Der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie. Widersprechen sie sich?


Hausarbeit, 2019

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Evolutionstheorie
2.1 Darwinismus
2.1.1 Evolutionstheorie Nach C. R. Darwin
2.1.2 Spätere Entwicklungen

3. Kreationismus und die biblische Perspektive zur „Schöpfung“
3.1 Kreationismus
3.2 Biblische Perspektive zur Schöpfung
3.2.1 Zentrale Motive des biblischen Schöpfungsglaubens
3.3 Der Schöpfungsbericht
3.3.1 Genesis 1,1 – 2,3
3.3.2 Genesis 2,4-25

4. Intelligent-Design und der atheistische Naturalismus
4.1 Intelligent-Design
4.2 Atheistischer Naturalismus

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Gedruckte Quellen

Online Quellen

1. Einleitung

Widersprechen sich der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie? Seit der Erscheinung von C. R. Darwins Hauptwerk „On the Origin of Species“ im Jahre 1859 ist diese Frage Grund für heftige, zum Teil bis heute andauernde Diskussionen und Kontroversen. Diese medienwirksamen Diskussionen um Evolution und Schöpfung, vertreten von Verfechtern des Kreationismus, des Intelligent-Design und einem atheistischen Naturalismus, werden sogar auf bildungspolitischer Ebene thematisiert. Seit dem „Gießener Schulbuch-Streit“ 2006 wird über den Versuch, kreationistische Bildungsinhalte im öffentlichen Bildungssystem zu etablieren, massiv diskutiert.1

Mit dieser Arbeit wird versucht, einen Überblick über die kontroversen und teilweise auch verwirrenden Streitigkeiten zwischen den Fronten des Kreationismus, Intelligent-Design und dem atheistischen Naturalismus über das Thema Schöpfung und Evolution zu geben. Diese drei Theorien werden deshalb jeweils in einem eigenen Kapitel genauer beleuchtet. Da sich alle drei Annahmen auf die Evolutionstheorie beziehen, wird diese bereits zu Beginn der Arbeit, im Umfang eines kurzen Abschnittes, erläutert. Danach wird die biblisch-theologische Perspektive zur Schöpfung dargelegt und das biblische Verständnis der Schöpfung genauer unter die Lupe genommen. Als Bibeltext wird hierfür, wenn nicht anders angegeben, die revidierte Elberfelder Übersetzung von 2008 verwendet. Kapitel Vier widmet sich der Theorie des Intelligent-Design und des atheistischen Naturalismus, um eine weitere, stark vertretene Überzeugung aufzuzeigen. Die Arbeit schließt mit einem finalen Fazit, welches auf die Frage, ob sich der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie widersprechen oder nicht, eingeht.

2. Evolutionstheorie

R. Junker und S. Scherer fassen die Evolutionsforschung wie folgt zusammen: „Evolutionsforschung ist der Versuch, die Entstehung und Entfaltung des Lebens ausschließlich durch natürliche Prozesse verständlich zu machen.“2 Die Evolutionsforschung ist ein signifikanter Teil der Biologie und befasst sich mit der Entwicklung aller Lebewesen und deren gemeinsamer Herkunft. Sie beinhaltet außerdem die Forschung nach den Ursachen und dem Verlauf der Modifikationen von Lebewesen.3

Die Ursprungsschriften der Evolutionstheorie sind in der Zeitschrift Journal of the Proceedings of the Linnean Society of London (Band 3, S.45-62) aus dem Jahre 1858 zu finden.4 Sie bestehen aus einem Auszug des Manuskripts des Werkes „On the Origin of Species“ von C. R. Darwin und einem Aufsatz von A. R. Wallace. Den Durchbruch und die Etablierung der Evolutionstheorie schaffte C. R. Darwin schließlich mit der Veröffentlichung seines Buches „On the Origin of Species“ im Jahre 1859. Darwins Evolutionstheorie wird heute auch die „Synthetische Evolutionstheorie“ (mehr dazu in Kapitel 3.1.2) genannt.

