Der Widerstand der slowenischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg in Kärnten


Seminararbeit, 2006
38 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Hypothesen
1.3 Quellen
1.4 Begriffsdefinitionen
1.4.1 Widerstand
1.4.2 Partisan

2 Zum österreichischen Widerstand

3 Die Kärnter Slowenen zwischen 1918 und 1938
3.1 Die Slowenen nach dem I. Weltkrieg
3.2 Volksabstimmung 10. Oktober 1920
3.2.1 Der Heimatdienst und der Heimatbund
3.3 Kärntner Slowenen im Ständestaat

4 Die Jahre 1938 – 1942
4.1 Der Anschluss und die Kärntner Slowenen
4.1.1 NS-Politik gegenüber den Slowenen
4.1.2 Politk der Slowenenführung gegenüber den NS
4.2 Die Volksabstimmung 1938
4.3 Der Angriff auf Jugoslawien
4.4 Das NS-Entnationalisierungsprogramm
4.4.1 Aussiedlung von Slowenen

5 Partisanischer Widerstand in Kärnten (1942 – 1945)
5.1 Ursachen für die Entwicklung der Widerstandsbewegung
5.1.1 Grüne Kader
5.2 Rahmenbedingungen für die Entwicklung der slowenischen Widerstandsbewegung
5.2.1 OF - Befreiungsfront
5.3 Entwicklung der Partisanengruppen
5.4 Erste Kampfhandlungen
5.4.1 Schwächepunkte
5.5 Höhepunkt der Partisanenbewegung
5.6 Die Massaker vom Spitzbauer und Peršmanhof
5.7 Die Abwehr gegen die Partisanen
5.8 Das Ausmaß der Partisanentätigkeit

6 Der Umgang mit dem Kärntner Slowenen nach dem Krieg
6.1 Minderheitenpolitik nach 1945
6.2 Befreiungsfront und Spaltung der Kärntner Slowenen
6.3 Artikel 7 des Staatsvertrages
6.4 Die Öffentlichkeit im Umgang mit den Kärntner Slowenen nach 1945

7 Resümee: Slowenischer Partisanenkampf – Ein Kampf für Österreich?

Literatur- und Quellenverzeichnis
Literaturquellen
Internetquellen

1 Einleitung

In dieser Arbeit soll es um aktiv geleiseteten Widerstand gegen den Nationalsozialsmus gehen, genauer gesagt werde ich mich mit der Widerstandstätigkeit der Kärntner Partisanen slowenischer Volkszugehörigkeit befassen. Diese Widerstandstätigkeit ruft bis heute heftige Kontroversen hervor, so werden die damaligen Partisanen auch häufig noch als die „Feinde oder Verräter Österreichs“ bezeichnet, da sie an Jugoslawiens Seite, gemeinsam mit Tito gegen den Nationalsozialismus kämpften.

Ich möchte nun versuchen, in dieser Arbeit herauszufinden, ob der Kampf der slowenischen Partisanen wirklich ein Kampf für den Anschluss eines Teiles von Kärnten an Jugoslawien war, oder ob die Partisanen für die Befreiung Österreichs, wie in der Moskauer Deklaration in der Beitragsklausel gefordert, kämpften.

1.1 Aufbau der Arbeit

Die Arbeit ist in verschiedene Kapitel gegliedert. Einleitend möchte ich kurz und einführend den österreichischen Widerstand im zweiten Weltkrieg behandeln und die wichtigsten Widerstandsgruppen in Österreich vorstellen.

Das zweite Kapitel widmet sich schließlich den Bedingungen, denen die Kärntner Slowenen nach dem ersten Weltkrieg ausgesetzt waren. Dies ist nötig, um die darauffolgenden Vorgänge verstehen zu können. Ein Unterkapitel wird sich auch mit der Volksabstimmung im Jahr 1920 beschäftigen, bei dem sich die Slowenen Kärntens dafür entschieden, beim österreichischen Staat zu verbleiben.

Im dritten Kapitel werde ich zuerst auf die Jahre vom Anschluss 1938 bis hin zum Jahr 1942 eingehen. Dies macht in diesem Zusammenhang deshalb Sinn, weil der Beginn der Partisanentätigkeit mit dem Jahr 1942 angesetzt werden kann, als die große Aussiedlungsaktion der Nationalsozialisten in Kärnten durchgeführt wurde und 200 Familien von ihrer Heimat vertreiben wurden. Zudem spielt in dieser Zeit auch der deutsche Angriff auf das Königkreich Jugoslawien eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Des Weiteren wird in diesem Kapitel auf die Politik der Nationalsozialisten gegenüber den Slowenen als auch auf die slowenische Politik gegenüber den Nationalsozialisten eingegangen und auch die Volksabstimmung des Jahre 1938 skizziert.

Im darauffolgenden Kapitel werde ich schließlich den Widerstand und die Partisanentätigkeit selbst behandeln. Hier werden zuerst die Ursachen für die Entstehung der Partisanenbewegung Kärntens erklärt und dann noch auf die Rahmenbedingungen eingegangen, wodurch die Kärntner Slowenen erst in der Lage waren, ihre Heimat gegen die deutschen Okkupanten zu verteidigen.

Im selben Kapitel werde ich auch die ersten Kampfhandlungen beschreiben und die Partisanentätigkeit bis zu ihrem Höhepunkt im Jahr 1944 zu charakterisieren versuchen. Zum Abschluss des Kapitels werde ich auch noch kurz auf zwei der größten Gräueltaten der SS im Zusammenhang mit den slowenischen Partisanen in Kärnten eingehen.

Im letzten Kapitel versuche ich schließlich, den Umgang mit der Kärntner Partisanentätigkeit nach dem Krieg herauszuarbeiten. Einerseits wird dabei der Umgang der öffentlichen politischen Institutionen, den Parteien und der Regierung in Hinblick auf die Staatsvertragsverhandlungen eine Rolle spielen, andererseits werde ich aber auch versuchen darzustellen, wie die Öffentlichkeit mit diesem heiklen Thema umging. Zum Teil ruft der Begriff „Partisan“ bis heute bei der Deutschkärntner Bevölkerung negative Assoziationen hervor.

1.2 Hypothesen

Im folgenden werde ich nun zwei Hypothesen formulieren, auf deren Basis diese Arbeit aufgebaut werden soll. Im abschließenden Resümee werde ich versuchen, diese zu bestätigen oder gegebenenfalls zu falsifizieren.

Hypothese 1

„Der Kampf der slowenischen Befreiungsfront (OF) diente dem Anschluss Südkärntens an Jugoslawien, die Kärnter Partisanen kämpften jedoch für ihre Befreiung und somit auch für die Befreiung Österreichs.“

Hypothese 2

„Der Umgang der politischen Institutionen mit den Kärntner Partisanen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ist positiv zu beurteilen, da er als Kampf für die Befreiung Österreichs im Zusammenhang mit der Moskauer Deklaration und dem Staatsvertrag anerkannt wurde, die Öffentlichkeit steht den slowenischen Partisanen aber bis heute noch kritisch gegenüber.“

1.3 Quellen

Als Quellen für diese Arbeit habe ich vorwiegend Sekundärliteratur verwendet. Zudem konnte ich einige Internetquellen zur Partisanentätigkeit finden, welche im Literaturverzeichnis vollständigt zitiert werden.

1.4 Begriffsdefinitionen

Bevor ich nun mit der eigentlichen Arbeit beginne, möchte ich noch die wichtigsten, für die Arbeit relevanten Begriffe definieren, zum einen den Begriff des Widerstandes selbst und zum anderen den Begriff des Partisanen.

1.4.1 Widerstand

Es ist wichtig, für eine genauere und anschaulichere Definition zwischen Widerstand und Opposition zu unterscheiden. Opposition ist „ein Verhalten geistiger und emotionaler Unzufriedenheit mit dem Regime“ (Luza 1983, 25). Opposition kann sich in Widerstand wandeln, „wenn sie aktiv, politisch bewusst und organisiert wird“ (ebd., 26). Radomír Luža definiert im Buch „Der Widerstand in Österreich 1938-1945“ den Begriff des Widerstandes demnach wie folgt:

„Als Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist also jede politisch bewusste, vornehmlich konspirative organisierte Aktivität zu verstehen, die von den nationalsozialistischen und faschistischen Regierungen als feindlich empfunden und für illegal erklärt wurde“ (Luza 1983, 29).

