Interkulturelle Kommunikation. Welche Barrieren gibt es?


Exzerpt, 2020

9 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einführung

1. Interkulturelle Kommunikation

2. Barrieren in der interkulturellen Kommunikation

Schluss

Literatur

Einführung

Kommunikation und Interkulturalität sind zu Modewörtern geworden. Die sind in aller Munde. Interkulturalität ist zu einem erfolgreichen multi-, inter- bzw. transdisziplinären Forschungsfeld geworden, das der Vernetzung moderner Gesellschaften und dem Anstieg interkultureller Begegnungen, angesichts der Globalisierung aller Tätigkeitsbereiche, Rechnung trägt. Dieser Beitrag beschreibt die Grundlagen der interkulturellen Kommunikation und stellt die Kategorie der Verfremdung in Bezug auf die Struktur des ‚Fremden‘ –Begriffes, die Grundprobleme und die Barrieren interkultureller Kommunikation dar.

1. Interkulturelle Kommunikation

Interkulturelle Kommunikation wird wie folgt nach KNAPP/KNAPP-POTTHOFF definiert:

Interkulturelle Kommunikation, ist […] die interpersonale Interaktion zwischen Angehörigen verschiedener Gruppen, die sich mit Blick auf die ihren Mitgliedern jeweils gemeinsamen Wissensbestände und sprachlichen Formen symbolischen Handelns unterscheiden. Solche Unterschiede bestehen schon zwischen Gruppen innerhalb einer durch Nation oder Staat definierten Gesellschaft: Insofern unterscheidet sich inter kulturelle Kommunikation nicht prinzipiell von intra kultureller Kommunikation. Ein wesentliches Charakteristikum von IKK ist jedoch damit gegeben, daß sich einer der an ihr beteiligten Kommunikationspartner typischerweise einer zweiten oder fremden Sprache bedienen muß, die nicht eine Varietät seiner eigenen ist. (KNAPP/ KNAPP-POTTHOFF 1990:66)

Der Terminus Interkulturelle Kommunikation (IKK) wurde erstmals durch den amerikanischen Ethnologen EDWARD T. HALL (In: FÖLDES 2007) bekannt. Die Forschung im Rahmen dieses Begriffs hat sich ständig ausgeweitet. Bei der Analyse kommunikativer Handlungen werden persönliche, kulturelle, strukturell-kontextuelle und universelle Parameter berücksichtigt, sagte FÖLDES (2007: 19). Nach FÖLDES (ebd.: 19) gibt es bei der IKK fünf Problemgruppen: Kultur als komplexer Begriff, Sprache, Kommunikationsverhalten, Fremdheitserwartungen und die Rezeption interkulturellen Handelns. FÖLDES (ebd.: 41f.) ist der Ansicht, dass die IKK die Kontexte, Verlaufsformen und Konsequenzen von kommunikativen Ereignissen empirisch analytisch erfassen, hermeneutisch beschreiben und anhand von kontrastiven und diskurslinguistischen Ansätzen interpretieren sollte, Linguistische, kognitionspsychologische und kulturwissenschaftlich-soziologische Blickrichtungen sollten dabei für die IKK-Forschung gelten. Zur Analyse der interaktionalen Kompetenz als grundlegende Bedingung für die Kommunikation ist vor allem die Analyse des kommunikativen Aktes mit ihren wichtigsten Elementen: die Gesprächspartner, das Thema, die verbalen, die parasprachlichen, die nonverbalen und die extraverbalen Elemente und die Gesamtheit der affektiven Verhaltensmerkmale vorzugeben , wie von OKSAAR erklärt wird:

Auf Sprache bezogen impliziert Verstehen als Prozeß, daß das Gehörte/Gelesene durch schon geläufige sprachliche, d.h. formale und semantische Strukturmuster und Bausteine erkannt wird. Hier geht es um die Kenntnis des Satzbaus, der syntaktischen Struktur, der Bedeutung der Wörter und der auf die Wirklichkeit bezogenen Bedingungen, die die Verwendung der Wörter regeln. Bei der gesprochenen Sprache kommen noch parasprachliche Informationsträger hinzu, in direkter Interaktion auch nonverbale und extraverbale. Deren Verwendung ist kulturspezifisch. Parasprachliche und nonverbale Einheiten – Stimmungen, Intonation, Gestik, Mimik, Körperbewegungen – können das Gesagte nicht nur ergänzen und modifizieren, sondern auch ersetzen. […] Achselzucken, Kopfschütteln, Nicken tragen in unserer Kultur selbständige Inhalte. Sie gehören zur interaktionalen Kompetenz des Menschen. Diese umfaßt die Produktions- und die Interpretationskompetenz, also die Fähigkeit, verbale, parasprachliche, nonverbale und extraverbale kommunikative Handlungen zu vollziehen und zu interpretieren, gemäß den soziokulturellen und soziopsychologischen Regeln der Gruppe. (OKSAAR 1989: 7-9)

Die interkulturelle Kommunikation (IKK) wird mit vielseitigen Erschwernissen konfrontiert, sie wird als „Kommunikation unter erschwerten Bedingungen“ bezeichnet, sagten PROKOP und KRAMER (1995: 44). Nach DONEC und im Hinblick auf die drei wichtigsten Dimensionen aus der Sicht der IKK: hermeneutisch-kognitive (fehlendes, mangelhaftes und falsches Wissen über fremde Phänomene), hermeneutisch-pragmatische (deren pragmatische Bewertung, positive oder negative), und tätigkeitsbezogen-operative (das erschwerte Handeln unter fremden Bedingungen) wird die Kategorie der Verfremdung in Bezug auf die Struktur des ‚Fremden‘ -Begriffes in diesem Schema dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Struktur des Begriffes „Fremd“ nach DONEC (1990: 222)

Nach DONEC (1990: 222) kann das Fremde und seine Auswirkungen im Rahmen sogenannter kommunikativer Faktoren (Kommunikant X und Y, Intention, Motivation, Situation, Tätigkeit, Kode, Thema, Thesaurus und Text) besser erfasst, analysiert und methodisch repräsentiert werden.

Die Identifizierung des Partners (Kommunikant) als „Fremden“ könnte als erste Begegnung in der IKK bezeichnet werden, wo das Aussehen, der Name des Partners sowie das Verhalten als „andersartig“ bezeichnet werden. Diese Fremdheit wird pragmatisch d.h. negativ oder positiv bewertet. Die negative Bewertung schließt Stereotype ein, die diesen Kontakt zwischen Partnern verhindern könnten. Diese Stereotypen können aber auch positiv interpretiert werden und können damit einen positiven Einfluss auf die Kontaktaufnahme ausüben.

Die spezifischen Bedürfnisse, Interesse, Probleme usw., die an jeder Kultur verknüpfen, können stimulierend und motivierend in IKK auswirken. Infolge der unbekannten od. schwer nachvollziehbaren Motive des Partners (kognitive Ebene der Verfremdung) wird die pragmatische Ebene erscheint. Die positive Haltung gegenüber Zielland/Zielkultur könnte zur Anhebung der Motivation zwischen Kommunikanten dienen.

Infolge der unbekannten Motive beispielsweise des Partners (kognitive Ebene der Verfremdung) wird die pragmatische Ebene erscheint, die positive Haltung gegenüber Zielland/Zielkultur könnte zur Anhebung der Motivation zwischen Kommunikanten dienen.

Bei der Interpretation einer ausländischen Zeitung wird der kulturspezifische Charakter der Intentionen sichtbar, wo die Bedürfnisse und Interesse des einheimischen Publikums im Vordergrund der Betrachtung stehen, trotzdem Kommunikationszweck universal ist, können aber Schwierigkeiten in IKK verursachen.

Man hat Einigkeit auch darüber, dass die Bewältigung von sprachlichen Zeichen in adäquates Kommunizieren in allen möglichen Situationen einhergehen muss. Die andersartige (fremde) Situation (mit ihren wichtigen Konstituenten: Zeit, Raum und äußere Umstände der Kommunikation) schließt sowohl sprachliche als auch außersprachliche Komponente ein, wo die operative Dimension des Fremden hier deutlich zum Ausdruck kommt, beispielsweise im Alltagsleben.

