Leistungs- und Verhaltenseinschätzung von Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule


Examensarbeit, 2005
103 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Einleitung

1. Konzeption von Scheidung
1.1 Modelle der Scheidung
1.1.1 Desorganisationsmodell
1.1.2 Reorganisationsmodell
1.1.3 Transitionsmodell
1.2 Phasen der Trennung
1.2.1 Ambivalenzphase
1.2.2 Trennungs- und Scheidungsphase
1.2.3 Nachscheidungsphase (Konsoldierungsphase)

2. Kindliche Reaktionen nach Trennung und Scheidung
2.1 Individuelle Ebene
2.1.1 Auswirkungen auf die allgemeine Angepasstheit
2.1.2 Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl
2.1.4 Auswirkungen auf abweichendes und delinquentes Verhalten
2.1.6 Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Scheidung
2.1.7 Auswirkungen in Abhängigkeit vom Alter der Kinder
2.1.8 Entwicklungsaufgaben
2.2 Familiale Ebene
2.2.1 Familiales Konfliktniveau
2.2.2 Kompetenzen des sorgeberechtigten Elternteils
2.2.3 Beziehungen zwischen dem Kind und dem nicht sorgeberechtigten Elternteil
2.2.4 Sorgerechtsregelung
2.2.5 Elternstatus
2.2.6 Sozioökonomische Situation
2.3 Langzeitfolgen
2.3.1 Erhöhtes Risiko psychischer Erkrankungen
2.3.2 Erhöhte Selbstmordrate
2.3.3 Delinquenz
2.3.4 Gestaltung von Partnerschaften:
2.3.5 Frühreifes Verhalten
2.3.6 Zusammenfassung

3. Auswirkungen auf die Schule
3.1 Schulische Leistungen der Scheidungskinder
3.2 Integration und Verhalten der Scheidungskinder
3.3 Lehrer-Schüler-Interaktion
3.4 Lehrer-Eltern-Interaktion
3.5 Schule als unterstützendes System

4. Empirische Erhebung
4.1 Beschreibung des verwendeten Fragebogens
4.2 Zur praktischen Durchführung der Erhebung
4.3 Angaben zum Kind
4.3.1 Allgemeine Angaben
4.3.2 Leistungsverhalten
4.3.3 Sozialverhalten
4.3.4 Befindlichkeit
4.3.5 Gesundheit
4.4 Informationsstand der Lehrer
4.4.1 Unterrichtung über die Scheidung
4.4.2 Zeitpunkt der Unterrichtung über die Scheidung
4.4.3 Gespräch mit den Eltern
4.4.4 Gründe der Scheidung
4.4.5 Häufigkeit der stark und weniger betroffenen Scheidungskinder

Fazit

5. Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Die Scheidungsrate in Deutschland ist innerhalb der letzten 40 Jahre von 73.000 auf fast das Dreifache - 200.000 Scheidungen pro Jahr - angestiegen. Viele Paare sind heute offenbar nicht mehr in der Lage oder willens, auch die Krisen einer Beziehung durchzustehen.

Das Statistische Bundesamt teilte mit, im Jahr 2004 seien fast 213 704 Ehen geschieden worden, 0,1 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Statistiker teilen weiter mit, dass von tausend bestehenden Ehen elf geschieden werden. Mittlerweile wird mehr als jede dritte Ehe geschieden, aber noch nicht ganz die Hälfte, hieß es im Statistischen Bundesamt. Dabei erweist sich das fünfte Ehejahr als das kritische, nicht das sprichwörtliche "verflixte siebte Jahr". In absoluten Zahlen wurden 2004 nach Angaben der Statistiker die meisten Ehen im sechsten Jahr nach der Hochzeit geschieden, nämlich 13.946.

Die Hälfte (50,4 Prozent) der 2003 geschiedenen Ehepaare hat minderjährige Kinder. Von den Entscheidungen wurden insgesamt 170 260 minderjährige Kinder in Mitleidenschaft gezogen wurden, ein Anstieg gegenüber 2002 um 6,3 Prozent. Die Zahl der Scheidungen in Deutschland ist mit Ausnahme des Jahres 1999 seit dem Jahr 1993 gestiegen – bis zum vergangenen Jahr um 37 Prozent.

Auch in der Schule ist die Scheidung ein weit verbreitetes Thema. Lehrer sind mit diesem Thema in seinen sozial- und schulpädagogischen Implikationen alleingelassen. Sie versuchen eher aufgrund ihrer hohen Arbeitsbelastung im Sinne von „Augen zu und durch“ ihr „Überleben“ zu sichern. Der grundlegende Mangel bezieht sich dabei sowohl auf das fehlende Wissen über die Befindlichkeit von Kindern in Scheidungssituationen, zugleich aber auch auf adäquate Handlungsstrategien oder gar Möglichkeiten der Kooperation mit anderen Personen und Institutionen, die ihr alltägliches Handeln erleichtern können. In der Literatur werden mittlerweile einige Hinweise zu den Unterstützungsmöglichkeiten gegeben, die Familien zur Bewältigung der Trennungserfahrung angeboten werden können, speziell auch für Kinder und Jugendliche. Sie wenden sich dabei im deutschsprachigen Raum vornehmlich an Berufsgruppen, die im außerschulischen Bereich tätig sind, wie Berater, Therapeuten, Richter, Anwälte, psychologische Sachverständige und Mitarbeiter der Erwachsenenpädagogoik. Speziell für Lehrer (oder dem schulischen Bereich) entwickelte Konzepte zur Unterstützung von Kindern in Scheidungssituationen konnte in der deutschsprachigen Literatur nicht gefunden werden. Lehrer sind vielmehr darauf angewiesen z. B. anhand Bilderbücher eine eigene Unterrichtsreihe zu entwickeln.

