Welche Wirkung haben Farben auf die menschliche Psyche?

Farbpsychologie im Alltag


Facharbeit (Schule), 2018

46 Seiten, Note: 1

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Farben verstehen
2.1 Grundlagen der Farbe in der Physik
2.1.1 Wellenlänge, Frequenz und Amplitude
2.1.2 Streuung des Lichts
2.1.3 Licht trifft auf Objekte
2.2 Farbenlehre
2.2.1 Lichtfarben und Pigmentfarben
2.2.2 Synthese durch Addition oder Subtraktion
2.2.3 Komplementärfarben
2.2.4 Farbrichtung
2.2.5 Helligkeit
2.2.6 Reinheit und Intensität
2.2.7 Goethes Farbenlehre
2.3 Die psychologische Wahrnehmung der Farben
2.3.1 Gegensätze
2.3.2 Die Rolle von Harmonie und Disharmonie
2.3.3 Ästhetik
2.3.4 Wirkung auf die Emotionen
2.3.5 Synästhesie

3 Die Farben und ihre Wirkung
3.1 Weiß
3.1.1 Eine vollkommene und absolute Farbe
3.1.2 Die Farbe der Unschuld und der Weiblichkeit
3.1.3 Die Farbe der Reinheit und der Wahrheit
3.1.4 Die Farbe der Leere und der Kälte
3.2 Gelb
3.2.1 Optimismus und Erleuchtung
3.2.2 Geiz, Neid und aller Egoismus
3.2.3 Sauer und giftig
3.2.4 Die Farbe des Alten und Kranken
3.3 Orange
3.3.1 Das Billige und das Aufdringliche
3.3.2 Lebensfreude ist Orange
3.3.3 Eine Farbe der Sicherheit
3.4 Rot
3.4.1 Eine männliche oder weibliche Farbe?
3.4.2 Rot gibt Energie und Kraft
3.4.3 Rot und die Gefühle
3.4.4 Verbot und Korrektur
3.5 Rosa
3.5.1 Zartes Rosa
3.5.2 Kitsch und Träumerei
3.6 Violett, Lila und Purpur
3.6.1 Eine besondere Mischfarbe
3.6.2 Eine liturgische Farbe
3.6.3 Die Farbe der Frauen
3.7 Blau
3.7.1 Eine männliche oder weibliche Farbe
3.7.2 Ideale Eigenschaften
3.7.3 Blaue Blumen, Mäntel und blau sein
3.7.4 Eine Farbe des Gemüts
3.8 Grün
3.8.1 Die Farbe der Natur und des Lebens
3.8.2 Eine Farbe der Hoffnung und Zuversicht
3.8.3 Giftgrün
3.8.4 Sicherheit
3.9 Braun
3.9.1 Das schlechte Braun
3.9.2 Bieder und langweilig
3.9.3 Vergängliches und Natur
3.9.4 Kreativitätsdämpfer
3.9.5 Geborgenheit und Gemütlichkeit
3.10 Grau
3.10.1 Kälte, Trauer und Leere
3.10.2 Ein schlechtes Grau
3.10.3 Das Alte und die Vergangenheit
3.10.4 Der Geschmack von Grau
3.11 Schwarz
3.11.1 Konservatives Schwarz
3.11.2 Das Böse, die Gefahr und das Unerlaubte
3.11.3 Glück und Unglück
3.11.4 Tod und Trauer
3.11.5 Das individuelle Schwarz

