Wie reagieren Frauen im Vergleich zu Männern, wenn sie im Fitnessstudio beobachtet werden?

Eine qualitative Studie


Projektarbeit, 2019

65 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Fragestellung der Arbeit
1.2. Zielsetzung der Arbeit

2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Das Lazarus-Appraisal-Modell
2.2. Die Attributionstheorie

3. Durchführung der qualitativen Forschung
3.1. Forschungsfrage und Design
3.2. Konstruktion des Interviewleitfadens
3.3. Auswahl der Stichprobe
3.4. Wörtliche Transkription
3.5. Analyse des Textmaterials
3.6. Darstellung der Ergebnisse

4. Diskussion
4.1. Interpretation der Ergebnisse
4.2. Reflexion der Methodik
4.3. Gütekriterien

5. Fazit & Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1 Interviewleitfaden nach Kategorien

Tabelle 2 Auswahl der Stichprobe

Tabelle 3 Beispiel zu induktive Kategorienbildung anhand des Interviews mit P1

Tabelle 4 Kategorieneinteilung - Einordnung der Unterkategorien zu den Hauptkategorien

Tabelle 5 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P1

Tabelle 6 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P2

Tabelle 7 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P3

Tabelle 8 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P4

Tabelle 9 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P5

Tabelle 10 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P6

Tabelle 11 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P7

Tabelle 12 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P8

Tabelle 13 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P9

Tabelle 14 Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P10

Tabelle 15 Übersicht über die Häufigkeitsverteilung der Unterkategorien

Tabelle 16 Legende für Tabelle 15, Symbolerläuterung

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1 Lazarus-Appraisal-Modell

1. Einleitung

Der Fitnessboom ist schon lange kein Geheimnis mehr. Immer mehr Menschen scheinen sich für das Training im Fitnessstudio zu interessieren, denn sowohl die Zahl der Fitness­studios als auch die Anzahl ihrer Mitglieder steigen seit Jahren. Insbesondere in den letz­ten Jahren durchläuft der Markt der privaten Sportanbieter eine dynamische Entwicklung (Dietrich, Heinemann & Schubert, 1990).

Aktuelle Statistiken, die den deutschlandweiten Hype rund um das Thema Fitness bele­gen, zeigen einen stetigen Aufwärtstrend. Ende 2014 waren es noch rund 9 Mio. Mitglie­der in Fitnessstudios während Ende 2016 bereits erstmals die 10 Mio. Mitglieder Marke überschritten wurde (DSSV - Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits­Anlagen, 2017). Anfang 2018 wurden sogar 10,61 Mio. Mitglieder gemessen, Trend stei­gend. Ähnlich verhält sich die Entwicklung der Fitnessanlagen. Im Jahr 2014 wurden ca. 8000 Anlagen gemessen während es Ende 2017 schon knapp 9000 waren (DSSV - Ar­beitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen, 2018).

Motive und Beweggründe für das Training sind laut aktuellem Forschungsstand Spaß, Gesundheit, Fitness, Ausgleich, Wohlbefinden und gutes Aussehen. Ideale wie Schlank­heit, Sportlichkeit, Jugendlichkeit und Beweglichkeit sind die Ziele der Kraftsportler und Kraftsportlerinnen (Zarotis, 1999).

1.1. Fragestellung der Arbeit

Beim Erreichen seiner Ziele durch Krafttraining in Fitnessclubs sind allerdings die stän­digen Interaktionen zwischen den Sporttreibenden unvermeidbar, was oft auch daran liegt, dass viele Trainierende auf relativ engem Raum aufeinandertreffen. Oft störende oder auch ungewollte Blicke anderer zum Beispiel sind daher schwer umgänglich.

Doch wie schon Lohaus und Vierhaus (2015) erwähnten, werden solche Situationsreize von den Geschlechtern verschieden verarbeitet, da sie über unterschiedliche Reizwahr- nehmungssensitivitäten verfügen. Aufgrund dessen ist es sinnvoll sich mit den Ge­schlechtsunterschieden von Männern und Frauen im emotionalen Erleben eines Besuchs im Fitnessstudio auseinanderzusetzen und der Frage nachzugehen inwiefern sich die Ein­drücke der beiden Geschlechter unterscheiden, wenn sie beobachtet werden.

In der Forschungsarbeit wird versucht, den Gemeinsamkeiten und Unterschieden im emo­tionalen Empfinden zwischen Männern und Frauen beim Sporttreiben auf den Grund zu gehen. Insbesondere soll dabei der Faktor eines Beobachters während der Trainingsein­heit berücksichtigt werden. In summa setzt sich die Arbeit mit folgender Fragestellung auseinander:

Wie reagieren Frauen im Vergleich zu Männern, wenn sie im Fitnessstudio beobachtet werden?

