Kinder psychisch kranker Eltern. Wie Kinder die Belastung erleben und welche Faktoren sie schützen


Hausarbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN
2.1 AFFEKTIVE STÖRUNGEN
2.2 SCHIZOPHRENE PSYCHOSEN
2.3 ANGST- UND PANIKSTÖRUNGEN
2.4 PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN

3 PERSPEKTIVE DER KINDER PSYCHISCH KRANKER ELTERN
3.1 RISIKOFAKTOREN
3.2 SUBJEKTIVES BELASTUNGSERLEBEN DER KINDER
3.3 WIE KINDER BELASTUNGEN BEWÄLTIGEN KÖNNEN
3.4 SCHUTZFAKTOREN

4 SCHLUSSBEMERKUNG

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

„Ich wurde zu einem stillen, zurückgezogenen, schüchternen Kind, war in keiner Weise auffällig. Leider. Mein Bruder war klüger als ich. Er reagierte mit Aggressionen, schlug sich mit anderen, legte sich mit Lehrern an. Man wurde auf ihn aufmerksam. Das hatte zur Folge, dass er in ein Internat kam, weg von zu Hause. Dort wäre ich auch gern gewesen.“

(Wiebke Scherber IN: Mattejat, Lisofsky 2008, S. 20)

Nur diese wenigen Sätze verdeutlichen die Perspektive eines Kindes und die damit verbundenen hohen psychischen Belastungen - denn für Kinder stellt das Zusammenleben mit einem psychisch kranken Elternteil ein besonders kritisches Lebensereignis dar. Trotz der schätzungsweise 3 Millionen betroffenen Kinder gibt es jedoch nur wenige beratende und begleitende Einrichtungen. Die Belastungen und die damit verbundenen Entwicklungsrisiken wurden in zahlreichen Studien untersucht - wobei die Wahrscheinlichkeit, Verhaltensauffälligkeiten oder Entwicklungsstörungen zu entwickeln, bei betroffenen Kindern besonders hoch ist. Gewisse Schutzfaktoren wie eine erhöhte genetische Vulnerabilität, ein hohes Maß an Resilienz oder Ressourcen unterschiedlichster Ebenen können das betroffene Kind zu einem gesunden und selbstbewussten Erwachsenen heranwachsen lassen. Besonders gefährdet jedoch sind Kinder mit wenigen sozialen und psychischen Ressourcen. Besonders hervorzuheben gilt jedoch, dass psychisch erkrankte Eltern keineswegs schlechten Eltern sind und dass ihre Kinder nahezu immer wichtig für sie sind - denn aufgrund ihrer Elternrolle erleben sie Nähe, Freude, Stolz sowie Zugehörigkeit und Lebenssinn (vgl. Jungbauer 2010, S. 32). Im ersten Abschnitt meiner Arbeit möchte ich einen kurzen Überblick über bestimmte psychische Erkrankungsbilder geben um einen besseren Einblick über Symptomiken zu ermöglichen. Im nachfolgenden Teil beschäftige ich mich mit der Perspektive der Kinder, worauf ich mich in meiner Arbeit aufgrund der Komplexität des Themas konzentrieren möchte. Genauer beleuchten möchte dabei die Risiko- und Schutzfaktoren, Bewältigungsstrategien und das subjektive Belastungserleben der Kinder.

2 Psychische Erkrankungen

Im folgenden Abschnitt werden die vielfältigen psychischen Erkrankungen kurz dargestellt um die Vielfältigkeit der Störungsbilder zu verdeutlichen. Aufgrund der Heterogenität der Krankheiten dient dies als Überblick und setzt somit ein gewisses Grundwissen voraus, da eine ausführliche Darstellung der einzelnen Diagnosen den Rahmen dieser Arbeit deutlich sprengen würde. Die Grundlage dafür bietet das Kapitel V (F) des aktuellen und internationalen Klassifikationsschemas der Weltgesundheitsorganisation, kurz ICD-10 (International Classification of Diseases).

Die Darstellung der verschiedenen Störungsbilder ist deshalb von Bedeutung, da jede einzelne Diagnose differenzierte Symptomatiken aufweist und sich diese belastend auf Kinder auswirken können.

Die Pathogenese psychischer Erkrankungen ist äußerst komplex und lässt sich nicht auf einen einzigen Risikofaktor zurückführen - vielmehr sind sie die Folge von multifaktoriellen Wechselwirkungen zwischen psychischen, biologischen und sozialen Faktoren. Durch die Einwirkung diverser Stressfaktoren wie kritische Lebensereignisse oder Stressoren kann die Grenze der persönlichen Vulnerabilität überschritten werden. Aufgrund unzureichender Schutzfaktoren und Ressourcen kann sich daraus eine psychische Erkrankung entwickeln (vgl. Hammer & Plößl 2012, S.15 f.).

