Die Zahl der Pflegebedürftigen nimmt stetig zu, doch zugleich wird das Berufsfeld der Pflegefachkraft immer unattraktiver. Roboter sollen daher zukünftig das Pflegepersonal unterstützen und somit dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Dabei muss aus ethischer Perspektive sichergestellt sein, dass der Einsatz von Pflegerobotern die Lebensqualität der Pflegebedürftigen nicht vermindert.
Wie kann künstliche Intelligenz die Lebensqualität pflegebedürftiger Menschen steigern? Welche Richtlinien müssen für einen verantwortungsvollen Einsatz von Pflegerobotern gelten? Wie können Pflegende die Roboter individuell auf die Bedürfnisse der älteren Menschen anpassen?
Ein menschenwürdiges Leben ist dann möglich, wenn der Zugang zu den zehn zentralen Fähigkeiten (Capabilities) gewährleistet ist. Welche Fähigkeit dies sind und inwiefern Pflegeroboter diesen Zugang sichern, fördern oder einschränken, erläutert Nicole Kaczmar. Sie stellt zwei Therapieroboter vor, die in deutschen Pflegeheimen bereits im Einsatz sind und plädiert für einen sensiblen und verantwortungsvollen Einsatz von Robotern in der Altenpflege.
Aus dem Inhalt:
- Soziale Interaktion;
- Menschenwürde;
- Martha Nussbaum;
- Humanoide Roboter;
- Capabilities Approach;
- Pflegenotstand
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Demographischer Wandel und Pflegenotstand
3 Begriffsdefinitionen
3.1 Künstliche Intelligenz
3.2 Roboter
4 Roboter in der Altenpflege: Status Quo
4.1 Pflegeroboter: Pepper
4.2 Therapieroboter: Paro
5 Mensch-Roboter-Interaktion
5.1 Menschenwürde und Lebensqualität im Alter
5.2 Der Capabilities Approach nach Martha Nussbaum
5.3 Der Capabilities Approach im Bereich der Altenpflege
6 Plädoyer: Sensibler und verantwortungsvoller Einsatz von Robotern in der Altenpflege
7 Zusammenfassung undAusblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht ethische Fragestellungen beim Einsatz von sozialen Robotern in der deutschen Altenpflege. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie der Einfluss von Pflegerobotern auf die zehn zentralen Capabilities nach Martha Nussbaum zu bewerten ist, um ein menschenwürdiges Leben trotz Krankheit und Alter sicherzustellen.
- Analyse des demographischen Wandels und des Pflegenotstands in Deutschland.
- Grundlagendefinitionen zu Künstlicher Intelligenz, Robotik und Mensch-Roboter-Interaktion.
- Vorstellung aktueller Technologien wie des humanoiden Roboters Pepper und der Roboterrobbe Paro.
- Ethische Bewertung anhand des Capabilities Approach (CA) nach Martha Nussbaum.
- Empfehlungen für einen verantwortungsvollen, sensiblen Robotereinsatz im Sinne des "Value Sensitive Design".
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Humanoide Roboter
Humanoide Roboter sind Roboter, die so konstruiert sind, dass sie der Gestalt des Menschen möglichst ähnlich sind. Das Ziel von humanoiden Robotern ist die Imitation menschlicher Bewegungsabläufe. Die menschenähnliche Gestalt hat den Vorteil, dass diese Roboter in sämtlichen alltäglichen Aufgaben hilfreich sein können. So haben sie beispielsweise die Fähigkeit, Gegenstände zu greifen, zu heben und zu tragen oder das Einordnen von Gegenständen zu übernehmen. Denn humanoide Roboter sind mit (Greif)Armen ausgestattet. Darüber hinaus haben humanoide Roboter meist zwei „Beine“. Derartige menschenähnliche Eigenschaften bei Robotern sind wiederum problematisch, da sie mit hohen Erwartungen an den Roboter verbunden sind. Denn wenn Roboter ähnlich wie Menschen aussehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man mit ihnen auch wie mit einem Menschen umgeht (vgl. Lenzen, 2018, S. 100 / S.229).
