Jugendorganisationen von Parteien sind in letzter Zeit wieder stärker in den öffentlichen Fokus geraten. Doch welche Möglichkeiten haben die Jugendorganisationen außerhalb des Umwegs über die Mitglieder, Einfluss auf ihre Mutterpartei zu nehmen? Die vorliegende Arbeit beschreibt zunächst den aktuellen Forschungsstand und ordnet Jugendorganisationen dementsprechend theoretisch ein. Ferner wird deren innerparteilicher Einfluss und die damit verbundene Wirkungsmacht der verschiedenen Jugendorganisationen der Parteien untersucht und untereinander verglichen. Das Thema dieser Arbeit erscheint in einer Zeit in der die Jugend wieder vermehrt die politische Agenda bestimmt, höchst relevant. Dabei spielen Jugendliche und junge Erwachsene als zukünftige führende Generation für die Stabilität des demokratischen Systems eine wichtige Rolle.
Da sich die Parteien in Deutschland in ihrer Geschichte und Entwicklung sehr stark voneinander unterscheiden und von verschiedenen Parteitypen her entstanden sind, ist auch davon auszugehen, dass sich die Einbindung ihrer Jugendorganisationen unterscheidet. Aus diesem Grund sollen hier die Einflussmöglichkeiten aller Jugendorganisationen der im 19. Deutschen Bundestag vertretenen Parteien miteinander verglichen werden. Für eine genaue Bestimmung des tatsächlichen Einflusspotentials wären dabei Daten über die aktive Parteipartizipation erforderlich, das ist jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht zu leisten.
Aus diesem Grund konzentriert sich die Arbeit auf die sogenannte „official story“, und wird die in den Parteisatzungen statuierten Einflussmöglichkeiten über die Organe der Mutterparteien untersuchen. Es soll also im Folgenden der Frage nachgegangen werden, wie sich insbesondere die formalen Einflussmöglichkeiten der Jugendorganisationen auf ihre im Deutschen Bundestag vertretene Mutterpartei unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verortung und Aufgaben der Jugendorganisationen in der Parteiorganisation
2.1. Verortung im Konzept der „Three Faces Of Party Organization“ sowie Konzept der Ebenen der Parteiorganisation
2.2. Das Linkage Konzept
2.2.1. Arten von Linkage
2.2.2. Umweltbeziehungen der Partei
2.2.3. Jugendorganisationen – Kollateralorganisationen ihrer Partei
3. Vergleich der Einflussmöglichkeiten der Jugendorganisationen
3.1. Operationalisierung
3.2. Untersuchungskriterien und -variablen
3.3. Berechnung des Einfluss-Index
3.4. Besonderheiten/Ausnahmefälle
3.4.1. Bei der Benennung
3.4.2. Bei der Codierung
3.4.3. Vergleich (und Interpretation)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die formalen Einflussmöglichkeiten von Jugendorganisationen auf ihre jeweiligen Mutterparteien im Deutschen Bundestag. Ziel ist es, mittels eines entwickelten Einfluss-Index auf Basis von Parteisatzungen die Unterschiede in der innerparteilichen Einbindung dieser Organisationen vergleichbar zu machen und zu analysieren, ob Faktoren wie Parteityp oder politisches Spektrum den Einfluss beeinflussen.
- Analyse der theoretischen Verortung von Jugendorganisationen in Parteistrukturen.
- Konzeptionelle Erarbeitung eines Einfluss-Index für Kollateralorganisationen.
- Empirische Untersuchung der formalen Zugangsrechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten.
- Vergleich der Jugendorganisationen der im 19. Deutschen Bundestag vertretenen Parteien.
- Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich Korrelationen mit Alter und politischer Ausrichtung.
Auszug aus dem Buch
3.3. Berechnung des Einfluss-Index
Entsprechend ihrer theoretischen Bedeutung werden die verschiedenen Arten des Zugangs bei der Vercodung numerisch gewichtet. Die Zulassung von Gästen in ein Parteigremium stellt dabei eine vergleichsweise schwache Einbindung in die innerparteilichen Entscheidungsprozesse dar und kann somit als schwächste Form der organisatorischen Bindung betrachtet werden. Deshalb wird die Vertretung der Jugendorganisation durch beratende Mitglieder in einem Parteigremium unabhängig vom Auswahlverfahren mit dem Wert „1“ codiert.
Die Teilnahme von Repräsentanten mit Stimmrecht in einem Parteigremium stellt schon einen größeren Einfluss der Jugendorganisation dar, immerhin darf sie die Entscheidungen mitbestimmen, auch wenn ihre Vertreter von der Partei ausgewählt wurden. Diese Bindung wird somit dem Wert „2“ vercodet.
Die Bindung durch Delegierte mit vollem Stimmrecht stellt eine deutlich stärkere Form der Verknüpfung und somit des Einflusses der Jugendorganisation dar. So macht die im Zweifelsfall nicht kontrollierbare Zulassung von Delegierten mit Stimmrecht zu diesen Entscheidungsprozessen die Partei bis zu einem gewissen Grad vom politischen Willen der Kollateralorganisation abhängig und stellt somit die engste organisatorisch vermittelte Bindung und so den größten Einfluss der Jugendorganisation auf die Entscheidungen ihrer Mutterpartei dar. Dieser substantielle Unterschied zu den anderen Formen organisatorischer Bindung wird durch den erhöhten Wert „4“ reflektiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle von Jugendorganisationen als Sprachrohr der Jugend und Akteure innerparteilicher Einflussnahme sowie das Forschungsinteresse an deren formalen Möglichkeiten.
2. Verortung und Aufgaben der Jugendorganisationen in der Parteiorganisation: Dieses Kapitel verortet Jugendorganisationen theoretisch als Kollateralorganisationen innerhalb der Parteien und erläutert ihre Funktion als Linkage-Instrument zur Wählerschaft.
3. Vergleich der Einflussmöglichkeiten der Jugendorganisationen: Hier wird der Einfluss-Index entwickelt, operationalisiert und angewendet, um die formalen Mitbestimmungsrechte der verschiedenen Jugendorganisationen empirisch zu vergleichen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, die zeigen, dass neuere und linkere Jugendorganisationen tendenziell über mehr formalen Einfluss verfügen als etablierte Organisationen.
Schlüsselwörter
Jugendorganisationen, Mutterpartei, Linkage-Konzept, Einfluss-Index, Parteiorganisation, Kollateralorganisationen, Parteiensatzung, Mitbestimmung, Politische Partizipation, Parteienforschung, Bundestag, innerparteiliche Demokratie, Jugendverbände.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die formalen Einflussmöglichkeiten der Jugendorganisationen der im 19. Deutschen Bundestag vertretenen Parteien auf ihre jeweilige Mutterpartei.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Parteiorganisation, das Konzept der Kollateralorganisationen, die Linkage-Funktion von Jugendverbänden sowie die formale Integration dieser Gruppen in Parteigremien.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist die Entwicklung eines Einfluss-Index, mit dem sich die formalen Zugangs- und Mitbestimmungsrechte der Jugendorganisationen empirisch messen und zwischen den Parteien vergleichen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für den Vergleich verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, bei der auf Basis der jeweiligen Parteisatzungen ein Index erstellt wird, der Bindungsarten numerisch gewichtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einbettung in das Parteiensystem, der Operationalisierung von Einfluss als formale Bindungsstärke und der konkreten Berechnung des Einfluss-Index für die verschiedenen Jugendorganisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Parteiorganisation, Jugendorganisationen, Einfluss-Index, Linkage-Konzept und parteipolitische Mitbestimmung definiert.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Unter- und Nebenorganisationen eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist relevant für die formale Einbindung und die Autonomie der Jugendorganisationen, da sie bestimmt, ob eine Parteimitgliedschaft Grundvoraussetzung für die Mitgliedschaft im Jugendverband ist.
Welches Hauptergebnis liefert der Vergleich der Einflusswerte?
Die Untersuchung zeigt, dass vor allem die Jugendorganisationen der Parteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen über deutlich stärkere formale Mitbestimmungsrechte verfügen als die der anderen Bundestagsparteien.
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- Anonym (Autor), 2018, Einfluss- und Mitbestimmungsmöglichkeiten der Jugendorganisationen auf ihre Mutterpartei, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535692