Darwin war der erste Wissenschaftler, der versuchte, die Abläufe der Evolution durch Faktoren, die sich wechselseitig beeinflussen, zu erklären (Evolutionsfaktoren). Vorangegangene Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts gingen nicht von mehreren Faktoren, sondern von einem einzigen Faktor aus. Einer dieser Vertreter war Jean-Baptiste de Lamarck, welcher speziell von einem inneren Vervollkommnungsprinzips ausging.5 Darwin wird auch heute noch als der „Urvater“ oder „Hauptbegründer“ der Deszendenztheorie, der Abstammungslehre, in der Biologiegeschichte bezeichnet.6

2.1 Darwinismus

Der Begriff „Darwinismus“ wurde von A.R. Wallace, als ein Überbegriff der Evolutionstheorie nach C. R. Darwin, initiiert. Charles Robert Darwin (1809-1882), Naturforscher und studierter Theologe, veranschaulichte in seiner Evolutionstheorie die gemeinsame Abstammung und Entwicklung allen Lebens bzw. aller Arten von einer Ahnenart.7 Durch sein Werk „On the Origin of Species” fingen die Menschen erstmals an, die Schöpfungsgeschichte und somit ihr Weltbild zu hinterfragen.8 Kardinal Christoph Schönborn schreibt hierzu in seinem Artikel „Noch einmal: 'Schöpfung und Evolution“ folgendes:

„Der Darwinismus wurde zur alternativen Schöpfungsgeschichte, die nun freilich keines Schöpfers mehr bedurfte und gegenüber der biblischen Geschichte den ungeheuer anziehenden, alles verklärenden Nimbus der Wissenschaftlichkeit hatte.“9

2.1.1 Evolutionstheorie Nach C. R. Darwin

Darwins Theorie kann durch vier grundlegende Annahmen zusammengefasst werden: Reproduktion, Variabilität, Selektion und Vererbung.

Reproduktion:

Alle Lebewesen produzieren zur Arterhaltung immer mehr Nachkommen, bis ein Überschuss entsteht. Das Problematische bei dieser exponentiell steigenden Bevölkerungsgröße verschiedener Arten sind die begrenzten Ressourcen.

Variabilität:

Alle Individuen einer Art sind einzigartig. Jedes Individuum hat besondere Merkmale bzw. Eigenschaften, die es von einem anderen Individuum unterschiedet. Diese Merkmale und Eigenschaften werden auch „Rohmaterial der Evolution“10 genannt.

Selektion

Da durch die Reproduktion ein Überschuss besteht, konkurrieren alle Lebewesen um die begrenzt vorhandenen Ressourcen. Die Arten, die sich besser an die vorhandenen Umweltbedingungen angepasst und somit einen Selektionsvorteil haben, überleben überwiegend (natürliche Auslese). Dieser Vorgang nennt Sauermost in seinem Artikel unteranderem „Triebkraft der Evolution“ oder auch „Kampf ums Dasein“11

Vererbung

Durch die höhere Anzahl der überlebenden Lebewesen ist deren Fortpflanzungserfolg größer und die Gene, also die Eigenschaften und Merkmale, werden vermehrt an die nächste Generation weitergegeben. Die Eigenschaften und Merkmale der Individuen sind jedoch nur bis zu einem gewissen Grad vererbbar. Durch die Einzigartigkeit und Selektion der Individuen entstehen bei der Vererbung der Gene Mutationen, die zu neuen Arten führen können. Ob die neu entstandene Art erfolgreich ist, wird bei einer erneuten Selektion sichtbar.12

U. Kutschera fasst die Hauptaussagen des Werkes in seinem Buch „Streitpunkt Evolution“ (2007) etwas ausführlicher zusammen:

1. „Übernatürliche Schöpfungsakte Gottes sind mit den empirischen Tatsachen und Befunden nicht kompatibel, d.h. der biblische Schöpfungsglaube widerspricht den aktuellen Erkenntnissen der Naturforschung.
2. Alle Lebewesen der Erde haben sich vor langer Zeit aus wenigen Urformen entwickelt (Prinzip der gemeinsamen Abstammung)
3. Arten (Spezies) entwickeln sich aus Vorläuferformen (Varietäten) über das Prinzip der natürlichen Selektion (Überleben der am besten an die jeweilige Umwelt angepassten Individuen, d.h. „survival of the fittest“).
4. Spezies entstehen in einem langsamen, in kleinen Stufen (graduell) verlaufenden Prozess.
5. Höher organisierte, in der Regel komplexer gebaute Lebensformen (in der biologischen Systematik als Gattung, Familien, Ordnungen usw. beschrieben) entwickeln sich nach den selben Mechanismen, wie sie für die Artenentstehung postuliert wurden.
6. Je größer die Ähnlichkeit der Lebewesen, desto näher sind sie miteinander verwandt und desto kürzer ist ihre Divergenzzeit (...).
7. Das Aussterben von Arten (Extinktion) ist das Resultat innerartlicher Kompetition und der Konkurrenz zwischen verschiedenen Spezies.
8. Die Fossilienabfolge in den Sedimentgesteinen ist noch unvollständig: Die Abwesenheit von Zwischenformen basiert auf Lücken in unseren derzeitigen geologischen Kenntnissen.“13

