Macht uns eine Familie glücklicher?

Analyse der Wichtigkeit einer Familie im Hinblick auf das Glück einer Person auf Basis des ALLBUS 2018


Studienarbeit, 2018

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Hypothesenregenerierung

3. Datensatzbeschreibung und Vorstellung der Variablen
3.1 Operationalisierung und Variablenbeschreibung

4. Empirie
4.1 Stichprobenverteilung
4.2 Deskriptive Analyse
4.3 Logistische Regression

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang: Syntax

Anhang: Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten. Neben den sinkenden Geburtenzahlen lässt sich in den letzten Jahrzehnten zudem ein stetiger Anstieg an kinderloser Ehen und Partnerschaft und eine abnehmende Zahl von Mehrkindfamilien feststellen (Dorbritz & Schwarz 1996). Wegen dieser Entwicklungen spielt die Kinderlosigkeit in Deutschland eine immer bedeutsamere Rolle im Hinblick auf die Demographie des Landes (Gloger-Tippelt; Gomille & Grimmig 1993). Die Gründe für ein eigenes Kind haben sich ebenfalls stark gewandelt. Wo damals die Gründung einer Familie eher auf extrinsischen Gründen basierte, beispielsweise auf Grund einer möglichen Versorgung im hohen Alter, spielen heute eher intrinsische Motive, wie die Verfolgung der eigenen Selbstverwirklichung, eine wichtige Rolle (Gloger-Tippelt et al. 1993; Schneewind & Vaskovics 1997). Auch die zunehmende Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen in der heutigen Gesellschaft fördern die Idee einer freien Wahl über die Gestaltung der Partnerschaft oder der Elternschaft. Viel mehr werden Lebensentscheidungen nun als individuell frei und weniger als normativ vorgegeben angesehen. Im Hinblick auf die möglichen ökonomischen Nachteile und persönlichen Einschränkungen, welche mit der Gründung einer Familie einhergehen können, ist ein immer weiter verbreitetet bewusster Verzicht auf eigene Kinder festzustellen. Diese Entscheidung ist die Reaktion einiger Menschen auf die Erfordernisse einer individualisierten und modernen Lebensgestaltung (Schneider 1996). Die Selbstverständlichkeit einer eigenen Familie unterlag in den letzten Jahrzehnten folglich einem grundlegenden sozialen Wandel (Rupp 2003, S.79). Deutlich wird, dass bei der Entscheidung für oder gegen die Gründung einer Familie besonders die persönliche Einstellung zu Familie und Kindern eine Rolle spielt (Schneewind 1995). Ob die Gründung einer Familie als Garant für ein glückliches Leben angesehen wird, ist somit von Person zu Person unterschiedlich. Im Verlauf der Hausarbeit sollen verschieden Faktoren auf ihre Auswirkung auf die Einschätzung einer Person eine Familie als Notwendigkeit für die Führung eines glücklichen Lebens anzusehen, untersucht werden. Dafür wurden die Variablen des Geschlechts, das Erhebungsgebiet, das Alter, der allgemeine Bildungsabschluss und das Partnerschaftsverhältnis einer Person betrachtet. Die Variablen wurden dem ALLBUS 2018 entnommen. Zur Beantwortung der Forschungsfrage „Wie wirken sich die ausgewählten Faktoren auf die Einschätzung einer Person aus, eine Familie als notwendig für ein glückliches Leben anzusehen?“ wird in einem ersten Kapitel zu jeder der vorgestellten unabhängigen Variablen ein möglicher Zusammenhang mit der abhängigen Variable „Familie für Glück“ in Form einer Hypothese aufgezeigt. Die generierten Hypothesen basieren dabei auf früheren Befunden verschiedener Primär- und Sekundärliteratur (Kapitel 2). Nachdem in einem weiteren Schritt der Datensatz beschrieben wurde (Kapitel 3), werden die aus dem ALLBUS verwendeten Variablen im Hinblick auf die vorgenommene Operationalisierung betrachtet (Kapitel 3.1). Des Weiteren werden die Daten mit Hilfe der Datenanalysesoftware STATA statisch geprüft. Darunter zählt die Darstellung der Daten mittels einer Stichprobenverteilung (Kapitel 4.1). Im Anschluss werden die Variablen in der bivariaten und multivariaten Analyse weiter geprüft und interpretiert (Kapitel 4.2 und 4.3). In einem abschließenden Kapitel werden die Ergebnisse der Analysen in Form eines Fazits zusammengefasst und zur Annahme beziehungsweise Wiederlegung der vorher gestellten Hypothesen genutzt (Kapitel 5).