Im Rahmen meiner Examensarbeit beschäftige ich mich mit Leistungs- und Verhaltenseinschätzung von Kindern aus Scheidungsfamilien durch Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule.

Hinsichtlich dessen stelle ich folgende These auf.

Kinder, die den Scheidungsprozess miterleben, werden durch dieses einschneidende Erlebnis im schulischen Bereich, in ihren sozialen Kompetenzen und in ihrer Befindlichkeit negativ beeinflusst.

Diese These werde ich, anhand meiner Examensarbeit und der darin beinhalteten Erhebung mit Grundschullehrer, versuchen zu belegen.

1. Konzeption von Scheidung

Eine Scheidung ist sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene eine einschneidende Erfahrung. Sie wird vielfach als schwerer Einbruch in die Lebenswelt charakterisiert, die die Betroffenen vorübergehend aus dem Gleichgewicht bringen.

Schneewind et al. (1998) bezeichnet die Scheidung als „ein komplexer, ganzheitlicher Prozess, der auf sehr unterschiedlichen Ebenen und keineswegs immer zeitsynchron abläuft“.

Die Scheidung sollte deswegen in einem „komplexen Gesamtzusammenhang betrachtet werden, der den spezifischen, sozialen, historischen und ökonomischen Kontext mitberücksichtigt“ (Kötting, 2001).

In der Forschung existieren verschiedene Modelle der Scheidung. In der neueren Forschung lösen die Transitionsmodelle von Cowan und Felner et al. die traditionellen Modelle (Desorganisationsmodell) ab, die die Scheidung als Auflösung und Zerstörung der Familie sehen.

Trotz der unterschiedlichen empirischen Ansichten in der Forschung, wird der Scheidungsverlauf meist in mehrere Phasen differenziert. Das hier dargebrachte Modell ist ein Dreiphasenmodell, das sich in Ambivalenzphase, Trennungs- und Scheidungsphase und Nachscheidungsphase unterteilt.

1.1 Modelle der Scheidung

1.1.1 Desorganisationsmodell

Das Desorganisationsmodell sieht die Ehescheidung als ein Endpunkt an, mit dem die Auflösung aller familialen Konstellationen und Beziehungen einhergeht. Die Kernfamilie an sich wird durch die Trennung der Ehepartner zerstört und aufgelöst. Das Sorgerecht sollte dabei nur auf ein Elternteil beschränkt werden. Dies wird von Goldstein et al. (1979) dadurch begründet, dass das kindliche Wohl durch die Trennung schon massiv verletzt worden sei und deswegen das Beste für das Kind getan werden müsse. Das steht aber im Gegensatz zu dem, was das Kind für sein Wohl ansieht. Das alleinige Sorgerecht eines Elternteils gewährleistet die Sicherheit in der Beziehung zu einer Bezugsperson. Außerdem kann die Rolle des liebevollen Elternteils, der als Identifizierung für das Kind fungiert, nur durch tägliches, ununterbrochenes Zusammenleben erfüllt werden. Der nicht sorgeberechtigte Elternteil spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, die sich auf Besuchsrecht, meist alle vierzehn Tage, beschränkt. Dadurch kann nach Goldstein et al. der nicht sorgeberechtigte Elternteil keine vertrauensvolle und enge Beziehung aufbauen. Er hat keinerlei Mitbestimmungsrecht, wenn es um Entscheidungen rund um das Kind geht. Ihm ist keine Verantwortung gegenüber dem Kind übertragen worden. Thery (1988), der den Begriff der Desorganisation prägte, argumentierte, dass diese Sorgerechtsregelung den Ausschluss des einen Elternteils nach sich zöge, was laut Fthenakis (1987) keinerlei Auswirkung auf die übrig gebliebene Kernfamilie hat. Für die Kinder kommt es so zu einer Neudefinition der Beziehungen, insbesondere zu dem nicht sorgeberechtigten Elternteil. Das mögliche Ausbleiben des erst bestehenden Kontaktes zum außen lebenden Elternteil löse bei dem Kind eine tiefe Verunsicherung aus (Dolto, 1993). Goldstein et al. (1979) geht sogar soweit, dass die Wiederheirat und damit Neugründung einer Familie erst die kindliche Entwicklung garantiere. Die Stieffamilie ist nun der Ersatz für die aufgelöste Kernfamilie.

Dieses Modell ist nach heutiger Sicht nicht mehr aufrecht zu erhalten, da zahlreiche Forschungsergebnisse den Fortbestand des Familiensystems in veränderter Form beschreiben. Für das Kindeswohl ist vor allem der Kontakt zu beiden Elternteilen wichtig. Auch zeigen Kinder, dessen Eltern das gemeinsame Sorgerecht ausüben, weniger Verhaltensauffälligkeiten als andere. Außerdem bleibt der Kontakt zu beiden Elternteilen eher bestehen, wenn beide das Sorgerecht tragen. Bei diesem Modell wird die kindliche Sichtweise völlig außer Acht gelassen. Ebenfalls beinhaltet dieses Modell eine starke Normgebundenheit an die Kernfamilie.

1.1.2 Reorganisationsmodell

Das Reorganisationsmodell besagt, dass die Scheidung nicht mehr ein plötzliches Familien auflösendes Ereignis ist, wie es das Deorganisationsmodell darstellt. Es ist eher ein prozessuales Geschehen, das weit vor der juristischen Trennung beginnt und mit der Nachscheidungszeit endet (Fthenakis 1996). Scheidung wird hier als eine Entwicklungsform von Ehebeziehungen angesehen, welche nicht unbedingt zur Auflösung der familialen Beziehungen führt, sondern lediglich zu deren Neuorganisation. Statt einer Kernfamilie sieht sich das Kind zwei Familien gegenüber. Napp-Peters sieht diese Veränderung „in erster Linie im Mikrosystem, das sich von seiner bisherigen mononuklearen Struktur zu einem binuklearen System fortentwickelt, also von einer Einkern- zu einer Zweikernfamilie“. Voraussetzung für dieses Modell ist das gemeinsame Sorgerecht. Im Mittelpunkt steht die Aufrechterhaltung der familialen Beziehungen, nicht die Aufrechterhaltung des gemeinsamen Haushaltes. Es entspricht dem Kindeswunsch, an der Fortsetzung der elterlichen Beziehung festzuhalten, was sich als unverzichtbar für die gesunde psychische Entwicklung des Kindes bestätigt hat (Fthenakis 1996).

Dieses Modell entspricht dem Kindeswunsch, zu beiden Elternteilen eine Beziehung zu pflegen. Doch ist es fraglich, ob sich die Reorganisation wirklich nur auf das Mikrosystem auswirkt. Denn oftmals ist die Scheidung trotz des gemeinsamen Sorgerechts mit weit reichenden Veränderungen verbunden. Die Mutter, bei dem das Kind meistens lebt, muss häufig wieder arbeiten gehen, oft zieht die restliche Familie um, so dass auch das Makrosystem (Freunde des Kindes, Schule) betroffen ist.

1.1.3 Transitionsmodell

Die Befürworter der Transitionsmodelle sehen Trennung und Scheidung als eine Übergangsphase (Transition) im Familienentwicklungsprozess. Transitionen stellen beschleunigte und verdichtete Lebensprozesse dar und beinhalten das Potential zur persönlichen Weiterentwicklung, wie auch die Möglichkeit krisenhafter Verläufe (Dümmler, 1997). Vom Betreffenden erfordern sie Bewältigungsstrategien und gehen oft mit emotionaler Unsicherheit einher. Die gesamte Phase der Scheidung bestimmt eine Reorganisation für die einzelnen Familienmitglieder, aber auch für die gesamte Familie und das Makrosystem. Die Qualität der Eltern-Kind Beziehung bekommt eine andere Dimension. Im Vordergrund stehen die kindliche Bewältigung der elterlichen Scheidung sowie, der Umgang mit scheidungsbedingten Stressoren hinsichtlich einer erfolgreichen Anpassung an die veränderten Lebensumstände, da der Ausgang der Scheidungstransition ungewiss ist. Die von den Kindern erlebten Transitionen haben einen tief greifenden Effekt auf verschiedene Aspekte der Persönlichkeit. Auch muss der Aspekt der Transition durch eine Wiederheirat und eine 2. oder 3. Ehescheidung mitberücksichtigt werden (Kötting, 2001).

Dieses Modell scheint am Besten die individuellen kindlichen Anpassungsleistungen im Rahmen der sich im Prozess veränderten Familie nach der Scheidung zu erfassen.

1.2 Phasen der Trennung

1.2.1 Ambivalenzphase

In der Ambivalenzphase geben sich die Eheprobleme zu erkennen. Die eigentliche Trennung wird jedoch noch umgangen. Diese Zeit wird oft als sehr belastend für die Eltern und für die betroffenen Kinder charakterisiert. Die hohe Konfliktspannung in dieser Zeit vor der eigentlichen Scheidung ist für die Kinder vielfach belastender als die Ehescheidung an sich. Kinder zeigen schon in dieser Phase Verhaltensauffälligkeiten, wie Aggressionen oder fehlende Impulskontrolle (Fthenakis, 1991). Meistens werden die Kinder von der Familiensituation nicht informiert. Doch schon kleine Kinder haben genaue Kenntnisse über das Geschehen und können die innerfamilialen Veränderungen fühlbar verspüren (Figdor, 1998).

1.2.2 Trennungs- und Scheidungsphase

Die Eltern sind in dieser Phase stark betroffen. Es müssen finanzielle, rechtliche und räumliche Angelegenheiten geklärt werden. Die Eltern müssen ihre Beziehung zueinander und zu den Kindern neu klären und überdenken. Oftmals zieht ein Elternteil aus dem gemeinsamen Haushalt aus. Die Offenbarung der Trennung ist für die Kinder ausschlaggebend für den Beginn der Phase. Kinder entwickeln dabei meist starke Verlustängste und / oder existentielle Angst, den ausziehenden Elternteil zu verlieren.