1.2. Zielsetzung der Arbeit

Mit Hilfe einer qualitativen Datenerhebung soll untersucht werden, welche Gedanken und Emotionen ein auslösender Situationsreiz während des Trainings bei den befragten Fit­nessmitgliedern verursacht. Als Beispiel für einen auslösenden S ituationsreiz wird in die­ser Arbeit das Beobachtenwerden durch eine andere Person betrachtet. Durch das theore­tische Konzept des Lazarus-Appraisal-Modells wird Einsicht über die Bewältigungsme­thoden der Befragten gewährt und es lässt sich auf die jeweilige Emotion schließen.

2. Theoretischer Hintergrund

Emotionen sind eine Mischung aus physiologischer Erregung, Ausdrucksverhalten und bewusster Erfahrung und beinhaltet somit die Reaktion des gesamten Organismus. (Myers, 2014). Das Lazarus-Appraisal-Modell beschreibt wie es zu dieser spezifischen Reaktion bzw. Emotion kommt und erklärt die Hintergründe, Voraussetzungen und Rah­menbedingungen zur Entstehung der Emotion. Die Anhaltspunkte des Modells werden in der vorliegenden Arbeit gezielt zur Erstellung des Interviewleitfadens und der Kategori­enbildung in der qualitativen Inhaltsanalyse genutzt.

2.1. Das Lazarus-Appraisal-Modell

Das Stressmodell von Richard Lazarus wurde 1984 veröffentlicht und geht davon aus, dass nicht der objektive Eindruck eines Reizes oder Situation für die jeweilige Reaktion verantwortlich ist, sondern deren subjektive Bewertung durch die betroffene Person.

Appraisal wird dabei als die Einschätzung einer Situation oder eines Objektes bezüglich des Einflusses auf die eigene Person und das eigene Wohlergehen beschrieben. Sie laufen sehr schnell, das heißt nicht reflexiv und somit automatisch ab. Die Idee dahinter ist die Folgende:

Das gleiche Appraisalmuster, sprich die gleiche Situation, löst bei verschiedenen Men­schen unterschiedliche Emotionen aus. (Lazarus, 1991)

Der auslösende S ituationsreiz ist im Verlauf der Arbeit stets das Beobachtetwerden wäh­rend des Trainings. Dieser wird laut Lazarus in Bezug auf das eigene Wohlergehen sub­jektiv eingeschätzt, was der erste Schritt in der Entstehung der Emotionen ist, das soge­nannte Primäre Appraisal. Unterbewusst analysiert die betroffene Person, ob der Situati­onsreiz die eigenen Ziele betrifft, also ob er „zielrelevant“ ist und das Training der Person beeinflusst. Darüber hinaus wird die „Zielkongruenz“ geprüft, d.h. ob die Zielerreichung, die subjektiven Trainingsziele, eventuell gefördert oder behindert werden. Zuletzt wird die „Art der Ego-Beteiligung“, also inwiefern die Person betroffen ist und in welcher Art und Weise, untersucht. Sieht die Person beispielsweise ihr Ich-Ideal durch den Situati­onsreiz bedroht, könnte Scham die darauffo lgende Emotion sein.

Weiterhin automatisch und unterbewusst läuft der zweite Schritt ab, das Sekundäre Ap­praisal. Dabei werden Optionen zur Bewältigung der Situation eingeschätzt. Zum einen wird sich über „Verschulden“ und/oder „Verdienst“ den „Gründen für den auslösenden Situationsreizes“ bewusst gemacht. Eine Person kann den Reiz als positiv empfinden bzw. als „Verdienst“, während die andere ihn als negativ empfindet bzw. als „Verschul­den“, was auch der Definition der Appraisalmuster entspricht. Dabei wird also nach „Gründen“ für den Situationsreiz gesucht. Zum anderen wird das „Bewältigungspoten­zial“ verdeutlicht, sprich welche Möglichkeiten zur Situationsverbesserung vorhanden sind. Schließlich werden die „Zukunftserwartungen“ erörtert, wobei geschaut wird wie sich die Situation mittelfristig verändern lässt.

Nach der Einschätzung der Situation, dem Primären und Sekundären Appraisal, entsteht die Emotion bzw. die Reaktion auf den auslösenden Situationsreiz.

Um negativen Emotionen nicht chancenlos unterlegen zu sein unterscheidet Lazarus zwei grundlegende Strategien, sogenannte Coping-Strategien zur Bewältigung der Situation.