1.4.2 Partisan

Der partisanische Konflikt ist der Versuch von Einzelnen oder von Gruppen, „sich dem Sog der auf eine Welt zielenden Entwicklung zu entziehen“ (Baumgartner 1987, 2). Ein Partisan ist ein illegaler Kämpfer, der dann auftritt, wenn er die Ordnung seiner Welt in Gefahr sieht (Baumgartner 1987, 3).

„Der widersätzliche Besiegte wird zum Partisan. Er handelt völkerrechtswidrig durch illegale Aktionen im besetzten Gebiet [...] durch Bruch der Friedensordnung. [...] Der Partisan begründet sein Recht gegen den fremden Gewalthaber mit seiner Ansässigkeit und deren Geschichte und ausgeprägter Eigenart“ (Schroers 1961, 24 zit., nach Baumgartner 1987, 3). Der Begriff des Partisanen wurde vor allem durch den Widerstand gegen die Fremdherrschaft geprägt (Schroers 1961, 57 zit. nach Baumgartner 1987, 3).

Der Partisan beruft sich bei seinem Widerstand auf die Tat“ (Baumgartner 1987, 4). Die einzige Macht, die er dabei ausüben kann, ist die zum Selbstopfer als persönliche und freie Gewissensentscheidung (Baumgartner 1987, 4).

2 Zum österreichischen Widerstand

In Österreich gab es lediglich eine Minderheit innerhalb der Bevölkerung, die wirklich aktiven Widerstand leistete. Unter ihnen war dies vor allem Kommunisten, Sozialisten, aber auch Katholiken, Geistliche, Monarchisten und individuelle Gegner des nationalsozialistischen Systems (vgl. Steiner 1994, 523). Die überwiegende Mehrheit der Österreicher verhielt sich passiv und nicht wenige unter ihnen unterstützten das nationalsozialistische System, manche davon sogar in führenden Stellen.

Im Jahr 1943 gab es in den Gauen der Ostmark ungefähr 700.000 offizielle Mitglieder der NSDAP, welcher ca. 100.000 verfolgte österreichische Widerstandskämpfer gegenüber-standen (vgl. Botz 1996, 12). Demnach soll der österreichische Widerstand also weder über- aber natürlich auch nicht unterschätzt werden (vgl. Steiner 1994, 523).

Nachdem Österreich ab dem Jahr 1918 gravierende politische Wandlungen durchlaufen hatte (von einer Großmacht zu einem Kleinstaat bis zu einem autoritären Ständestaat), fand im März 1938 der Anschluss des Landes an das Deutsche Reich statt.

Anders als in Deutschland war der österreichische Widerstand stark zersplittert und ungewöhnlich vielfältig und war vorerst nicht durch „das Bekenntnis zur Unabhängigkeit Österreichs geprägt“ (Mommsen 1994, 10). Vor allem die Revolutionären Sozialisten und weitere Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie hielten noch lange an ihren großdeutschen Anschauungen fest, die sie bereits vor Ausbruch des Krieges vertreten hatten. Die Kommunisten traten hingegen viel eher für ein eigenständiges Österreich ein (Mommsen 1993, 10).

Von entscheidender Bedeutung im Kampf gegen den Nationalsozialismus war bei den Widerstandsgruppen, die in Kontakt mit der KPÖ standen oder deren Führungsmitglieder bei der KPÖ waren „das Bekenntnis zur österreichischen Nation“ (Botz 1996, 33). Die österreichischen Kommunisten begannen zwar auch erst im Jahr 1937 entschieden für die österreichische Eigenständigkeit einzutreten doch je stärker das Österreichbewusstsein war, desto bedeutungsvoller wurde es für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Österreich und „desto konsequenter engagierte sich eine solche Gruppierung im Widerstand“. Ca. 44 Prozent der vom NS-Regime aufgedeckten Widerständler waren dem Umfeld der KPÖ zuzurechnen und etwa 23 Prozent entfallen auf das katholisch-konservative Lager (vgl. Botz 1996, 33). Lediglich 5 Prozent der in den Akten dokumentierten Widerstandskämpfer waren erklärte Sozialdemokraten (vgl. Botz 1996, 34).

3 Die Kärnter Slowenen zwischen 1918 und 1938

3.1 Die Slowenen nach dem I. Weltkrieg

Bis ins 19. Jahrhundert lebten die unterschiedlichen Volksgruppen auf dem Boden der Habsburger Monarchie ohne größere Zwistigkeiten miteinander, verschiedene Sprachen, also auch slowenisch und deutsch, wurden ohne Probleme im täglichen Umgang nebeneinander verwendet. Erst der aufkeimende Nationalismus des 19. Jahrhunderts schuf die Grundlage für zahlreiche Konflikte und innerhalb weniger Jahrzehnte führte dies dazu, dass die slowenische Sprache und Kultur als minderwertig abgetan wurden. Aus Sicht der Kärntner Slowenen ist deren Rückgang nicht nur auf eine jahrhundertelange Ausbeutung und Unterdrückung, sondern auf eine „gezielte deutschnationale Germanisierung zurückzuführen“ (Höll 1988,210) und so konnte ab Beginn des 19. Jahrhunderts ein stetiger Rückgang der Kärtner Slowenen von 80.000 im Jahr 1910 auf 37.224 (Volkszählung 1923) verzeichnet werden (vgl. ebd.).

Die Auflösung der Donaumonarchie hatte für die Kärntner Slowenen gravierende Folgen. Waren sie mit dem Vielvölkerstaat auf das Engste verbunden gewesen, so standen sie nun vor der Entscheidung ihrer staatlichen Zugehörigkeit. Der Teil Südkärntens, südlich der Drau war überwiegend von Slowenen bewohnt, ca. 82.000 Slowenen gaben bei der Volkszählung von 1910 als Umgangssprache slowenisch an, dies war ein Viertel der Bevölkerung Kärntens (vgl. Lukan/Moritsch 1988, 63). Nach dem Ende des I. Weltkrieges wurde erstmals ein gesamtsüdslawischer Staat, der SHS-Staat gegründet, bestehend aus dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Auch der südliche Teil Kärntens wurde vom SHS-Staat für sich beansprucht und da dieses gemischtsprachige Gebiet auch von Slowenen bewohnt war (vgl. Höll 1988, 210).

Im Oktober 1918 beschloss der slowenische Volksrat, dass „das gesamte Kronland Kärnten dem SHS-Staat anzuschließen sei“ (Obid/Messner/Leben 2002, 18), andere Gruppen sprachen sich jedoch für den Trialismus aus[1] und trotz eines Verbots, wurde eine Unterschriftenaktion durchgeführt. Nach Ende des I. Weltkrieges machte das neugegründete Königreich Serbien-Kroatien und Slowenien Gebietsansprüche auf einen Teil Kärntens geltend (vgl. ebd.).

Die provisorische Landesregierung von Kärnten erkärte im Jahr 1918 das Land allerdings für unteilbar während die österreichische Regierung in dieser Angelegenheit mit „Vorsicht agierte“ (Höll 1988, 210).

3.2 Volksabstimmung 10. Oktober 1920

Die Friedenskonferenz vom 12. Mai 1919 in Paris beschloss daraufhin die Abhaltung einer Volksabstimmung im Klagenfurter Becken und auch im Friedensvertrag von St. Germain war die Abhaltung einer Volksabstimmung, „die drei Monate nach Ratifizierung des Vertrages stattfinden sollte“ festgelegt worden (vgl. ebd., 213).

Diese Volksabstimmung wurde schließlich am 10. Oktober 1920 auf dem umstrittenen Gebiet durchgeführt und 59,04% der Bevölkerung sprachen sich für einen Verbleib bei Österreich aus (vgl. Obid/Messner/Leben 2002, 18).

Diese Volksabstimmung fand in 51 Gemeinden statt. Hier sollte gewählt werden, zu welchem Staat die Kärntner Slowenen in Zukunft zugehörig sein sollten, dem SHS-Staat (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) oder zu Österreich. Es handelte sich dabei um ein Gebiet, in dem bei der Volkszählung von 1910 noch 70% der Bevölkerung als Umgangssprache Slowenisch angegeben hatten (vgl. Lukan/Moritsch 1988, 67).

