Die Schlacht bei Chaironeia 338 v. Chr.

Welche Faktoren haben zum Sieg Philipp II. beigetragen?


Hausarbeit, 2019
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die makedonische Heeresreform als Grundlage der heiligen Kriege

3. Aussagen zu den beiden Kriegsparteien
3.1. Das makedonische Heer im Vergleich
3.2. Aussagen der Militärtheorie

4. Taktik und Schlachtverlauf

5. Fazit

6. Bibliographie

1. Einleitung

Die Schlacht bei Chaironeia am 2. August 338 v. Chr. stellt allgemein gesehen das Ende der Freiheit Griechenlands und den Beginn der makedonischen Hegemonie dar. Bei dieser Schlacht versuchte ein in letzter Minute geschlossenes Militärbündnis zwischen Athenern und Thebanern dem makedonischen Heer Philipps II. Einhalt zu gebieten, aber sie wurden besiegt. Diese Niederlage bringt Makedonien den lang ersehnten Herrschaftsanspruch über ganz Griechenland und bildet mit der Gründung des korinthischen Bundes die Grundlage für Alexanders Feldzüge gegen die Perser.1 2

Anhand von Quellen und Forschungsliteratur über die Schlacht bei Chaironeia wird sehr schnell deutlich, dass äußerst geteilte Meinungen über den Schlachtverlauf sowie Gründe für den Sieg herrschen. So heißt es beispielsweise bei Johann Engels, dass „Der Ausgang dieser Schlacht [...] keineswegs eindeutig vorauszusagen“ war. Somit könnte man an dieser Stelle die gewagte These aufstellen, dass Philipp nur Glück hatte.

Eben diese These möchte ich untersuchen. Dabei soll ebenfalls geklärt werden, welche Faktoren zum Sieg auf Seiten der Makedonen beigetragen haben und welche vielleicht die Niederlage des athenisch-thebanischen Bündnisses herbeigeführt haben könnten. Dazu gehört selbstverständlich eine Einschätzung der Einflusskraft jeweiliger Ereignisse und Gegebenheiten sowie die Zuordnung, ob diese Einflüsse den Ausgang der Schlacht voraussagbar machen oder es tatsächlich durch kleine Feinheiten und Zufälle innerhalb des Verlaufes der Schlacht entschieden wurde.

Zu diesem Zweck werde ich als erstes eine kleine Untersuchung zur makedonischen Heeresreform voranstellen, welche wohl einen maßgeblichen Teil an allen militärischen Aktionen Philipps II. gehabt haben wird, die sich in der Folgezeit ereigneten. Dabei soll nur auf wichtige und allgemeine Änderungen eingegangen werden, die tatsächlich in Relation zum Schlachtausgang stehen. Als nächstes sollen beide Kriegsparteien vergleichend untersucht werden, sodass die bei der Schlacht gegebenen Bedingungen beider Heere einen Einblick auf den möglichen Ausgang geben können. Hierbei möchte ich grundlegend die zahlenmäßige Stärke und die Qualität der beiden Heere untersuchen. Dazu soll auch eine Einschätzung aus militärtheoretischer Sicht erfolgen, die anhand der vergleichenden Aussagen objektive Fakten über den zu erwartenden Schlachtausgang gibt. Hierfür soll ein Aufsatz aus dem Sammelwerk „Battle in Antiquity“ verwendet werden, welcher die verschiedenen Faktoren, die zum Sieg eines Heeres führen, aufzählt und dabei jeweils einschätzt, welche Dinge ausschlaggebend sind. Als letztes soll der eigentliche Schlachtverlauf an sich und die Taktik beider Kriegsparteien untersucht werden, worauf ein abschließendes Fazit zur Beantwortung der Fragen folgt.

Nicht betrachtet werden Ereignisse, welche das Zustandekommen der Schlacht möglicherweise verhindert hätten oder die Zusammensetzung der jeweiligen Kriegsparteien maßgeblich beeinflussten, da diese für die hier angestrebte Untersuchung nicht dienlich wären.

2. Die makedonische Heeresreform als Grundlage der heiligen Kriege

Vor dem Eingreifen durch Philipp war das makedonische Heer eine Armee von Bauern, die in brenzligen Situationen zu den Waffen gerufen wurden und deren Erfolg stark von der Unterstützung der Kavallerie abhing. Dies änderte sich mit der Einführung einer Reihe von Reformen, welche in der frühen Regentschaft von Philipp als König begann und eine professionelle Vollzeit-Armee zu schaffen versuchte.3

Um den Militärdienst attraktiv zu gestalten, führt Philipp eine reguläre Bezahlung ein. Die Bezahlung beläuft sich bei Infanteristen auf eine, bei Reitern auf drei Drachmen pro Tag. Dieser Sold ist höher als der bei griechischen Hopliten, welcher umgerechnet ein Sechstel weniger beträgt. Der griechischen Kavallerie könnte sogar ein ganzes Drittel weniger bezahlt worden sein. Hinzu kommt, dass Geld und Land, welches man in den Feldzügen erobert, den makedonischen Soldaten weitergegeben wird. Somit entsteht eine zusätzliche Belohnung für ihren Dienst gegenüber dem König und es wird die Motivation für den Kampf geschürt.4