Zum einen die „problemorientierte Bewältigung“ auch „problemorientiertes Coping“ ge­nannt, bei der durch Aktivitäten wie direkte Handlungen oder auch Unterlassen von Handlungen die Problemsituation überwunden werden soll bzw. sich den Gegebenheiten angepasst werden soll.

Zum anderen die „emotionsorientierte Bewältigung“ oder „emotionsorientiertes Coping“. Dabei wird darauf geachtet die mit der Situation verbundenen Emotionen zu verändern und die entstandenen emotionalen Erregungen abzubauen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Lazarus-Appraisal-Modell

Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an: Lazarus (1991)

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Zeitstrang der Theorie zur Strukturierung des Kategoriensystems verwendet. Einzelne Unterpunkte wie bspw. Zielrelevanz und Bewäl­tigungspotenzial wurden deduktiv zu den Hauptkategorien geschlossen.

2.2. Die Attributionstheorie

Als die Attributionstheorie (attribuere (lat.) = zuschreiben, zuweisen) von Fritz Heider aus dem Jahr 1958 wird der Prozess eines Menschen beschrieben, sich die Verantwortung für das Verhalten eines anderen Menschen in Zusammenhang mit entweder der Situation oder der Veranlagung des Menschen zu erklären (Myers, 2014, S.597).

Menschen versuchen stets das Verhalten anderer Menschen zu verstehen, bis eine ver­ständliche Erklärung oder Ursache gefunden wurde. Die Attribution für das jeweilige Verhalten erfolgt dabei internal d.h. personenbezogen oder external, situationsbezogen (Parkinson, 2014).

Man spricht also von internaler Attribution , wenn das Verhalten einer Person seiner Dis­position, seiner Persönlichkeit, seinen Einstellungen oder seinem Charakter zugeschrie­ben wird, während externale Attribution die Ursache für das Verhalten einer Person in der Situation sieht (Aronson et al., 2014).

In der Arbeit wird die internale und externale Attribution als Unterkategorie für die im Lazarus-Appraisal-Modell beschriebene Hauptkategorie „Verdienst/Verlust (Gründe)“ verwendet. Damit soll dargestellt werden, wie unterschiedlich die Personen auf den Reiz reagieren und welchen Gründen sie dies zuschreiben.

3. Durchführung der qualitativen Forschung

3.1. Forschungsfrage und Design

Unsere qualitative Studie beschäftigt sich mit der Frage, wie Frauen im Vergleich zu Männern reagieren, wenn sie im Fitnessstudio beobachtet werden. Hierzu werden 5 Frauen und Männer befragt, die das Fitnessstudio regelmäßig besuchen. Ergebnisse wer­den mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ermittelt.

Hierbei wird zum einen die kognitive Ebene angesprochen, das heißt was die Personen denken, wenn sie beobachtet werden und wie sie dementsprechend handeln. Darüber hin­aus wird die emotionale Ebene angesprochen, sprich wie sie sich dabei fühlen. Das La­zarus-Appraisal-Modell wird dabei helfen herauszufinden, wie die Personen individuell mit der Stresssituation, beobachtet zu werden, umgehen und wie sie diese Situation be­wältigen.

Wir nehmen an, dass sich Frauen generell unwohl fühlen, wenn sie beim Training beo­bachtet werden. Für Männer hingegen ist es eher ein Ansporn, wenn sie beobachtet wer­den. Hierbei kommt es auch darauf an, von wem sie beobachtet werden. Ein für die trai­nierende Person attraktiver Beobachter kann andere Emotionen auslösen als ein uner­wünschter, nicht attraktiver Beobachter. Darüber hinaus macht es einen Unterschied, ob die beobachtende Person vom gleichen oder anderen Geschlecht ist.

3.2. Konstruktion des Interviewleitfadens

Da Frauen und Männer in dem Interview über dieselbe Situation befragt werden sollen, ist der Interviewleitfaden für alle Befragten gleich. Um jedoch ein offenes Gespräch zu gewährleisten und auf den Forschungsgegenstand hinzuführen war es den Interviewern möglich, individuelle Fragen zu stellen und somit vom Leitfaden abzuweichen. Es be­stand die Gefahr, dass die Antworten der Teilnehmer nicht ganz der Wahrheit entsprechen da sie sich bei der Vorstellung, im Fitnessstudio beobachtet zu werden, in einer für sie unangenehmen Situation befinden könnten. Dies gilt insbesondere bei den Frauen. Jedoch war es mit einem Warm-Up durch einige Einstiegsfragen gelungen, eine angenehme At­mosphäre herzustellen und keine der Befragten machte einen beklemmten Eindruck.

