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Die Wahlrechtsfrage zur Zeit der Reichsgründung. Die Bedeutung des Reichstagswahlrechts als nationale Repräsentation des deutschen Volkes

Titel: Die Wahlrechtsfrage zur Zeit der Reichsgründung. Die Bedeutung des Reichstagswahlrechts als nationale Repräsentation des deutschen Volkes

Hausarbeit , 2004 , 19 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Melanie Schwertfeger (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„[…] Eine aus der Vermittlung der praktischen Bedürfnisse hervorgegangene Verfassung ist niemals ohne Mängel zustande gekommen, […]. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht ist unter unserer Mitwirkung zur Grundlage öffentlichen Lebens sgemacht. Wir verhehlen uns nicht die Gefahren, die es mit sich bringt […]. Am Volke liegt es jetzt, für die Reinheit der Wahlen einzutreten; angestrengten Bemühungen wird es gelingen, seine Stimme wahrheitsgetreu zum Ausdruck zu bringen und dann wird das allgemeine Wahlrecht selbst das festeste Bollwerk der Freiheit sein, wird es die in die neue Zeit hineinragende Trümmer des ständischen Wesens wegräumen und die zugesicherte Gleichheit vor dem Gesetz endlich zur Wahrheit machen…“ Diese Worte stammen aus dem Gründungsprogramm der Nationalliberalen Partei im Jahr 1867 und besiegelten die Spaltung des Liberalismus. Die Frage ums Wahlrecht hatte bereits in der verfassungsgebenden Nationalversammlung 1848/49 schwere Debatten ausgelöst. Nachdem das beschlossene allgemeine und gleiche Wahlrecht durch das Scheitern der Paulskirche nicht realisiert werden konnte, wurde das Thema erst 15 Jahre später, überraschenderweise durch Bismarck, wieder ernsthaft aufgeworfen. Der Antrag auf ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht erweckte jedoch Misstrauen und wurde von der Opposition als unvollkommen und gefährlich kritisiert, solange nicht auch andere Bereiche liberalisiert und demokratisch umgewandelt würden. Mit ihrer wandelnden Haltung und dem Zusammengehen mit Bismarck, stellten die Nationalliberalen ihre liberalen Ziele vor den nationalen zurück und gaben sich mit kleinen Schritten und der Hoffnung auf spätere Realisierung von wahrer Volkssouveränität und Parlamentarismus zunächst zufrieden. Doch es stellt sich die Frage, ob diese kleinen Schritte ein wirklicher Ansatz hierfür waren und in die richtige Richtung führten. War das neue Wahlrecht, das zunächst für den Norddeutschen Bund und dann für das ganze Reich galt, wirklich frei und gleich? War es ein Richtungsweisender Schritt hin zur Volkssouveränität? Oder sah es nur auf den ersten Blick so aus?!

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0 Der Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht

1.1. Die Paulskirche (Liberale vs. Demokraten)

1.2. Die Zeit der Reaktion und der beginnende Verfassungskonflikt

2.0 Wandelnde Haltung zum Wahlrecht ( Liberale vs. Konservative)

2.1. Bismarcks Antrag auf Bundes- und Wahlrechtsreform

2.2. Reaktionen auf Bismarcks Antrag und das allgemeine Wahlrecht

3.0 Die Stellung des Reichstags in der Verfassung des Deutschen Reiches

3.1. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht

3.2. Die Bedeutung des frei gewählten Reichstags als Repräsentation des deutschen Volkes

4.0 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Hausarbeit untersucht die Bedeutung des Reichstagswahlrechts als Instrument nationaler Repräsentation zur Zeit der Reichsgründung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob das eingeführte allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht einen tatsächlichen Schritt zur Volkssouveränität darstellte oder lediglich ein strategisches Instrument Bismarcks zur Absicherung seiner konservativen Machtinteressen war.

  • Historische Entwicklung des Wahlrechts seit der Paulskirche 1848/49
  • Bismarcks politische Motive hinter der Einführung des allgemeinen Wahlrechts
  • Spannungsfeld zwischen liberalen Zielen und konservativer Regierungsführung
  • Analyse der konstitutionellen Stellung des Reichstags im Deutschen Kaiserreich

Auszug aus dem Buch

3.1. Das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht

Der Norddeutsche Bund, als Vorstufe eines deutschen Gesamtstaates, wurde nach dem Sieg der Deutschen im Krieg gegen Frankreich 1871 durch Verträge mit den süddeutschen Staaten zum Deutschen Reich erweitert. Dabei wurde die Bundesverfassung vom 14. April 1867 genau vier Jahre später am 14. April 1871 im Wesentlichen übernommen. Innerhalb des Reiches bildete der Reichstag den demokratischen Gegenpart zum Kaiser und den unitarischen Gegenpart zum Bundesrat. „ Als unmittelbar gewählte Volksrepräsentation verkörperte er den Willen der Nation zur politischen Einheit“ Wie der norddeutsche Reichstag wurde auch der Reichstag des Kaiserreiches durch Wahlen gebildet, für die das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht mit absoluter Mehrheitswahl in Einmannwahlkreisen, nach dem Vorbild des Wahlgesetzes von 1849 galt.

Es blieb genau wie das Dreiklassenwahlrecht in Preußen bis 1918 bestehen. Nach dem allgemeinen Wahlrecht stand es allen Männern ab 25, die dem Reich angehörten, zu, zu wählen. Ausgeschlossen war, wer unter Vormundschaft stand, sich in Konkurs befand, wer Armenunterstützung erhielt, wer durch gerichtliches Urteil die staatsbürgerlichen Rechte verloren hatte sowie Frauen, die wie fast überall im Ausland, bis 1918 nicht wahlberechtigt waren. Soldaten jeden Ranges, die im Dienste der Fahne standen, war es zudem untersagt, das aktive Wahlrecht auszuüben. Ein Aberkennungsrecht gegenüber staats- oder verfassungsfeindlichen Parteien gab es jedoch nicht.