1.2.3 Nachscheidungsphase (Konsoldierungsphase)

Diese Phase beginnt mit der juristischen Scheidung. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Neuorientierung und die Anpassung an die neue Lebensform. Oft ist diese Phase auch von dem sozialen und materiellen Abstieg des sorgeberechtigten Elternteils geprägt. Vielfach fängt die sorgeberechtigte Mutter wieder an zu arbeiten. Das bedeutet für die Kinder eine Umstrukturierung ihres Tagesablaufs. Häufig zieht die übrig gebliebene Familie um, was den Verlust des sozialen Netzwerkes zur Folge hat. Außerdem ergibt sich für den sorgeberechtigten Elternteil die Aufgabe, Bereitschaft zur Kooperation mit dem ehemaligen Partner zu zeigen und die Kontakte der Kinder zu diesem zu fördern. Haben die Eltern das gemeinsame Sorgerecht, müssen auch sie Bereitschaft zur Kooperation zeigen und das Wohl des Kindes über ihre eigenen, oftmals negativen, Gefühle gegenüber ihrem ehemaligen Ehepartner stellen.

2. Kindliche Reaktionen nach Trennung und Scheidung

Die Scheidung der Eltern ist für die Kinder eine nachhaltige Veränderung der gesamten Lebenssituation. Das kann für Entwicklungsschwierigkeiten von Bedeutung sein. Dabei kann die Scheidung für die Kinder zur Belastung werden, muss aber nicht.

Repräsentative Stichproben sind noch sehr selten. Die Verallgemeinerung der Ergebnisse einer Erhebung lässt sich oft nicht beweisen, da häufig nicht eindeutig ist, ob die genannten Effekte aus der Scheidung oder aber aus der Wiederheirat des sorgeberechtigten Elternteils resultiert. Ebenso wird bei den Vergleichsfamilien vorwiegend außer Acht gelassen, ob die Familien intakt oder konfliktbelastet sind. Aus diesem Grund sind die Stichproben nicht immer aussagekräftig.

Gleichermaßen ist das Problem, dass amerikanischen Stichproben- aufgrund anderer rechtlicher Umstände und der Unterscheidung der sozialen Lebenssituationen- nicht immer auf die deutschen Gegebenheiten übertragbar sind (Offe, 1992). Im deutschsprachigen Raum gibt es bei dieser Thematik ein großes Forschungsdefizit.

Des Weiteren werden nun die verschiedenen Auswirkungen der Scheidung auf der individuellen und familialen Ebene erläutert.

2.1 Individuelle Ebene

2.1.1 Auswirkungen auf die allgemeine Angepasstheit

Unter allgemeiner Angepasstheit versteht man das Fehlen von psychischen und verhaltensmäßigen Auffälligkeiten.

Camara und Resnick (1989) untersuchten die Familienprozesse in Scheidungsfamilien und intakten Familien in ihren Auswirkungen auf die Kinder. Dabei analysierten sie verschiedene negative Effekte auf die Angepasstheit der Kinder.

Das Verhältnis zwischen den Eltern ist für die Angepasstheit der Kinder wichtig. Kinder, deren Eltern vor, während und auch nach der Scheidung, ein sehr negatives Verhältnis zueinander haben und das offen vor den Kindern darlegen, haben eine allgemeine schlechtere Anpassung. Ebenso bereitet das Ausmaß der elterlichen Konflikte für die Kinder Schwierigkeiten. Camara und Resnick prüften gleichfalls das Ausmaß der Kooperation in der Elternrolle. Ferner spielt der Konfliktverhaltensstil beider Eltern eine Rolle für die Anpassung der Kinder.

Aus diesen Untersuchungen ergab sich, dass die Kinder umso aggressiver waren, je geringer die elterliche Kooperation war. Dabei ist es peripher, in welcher Familienkonstellation diese Kooperation stattfindet. Dieses Resultat ergab sich sowohl bei intakten Familien, wie auch in Scheidungsfamilien.

Die Kinder hatten ein höheres Maß anderer Verhaltensprobleme, sowie ein geringeres Selbstbewusstsein und ein geringeres Maß an sozialem Verhalten, je aggressiver der Konfliktaustragungsstil der Eltern ist.

Gleichermaßen waren die Jugendliche/Kinder umso ausgeglichener, je besser das Familienklima war. Die Ausgeglichenheit wirkt sich auf das Problemverhalten der Kinder aus. Denn Problemverhalten tritt fast ausschließlich bei unausgeglichenen Kindern aus.

Laut Petra Butz (1999) ist die Familienstabilität dabei der wichtigste Faktor für ein geringes Auftreten von Problemverhalten.

2.1.2 Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl

Das Selbstwertgefühl der Scheidungskinder ist im Allgemeinen geringer ausgeprägt als bei Kindern aus intakten Familien. Auch hier scheint wieder das Verhältnis der Ehepartner untereinander dominierend verantwortlich zu sein, Die Scheidung spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Bei der Frage nach dem Selbstbild der Kinder ergab sich aber kein Unterschied zu den Kindern aus intakten Familien (Stolberg, ebenso Johnston & Hutchinson). Die deutsche Studie von Beelmann & Schmidt-Denter aus dem Jahr 1991 ergab aber, dass die Kinder eher ein negatives Bild von sich selbst haben als Kinder aus Kernfamilien.

