Europäische Stadt und Hochhaus: Geschichte, Standorte, Pläne und Kontroversen - dargestellt am Beispiel der Städte Frankfurt am Main und München


Referat (Ausarbeitung), 2005

21 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das Hochhaus
a. Faszination und Ablehnung
b. Die Anfänge in den USA (Chicago, New York, Der internationale Stil, Postmoderne)
c. Die Anfänge in Deutschland (Europäische Stadt)

III. Hochhäuser in Frankfurt am Main und München
a. Von der Grundsatzentscheidung zur Baugenehmigung (Strategische Hochhausentwicklung in Frankfurt am Main)
b. Das Bankenviertel
c. Planung mit Tradition (Die Münchner Linie)
d. Siemens und Süddeutsche vs. Frauenkirche und Alpenblick

IV. Hochhauscluster in der Innenstadt von Frankfurt, vereinzelt gestreute Solitäre in Randlagen in München – warum?

V. Abschlussbetrachtung

I. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Metropolräume in Deutschland“ beschäftige ich mich mit dem Thema „Hochhäuser in der europäischen Stadt“. Dabei sollen Aspekte zur Geschichte, zu Standorten, Planungswegen und Kontroversen beleuchtet werden. Spezielle Betrachtungsobjekte sind die bundesdeutschen Städte Frankfurt am Main und München.

Zu Beginn werde ich eine kurze geschichtliche Übersicht über die Entwicklung des Hochhauses an sich vorstellen. Das Folgekapitel wird sich mit dem Entstehen von Hochhausstandorten in den beiden oben genannten Städten beschäftigen, wobei der Hauptakzent der Betrachtung auf der Stadt Frankfurt, seiner Ausnahmestellung in Deutschland Rechnung tragend, liegen wird. Hier werde ich einführend die Strategische Hochhausentwicklung in Frankfurt am Main – als allgemeinen geschichtlichen Teil – nachzeichnen, um dann darauf folgend das Bankenviertel im speziellen vorzustellen.

Die als Planung mit Tradition zu verstehende Münchner Linie der Hochhausplanung stellt einen krassen Gegensatz zu der Entwicklung in Frankfurt dar. Ich werde auch hier einen kurzen geschichtlichen Abriss vorstellen, einige ausgewählte Aspekte der Planungsweisen ansprechen und abschließend eine Kontroverse zwischen verschiedenen „Mächtigen“ der Münchner Stadtgesellschaft darstellen, die exemplarisch für eine typische Variante des alten urbanen Fragezeichens „Wem gehört die Stadt?“ angesehen werden kann.

Das Kapitel Hochhauscluster in der Frankfurter Innenstadt, vereinzelt gestreute Solitäre in den Randlagen Münchens – warum? wird die Unterschiede in der Standortverteilung der Hochhäuser in beiden Städten zum Gegenstand haben. Ich werde versuchen, aufzuzeigen, warum a.) überhaupt derartige Hochhauscluster im Zentrum einer europäischen Stadt entstehen konnten und b.) warum dies nur in Frankfurt am Main geschah und nicht in München.

Als Literaturquellen habe ich für den geschichtlichen Abriss die Bücher „Ästhetik und Konstruktion“ von Johann N. Schmidt, sowie „Hundert Jahre Hochhäuser. Hochhaus und Stadt im 20. Jahrhundert“ von Bruno Flierl verwandt, da sie einerseits – reich an Bildern – die Hochhausgeschichte rein visuell sehr gut darstellen, andererseits aber auch mit dem Verweis darauf, dass neben der physischen Realität auch eine kulturelle Identität des Hochhauses besteht,[1] den Facettenreichtum bei der Möglichkeit der Betrachtung von Hochhäusern voll zur Entfaltung bringen. Der „HochhausAtlas“ von Eisele und Kloft bot mir wertvolle Informationen über die Strategische Hochhausplanung in Frankfurt am Main von der Zeit des Wiederaufbaus in Deutschland bis heute. Spezielle Daten, Zahlen und Erklärungen zum zeitgenössischen Frankfurt konnte ich in erster Linie dem Buch „Hessen. Perthes Länderprofile“ von Bodo Freund entnehmen, entsprechendes Material zu München steht auf einer ausgezeichnet verlinkten und sehr informativen Web Site der Stadt München zur Verfügung.