2. Theorie und Hypothesenregenerierung

Das Thema der Seminararbeit umfasst die Einschätzung der Notwendigkeit einer Familie, um ein glückliches Leben zu führen. Zur Beantwortung der Forschungsfrage „Wie wirken sich ausgewählten Faktoren auf die Einschätzung einer Person aus, eine Familie als notwendig für ein glückliches Leben anzusehen?“ wurden einige Variablen aus dem Datensatz des ALLBUS 2018 aufgenommen, welche einen möglichen Einfluss auf die Einschätzung einer Person haben können, eine Familie als notwendig für ein glückliches Leben anzusehen. Hierfür wurden die Variablen des Geschlechts, das Erhebungsgebiets, das Alters, das Partnerschaftsverhältnis einer Person und der allgemeine Bildungsabschluss in die Seminararbeit einbezogen. Diese Variablen werden im Verlauf der Arbeit auf ihre Wirkung auf die Einschätzung der Notwendigkeit einer Familie für ein glückliches Leben untersucht. Jede dieser Variablen wird in einem ersten Schritt mittels einer Hypothese in Verbindung mit der Einschätzung über die Notwendigkeit einer Familie gebracht, welche eine Tendenz über einen möglichen Einfluss der jeweiligen Variablen aufzeigen. Die Hypothesen werden später im Fazit auf Basis der Ergebnisse der Analyse abgelehnt oder angenommen.

Auch wenn seit den letzten Jahren die Wellen des Feminismus und andere Bewegungen für die Gleichberechtigung der Frau kämpften, hat das Leben von Männern und Frauen kaum an Widersprüchlichkeiten und Paradoxien eingebüßt. Obwohl Frauen über die letzten Jahrzehnte mehr Zugänge zu Arbeitsmärkten eröffnet wurden, ist die tief verankerte Beziehung zu Haushalt und Familie bei vielen Frauen ein weiterhin wichtiger Teil ihrer Arbeit (Wilz 2008, S.12). Die Möglichkeit der Aufnahme einer eigenen Erwerbstätigkeit trifft oft auf den Anspruch den Haushalt und die Familie zu großen Teilen zu regeln. Folglich tendieren viele Frauen auch bei eigener Berufstätigkeit Teile der Arbeit in der Familie weiterhin zu übernehmen. Diese Reaktion kann teilweise auf dem Erwerb von sozialisatorischen Werten beruhen, welche vorgeben wie ein ‚richtiges’ Leben als Frau auszusehen hat. Einige Frauen nehmen sich folglich eher einer solchen Doppelbelastung an, als den vorgegebenen Ansprüchen zu wiedersprechen (Wilz 2008, S.86). Auch wenn das Frauenbild sich in den letzten Jahrzenten stark gewandelt hat, können weiterhin bestimmte Anforderungen an die Frau festgestellt werden, besonders im Bezug auf Familie und Haushalt. Schließlich kann von einer weiter bestehenden Auswirkung dieser Anforderungen auf die eigene Einschätzung einer Frau eine Familie zu brauchen, um ein glückliches Leben beziehungsweise ein ‚richtiges’ Leben zu führen ausgegangen werden (Wilz 2008). Auf der Seite der Männer können hingegen ähnliche Ergebnisse aufgezeigt werden. Für viele Männer ist der Erwerb einer Arbeit die Möglichkeit finanzielle Stabilität für die Familie zu garantieren und somit die Familiengründung zu sichern. Im Kern kann dieses Männlichkeitskonstrukt durch eine starke Berufsorientierung bestimmt werden, wobei die Familiengründung jedoch eher als sekundär angesehen wird. Trotz dessen ist die Rolle des Familienernährers und die Gründung einer Familie auf hierarchisierende Weise miteinander verknüpft (Meuser 2004). In der Studie „Demographic Differences in Life Course Dynamics in Eastern and Western Germany“ wurden Befragte, geteilt in Westdeutschland und Ostdeutschland, nach ihrer eigenen Einschätzung über die Wichtigkeit der Familiengründung befragt. Hierbei erreichten Männer aus Ostdeutschland einen Durchschnittswert von 6.8 auf einer Skala von eins bis zehn. Der Durchschnittswert der ostdeutschen Frauen lag mit 7.3 über dem der Männer. Ähnlich bewerteten westdeutsche Frauen die Wichtigkeit einer Familie mit einem Durchschnittswert von 7.3. Westdeutsche Männer lagen auch hier mit einem Wert von 7.0 unter dem Durchschnittswert der Frauen (Goldstein et al 2010, S.21f.). Die Studie des Leipziger Fragebogen zu Kinderwunschmotiven, kurz LKM, befasst sich ebenfalls mit dem Kinderwunsch einer Person. Die Ergebnisse der Studie geben an, dass Frauen eher betonten durch ein Kind an emotionaler Stabilität zu gewinnen, während Männer ein Kind eher mit einer persönlichen Einschränkung und weiteren Problemen verbinden (Brähler et al 2001, S.4). Auf Basis dieser Befunde wird folgende Hypothese abgeleitet:

