Whistleblowing – "Petze" oder sinnvolles Instrument?

Sinnhaftigkeit, Vor- und Nachteile und gesellschaftlicher Umgang mit Whistleblowing


Hausarbeit, 2019

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsfrage
1.2 Legitimation und Relevanz der Arbeit
1.3 Vorgehensweise

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen
2.2 Was ist Whistleblowing
2.3 Prozess des Whistleblowing

3 Erörterung der Vor- und Nachteile
3.1 Vorteile
3.2 Nachteile
3.3 Grenzen
3.4 Fazit

4 Praxisbeispiel: Eduard Snowden
4.1 Key Facts
4.2 Analyse und Einordnung der Geschehnisse

5 Fazit
5.1 Positive Aspekte
5.2 Negative Aspekte
5.3 Apell

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vorgehensweise in der Seminararbeit

Abbildung 2: Mögliche Reaktionen auf Missstände

Abbildung 3: Ausprägungen eines Wertesystems innerhalb einer Gesellschaft

Abbildung 4: Prozess des Whistleblowing

Abbildung 5: Prozess des Whistleblowing nach Ludwig

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Whistleblowing sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Beispiele wie Edward Snowden, Wikileaks mit Julian Assange oder Daniel Ellsberg zeigen deutlich wie kontrovers und vielschichtig und polarisierend das Thema Whistleblowing sein kann.

Einerseits werden Whistleblower für den Friedensnobelpreis nominiert, auf der anderen Seite tragen Whistleblower oftmals die Konsequenzen in der Hinsicht, dass sie aufgrund von Haftbefehlen oder anderweitiger Verfolgung nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren können und im Asyl leben müssen. Ebenfalls lassen betrügerische Absichten immer wieder Zweifel am Whistleblowing aufkommen.

Wie groß der Beitrag ist, den Whistleblower für unsere Gesellschaft bringen ist weiterhin umstritten. Ebenfalls ist der Umgang mit Whistleblowern bislang nicht klar beschrieben. Trends in Richtung der Schaffung von Whistleblowing-Systemen innerhalb von Unternehmen, sowie in der Politik sind klar zu erkennen.1

1.1 Forschungsfrage

Die Forschungsfrage dieser Seminararbeit beschäftigt sich mit der Sinnhaftigkeit, der Vorteile und Nachteile sowie dem gesellschaftlichen Umgang mit Whistleblowing.

Durch die Phrase „Petze oder sinnvolles Instrument“ werden zwei Kontraste einander gegenüber gestellt. Ist Whistleblowing eher das Petzen (Duden: Mitteilen, dass ein anderer etwas Unerlaubtes, Unrechtmäßiges tut)2, welches negativ belastet ist, oder ein sinnvolles Instrument, welches einen positiven Beitrag und Mehrwert in die Gesellschaft einbringt? Ferner stellt sich die Frage, wie mit Whistleblowing umgegangen wird und welche Art von Whistleblowing erlaubt oder gar gefördert werden kann. Auch die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Whistleblowern spielt hierbei eine wichtige Rolle.

Die Forschungsfrage erlaubt ein Abwägen in Für und Wider und lässt durch die systematische Bearbeitung des Themas auch eine Bewertung eines Praxisbeispiels zu.

1.2 Legitimation und Relevanz der Arbeit

Edward Snowden, Wikileaks mit Julian Assange oder Daniel Ellsberg. Sie alle sind Auslöser öffentlicher Debatten. Die Debatten haben eine derart große Reichweite, dass auch Staaten Machtspiele gegeneinander darüber austragen.

Einerseits wurde sich der Diskussion der veröffentlichten Inhalte auf sachlicher Ebene angenommen. Auch die Überprüfung des Wahrheitsgehalts der Informationen ist als ein Kernthema hiervon zu verstehen. Im Mittelpunkt steht hierbei meist, ein unethisches und unrechtmäßiges Verhalten zu erkennen und gegen dieses vorzugehen.

Andererseits stellt sich die Frage, wie mit den Personen, die als Whistleblower agieren, umgegangen wird. Situationsbezogen gilt abzuwägen, wie politische Flüchtlinge unterstützt werden können und welche Positionierung die scheinbar richtige ist. Ebenfalls spielen diplomatische aber auch ethische Überlegungen eine wichtige Rolle. Über die Sachebene hinaus ist die Beziehungsebene, das heißt in welcher Art und Weise kommuniziert wird, als zentrales Thema zu verstehen.3

1.3 Vorgehensweise

Diese Seminararbeit soll das Thema des Whistleblowing in ausgewählten Dimensionen auf theoretischer Ebene beleuchten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Vorgehensweise in der Seminararbeit4

Hierzu werden im zweiten Kapital zuerst die grundlegenden Definitionen geklärt. Ferner werden einführend Grundlagen zum Begriff „Whistleblowing“ beschrieben. Als besonderen Aspekt werden die Hintergründe des Whistleblowing, die gesellschaftliche Reaktion darauf und die Gefahren für Whistleblower beschrieben. Ebenfalls soll auf sachlicher Ebene systematisch die Grundproblematik des Whistleblowing erklärt werden.