II. Das Hochhaus

a. Faszination und Ablehnung

Sämtliche Autoren, die sich mit Hochhäusern, deren Architekturen und Formen, beschäftigen leiten in ihr Werk mit der Feststellung ein, dass es kaum einen Konstruktionstyp in der modernen Architektur gibt / gab, der sowohl enthusiastisches Erstaunen, gleichzeitig aber auch heftigste Ablehnung hervorgerufen hat, wie eben das Hochhaus.[2]

Auf der einen Seite gelten sie durch die perfekte Kombination aus Technik und Ästhetik als „triumphales Symbol urbaner Größe“, auf der anderen Seite werden sie verdammt als „lebensfeindliche Ausgeburt ausschließlich ökonomisch motivierten Imponiergehabes“.[3]

Schmidt zitiert andere „Negativbefunde“ verschiedener Autoren : „Raumhüllen für Immobilienmakler“, „hochgetürmte Kassenmagneten“ oder „Maschinen zum Geldverdienen“[4], und gibt damit einen Hinweis auf Extreme der Betrachtungsmöglichkeiten der Hochhausarchitektur.

Die Tatsache, dass das Hochhaus wegen seiner maßstabssprengenden Größe die Phantasie bewegt, die „normalen“ Grenzen der Höhenerfahrung übersteigert und durch seine ausladenden, himmelsstrebenden Gebärden eine Aura von Spiritualität und poetischer Würde verbreitet,[5] kann als Beweis dafür gelten, dass trotz vielfacher Ablehnung auch tiefste Bewunderung (wenn auch heimliche) besteht.

„Die ambivalente Haltung, die auch viele Städteplaner, Architekturkritiker und Kulturhistoriker dem Wolkenkratzer gegenüber entwickeln, ist Ausdruck der höchst unterschiedlichen, oft auch widerstreitenden Emotionen, die dieser Gebäudetypus in uns auslöst.“[6]

Das Hochhaus ist nicht Betrachtungsobjekt ausschließlich nur einer Disziplin, die Vielzahl von Funktions- und Bedeutungsaspekten eröffnet die Möglichkeit, sehr unterschiedliche Beschreibungsformen anzutreffen: unter anderem „den nüchternen Konstruktionsbericht“ , „ die historische versierte Stilkunde“, „die aktuelle Architekturkritik“ und „die distanzierte kulturkritische Analyse“.[7] Daraus ergibt sich, dass das Hochhaus neben seiner ursprünglich angedachten ausschließlichen Funktionalität auch eine „kulturelle Identität“ angenommen hat, in dem Sinne, dass es in Wechselwirkung mit dem urbanen Kontext auf ganz unterschiedliche Weise verstanden, wahrgenommen und interpretiert werden kann.

Banal und einleuchtend zugleich sind die Gründe für die angesprochenen Kontroversen : die Größe und das Erscheinungsbild von Hochhäusern machen diese zu hochgradig öffentlichen Bauten und verleihen ihnen ein Höchstmaß an Repräsentanz, so wie es vorher nur die Rathäuser, Kirchtürme oder andere Monumente in sich trugen.[8]

b. Die Anfänge in den USA

Die Wurzeln des Gebäudetyps Hochhaus sind im wirtschaftlich aufstrebenden Chicago gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu suchen. Zwei Aspekte waren die wahrscheinlich ausschlaggebenden: die großen Erfindungen jener Zeit – u. a. die Entwicklung sicherer Aufzüge, Skelettkonstruktionen aus gewalzten Eisenprofilen und die Entwicklung haustechnischer Systeme (Kommunikationssysteme)[9] - schufen die technischen Voraussetzungen für den Hochhausbau; gleichzeitig zwangen die ansteigenden Grundstücks- und Mietpreise die Architektur zur „Stapelung der teuren Etagenflächen“.[10]

In den Jahren zwischen 1880 bis 1895 florierten die hohen Geschäftshäuser in Chicago, ein Ergebnis davon war das „erste höchste Gebäude der Welt“, der 1892 gebaute und knapp 100 Meter hohe Masonic Temple. Zu dieser Zeit etablierte sich die so genannte „Schule von Chicago“; der aus ihrer Mitte stammende Architekt Louis H. Sullivan (1856 – 1924) formulierte den Grundsatz dieses neuen Baustils: „Form follows function“ - Konstruktion wird zum gestalterischen Element und somit von außen deutlich ablesbar.[11]

Im Jahre 1893 schränkte man den Höhenwahn der Architektur drastisch ein, indem ein neues Gesetz nur noch eine Bauhöhe von 40 Metern zuließ; die führende Rolle im Hochhausbau musste nun an New York abgegeben werden.

Ähnlich wie in Chicago trieb die Forderung der Spekulanten nach größtmöglicher Ausnutzung der kleinen Grundflächen die Gebäude in die Höhe. Ob die New Yorker Architekten jener Zeit mutiger oder visionärer waren als andere, sei dahingestellt. Fakt ist jedoch, dass die Höhenentwicklung enorm zunahm und sich das blockhafte Bürogebäude in einen Büroturm verwandelte.[12] Außerdem war eine Veränderung des Stils zu erkennen, in der Form, dass man den Höhendrang mit dem Einsatz historischer Stilelemente verband, um das futuristische Image der Hochhäuser abzumildern.

