Wie Pflegeroboter die Lebensqualität im Alter sichern können. Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Altenpflege


Fachbuch, 2020

95 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abstract

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel und Pflegenotstand

3 Begriffsdefinitionen
3.1 Künstliche Intelligenz
3.2 Roboter

4 Roboter in der Altenpflege: Status Quo
4.1 Pflegeroboter: Pepper
4.2 Therapieroboter: Paro

5 Mensch-Roboter-Interaktion
5.1 Menschenwürde und Lebensqualität im Alter
5.2 Der Capabilities Approach nach Martha Nussbaum
5.3 Der Capabilities Approach im Bereich der Altenpflege

6 Plädoyer: Sensibler und verantwortungsvoller Einsatz von Robotern in der Altenpflege

7 Zusammenfassung undAusblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

Copyright © Science Factory 2020

Ein Imprint der GRIN Publishing GmbH, München

Druck und Bindung: Books on Demand GmbH, Norderstedt, