Entwicklung und Regulierung der IP-Telefonie


Seminararbeit, 2005

52 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1: Geschichte des Telefons

Kapitel 2: Was bedeutet Voip?
2.1 Definition
2.2 Wie funktioniert VoIP
2.3 Technische Schwierigkeiten
2.4 QoS (Quality of Service)
2.5 Voraussetzungen für den Gebrauch von VoIP
2.6 Szenarien für den Gebrauch von VoIP – Diensten
2.7 Anforderungen an VOIP
2.7.1 Sprachqualität
2.8 Motivationen für Internet – Telefonie:

Kapitel 3 Wirtschaftliche Aspekte
3.1 Netzwerkeffekte
3.2 Regulierung
3.2.1 Ausgangssituation
3.2.2 Notrufregelung
3.2.3 Nummerierung
3.2.3.1 Rufnummern ohne geografischen Bezug
3.2.3.2 Rufnummern mit geografischem Bezug
3.2.4 Entbündelung der Teilnehmeranschlüsse
3.2.4.1 Zugangsformen zu Breitbanddiensten
3.2.5 Breitbandmarktsituation in Europa
3.2.5.1 Wachstum
3.2.5.2 Internationale Tendenzen bei den Zugangsformen
3.2.5.3 Situation in Deutschland
3.2.5.4 Stand der Regulierung im internationalen Vergleich
3.2.6 Regulierung EU
3.3 Anforderungen an die Regulierer:
3.4 Preise von T-Online bei Internet Telefonie
3.5 Bekanntheitsgrad bei der Bevölkerung
3.6 Zielgruppen für VoIP - Dienste
3.6.1 VoIP für Privatkunden
3.6.2 VoIP für Geschäftskunden
3.7 Aussichten für den VoIP - Markt
3.7.1 Aktuelle Marktsituation
3.7.2 Umsatzentwicklung
3.7.3 Marktchancen von VoIP
3.7.4 Weltweiter Umsatz von VoIP
3.8 Die Wertschöpfungskette von VoIP
3.9 Sicherheitsaspkte

Fazit

Verzeichnisse

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit der Entwicklung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien verändern sich die Strukturen der Telekommunikationsbranche. Neue Informations- und Kommunikationstechnologiegüter und -dienste schaffen neue Märkte innerhalb der bestehenden Branche. Innovationen führen vor allem dazu, dass auch neue Telekommunikationsanbieter auf den Markt treten. Um den für die Wirtschaft erforderlichen gesunden Wettbewerb zu erhalten und Chancengleichheit zu schaffen, müssen adäquate Rahmenbedingungen herrschen.

Ziel dieser Arbeit ist es, Kriterien herauszustellen, die Aussagen darüber ermöglichen, ob die IP – Telefonie die klassische Festnetz – Telefonie in der Zukunft nur ergänzen wird oder sie sogar vollständig abzulösen vermag

In dieser Hausarbeit wird zuerst die neue Technologie der IP – Telefonie vorgestellt und die für den Gebrauch notwendigen Voraussetzungen erläutert. Anschließend richtet sich das Augenmerk auf die wirtschaftlichen Aspekte. Dazu dient zunächst eine Darstellung der gesamtwirtschaftlichen Tendenzen der Telekommunikationsbranche. Im Anschluss daran stellt sich die Frage nach den Wirkungen mehr oder weniger intensiven Interventionen seitens des Staates. Verglichen wird zuerst die aktuelle Breitbandmarktsituation in Deutschland mit ausgewählten europäischen Nationen anhand von quantitativen Betrachtungen. Danach wird erläutert, in welchem Zusammenhang die gesamteuropäische Regulierungssituation mit den Interessen der einzelnen Mitgliedsstaaten steht.

Ferner werden die Marktaussichten der IP – Telefonie erörtert. Hierfür werden etwaige Kostenvorteile analysiert und die Akzeptanz der verschiedenen Zielgruppen untersucht. Diese Marktaussichten werden dann überprüft, indem die Umsatzzahlen der Telekommunikationsbranche und der Grad der Verbreitung von Internet – Telefonie auf einer quantitativen Basis beleuchtet werden.

