Primäre und sekundäre Qualitäten in John Locks Essay Concerning Human Understanding


Seminararbeit, 2005
13 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Qualitäten
2.1. Primäre Qualitäten
2.2. Sekundäre Qualitäten
2.3.Kraft als sekundäre Qualität

3. Probleme
3.1. Qualität versus Idee
3.2. Primäre versus Sekundäre Qualitäten

4. Schlussfolgerung

1. Einleitung

Diese Arbeit widmet sich den Überlegungen Lockes in seinem Essay Concerning Human Understanding, welche die Eigenschaften von Körpern, beziehungsweise deren Qualitäten, wie Locke sich ausdrückt, betreffen. Die Ausführungen hierzu finden sich vor allem im VIII Kapitel des Zweiten Buches.

Diese Überlegungen sind Teil einer umfangreichen erkenntnistheoretischen Schrift. Locke hat sich in dieser Arbeit zum Ziel gesetzt, die Art und Weise menschlicher Erkenntnis und deren Grenzen aufzuzeigen. Hierbei stehen im Zentrum des Interesses Vorstellungen, welche ein jeder Mensch in seinem Bewusstsein findet, und welche von Locke als Ideen bezeichnet werden. Diese gliedern sich in einfache und komplexe Ideen. Die einfachen Ideen ihrerseits, gliedern sich nach den verschiedenen Wegen, auf denen sie erlangt werden können in solche, die durch einen Sinn, durch mehrere Sinne, durch Reflexion oder durch Sensation und Reflexion zusammen erlangt werden können. Unsere Arbeit bezieht sich auf einfache Ideen welche entweder durch einen Sinn oder durch mehrere Sinne wahrgenommen werden können; Lockes Überlegungen zu den Qualitäten der Körper verstehen sich sozusagen als weitergehende Überlegungen zu dieser Art von Idee.

Ich möchte in meiner Arbeit mit einer Charakterisierung der Qualitäten bei Locke im Allgemeinen beginnen und daraufhin die spezifischen Eigenschaften der primären sowie der sekundären Qualitäten aufzeigen. In einem zweiten Schritt sollen dann Probleme dieser Ausführungen aufgeworfen werden, zum einen im größeren Zusammenhang des Essays, zum anderen insbesondere anhand der Unterscheidung von primären und sekundären Qualitäten.

2. Qualitäten

Der Begriff Qualität stellt sich vor allem durch seine Abgrenzung vom bzw. durch seinen Zusammenhang mit dem Begriff Idee dar. Entscheidend ist, dass es im Bereich der Qualitäten um einen Bestandteil der externen Welt geht, es handelt sich in diesem Kapitel also um Aussagen über Gegenstände und deren Eigenschaften, außerhalb unseres Geistes. Der Zusammenhang mit dem Begriff Idee ist aus zwei Gründen entscheidend: zum einen sollen die Ausführungen über die Qualitäten im Essay allein zum besseren Verständnis und zur näheren Erläuterung des Entstehens von Ideen der Sensation dienen, zum anderen ist es gerade die Eigenschaft, Ideen hervorzurufen, die eine Qualität ausmacht: „Alles, was der Geist in sich selbst wahrnimmt oder was unmittelbares Objekt der Wahrnehmung, des Denkens oder des Verstandes ist, das nenne ich Idee; und die Kraft, eine Idee in unserem Geist zu erzeugen, nenne ich eine Qualität des Gegenstandes, dem jene Kraft innewohnt.“[1]

Locke trifft eine Einteilung in primäre und sekundäre Qualitäten, wobei sich die sekundären Qualitäten noch einmal unterteilen in solche, die für gewöhnlich fälschlicherweise als primäre Qualitäten angesehen werden („unmittelbar wahrnehmbare sekundäre Qualitäten“) und solche, bei denen dies nicht der Fall ist („mittelbar wahrnehmbare sekundäre Qualitäten“).

2.1. Primäre Qualitäten

Zu den primären Qualitäten zählt Locke die Festigkeit, die Ausdehnung, die Gestalt, die Bewegung, die Größe und die Zahl. Die Schwierigkeit, die sich bei dieser Aufzählung ergibt, ist die, dass an keiner Stelle des Textes alle aufgezählten Qualitäten auf einmal vorkommen. Vielmehr werden in der ersten Einführung zum Charakter der primären Qualitäten Festigkeit, Ausdehung, Gestalt, Beweglichkeit und zusätzlich Zahl aufgezählt[2], einigen später finden sich dann in einer Aufzählung der primären Qualitäten Festigkeit und Ausdehnung nicht mehr, dafür aber Größe.[3] Auf ein näheres Eingehen auf diese Tatsache wollen wir aus zwei Gründen verzichten: zum einen beschäftigt sich der Text nicht besonders ausführlich mit den einzelnen Qualitäten bzw. Ideen derselben, zum anderen dient dieser Abschnitt eher der Aufteilung in primäre und sekundäre Qualitäten an sich als dem Beweis, dass diese ihre Richtigkeit hat.