Darüber hinaus tritt bei der optischen Erscheinung eines Roboters das Phänomen des Uncanny Valley auf. Es besagt, dass je ähnlicher Roboter dem Menschen vom Aussehen her sind, desto stärker werden sie vom Menschen akzeptiert. Tritt allerdings eine zu starke Menschenähnlichkeit auf, wirkt sich das Aussehen negativ auf die Beliebtheit von Robotern aus. Dies wird in der folgenden Abbildung graphisch dargestellt:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Künstlichen Intelligenz (KI) und Robotik im Kontext des demographischen Wandels ein und umreißt das Ziel der ethischen Analyse.
2 Demographischer Wandel und Pflegenotstand: Das Kapitel beschreibt die statistische Entwicklung der Alterung der Gesellschaft und die daraus resultierende Problematik des Fachkräftemangels in der Pflege.
3 Begriffsdefinitionen: Hier werden grundlegende Termini der Robotik sowie die Unterscheidung zwischen schwacher und starker KI, humanoiden Robotern und sozialen Robotern definiert.
4 Roboter in der Altenpflege: Status Quo: Das Kapitel stellt die beiden in deutschen Pflegeheimen eingesetzten Systeme, den humanoiden Roboter Pepper und die Roboterrobbe Paro, im Detail vor.
5 Mensch-Roboter-Interaktion: Hier wird der Forschungsbereich der Mensch-Roboter-Interaktion beleuchtet und der Capabilities Approach nach Martha Nussbaum als ethischer Maßstab für die Bewertung eingeführt.
6 Plädoyer: Sensibler und verantwortungsvoller Einsatz von Robotern in der Altenpflege: Das Kapitel diskutiert anhand von Beispielen aus der Smart-Home-Forschung Ansätze für einen ethisch vertretbaren Einsatz von Technik unter Berücksichtigung von Richtlinien und Gesetzen.
7 Zusammenfassung undAusblick: Der abschließende Teil resümiert die Ergebnisse der ethischen Bewertung und reflektiert die zukünftige Entwicklung im Spannungsfeld von Technologie und Menschsein.
Schlüsselwörter
Altenpflege, Pflegeroboter, Künstliche Intelligenz, Ethik, Capabilities Approach, Martha Nussbaum, Mensch-Roboter-Interaktion, Pepper, Paro, Demenz, Value Sensitive Design, Menschenwürde, Lebensqualität, Robotik, Technikfolgenabschätzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem ethisch reflektierten Einsatz von Pflegerobotern in der Altenpflege unter Berücksichtigung der Lebensqualität älterer und kranker Menschen.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit verbindet technologische Aspekte der Robotik mit philosophisch-ethischen Theorien, insbesondere dem Fähigkeitenansatz (Capabilities Approach), und bezieht sich dabei auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie den Pflegenotstand.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu diskutieren, wie der Einfluss von Pflegerobotern auf die sogenannten zehn zentralen Capabilities nach Martha Nussbaum ethisch zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-ethische Analyse, bei der existierende Studien und das Konzept des "Value Sensitive Designs" mit der normativen Theorie des Capabilities Approach verknüpft werden.
Welche technischen Systeme stehen im Fokus des Hauptteils?
Im Zentrum stehen der humanoide Roboter Pepper und die Roboterrobbe Paro, die beide bereits in deutschen Altenpflegeeinrichtungen eingesetzt werden.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch für die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der Robotik selbst vor allem Menschenwürde, Capabilities Approach, soziale Robotik und die Verantwortung der Gesellschaft im Umgang mit vulnerablen Personengruppen.
Wie unterscheidet sich der Roboter Pepper von der Roboterrobbe Paro in ihrer Anwendung?
Während Pepper vor allem assistierende Aufgaben übernimmt und als kommunikative Schnittstelle dient, ist Paro speziell als therapeutisches Hilfsmittel konzipiert, um durch taktile Interaktion beruhigend auf Demenzpatienten zu wirken.
Welche Rolle spielt das "Value Sensitive Design" (VSD) in der Argumentation des Autors?
Der Autor nutzt das VSD, um zu zeigen, dass ethische Wertvorstellungen bereits frühzeitig in den Entwicklungsprozess technischer Systeme integriert werden müssen, um langfristig einen verantwortungsvollen Robotereinsatz zu gewährleisten.
- Quote paper
- Nicole Kaczmar (Author), 2020, Wie Pflegeroboter die Lebensqualität im Alter sichern können. Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Altenpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536553