In der Untersuchung von Walper (1995) ergab sich keine Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls bei Kindern aus Stieffamilien oder Ein-Elter-Familien. Sie zeigten dasselbe Selbstwertgefühl wie Kinder aus Kernfamilien. Jedoch führt eine hohe Familienstabilität zu einer besseren Selbsteinschätzung.

2.1.3 Auswirkungen auf die sozialen Beziehungen zu Gleichaltrigen

Hierbei gibt es nur wenige Befunde. Meist haben Scheidungskinder wenige enge Freunde, sie verbringen weniger Zeit mit ihnen bei gemeinsamen Aktivitäten, sie erfahren weniger Unterstützung von Gleichaltrigen und werden von anderen Kindern stärker abgelehnt (Hetherington, 1979; Wallerstein 1989, Frost & Pakiz 1990).

Der aggressive und wenig kooperative Stil des Konfliktverhaltens der Eltern beeinflusst weiterhin negativ die verschiedenen Aspekte des Spielverhaltens der Kinder (Camara & Resnick, 1989). Scheidungskinder haben nur wenige positive Kontakte, sind stärker isoliert und verhalten sich aggressiver.

Die wenigen positiven Kontakte und die Isolation führen zu einer Vereinsamung. Rückwirkend wird daraus eine Bindung an die zerbrochene Familie, die in der Pubertät nötige Ablösung von den Eltern und den in der Familie erfahrenen Beziehungsmustern verhindert. (Bärbel Baurs, 1993).

2.1.4 Auswirkungen auf abweichendes und delinquentes Verhalten

Dies tritt öfter auf, was mit dem geringen Maß an Kontrolle der Erziehungsberechtigten zusammenhängt.

Bei Peterson & Zill (1986) trat ein gleiches Maß an Verhaltensproblemen (abweichendes Verhalten) auf wie bei Kindern aus konfliktbelasteten Familien.

2.1.5 Positive Auswirkungen auf die Kinder

Scheidungskinder haben oft eine weniger starre Orientierung an Geschlechtsrollen. Auch sind sie sehr selbstständig und eigenverantwortlich. Wallerstein (1989) interpretiert, dass der Stolz auf die eigene Selbstständigkeit oft das Bedauern nicht genügend unterstützt und nicht ausreichend umsorgt worden zu sein verbirgt.

2.1.6 Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Scheidung

Bei Externalisierung sind die Söhne deutlich mehr belastet wie die Töchter. Bei der Internalisierung ist es gleich. Auch beim Selbstwertgefühl gibt es keine geschlechtsspezifischen Unterschiede. Zaslow (1989) untersuchte Nachscheidungsfamilien, bei denen sich geschlechtsspezifische Unterschiede einstellten. Bei 11 von 15 Untersuchungen hatten Söhne bei unverheirateten sorgeberechtigte Mütter stärkere Auswirkungen als bei Töchtern. Bei zwei Untersuchungen (Santrock, 1979/1982) hatten Töchter bei unverheirateten sorgeberechtigte Vätern Verhaltensauffälligkeiten. Bei der Wiederheirat der Mutter reagieren Töchter in 3 von 3 Untersuchungen stärker mit negativen Auswirkungen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Peterson & Zill (1986). Block (1986) meint dagegen, dass die unterschiedlichen Belastungen nicht von der Nachscheidungsfamilie abhängen, denn Jungen zeigen schon viele Jahre vor der eigentlichen Scheidung unangepasstes Verhalten. Auch Napp-Peters (1992) unterstützt dies, doch sind langfristige Verhaltensauffälligkeiten bei Jungen häufiger, unabhängig davon bei welchem Elternteil sie leben.

Bei Bärbel Bauers (1992) Untersuchung traten auch geschlechtsspezifische Symptome auf. Jungen reagieren auf die Scheidung intensiver als Mädchen. Sie schließt daraus, dass dies mit der Mutter-Sohn-Problematik zusammenhängen kann. Der Junge wird als Repräsentant des ungeliebten Partners mit dem negativen Vaterbild identifiziert. Ebenso kann der Sohn als Partnerersatz fungieren.

2.1.7 Auswirkungen in Abhängigkeit vom Alter der Kinder

Es gibt in diesem Zusammenhang nur wenige systematische Untersuchungen. Meist sind es theoretische Überlegungen und qualitative Verlaufsuntersuchungen.

Viele Folgen tauchen nicht direkt nach der Scheidung auf, sondern erst zum Zeitpunkt der Problembewältigung, sind aber von der Scheidung mit verursacht.

2.1.7.1 Vorschulalter

Im Vorschulalter haben Kinder besonders große Angst im Stich gelassen zu werden. Sie haben kein Begriff von Zeit und keine Vorstellung vom Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung. Sie ziehen aus dem Verschwinden des einen Elternteils den simplen Schluss, dass auch der andere Elternteil verschwinden kann. Dazu können Kinder ab dem 3. Lebensjahr den Streit genau wahrnehmen, doch verstehen sie die Zusammenhänge noch nicht und entwickeln dabei ihre eigenen Interpretationen (z.B. Schuldgefühle).

Aufgrund ihrer Abhängigkeit durch die Pflege und Versorgung der Eltern, ihren Ängsten und ihrem begrenztem Verständnis für die familiäre Situation und ihre Unfähigkeit, sich selbst zu trösten reagieren sie am heftigsten auf die Trennung. Zusätzlich reduziert sich durch die Scheidung die Zuwendung der Eltern, was zu langfristigen Verunsicherungen beim Kind führt.

