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Schluss mit Stuck. Die Umgestaltung von Mietshausfassaden in Berlin in den 1920er Jahren

Title: Schluss mit Stuck. Die Umgestaltung von Mietshausfassaden in Berlin in den 1920er Jahren

Term Paper (Advanced seminar) , 2017 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Vinzenz Mellentin (Author)

History of Germany - World War I, Weimar Republic
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Wieso war der Stuck bei den Architekten der Moderne derart geächtet, dass sie bereits in den 20er Jahren hundertfach überformt wurde? Da der Stuck der Gründerzeitwohnung in den Jahrzenten nach dem Krieg tausendfach von den Gebäuden abgeschlagen oder nach jahrelangem Verfall in Renovierungen nicht rekonstruiert wurde, weisen heute mehr als die Hälfte der noch erhaltenen Gründerzeithäuser Berlins eine modernisierte beziehungsweise entstuckte Fassade auf. Wurde der bereits entkleidete Altbau in weiteren Renovierungsarbeiten dann auch noch seiner markanten Kastenfenster entledigt, wird er häufig schon gar nicht mehr als Gründerzeitbau erkannt.

Über die Vor- und Nachteile der Berliner Altbauwohnung darf freilich zurecht gestritten werden, denn trotz steigender Beliebtheit der Gründerzeitviertel, teurer bleibt nach wie vor der Neubau. Die Schönheit der teils straßenweise wieder renovierten Stuckfassaden, so scheint es, steht heute allerdings nicht mehr zu Disposition. Wer eine Boutique eröffnet, sucht nach Stuckaltbauten, der Tourist macht fleißig Bilder. Auch bei der Wohnungssuche macht sich bereits eine neue Stuckeuphorie bemerkbar, wenn Makler/innen das Vorhandensein von Stuckfassaden als offensichtliches Verkaufsargument betrachten und solche Wohnungen als hochherrschaftliche Stuckaltbauten bewerben.

Ironischerweise bedient man sich dabei einer Kausalisierung von herrschaftlich beziehungsweise wertig und eben Stuck, die es den Architekten der Moderne bereits hundert Jahre zuvor zu überwinden galt. Der Schwindel ein hochherrschaftlicher Palast zu sein, hinter dessen trügerischer Gipsfassade sich letztlich doch nur einfache Hinterhauswohnungen verbargen. Sicher entsprachen diese falschen Kleider also nicht dem Ideal des neues Bauens, gerade aus heutiger Sicht bleibt dennoch mehr als verwunderlich.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung

2.1 Die gründerzeitliche Bebauung Berlins

2.2 Quantitative Bewertung der Fassadenumbauten der 1920er Jahre

3. Gründe für die Umgestaltungen der Mietshausfassaden

3.1 Pragmatismus: Ausstrahlung einer temporären und flexiblen Architektur

3.2 "Die falsche Architektur" der Gründerzeit

3.3 Kritik am Ornament

3.4 Neue Werbeflächen, Schauseiten der Geschäfte als Werbung

3.5 Kostenfaktor bei Renovierungen (Kurzlebigkeit der Stuckfassaden)

4. Gegenstimmen

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die sozioökonomischen und architektonischen Beweggründe für die großflächige Entstuckung Berliner Mietshausfassaden während der 1920er Jahre und untersucht das Spannungsfeld zwischen dem historistischen Erbe und den avantgardistischen Idealen der Moderne.

  • Architekturgeschichte Berlins in der Zwischenkriegszeit
  • Wandel der ästhetischen Bewertung von Stuck und Ornament
  • Ökonomische Faktoren und Instandhaltung von Gründerzeitbauten
  • Funktionalität vs. Repräsentation in der Architektur
  • Zeitgenössische Kritik und öffentliche Wahrnehmung der Umgestaltung

Auszug aus dem Buch

3.2 "Die falsche Architektur" der Gründerzeit

So einheitlich sich die gründerzeitliche Bebauung über Berlin erstreckte, so divers zeigten sich die Mietskasernen "nach außen" in ihrem Fassadenschmuck, denn die günstigen industriell gefertigten Stuckornamente bedienten spielend alle Vorlieben nach sämtlichen baugeschichtlichen Epochen. Nachdem die Bauherren das Stuckdekor der Mietshäuser einfach in Katalogen aussuchen konnten, entstanden dem Anschein nach wahlweise klassizistische Bauten, Gebäude des Barock, der Gotik oder Renaissance. Ein architektonisches Mimikry, dessen Wirkung sich heute, vielleicht mehr als damals, sehr nachhaltig zeigt, wenn so mancher Betrachter der Berliner Mietshäuser sich bei den Erbauungsjahren einige hundert Jahre vertut. Gerade an den Fassaden des ausgehenden 19. Jh. finden sich zudem nicht selten Kombinationen aus Elementen verschiedenster Stilepochen. Hier wird aus dem Historismus, der in der Imitierung eines historischen Formenkanons noch nach Authentizität bemüht ist, ein Eklektizismus, der diese Imitation ad absurdum führt, da er die Baustile der Epochen, die er zu imitieren versucht, wild vermischt.