Aus diesem Grund ist es für uns besonders entscheidend, uns die maßgeblichen Merkmale der primären Qualitäten vor Augen zu führen und zu analysieren, auf welche Art und Weise zu entscheiden ist, ob es sich jeweils um eine primäre Qualität handelt. In einfachen Worten lässt sich sagen, dass die entscheidende Eigenschaft der primären Qualitäten deren Realität ist. Locke stellt dies dar, indem er die strikte Verbundenheit der primären Qualitäten mit dem Körper, dem sie zugeschrieben werden, betont denn er sagt, dass sie „vom Körper völlig untrennbar sind“. Es findet sich jedoch noch eine Steigerung dieser Aussage, die es erst möglich macht, in einfachen Worten das Maßgebliche der primären Qualitäten als deren Realität zu benennen. Locke sieht die Idee der jeweiligen Qualität als Ebenbild des tatsächlichen Gegenstandes an und nimmt im Zuge des Betrachtens primärer Qualitäten eine Betrachtung der Wirklichkeit wie sie wirklich ist, an: „ […] sind sie aber groß genug, so erhalten wir durch sie eine Idee von dem Ding, wie es an sich ist […]“.[4]

Aus den bisherigen Ausführungen zu den primären Qualitäten ergibt sich das entscheidende Kriterium um festzustellen, ob es sich um solche handelt, nämlich deren Verbundenheit mit dem Körper bzw. dem Gegenstand, welche sich durch eine Beibehaltung der Qualitäten beim Teilen des Körpers ausdrückt.[5]

2.2. Sekundäre Qualitäten

Allein der Ausdruck sekundäre Qualität ist bereits in gewisser Weise irreführend. Das entscheidende an dieser zweiten Art der Qualitäten ist nämlich gerade der Umstand dass es sich nicht um Eigenschaften der jeweiligen Gegenstände handelt, denen diese zugesprochen werden. Die sekundären Qualitäten unterscheiden sich von den primären Qualitäten dadurch, dass es sich bei ihnen nicht um real existierende Phänomene in den Gegenständen selbst handelt. Es handelt sich bei ihnen vielmehr um eine Fähigkeit der Gegenstände bzw. der Körper, bei uns eine Sensation hervorrufen zu können, ohne dass etwas der Sensation entsprechendes in den Gegenständen vorhanden wäre. Dies steht ebenfalls im Gegensatz zu den primären Qualitäten bei denen dies sehr wohl der Fall ist.

Schematisch lässt sich also sagen, dass durch die primären Qualitäten eine Kraft entsteht die unsere Sinnesorgane dazu veranlasst, die sekundären Qualitäten wahrzunehmen. In Lockes Worten handelt es sich bei den sekundären Qualitäten um „die einem Körper innewohnende Kraft, auf Grund seiner sinnlich nicht wahrnehmbaren primären Qualitäten in eigentümlicher Weise auf irgendeinen unserer Sinne einzuwirken und dadurch in uns die verschiedenen Ideen von mancherlei Farben, Tönen, Gerüchen, Geschmacksarten usw. zu erzeugen.“[6]

In diesem Zusammenhang ist eine weitere Vorstellung Lockes von großer Bedeutung, um verstehen zu können, wie sich das Verhältnis von sekundären und primären Qualitäten gestaltet. Locke geht von einer Art kleinster, „sinnlich nicht wahrnehmbarer Partikel“[7] bzw. „Korpuskeln“[8] aus. Die Entstehung der Ideen der sekundären Qualitäten erklärt Locke unter Zuhilfenahme der Theorie dieser Partikel. Diese Partikel sind einzeln für uns nicht wahrnehmbar, sondern führen lediglich zu den Ideen der sekundären Qualitäten. An dieser Stelle befindet sich der entscheidende Zusammenhang der primären und der sekundären Qualitäten: die Korpuskeln wirken durch ihre primären Qualitäten, also durch ihre Größe, Anordnung etc. auf uns ein: „[…] deshalb wollen wir gegenwärtig annehmen, dass die verschiedene Bewegung und Gestaltung, Größe und Zahl solcher Partikel, wenn sie auf die verschiedenen Organe unserer Sinne einwirken, in uns jene verschiedenen Sensationen erzeugen […]“[9]

[...]


[1] Vgl.:(II.VIII.8.); alle derartigen Stellenangaben beziehen sich auf Locke, John (2000).

[2] Vgl.:(II.VIII.9.)

[3] Vgl.:(II.VIII.23.)

[4] vgl.:(II.VIII.23.)

[5] vgl.:(II.VIII.9.)

[6] vgl.:(II.VIII.23.)

[7] vgl.:(II.VIII.13.)

[8] vgl.:(II.VIII.21.)

[9] vgl.:(II.VIII.13.)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Primäre und sekundäre Qualitäten in John Locks Essay Concerning Human Understanding
Hochschule
Universität Konstanz  (Fachbereich Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar: John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand
Note
1-
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V52111
ISBN (eBook)
9783638479042
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es wird Lockes Einteilung in primäre und sekundäre Qualitäten ausgeführt, kritisch hinterfragt und diskutiert.
Schlagworte
Primäre, Qualitäten, John, Locks, Essay, Concerning, Human, Understanding, Proseminar, Locke, Versuch, Verstand
Arbeit zitieren
Andreas Schuster (Autor), 2005, Primäre und sekundäre Qualitäten in John Locks Essay Concerning Human Understanding, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52111

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