H1: Frauen schätzen die Familiengründung als wichtiger für ein glückliches Leben ein als Männer.

In Ostdeutschland etablierte sich eine jahrzehntelange Tradition der Müttererwerbstätigkeit. Für die meisten Frauen mit Kindern aus Ostdeutschland ist die Integration in den Arbeitsmarkt selbstverständlich. Auch die unsichere Arbeitsmarktsituation in Ostdeutschland fordert in vielen Fällen die Partizipation beider Partner am Arbeitsmarkt. Bei einer Befragung von Paaren ohne Kinder im Hinblick auf die Einschätzung der Wichtigkeit einer Familie, konnten in der Studie „DemoDiff“ klare Unterschiede zwischen Westdeutschland und Ostdeutschland festgestellt werden. Während fast ein Drittel der westdeutschen Paare einstimmig angaben in Zukunft zu beabsichtigen Eltern zu werden, gaben in Ostdeutschland 50 Prozent der Paare an Eltern werden zu wollen (Goldstein et al 2010, S.20). In der Studie des LKM konnten ähnliche Ergebnisse aufgezeigt werden. Personen aus Ostdeutschland bewerten die Geburt eines eigenen Kindes als stärkere emotionale Stabilisierung, als es Personen aus Westdeutschland angaben (Brähler et al 2001, S.4). Auf Basis dieser Erhebungen kann im Hinblick auf das Erhebungsgebiet folgende Hypothese abgeleitet werden:

H2: Personen aus Ostdeutschland schätzen die Gründung einer Familie als wichtiger ein, um ein glückliches Leben zu führen, als Personen aus Westdeutschland.

Besonders die jüngste Generation scheint von dem Strukturwandel der Arbeitswelt beeinflusst zu sein. Die Erfüllung durch einen Job, welcher Spaß macht, Aufstiegschancen bietet und sicher ist scheint bei vielen jungen Menschen im Mittelpunkt zu stehen. Einige Studien unterstützen diesen Trend ebenfalls. In der Studie „DemoDiff“ wurden junge Menschen nach ihrer Einschätzung über die Wichtigkeit von beruflichen Erfolg und Familiengründung gefragt. Die Interviewten konnte die Wichtigkeit auf einer Skala von null „nicht wichtig“ bis zehn „sehr wichtig“ angeben. Bei der Frage über die Wichtigkeit des beruflichen Erfolgs konnte bei Frauen und Männern aus Ostdeutschland ein Durchschnittswert von 9.2 erkannt werden. Jungen Erwachsenen aus Westdeutschland erreichten einen ähnlichen Durchschnittswert von 9.1. Bei der Frage über die Wichtigkeit eine Familie zu gründen, gaben beide Geschlechter aus ganz Deutschland einen durchschnittlichen Wert von 7.1 an. Es wird erkenntlich, dass der Durchschnittswert bei jungen Erwachsenen für den Bereich „Familie“ deutlich unter dem Durchschnittswert des Bereichs „Beruf“ liegt (Goldstein et al 2010, S.21). Eine Studie des LKM zeigt zudem auf, dass vor allem ältere Personen betonen, mehr emotionale Stabilisierung durch ein eigenes Kind zu bekommen. Ältere Personen sehen zudem weniger Einschränkungen und Probleme durch die Geburt des ersten Kindes auf sie zukommen (Brähler et al 2001, S.4). In Anbetracht dieser Ergebnisse wird folgende Hypothese gebildet:

H3: Junge Erwachsene schätzen die Gründung einer Familie als weniger wichtig für die Führung eines glücklichen Lebens ein als ältere Kohorte.

Die Entwicklung einer Partnerschaft ist meist sehr vielfältig und in ihrer Gesamtheit oft schwer einzusehen. Ob eine Partnerschaft aus Gründen der Nähe und Sicherheit eingegangen wird, oder schlichtweg um eine Familie zu gründen ist oft nicht klar zu differenzieren. Besonders die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf kann ein großes Problem darstellen, wenn beide Partner erwerbstätig sind. Betrachtet man die Entwicklung von Partnerschaften mit Kindern und ohne Kindern in einem Zeitvergleich, erkennt man folgendes. Im Jahr 1991 stieg die allgemeine Anzahl der Partnerschaften von 22 Millionen auf 22,4 Millionen an, wobei Ehepaare mit Kindern die zahlenmäßig größte Gruppe darstellten. Zwischen den Jahren 1991 und 1999 sank diese Zahl von über elf Millionen bis unter zehn Millionen. Im Gegensatz dazu, nahm die Zahl der Ehepaare ohne Kinder in diesem Zeitraum mit einer Zahl von 9,6 Millionen zu. Hinsichtlich dieser Ergebnisse schien es schon zu der Zeit nicht unwahrscheinlich, dass die Gruppe der Ehepartner ohne Kinder weiterhin zunimmt. Trotz dieser Entwicklung ist die Intention des Kinder Bekommens in den meisten Partnerschaften wiederzufinden, da sie von vielen Personen weiterhin als wichtiger Glückfaktor angesehen wird (Bien 2003). Auf Basis dieser Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass die Intention des Kinder Bekommens bei der Partnerschaftssuche eine weiterhin wichtige Rolle einnimmt. Ähnliche Befunde zeigt eine Studie des LKM auf. Die Studie gibt an, dass Personen welche in einer Partnerschaft leben sich stärker eine emotionale Stabilisierung und Sinnfindung durch die Geburt eines Kindes erhoffen, als es alleinlebende Personen tuen (Brähler et al 2001, S.5). Somit bildet sich folgende Hypothese:

H4: Personen in einer Partnerschaft schätzen die Gründung einer Familie als wichtiger für die Führung eines glücklichen Lebens ein als Personen ohne Partner.

Bereits seit 1960 konnte in Deutschland ein allgemeiner Geburtenrückgang vermerkt werden. Besonders der Einbruch der Geburtenzahlen in Ostdeutschland wurden mit dem Mauerfall im Jahr 1998 stark thematisiert. Wo damals noch Krieg und Unsicherheit die Gründung einer Familie beeinflussten, gelten diese Einflussfaktoren aus einer vergleichenden Perspektive kaum noch für die jüngere Generation. Besonders die Kinderlosigkeit bei westdeutschen Akademikerinnen liegt mit 31 Prozent stark über dem allgemeinen Durchschnittswert der kinderlosen Frauen insgesamt mit 21 Prozent1. Einhergehend mit einer immer erkennbareren Verschiebung der Familiengründung, ist dieser Wandel keine Neuheit. Frauen mit Hochschulabschluss waren bereits seit 1970 zu mehr als 30 Prozent kinderlos (Boehnke 2013, S.81f.). Auch in Bezug auf die Einschätzung eines ehelichen Verhältnisses konnten Unterschiede zwischen Personen mit geringerer Bildung und Personen mit hohen Bildungsabschluss festgestellt werden. Personen mit einem niedrigen Bildungsabschluss gaben häufiger an, dass eine Ehe für sie eine lebenslange Ausrichtung mit sich bringt. In Schichten und Milieus am oberen Rand der Gesellschaft hingegen herrschte ein breiteres Verständnis davon, eine Ehe jederzeit und in jeder Hinsicht beenden zu können (Bundesministerium FSFJ 2010, S.18). Es ist ebenfalls zu erkennen, dass der Bildungsgrad vor allem das Kinderwunschmotiv der sozialen Anerkennung und Identitätsbildung beeinflusst. Besonders Personen mit einem geringen Bildungsgrad erhoffen sich durch die Geburt eines Kindes einen stärkeren Effekt auf die eigene soziale Anerkennung, als es Personen mit einem höheren Bildungsniveau tun. Für Personen mit einem höheren Bildungsniveau spielen zudem weitere Überlegungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Rolle (Brähler et al 2001, S.5). Auf Basis dieser Befunde kann folgende Hypothese gebildet werden:

H5: Personen mit einem hohen Bildungsabschluss schätzen die Gründung einer Familie als weniger wichtig für die Führung eines glücklichen Lebens ein als Personen mit niedrigerem Bildungsabschluss.

An diesem Punkt wird angesichts der in den letzten Jahren stetig steigenden Erwerbsquote der Frauen eine Erweiterung der Hypothese vorgenommen. Im Jahr 2004 konnte bereits eine Frauenerwerbsquote von 56 Prozent festgestellt werden, also der Anteil der weiblichen Personen auf dem Arbeitsmarkt an den weiblichen Einwohnern im erwerbsfähigen Alter insgesamt gemessen. Bezogen auf den Bildungsabschluss einer Person ist zudem davon auszugehen, dass je höher die Qualifikation einer Person, desto geringer sind die Unterschiede in der Erwerbsbeteiliegung zwischen den Geschlechtern (Brenke 2015). Darauf aufbauend stellt sich somit die Überlegung, in wie weit die Geburt eines Kindes eine erwerbstätige Mutter beziehungsweise einen erwerbstätigen Vater belastet. Wenn die Geburt eines Kindes als Folge eine mögliche Unterbrechung der eigenen Erwerbstätigkeit mit sich bringt stellt sich die Frage, ob Frauen und Männer mit einem hohen Bildungsabschluss die Gründung einer Familie priorisieren oder in den Hintergrund stellen. Im Hinblick auf das Einverdienermodell Deutschlands, welches die Möglichkeit bietet eine Kernfamilie vorwiegend durch die Erwerbstätigkeit einer Person zu sichern, fördert einen bestimmten Trend. Besonders Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit, um mehr Zeit zur Verfügung zu haben ein Kind großzuziehen (Köppen 2003). Auf Basis dieser Überlegungen könnte davon ausgegangen werden, dass Frauen mit hohen Qualifikationen bereits ihren Fokus auf die Erwerbstätigkeit gelegt haben und diese einer Familie vorziehen. Frauen sind sich eher dem Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bewusst und befürchten, dass sie mit höherer Wahrscheinlichkeit die Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen als ihr männlicher Partner. Somit stellt sich folgende Überlegung:

H5.2: Frauen mit einem höheren Bildungsabschluss schätzen die Notwendigkeit einer Familie für die Führung eines glücklichen Lebens weniger wichtig ein, als Männer mit einem hohen Bildungsabschluss.

3. Datensatzbeschreibung und Vorstellung der Variablen

Der genutzte Datensatz basiert auf der allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (hier: ALLBUS 2018). Der ALLBUS stellt eine gesellschaftliche Dauerbeobachtung der Bundesrepublik Deutschland dar und umfasst im Jahr 2018 eine Gesamtfallzahl von 3477 Personen. Der ALLBUS beinhaltet zudem nur Werte von Personen ab einem Alter von 18 Jahren, sodass lediglich Aussagen von Personen genutzt werden, welche in Deutschland als volljährig angesehen werden. In einem nächsten Schritt wird näher auf die Operationalisierung und die Verteilung der ausgewählten abhängigen und unabhängigen Variablen eingegangen. Alle hervorgehobenen Kategorien werden in den Analysen als Referenzgruppe genutzt.