Die Architekten der Moderne sehen daher eine künstlerische Wertlosigkeit in den historistischen Bauten, die nur billige Kopien vergangener Architektur sind, wobei die Kopie in ihrer Anwendung auch noch fehlerhaft ist, da sie die Palastarchitektur vergangenen Epochen einfach auf bürgerliche oder "proletarische" Mietshäuser überträgt. Der Architekt Hermann Muthesius bemerkt schon 1902: „(da) von den Bauten aus alter Zeit nur die Denkmalbauten die Blicke auf sich zogen [...] übertrug man die Formen deutscher Renaissance Schlösser auf das kleine Bürgerhaus“

Kritisiert wird dabei auch der eingangs erwähnte Sugorratsschwindel, da die "aufgeklebte Schlossarchitektur" die eigentliche Armut der Architektur und die eigentliche Armut der Mieter und ihrer Wohnungen verbergen würde. So schreibt Adolf Loos noch 1932 „Armut ist keine Schande. Nicht jeder kann in einem feudalen Herrensitz auf die Welt gekommen sein, aber seinen Mitmenschen einen solchen Besitz vorzuspiegeln, ist unmoralisch. Schämen wir uns doch nicht in einem Haus mit vielen anderen, uns sozial gleichstehenden Menschen zur Miete zu wohnen!“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der verschwundenen Stuckfassaden in Berlin und Darstellung des historischen Kontexts der Moderne.

2. Historische Einordnung: Untersuchung der baulichen Entwicklung Berlins im späten 19. Jahrhundert sowie einer quantitativen Analyse der Sanierungen in den 1920er Jahren.

3. Gründe für die Umgestaltungen der Mietshausfassaden: Detaillierte Betrachtung der Ursachen für die Entstuckung, von ästhetischer Kritik bis hin zu ökonomischen Aspekten.

4. Gegenstimmen: Dokumentation von zeitgenössischen kritischen Stimmen, die den Abriss historischer Ornamente in Frage stellten.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Modernisierungsbestrebungen und der Rolle der Avantgarde bei der Umgestaltung des Stadtbildes.

Schlüsselwörter

Berliner Mietshäuser, 1920er Jahre, Entstuckung, Moderne Architektur, Historismus, Architekturkritik, Adolf Loos, Wohnungsbau, Fassadengestaltung, Stadtgeschichte, Gründerzeit, Zweckmäßigkeit, Ornament, Stadtsanierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Transformation des Berliner Stadtbildes in den 1920er Jahren, insbesondere mit der großflächigen Entfernung von historistischem Stuckdekor an Mietshausfassaden zugunsten einer moderneren, funktionalen Ästhetik.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themenfelder umfassen die Architekturgeschichte, die sozioökonomische Situation in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik, das ästhetische Verständnis der klassischen Moderne und die Baupraxis der 1920er Jahre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die vielschichtigen Gründe zu beleuchten, warum Eigentümer und Architekten in den 1920er Jahren massiv gegen die Fassaden der Gründerzeit vorgingen und welche Rolle dabei sowohl ökonomische Notwendigkeiten als auch ideologische Architekturdebatten spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung, die primär auf einer Literatur- und Quellenanalyse basiert, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Fachpublikationen, Bauakten und architekturtheoretischer Schriften.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, die spezifischen Gründe für die Umgestaltung (wie Pragmatismus, Kritik am Ornament, Werbeinteressen und Kostenfaktoren) sowie die Gegenstimmen und die öffentliche Resonanz dieser Umbauphasen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Entstuckung, Gründerzeit, Moderne, Architekturgeschichte, Funktionalität und historischer Eklektizismus definiert.

Welche Bedeutung kommt dem Begriff "Falsche Architektur" im Text zu?

Dieser Begriff bezieht sich auf die Kritik der Moderne am Historismus, bei dem billige Stuckimitate aus der industriellen Fertigung dazu dienten, ärmere Wohnbauten als herrschaftliche Paläste zu maskieren, was als unmoralisch und täuschend empfunden wurde.

Warum spielten ökonomische Faktoren bei der Entstuckung eine Rolle?

Da viele Stuckfassaden aufwendig instand zu halten waren und bei Witterungsschäden Gefahr drohte, sahen viele Besitzer in der radikalen Entfernung des Schmucks eine kostengünstigere und wartungsärmere Alternative, die zudem dem Zeitgeschmack entsprach.

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Details

Title
Schluss mit Stuck. Die Umgestaltung von Mietshausfassaden in Berlin in den 1920er Jahren
College
Free University of Berlin
Grade
1,3
Author
Vinzenz Mellentin (Author)
Publication Year
2017
Pages
19
Catalog Number
V535308
ISBN (eBook)
9783346180902
ISBN (Book)
9783346180919
Language
German
Tags
wohnen Stuckfassade Entstuckung Bauhaus Gründerzeit Berlin Altbauten Stuck Architektur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vinzenz Mellentin (Author), 2017, Schluss mit Stuck. Die Umgestaltung von Mietshausfassaden in Berlin in den 1920er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535308
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