Im dritten Kapitel werden die wichtigsten Vor- und Nachteile des Phänomens Whistleblowing beschrieben. Hierzu werden verschiedene Ausdehnungsbereiche über privatwirtschaftlich agierende Unternehmen, staatliche Institutionen sowie Politik betrachtet. Das vierte Kapitel erlaubt es die herausgearbeiteten Gedanken auf ein ausgewähltes Praxisbeispiel zu übertragen. Der konkrete Fall Eduard Snowden soll noch einmal das Konfliktpotential verdeutlichen und die verschiedenen möglichen Standpunkte aufzeigen.

Das fünfte und letzte Kapitel fasst die bisher gesammelten Informationen in Form eines Fazits und eines Ausblicks zusammen.

2 Theoretischer Hintergrund

Das zweite Kapitel beschreibt verschiedene Dimensionen des Whistleblowing um dem Leser die Komplexität und Vielschichtigkeit aufzuzeigen und die Hintergründe zu erläutern. Es werden die wichtigsten Aspekte anhand vorhandener Literatur erörtert und eigene Verbindungen hergestellt.

Diese Zusammenfassung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr sollen die wichtigsten Kernthemen und Ausdehnungsbereiche von Whistleblowing beschrieben werden.

2.1 Definitionen

Der Begriff „Whistleblowing“ wurde aus dem Englischen übernommen und leitet sich vom Begriff „Whistle“ ab, welcher Trillerpfeife bedeutet. Als „Whistleblower“ werden Personen bezeichnet, die mit einer Trillerpfeife auf sich aufmerksam machen bzw. jemanden oder etwas „verpfeifen“.5

Der Whistleblower möchte auf einen Missstand aufmerksam machen oder Kritik an einzelnen Personen oder Systemen üben. Ursachen für die Kritik sind meist unethisches Verhalten, Verstöße gegen Menschenrechte oder geltendes Recht. Es wird davon ausgegangen, dass der Whistleblower ein Insider (Englisch: Eingeweihter oder auch Mitglied) ist und daher Zugang zu Informationen hat, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.6

Diese Art von Verhalten wir in der folgenden Arbeit als „Whistleblowing“, die Person die auf diese Art und Weise handelt als „Whistleblower“ bezeichnet.

2.2 Was ist Whistleblowing

Mit Whistleblowing wird meist die öffentliche „Kritik an gesetzeswidrigen oder unethischen Verhaltensweisen in Organisationen“ beschrieben.7 Grundsätzlich wird unterstellt, dass der Whistleblower in öffentlichem Interesse handelt und eine geschützte Information nach außen trägt. Hierbei wird in internes und externes, sowie öffentliches Whistleblowing unterschieden. Dies bedeutet, dass die Information entweder einem Adressaten innerhalb einer Organisation oder außerhalb einer Organisation zugetragen wird.8 Beim öffentlichen Whistleblowing gibt es jedoch keinerlei Schutzbarrieren mehr, sodass die Information z.B. über das Internet jedem zugänglich ist.

2.2.1 Voraussetzungen für Whistleblowing

Eine einheitlich in der Literatur verankerte Definition für Whistleblowing gibt es bislang nicht.9 Briegel (2009) fasst eine anerkannte Definition von Whistleblowing anhand drei grundlegender Merkmale, die einen Whistleblower auszeichnen, wie folgt zusammen.

1. Das kritisierte Verhalten ist „illegal, unmoralisch oder illegitim“.10
2. Der Whistleblower, der ein Fehlverhalten kommuniziert, muss Mitglied der entsprechenden kritisierten Organisation sein.11
3. Der Adressat der Information (Stelle oder Institution) ist in der Lage, die bemängelte Verhaltensweise zu beeinflussen.12

Ebenfalls kann bei Whistleblowing von einer bewussten Handlung ausgegangen werden. Diese kann nicht nur Kritik, sondern auch eine Gefahr für die entsprechende Institution (oder Unternehmen) sein.13 Whistleblower können ferner auch (teilweise) an der berichteten Straftat beteiligt sein.14

2.2.2 Ursachen und Reaktionsmöglichkeiten

Grundsätzlich geht Whistleblowing von entartetem, unethischen oder illegalem Handeln aus, welches ein Insider innerhalb einer Organisation erfährt bzw. erkennt.15 Durch Reflektion erkennt die Person, dass die Missstände nicht mit dem eigenen Wertesystem und, oder nicht mit dem Rechtssystem vereinbar sind.