4 Farbeinflüsse
4.1 Wohnen
4.2 Mode
4.2.1 Weiße Kleidung
4.2.2 Gelbe Kleidung
4.2.3 Rote Kleidung
4.2.4 Rosa Kleidung
4.2.5 Blaue Kleidung
4.2.6 Grüne Kleidung
4.2.7 Braune Kleidung
4.2.8 Schwarze Kleidung
4.3 Werbung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Wirkung von Farben auf die menschli­che Psyche. Zunächst werden die Grundkenntnisse über Farben in der Physik erläutert. Anschließend wird die Farbenlehre dargelegt. In diesem Teil der Arbeit geht es sowohl um den aktuellen Stand der Forschung, als auch um die historisch wichtigen Sichtweisen. Weiter wird erklärt, wie die psychologische Wahrnehmung der Farben im Allgemeinen funktioniert und wie die Farben Reaktionen und Asso­ziationen auslösen kann. Im Hauptteil wird die symbolische und psychologische Wirkung aller Farben nacheinander dargestellt, um im nächsten Kapitel das er­worbene Wissen anwenden zu können. Dabei geht hervor, wie sehr Farben Ein­fluss auf unsere Sprache und unser Empfinden haben und welche Rolle sie in der Geschichte gespielt haben. Im letzten Kapitel geht es darum, wie und vor allem warum Farben im Alltag eingesetzt werden. Es geht dabei um die Themen Woh­nen, Mode und Werbung. Außerdem hat sich diese Arbeit das Ziel gesetzt zu zei­gen, dass Farben nicht nur Farben sind und die Anwendung dieser ausbaufähig ist.

1 Einleitung

Farben sind allgegenwärtig und haben alle eine Wirkung auf Menschen, sei es eine psychologische, symbolische, kulturelle, politische, traditionelle oder kreative. Diese Arbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der psychologischen und symboli­schen Wirkung der Farben. Jedoch spielen alle eben genannten Bereiche eine Rolle beim Farbempfinden, weshalb es schwierig ist, zwischen ihnen zu differen­zieren.

Um Farben vollends zu verstehen, ist das physikalische und psychologische Wis­sen über Farben essentiell. Sich im Klaren zu sein, wie Farben entstehen, mitei­nander harmonieren und unsere Wahrnehmung der Umgebung beeinflussen, ist von großer Bedeutung, um sie richtig einsetzen zu können. Vor allem im Bereich der Innenarchitektur, der Modeindustrie und in der Werbebranche sind diese Kenntnisse von immenser Wichtigkeit.

Um die Einflüsse der Farben zu kennen und anwenden zu können, wird jede Ein­zelne analysiert und genau betrachtet. Da die verschiedenen Auswirkungen nicht immer trennbar sind, werden vor allem die symbolische und psychologische Wir­kung der jeweiligen Farbe behandelt und, wenn bestimmte Details für eine Farbe besonders wichtig sind, werden auch andere Zusammenhänge behandelt.

Um den Lesefluss dieser Arbeit nicht zu stören, wird auf Gendern verzichtet.

2 Farben verstehen

2.1 Grundlagen der Farbe in der Physik

Die folgenden Kapitel dienen zum besseren Verständnis der Farben. Um sie be­greifen zu können, sind physikalische Grundkenntnisse nötig. Es geht hierbei da­rum, wie Farben durch das Licht entstehen.

„Es mag Sie enttäuschen, aber Farben existieren gar nicht. Oder, genauer, „sie existieren nur, weil man sie betrachtet. Sie sind eine Erfindung des Men­schen", schrieb der Historiker Michel Pastoureau."1

2.1.1 Wellenlänge, Frequenz und Amplitude

Zu dem Bereich der elektromagnetischen Strahlung gehört in der Physik das Licht. Elektromagnetische Wellen haben Kenngrößen, nämlich Wellenlänge, Fre­quenz und Amplitude bzw. Schwingungsweite.2

Wie dabei eine Farbe entsteht, hat Stefanie Bartel auf den Punkt gebracht:

„Frequenz und Wellenlänge bedingen sich gegenseitig,d.h. bei größerer Wel­lenlänge ergibt sich zwangsläufig eine niedrigere Frequenz und umgekehrt. Die Lichtstrahlung (=Energie) ist abhängig von der Frequenz (und somit auch von der Wellenlänge) sowie von der Schwingungsweite. Die Farbton­empfindungen werden durch die Wellenlänge bestimmt, die Helligkeit hinge­gen von der Schwingungsweite"3