3.1 Operationalisierung und Variablenbeschreibung

Die abhängige Variable fn01 fragt nach folgendem: „Glauben Sie, dass man eine Familie braucht, um wirklich glücklich zu sein, oder glauben Sie, man kann alleine genauso glücklich leben?“ (Vgl. ALLBUS 2019, S.139). Die Variable wird mit dem Namen „FG“ belegt. Folgende Ausprägungen sind im ALLBUS gegeben: (1) „Braucht Familie“, (2) „Alleine genauso glücklich“, (3) „Alleine glücklicher“ und (4) „Unentschieden“. Die Ausprägungen Ausprägungen (2) und (3) werden zu Kategorie (0) „Braucht keine Familie für Glück“ und die Ausprägung (1) wird zu Kategorie (1) „Braucht Familie für Glück“ rekodiert. Die Ausprägungen (9) „Keine Angabe“ und (4) „Unentschieden“ werden als Missings kodiert.

Die unabhängige Variable „sex“ wird als nächstes beschrieben. Sie gibt das Geschlecht der befragten Person an und wurde in „gender“ umbenannt. Folgende Ausprägungen sind im ALLBUS gegeben: (1) „Männlich“ und (2) „Weiblich. Die Ausprägung (1) wird zu Kategorie (0) „männlich“ und die Ausprägung (2) zu Kategorie(1) „weiblich“rekodiert. Es sind keine Ausprägungen vorhanden, welche als Missings kodiert werden müssen.

Die unabhängige Variable „eastwest“ gibt das Erhebungsgebiet der befragten Person an und wird in „ostwest“ umbenannt. Die Ausprägung (1) „Befragte aus den alten Bundesländern (inkl. West-Berlin) und (2) Befragte aus den neuen Bundesländern (inkl. Ost-Berlin) sind im ALLBUS angegeben. Die Ausprägung (1) wird zu Kategorie(0) „West-Deutschland“und die Ausprägung (2) wird zu Kategorie (1) „Ost-Deutschland“ rekodiert. Des Weiteren müssen keine Ausprägungen als Missings kodiert werden.

Die nächste Variable beschreibt das Alter einer Person und ist im ALLBUS als „age“ benannt und metrisch, also einzeln nach dem Alter aufgelistet. Die Variable wird in „genr“ umbenannt und in drei Gruppen zusammengefasst, weswegen die Variable in folgenden Analysen als kategoriale Variable behandelt wird. Folgende Kategorien wurden gebildet:(0) "18 bis 35 Jahre", (1) "36 bis 65 Jahre", (2) "66 Jahre und älter. Die Ausprägungen (997) „Verweigert“ und (999) „Keine Angabe“ sind als Missings kodiert. Die Kategorie (0) wurde wie angeben eingeteilt, da Personen im Alter zwischen 18 und 35 Jahren sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden. Dazu zählen beispielsweise die Aufnahme einer Ausbildung, eines Studiums und gegebenenfalls der Beginn eines ersten Arbeitsverhältnisses. Die Kategorie (1) wurde wie beschrieben zusammengefasst, da Personen zwischen 36 und 65 Jahren sich in der Regel bereits in einem Arbeitsverhältnis befinden und dieses innerhalb des angegebenen Zeitraums ausführen. Kategorie (2) beschreibt die Personen, welche über 65 Jahre alt sind und ihr Arbeitsverhältnis überwiegend beendet haben. Diese Personen sind zudem meistens von ähnlichen Einflüssen eines höheren Alters betroffen.