Die Kleinkinder können große Trennungsängste offenkundigen und fallen manchmal in ihrer Entwicklung zurück. Plötzlich nässen sie ins Bett oder lutschen an ihrem Daumen. Longfellow (1979) erklärte diese Reaktionen mit der Ich-zentrierten Sichtweise der Kinder. Die Trennung der Eltern wird als Trennung des Elternteils von der eigenen Person verstanden. Sie reagieren mit Selbstanschuldigungen und haben ein vermindertes Selbstwertgefühl. Ferner tendieren sie zu aggressivem Verhalten gegenüber Kleineren oder Gleichaltrigen. Sie geben sich Schuld an der Trennung ihrer Eltern, sie denken, dass ihr Fehlverhalten die Trennung herbeigeführt hat.

Die Kinder werden obendrein häufig depressiv und ziehen sich zurück. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Kinder in diesem Alter sich noch nicht mit Gleichaltrigen darüber unterhalten können, was bei älteren Kindern eine erhebliche Entlastung ist.

Kinder in diesem Alter reagieren mit erhöhter Ängstlichkeit und Aggressionen. Sie weinen verstärkt und leiden unter akuten Trennungsängsten. Diese Symptome gehen oft einher mit Bettnässen.

In der Wissenschaft wird das Vorschulalter ebenfalls als ödipale Phase charakterisiert. Das Kind muss nun endgültig von der Ausschließlichkeit der dyadischen Beziehung Abschied nehmen zugunsten der Dreierbeziehung. Dadurch eröffnen sich neue Wege der Befriedigung, was zur Entwicklung einer reifen Objektliebe beiträgt. Da diese Phase zu den sensiblen Phasen gehört, wirkt sich dabei eine Scheidung besonders negativ aus.

Dies wird unterstützt durch die These, dass je jünger das Kind zum Zeitpunkt der Scheidung ist (mit Ausnahme der ersten zwei Lebensjahre/ Peck, 1989), desto gravierender seien die Folgen. Außerdem spielt der lange Zeitraum der Nachscheidungsphase eine entscheidende Rolle. Für die Kinder ist es eine fortdauernde Belastung. Je länger eine Belastung anhält, desto mehr negative Konsequenzen ergeben sich für das Kind.

Wallerstein (1989) dagegen meint, dass die 2-6jährigen zur Zeit der Scheidung zwar am stärksten betroffen sind, aber nach 10 Jahren am geringsten, da sie die wenigsten Erinnerungen an die Scheidung haben.

Bei einer Studie von Reis & Meyer-Probst (1999) ist das Netto-Familien-Einkommen bei Früh-Geschiedenen niedriger. Ihnen geht es materiell schlechter und sie sind sozial stärker belastet. Sie unterscheiden sich statistisch gesehen am bedeutsamsten von allen anderen.

Die Eltern der Scheidungskinder fühlen sich am autoritärsten und sie haben die meisten Erziehungsschwierigkeiten.

2.1.7.2 Erste Grundschuljahre

Kinder in den ersten Schuljahren haben nach einer Trennung Verlustängste und fühlen sich sehr zurückgewiesen. Auch plagen sie Schuldgefühle einem Elternteil gegenüber. Sie befürchten ein Elternteil für immer zu verlieren. Außerdem haben sie große Angst, dass sie ersetzt werden könnten, z.B. durch ein neues Kind oder ein Haustier. Kleine Mädchen phantasieren gerne, sie wünschen sich ihre Familie wieder vereint. Das geht einher mit Konzentrationsstörungen. Kinder aus dieser Altersgruppe sind weinerlich, launisch und fühlen sich innerlich leer. 50 Prozent der Kinder verzeichnen einen starken schulischen Leistungsabfall, der sich aber nach einem Jahr wieder normalisiert.

Kleine Junge haben meist eine große Sehnsucht nach ihrem Vater, der sich auch physisch auswirkt. Die Kinder ergreifen Partei für den Elternteil, den sie nicht für schuldig halten. Dadurch kommen sie in einen Loyalitätskonflikt.

6-12jährigen Kinder durchleben die Scheidung mit Tagträumen und Wiedervereinigungsphantasien. Sie sind oft schwermütig und launisch, klagen häufig über Kopfschmerzen und fühlen sich schlapp, haben oft chronische Magenbeschwerden oder zeigen andere Krankheitssymptome. Diese Leiden begründet Longfellow (1979) als Bedrohung ihrer Existenz. Sie fühlen sich alleingelassen in der Mitte der elterlichen Auseinandersetzungen.

2.1.7.3 Spätere Schulphase

In der späteren Schulphase, 9-12 Jährig, lernen die Kinder spielend das Rollenverhalten und entwickeln soziale Fähigkeiten. Durch die Trennung haben sie große Angst, den sicheren Rahmen zu verlieren. Sie befürchten, dass alle gegenwärtigen und zukünftigen Pläne zunichte gemacht werden. Ihre Ängste widerspiegeln sich in ihrem Verhalten. Sie spüren Zorn gegenüber den für sie schuldigen Elternteil. Trauer und Angst bestimmen ihre Lebenswelt, sie fühlen sich ohnmächtig und einsam. Oft passiert es, dass Kinder die Funktionsrolle eines Erwachsenen übernehmen, sie spielen Tröster und sind Partnerersatz. Doch damit entsteht eine emotionale Überforderung der Kinder. Auch leiden die Beziehungen zu Gleichaltrigen. Scheidungskinder dieses Alters leiden oft an somatischen Beschwerden, meist an Kopf- oder Bauchschmerzen.

