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Interkulturelle Irritationen beim Arzt

Title: Interkulturelle Irritationen beim Arzt

Diploma Thesis , 2004 , 124 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Ilona Heinz (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

Einleitung

„Une rose n’ est pas une rose.“ Diese Feststellung des französischen Dichters Mallarmé beschreibt treffend, was auch Kernpunkt dieser Arbeit ist: mit dem Wort ‚Rose’ verhält es sich genauso, wie mit dem Wort ‚Krankheit’. Eine Rose ist nicht gleich der anderen. Das Wort ‚Rose’ allein beschreibt nicht deren Aussehen, Farbe, Blüte, Größe, Form etc.

Auch das Wort ‚Krankheit’ allein gibt keinen Aufschluss über die Definition von ‚Krankheit’, was ‚Krankheit’ ist, ab wann ein Mensch krank, wann er noch als gesund bezeichnet wird, was Zeichen von Krankheit ist, wie ihr begegnet wird, was zu ihrer Bekämpfung getan werden kann, wer zur Heilung zu Rate gezogen wird und wie mit dem Kranken umgegangen wird.

Wird ‚Krankheit’ in einem kulturübergreifenden Zusammenhang gebracht, sind die Inhalte und Konnotationen von ‚Krankheit’ möglicherweise so unterschiedlich, dass Irritationen entstehen können.

Mit diesen Irritationen, bezogen auf die Arzt-Patientenbeziehung, befasst sich folgende Arbeit.

Die Begründung der Irritationen zwischen ausländischem Patienten und deutschem Arzt durch kulturelle Unterschiede allein, wäre eine zu einseitige Beleuchtung der Thematik. Deswegen werden weitere Problemebenen erfasst, wobei nicht migrantenspezifische Themen kurzgefasst sind, jedoch der Vollständigkeit halber angerissen werden, um einen Einblick zu gewähren.

Leitende Fragestellungen dieser Arbeit sind:
Haben Migranten besondere Bedürfnisse, die bei der Behandlung durch den niedergelassenen Arzt beachtet werden sollten? Worin begründen sich diese Bedürfnisse?

Die Arbeit ist so aufgebaut, dass zunächst in den Kapiteln 1 und 2 eine theoretische Basis gelegt wird. Um den Umfang der Arbeit einzugrenzen, ist die Zielgruppe nicht ausländische Patienten allgemein, sondern türkische Patienten. In den Kapiteln 3 und 4 wird die Ziel gruppe eingehend beschrieben und auf das traditionelle türkische Krankheitsverständnis eingegangen. Dieses Vorwissen ist nötig, um dann in den folgenden Kapiteln 5 – 8 mögliche Irritationen eingehend darlegen und erörtern zu können. Aus der Gesamtheit der Arbeit kann dann eine Konklusion und Handlungsmöglichkeiten erschlossen werden (Kapitel 9 und 10). Diese zeigen auf, worin Möglichkeiten liegen können, die medizinische Behandlung von Migranten in der ärztlichen Praxis und somit den gesundheitlichen Status zu verbessern. Erarbeitet wurden diese Konklusion und die Hinführung zu dieser durch Literaturrecherche und –analyse.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. MIGRATION UND KRANKHEIT – THEORETISCHE ASPEKTE