Kapitel 1: Geschichte des Telefons

Mit der Erfindung des Telefons hat Alexander Graham Bell im Jahre 1876 eine neue Art der Kommunikation geschaffen. Die Revolution des Telefons war von nun an nicht mehr aufzuhalten. Im Jahre 1972, nach fast einhundert Jahren, ist die vollständige Automatisierung der Ferngesprächsverbindungen vollendet worden.[1]

In Folge der Weiterentwicklung wurden die Telefone immer kleiner und gewannen an Benutzerfreundlichkeit. Motorola brachte 1983 das erste kommerzielle, weltweit erhältliche Mobiltelefon auf den Markt.[2] Das Mobiltelefon wurde zu einer Innovation, die heute nicht mehr wegzudenken ist. Für die Kunden ist es mittlerweile ein unverzichtbarer Service, ständig und überall erreichbar zu sein. Dieser Boom verschaffte den Telefonanbietern Milliardenumsätze.[3]

In den Privathaushalten befinden sich mittlerweile mehr Mobiltelefone als Festnetztelefone. Kamen Anfang 2000 auf 100 Haushalte 103 Festnetztelefone und 36 Handys, so waren es in diesem Jahr 108 Festnetztelefone und 115 Handys. Nachdem mittlerweile fast jeder Deutsche in Besitz eines oder auch mehrerer Mobiltelefone ist, scheint der Markt eine Sättigungsgrenze erreicht zu haben. Nach teils hohen Zuwachsraten in den Vorjahren stagnierte der Ausstattungsgrad 2004 bei 72%.[4]

Was uns vor einigen Jahren noch hochmodern und zukunftsorientiert erschienen ist, war jedoch schon 1936 möglich. Damals wurde nämlich bereits das weltweit erste Bildtelefon entwickelt.[5] Aus Kostengründen wurde diese Innovation aber nicht weiter verfolgt. Bis zur nächsten Produktinnovation auf dem Kommunikationsmarkt verging relativ viel Zeit. Nach den bis dahin üblichen analogen Verbindungen wurde das Telefonnetz Ende der 1980er Jahre auf digitale Übertragung umgestellt. Nachdem sich in den 60er Jahren die ersten Entwicklungen im Hinblick auf das Internet abzeichneten, stellte sich bald heraus, dass die Übertragungskapazitäten des analogen Telefonnetzes sehr begrenzt waren. Die Einführung von ISDN (Integrated Services Digital Network) war der erste Schritt auf dem Weg zu einem universellen Netz für die Übertragung von Sprache und Daten in digitaler Form. Seinerzeit war das zu übertragende Datenvolumen im Gegensatz zum Sprachaufkommen so gering, dass es technisch überhaupt kein Problem war, die Übertragung über das digitale ISDN - Netz zu bewältigen. Das kommerzielle Wachstum des Internets begann etwa im Jahre 1990.[6] Der Boom des Internetzeitalters bedeutete, dass die zu übertragenden Datenmengen ständig zunahmen, was immer größere Anforderungen an die Bandbreite des Netzes stellte. Die Gründe für das große Wachstum des Datenverkehrs liegen laut der International Telecommunication Union (ITU) in der guten Marktpenetration des Internets (besonders in den entwickelten Nationen) und in den Innovationen im Bereich der IP – Technologie.[7] Neue Technologien mussten entwickelt werden, um den künftigen Bedarf decken zu können. Dazu zählen vor allem DSL (Digital Subscriber Line), aber auch TV-Kabelnetze, drahtlose Netzwerke (WLAN = Wireless Local Area Network) usw. In Deutschland hat sich herauskristallisiert, dass mit einem Anteil von etwa 97% die meisten Breitbandanschlüsse auf DSL entfallen.[8]

Nach der Einführung des Internets und später der Breitbandverbindungen begann ein neues Zeitalter der Kommunikation. Es entstanden unzählige neue Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren (z.B. E-Mail, Chat, Instant Messaging etc.).

Schon seit 1995 wird mit viel Engagement an einer neuen Technologie gearbeitet, die sich Voice over Internet Protocol (VoIP) nennt.[9] Damit ist es möglich geworden über das Internet zu telefonieren. Doch diese Innovation befindet zu diesem Zeitpunkt nach einer relativ langen Entwicklungszeit immer noch in einem unausgereiften Stadium.

Kapitel 2: Was bedeutet Voip?