Auf diese Erkenntnis kann die Person auf verschiedene Weisen reagieren. Systematisch sind die Verhaltensweisen in Abbildung 2 dargestellt. Die zwei verschiedenen Variablen sind zum einen die Stärke des ausgeübten Appels („Voice“) und zum anderen die Reaktion auf der Sachebene („Stay or Leave“).

Die verschiedenen Optionen lassen sich wie folgt beschreiben.

1. Reaktion bei gleichzeitigem Verbleib in der Organisation

a. Passive Akzeptanz bzw. teilweise Enthaltung in Bezug auf die Missstände oder Unterdrückung der Wahrnehmung der Missstände.16
b. Bestrebungen eines internen Wechsels um den Missständen zu entgehen.

2. Reaktion bei gleichzeitigem Verlassen der Organisation

a. Stilles Verlassen der Organisation ohne auf die Missstände aufmerksam zu machen.
b. Lautstarkes Verlassen der Organisation mit Hinweisen bzw. Kritik um für eine Aufdeckung oder Behebung des Missstands zu sorgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mögliche Reaktionen auf Missstände17

2.2.3 Gesellschaftliche Reaktion auf Whistleblowing

Das in Kapitel 2.2.2 erklärte Verhalten lässt sich auf das Modell von Triandis und Gelfand übertragen. Nach ihrem System lässt sich im menschlichen Verhalten eine Typologie nach vier Ausprägungen (siehe Abbildung 3) feststellen.18

Der horizontale Kollektivismus beschreibt eine Verhaltensweise, in welcher alle Individuen ebenbürtig und unabhängig sind. Ebenfalls werden gemeinsame Ziele geteilt. Im horizontalen Individualismus hingegen besteht weiterhin eine Gleichheit der Personen untereinander, dennoch neigen diese dazu, eigenverantwortlich zu agieren und die Personen verfolgen keine gemeinsamen Ziele mehr.19

Hingegen neigen Individuen im vertikalen Kollektivismus dazu, individuelle Ziele für das Streben nach Loyalität und Respekt gegenüber einem hierarchischen System zu opfern. Im vertikaler Individualismus: agieren die einzelnen Personen selbstständig und neigen dazu, durch Wettbewerbe mit anderen Individuen in der Hierarchie nach oben zu gelangen.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ausprägungen eines Wertesystems innerhalb einer Gesellschaft21

Durch die weitere Ausarbeitung dieses Rahmens kann festgestellt werden, dass kollektivistische Kulturen im Allgemeinen das Whistleblowing verhindern. Kollektivisten vermeiden es, einen Mitarbeiter direkt zu kritisieren, da dies die Einheit des Kollektivs stört.22 Andererseits könnte in individualistischen Gesellschaften der Akt des Whistleblowing positiver gesehen werden. Die steht ebenfalls Einklang mit der Vorstellung, dass Whistleblowing ein Mittel sein kann, um in der gesellschaftlichen Hierarchie nach oben zu gelangen.23

[...]


1 Vgl. (Briegel, 2009), S. 76-77

2 Vgl. (Bibliographisches Institut GmbH, 2019)

3 Vgl. (Willemse & Von Ameln, 2018), S. 71-72

4 Eigene Darstellung

5 Vgl. (Geißler, 2006), S. 13

6 Vgl. (Whistleblower-Netzwerk e.V., 2011) S. 6 und Vgl. (Briegel, 2009), S. 14

7 (Whistleblower-Netzwerk e.V., 2011), S. 4 und Vgl. (Nader, Petkas, & Blackwell, 1972), S. 302

8 Vgl. (Whistleblower-Netzwerk e.V., 2011), S. 6

9 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 2

10 (Briegel, 2009), S. 15

11 Vgl. (Briegel, 2009), S. 16

12 Vgl. (Briegel, 2009), S. 16

13 Vgl. (Ulbricht, 2016), S. 209

14 Vgl. (OECD, 2017), S. 4

15 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 2

16 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 2

17 (Keeley & Graham, 1991), S. 350

18 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 3 und (Triandis & Gelfand, 1998), S. 119

19 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 3

20 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 3

21 Eigene Darstellung nach (Triandis & Gelfand, 1998)

22 Vgl. (Brody, Coulter, & Mihalek, 1998), S. 14f

23 Vgl. (International Anti-Corruption Academy, 2018), S. 3

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Whistleblowing – "Petze" oder sinnvolles Instrument?
Untertitel
Sinnhaftigkeit, Vor- und Nachteile und gesellschaftlicher Umgang mit Whistleblowing
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Veranstaltung
Führung und Ethik
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
27
Katalognummer
V513940
ISBN (eBook)
9783346107657
ISBN (Buch)
9783346107664
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Whistleblowing, Snowden, Assange, Wikileaks, Whistleblower, Ellsberg, Petze, Enthüllung, Enthüller, Insiderhandel, Insider, Affäre, Watergate
Arbeit zitieren
Tobias Grüner (Autor), 2019, Whistleblowing – "Petze" oder sinnvolles Instrument?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/513940

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