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Der Translationsgedanke in der Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux

Title: Der Translationsgedanke in der Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 25 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Michiko Yamanaka (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Summary Excerpt Details

Frechulfs Weltchronik zählt zu den ersten grossen bekannten Geschichtsschreibungen der Karolingerzeit. Es ist die erste Chronik des Mittelalters, in der die Weltgeschichte in zusammenhängender Darstellung behandelt wird. Daher ist dieses Werk die erste Historiographie dieser Art innerhalb der später sehr reich besetzten Gattung. Die Weltchronik Frechulfs hebt sich von den anderen Universalhistorien insofern ab, indem das Werk nur Vergangenheitsgeschichte enthält. Frechulf schrieb nicht bis in seine Gegenwart, sondern hörte in den Anfängen des fränkischen und des langobardischen Reiches auf. Doch wie sah Frechulf, der selbst zu seiner Zeit im fränkischen Reich lebte und schrieb, das fränkische Reich in Bezug auf das vorangehende römische Reich? Glaubte Frechulf an den Fortbestand des römischen Reiches im fränkischen Reich innerhalb des vierten Weltzeitalters? An welche Translationsvorstellungen hielt Frechulf im Allgemeinen fest?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Frechulf von Lisieux und seine Weltchronik

2.2 Das Ende des weströmischen Reiches und die Anfänge des fränkischen Reiches

2.3 Die translatio imperii

2.4 Der Translationsgedanke in Frechulfs Weltchronik

2.4.1 Frechulfs Weltchronik und die vier Weltreiche Daniels

2.4.2 Der Untergang des römischen Reiches in Frechulfs Weltchronik

2.4.3 Frechulfs Weltchronik und der Gedanke Augustins von den beiden civitates

2.4.4 Frechulfs Umgang mit dem Translationsgedanken

3. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Weltchronik des Frechulf von Lisieux im Hinblick auf deren Verständnis von Geschichtsverlauf, Translationsvorstellungen und die Einbettung in karolingische Wissensstrukturen. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob Frechulf den Untergang des weströmischen Reiches als endgültigen Bruch begreift oder ob er ein Fortbestehen römischer Herrschaft in der fränkischen Ära konstruiert.

  • Analyse von Frechulfs Leben und seinem Werk als historiographische Gattung
  • Untersuchung des Untergangs des weströmischen Reiches in der Darstellung Frechulfs
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept der translatio imperii
  • Verknüpfung von Frechulfs Geschichtsbild mit der Augustinus-Rezeption und Danielexegese

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Der Untergang des römischen Reiches in Frechulfs Weltchronik

Wenn nun jeglicher Hinweis auf die vier Weltreiche der Danielexegese des Hieronymus fehlt, muss angenommen werden, dass Frechulf nicht an einem Fortbestand des römischen Reiches festhält. Dies soll nun anhand Frechulfs Beschreibung des Untergangs Roms näher betrachtet werden.

Da Frechulfs Weltchronik ein Sekundärtext ist, ist es wichtig zu sehen, wie er mit den Quellen umgeht. Die Verarbeitung der Quellen erfolgt meist in ähnlicher Weise: Ein umfassendes Geschichtswerk, für die frühere Zeit ist es zum Beispiel die Chronik des Hieronymus, bildet das Skelett, in das der Verfasser aus dem ihm zur Verfügung stehenden Quellenmaterial geeignete Auszüge meistens wörtlich einfügt. Die getreue Wiedergabe des gesammelten Wissensstoffs wird so in angenehm lesbarer, jedoch sehr komprimierter Form dargeboten. Ein typischer Satz aus seiner Chronik, der die Raffung der Geschichte bei Frechulf gut zeigt, könnte der folgende sein: „Orestes uero suscepto exercitu uenit Rauennam, ibique moratus Augustulum filium suum imperatorem fecit.“ In einem Satz wird hier beschrieben, wie Orestes, nachdem er als Heerführer den Kaiser Nepos im Krieg gegen die Goten unterstützte, nach Ravenna kam, rastete und danach seinen Sohn Augustulus zum Kaiser erhob. Man kann Frechulfs Geschichtswerk zergliedern und stösst nur auf wenige Stellen, welche das literarische Eigentum des Geschichtsschreibers sind. Diese spärlichen Stellen haben meist rein abbreviatorische oder überleitende Funktion.