1.1 Migration

1.2 Migranten

1.3 Gesundheit

1.4 Krankheit

1.4.1 Krankheit und Kultur

1.4.2 Krankheit und soziale Lage

1.4.3 Bedeutung von Krankheit in der Gesellschaft

1.5 Subjektive Krankheitstheorien

1.6 Ursachenvorstellungen bezüglich Krankheit

2. MIGRATION – EIN PATHOGENER FAKTOR?

2.1 Stand der Forschung

2.2 Medizin-soziologische Theorien

2.2.1 Selektionshypothese

2.2.2 Kulturschocktheorie

2.2.3 Akkulturationstheorie

2.2.4 Weitere medizin-soziologische Theorien

2.3 Fazit aus Kapitel 1 und 2

3. DIE TÜRKEI

3.1 Türkisch–deutsche Migration

3.1.1 Phasen der Arbeitsmigration

3.2 Soziale Lage türkischer Migranten in Deutschland

3.2.1 Bildungssituation

3.2.2 Arbeitssituation

3.2.3 Sprachsituation

3.2.4 Wohnsituation

3.2.5 Gesundheitliche Situation

3.3 Die drei Generationen

3.4 Fazit

4. GESUNDHEIT UND KRANKHEIT IN DER TÜRKEI

4.1 Formeller und informeller Sektor

4.2 Bedeutung von Krankheit

4.3 Aspekte traditioneller türkischer Krankheitsvorstellungen

4.3.1 ‚Nazar’- der böse Blick

4.3.2 ‚Cinler’- böse Geister

4.3.3 ‚Büyü’- schwarze Magie

4.3.4 Heilerpersönlichkeiten

4.3.4.1 ‚Hoca’- der Korankundige

4.3.5 Die Bedeutung von Blut

4.3.6 Die Bedeutung von Medikamenten

4.4 Fazit

5. INTERKULTURELLE IRRITATIONEN BEIM ARZT

6. DIE SPRACHBARRIERE

6.1 Folgen der Sprachbarriere

6.2 Folgen für die compliance

6.3 Dolmetschen in der ärztlichen Praxis

6.4 Fazit

7. KULTURELLE MISSVERSTÄNDNISSE

7.1 Unterschiedliche Krankheitsverständnisse im Sprechstundengespräch

7.1.2 Folgen unterschiedlicher Krankheitsverständnisse

7.1.3 Folgen für die compliance

7.2 Die Symptompräsentation

7.2.1 Irritationen im Bereich Symptompräsentation

7.3 Psychische Krankheiten

7.4 Kommunikation im Arzt-Patientengespräch

7.5 Erwartungen an den Arzt

7.5.1 Einverständnis im Missverständnis

7.6 Fazit

8. IRRITATIONEN AUFGRUND DER SOZIALEN LAGE

8.1 Das Arzt-Patientengespräch in Bezug zur sozialen Lage

8.2 Fazit

9. ERGEBNISSE

9.1 Folgen der Problemebenen

9.2 Gesamtfazit

9.3 Lösungswege

10. SPEZIFISCHE VERSORGUNGSANGEBOTE: DAS GESUNDHEITSZENTRUM FÜR MIGRANT/INN/EN IN KÖLN

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Ursachen interkultureller Irritationen in der Arzt-Patienten-Beziehung zwischen deutschen Ärzten und türkischen Patienten. Ziel ist es, die spezifischen Bedürfnisse dieser Patientengruppe zu identifizieren, um durch besseres Verständnis und kultursensible Kommunikation die medizinische Versorgung zu optimieren.

  • Strukturelle Barrieren: Sprache und Kommunikation im medizinischen Setting.
  • Kulturelle Prägungen: Traditionelle Krankheitsverständnisse und ihre Auswirkungen auf das Verhalten.
  • Sozioökonomische Faktoren: Der Einfluss der sozialen Lage auf den gesundheitlichen Status.
  • Rollenverständnis: Erwartungen an den Arzt und die Arzt-Patienten-Interaktion.
  • Lösungsansätze: Konzepte wie interkulturelle Öffnung und die Rolle von Sprach- und Kulturvermittlung.

Auszug aus dem Buch

4.3.1 ‚Nazar’- der böse Blick

Der böse Blick, in der Türkei ‚nazar’ genannt, ist in vielen europäischen, asiatischen, afrikanischen, zum Teil auch (süd-)amerikanischen Kulturen seit Jahrtausenden bekannt. In allen Schichten ist er in mehr oder weniger starker Intensität zu finden. In einem der ersten Berichte über ‚nazar’, schreibt STERN im Jahre 1903, dass ‚nazar’ insbesondere in ländlichen und sozial schlechter gestellten Regionen der Türkei häufig zu finden, die Verbreitung abhängig von Bildungsstand und Urbanisation sei.

Getroffen vom bösen Blick wird ein Mensch insbesondere dann, wenn ihm ein anderer neidisch, eifersüchtig oder auch übermäßig bewundernd gegenüber tritt. Der Neid bezieht sich zumeist auf die äußere Schönheit oder auf materiellen Erfolg. Besonders Fremde und Menschen mit blauen Augen und hellem Haar stehen im Verdacht, durch ‚nazar’ Schaden zufügen zu können. Der Grund hierfür ist sicherlich, dass blauäugige und blonde Menschen eher nicht dem türkischen Volk zugehörig und somit als Fremde leicht zu identifizieren sind.

‚Nazar’ wird für verschiedenste Probleme und Krankheiten verantwortlich gemacht: für Probleme in Liebes- und sozialen Beziehungen, für Kopfschmerzen, Erkältungen, Müdigkeit, Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, aber auch für schwerere Erkrankungen, Unfälle und Tod.

Zusammenfassung der Kapitel

1. MIGRATION UND KRANKHEIT – THEORETISCHE ASPEKTE: Dieses Kapitel legt die begriffliche Basis, indem es Migration, Migranten, Gesundheit und Krankheit definiert und den Einfluss soziokultureller Faktoren auf das Krankheitserleben beleuchtet.

2. MIGRATION – EIN PATHOGENER FAKTOR?: Hier werden medizin-soziologische Theorien diskutiert, die den Zusammenhang zwischen Migrationserfahrungen und Gesundheitsbelastungen sowie gesundheitsfördernden Faktoren untersuchen.