Der im Jahre 1908 gebaute, und knapp 200 Meter hohe, Singer Tower, dessen Spitze den Ecktürmen des Louvre in Paris nachempfunden wurde, ist beredtes Zeugnis für diesen Trend.

Mit dem Bau des Equitable Building im Jahre 1915 in New York schwand erstmals die „Skyscraper“ Euphorie, da starke öffentliche Proteste Gegenargumente zu dieser Stadtbild zerstörenden und Nachbarschaftsrechte negierenden Bauform artikulierten. Die „Zoning Laws“ von 1916 forderten das so genannte „Set – Back – Building“, was bedeutete, dass je höher ein Gebäude gebaut werden sollte, eine Zurückstaffelung mit der Höhe stattfinden musste.[13] Dieser Forderung Rechnung tragend, wurden die Gebäude nach oben immer schlanker, jedoch auch immer höher. Das Empire State Building, 1931 gebaut und mit einer Höhe von 381 Metern knapp 40 Jahre lang das höchste Gebäude der Welt, kann als Höhepunkt dieses Trends und als Archetypus des amerikanischen Skyscrapers angesehen werden.

Mit dem Einzug der Moderne in die Architektur der Hochhäuser fanden ein Umdenken und eine Hinwendung zum „Bekenntnis zu Technik und Funktionalität, sowie klarer Linienführung“ statt.[14] Europäische Architekten wie Gropius oder van der Rohe – Vertreter der Bauhaus Bewegung in Deutschland und De Stijl Bewegung in den Niederlanden - zeigten sich erstmals im Jahre 1922 zur Teilnahme an einem Hochhauswettbewerb um den Bau des Chicago Tribune Tower auf amerikanischem Boden, und brachten ihre Ideen mit. Obwohl es noch geraume Zeit dauerte, setzte sich dieser moderne „Internationale Stil“ auch im Mutterland der Hochhäuser durch. Mit den Lake Shore Drive Appartments (Chicago) schuf van der Rohe im Jahre 1947 ein frühes Beispiel dieser neuen Hochhausgeneration. Zehn Jahre später – 1958 - entstand das Seagram Building in New York, welches als Prototyp des modernen Bürohochhauses angesehen werden kann, und in der Folge in aller Welt kopiert wurde.[15]

In den 70er / 80er Jahren des 20. Jahrhunderts beginnt die Suche nach Alternativen zu den stereotypen Baukörpern der Moderne, was in der Konsequenz z. B. bedeutet, dass die klaren Formen zu spielerischen Skulpturen verformt werden und technische Elemente über ihre bloße Funktionsweise dekorativ überbetont werden bzw. hinter historisierenden Fassaden versteckt werden.[16] Auch das Prinzip der Bereitstellung der Gebäude zur öffentlichen Nutzung durch Passagen, Wintergärten oder Plattformen wird deutlich gefordert. Ein weiterer wichtiger Trend der postmodernen Hochhausarchitektur ist die auffallende Thematisierung der Spitze, was bedeutet, dass Aspekte wie die Schaffung einer Skyline oder Repräsentationsbedürfnisse explizit angesprochen werden.

[...]


[1] Schmidt (1991), S. 12.

[2] Schmidt (1991), S. 9.

[3] Ebd. , S. 9.

[4] Ebd. , S. 9.

[5] Ebd., S. 10.

[6] Ebd. , S. 10.

[7] Ebd. , S. 13.

[8] Ebd. , S. 19.

[9] Eisele / Kloft (2002), S. 11.

[10] Ebd., S. 11.

[11] Ebd., S. 12.

[12] Ebd. , S. 12.

[13] Ebd. , S. 13.

[14] Ebd. , S. 13.

[15] Ebd. , S. 13.

[16] Ebd. , S. 14.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Europäische Stadt und Hochhaus: Geschichte, Standorte, Pläne und Kontroversen - dargestellt am Beispiel der Städte Frankfurt am Main und München
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
21
Katalognummer
V52374
ISBN (eBook)
9783638481090
ISBN (Buch)
9783638931786
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Europäische, Stadt, Hochhaus, Geschichte, Standorte, Pläne, Kontroversen, Beispiel, Städte, Frankfurt, Main, München
Arbeit zitieren
Christian Eitz (Autor), 2005, Europäische Stadt und Hochhaus: Geschichte, Standorte, Pläne und Kontroversen - dargestellt am Beispiel der Städte Frankfurt am Main und München, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52374

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