Der Leitfaden ist in sieben Blöcke eingeteilt. Die Blöcke bestehen aus unseren Katego­rien, welche in Kapitel 3.5 Analyse des Textmaterials dieser Arbeit nochmal ausführlich erläutert werden. Die Fragen wurden demzufolge in der folgenden Tabelle (Tabelle 1:In- terviewleitfaden nach Kategorien) den Kategorien zugeordnet, für welche sie analysefä­higes Material erbringen sollen, und folgen nicht zwingend dem chronologischen Ablauf des Interviews.

Im ersten Block geht es um allgemeine Fragen über das Thema Fitness, die die Teilneh­mer bis auf die vierte Frage vor dem Interview schriftlich auf einem kleinen Fragebogen beantworten. Im Zweiten Teil geht es um den Gemütszustand des Teilnehmers in sei- nem/ihrem Fitnessstudio, wovon die ersten beiden Fragen als Einstiegsfragen fungieren. Direkt nach den einleitenden Fragen geht es um das Gemüt der Person, wenn sie im Stu­dio beobachtet wird. Im dritten Block wird indirekt gefragt, ob es für die Ziele der Person relevant ist und ob sie eine derartige Situation schon einmal erlebt haben. Wir lagen rich­tig in der Vermutung, dass die meisten Kandidaten eine Situation, in der sie im Studio angeschaut werden, schon erlebt hatten. War dies nicht der Fall, so wurde die Fragen im dritten Block so abgeändert, dass die Teilnehmer sich vorstellen sollten wie es wäre, wenn sie beobachtet werden. Nachdem die Relevanz für die Ziele besprochen wurde, geht es im vierten Block darum, ob es die Ziele fördert oder behindert. Anschließend werden die vermuteten Gründe und die Bewältigung der Situation befragt. Der letzte Block spricht die Auswirkungen an und die Teilnehmer werden gefragt, ob sie bestimmte Übungen oder Zeiten meiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Interviewleitfaden nach Kategorien

3.3. Auswahl der Stichprobe

Für die Stichprobe wurden 10 Leute aus drei unterschiedlichen Fitnessstudios gewählt. Die Kandidaten wurden bewusst nach dem Top-Down-Verfahren ausgewählt (Hussy, Schreier, Echterhoff, 2013). Die 5 Männer und 5 Frauen sollen junge, sportliche und at­traktive Menschen sein. Das hat den Hintergrund, dass diese Kandidaten eher im Studio angeschaut werden als andere. Die Teilnehmer sind zwischen 19 und 26 Jahre alt. Ziel ist es, durch eine Befragung der unterschiedlichen Geschlechter einen Vergleich zwischen ihnen und ihrem Verhalten und Reaktionen herzustellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Auswahl der Stichprobe

3.4. Wörtliche Transkription

Um die Sprachaufnahmen in einen Text umzuwandeln wurde wörtlich transkribiert. Hier­bei wurde die Aufnahme in normales Schriftdeutsch übertragen, sprich der Dialekt wurde in Hochdeutsch umgewandelt, Satzbaufehler verbessert und überflüssige Pausen und „Ähm‘s“ entfernt. (Mayring, 2016)

3.5. Analyse des Textmaterials

Die Analyse der Transkripte basiert auf der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und dient als Grundlage für die Interpretation der Ergebnisse. Auf Grundlage des Lazarus- Appraisal-Modells wurden die vier Hauptkategorien (Zielrelevanz, Zielkongruenz, Ver­schulden / Verdienst und Bewältigungspotenzial) deduktiv, also vorab bestimmt. Dazu wurden zwei weitere Hauptkategorien anhand der Theorie des Lazarus-Appraisal-Mo­dells und des Interviewmaterials induktiv erschlossen (Wohlbefinden und Auswirkungen auf das Verhalten). Die Unterkategorien wurden zum einen deduktiv gebildet (internale und externale Attribution) und zum anderen induktiv aus dem Textmaterial erfasst (Ma­yring, 2016).

Die induktive Bildung der Unterkategorien hinsichtlich der Hauptkategorien wird in dem folgenden Ausschnitt eines Transkriptes veranschaulicht, wobei durch farbliche Markie­rung und anschließende Erläuterung beispielhaft deutlich gemacht wird, wie die Unter­kategorien erschlossen wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Beispiel zu induktive Kategorienbildung anhand des Interviews mit P1

Die Unterkategorie „Unwohlsein“ wäre beispielsweise Teil der Hauptkategorie „Gemüts­zustand“ und ist in der Farbe gelb markiert. „Internale Attribution“ ist eine Unterkategorie der Hauptkategorie „Gründe (Verdienst / Verschulden)“ und ist daher türkis markiert. „Aktive Bewältigung“ gehört zur Hauptkategorie Bewältigungspotenzial und is daher grün hinterlegt.