Unterschieden wird zwischen dem sichtbaren und dem unsichtbaren Licht. Das sichtbare Licht liegt im Bereich von ca. 400 und 700 nm. Als unsichtbar, also nicht sichtbar für den Menschen, gilt ultraviolettes Licht bzw. UV-Licht, das extrem kurzwellig ist und somit mehr Energie als das sichtbare Licht besitzt. Das gleiche gilt für Infrarotlicht, es ist aber langwelliger als sichtbares Licht und hat somit we­niger Energie.4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wellenlänge in nm

Der Sinneseindruck, der entsteht, wenn das Licht in Form von Wellenlängen auf die Netzhaut des Auges fällt, wird als Farbe bezeichnet. Licht veranlasst spezielle Sinneszellen im Auge zu einer Nervenerregung, die zum Gehirn geleitet wird und dort auf bisher weitgehend unerklärte Weise als Farbe ins Bewusstsein des Men­schen tritt. Trifft also sichtbares Licht auf unser Auge, wird das Licht durch die Lin­se unter anderem auf die Sehzapfen der Netzhaut geleitet. Dort trifft es auf die Rezeptoren für die Farbwahrnehmung. Über den Sehnerv geben diese die Infor­mationen an das Gehirn weiter. Die sogenannte Farbschwingung wird entspre­chend eingelesen und die Vorstellung der bestimmten Farbe im Betrachter er- zeugt.1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Farbwahrnehmung

2.1.2 Streuung des Lichts

Licht ist bekanntlich weiß, da es die Summe aller Wellenlängen enthält. Um das beweisen zu können, schickt man beispielsweise Sonnenlicht durch ein Glaspris­ma und erhält durch die verschiedenen Wellenlängen des Lichts ein sich unter­schiedlich ausbreitendes Spektrum von Farben. Diese Streuung wird als Dispersi­on bezeichnet.2

2.1.3 Licht trifft auf Objekte

Die Erscheinungsweise der Farben wird durch physikalische Gesetze beeinflusst. Diese sind somit sehr wichtig für unsere Farbwahrnehmung.

Das beste Beispiel dafür ist laut Stefanie Bartel Gold. Denn diese Farbe bzw. das Metall wäre nur Gelb, wenn es keine verschiedenen Zurückwerfungen des Lichts gäbe.3

Wenn der Lichtstrahl, der auf ein Objekt trifft, komplett oder teilweise aufgenom­men wird, wandelt sich das Licht in Wärmeenergie um. Diesen Vorgang nennt man Absorption. Dabei erscheint das Objekt schwarz, wenn das Licht vollständig absorbiert wird, und weiß, wenn das Licht gänzlich reflektiert wird.1

Man spricht von Reflexion wenn ein Lichtstrahl an der Oberfläche eines Elements, z.B. bei Metall zurückgeworfen wird. Es gibt die gerichtete Reflexion, zu der es bei polierten Oberflächen kommt und die diffuse Reflexion, bei rauen Ober- flächen.2

Bartel beschreibt Refraktion so:

„Fällt ein Lichtstrahl aus einem optisch dünneren in einen optisch dickeren Stoff (z.B. von Luft in Wasser) dann wird er an der Grenze der beiden Medi­en zum Einfallslot hin gebrochen. Fällt er hingegen aus einem optisch dicke­ren in einen optisch dünneren Stoff (z.B. von Wasser in Luft), dann wird er an der Grenze vom Einfallslot weg gebrochen."3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Reflexion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Refraktion

Wenn ein Lichtstrahl durch einen unsichtbaren Körper dringt wird dieser Vorgang als Transmission, oder Strahlendurchgang bezeichnet. Sobald aber ein bestimm­ter Wellenbereich absorbiert wird, also nicht mehr alle Spektralfarben vorhanden sind, erscheint dem Betrachter eine durchsichtige Farbigkeit wie z.B. blaues Glas.4

Wenn Licht in einen Stoff eindringt und durch das Molekulargefüge diffus zurück­geworfen wird, werden vor allem die größeren Wellenlängen des Lichts absorbiert. Diesen Vorgang nennt man Remission. Die Menge, die dabei remittiert wird, be­zeichnet man als Remissionsgrad.5