Manchmal begehen die Kinder auch Straftaten wie kleine Bagatelldiebstähle, Betrügereien und Fälschungen. In der Schule wird ein rapider Abfall der Leistungen verzeichnet.

2.1.7.4. Jugendalter

In der Zeit der Adoleszenz haben Jugendliche ein starkes Bedürfnis nach einer Familienstruktur, in der sie mit ihren sexuellen Impulsen und Aggressionen umgehen lernen. Nach einer Scheidung haben Jugendliche Angst die Fehler ihrer Eltern zu wiederholen und sorgen sich schon um ihre Zukunft. Sie fühlen sich von ihren Eltern zurückgestoßen, weil diese sich nur noch um ihre eigenen Probleme kümmern. Die normalen Ängste der Pubertät werden durch die Trennung noch verstärkt. Sie sind verstört darüber, dass ihre Eltern auch Menschen sind mit sexuellen Bedürfnissen und Problemen. Oft führt die Wut auf die Eltern und das Gefühl im Stich gelassen zu werden zu einer frühen sexuellen Aktivität.

Andere übernehmen Verantwortung, machen Hausarbeiten und beteiligen sich an Entscheidungen. Diese frühe Reifung birgt aber die Gefahr wichtige Erfahrungen der Pubertät zu versäumen.

Die älteren Kinder bis 16 Jahre können die Scheidungssituation besser realistisch einschätzen als die jüngeren Kinder. Doch auch sie reagieren auf die Scheidung der Eltern. Oft schwänzen sie die Schule und die Leistungen fallen ab. Zudem zeigen sie Verhaltensauffälligkeiten in der Schule. Jugendliche können den Konflikten in der Familie besser aus dem Weg gehen, indem sie sich mehr außerhalb der Familie aufhalten und eigene Interessen entwickeln.

2.1.7.5 Rostocker Längsschnittsstudie von Reis und Meyer-Probst

Die beiden Autoren erhoben eine Längsschnittstudie mit Kindern im Alter von 10, 14, 20 und 25 Jahren. Die Kinder wurden in 3 Gruppen geteilt: Familien mit harmonische Ehen, mit konfliktbelasteten Ehen und Scheidungsfamilien, wobei keine Unterscheidung zwischen Ein-Eltern-Familie und Stieffamilie erstellt wurde. Die Studie wurde durch Fremdeinschätzung (Messdaten, Mütter- und Lehrerurteil), Selbsteinschätzung, Intelligenzentwicklung und Fremdeinschätzung der Intelligenz durchgeführt.

Dabei ergaben sich folgende empirische Befunde:

Kinder, deren Eltern sich zwischen dem 1. und 10. Lebensjahr haben scheiden lassen, schätzten sich am Anfang der Studie als selbstwertgemindert ein. Im Laufe der Studie stabilisierte sich dies, doch mit 25 Jahren sahen sie sich wieder selbstwertgemindert.

Kindern in der die Scheidung in der Adoleszenz-Zeit stattfand, haben nach der Scheidung einen totalen Einbruch. Doch es folgt ein langsamer Aufwärtstrend und mit 25 sind sie die Gruppe mit dem meisten Selbstwertgefühl. Kinder aus spät belasteten Familien haben nach der Scheidung ihrer Eltern ein akutes geringes Selbstwertgefühl, das sich aber wieder stabilisiert. Kinder aus konfliktbelastete Ehen haben eine stabile Entwicklung, wenn auch auf niedrigem Niveau, das knapp unter dem Durchschnitt liegt.

Die Folgen der Frühscheidung sind am wenigsten ausgeprägt. Doch leiden die Kinder häufig unter den sozioökonomischen Bedingungen. Bei dieser Gruppe ist die Wiederheirat der Mutter am wahrscheinlichsten. Die Kinder haben mit 25 Jahren das beste Verhältnis zu ihren Eltern als die restlichen Gruppen. Doch nach Verlassen des Elternhauses stellt sich bei ihnen oft ein geringes Selbstwertgefühl ein.

Folgen der mittleren Scheidung: Diese Kinder leiden häufig noch mit 20 Jahren unter der Scheidung ihrer Eltern. Doch haben sie mit 25 Jahren das höchste Selbstwertgefühl.

Der Folgen der Spätscheidung: Bei der Spätscheidung bleiben dramatische Einbrüche meistens aus, doch stellt sich bei ihnen eine leichte Selbstwertminderung ein. Bemerkenswert bei dieser Gruppe ist, dass die Kinder mit 10 Jahren das schlimmste Problemverhalten haben, was zeigt, dass die Zeit vor der eigentlichen Trennung für die Kinder schon ein Stressor ist.

Im Gegensatz zu den vorgestellten Theorien gibt es auch die Kurzfristigkeitshypothese. Diese besagt, dass die Belastungen während der Scheidungsphase eine Neuanpassung erfordern. Diese negativen Scheidungsfolgen sind nach 2-3 Jahren nach der Scheidung überwunden. Die Folgen hängen bei dieser These nicht vom Alter ab, sondern wie lange die Scheidung zurückliegt.

2.1.8 Entwicklungsaufgaben

Wallerstein (1989) formuliert 7 Entwicklungsaufgaben, die das Scheidungskind bewältigen muss. In folgenden werden diese dargelegt.

Die Scheidung verstehen

Die Aufgabe, die Scheidung zu verstehen, gliedert sich in 2 Phasen. In der ersten Phase müssen die konkreten Veränderungen verstanden und imaginäre Ängste von der Wirklichkeit getrennt werden. Die zweite Phase kommt später, wenn die Kinder in der Lage sind, aus der Distanz heraus und mit mehr Reife die Handlungen der Eltern zu beurteilen und nützliche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Leben zu ziehen.

Strategischer Rückzug

Kinder und Jugendliche sollen sich möglichst bald wieder ihrem eigenen Leben widmen. Besonders für Jugendliche ist dieser Punkt besonders wichtig, da sie gerade begonnen haben ein eigenes Leben aufzubauen. Das heißt nicht, dass sie die Scheidung verdrängen sollen, sie müssen ihre Sorgen offen zeigen und Eltern und Geschwistern angemessen helfen. Doch sollten sie die Scheidung aus dem Zentrum ihrer Gedanken bannen und sich ihren Hobbys, Interessen, Problemen, Beziehungen mit Gleichaltrigen widmen. Die Eltern müssen dabei die Kinder anhalten, Kinder zu bleiben.

Den Verlust bewältigen

In den Jahren nach der Scheidung erleben Kinder zwei große Verluste: Sie verlieren die intakte Familie und damit den symbolischen und realen Schutz, den sie bot; und sie verlieren im tagtäglichen Leben ein Elternteil, meist den Vater. Als Reaktion idealisieren oft sie den Vater.

Die Aufgabe, den Verlust zu bewältigen, ist vielleicht die schwierigste Aufgabe, die eine Scheidung stellt. Im Wesentlichen verlangt sie von den Kindern, das tiefe Gefühl der Zurückweisung, Demütigung und Ohmacht zu überwinden.

Mit Zorn umgehen

Kinder wissen, dass die Scheidung darauf zurückzuführen ist, dass die Eltern nicht zusammen leben können. Sie wissen, dass ein Elternteil Schuld an der Scheidung hat, obwohl dieser eigentlich, dass Kind beschützen muss. Sie werden wütend auf ihre Eltern, weil sie die Scheidung als Gleichgültigkeit gegenüber ihren Bedürfnissen erfahren. Sie empfinden sie als lieblose egoistische Eltern oder halten sie für zu schwach und unfähig, ihre Probleme anders als mit Weglaufen zu regeln. Trotzdem sehen sie, dass ihre Eltern leiden. Sie empfinden neben der Wut auch Mitleid mit ihnen, das macht es ihnen schwerer ihre Wut einzugestehen.

Für Kinder ist es deswegen sehr wichtig, dass sie sich den Zorn eingestehen und ihn überwinden. Sie müssen ihre Eltern als Menschen akzeptieren, die Fehler machen, und sie achten, weil sich diese bemühen und persönlichen Mut beweisen.

Erst wenn die Kinder älter werden und die Scheidung verstehen, lässt der Zorn nach und die Scheidung ist überwunden.

Schuldgefühle überwinden

Kleine Kinder meinen oft, dass sie Schuld an der Ehescheidung der Eltern haben. Sie glauben, sie hätten das Elternteil durch unerzogenes Verhalten vertrieben.

Andere Schuldgefühle wurzeln in der Erkenntnis, dass sie wirklich Ursache für die Scheidung waren. Oft kommt es nach einer Geburt eines Kindes zur Scheidung und das Kind hat zu Recht den Eindruck einen Keil zwischen seine Eltern getrieben zu haben.

Bei Mädchen kommt oft noch eine weitere Form von Schuldgefühlen dazu: Sie identifizieren sich mit der bekümmerten Mutter und fürchten, ihnen überlegen zu sein. Solche jungen Frauen haben Schwierigkeiten sich von der Mutter zu lösen und eine Bindung mit jungen Männern einzugehen.

Die Endgültigkeit der Scheidung akzeptieren

Zunächst haben die Kinder das starke Gefühl die Scheidung zu ignorieren. Dies kann man als ersten Schritt im Verarbeitungsprozess ansehen, da sie die ganze Wahrheit auf einmal nicht ertragen. Dennoch gibt es auch Kinder und Jugendliche, die nach 5 oder 10 Jahren immer noch die Endgültigkeit der Scheidung nicht anerkennen. Jede freundliche Geste zwischen den Partner wird als Versöhnungsansatz gesehen. Diese Versöhnungsphantasien kommen tief aus der Psyche der Kinder. Kinder brauchen das Gefühl, dass ihre Eltern zusammen glücklich sein könnten. Sie überwinden diese Wunschvorstellung erst, wenn sie sich selbst von den Eltern trennen und von zu Hause ausziehen.

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Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
Leistungs- und Verhaltenseinschätzung von Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
103
Katalognummer
V51683
ISBN (eBook)
9783638475822
ISBN (Buch)
9783656807513
Dateigröße
1085 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leistungs-, Verhaltenseinschätzung, Lehrerinnen, Lehrer, Grundschule
Arbeit zitieren
Natascha Filsinger (Autor), 2005, Leistungs- und Verhaltenseinschätzung von Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/51683

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