Die Instrumentalisierung der Frau im Kontext der Eizellspende für die Stammzellforschung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Instrumentalisierungsargument als ethisches Argument
1.1 Allgemeine Bemerkungen zur Bioethik
1.2 Stammzellforschung
1.3 Ethische Aspekte des Instrumentalisierungsarguments
1.4 Das Instrumentalisierungsargument in der ethischen Kontroverse

2. Das Instrumentalisierungsargument im engendering-Prozess
2.1 Gleichstellung, Gender Mainstreaming und engendering
2.2 Geschlechtssensitive Argumente

3. Die politische Bedeutung des Instrumentalisierungsarguments
3.1 Bioethik in der BRD
3.2 Die Bedeutung des Instrumentalisierungsarguments auf der Ebene der Europäischen Union

4. Schlussbemerkung

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die folgende Hausarbeit untersucht zum einen allgemein das Argument der „Instrumentalisierung der Frau“, zum anderen dieses besonders im Kontext der durch seit den 1990er Jahren publik gewordenen biotechnologischen Fortschritte bezüglich der Embryonenforschung.

Unter drei Gesichtspunkten wird die Verwendung dieses Arguments untersucht, erstens hinsichtlich seiner Funktion und Verwendung innerhalb der Ethik bzw. ethischer Debatten. Dabei soll die Frage beantwortet werde, wo das Argument innerhalb der ethischen Debatten in Hinblick auf die Biotechnologie eingeordnet ist und welcher Stellenwert diesem zugeordnet werden kann.

Zweitens wird versucht werden, das Argument im Zusammenhang der Verwendung als ein „typisch feministisches“ Argument zu betrachten. Die zentrale Fragestellung hier ist, welche Position dem Argument im Bereich des „engendering“, unter Schilderung desselben, zukommt. Des weiteren wird kontrovers behandelt, ob das Argument überhaupt als ein geschlechtsensitives Argument verwendet werden kann.

Drittens wird die Verwendung des Arguments im politischen Meinungsfindungsprozesses beleuchtet. Hier steht die Verknüpfung des Arguments als ein der „feministischen Bewegung“ zukommendes auf der Ebene der Bundesrepublik und auch auf der politischen Ebene der Europäischen Union im Vordergrund. Es soll untersucht werden, ob das Argument in den verschiedenen Gesetzgebungs- bzw. politischen Entscheidungsgremien greift oder Einfluss ausübte.

1. Das Instrumentalisierungsargument als ethisches Argument

1.1 Allgemeine Bemerkungen zur Bioethik

Die Ergebnisse des biotechnologischen Fortschritts, besonders auf dem Gebiet der Genetik haben international eine Fülle von ethischen Debatten ausgelöst. Die genetische Ausstattung des Menschen rückt in den Bereich technischer Beherrschbarkeit, die Medizin verheißt neue, erfolgversprechende Behandlungsmethoden bislang unheilbarer Krankheiten. Neben dieser Euphorie jedoch berührt kaum ein Thema mehr die Ängste der Allgemeinheit.

Biotechnologische Forschungsprojekte wie HUGO, die Entschlüsselung des genetischen Codes des Menschen, neue Reproduktionstechnologien, oder auch das in der Öffentlichkeit berühmt gewordene geklonte Schaf „Dolly“ erregten in den vergangenen Jahren das Interesse sowohl der Bevölkerung als auch der politischen Akteure verschiedener Länder und lösten Widerstände auf Seiten ethischer Position, von Umweltschützern und nicht zuletzt auch der feministischen Bewegung aus.

1.2 Stammzellforschung

Stammzellen sind totipotente Zellen, die sich in einem noch nicht spezialisierten Zustand befinden. Aus diesen ließe sich jeder Typ Körperzelle entwickeln und medizinisch nutzen, auch ein kompletter Organismus lässt sich aus diesen entwickeln. Um die Entwicklung von spezialisierten Zellen aus Stammzellen besser verstehen zu können, bzw. die Techniken dieser Entwicklungsprozesse zu optimieren sind Forschungsprogramme nötig. Diese werden unter dem Begriff „Stammzellforschung“ zusammengefasst. Die zu dieser Forschung benötigten menschlichen Stammzellen können aus Embryonen gewonnen werden. Inhaber bestimmter moralischer Positionen attestieren den Embryonen jedoch Menschenwürde und disqualifizieren diese somit als verfügbar für derartige Forschungsunternehmungen.

Die Debatten werden jedoch bereits auf dieser Ebene kontrovers geführt. Inhaber anderer moralischer Positionen bestreiten, dass bereits frühe embryonale Entwicklungsphasen Träger moralischer Eigenschaften wie Menschenwürde sind und halten die Stammzellforschung oder Forschung an menschlichen Embryonen für moralisch akzeptabel.

Die Stammzellforschung wird auch aufgrund anderer Argumente als ein moralisch unhaltbarer Handlungskomplex angesehen. Neben Befürchtungen, Forschung an der Genetik des Menschen allgemein könnte zu Benachteiligung von Menschen mit bestimmten genetischen Prädispositionen führen (Erbkrankheiten, Geschlecht, Krebsrisiken), schlimmstenfalls in einer neuen Eugenik münden, gibt es Positionen, die sich auf die Stammzellforschung speziell beziehen. Stammzellforschung bedeutet ein Bedarf an Embryonen bzw. Eizellen, aus denen Stammzellen erzeugt werden können. Bislang wird embryonales Gewebe, das aus „verbleibenden“ Embryonen bzw. Eizellen bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) gewonnen wird, zur Herstellung von Stammzellen verwendet.