2.1 Affektive Störungen

Affektive Störungen äußern sich durch Veränderungen des Antriebs, der Wahrnehmung, der Stimmungslage oder der Motivation (vgl. GBE-Bund). Es zeigen sich deutlich abgrenzbare Krankheitsphasen (vgl. Remschmidt/ Mattejat 1994, S.11), welche sowohl die Affektivität als auch den Antrieb mindern und somatische Beeinträchtigungen nach sich ziehen können. Am häufigsten treten depressive Episoden auf - weltweit sind ca. 350 Millionen Menschen davon betroffen (Statistik der Internetseite FRND). Depressive Phasen zeichnen sich durch gedrückte, depressive Stimmung, Interessenverlust, psychomotorische Hemmung, vermindertes Selbstwertgefühl bis hin zur Emotionslosigkeit und schweren Traurigkeit aus (vgl. Möller / Deister / Laux 2015, S. 108). Vegetative Symptome wie Libidomangel, Appetitlosigkeit und Obstipation können hinzukommen. Denkverzögerungen, Gedankenreisen, Unentschlossenheit sowie depressive Wahn- bis hin zu Suizidgedanken können das Krankheitsbild prägen (vgl. ebd., S. 100).

Dem gegenüber steht die manische Episode, welche gekennzeichnet ist durch Symptome wie situationsinadäquate, anhaltende gehobene Stimmung, Selbstüberschätzung sowie Minderung der Aufmerksamkeit und Hyperaktivität (vgl. ebd., S. 112).

2.2 Schizophrene Psychosen

Schizophrene Psychosen sind durch charakteristische und grundlegende Störungen von Wahrnehmung und Denken sowie verflachte und inadäquate Affektivität gekennzeichnet. Außerdem können sie zur Desintegration der eigenen Persönlichkeit führen (vgl. Baumann 2000, S. 9 f.).

Typische Symptome dieser psychischen Erkrankungen können formale Denkstörungen wie zerfahrenes Denken oder Vorbeireden sein. Weiterhin können sich Halluzinationen, Wahn oder Störungen der Affektivität sowie des Willens zeigen. (Möller/Laux/ Deister 2015, S.164)

2.3 Angst- und Panikstörungen

Nach dem ICD-10 werden Angsterkrankungen in drei Kategorien aufgegliedert. Ängste beziehen sich bei phobischen Störungen auf konkrete Situationen oder Objekte, wie bei der wohl bekanntesten Form - der Platzangst. Panik- und Angstzustände sind hingehen unvorhersehbar und treten plötzlich und unerwartet auf. Dies löst bei den Erkrankten eine sogenannte „Angst vor der Angst“ (Erwartungsangst) aus, was aufgrund des Vermeidungsverhaltens einen sozialen Rückzug nach sich ziehen kann. (vgl. Möller / Deister/ Laux 2015, S. 129 - 133)

2.4 Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster eines Menschen, welche in Inhalt, Dauer und Intensität deutlich von der Norm abweichen. Sie zeigen sich in Auffälligkeiten im Denken, Fühlen, Wahrnehmen und auch in der Beziehungsgestaltung. Je nach Subtyp der einzelnen Persönlichkeitsstörungen unterscheidet sich auch die Symptomatik - jedoch tritt auffälliges Verhalten in psychischen Bereichen wie Antrieb, Affektivität, Impulskontrolle, Wahrnehmung, Denken und Beziehungen zu anderen auf. Die Beschwerden gehen mit deutlich subjektivem Leiden einher und beeinträchtigen sowohl die berufliche Leistungsfähigkeit als auch den sozialen Bereich (vgl. Möller / Deister / Laux 2015, S. 387).

3 Perspektive der Kinder psychisch kranker Eltern

Schätzungsweise 3 Millionen Kinder in Deutschland erleben im Verlauf eines Jahres eine psychische Störung eines Elternteils. Auch ist aus zahlreichen Studien bekannt, dass es keinen Unterschied in der durchschnittlichen Kinderzahl zwischen psychisch kranken und psychisch gesunden Menschen gibt. (vgl. Mattejat 2008, S. 75 f.) Die Dunkelziffer dürfte allerdings deutlich höher liegen, da sich viele psychisch Kranke nicht in Behandlung befinden und deren Kinder somit nicht erfasst werden können. Von Bedeutung ist jedoch, dass ein großer Teil der betroffenen Kinder mit ihren psychisch kranken Eltern zusammen lebt, wovon zwei Drittel minderjährig sind (vgl. Grube / Dorn 2007, S. 66 ff.).

3.1 Risikofaktoren

Für die Erhöhung des Risikos spielen verschiedene Faktoren, wie der Erkrankungstyp, das Ersterkrankungsalter und der Schweregrad der elterlichen Erkrankung eine wesentliche Rolle - dazu können auch ungünstige soziale und familiäre Umfeldbedingungen beeinflussend wirken (vgl. Jungbauer 2010, S. 15). Als besonders hoher Risikofaktor wird die genetische Vulnerabilität angesehen - speziell bei Menschen, welche eine hohe erblich bedingte Vulnerabilität aufweisen, stellen Umwelteinflüsse einen sehr hohen Stellenwert dar, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Demnach ist es erforderlich, bei diesen Menschen negative Umweltfaktoren möglichst abzubauen und positive Umweltfaktoren zu stärken (vgl. Mattejat 2008, S. 84).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kinder psychisch kranker Eltern. Wie Kinder die Belastung erleben und welche Faktoren sie schützen
Hochschule
Fachhochschule Nordhausen
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V516614
ISBN (eBook)
9783346110138
ISBN (Buch)
9783346110145
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eltern, psychische Erkrankungen, Erziehung, Hausarbeit, klinische Sozialarbeit, Hochschule, soziale Arbeit
Arbeit zitieren
Carolin Hellmuth (Autor), 2016, Kinder psychisch kranker Eltern. Wie Kinder die Belastung erleben und welche Faktoren sie schützen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/516614

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