Anders formuliert, beim Erwerb interkultureller Kenntnisse müssen die Lernenden zugleich die verschiedenen Verhaltensweisen bzw. Verhaltensmuster der fremden Gesellschaft/Kultur bewältigen, um adäquat in allen Situationen zu kommunizieren.

Die alltagskulturellen Erscheinungen werden im Rahmen des Untersuchungsumfeldes interkultureller Kommunikation untersucht, wobei nach BETTERMANN

[D]diese interkulturelle Kommunikation als ein der Verständigung und dem Verstehen dienender Dialog mit Angehörigen der Zielkultur sich von dem [unterscheidet], was wir in kälteren als den heutigen Zeiten als transnationale Kommunikation oder internationale Verständigung bezeichnen vor allem dadurch, daß nicht mehr vorwiegend nationale und System- Grenzen überwunden, sondern kulturelle Differenzen thematisiert und überbrückt werden sollen. Eine Welt und viele Regionen, an Stelle von drei Welten und vielen Nationen. (BETTERMANN 1999: 505)

Die operative Dimension der Verfremdung herrscht bei der interkulturellen Tätigkeit, wenn beispielsweise der Sinn oder der Zweck einer Handlung (Tätigkeit) unklar ist.

Die Themen in IKK können auch positiv oder negativ bewertet. Im Rahmen der negativen Wertungen unterstreicht man die Themen, die sich auf unangenehmen Gegebenheiten aus bestimmtem Phänomen des Landes eines der Partner beziehen, oder die als Tabu-Thema charakterisiert sind. Die Wertungen können positiv sein nur im Hinblick auf die Interesse und Absicht eines der Partner an diesen fremden Erscheinungen oder zur Erfüllung bestimmter Erziehungsziele, in dem die Auswahl der Themen stets als Forderung bezeichnet wird.

Der sprachliche Kode wird unter unterschiedliche Kodes in der Kommunikation verwendet werden. Im sprachlichen Bereich hat die Verfremdung einen kognitiven und operativen Charakter.

Im Rahmen des sprachlichen Zeichens wird zunächst festgestellt, dass die Auswirkungen einer Sprache auf die andere, oder innerhalb der Sprache selbst interlinguale und intralinguale Interferenz einschließen, wenn es eine fehlende oder ungenügende bzw. mangelhafte Bewältigung der verwendeten Sprache (die Generalisierung einer grammatischen Regeln) oder andere Sprachen gab, entstanden dadurch Missverständnisse.

„Die Verfremdung auf der sprachlichen Ebene resultiert nicht nur aus der Andersartigkeit der betreffenden Fremdsprache, sondern auch aus ihrer Anlehnung an die „Eigensprache, “ laut DONEC (1990: 224).

Die Beschäftigung mit den Missverständnissen in der IKK hat eine besondere Stellung. Pragmatische Missverständnisse „sind als Einschätzungen auf der Basis eigenkultureller (...)Wertvorstellungen zu verstehen“, sagte DONEC (ebd.: 224).

Unter kognitiven Missverständnissen werden folgende nach DONEC hervorgehoben:

a) auf das unbekannte bzw. falsch interpretierte Ziel des Partners zurückgehen „(Intention“);
b) durch falsche Deutung der Beweggründe seiner Äußerungen oder Handlungen entstehen („Motivation“)
c) durch fehlende bzw. mangelhafte Beherrschung der in der Kommunikation verwendeten Sprache (oder eines anderen Zeichensystems) verursacht werden („Kode“). (DONEC 1990: 225)

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kommunikation. Welche Barrieren gibt es?
Autor
Jahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V535605
ISBN (eBook)
9783346118929
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verbale, nonverbale Kommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Missverständnisse
Arbeit zitieren
Asma Hammadi (Autor), 2020, Interkulturelle Kommunikation. Welche Barrieren gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535605

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