Neben der Bezahlung führt Philipp auch eine neue Bewaffnung ein: die Sarissa. Dabei handelt es sich um eine bis zu 5,5m lange Lanze, die zweihändig gehandhabt werden muss.5 Die besondere Länge der Waffe erlaubt es den Makedonen, ihre Feinde aufzuspießen, während diese mit ihren kurzen Speeren und Schwertern noch nicht einmal in Reichweite waren.6 Durch die leichte Ausrüstung bestehend aus einem kleinen Schild an der Schulter, einem Kurzschwert, Beinschützern sowie einem Eisenhelm genoss man einen weiteren Vorteil: sie waren beweglicher als die schwer bewaffneten, griechischen Hopliten.7 Natürlich war diese Änderung der Ausrüstung auch notgedrungen, um die schwere Sarissa überhaupt noch aktiv handhaben zu können.8 Durch diese Änderung sanken gleichzeitig auch die Kosten und der handwerkliche Aufwand pro Soldat. Die einzige Komplikation bestand darin, genug Hartholz für die langen Schäfte der Sarissa zu finden. Glücklicherweise wachsen ausgerechnet in Philipps Reich genug Kornelkirschen, um eine Massenproduktion abzusichern.9

Weiterhin finden sich Aussagen über zahlreiche Trainings, die Alexander mit seinen Truppen durchführt, welche allerdings wohl schon vorher durch Philipp bei der Heeresreform einführt wurden. Sie mussten lange Märsche absolvieren, sowohl durch Flüsse als auch bergiges Terrain, um in jeder Kampfsituation perfekt geschult zu sein. Wichtig war dabei auch die Prägung der Ausdauer, um lange Märsche mit der Ausrüstung problemlos durchführen zu können. Durch diese Ausdauer wurde die makedonische Armee extrem mobil, da man keine Versorgungskarren mit sich führen muss.10

Die meisten seiner Neuerungen bezogen sich auf die Infanterie. Allerdings ließ er die Reiter nicht unberücksichtigt und teilte diese in verschiedene Divisionen, in denen auch eine fortgeschrittene Spezialisierung erkennbar ist.11 Weiterhin trainiert man nun die Kavallerie nicht frontal anzugreifen, sondern in einer Keilformation, deren Hauptaufgabe das Durchbrechen der feindlichen Formationen ist.12

Es wird mehr als deutlich, dass das Zusammenspiel aller dieser Änderungen und Reformen, nicht unbedingt eine bestimmte, den unglaublichen Erfolg der Makedonen für die folgenden Heiligen Kriege bis zur Schlacht von Chaironeia und darüber hinaus bedeutet, wie es auch Fündling beschreibt.13 Allerdings spielten auch, wie zuvor erwähnt, regionale Vorteile durchaus eine Rolle, was die Bedeutung dieser grundlegenden und innovativen Reform allerdings kaum schmälern sollte.

3. Aussagen zu den beiden Kriegsparteien

3.1. Das makedonische Heer im Vergleich

Beginnend mit der Truppenstärke erhalte ich von Diodor die Angabe, dass Philipps Heer mehr als 30.000 Infanteristen und mindestens 2000 Reiter umfasste.14 Hammond stellt die Vermutung auf, dass es sich bei der elitären Kavallerie um thessalische und makedonische Reiter handelte.15 In Bezug auf das griechische Heer gibt es gegensätzliche Aussagen. Laut Diodor war König Philipp zahlenmäßig überlegen.16 Justin hingegen beschreibt, dass die Griechen das weitaus größere Heer besaßen. Er ist sich allerdings darüber einig, dass die Makedonen die weitaus besseren Kämpfer waren.17 Hammond schreibt dem griechischen Heer eine Stärke von 30.000 Hopliten zu, weiterhin gehören 5000 Leichtbewaffnete dazu. Platz für Kavallerie hatte man in den griechischen Linien nicht, sie wäre ohnehin keine Herausforderung für die Erfahrenen Reiter des makedonischen Heeres gewesen. Dementsprechend würden sich insgesamt wohl 32.000 Kämpfer auf Seiten Philipps und 35.000 Kämpfer der griechischen Allianz zwischen Athen und Theben gegenüberstehen. Somit wäre eine relativ kleine Überlegenheit für die Griechen zu verzeichnen, wenn es antike Belege für die Heerstärke des athenisch-thebanischen Bündnisses gäbe. Allerdings gibt es keinen direkten Grund, den Zahlen von Hammond zu misstrauen, da sie mit vielen anderen aus der Forschungsliteratur übereinstimmen und es sich somit um ein zahlenmäßig ungefähr gleich starkes Heer auf beiden Seiten handelt.

[...]


1 Engels, Philipp II. und Alexander der Große, S.36.

2 Ebd. S.36.

3 Worthington, By The Spear, S. 32-33 schreibt in Bezug auf den Zustand der Bauernheere: Sie waren schlecht, wenn überhaupt, ausgebildet und bewaffnet.

