Schicksal oder Versagen - Eine Analyse des Bundestagswahlkampfes der CDU und mögliche Gründe für die Wahlniederlage


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I Einführung

II Literaturbericht

III Theoretische Grundlagen
1 Der Wahlkampf
1.1 Funktionen
1.2 Beginn und Phasen des Wahlkampfes
1.3 Parteiimage
1.4 Sachthemen
1.5 Kandidaten
1.6 Symbolische Politik
1.7 Wahlkampfmanagement
1.8 Wahlkampagne
2 Wahlkampfelemente
2.1 Professionalisierung
2.2 Personalisierung
2.3 Mediatisierung
2.4 Angriffswahlkampf

IV DER WAHLKAMPF DER CDU UND MÖgliche gründe für die ahlniederlage
3 Die CDU vor der Wahl
3.1 Dominierende Issues
3.2 Standing der CDU in der Bevölkerung
3.3 Situation innerhalb der Partei
4 Analyse des Wahlkampfes der CDU
4.1 Wahlkampforganisation
4.2 Wahlkampfprogramm
4.3 Wahlkampfstrategie
4.3.1 Personalisierung
4.3.2 Angriffswahlkampf
4.4 Wahlkampfkommunikation
4.5 Kohl als Spitzenkandidat
5 Mögliche Gründe für die Wahlniederlage
5.1 Demoskopische Ausgangslage
5.2 Falsche Wahlkampfstrategie
5.3 Starke personelle Herausforderung durch Gerhard Schröder

V Schlußbetrachtung

VI Bibliographie

I Einführung

Die Bundestagswahl von 1998 markierte einen deutlichen politischen Wechsel. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde eine Regierung komplett abgewählt. Das Ergebnis dieser Wahl bedeutete das Ende einer 16- jährigen CDU/ FDP- Regierung und gleichzeitig das Ende der Ära Helmut Kohl.

Wie es zu dieser Wahlniederlage kam und welche Gründe möglicherweise ausschlaggebend waren ist Bestandteil dieser Arbeit.

In Zeiten von immer geringerer Parteibindung und –identifikation, bedingt durch sozio- strukturellen Wandlungs- und Individualisierungsprozessen innerhalb der Gesellschaft spielt der Wahlkampf und dessen Inhalt eine immer größere und entscheidendere Rolle. Im Bezug auf moderne Wahlkampfführung sollen im Folgenden relevante Faktoren aufgezeigt werden, welche der schwarz- gelben Regierung ein Ende setzten und deren Abwahl bedingten.

Den ersten Punkt in diesem Zusammenhang bilden die theoretischen Grundlagen von Wahlkampf und Wahlkampfsubjekt hin zu Modernisierungselementen des Wahlkampfes wie Professionalisierung, Personalisierung und Mediatisierung.

Im zweiten Teil der Arbeit wird zunächst die Situation der CDU/ CSU vor dem September 1998 betrachtet. Die dominierenden Issues in der Bevölkerung, die Bewertung der Partei innerhalb der Bevölkerung und die innerparteiliche Situation stellen die relevanten Faktoren dar. Die Analyse des Wahlkampfes schließlich bildet den zweiten Punkt der Arbeit. Besondere Beachtung findet in diesem Zusammenhang die Wahlkampfstrategie der CDU, die von ihr ausgewählten Themenschwerpunkte und die Stellung Helmut Kohls als Spitzenkandidat. Anhand dieser Betrachtungen sollen schließlich mögliche Gründe für die Wahlniederlage entwickelt werden, wobei hier die schlechte Ausgangslage, die Wahl der Wahlkampfstrategie und die starke personelle Herausforderung von hervorgehobener Bedeutung sind

II Literaturbericht

Für den Theorieteil dieser Arbeit dienten vor allem „Wahlen und Wahlkämpfe in der Bundesrepublik Deutschland“ von Steinseifer-Pabst und Wolf, „Moderne Wahlkämpfe- wie sie geplant und geführt werden“ von Gerd Strohmeier, „Von Adenauer zu Schröder“ von Volker Hetterich und „Moderne Wahlkämpfe“ von Thomas Berg als Vorlage. Steinseifer-Pabst und Wolf geben einen unfassenden Überblick über die Wahlkampf-führung und deren Inhalte. Strohmeier erläutert unter anderem. das Wahlkampfsubjekt mit Erklärungen zu Parteiimage, Sachthemen und Kandidaten und Hetterich und Berg befassen sich unter anderem mit der Wahlkampforganisation und dem Wahlkampfmanagement. Die Analyse des Wahlkampfes stützt sich vornehmlich auf die Dissertation von Knut Bergmann „Der Bundestagswahlkampf 1998, Vorgeschichte, Strategien, Ergebnis“, welche vor allem für die Strategienanalyse der CDU von Nutzen war, weiterhin auf das Buch „Deutschland nach den Wahlen“ von Pickel und Walz, welche sich vor allem auf die Analyse der Wahlniederlage beschränken, und schließlich „Die Parteien nach den Bundestagswahl 1998“ von Oskar Niedermayer, der ein umfassendes Bild der gesellschaftlichen und politischen Lage 1998 gibt und wichtige Wahlkampfentscheidungen der CDU analysiert und bewertet.