Das Wahlrecht war gleich. Das bedeutete, dass weder nach Geburtsstand, noch nach Besitz, Beruf oder Bildung unterschieden wurde. Die Wahlberechtigten wählten ihre Vertreter unmittelbar/direkt in den Reichstag und nicht wie zuvor, indirekt, durch Wahlmänner, die erst dann die Abgeordneten bestimmten. Ein entscheidender Punkt für die künftige Wahlfreiheit war, dass das Volk geheim wählen durfte. Die Beeinflussbarkeit der Wähler nahm dadurch stark ab, die allgemeine Wahlbeteiligung dagegen enorm zu. In Preußen waren viele aufgrund des öffentlichen Wahlmodus dazu gezwungen, regierungsfreundlich zu wählen. Nun hatte man die freie Wahl und konnte ohne Sorge auch für die Opposition stimmen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Umreißt die historische Relevanz der Wahlrechtsfrage und formuliert die Forschungsfrage zur demokratischen Substanz der Bismarckschen Verfassung.

1.0 Der Kampf um das allgemeine und gleiche Wahlrecht: Analysiert die konträren Positionen von Liberalen und Demokraten während der Paulskirche sowie die politische Stagnation während der Reaktionsära.

2.0 Wandelnde Haltung zum Wahlrecht ( Liberale vs. Konservative): Beleuchtet Bismarcks taktische Beweggründe für die Reform sowie die skeptischen Reaktionen der liberalen Opposition.

3.0 Die Stellung des Reichstags in der Verfassung des Deutschen Reiches: Untersucht die rechtliche Ausgestaltung des Wahlrechts und das Spannungsverhältnis zwischen dem Reichstag und der Exekutive.

4.0 Fazit: Zieht Bilanz über die Wirksamkeit des Wahlrechts als Mittel zur politischen Mobilisierung und dessen begrenzte demokratische Wirkung gegenüber der monarchischen Übermacht.

Schlüsselwörter

Wahlrechtsfrage, Reichsgründung, Bismarck, Reichstag, Allgemeines Wahlrecht, Liberalismus, Konservatismus, Volkssouveränität, Deutsche Verfassungsgeschichte, Parlamentarismus, Norddeutscher Bund, Preußischer Verfassungskonflikt, Dreiklassenwahlrecht, Repräsentation, Konstitutionelle Monarchie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die politische Bedeutung des Reichstagswahlrechts zur Zeit der deutschen Reichsgründung und beleuchtet dessen Funktion als nationale Repräsentation.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Im Fokus stehen der Kampf um das allgemeine Wahlrecht, die Motivationen Bismarcks, die politische Haltung liberaler und konservativer Kräfte sowie die verfassungsrechtliche Stellung des Reichstags.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob die Einführung des allgemeinen Wahlrechts ein echter Schritt in Richtung Volkssouveränität war oder eine strategische Maßnahme zur Festigung autoritärer Strukturen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin oder der Autor verwendet eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die sich auf zeitgenössische Quellen, Programmtexte und etablierte Verfassungsgeschichtsforschung stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des historischen Wahlrechtskampfes, Bismarcks Strategie der Bundesreform sowie die detaillierte Analyse des Reichstagswahlrechts im Kontext der Verfassung des Deutschen Reiches.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Reichstagswahlrecht", "Bismarcksche Verfassung", "Liberalismus", "Volkssouveränität" und "Konstitutionelle Monarchie" geprägt.

Warum war das allgemeine Wahlrecht für Bismarck ein zweischneidiges Schwert?

Bismarck wollte einerseits die Einheitsbewegung für seine Ziele instrumentalisieren, fürchtete aber andererseits eine zu starke demokratische Kontrolle, weshalb er die Verfassung so gestaltete, dass die Exekutive dominant blieb.

Welche Rolle spielte das Diätenverbot für die Zusammensetzung des Reichstags?

Das Diätenverbot erschwerte die parlamentarische Arbeit für nicht-wohlhabende Schichten, was dazu führte, dass primär Adelige und bürgerliche Honoratioren ins Parlament gewählt wurden.

Inwieweit wurde das Wahlrecht zur Zeit der Reichsgründung als "antiliberal" empfunden?

Kritiker warnten, dass das Bismarcksche Wahlgesetz den Parlamentarismus aushöhle, da es den Volksvertretern nur eingeschränkte Kontrollrechte einräumte und den Einfluss des Kaisers und des Kanzlers nicht ausreichend begrenzte.

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Details

Titel
Die Wahlrechtsfrage zur Zeit der Reichsgründung. Die Bedeutung des Reichstagswahlrechts als nationale Repräsentation des deutschen Volkes
Hochschule
Universität Hamburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Einführungsseminar. Nationalismus in Deutschland von den Befreiungskriegen bis zur Reichsgründung
Note
1,7
Autor
Melanie Schwertfeger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V53343
ISBN (eBook)
9783638488167
ISBN (Buch)
9783656807643
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlrechtsfrage Zeit Reichsgründung Bedeutung Reichstagswahlrechts Repräsentation Volkes Einführungsseminar Nationalismus Deutschland Befreiungskriegen Reichsgründung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Melanie Schwertfeger (Autor:in), 2004, Die Wahlrechtsfrage zur Zeit der Reichsgründung. Die Bedeutung des Reichstagswahlrechts als nationale Repräsentation des deutschen Volkes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53343
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