2.2 Farbenlehre

2.2.1 Lichtfarben und Pigmentfarben

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Betrachtung von Farben zwischen den Lichtfarben und den Pigmentfarben. Diese unterschiedlichen Farbsynthesen gehen von unterschiedlichen Grund- bzw. Urfarben, auch Primärfarben genannt aus. Für die sogenannte additive Farbmischung, sind die Lichtfarben Rot, Grün und Blau die Primärfarben. Hingegen sind die Primärfarben bei der subtraktiven Farbmischung die Pigmentfarben Cyanblau, Magenta und Gelb. Die Primärfarben der additiven Farbmischung entsprechen der Sekundärfarben der subtraktiven Farbmischung und umgekehrt. Aus der paarweisen Mischung jeweils einer Pri­mär- und einer Sekundärfarbe entstehen die Tertiär- bzw. Drittfarben.1 Lichtfarben entstehen, im Gegensatz zu den Pigmentfarben durch selbstleuchten­de Körper wie die Sonne, Bildschirme von Fernsehern und Computern, fluoreszie­rende Ziffernblätter oder eine gefärbte Glühbirne. Sowohl in Kristallen als auch im Regenbogen sind sie als prismatische Brechung bekannt.2

2.2.2 Synthese durch Addition oder Subtraktion

Bei den Lichtfarben malt man mit Licht durch Addition von Farben, das heißt auch, dass die Summe all dieser Farben Weiß ergibt. Jedoch werden für das tatsächli­che Malen Pigmentfarben benötigt. Wenn man deren dunkleren Sekundärfarben mischt (Rot, Blau und Grün), ergibt die Mischung aller drei Farben Schwarz.3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Additive Farbmischung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Subtraktive Farbmischung

2.2.3 Komplementärfarben

Sie heißen auch Gegenfarben, weil sie im farbtechnischen Sinn die größten Ge­gensätze haben. Im Farbkreis liegen sich dann immer Primär- und Sekundärfar­ben gegenüber. Für die Pigmentfarben sind Blau-Orange, Rot-Grün und Gelb­Violett diese Komplementärfarbenpaare.

Wenn die einzelnen Komplementärfarbenpaare bei den Lichtfarben gemischt wer­den, ergibt das ein Weiß und bei den Pigmentfarben ein Schwarz.1

2.2.4 Farbrichtung

Die Farbrichtung oder auch Farbton genannt, ist das auffälligste Merkmal einer Farbe. Denn so kann man die Farben besser gruppieren, z.B. einen Blauton zu der Familie der blauen Farben hinzugeben.

Es gibt auch reine Farben, damit sind die Primärfarben gemeint.2

2.2.5 Helligkeit

Bei unbunten Farben (Schwarz, Grau, Weiß) ist es ganz leicht die Helligkeit als Unterscheidungsmerkmal zu erkennen, denn sie gehören alle zu demselben Farb­ton. Bunte Farben haben natürlich auch Helligkeitsunterschiede, je nachdem wie viel Weiß oder Schwarz dazu gemischt wurde. Es kann dadurch auch zu einem Farbtonumschlag kommen. So kann durch eine Farbmischung mit Schwarz aus einem Gelb ein Olivton werden.3

2.2.6 Reinheit und Intensität

Durch einen Anteil an Grau entsteht eine Trübung bei rein bunten Farben. Auch nur rein bunte Farben sind gesättigt. Doch durch Aufhellung, Abdunklung oder Trübung kann die Intensität abnehmen.4

2.2.7 Goethes Farbenlehre

Nach Johann Wolfgang von Goethe entstehen Farben durch das Zusammenspiel von Licht und Finsternis. Der Blick des Betrachters gegen Finsternis (der schwar­ze Weltraum) und Licht (Sonne) wird durch die Trübe der Atmosphäre gebrochen. Die Farbe der linken Seite des Farbkreises entstehen bei der Blickrichtung auf das Licht: Gelb (wenig Trübe vor Licht), Orange (Trübe vor Licht), Rot (viel Trübe vor Licht) und Weiß (Trübe an sich; völlige Trübe). Die Farbe der rechten Seite des Farbkreises entstehen bei der Blickrichtung auf die Finsternis: Schwarz (keine Trübe vor Finsternis), Violett (wenig Trübe vor Finsternis) und Blau (Trübe vor Finsternis).1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Der sechsstellige Farbkreis nach Goethe