Durch das Ergebnis dieser Volksabstimmung wurde Südkärnten schließlich offiziell ein Teil der am 12. November 1918 ausgerufenen Republik Deutsch-Österreich (vgl. Höll 1988, 211) und war somit auch den österreichischen Gesetzen unterworfen. Das Slowenische war keine offizielle Sprache mehr und auch die zweisprachigen topographischen Aufschriften (wie sie noch in der Monarchie bestanden hatten) verschwanden gänzlich (vgl. ebd., 214).

Um dieses Ergebnis verstehen zu können, da sich ja viele Slowenen für den Verbleib bei Österreich entschieden hatten, muss hier angemerkt werden, dass die „Aufrechterhaltung der historischen Landeseinheit“ sowie die „kulturelle, politischen und ökonomische Verbindung mit den deutschsprachigen Kärntnern“ ein nicht zu unterschätzender Grund für die Slowenen darstellte, bei Kärnten und somit bei Österreich zu verbleiben (vgl. Lukan/Moritsch 1988, 67), zudem war der SHS-Staat von Beginn an von „tiefen sozialen, nationalen und politischen Gegensätzen geprägt“ (ebd., 69).

Als weiteres Motiv für die Entscheidung der Slowenen, bei Österreich zu bleiben lag vermutlich auch darin, dass die Kärntner Landesregierung in einer provisorischen Erklärung verkündete, dass die slowenische Minderheit ihre „sprachliche und nationale Eigenart jetzt und allezei ’“ wahren könne (vgl. ebd.).

Nach der Volksabstimmung verschlechterte sich die Lage der Kärntner Slowenen jedoch im Vergleich zur Habsburgermonarchie zusehends. Zum einen waren sie vom übrigen slawischen Volk durch eine Staatsgrenze getrennt, zum anderen brachten die führenden politischen Kräfte in Österreich für nationale Minderheiten wenig Verständnis auf, da sie den österreichischen Staat als deutschen Staat verstanden (vgl. ebd., 70).

Aus dem alten Österreich war ein überwiegend deutscher Staat, mit einer sehr geringen Anzahl von nationalen Minderheiten, darunter die Kroaten im Burgenland, die Tschechen in Wien und die Slowenen in Kärnten, geworden (vgl. Barker 1984, 172).

Da auch im Vertrag von St. Germain (10. September 1919) die ethnischen Minderheiten lediglich unzulänglich geschützt wurden (vgl. Lukan/Moritsch 1988, 70) verschlechterte sich auch ihre rechtliche Lage, vor allem in der Benachteiligung durch die Behörden (vgl. ebd., 73). Die slowenische Sprache und topographische Zeichen verschwanden allmählich und die Vorrechte und Privilegien für ethnische Gruppen und Minderheiten waren in Artikel 19 des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger vom Oktober 1867 verankert. Dieser Artikel wurde als Artikel 149[2] unverändert in die Bundesverfassung von 1920 übernommen und blieb bis zum Beginn des Ständestaates in Kraft (vgl. Barker 1984, 172).

Nach der Volksabstimmung und nachdem zahlreiche slowenische Geistliche und Intellektuelle vertrieben worden waren, erholten sich die slowenischen politischen Organisationen nur langsam. Ein Teil der Slowenen schloss sich den Christlichsozialen an, ein weiterer Teil der kommunistischen Partei und viele den deutschen Sozialdemokraten. Verhandlungen der Slowenen über eine Kulturautonomie mit der Kärntner Landesregierung scheiterten (Obid/Messner/Leben 2002, 19).

Die Kärntner Slowenen gründeten sehr bald eine eigene Partei, die Koroška Slovenska Stranka (Kärntner-Slowenische Volkspartei), deren Arbeit sich aber als äußerst schwierig erwies, da die meisten der slowenischen Intellektuellen (vor allem Lehrer, Priester und Rechtsanwälte) gezwungen worden waren, nach Jugoslawien zu fliehen, sofern sie mit den jugoslawischen Militärkräften zusammengearbeitet hatten. Bei der ersten Nachkriegswahl im Jahr 1919 gelang es der Partei, soviele Stimmen zu bekommen, dass sie in der Lage war, zwei Vertreter in den Kärntner Landtag zu entsenden.