Bereits die IVF ist eine ethisch fragwürdige Reproduktionstechnik. Obwohl postuliert wird, dass bei Anwendung der IVF auf natürlichem Wege kinderlos bleibenden Partnerschaften geholfen wird, stellt die IVF eine massive Beeinflussung allein des Körpers der Frau dar. Es sind mit nicht absehbaren langfristigen Folgen aufgrund von Hormontherapien zu rechnen, außerdem stellt die Verbringung der befruchteten Eizelle in den Körper der Mutter ein invasiven Eingriff dar. Mögliche Schäden, die bei Verwendung dieser Praktiken als einer Lösung eines gemeinsamen oder auch alleine beim männlichen Partner liegenden Problems entstehen können, gehen zu Lasten des weiblichen Körpers. Darüber hinaus lässt sich mutmaßen, dass diese Verfahren den Körper der Frau zu einem Gegenstand des medizinischen Handelns herabwürdigen. Der Kinderwunsch wird mit einer „Technik“, der Reproduktionstechnik, realisiert, die Zeugung ist eine „Einpflanzung“.

Weiterhin wird befürchtet, dass der Weg von einer Reproduktionstechnik zu einer Produktionstechnik von Eizellen nicht weit ist. Diese „gespendeten“, bzw. ökonomische Perspektiven berücksichtigend, verkauften Eizellen könnten dem Bedarf an Eizellen für die Stammzellforschung entgegenkommen.

Das Instrumentalisierungsargument gibt genau diesen Sachverhalt wieder. Die Frau bzw. der verdinglichte Körper der Frau wird als Ressourcenquelle für Eizellen benutzt, die in der Stammzellforschung verwendet werden.

1.3 Ethische Aspekte des Instrumentalisierungsarguments

Es lassen sich dabei, kurz zusammengefasst, drei Aspekte des Instrumentalisierungsarguments konstatieren, welche die Stammzellforschung moralisch in Frage stellen.

Erstens scheinen die als Instrumentalisierung der Frau bezeichneten Praktiken mit einem tatsächlichen oder potentiellen Schaden an Physis oder Psyche einherzugehen. Während dies in Einzellfällen bei Maßnamen hinsichtlich der IVF hinzunehmen sei, da diese eine Verbesserung des Zustandes (Kinderlosigkeit) insgesamt bezwecken, scheinen Maßnamen wie die Eizellspende oder auch Leihmutterschaft unmoralisches Handeln darzustellen.

Zweitens wird die Vergegenständlichung der Frau kritisiert. Diese auf ihren Körper zu reduzieren, und diesen wiederum unter Gesichtspunkten des Innehabens spezifischer reproduktiver Funktionen zu betrachten, bereitet

drittens die Instrumentalisierung vor.

Der Körper der Frau wird benutzt, d.h. allgemein ausgedrückt, die Frau wird als ein Mittel zu einem konkreten Zweck verwendet. „Und wo ein Mensch bloß als Mittel, als Sache, als Ware behandelt wird, da ist seine Würde tangiert.“[1] Dieser Sachverhalt entspricht der eigentlichen Verwendung des Begriffs „Instrumentalisierung“. Die Frau wird als Mittel zum Zwecke der Stammzellforschung benutzt, ihr Körper ist ein Instrument in den Händen der ForscherInnen. Auch im Sinne des kategorischen Imperativs in der zweiten Fassung von Kant „Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, jeder Zeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest,“[2] handelt es sich bei der Instrumentalisierung der Frau im Kontext der Eizellspende für die Stammzellforschung um einen Verstoß dieser Regel, also um unmoralisches Verhalten.

1.4 Das Instrumentalisierungsargument in der ethischen Kontroverse

Es wurde angemerkt, dass die Schadenszufügung als Argument alleine nicht ausreichen mag, um Stammzellforschung im Ganzen für unmoralisches Handeln zu erklären, da es, Einzellfälle berücksichtigend, IVF und damit die Entstehung „überzähliger“ Eizellen bzw. Embryonen, die sich für die Stammellforschung eignen, prinzipiell moralisch gestattet. (Sieht man von der Frage nach dem moralischen Status einer Eizelle oder eines Embryos ab.) Auch gemäß des kategorischen Imperativs in obiger Ausprägung wäre IVF dann moralisch legitim, wenn die Frau nicht nur als Mittel behandelt würde, sondern zugleich auch den Zweck des Handelns darstellte. Es hat den Anschein, dass dies bei der Verwendung von Reproduktionstechniken, welche Schwangerschaft zum Zweck haben, der Fall ist. In diesem Rahmen mag eine Instrumentalisierung sogar ethisch zu rechtfertigen sein. Das Argument der Instrumentalisierung offenbart sich hier als eines, das eher auf die Gefährdung des Stellenwerts der Frau bzw. des weiblichen Körpers bei Ausweitung über diese engen Grenzen hinaus hinweist.

[...]


[1] Wolbert, Werner, 1987: Der Mensch als Mittel und Zweck. Die Idee der Menschenwürde in normativer Ethik und Metaethik, Münster: Aschendorff Verlag, S. 3.

[2] Kant, Immanuel, 1965: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Unveränderter Nachdruck der 3. Auflage, Hamburg: Felix Meiner Verlag, S. 52.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Instrumentalisierung der Frau im Kontext der Eizellspende für die Stammzellforschung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Geistes- und Kulturwissenschaften / Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Geschlechter- und Körperpolitik in der EU
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
18
Katalognummer
V52443
ISBN (eBook)
9783638481571
ISBN (Buch)
9783656451020
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Instrumentalisierung, Frau, Kontext, Eizellspende, Stammzellforschung, Geschlechter-, Körperpolitik
Arbeit zitieren
Judith Woll (Autor), 2005, Die Instrumentalisierung der Frau im Kontext der Eizellspende für die Stammzellforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52443

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