Die unabhängige Variable „mstat“ fragt nach dem Familienstand der befragten Person. Die Variable wurde in „partner“ umbenannt. Es sind folgende Ausprägungen im ALLBUS angegeben: (1) „A Verheiratet und leben mit Ihrem Ehepartner zusammen“, (2) „B Verheiratet und leben getrennt“, (3) „C Verwitwet“, (4) D Geschieden, (5) E Ledig, (6) „F Eingetragene Lebenspartnerschaft, zusammenlebend“, (7) „G Eingetragene Lebenspartnerschaft, getrennt lebend“, (8) „H Eingetragener Lebenspartner verstorben“ und (9) „J Eingetragene Lebenspartnerschaft aufgehoben“. Die Ausprägungen (1), (2), (6) und (7) werden zu Kategorie(0) „Partnerschaft“rekodiert. Die Ausprägungen (4), (5), (8) und (9) werden zu Kategorie (1) „Keine Partnerschaft“ rekodiert. Die Ausprägungen (41) „Datenfehler“ und (9) „Keine Angabe“ werden als Missings kodiert. Auch die Ausprägung (3) „C Verwitwet“ wird als Missing codiert, da die Zuordnung zu einer der Kategorien ungenau wäre und Angaben der betroffenen Personen zu der Wichtigkeit von Familie für ein glückliches Leben stark durch Trauer beeinflusst sein könnten.

Die letzte unabhängige Variable „educ“ gibt den allgemeinen Schulabschluss einer Person an. Folgende Ausprägungen sind im ALLBUS gegeben: (1) „B Schule beendet ohne Abschluss“, (2) „C Volks- / Hauptschulabschluss bzw. Polytechnische Oberschule mit Abschluss 8. oder 9. Klasse“, (3) „D Mittlere Reife, Realschulabschluss bzw. Polytechnische Oberschule mit Abschluss 10. Klasse“, (4) „E Fachhochschulreife (Abschluss einer Fachoberschule etc.)“, (5) „F Abitur bzw. Erweiterte Oberschule mit Abschluss 12. Klasse (Hochschulreife)“, (6) „G Anderen Schulabschluss, und zwar: ______“ und (7) „A Noch Schüler“. Die Ausprägung (2) wurde zu Kategorie (0) „Hauptschulabschluss“, die Ausprägung (3) zu Kategorie (1) „Realschulabschluss“ und die Ausprägungen (4) und (5) wurden zu Kategorie(2) „Abitur bzw. Fachhochschulreife“rekodiert. Die Ausprägungen (9) „Keine Angabe“, (6) „G Anderen Schulabschluss, und zwar: ______“ und (7) „A Noch Schüler“ wurden als Missings kodiert.

Nachdem alle Missings entfernt wurden, ist eine Fallzahl von 2886 festzuhalten.

4. Empirie

In den folgenden Abschnitten werden die ausgewählten Variablen mit Hilfe der Datenanalysesoftware STATA statisch und im Bezug aufeinander geprüft. In einem ersten Schritt wird die prozentuale Verteilung der Ausprägungen der Variablen betrachten. In einem weiteren Abschnitt wird mittels einer bivariaten Analyse jeweils eine der unabhängigen Variablen auf die abhängige Variable „Familie für Glück“ bezogen und geprüft. In dem letzten Abschnitt wird die logistische Regression durchgeführt. Alle Werte werden zudem in den folgenden Abschnitten, aus Gründen der Übersichtlichkeit, auf zwei Nachkommastellen gerundet. Im Hinblick auf die Irrtumswahrscheinlichkeit wird bei einem Wert von kleiner als 0.001 von einer hohen Signifikanz ausgegangen. Werte die niedriger sind als 0.05 werden weiterhin als signifikant angesehen und Werte die niedriger als 0.1 sind als schwach signifikant. Somit liegt das Signifikanzniveau allgemein bei zehn Prozent.

4.1 Stichprobenverteilung

Im vorgegangenen Kapitel wurde auf den genutzten Datensatz und die Kodierung der verwendeten Variablen eingegangen. In diesem Abschnitt wird mittels der Stichprobenverteilung auf die relativen und absoluten Häufigkeiten der jeweiligen Ausprägungen der Variablen eingegangen. Da die ausgesuchten Variablen kategorial behandelt werden, befasst sich die Analyse ausschließlich mit der prozentualen Darstellung dieser. Die Werte beziehen sich auf die Tabelle eins.