2.3 Die psychologische Wahrnehmung der Farben

Die Wahrnehmung, also komplexes Sehen, besteht aus Einzelempfindungen und Erfahrungen. Da wir vieles gleichzeitig sehen, helfen uns die Farben dabei zu ver­gleichen. Räumliche Tiefe, Schatten, der Reifegrad einer Frucht und sogar der Glanz von Metall kann so erkannt werden.1 Sie lösen automatisch unbewusste Reaktionen und Assoziationen aus, die teilweise archetypisch (angeboren bzw. grundlegend) sind.2

2.3.1 Gegensätze

Unser Gehirn entscheidet nach Bartel durch Gegensätze und Kontraste. Denn durch einen Entscheidungsprozess, wird die Umwelt klassifiziert. Das Gehirn wägt zwischen den beiden Extremen wie z.B. dick und dünn ab und für jedes Gefühl wird ein Gegengefühl empfunden. Durch dieses Vergleichen der Gegensätze bzw. der Kontraste kommt es zu brauchbaren und effizienten Ergebnissen, die eine Entscheidung möglich machen. Wenn aber keine Gegensätze vorhanden sind, wird kontextabhängig entschieden.3

2.3.2 Die Rolle von Harmonie und Disharmonie

Wenn sich das Gehirn aber keinen Überblick mit den Gegensätzen verschaffen kann, entsteht das Gefühl von Disharmonie. Der Gegensatz dazu ist die Harmonie und so entsteht wieder Ordnung. Aber es hängt vom Betrachter und dessen Er­fahrungen und persönlichen Assoziationen ab, wie er oder sie etwas als harmo­nisch oder disharmonisch empfindet. Bis heute wurde aber in der Wissenschaft nicht herausgefunden, wie der genaue Ablauf der Klassifizierung und die Arbeits­weise der Augen und des Gehirns funktioniert.4

„Brigitte Hallenberger meint, dass wir somit auf philosophische Spekulatio­nen zurückgreifen und uns mit der Wahrscheinlichkeit begnügen müssen."5

2.3.3 Ästhetik

Friedrich Nietzsche, ein großer Menschenkenner und Philosoph, meint zur Frage der Ästhetik:

„Der ästhetische Zustand ist eine Mischung der zarten Nuancen von animali­schen Wohlgefühlen und Begierden."1

Ob wir etwas als hässlich oder schön empfinden, ist in unseren Trieben und Ins­tinkten verankert und durch die Evolution geprägt. Diese werden bis in die heutige Zeit von der Umwelt und der Gesellschaft beeinflusst.2

2.3.4 Wirkung auf die Emotionen

Eine eher unbewusste Wirkung haben die Farben auf unsere Emotionen. Die emotionale Bewertung der farbigen Umwelt ist ein ästhetisches Urteil. Die Grund­lagen für den Betrachter sind die Funktion und die Bedeutung. Außerdem ist es ein Vergleichen von der Wirklichkeit mit den Erwartungen.

Wenn die Erinnerungen und die Erfahrungen mit den gesehenen Farben überein­stimmen, entstehen Assoziationen und entsprechende Stimmungen werden er­zeugt. Unterbewusst wird auch entschieden, ob eine Farbe warm oder kalt ist und wie die Helligkeit, der Farbton oder die Trübung einer Farbe ist.

Unsere Gefühle werden von Farben angesprochen und von jedem individuell empfunden. Im Laufe des Lebens kann sich die psychologische Wirkung von Far­ben ändern, da Farben prinzipiell mit Vorstellungen verbunden werden.

