich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine historische und soziolinguistische Analyse von Fachliteratur, Lehrplänen und Zeitzeugenberichten sowie die Auswertung statistischer Daten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der Nachkriegszeit (1945-1960) und eine Untersuchung der heutigen Situation inklusive didaktischer Ansätze zur Einbindung des Niederdeutschen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Charakteristische Schlüsselwörter sind Niederdeutsch, Spracherwerb, Sprachsozialisation, Bildungspolitik, Dialekt, Diglossie und Sprachgeschichte.

Welche Rolle spielt die Bildungspolitik der DDR im Vergleich zur BRD?

Während in der DDR eine zentralistische Sprachpolitik die Dialekte eher unterdrückte oder als unbedeutend einstufte, gab es in der BRD regional unterschiedliche Ansätze, das Niederdeutsche als Kulturgut in Lehrpläne zu integrieren.

Gilt Niederdeutsch heute noch als Zweitsprache?

Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass Niederdeutsch heute nicht mehr als Zweitsprache bezeichnet werden kann, da die Transformation zu einer lebendigen Umgangssprache ausgeblieben ist.

Warum ist die Wiederbelebung des Niederdeutschen schwierig?

Die Wiederbelebung ist aufgrund der sinkenden Zahl aktiver Sprecher und der Dominanz des Hochdeutschen im Berufs- und Bildungsalltag laut Autor nur noch als „Kulturdialekt“ mit regional begrenzten Erfolgschancen möglich.

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Details

Title
Früher Niederdeutsch - heute Hochdeutsch: Die Umkehrung des Spracherwerbes im Nordostdeutschen Raum
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Grade
2,7
Author
Matthias Widner (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V51360
ISBN (eBook)
9783638473583
ISBN (Book)
9783638819954
Language
German
Tags
Früher Niederdeutsch Hochdeutsch Umkehrung Spracherwerbes Nordostdeutschen Raum
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Widner (Author), 2006, Früher Niederdeutsch - heute Hochdeutsch: Die Umkehrung des Spracherwerbes im Nordostdeutschen Raum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51360
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