Bei der Kategorienbildung wurde sich an dem Lazarus-Appraisal- Modell orientiert. Aus dem „Primären Appraisal“ des Modells wurden das Wohlbefinden, die Zielrelevanz und die Zielkongruenz abgeleitet. Beim Gemütszustand ist die emotionale Ebene, sprich wie die Person sich fühlt, und die kognitive Ebene, sprich was die Person denkt, mit inbegrif­fen.

Bezüglich der Zielrelevanz und Zielkongruenz haben die Personen oftmals nicht explizit erwähnt, was ihre Ziele sind und ob es ihre Ziele betrifft, wenn sie beobachtet werden. Dennoch lässt sich durch einige Aussagen während des Interviews erschließen, ob es die Ziele betrifft und die Zielerreichung fördert oder behindert. Hierbei wurde vor allem da­rauf geachtet, ob die Personen bestimmte Übungen oder Zeiten vermeiden, wenn sie be­obachtet werden. Dadurch lässt sich interpretieren, ob die Ziele und die Zielerreichung betroffen sind.

Aus dem sekundären Appraisal wurden die Kategorien Gründe und Bewältigungspoten­tial abgeleitet. Bezüglich der Gründe wurden die Interviewpartner gefragt, warum sie denken, dass die Personen sie anschauen. Unsere Unterkategorien unterscheiden die Attribution. Bei einer internalen Attribution heißt dies, dass die Befragten den Grund für das Verhalten (Beobachten) der Persönlichkeit des Beobachters zuschreiben (z.B. Der Mann beobachtet aus sexuellem Interesse). Bei einer externalen Attribution sieht der Be­fragte den Grund des Verhaltens in der Situation (z.B. der Mann beobachtet, weil er die Übung noch nicht kennt).

Bezüglich des Bewältigungspotentials wird zwischen aktiver und passiver Bewältigung unterschieden. Bei aktiver Bewältigung wird aktiv etwas gegen das Beobachten unter­nommen, sprich man geht an ein anderes Gerät oder das Personal wird benachrichtigt. Bei passiver Bewältigung findet die Bewältigung auf emotionaler Ebene statt, sprich man ignoriert, dass man beobachtet wird und blendet es aus, unternimmt aber nichts aktiv da­gegen.

Der letzte Schritt des Lazarus Modells ist die aus dem ersten und zweiten Appraisal ent­stehende Emotion bzw. die Reaktion. Die Kategorie, die aus dem letzten Schritt abgeleitet wurde, ist die Auswirkung auf das Verhalten. Bringt die Situation, dass die Personen be­obachtet werden, die Leute dazu, dass sie bestimmte Übungen oder Zeiten meiden? Aus­prägungen dieses Faktors wird in der Unterkategorie erfasst.

Durch die Orientierung an dem Lazarus Modell und der Aufteilung in verschiedene Ka­tegorien lässt sich die Reaktion der Teilnehmer auf verschiedenen Ebenen erfassen und ist für eine Interpretation bereit.

3.6. Darstellung der Ergebnisse

Im Folgenden werden die Interviews einzeln ausgewertet. Dabei werden Zitate der Inter­viewteilnehmer für die Interpretation und Zuordnung zu den Unterkategorien und folglich den Hauptkategorien verwendet. Die Einordnung der Unterkategorien zu den Hauptkate­gorien ist darüber hinaus in Tabelle 4 ersichtlich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Kategorieneinteilung, Einordnung der Unterkategorien zu den Hauptkategorien

Interview mit P1, Ç, 23, Studentin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P1

Interview mit P2, Ç, 21, Studentin

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 6: Darstellung der Ergebnisse aus dem Interview mit P2

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Ende der Leseprobe aus 65 Seiten

Details

Titel
Wie reagieren Frauen im Vergleich zu Männern, wenn sie im Fitnessstudio beobachtet werden?
Untertitel
Eine qualitative Studie
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
65
Katalognummer
V536302
ISBN (eBook)
9783346130006
ISBN (Buch)
9783346130013
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fitness, Frauen, Männer, Reaktion, Fitnessstudio, Beobachten
Arbeit zitieren
Patric Dettinger (Autor), 2019, Wie reagieren Frauen im Vergleich zu Männern, wenn sie im Fitnessstudio beobachtet werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536302

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