2.1.2 Spätere Entwicklungen

Synthetische Theorie

Darwins ursprüngliche Theorie zur Evolution beinhaltete viele Annahmen aus verschiedenen Disziplinen, darunter unter anderem die Biochemie, Ökologie, Geologie und die Verhaltensbiologie. Durch die Einbettung dieser verschiedenen Annahmen wird die Evolutionstheorie auch „Synthetische Theorie“ genannt.14

Stellvertretende Pioniere der modernen Synthetischen Theorie waren der Insektenforscher Theodosius Dobzhansky (1900-1975), der Zoologe Ernst Mayr (1904-2005) und der Zoologe Julian Huxley (1887-1975).15 Die fundamentalen Aussagen der modernen Evolutionstheorie wurden von U. Kutschera in seinem Buch „Streitpunkt Evolution“ wie folgt zusammengefasst:

1. „Die Stammesentwicklung (...) von Tieren und Pflanzen vollzieht sich innerhalb variabler Populationen (Fortpflanzungsgemeinschaften). (...)
2. Die biologische Variabilität dieser Population (...) ist das Resultat zweier Prozesse: Genetische Rekombination ((...) sexuellen Fortpflanzung) und Mutation (...).
3. Bei stetiger Überproduktion an Nachkommen ist die natürliche Selektion die wichtigste richtungsgebende „Kraft“ im Evolutionsgeschehen, insbesondere bei langsamer Änderung der Umweltbedingungen (...).
4. Die Artbildung (...) erfolgt zum einen durch geografische Isolation von Sub-Populationen (...) sowie auch innerhalb von Fortpflanzungsgemeinschaften (...).“16

Neodarwinismus

August Weismann erweiterte die Deszendenztheorie nach Darwin in den Jahren 1890-1910 in einigen grundlegenden Punkten. Er widerlegte durch Mäuse-Experimente unter anderem die These, dass Körpereigenschaften durch Vererbung weitergegeben werden. Als bedeutenden Ausgangspunkt für die biologische Variabilität sah er die sexuelle Fortpflanzung verschiedener Arten (Rekombination), welche, durch das Vererben verschiedener Eigenschaften, zu einer natürlichen Auslese (Selektion) führt und dadurch neue Arten (Mutationen) entstehen.17

Diplom-Biologin Elke Brechner fasst den Neodarwinismus wie folgt zusammen:

„[Der Neodarwinismus] unterscheidet sich im Wesentlichen durch Ablehnung der Vererbung erworbener Eigenschaften (...). Außerdem werden die bei Darwin noch pauschal als „Variationen“ bezeichneten Veränderungen klar in nicht erbliche Modifikationen und in erbliche Mutationen unterschieden.“18

3. Kreationismus und die biblische Perspektive zur „Schöpfung“

3.1 Kreationismus

C. Kubb fasst den Kreationismus in seinem Artikel darüber wie folgt zusammen „Der Glaube an eine von einem Schöpfer erschaffende Welt (...) (lat. creatio = Schöpfung).“19

Der Kreationismus gilt als Gegenbewegung zur Evolutionstheorie. Kreationisten verfechten die Ansicht, dass die Schöpfungsberichte der Bibel die einzige Wahrheit und somit unvereinbar mit der Evolutionstheorie sind.20 Sie glauben daran, dass die Menschen von einer höheren Macht bzw. einem Schöpfergott erschaffen wurden. Die Grundlage dieser Theorie bildet die Schöpfungserzählungen in Genesis 1 und 2.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchten Vertreter des Kreationismus die biblische Sichtweise zur Entstehung der Welt und all ihrer Lebewesen mit den wissenschaftlichen Befunden zu verbinden, indem sie die Schöpfungserzählungen in Genesis 1 und 2 neu auslegten. Um zum Beispiel den zeitlichen Rahmen der Entstehung der Welt, den die Wissenschaft bereits durch fossile Funde erfasst hat, nachzuvollziehen, wurden die sieben Schöpfungstage als Jahrtausende definiert.21 F. Schweitzer beschreibt dieses problematische Verhältnis zwischen Kreationisten und Wissenschaftlern der Evolutionstheorie in seinem Buch „Schöpfungsglaube – Nur für Kinder?“ wie folgt:

„Von heute aus gesehen lässt sich der Kreationismus vor allem als Versuch verstehen, einen sich auf die Bibel und auf biblische Wahrheit berufenden Glauben gegenüber den Anfragen der modernen Wissenschaft zu verteidigen“22

Über die Jahrhunderte hinweg haben sich verschiedene Richtungen des Kreationismus entwickelt: Die Vertreter des „Kurzzeitkreationismus“ gehen von einer Schöpfung der Erde und der Menschen innerhalb der letzten 10.000 Jahre aus und interpretieren die Schöpfungstexte wörtlich. Das heißt, sie glauben daran, dass Gott die Erde in sieben bzw. sechs Tagen erschaffen hat. Die vertreten die Annahme, dass Menschen und Dinosaurier zeitgleich auf der Erde gelebt haben und argumentieren das Aussterben verschiedener Tierarten mit der Urflut. Eine andere populäre Richtung zeigt sich im „Langzeitkreationismus“. Hierbei erkennen die Vertreter die wissenschaftlichen Befunde des zeitlichen Rahmens der Entstehung der Welt und deren Lebewesen weitestgehend an. Ein Schöpfungstag dauerte demzufolge mehrere Millionen bzw. Milliarden Jahre. Eine dritte populäre Bewegung des Kreationismus ist der „Neo-Kreationismus“. Eine Vorstellung dieser Richtung ist die des Intelligent-Design. Hierbei wird die Schaffung der Menschen und der Erde, da sie zu komplex für eine selbstständige Evolution ist, einem intelligenten Designer zugeschrieben.23 Mehr zu „ Intelligent-Design “ in Kapitel 4.

[...]


1 Vgl. Spiegel Online, Kreationismus in Deutschland: Vor uns die Sintflut, (Mersch, 2006)

2 Junker / Scherer 1998 (S. 19)

3 Vgl. Evolutionstheorie, o.D.

4 Vgl. Kutschera, 2007 (S. 15)

5 Vgl. Sauermost, 1999

6 Vgl. Kutschera, 2007 (S. 15)

7 Vgl. Sauermost, 1999

8 Vgl. Kubb, Evolutionstheorie Charles Darwin, o.D.

9 Schönborn, 2006

10 Sauermost, 1999

11 Vgl. A.a.O.

12 Vgl. Kubb, Evolutionstheorie Charles Darwin, o.D. und Darwinịsmus, o.D.

13 Kutschera, 2007 (S. 16f)

14 Vgl. Bayrhuber, 2011 (S. 13)

15 Vgl. Kutschera, 2007 (S. 34)

16 A.a.O. (S. 34)

17 Vgl. Kutschera, 2007 (S. 33)

18 Brechner, 2001

19 Kubb, Der Kreationismus, o.D.

20 Vgl. Schweitzer, 2012 (S. 26)

21 Vgl. A.a.O. (S. 28)

22 Vgl. Schweitzer, 2012 (S. 29)

23 Vgl. Kubb, Der Kreationismus, o.D.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie. Widersprechen sie sich?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe  (Evangelische Theologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V535832
ISBN (eBook)
9783346129109
ISBN (Buch)
9783346129116
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Evolution, Schöpfung, Darwin, Kreationismus, Schöpfungsbericht, Intelligent-Design, Naturalismus, Evolutionstheorie
Arbeit zitieren
Mandy Mary (Autor), 2019, Der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie. Widersprechen sie sich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535832

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der Schöpfungsglaube und die Evolutionstheorie. Widersprechen sie sich?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden