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Der Kommunitarismus - Amitai Etzionis Idee einer Verantwortungsgesellschaft

Titel: Der Kommunitarismus - Amitai Etzionis Idee einer Verantwortungsgesellschaft

Hausarbeit , 1999 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thorsten Kadel (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
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EINLEITUNG

In den westlichen Industrienationen wird zunehmend die Tendenz hin zu mehr Individualismus verbunden mit einem vermeintlichen Verlust von Werten beklagt. Basierend auf dieser Kritik formierte sich Ende der 80er Jahre in den Vereinigten Staaten die kommunitaristische Bewegung, die eine gesellschaftsweite Diskussion über das Verhältnis von Rechten und Pflichten jedes Einzelnen fördern will . Der amerikanische Soziologe Amitai Etzioni gilt als Motor dieser Bewegung. Die von ihm vertretene sozialphilosophische Denkschule des Kommunitarismus und das darauf basierende Modell einer "Verantwortungsgesellschaft" wendet sich gegen die Tendenzen eines übertriebenen Individualismus und will durch eine Erneuerung gemeinsamer Werte wieder ein Fundament für eine gerechte politische Ordnung schaffen.
In dieser Hausarbeit soll der Versuch unternommen werden, die Grundzüge des kommunitaristischen Projekts darzustellen.
Der Kommunitarismus will eine Veränderung auf allen Ebenen der Gesellschaft erreichen - sozial, politisch und wirtschaftlich. Da er diese Veränderung vor allem durch Erziehung und Bildung erreichen will, wird die kommunitaristische Familienpolitik näher betrachtet .
Zunächst wird untersucht, ob der Kommunitarismus tatsächlich eine globale Alternative sein kann, wie sie Etzioni fordert; vor allem im Hinblick auf die unterschiedlichen Voraussetzungen in Deutschland und den USA. Schließlich soll am Beispiel historisch-philosophischer Parallelen die Diskussion angerissen werden, ob der Kommunitarismus wirklich neue Alternativen bietet, oder ob nicht jene Aspekte der kommunitaristischen Forderungen, die weitgehend akzeptiert werden können, selbstverständlicher Teil der sozialphilosophischen Tradition sind.
Durch den begrenzten Umfang einer Hausarbeit kann das Thema nicht erschöpfend erläutert werden, vielmehr soll eine Diskussionsgrundlagen geschaffen werden, um das von Etzioni entworfene Bild einer "neuen Verantwortungsgesellschaft" kritisch zu hinterfragen.
Grundlage der Betrachtungen ist Etzionis 1993 in den USA erschienenes Buch "Die Entdeckung des Gemeinwesens - das Programm des Kommunitarismus". Die Begriffe Kommunitarist und Kommunitarier werden synonym verwendet.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Kommunitaristische Programm

1.1 Was ist Kommunitarismus ?

1.2 Die Stimme der Moral

2. Anwendbarkeit des Kommunitaristischen Konzepts

2.1 Unterschiedliche Voraussetzungen in Europa

2.2 Diskussion am Beispiel der kommunitären Familie

2.3 Zwang und Gewalt

3. Der Kommunitarismus - eine neue Perspektive?

3.1 Historisch-Philosophische Parallelen

3.2 Der Kommunitarismus als praktikable Alternative

3.3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Amitai Etzionis Modell des Kommunitarismus und dessen Idee einer „Verantwortungsgesellschaft“ auseinander. Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die kommunitaristischen Forderungen eine tragfähige globale Alternative darstellen und wie sie sich im europäischen sowie deutschen Kontext bewerten lassen.

  • Grundzüge des kommunitaristischen Projekts nach Etzioni
  • Die Rolle der Familie und soziale Bindungen in der modernen Gesellschaft
  • Kritische Analyse von „moralischem Druck“ und der Grenze zu Zwang
  • Vergleich der sozio-kulturellen Voraussetzungen zwischen den USA und Deutschland
  • Diskussion über die Realisierbarkeit einer globalen Gemeinschaft

Auszug aus dem Buch

2.3 Zwang und Gewalt

Bezieht man sich auf Etzionis Ausführungen zum Thema „Zwang“, so scheint alles, was der moralischen Stärkung der Gemeinschaft dient, so es „weder Haft noch Deportation ..., weder körperliche Leiden nahestehender Personen noch Vernichtung von Eigentum“ nach sich zieht, erlaubt zu sein. (1995, S.45)

Kritische Anmerkungen von (wie Etzioni sie nennt) Radikalindividualisten, daß „jede Art von gesellschaftlicher Ermutigung oder sozialem Druck“ Zwang sei, entledigt sich der Autor durch seine eigene Definition: „Zwang beinhaltet Gewaltanwendung (oder deren Androhung.)“ (1995, S.44). Und das trifft auf viele Arten von Gewalt nicht zu.

Die Folgen für den, der „moralischem Druck“ nicht nachkommt, unterschätzt Etzioni: „Vielleicht lädt man ihn nicht mehr zum Kaffee ein ... und womöglich plauscht keiner mehr mit ihm am Gartenzaun, beim Einkaufen oder in der Bar – aber dabei bleibt es im allgemeinen auch.“ (1995, S.45). Nicht Gesetze, Glaube oder persönliches Gewissen sind Grundlage dessen, was richtig oder falsch ist, sondern das normierte Empfinden einer sich selbst als gerecht empfindenden Mehrheit – ein Schutz der Individualität, wie ihn das Grundgesetz in Art 1 und Art 2 ganz selbstverständlich vorsieht (vgl. Hesselberger 1995, 59ff), scheint nicht gegeben, wenn der Staat nicht die Integrität der Intimsphäre garantiert.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die Kritik am modernen Individualismus ein und stellt Amitai Etzionis kommunitaristisches Modell als Antwort auf den vermeintlichen Werteverlust vor.

1. Das Kommunitaristische Programm: Dieses Kapitel definiert den Kommunitarismus als Reaktion auf die Massengesellschaft und erläutert die Bedeutung der „Stimme der Moral“ zur internen Regelung sozialer Normen.

2. Anwendbarkeit des Kommunitaristischen Konzepts: Der Autor untersucht die Unterschiede zwischen den USA und Europa, analysiert die Rolle der Familie im kommunitaristischen Denken und kritisiert das Konzept von „moralischem Druck“.

3. Der Kommunitarismus - eine neue Perspektive?: Hier werden philosophische Parallelen hinterfragt und die praktische Umsetzbarkeit des Modells im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Realitäten kritisch beurteilt.

Schlüsselwörter

Kommunitarismus, Amitai Etzioni, Verantwortungsgesellschaft, Individualismus, Werteverfall, Soziale Bindung, Moral, Erziehung, Familie, Gesellschaftskritik, Gemeinschaft, Freiheit, Zwang, Soziale Normen, Pragmatismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?

Die Arbeit analysiert kritisch das theoretische Konzept des Kommunitarismus nach Amitai Etzioni und dessen Ziel, durch eine Erneuerung gemeinsamer Werte eine „Verantwortungsgesellschaft“ zu etablieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, die Rolle der Familie, die Definition von moralischem Druck und die kulturellen Unterschiede zwischen US-amerikanischen und europäischen Gesellschaftsstrukturen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel besteht darin, Etzionis Ansätze auf ihre Anwendbarkeit zu prüfen und kritisch zu hinterfragen, ob seine Vorschläge eine praktikable Alternative für moderne Gesellschaften bieten oder eher naive Denkanstöße sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse basierend auf Etzionis Hauptwerken sowie ergänzende sozialwissenschaftliche und philosophische Perspektiven, um die Thesen des Kommunitarismus zu bewerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsbestimmung, eine Untersuchung zur Anwendbarkeit des Konzepts (insbes. Familienpolitik) und eine kritische Auseinandersetzung mit den philosophischen Hintergründen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kommunitarismus, Verantwortungsgesellschaft, Individualismus, Moral und soziale Bindungen geprägt.

Wie bewertet der Autor Etzionis Vorstellung von Zwang?

Der Autor warnt vor der Gefahr einer Verharmlosung sozialen Drucks, da Etzionis Definition von Zwang zu eng gefasst sei und das Risiko berge, in psychische Gewalt oder gesellschaftliche Ausgrenzung umzuschlagen.

Ist der Kommunitarismus laut Fazit als Modell in Deutschland realisierbar?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Modell in seiner vorgeschlagenen Form nicht realisierbar ist, da es zu pauschal und unkonkret sei und die Komplexität heutiger Gesellschaftsstrukturen ignoriere.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Kommunitarismus - Amitai Etzionis Idee einer Verantwortungsgesellschaft
Hochschule
Universität der Künste Berlin  (Institut für Theorie und Praxis der Kommunikation)
Veranstaltung
Lebensstile und Kommunikation
Note
1,0
Autor
Thorsten Kadel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
16
Katalognummer
V5285
ISBN (eBook)
9783638132220
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kommunitarismus Etzioni Lebensstile
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thorsten Kadel (Autor:in), 1999, Der Kommunitarismus - Amitai Etzionis Idee einer Verantwortungsgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5285
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Leseprobe aus  16  Seiten
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