4 Ebd. S. 33 nennt bezüglich der Bezahlung der griechischen Hopliten fünf Obolen pro Tag, umgerechnet betragen sechs Obolen eine Drachme. Die griechischen Reiter sollen zwischen zwei und drei Drachmen pro Tag bekommen haben.

5 Pol. XVIII 29, 2-4 beschreibt als ursprünglichen Entwurf eine Länge von 16 Ellen (7,36m), der letztlich aber auf 14 Ellen (6,44m) eingekürzt wurde. Im Kampf müsse man allerdings vier Ellen abrechnen, damit das Gewicht der Vorderseite bei beidhändiger Handhabung ausgeglichen werden kann, sodass sich die tatsächliche Länge dann auf ca. 4,6 Meter belaufen würde. Bei gutem Training wäre anzunehmen, dass eine Handhabung auch mit nur zwei Ellen Gegengewicht möglich wäre, sodass man dann auf die meistbeschriebene Angabe von 5,5m kommt, wie man sie auch bei Hammond vorfindet. Markle, Macedonian Sarissa, S. 323 nennt als beste Überlieferung zur Zeit Alexanders eine Länge von 4,6 bis 5,5m, die somit am glaubwürdigsten scheint. Die Angabe des Polybios bezieht sich freilich auf die spätere Zeit, in der man bereits unter Philipp V. gegen die Römer kämpfte.

6 Pol. XVIII 29, 5-7 schreibt, dass, wenn die Phalanx gut aufgestellt ist, selbst die fünfte Reihe mit ihrer Sarissa noch zwei Ellen, also ungefähr einen Meter, über die vorderste Reihe hinausstechen.

7 Worthington, By The Spear, S. 34-36; Plut. Aem. 20, 10 beschreibt die Rüstung als leicht zu durchdringen. Weiterhin ist anzumerken, dass nur der einzelne Soldat einfacher beweglich war. Markle, Macedonian Sarissa, S. 332 beschreibt die komplexe Form dieser neuen Art der Phalanx als dennoch relativ unbeweglich, sodass sie den Schutz von Kavallerie und Leichtbewaffneten an deren Flanken benötigt.

8 King, Ancient Macedonia, S.112 nimmt hier Bezug auf die Einschränkung, bei beidhändiger Handhabung der Sarissa einen normalen Hoplitenschild zu benutzen, der selbstverständlich eine Hand erfordern würde.

9 Fündling, Philipp II. von Makedonien, S. 44-45 formuliert weiterhin, dass „Keine andere Region der hellenistischen Welt [...] nach einer Schlacht einige hundert bis tausend Stangen von fünf Metern Länge [hätte] nachliefern können, selbst wenn sie in der Mitte zerlegbar waren.“ Dies spricht für einen großen regionalen Vorteil Philipps.

10 Worthington, By The Spear, S. 36 spricht hier über ein von Alexander durchgeführtes Training mit verschiedenen Übungen in Illyrien, das während seiner Kampagne von 335 v. Chr. stattgefunden hat. Diod. XVI 3,1 erwähnt außerdem, dass Philipp Kampfübungen hat ausrichten lassen. Polyaen. IV 2,10 beschreibt als Training kilometerlange Märsche, die Philipp seine Soldaten samt Ausrüstung und Proviant hat durchführen lassen.

11 Worthington, By The Spear, 36.

12 Markle, Use of Sarissa, S.491 führt an, dass Philipp seine Kavallerie kurz vor Chaironeia mit einer kürzeren Version der Sarissa ausstattete, welche von den Triballi stammt, und die Keilformation von den Thrakern übernahm.

13 Fündling, Philipp II. von Makedonien, S. 47 vergleicht das Zusammenspiel mit Straßenbaufahrzeugen: „In einem Fuhrpark von Straßenbaufahrzeugen [...] wäre es schwierig, die ,bauentscheidende‘ Maschine zu identifizieren. “

14 Diod, XVI 85, 5.

15 Hammond, History of Macedonia, S. 596 beschreibt, dass es keinen antiken Beweis für das Kämpfen thessalischer Truppen bei Chaironeia gibt, aber hält es für sehr wahrscheinlich.

16 Diod. XVI 85, 6.

17 Just. IX 3, 9 „Man lieferte sich ein Schlacht, und obwohl die Athener durch ihre weitaus größere Zahl an Soldaten überlegen waren, wurden sie dennoch von der durch ständige Kriege abgehärteten Kampfkraft der Makedonen besiegt.“

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht bei Chaironeia 338 v. Chr.
Untertitel
Welche Faktoren haben zum Sieg Philipp II. beigetragen?
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V536512
ISBN (eBook)
9783346130143
ISBN (Buch)
9783346130150
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schlacht, chaironeia, welche, faktoren, sieg, philipp
Arbeit zitieren
Nico Bothe (Autor), 2019, Die Schlacht bei Chaironeia 338 v. Chr., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536512

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