Das Brautwerbungsschema im König Rother als charakteristisches Merkmal der 'Spielmannsepik'


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur „Spielmannsepik“

3. König Rother
3.1 Verfasser
3.2 Brautwerbungsschema
3.2.1 Auslösung und Vorbereitung der Werbung
3.2.2 Werbungsfahrt
3.3.3 Heimführung und Hochzeit
3.3.4 Nachgeschichte
3.3.5 schemabedingte Settings und Szenen
3.3 stilistische und erzähltechnische Sorglosigkeit, fabulöse und phantastische Stoffelemente

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem König Rother wird man immer wieder mit dem Begriff „Spielmannsepik“ bzw. sogenannte Spielmannsepik konfrontiert. Dabei wird oft eine konkrete Stellungnahme zu der mit dem Terminus verbundenen Problematik vermieden.

„Ein bequemer, weil unscharfer Begriff erlaubte recht widerborstige Werke in eine Schublade zu stecken, die von der germanistischen Forschung nicht allzu oft geöffnet wurde.“[1]

Meist wird darauf verwiesen, dass der Begriff zwar nicht korrekt sei, in Ermangelung einer treffenderen Bezeichnung werden jedoch immer noch (hauptsächlich) die mittelalterlichen Epen König Rother, Herzog Ernst, Oswald, Orendel und Salman und Morolf unter „Spielmannsdichtung“[2] subsumiert. Mittlerweile nimmt man den Spielmann als Verfasser der Epen nicht mehr an. Doch inwieweit der Stil der Epen als „spielmännisch“ zu bezeichnen ist, und wodurch sich der „spielmännische“ Stil genau auszeichnet, konnte noch nicht ausreichend geklärt werden. Dass sich bei den unter diesem Begriff zusammengefassten Werken stilistische, inhaltliche und sprachliche Eigenheiten finden, die eine Zusammengehörigkeit begründen, ist ebenfalls unumstritten. Inwieweit sich diese Charakteristika jedoch tatsächlich als „spielmännisch“ auszeichnen, kann hier nicht geklärt werden.

In der vorliegenden Arbeit soll zunächst einmal die Problematik der „Spielmannsdichtung“ erörtert werden. Daraufhin erfolgt eine Analyse des König Rother anhand der im Reallexikon aufgeführten Gattungsmerkmale. Als besonderes gemeinsames Kriterium wird vor allem das Brautwerbungsschema benannt. Aus diesem Grunde bildet die Analyse des Schemas im König Rother den Schwerpunkt dieser Arbeit. Abschließend soll eine Stellungnahme zu dem Problem der sogenannten Spielmannsdichtung vorgenommen werden, die insbesondere durch die nahezu prototypische Verarbeitung des Brautwerbungsschemas begründet wird.

2. Zur „Spielmannsepik“

Die unter dem Terminus zusammengefassten Versdichtungen lassen sich weder der höfischen noch der geistlichen Dichtung zuordnen, und da man annahm, dass es sich bei den anonymen Verfassern um Spielmänner handelte, verwendete erstmals Georg Gottfried Gervinus diesen Begriff im Zusammenhang mit den fünf oben genannten Werken.[3] Nachhaltige Einwände, die sich gegen die romantische Vorstellung, dass Spielmänner die Verfasser der Epen seien, wurden erstmalig von Hans Naumann im Jahr 1924 erhoben:

„ […] es muss endlich einmal ernstlich in Frage gestellt werden, ob dieses fahrende Gesindel handgreiflicher, primitiver, grobsinniger Erlustigung irgend etwas mit dem Geschäft der Dichtung vom König Rother usw. zu tun habe […]“[4]

Mittlerweile hat sich die schon von Naumann formulierte Annahme, dass Geistliche die Verfasser der Buchform sind, durchgesetzt.[5]

Auch wenn man den Spielmann schon seit längerem als den Verfasser ablehnt, wurde dieser Begriff beibehalten, da die Zusammengehörigkeit der Epen begründet ist.

„Es gibt nach dem Ausfall des Spielmanns als Verfasser dieser Buchepen kaum noch Gründe an einer „Gattung“ Spielmannsepik festzuhalten […]. Wohl aber schließen die genannten Werke u.a. in dem Sinn locker zusammen, als sie gemeinsam den für das 12. Jahrhundert charakteristischen Aufstieg einheimischer mündlicher Dichtungstradition in die Sphäre der von Geistlichen verwalteten Buchdichtung präsentieren.“[6]

Demzufolge lässt sich die „Spielmannsepik“ als Gattungsbegriff nicht halten, die verschiedenen Werke als eine besondere Gruppe zusammenzufassen, ist dennoch sinnvoll. Als die typischen Merkmale der sogenannten Spielmannsdichtung benennt Hans-Joachim Behr „Anonymität, schemagebundenes Erzählen (Brautwerbungsschema, Erzählschema), stilistische und erzähltechnische Sorglosigkeit, fabulöse und phantastische Stoffelemente“.[7]

[...]


[1] Meves, Uwe: Studien zu König Rother, Herzog Ernst und Grauer Rock (Orendel), Frankfurt, Bern 1976, S. 7

[2] Die Begriffe „Spielmannsepik“ und „Spielmannsdichtung“ werden in der vorliegenden Arbeit synonym verwendet. Zwar bezeichnen Joachim Bahr und Michael Curschmann die „Spielmannsepik“ als eine Subkategorie der „Spielmannsdichtung“, doch hat es den Anschein, dass sich diese Differenzierung nicht durchgesetzt hat. Vgl.: Bahr, Joachim; Curschmann, Michael: Spielmannsdichtung, in: Kanzog, Klaus und Masser, Achim (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, Berlin, New York 1984², S. 105 – 122, hier S. 105

[3] Vgl. Meves, Uwe: Zur historischen Bedingtheit literarischer Wertung: Das Beispiel „Spielmannsepik“ in der Literaturgeschichtsschreibung, in: Vorstand der Vereinigung deutscher Hochschulgermanisten (Hrsg.): Textsorten und literarische Gattungen. Dokumentation des Germanistentages in Hamburg vom 1. bis 4. April 1979, Berlin 1983, S. 317 – 334, hier S. 317

[4] Naumann, Hans: Versuch einer Einschränkung des romantischen Begriffs Spielmannsdichtung, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 2 (1924), S. 777 – 794, hier S. 781

[5] Vgl. Bahr, Curschmann (1984), S. 116

[6] ebd.

[7] Behr, Hans-Joachim: Spielmannsdichtung, in: Müller, Jan-Dirk (Hrsg.): Reallexikon der Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Band III, Berlin, New York 2003, S. 474 – 479, hier S. 474

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Brautwerbungsschema im König Rother als charakteristisches Merkmal der 'Spielmannsepik'
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V53483
ISBN (eBook)
9783638489256
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brautwerbungsschema, König, Rother, Merkmal, Spielmannsepik
Arbeit zitieren
Cornelia Lauterbach (Autor), 2003, Das Brautwerbungsschema im König Rother als charakteristisches Merkmal der 'Spielmannsepik', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53483

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