3. DIE TÜRKEI: Das Kapitel liefert Hintergrundwissen zur türkisch-deutschen Migrationsgeschichte und analysiert die soziale Lebenssituation türkischer Migranten in Deutschland.

4. GESUNDHEIT UND KRANKHEIT IN DER TÜRKEI: Es beschreibt das türkische Gesundheitssystem sowie traditionelle Krankheitsvorstellungen und die Rolle von Heilern und magischen Konzepten.

5. INTERKULTURELLE IRRITATIONEN BEIM ARZT: Einleitendes Kapitel, das anhand von Praxisbeispielen die Diskrepanz zwischen Erwartungen von Arzt und Patient verdeutlicht.

6. DIE SPRACHBARRIERE: Fokus auf die Folgen mangelnder Sprachkenntnisse für die Kommunikation, die Compliance und die therapeutische Sicherheit.

7. KULTURELLE MISSVERSTÄNDNISSE: Analyse unterschiedlicher Krankheitskonzepte, Symptompräsentationen und der Auswirkungen auf die Arzt-Patienten-Interaktion.

8. IRRITATIONEN AUFGRUND DER SOZIALEN LAGE: Untersuchung, wie der soziale Status die Qualität des ärztlichen Gesprächs beeinflusst.

9. ERGEBNISSE: Zusammenführung der Erkenntnisse zu einem Gesamtfazit, das die Notwendigkeit ganzheitlicher, kultursensibler Ansätze unterstreicht.

10. SPEZIFISCHE VERSORGUNGSANGEBOTE: DAS GESUNDHEITSZENTRUM FÜR MIGRANT/INN/EN IN KÖLN: Vorstellung eines Praxismodells zur verbesserten Versorgung.

Schlüsselwörter

Migration, türkische Migranten, interkulturelle Kommunikation, Gesundheit, Krankheit, Krankheitsverständnis, soziale Lage, Arzt-Patienten-Beziehung, Sprachbarriere, Akkulturation, Compliance, traditionelle Heilkunde, Gesundheitsversorgung, interkulturelle Öffnung, psychosomatische Beschwerden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die interkulturellen Herausforderungen und Irritationen, die in der medizinischen Versorgung türkischer Migranten durch deutsche Ärzte entstehen.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Auswirkungen der Migration auf die Gesundheit, kulturell bedingte unterschiedliche Krankheitsvorstellungen, soziale Disparitäten sowie die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet: Haben Migranten besondere Bedürfnisse in der medizinischen Behandlung, die beachtet werden sollten, und worin begründen sich diese?

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Literaturrecherche und -analyse, um die verschiedenen Problem- und Theorieebenen zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden sowohl theoretische Ansätze (Soziologie, Medizinsoziologie) als auch die spezifische Migrationsgeschichte und traditionelle Krankheitsbilder der türkischen Bevölkerung analysiert und mit dem deutschen Gesundheitssystem kontrastiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Migration, interkulturelle Kommunikation, Krankheitsverständnis, soziale Lage, Compliance und Gesundheitsversorgung definiert.

Was versteht man unter dem in der Arbeit beschriebenen "Einverständnis im Missverständnis"?

Es handelt sich um eine Situation, in der sowohl Arzt als auch Patient das Ziel der Heilung verfolgen, aber unterschiedliche Erwartungen und Vorstellungen haben, was zu einer rein symptomorientierten Behandlung führt, anstatt die eigentlichen Ursachen (z. B. psychosoziale Probleme) zu adressieren.

Welche Rolle spielen traditionelle Heiler wie der "Hoca" im Kontext dieser Arbeit?

Der Hoca fungiert als vertraute Autoritätsperson, die bei psychischen oder unklaren Problemen aufgesucht wird, da das traditionelle Krankheitsverständnis häufig exogene (äußere) Ursachen für Beschwerden sieht.

Was ist die Kernbotschaft bezüglich der "sozialen Lage"?

Die soziale Lage beeinflusst das Gesundheitsverhalten und den Zugang zum Gesundheitssystem. Die Arbeit argumentiert, dass eine niedrige soziale Lage oft mit Bildungslücken und Kommunikationsbarrieren einhergeht, die den therapeutischen Erfolg mindern können.

Excerpt out of 124 pages  - scroll top

Details

Title
Interkulturelle Irritationen beim Arzt
College
Cologne University of Applied Sciences
Grade
2,0
Author
Ilona Heinz (Author)
Publication Year
2004
Pages
124
Catalog Number
V52072
ISBN (eBook)
9783638478762
ISBN (Book)
9783656782476
Language
German
Tags
Interkulturelle Irritationen Arzt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ilona Heinz (Author), 2004, Interkulturelle Irritationen beim Arzt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52072
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