Diese Arbeit widmet sich den Überlegungen Lockes in seinem Essay Concerning Human Understanding, welche die Eigenschaften von Körpern, beziehungsweise deren Qualitäten, wie Locke sich ausdrückt, betreffen. Die Ausführungen hierzu finden sich vor allem im VIII Kapitel des Zweiten Buches. Diese Überlegungen sind Teil einer umfangreichen erkenntnistheoretischen Schrift. Locke hat sich in dieser Arbeit zum Ziel gesetzt, die Art und Weise menschlicher Erkenntnis und deren Grenzen aufzuzeigen. Hierbei stehen im Zentrum des Interesses Vorstellungen, welche ein jeder Mensch in seinem Bewusstsein findet, und welche von Locke als Ideen bezeichnet werden. Diese gliedern sich in einfache und komplexe Ideen. Die einfachen Ideen ihrerseits, gliedern sich nach den verschiedenen Wegen, auf denen sie erlangt werden können in solche, die durch einen Sinn, durch mehrere Sinne, durch Reflexion oder durch Sensation und Reflexion zusammen erlangt werden können. Unsere Arbeit bezieht sich auf einfache Ideen welche entweder durch einen Sinn oder durch mehrere Sinne wahrgenommen werden können; Lockes Überlegungen zu den Qualitäten der Körper verstehen sich sozusagen als weitergehende Überlegungen zu dieser Art von Idee.
Ich möchte in meiner Arbeit mit einer Charakterisierung der Qualitäten bei Locke im Allgemeinen beginnen und daraufhin die spezifischen Eigenschaften der primären sowie der sekundären Qualitäten aufzeigen. In einem zweiten Schritt sollen dann Probleme dieser Ausführungen aufgeworfen werden, zum einen im größeren Zusammenhang des Essays, zum anderen insbesondere anhand der Unterscheidung von primären und sekundären Qualitäten.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. QUALITÄTEN
2.1. PRIMÄRE QUALITÄTEN
2.2. SEKUNDÄRE QUALITÄTEN
2.3.KRAFT ALS SEKUNDÄRE QUALITÄT
3. PROBLEME
3.1. QUALITÄT VERSUS IDEE
3.2. PRIMÄRE VERSUS SEKUNDÄRE QUALITÄTEN
4. SCHLUSSFOLGERUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert kritisch John Lockes Unterscheidung zwischen primären und sekundären Qualitäten in seinem "Essay Concerning Human Understanding". Ziel ist es, die erkenntnistheoretischen Inkonsistenzen aufzuzeigen, die sich aus der Verbindung von Lockes Ideentheorie mit seinem Modell der kleinsten Partikel (Korpuskeln) ergeben.
- Charakterisierung und Definition der Qualitäten bei Locke
- Differenzierung zwischen primären und sekundären Qualitäten
- Die Rolle der Korpuskeltheorie für die Wahrnehmung
- Kritische Analyse des Verhältnisses von Ideen zu externen Qualitäten
- Problematik der Repräsentation von Dingen an sich
Auszug aus dem Buch
3.1. Qualität versus Idee
Der Begriff der Idee ist für den Essay von zentraler Bedeutung. Auch wenn Locke keine klare Definition vornimmt, so finden sich doch Hinweise, auf welche Art und Weise dieser Begriff, der die gesamten hier vorgestellten Überlegungen bedingt, aufzufassen ist. Am Ende der Einleitung schreibt Locke, er benutze den Begriff, „[…] um das auszudrücken, was immer man unter Phantasma, Begriff, Vorstellung, oder was immer es sei, das den denkenden Geist beschäftigen kann, versteht […]“. Diese Aussage ist wenig hilfreich um eine genaue Vorstellung von der Bedeutung des Begriffes zu erlangen, da sie allzu unkonkret und uneingeschränkt erscheint. Allerdings genügt diese Begriffsauffassung für unsere Zwecke, da zumindest eines ganz deutlich hervortritt: Eine Idee ist eine Art Gedanke, es handelt sich hierbei um das Objekt des Denkens.
Einem weiteren Aspekt dieses Begriffes, der jedoch auch und vor allem auf konzeptioneller Ebene einen Hauptgedanken der Lockeschen Erkenntnistheorie formuliert, ist im Essay ein ganzes Buch gewidmet: im ersten Buch des Essay führt Locke aus, dass weder Ideen noch Prinzipien angeboren seien. Daraus ergibt sich nun im zweiten Buch, die Aussage, dass unser Geist einem leeren Blatt gliche und letztlich die Folgerung, dass alle Ideen, die wir besitzen, wie bereits ausgeführt wurde, entweder aus der Sensation oder der Reflexion stammen und damit letztlich auf Erfahrung zurückzuführen sind.
Aus diesen beiden Erkenntnissen folgt nun, dass die Vorstellungen über die Eigenschaften der Gegenstände entweder nicht den Charakter von Ideen haben und damit nicht aus der Sensation oder Reflexion stammen, oder dass es sich sehr wohl um Ideen handelt, diese jedoch nicht wie alle anderen Ideen letztlich auf die gleiche Art der Erfahrung zurückzuführen sind. Nimmt man ersteres an, entsteht ein Widerspruch zur Tatsache, dass es es sich bei allem, was wir denken um Ideen handelt. Nimmt man zweiteres an, und betrachtet die Aussagen über die Qualitäten durchaus als Ideen, dann widersprechen sie der Definition und dem ureigenen Verständnis von dem, was eine Idee bei Locke ausmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Zielsetzung ein, Lockes Lehre der Qualitäten innerhalb des "Essay Concerning Human Understanding" kritisch zu hinterfragen und deren erkenntnistheoretische Einbettung zu erläutern.
2. QUALITÄTEN: Dieses Kapitel definiert primäre und sekundäre Qualitäten sowie die Funktion der Korpuskeltheorie, welche erklären soll, wie Objekte Sensationen im menschlichen Geist hervorrufen.
3. PROBLEME: Es werden zentrale Widersprüche in Lockes System aufgezeigt, insbesondere hinsichtlich der Abgrenzung von Ideen zu Objekten sowie der Konsistenz der Unterscheidung zwischen den beiden Qualitätsarten.
4. SCHLUSSFOLGERUNG: Die Schlussfolgerung fasst die Kritik zusammen und konstatiert, dass Lockes gleichzeitige Nutzung der Korpuskeltheorie für beide Qualitätsarten den von ihm proklamierten fundamentalen Unterschied zwischen ihnen infrage stellt.
Schlüsselwörter
John Locke, Essay Concerning Human Understanding, Primäre Qualitäten, Sekundäre Qualitäten, Erkenntnistheorie, Korpuskeltheorie, Sensation, Reflexion, Ideenlehre, Wahrnehmung, Phänomene, Materie, Repräsentation, Philosophie, Erkenntnisgrenzen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die philosophischen Ausführungen John Lockes zu den Qualitäten von Körpern und prüft, ob seine Einteilung in primäre und sekundäre Qualitäten in sich schlüssig ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Korrelation zwischen Ideen und Qualitäten, die Funktion von kleinsten Teilchen (Korpuskeln) bei der Wahrnehmung sowie das Problem der erkenntnistheoretischen Repräsentation.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist die Aufdeckung von Widersprüchen in Lockes Theorie, insbesondere ob die strikte Trennung von primären und sekundären Qualitäten angesichts der verwendeten Korpuskeltheorie aufrechterhalten werden kann.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung des "Essay Concerning Human Understanding", ergänzt durch eine kritische Gegenüberstellung von Lockes Begriffsdefinitionen und deren theoretischer Anwendung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Definitionen der Qualitäten dargelegt, gefolgt von einer kritischen Reflexion über den Status von Ideen versus Qualitäten und den Problemen der Korpuskeltheorie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit dreht sich primär um die Begriffe Primäre Qualitäten, Sekundäre Qualitäten, Ideentheorie und das Korpuskel-Modell.
Inwiefern ist das Korpuskel-Modell problematisch für Lockes Argumentation?
Locke nutzt die Korpuskeltheorie sowohl für primäre als auch für sekundäre Qualitäten, was laut Autor dazu führt, dass die Grenze zwischen beiden Qualitätskategorien theoretisch instabil wird.
Was ist das "referentielle Dilemma", das im Text erwähnt wird?
Es beschreibt das Problem, wie der Geist – der nur Ideen als Objekte kennt – innerhalb Lockes Theorie überhaupt eine gesicherte Aussage über die reale, externe Welt ("Dinge an sich") treffen kann.
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- Andreas Schuster (Author), 2005, Primäre und sekundäre Qualitäten in John Locks Essay Concerning Human Understanding, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52111