Das kann bei der Gestaltung von Medien wie z.B. der Werbung, in Räumen oder bei Kleidung genutzt werden.3

2.3.5 Synästhesie

Durch Farbreize kann unser Wärmeempfinden und unser Gewichtsempfinden be­einflusst werden. So erklärt Stefanie Bartel:4

„Von Synästhesie spricht man, wenn ein Reiz, der auf ein Sinnesorgan ein­wirkt, Empfindungen auslöst, die dann von einem anderen Sinnesorgan wahrgenommen werden."1

3 Die Farben und ihre Wirkung

3.1 Weiß

Die vollkommenste aller Farben ist Weiß. Denn bei Völkern mit einer hellen Haut­farbe werden keine negativen Bedeutungen oder Eigenschaften mit ihr verbun­den. Aber Weiß ist gar keine Farbe, zumindest nicht im physikalischen Sinn. Es ist nämlich die Summe aller Farben, also eine sogenannte unbunte Farbe.2

3.1.1 Eine vollkommene und absolute Farbe

In der Symbolik des Weißen ist alles Positive addiert und alles Negative eliminiert. Es steht für das Vollkommene, das Gute und das Ideale. Weiß war bei den Ägyp­tern die Farbe des Glücks und der Freude. Sie steht auch in Verbindung mit dem Göttlichen. Denn oft erscheinen in Erzählungen Götter oder Glücksboten als wei­ße Tiere. Es ist eine absolute Farbe, denn der Anfang ist Weiß und Schwarz ist das Ende. Außerdem ist es eine Farbe der Auferstehung. Zum Beispiel wird Chris­tus, nachdem er auferstanden ist, im lichtweißen Kleid gemalt. Ein Symbol der Auferstehung ist Weiß auch im Buddhismus, dargestellt als eine weiße Lotusblü- te.3 Weiß fällt auf und vergrößert, diese Farbe ist eine Machtdemonstration.4

3.1.2 Die Farbe der Unschuld und der Weiblichkeit

Weiß ist die Farbe der Unschuld. Um für die menschliche Schuld zu büßen, wer­den junge weiße Tiere geopfert. Das weiße Lamm ist dabei das typische Opfertier, das Symboltier Christi. In der christlichen Bildsprache symbolisieren weiße Blu­men die unbefleckte Empfängnis Marias. Weiße Lilien werden auch Madonnenli­lien genannt.5

Der Begriff der Unschuld ist dehnbar: Rein und Unschuldig ist eine Person, die keine bösen Absichten hat und nicht berechnend handelt.6

Wenn Weiß als farblos und kraftlos empfunden wird, ist es weiblich. Mit einem schwachen Rosa kombiniert ist Weiß auch eine Farbe der Sensibilität, des Char­mes, des Zarten und der Sanftheit. Sie gilt auch als eine leise und friedliche Far- be.1

3.1.3 Die Farbe der Reinheit und der Wahrheit

Innere Reinheit, äußere Sauberkeit sowie Hygiene wird auch von Weiß symboli­siert. Sicher ist der Grund dafür, dass man auf Weiß den geringsten Anschein von Schmutz sofort sieht. Berufskleidung ist dann weiß, wenn die Hygiene wichtig ist. So kommt es auch zur einzigen negativen Assoziation von Weiß. Mit Weiß wer­den Krankenhäuser verbunden und damit auch das Kranksein und Sterilität. Im Zusammenhang mit der symbolischen Bedeutung von Reinheit und der Unschuld steht Weiß auch für die Wahrheit.2

3.1.4 Die Farbe der Leere und der Kälte

In vielen verschiedenen Sprachen ist Weiß eine Farbe, die gleichbedeutend mit der Leere ist. So ist z.B. eine weiße Stimme im Französischen eine tonlose Stim­me ist, und eine weiße Nacht eine Nacht ohne Schlaf ist. Sie ist auch die Farbe des Unbekannten. Zum Beispiel nennt man eine Wissenslücke einen weißen Fleck.3 Immer wirkt Weiß leer, da sich die Farben in Ihm bereits vollkommen auf­gelöst haben. Die Farbe ist nicht mehr greif- oder sichtbar, sondern nur noch der reine Impuls, der Geist der Farbe.4 Sie ist ein Teil der unsichtbaren Welt, die Lee­re, das Nichts. In diesem Sinne ist Weiß dem Tode verwandt.5

Es ist aber auch die Farbe des Nordens und wird mit dem Erfrieren, dem Winter, der Kälte und der Frische in Verbindung gebracht.6

[...]