2.1 Definition

„Unter VoIP (Voice over IP), in der Regel auch als Internet Telefonie oder IP - Telefonie bezeichnet, versteht man das Telefonieren über Computernetzwerke auf der Grundlage des Internet Protokolls. Die Sprachinformationen werden also nicht mehr über eine geschaltete Verbindung in einem Telefonnetz übertragen, sondern mit Hilfe von IP - Paketen übermittelt.“[10]

2.2 Wie funktioniert VoIP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionsweise von VoIP

Quelle: O.V. (o.J.)

Bei der digitalen Festnetzelefonie (ISDN) wird die digitalisierte Sprache über eine Leitung transportiert, die vom Anfang bis zum Ende eines Gesprächs exklusiv aufrechterhalten wird. Das heißt, diese einmal aufgebaute Verbindung besteht auch dann, wenn gar nicht gesprochen wird. Anders ist es bei VoIP. Dort wird die digitalisierte Sprache in Datenpakete umgewandelt und mit Hilfe des Internet Protocol übertragen. Hier werden die Datenpakete nur verschickt, wie sie auftreten. Wenn also keine akustischen Signale auftreten, werden auch keine Daten übermittelt. Diese IP - Datenpakete werden einzeln vom Sender zum Empfänger übertragen. Dabei nimmt jedes Paket seinen eigenen Weg über ein diffus verzweigtes Netzwerk.

Solche Datenpakete entstehen, indem der Datenstrom auf der jeweiligen Senderseite in einzelne Pakete aufgegliedert wird und auf der Empfängerseite wieder zusammengefügt wird.[11]

2.3 Technische Schwierigkeiten

Das von den IP – Netzen verwendete Prinzip der Paketvermittlung besitzt auch Schwachstellen. Im Folgenden werden die wichtigsten Faktoren erläutert, die die Qualität der Kommunikation einschränken können.[12]

Packet Loss

Auf dem Weg vom Sender zum Empfänger können einzelne Datenpakete bei der Übermittlung verloren gehen.

Delay

Hier wir der gesamte Zeitraum betrachtet, der für die Übermittlung der Datenpakete bis hin zur Rekonstruktion der Sprachsignale benötigt wird. Wird dieser Zeitraum zu groß, liegt eine Verzögerung (delay) vor, die eine akzeptable interaktive Konversation signifikant erschwert. Die ITU hat eine Toleranzgrenze mit einem Wert von 400 ms als Standard festgelegt.[13]

Jitter

Als Jitter werden unregelmäßig auftretende Verzögerungen in der Ankunft der Datenpakete bezeichnet.

Wie diese drei technischen Schwierigkeiten miteinander in Verbindung stehen wird im folgendem deutlich.

Wird der Datenstrom bei einer nicht vorhersehbaren Verzögerung (Delay) der einzelnen Datenpakete von der Sender- zur Empfängerseite nicht beendet oder unterbrochen, und kommt es zu Tonstörungen, wird ein Pufferspeicher (Jitter Buffer) eingesetzt.

Die Aufgabe des Pufferspeichers ist es, Datenpakete für den Decoder auf Vorrat bereit zu halten. Nach und nach werden diese Pakte aus dem Pufferspeicher entnommen, um sie für die Empfängerseite zu decodieren und wiedergeben zu können. Mit Hilfe dieser Technik können zeitliche Schwankungen in der Paketübertragung, so genannte Jitter, bis zu einer definierten Länge ausgeglichen werden.

Es kann dennoch zu Störungen in der Sprachübertragung kommen, wenn die zeitlichen Schwankungen die definierte Länge überschreiten. Ist der Pufferspeicher überfüllt, werden sämtliche Datenpakete, die fortan empfangen werden, ignoriert und nicht verwendet. Es kommt zu Datenverlusten (Packet Loss). Aussetzer, Knacken oder Verzerrung der Sprachsignale sind die Folge.[14]

2.4 QoS (Quality of Service)

Es bestehen jedoch technische Möglichkeiten, den oben genannten Problemen bei der Sprachdatenübertragung entgegenzuwirken: Das IP – Netz unterstützt so genannte QoS – Anwendungen (Quality-of-Service – Anwendungen) für die Übertragung von Sprach- und Videostreams.[15] Quality of Service bezeichnet hier das Leistungsniveau, das das Datennetz dem Endnutzer bieten kann.

Prinzipiell ist es möglich, dass bestimmte Datenpakete auf ihrem Weg vom Sender zum Empfänger bevorzugt behandelt werden können. Deshalb beschäftigt sich die Internet Engineering Task Force (IETF) damit, Methoden zu entwickeln, die es ermöglichen, dass diese spezifischen Datenpakete vor den anderen Paketen übermittelt werden.[16] Hier geht es um sämtliche Audio- und Videodaten, die zu Kommunikationszwecken multidirektional und nahezu in Echtzeit übertragen werden sollen. Im Gegensatz dazu haben beispielsweise Sprachaufzeichnungen nicht den Anspruch auf Vermittlung mit hoher Priorität. Die technischen Details sollen in dieser Arbeit jedoch nicht weiter behandelt werden. Zur weiterführenden Lektüre wird der Annex C ab Seite 95 in „The Essential Report on IP Telephony“ von der ITU (2003) empfohlen.

2.5 Voraussetzungen für den Gebrauch von VoIP

Inzwischen gibt es diverse Anbieter (Provider), die VoIP – Dienste anbieten. Als erste Grundvoraussetzung gilt die Anschaffung eines Breitbandkommunikationsanschlusses. Zudem sind für die Nutzung von VoIP künftig diverse Anschaffungen nötig, die davon abhängen, für welche der drei möglichen Arten der Internet - Telefonie der Verbraucher sich entscheidet:

PC und Kopfhörer:

Notwendig hierfür ist ein PC oder Notebook, an welches ein Kopfhörer und Mikrofon angeschlossen werden kann. Zudem ist eine spezielle Telfonsoftware unumgänglich. Um telefonieren zu können und eine ständige Erreichbarkeit zu gewährleisten, muss der Computer online sein.

Herkömmliche Telefone:

Dafür muss zwischen dem vorhandenen Breitbandanschluss und dem analogen- Telefon ein Adapter geschaltet werden.

IP - Telefone:

Das sind spezielle Telefone die über einen USB – Anschluss mit dem Computer verbunden werden. Der Vorteil ist, dass beim Telefonieren bzw. um ständig erreichbar zu sein der Computer nicht eingeschaltet sein muss. Natürlich muss das Telefon zuvor konfiguriert sein, d.h. es muss eine Rufnummer zugewiesen bekommen haben. Die Anschaffungskosten eines IP - Telefons beginnen bei etwa 50 €.[17]

2.6 Szenarien für den Gebrauch von VoIP – Diensten

In Bezug auf die Hardwareausstattung der Konsumenten und der verschiedenartigen Möglichkeiten der Netzstrukturen, gibt es drei verschiedene Gebrauchsszenarien für VoIP – Dienste:[18]

Szenario 1: PC und PC

In diesem Szenario verwenden sowohl der Anrufer als auch der Angerufene einen Computer oder ein vergleichbares Gerät, mit dem sich VoIP – Anwendungssoftware betreiben lässt. Die beiden Nutzer sind mit dem Internet verbunden und müssen im Vorhinein einen Gesprächszeitpunkt vereinbaren, da beide zur gleichen Zeit online sein müssen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: VoIP von PC zu PC

Quelle: ITU (2003), S. 5

Szenario 2: VoIP von Telefon zu Telefon

In diesem Fall sind sowohl der Anrufer als auch der Angerufene mit dem herkömmlichen Telefonnetz verbunden. Sie können ihre Telefone auch auf gewöhnliche Art und Weise nutzen. Es sind jedoch Gateways zwischengeschaltet, die die Sprachdaten zwischen dem Telefonnetz und dem IP – Netz „übersetzen“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: VoIP von Telefon zu Telefon

Quelle: ITU (2003), S. 6

Szenario 3: VoIP von PC zu Telefon

Die dritte Möglichkeit, VoIP – Dienste zu benutzen, funktioniert folgendermaßen: Einer der beiden Gesprächsteilnehmer ist mit seinem Computer mit dem Internet verbunden. Der andere Teilnehmer benutzt sein herkömmliches Telefon. Will nun der Teilnehmer mit dem Computer einen anderen Teilnehmer auf seinem Telefon anrufen, so muss dieser erst eine Verbindung mit dem Internet herstellen. Anschließend nimmt er die Dienste eines Internet Telephony Service Provider (ITSP) in Anspruch, der ein Gateway betreibt, welches die Verbindung zum nächsten Verbindungsknotenpunkt in der Nähe des Teilnehmers mit dem Telefon herstellt. Dieses Gateway kontrolliert und terminiert von nun an das Gespräch auf der Seite des Angerufenen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: VoIP von PC zu Telefon

Quelle: ITU (2003), S. 8

2.7 Anforderungen an VOIP

Der Anspruch des Endverbrauchers an die Sprachtelefonie hat sich bereits im Verlauf der Entwicklung der klassischen Telefonie bestimmt. Da ein alleiniger Technologiewechsel keinen Anreiz gibt, seine Kommunikationsgewohnheiten zu ändern, ergibt sich, dass VoIP mindestens den gleichen Komfort wie die Festnetztelefonie bieten muss. Wenn darüber hinaus ein attraktiver Mehrwert geboten wird, erhöht sich der Anreiz eines möglichen Wechsels.[19] Komfort bedeutet in diesem Zusammenhang eine ständige Erreichbarkeit, hohe Übertragungsqualität und keine signifikanten Verzögerungszeiten. Zudem dürfen die Kosten nicht über den Vergleichswerten liegen. Je geringer sich die Kosten belaufen, desto attraktiver ist es. Will VoIP der Markt der Zukunft werden, müssen diese Anforderungen ohne Einschränkung erfüllt werden. Im Folgenden wird genauer auf die Anforderungen eingegangen.

2.7.1 Sprachqualität

Die ITU hat Echtzeit mit einer maximal zulässigen Verzögerung von 400 Millisekunden definiert.[20] Damit sollte ein international anerkannter Standard für ein Qualitätsniveau gesetzt werden, das es zu erreichen galt. Obwohl sich die Qualität der oben erläuterten QoS – Anwendungen noch nicht auf einem hohen und einheitlichen Niveau befindet, hat sich die allgemeine Sprachqualität ständig verbessert. Inzwischen ist sie größtenteils schon vergleichbar mit der klassischen Festnetztelefonie.[21]

Über das paketvermittelnde IP – Netz ist es technisch möglich, digitale Datenpakete jeglicher Art zu verschicken. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Dokumente, Filme oder Sprachsignale handelt. Die Frage ist, ob das IP – Netz in der Lage ist, Sprachtelefonie und andere Anwendungen, wie z. B. Multimediakonferenzen, die nahezu in Echtzeit und multidirektional übertragen werden müssen, in einer derartigen Qualität bereitzustellen, die den Konsumenten zufrieden stellt.

Die Entwicklung der IP – Telefonie hängt natürlich davon ab, ob der Konsument mit der Qualität der ihm gebotenen Technologie zufrieden ist oder nicht. In der Vergangenheit hat es sich gezeigt, dass die Nutzer bei einem Technologiewechsel tendenziell genügsamer in Bezug auf die Qualitätsanforderungen waren, wenn es bis dahin keine ähnlichen Leistungsmerkmale als Vergleichsmöglichkeit gegeben hatte.[22] Dies hat man deutlich bei der Einführung des Mobilfunks gesehen. Hier haben die Nutzer Verbindungsqualitäten akzeptiert, die sie bei der klassischen Telefonie als vollkommen unzulänglich erachtet hätten. Ähnlich waren die Anfänge der IP – Telefonie. Hier haben begeisterte Nutzer mit Mikrofon und Kopfhörer am Computer gesessen und nahmen die schlechte Qualität in Kauf, weil sie durch die Nutzung des Internets hohe Auslandsverbindungsentgelte vermeiden konnten. Da die IP – Telefonie zunächst eine Konkurrenz für die Festnetztelefonie darstellt, muss die Wahrnehmung der Sprachqualität bei VoIP also genauso gut wie oder besser als bei der klassischen Telefonie sein. Im schlimmsten Falle darf sie nicht signifikant schlechter sein.[23]

Die Bewertung von Sprachqualität beruht traditionell auf subjektiven Verfahren. Die am häufigsten verwendete subjektive Kennziffer ist der Mean Opinion Score (MOS), der von der ITU in der Empfehlung P.800[24] standardisiert wurde.[25] Dieses Verfahren stammt ursprünglich aus dem Festnetzbereich und wurde in den U.S.A. von den Bell Labs entwickelt und durchgeführt. Hier werden Testpersonen Sätze vorgespielt, deren Verständlichkeit sie auf einer Skala von 1 bis 5 (1=schlecht, …, 5=hervorragend) bewerten sollen. Der MOS wird dann als arithmetisches Mittel der einzelnen Bewertungen bestimmt.

Die Bewertung der Akzeptanz von Sprachdiensten über das paketvermittelnde Datennetz unter Zuhilfenahme des MOS ist jedoch laut Hardy nicht unbedingt unproblematisch[26]. Will man beispielsweise einen Geräuschpegel beschreiben, lässt die Maßzahl von 20 Dezibel keinen Spielraum für Interpretationen, und eine gewisse Lautstärke ist klar definiert. Anders ist dies beim MOS. Hier besitzt ein spezifischer Wert von beispielsweise 3,75 keinerlei Aussagekraft, da es keine eindeutige Skalierung gibt. Es muss genau erklärt werden, welche Kriterien in die Überlegungen einbezogen wurden, und welche Zahlenwerte ihnen jeweils zugeordnet wurden. Und selbst wenn das Zustandekommen eines Wertes geklärt ist, verschafft dieser Wert unter Umständen wenig Information, wenn kein Vergleichswert zur Verfügung steht.

Um die Sprachqualität noch besser und globaler beurteilen zu können, hat die ITU ein weitergehendes mathematisches Modell entwickelt, das auf Erhebungen diverser Telekommunikationsforschungsorganisationen basiert. Es handelt sich um die ITU-T Specification G.107 mit dem Titel „The E-Model, A Computational Model For Use In Transmission Planning.“ Mit diesem Modell wurden Untersuchungen angestellt, die die Qualität von VoIP - Gesprächen unter verschiedenen Netzbedingungen beurteilen sollten.[27] Es stellte sich heraus, dass die Sprachqualität signifikant von gleichzeitig fließendem Datenverkehr abhängt. Der unregelmäßige Strom von Daten basiert auf dem Prinzip der Übertragung in Datenpaketen. Offensichtlich haben diese Datenschübe einen negativen Einfluss auf die Sprachdatenströme. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass die Sprachqualität mit Zunahme des Datenmengenanteils abnahm. Um diesen negativen Störfaktor zu vermeiden, werden dreierlei Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen:

- Das Netz muss auf einem sehr niedrigen Auslastungsniveau arbeiten,
- es müssen separate Sprach- und Datennetze existieren,
- oder es müssen konsequent end-to-end QoS – Anwendungen verwendet werden, die den Sprachdaten im gesamten Verkehr zwischen Sender und Empfänger hohe Prioritäten zuweisen

(vgl. hierzu: Kapitel 2.4)

[...]


[1] Tariftip.de (o.J.)

[2] Motorola (o.J.)

[3] DTAG (2005)

[4] Statistisches Bundesamt (2004)

[5] Tariftip.de (o.J.)

[6] Computerbase.de (o.J.)

[7] ITU (2003), S. 15

[8] ERG (2005), S. 12

[9] Monse (2004)

[10] VoIP-Information.de (o.J.)

[11] VoIP-Info.de (o.J.)

[12] ITU (2003), S. 34

[13] ITU-T (o.J.): Recommendation G.114, “One-way transmission time”

[14] VoIP-Info.de (o.J.)

[15] Bates (2002), S. 494

[16] ITU (2003), S. 35

[17] Handelsblatt.com (2005)

[18] ITU (2003), S. 4ff.

[19] Hardy (2003), S. 21

[20] ITU-T Recommendation G.114, “One-way transmission time”

[21] ZDNet (2005)

[22] Hardy (2003), S. 23

[23] Hardy (2003), S. 20

[24] ITU-T (o.J.a)

[25] Sevcik (2002), S. 1

[26] Hardy (2003), S. 42

[27] Sevcik (2002), S. 1

Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Entwicklung und Regulierung der IP-Telefonie
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Wirtschaftswissenschaften)
Veranstaltung
Digitale Wirtschaft
Note
1,3
Autoren
Jahr
2005
Seiten
52
Katalognummer
V53061
ISBN (eBook)
9783638486088
Dateigröße
874 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung, Regulierung, IP-Telefonie, Studiengang, Wirtschaftswissenschaften
Arbeit zitieren
Ulrike Schütze (Autor)Marco Biedendorf (Autor), 2005, Entwicklung und Regulierung der IP-Telefonie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53061

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