III Theoretische Grundlagen

1 Der Wahlkampf

1.1 Funktionen

Wahlkämpfe sind ein Instrument, um bei den Wählern Akzeptanz, Zustimmung und schließlich Stimmabgabe zu erreichen.[1]

Dörner unterscheidet sechs unterschiedliche Funktionen von Wahlkämpfen.

Die erste Funktion beschreibt die Möglichkeit der politischen Akteure sich selbst und ihre Position darzustellen und in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Hierbei müssen die Akteure entscheiden mit welchen Themen, Personen und Botschaften sie präsent sein wollen.

Der „Feel Good“-Faktor ist Bestandteil der zweiten Funktion und beinhaltet die Mobilisierung der eigenen Parteimitglieder. Diese müssen motiviert und integriert, und, durch den Glauben an den Sieg ihrer Partei, zum persönlichen Einsatz gewonnen werden.

Die dritte Funktion erfasst die klassische Komponente des Wahlkampfes, die Mobilisierung des Stammwählerpotentials. Durch einen stetigen Rückgang dieses Wählertypus kommt der Akquisition von Neu- bzw. Wechselwählern als der vierten Funktion eine immer größere Bedeutung zu.

Die Wahlkampfführung an sich und die Mobilisierung der Wählerschaft insgesamt beinhaltet die fünfte Funktion. Ein im Hinblick auf die sinkende Wahlbeteiligung nicht unwichtiger Aspekt.

Die symbolische Funktion als letzter Punkt umschreibt die Tatsache, dass eine bestimmte Erwartung der Wähler in Bezug auf das Führen eines Wahlkampfes an sich vorhanden ist. Dem Wähler wird durch einen Wahlkampf seine Legitimations- und Bestimmungsmacht politischer Herrschaft symbolisch zugesichert.[2]

1.2 Beginn und Phasen des Wahlkampfes

Wann der Wahlkampf genau beginnen sollte lässt sich nicht genau festlegen. Optimalerweise sollte er am Tag nach der Wahl beginnen.

Steinseifer- Pabst und Wolf unterteilen ihn in drei Phasen. Die Vorbereitungszeit, die Vorwahlkampfzeit und die Schlussphase. In der Vorbereitungsphase wird für alle Ebenen der Partei ein allgemeines Planungs- und Organisationskonzept erarbeitet. Dieses regelt unter anderem beispielsweise Parteitage, innerparteiliche Wahlen, Kongresse oder Zielgruppengespräche, sowie im gröberen die Arbeit der Parteispitze oder werbliche Aktionen.

Die zweite Phase des Wahlkampfes, die Vorwahlkampfzeit, welche normalerweise nach zwei Drittel oder drei Viertel der Legislaturperiode beginnt, enthält einen genauen Kalender, der alle politischen und werblichen Aktionen organisiert und strukturiert.

20 Tage vor dem endgültigen Wahltermin beginnt schließlich die Schlussphase der Wahlkampfes, welche den Höhepunkt der werblichen und politischen Propaganda darstellt. Hier werden nochmals verstärkt Plakatierungen, Angriffe auf den Gegner oder Großkundgebungen durchgeführt.[3]

1.3 Parteiimage

Die Partei an sich tritt in der Öffentlichkeit nicht als eigenständiger Akteur auf. Sie ist stets an ihren Kandidaten und bestimmte Sachthemen gebunden. Wohl aber das Parteiimage kann als ein durch die Bevölkerung wahrgenommener Aspekt dargestellt werden. Dieses kann wiederum in drei Komponenten unterteilt werden. Das ideologische Parteiimage, das kompetenzvermittelnde und das strukturelle Parteiimage. Das ideologische Parteiimage beschreibt das ideologische und programmatische Grundkonstrukt, auf welches sich die Partei gründet. Das kompetenzvermittelnde Parteiimage impliziert inwiefern der Partei bei bestimmten Themenbereichen Problemlösungskompetenz zugeschrieben wird und das strukturelle Parteiimage reflektiert wiederum die Wahrnehmung der Partei als organisatorische und personelle Einheit.[4]