1 Causse, Jean Gabriel: DIE UNGLAUBLICHE KRAFT DER FARBEN. Sex, Mode, Wohnen, Kreativität, Werbung, Psychologie. München: Karl Hauser Verlag 2015, S.13.

2 Vgl. Bartel, Stefanie: Farben im Webdesign. Symbolik, Farbpsychologie, Gestaltung. Berlin Heidelberg: Springer-Verlag 2003, S.12.

3 Bartel, 2003, S.12.

4 Vgl. Bartel, 2003, S.12.

1 Vgl. Vollmar, Klausbernd: FARBEN. Was sie bedeuten und wie sie wirken. München: Knaur Taschenbuch 2017, S.13-14.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.13.

3 Vgl. Bartel, 2003, S.15.

1 Vgl. Bartel, 2003, S.16.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.16.

3 Bartel, 2003, S.16.

4 Vgl. Bartel, 2003, S.16.

5 Vgl. Bartel, 2003, S.17.

1 Vgl. Bartel, 2003, S.20-21.

2 Vgl. Vollmar, Klausbernd: Das große Buch der Farben. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Urania Verlag GmbH 2017, S.12.

3 Vgl. Bartel, 2003, S.21.

1 Vgl. Bartel, 2003, S.21-22.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.22.

3 Vgl. Bartel, 2003, S.22.

4 Vgl. Bartel, 2003, S.23.

1 Vgl. Vollmar, Klausbernd: Das große Buch der Farben. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Urania Verlag GmbH 2017, S.15.

1 Vgl. Bartel, 2003, S.32.

2 Vgl. Vollmar, Klausbernd: FARBEN. Was sie bedeuten und wie sie wirken. München: Knaur Ta­schenbuch 2017, S.14.

3 Vgl. Bartel, 2003, S.32.

4 Vgl. Bartel, 2003, S.32-33.

5 Bartel, 2003, S.33.

1 Bartel, 2003, S.33.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.33.

3 Vgl. Bartel, 2003, S.35.

4 Vgl. Bartel, 2003, S.35.

1 Bartel, 2003, S.35.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.100.

3 Heller, Eva: Wie Farben wirken. Farbpsychologie • Farbsymbolik • Kreative Farbgestaltung. 8.Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowolt Taschenbuch Verlag 2015, S.146-147.

4 Vgl. Vollmar, Klausbernd: Das große Buch der Farben. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Urania Verlag GmbH 2017, S.267.

5 Vgl. Heller, 2015, S.148-157.

6 Vgl. Vollmar, Klausbernd: Das große Buch der Farben. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Urania Verlag GmbH 2017, S.255-256.

1 Vgl. Heller, 2015, S.148-157.

2 Vgl. Bartel, 2003, S.101.

3 Vgl. Heller, 2015, S.160.

4 Vgl. Wolf, Isabelle: Was Farben sagen. Die Sprache der Farben verstehen und gekonnt einset­zen in Einrichtung und Mode. 1.Auflage. München: Wilhelm Goldmann Verlag 2011, S.192.

5 Vgl. Vollmar, Klausbernd: Das große Buch der Farben. Krummwisch bei Kiel: Königsfurt-Urania Verlag GmbH 2017, S.256-257.

6 Vgl. Heller, 2015, S.160.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Welche Wirkung haben Farben auf die menschliche Psyche?
Untertitel
Farbpsychologie im Alltag
Note
1
Jahr
2018
Seiten
46
Katalognummer
V514032
ISBN (eBook)
9783346113245
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dies ist eine vorwissenschaftliche Arbeit, die in Österreich im Rahmen der Matura geschrieben werden muss.
Schlagworte
welche, wirkung, farben, psyche, farbpsychologie, alltag
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Welche Wirkung haben Farben auf die menschliche Psyche?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/514032

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