So sind im Kapitel 17 des fünften Buches, im zweiten Teil - anhand dessen im Folgenden der Untergang Roms veranschaulicht werden soll - von 586 Wörtern nur 172 Wörter literarisches Eigengut von Frechulf (in Prozent ausgedrückt sind das lediglich 29% des ganzen Kapitels). Im Abschnitt von Zeile 56 bis Zeile 77 vom Kapitel 17 ist nur ein ganzer Satz von Frechulf zu finden: „Hinc iam res publica Romanorum partibus Hesperiarum quae actenus gentibus imperauerat, regibus gentium gemens subcubuit.“ Dadurch, dass es der einzige ganze Satz von Frechulf ist, wird er in ein besonderes, hervorhebendes Licht gerückt, weil man den Satz umso mehr wertet und als wichtiges Zeugnis seiner Ansicht der Sachverhalte betrachtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Frechulfs Weltchronik ein und skizziert die methodische sowie inhaltliche Vorgehensweise zur Untersuchung des Geschichtsverständnisses.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert Frechulfs Leben, seine Quellenarbeit sowie die zentralen Konzepte des Untergangs Roms, der translatio imperii und der Augustinus-Rezeption innerhalb des Werks.

3. Schlusswort: Das Schlusswort fasst zusammen, dass Frechulf kein konsistentes Translationskonzept verfolgt, sondern eher eine didaktisch ausgerichtete Vergangenheitsgeschichte für die Erziehung des späteren Kaisers Karl den Kahlen verfasste.

Schlüsselwörter

Frechulf von Lisieux, Weltchronik, translatio imperii, Karolingerzeit, Untergang Roms, Augustinus, Danielexegese, Geschichtsschreibung, Mittelalter, Historiographie, civitas Dei, civitas terrena, fränkisches Reich, Quellenkritik, didaktischer Anspruch

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Weltchronik des Frechulf von Lisieux und untersucht, wie dieser Autor den Übergang von der römischen zur fränkischen Herrschaft historisch und theologisch einordnet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Interpretation der Weltgeschichte, die Behandlung der translatio imperii, die Rezeption antiker und christlicher Quellen sowie der didaktische Zweck des Werks für die Ausbildung des karolingischen Herrschernachwuchses.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, ob Frechulf in seiner Chronik ein systematisches Konzept des Fortbestands des römischen Reiches (translatio) vertritt oder ob er den Untergang des Reiches als bewusste Zäsur und Beginn einer neuen Epoche begreift.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung arbeitet quellenanalytisch, indem sie Frechulfs Eigenanteil an Textpassagen von der wörtlichen Übernahme seiner Quellen (wie Jordanis oder Fredegar) abgrenzt und diese im Kontext mittelalterlicher Geschichtstheorie interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors, die Analyse der Darstellung des Untergangs des Westreichs, eine theoretische Einordnung der translatio imperii und eine Untersuchung, wie Frechulf die Lehre Augustins von den zwei Gottesstaaten mit den vier Weltreichen verknüpft.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Frechulf von Lisieux, translatio imperii, Karolingerzeit, Geschichtsschreibung, civitas Dei/terrena und das Spannungsfeld zwischen römischer Antike und fränkischem Mittelalter.

Wie geht Frechulf mit dem Untergang des römischen Reiches um?

Die Arbeit zeigt, dass Frechulf keine einheitliche Linie verfolgt; er nutzt einerseits Quellen, die ein Fortbestehen implizieren, setzt jedoch formal durch eine prägnante Darstellung der Machtablösung durch die Germanen eine deutliche Zäsur.

Welche Rolle spielt Kaiserin Judith bei der Entstehung des Werks?

Frechulf widmete den zweiten Teil seiner Weltchronik der Kaiserin Judith, wobei der didaktische Wunsch im Vordergrund stand, dass das Werk ihrem Sohn, dem späteren Kaiser Karl den Kahlen, als Fürstenspiegel zur Erziehung dienen möge.

Warum wird die Weltchronik als "unvollständig" oder vorzeitig abgebrochen bezeichnet?

Die Arbeit argumentiert, dass Frechulf seine Chronik an einem Punkt beendet, der die fränkische Herrschaft als neues, separates Kapitel einleitet. Eine konsequente Weiterführung hätte ihn gezwungen, das Frankenreich theologisch in die civitas terrena einzuordnen, was mit seiner politischen Intention kollidiert wäre.

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Details

Title
Der Translationsgedanke in der Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux
College
University of Zurich
Grade
sehr gut
Author
Michiko Yamanaka (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V52785
ISBN (eBook)
9783638484008
ISBN (Book)
9783638765251
Language
German
Tags
Translationsgedanke Weltchronik Bischofs Frechulf Lisieux
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michiko Yamanaka (Author), 2006, Der Translationsgedanke in der Weltchronik des Bischofs Frechulf von Lisieux, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52785
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