1.4 Sachthemen

Sachthemen beschreiben die im Wahlkampf verstärkt thematisierten politischen Inhalte oder Problemfelder. Sie leiten sich meist aus den Grundsatzprogrammen der Parteien ab und sollen zudem die Stimmung in der Bevölkerung gewissermassen „auffangen“. Hierbei sind vier Idealtypen zu unterscheiden, welche anhand von zwei Variablen, der sachlichen Komplexität und der interparteiischen Kontroverse, unterteilt werden. In Zusammenhang mit der sachlichen Komplexität erfolgt die Unterscheidung in Politikfrage, welche durch sehr hohe Komplexität gekennzeichnet ist und meist sehr spezielle und detaillierte Probleme behandelt, und die Unterteilung in Politikfeld, welches einen weiteren Bereich beschreibt und folglich weniger komplex ist. Die interparteiische Kontroverse hingegen grenzt wiederum Positionsthemen und Kompetenzthemen von einander ab. Positionsthemen ziehen ein hohes Mass an Kontroverse nach sich, da es sich meist um spezifische Auslegungsarten eines speziellen Problems handelt und ein grundsätzlicher politischer Standpunkt damit verbunden ist. Kompetenzthemen hingegen beschreiben ein weites Feld mit meist weniger Polemik. In der Praxis ist festzustellen, dass Positionsthemen im Vergleich zu Kompetenzthemen zusehends in den Hintergrund geraten. Positionsthemen sind in den heutigen Wahlkämpfen ein „heißes Eisen“, da man sich durch ein solches festlegt. Aufgrund der grossen Komplexität und dem hohen Grand an Abstraktheit sind es vor allem Politikfelder, die in den Wahlkämpfen eine Rolle spielen[5]. So dass man durch eine Betrachtungen dieser beiden Erscheinungen zu dem Ergebnis kommt, dass das Kompetenzfeld in modernen Wahlkämpfen eine besondere Bedeutung hat.

1.5 Kandidaten

Kandidaten stellen in der Wahlkampfführung ein wichtiges Element dar. Die Person des Kandidaten steht für die politische Botschaft der Partei und die von ihr repräsentierten Werte und Normen. Durch die steigende Mediatisierung sind die Kandidaten der Parteien als Visualisierungsobjekt vermehrt in den Vordergrund getreten.[6] Durch sie können abstrakte Inhalte simplifiziert und reduziert werden. Mit dem Kandidaten und seiner Person werden politische Inhalte und Eigenschaften verbunden, so dass jener quasi als „pars pro toto [7] für seine Partei steht. Das Image eines Kandidaten setzt sich aus Kandidatenprofilen und Kandidatenqualitäten zusammen, welche wiederum stets ein persönliche und eine politische Ebene besitzen. Für die Analyse innerhalb dieser Arbeit ist vor allem das persönliche Kandidatenprofil von Bedeutung, welches eine unveränderbare Größe darstellt und durch die Wahlkampagne nur begrenzt modifizierbar ist.[8]

1.6 Symbolische Politik

Die symbolische Politik ist fester Bestandteil politischen Handelns und spielt vor allem im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Laut Sarcinelli hat sie drei wichtige Funktionen. Die regressive Funktion, welche ein Vereinfachung und Abstrahierung von politischer Information beinhaltet, die nomische Funktion, die der Durchsetzung einer legitimen Sicht der sozialen Welt dient und die für den Wahlkampf überaus wichtige affektive Funktion, welche auf die Mobilisierung von Emotionen ausgerichtet ist.[9]

[...]


[1] Vgl. Dörner/ Vogt, 1990:Wahl- Kämpfe, S.20

[2] Vgl. Dörner/ Vogt, 1990: 24ff

[3] Vgl. Steinseifer- Pabst/ Wolf, 1995: Wahlen und Wahlkämpfe in der Bundesrepublik, S. 56ff

[4] Vgl. Strohmeier, Gerd, 2002: Moderne Wahlkämpfe, S. 39

[5] Vgl. Strohmeier 2002: 39

[6] Vgl. Berg, Thomas, 2002: Moderner Wahlkampf, S. 51

[7] Vgl. Strohmeier 2002: 44

[8] Vgl. Strohmeier 2002: 42

[9] www.medienstudent.de/studi/politik.pdf

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Schicksal oder Versagen - Eine Analyse des Bundestagswahlkampfes der CDU und mögliche Gründe für die Wahlniederlage
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Politik II)
Veranstaltung
Wahlen und Wahlkämpfe in der BRD
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V51532
ISBN (eBook)
9783638474801
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schicksal, Versagen, Eine, Analyse, Bundestagswahlkampfes, Gründe, Wahlniederlage, Wahlen, Wahlkämpfe
Arbeit zitieren
Stephanie von Flotow (Autor), 2005, Schicksal oder Versagen - Eine Analyse des Bundestagswahlkampfes der CDU und mögliche Gründe für die Wahlniederlage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51532

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