Betrachtet man zuerst die abhängige Variable, welche die Notwendigkeit einer Familie für ein glückliches Leben beschreibt („Familie für Glück“) kann festgestellt werden, dass 72 Prozent (2078 Befragte) der Befragten angeben überzeugt zu sein eine Familie zu brauchen, um ein glückliches Leben zu führen. Von den Befragten gaben hingegen 28 Prozent (808 Befragte) an, dass sie ohne Familie gleich glücklich oder sogar glücklicher sind. Bei Betrachtung der Variable des Geschlechts ist zu erkennen, dass 51.94 Prozent (1499 Befragte) der interviewten Personen männlich und 48.06 (1387 Befragte) weiblich sind. Im Bezug auf die Variable des Erhebungsgebiets ist zu erkennen, dass 67.95 Prozent (1499 Befragte) der interviewten Personen in Westdeutschland und 32.05 Prozent (925) in Ostdeutschland wohnen. Im Hinblick auf das Alter der Befragten Personen ist festzustellen, dass 23.56 Prozent (680 Befragte) in die erste Altersgruppe der 18 bis 35-Jährigen zugeordnet wurden. Der zweiten Altersgruppe, Personen zwischen 36 und 65 Jahren, konnten 55.06 Prozent (1589 Befragte) und der dritten Altersgruppe, die Personen über 65 Jahre, 21.38 Prozent (617 Befragte) zugeordnet werden. Bei Betrachtung der Variable der Partnerschaft ist zu erkennen, dass 63.24 Prozent (1825 Befragte) der interviewten Personen sich in einer Partnerschaft befinden und 36.76 Prozent (1061 Befragte) sich in keiner Partnerschaft befinden. Zuletzt wird die Variable des allgemeinen Bildungsabschlusses betrachtet. Insgesamt erreichten 22.18 Prozent (640 Befragte) der befragten Personen einen Hauptschulabschluss und 36.14 Prozent (1043) einen Realschulabschluss. Ein Abitur oder die Fachhochschulreife erreichten 41.68 Prozent (1203 Befragte) der Befragten.

Tabelle 1: Stichprobenverteilung (prozentuale Darstellung) der abhängigen Variable „Familie für Glück“ und der unabhängigen Variablen „Geschlecht“, „Erhebungsgebiet“, „Alter (kat.)“, „Partnerschaft“ und „Allgemeiner Bildungsabschluss“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle ALLBUS 2018, eigene Berechnung, N=2886

Im Hinblick auf die univariate Analyse bedürfen die Variablen keiner weiteren Erklärung, da sie den Erwartungen an eine repräsentative Stichprobe entsprechen.

4.2 Deskriptive Analyse

Im vorherigen Kapitel wurde bereits auf die prozentuale Verteilung der Ausprägungen der jeweiligen Variablen mittels einer Stichprobenverteilung eingegangen. Das folgende Kapitel befasst sich nun mit der deskriptiven Analyse in Form von mehreren voneinander unabhängigen bivariaten Analysen. Die abhängige Variable „Familie für Glück“ wird jeweils mit einer der unabhängigen Variablen des Geschlechts, des Erhebungsgebiets, des Alters, der Partnerschaft und des allgemeinen Bildungsabschlusses statistisch, deskriptiv in Bezug aufeinander analysiert, um potenzielle Zusammenhänge aufzuzeigen. Außerdem dient das Kapitel dazu, eine Tendenz über die Zustimmung beziehungsweise Entkräftung der Forschungshypothesen zu geben. Im Hinblick auf die kategoriale abhängige Variable „Familie für Glück“ und die kategorialen unabhängigen Variablen wird sowohl eine Kreuztabelle als auch ein Chi[2]-Test angewandt.

[...]


1 Bezogen auf die Kohorte der Geburtenjahrgänge von 1959 bis 1968

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Macht uns eine Familie glücklicher?
Untertitel
Analyse der Wichtigkeit einer Familie im Hinblick auf das Glück einer Person auf Basis des ALLBUS 2018
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (integrierte Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
international vergleichende Sozialstrukturanalyse
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
41
Katalognummer
V535090
ISBN (eBook)
9783346126849
ISBN (Buch)
9783346126856
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Anhang befindet sich die Kodierung der genutzten Variablen. Zudem werden diese in Tabellen übersichtlich aufbereitet
Schlagworte
ALLBUS, Familie, Lebenszufriedenheit, Soziologie, Sozialstrukturanalyse, Quantitative Sozialforschung
Arbeit zitieren
Carla Brandes (Autor), 2018, Macht uns eine Familie glücklicher?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535090

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