Neben der Partei gab es noch weitere Organisationen, darunter die Politische und Wirtschaftliche Vereinigung der Kärntner Slowenen, die Slowenischen Christlich-Soziale Union und den Kulturverein. Von ihnen wurde eine Wochenzeitung publiziert, der Koroški Slovenec (Der Kärntner Slowene) (vgl. Höll 1988, 214).

3.2.1 Der Heimatdienst und der Heimatbund

Im März 1920 wurde in Klagenfurt der Kärntner Heimatdienst (KHD) gegründet, welcher die Vorbereitungen für die Volksabstimmung übernahm. Der Leiter des KHD war Alois Maier-Kaibitsch (seit 1934 illegales NSDAP-Mitglied). 1924 ging aus dem KHD der Kärntner Heimatbund hervor und im Jahr 1925 der NS-Lehrverein Kärntens gegründet, der erste im gesamten deutschen Gebiet (vgl. Obid/Messern/Leben 2002, 20).

Eine der vielen Aktivitäten des Heimatbundes war es, Südkärnten dadurch einzudeutschen, indem man Land aufkaufte und dieses an Deutsche gab, die in verschiedenen Teilen Europas lebten (vgl. Barker 1984, 179).

3.3 Kärntner Slowenen im Ständestaat

Ein Teil der Kärntner Slowenen unterstützte auch die faschistisch-klerikale Regierung unter Bundeskanzler Dollfuß (vgl. Obid/Messner/Leben 2002, 19).

Von der Zusammenarbeit mit dem Regime des Ständestaates hatten sich die Kärntner Slowenen erhofft, dass in Kärnten der Einfluss deutschnationaler Organisationen zurückgedrängt werden würde. Obwohl diese Hoffnung nicht erfüllt wurde, engagierten sich die Slowenen dennoch für die von Bundeskanzler Schuschnigg angekündigte Volksbefragung über ein unabhängiges Österreich (vgl. Domej 1989, 85). Gerade dadurch setzten sich die Kärntner Slowenen einer großen Gefahr gegenüber den Nationalsozialisten aus, welche nur durch die außenpolitischen Erwägungen Hitlerdeutschlands gegenüber Jugoslawien gemildert wurde (vgl. Ferenc 1989, 85).

Ein großer Teil der slowenischen Bevölkerung Kärntens stand dem Ständestaat also unkritisch gegenüber, da man sich unter anderem von diesem Regime auch erwartete, dass die „gemeinsamen christlichen Ideale“ verwirklicht werden würden. Die Slowenen bekamen auch drei ständische Vertreter im Kärntner Landtag (vgl. Lukan/Mortisch 1988, 97). Allerdings erfüllten sich die Erwartungen der politischen Führung der Kärntner Slowenen nicht, die politische Basis war im traditionell deutschnational ausgerichteten Kärnten zu schwach, daher konnte kein Verständigungskurs in Minderheitenfragen gefunden werden (vgl. ebd., 100)

Die Slowenen unterstützten das ständische Regime unter Bundeskanzler Schuschnigg bis hin zum März 1938 und die Slowenenführung rief zudem noch dazu auf, bei der von Schuschnuigg geplanten Volksabstimmung am 13. März 1938 für ein unabhängiges Österreich zu stimmen.

[...]


[1] österreichische, ungarische und slawische Autonomoie (Ovid/Messner/Leben 2002, 18).

[2] Artikel 149 bestätigte die gleichen Rechte aller Staatsbürger sowie das Recht der Aufrechterhaltung und Kultivierung ihrer nationalen Identität und Muttersprache (Barker 1984, 173). Als andererseits Artikel 8 in die Bundesverfassung aufgenommen wurde, verlor der Artikel 149 an Bedeutung, da dieser die deutsche Sprache als Staatssprache festlegte (Barker 1984, 179).

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Der Widerstand der slowenischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg in Kärnten
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft)
Veranstaltung
SE Widerstand in Österreich im Nationalsozialismus
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
38
Katalognummer
V52289
ISBN (eBook)
9783638480451
ISBN (Buch)
9783638662086
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Widerstand, Partisanen, Zweiten, Weltkrieg, Kärnten, Nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Regina Bianchi (Autor), 2006, Der Widerstand der slowenischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg in Kärnten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52289

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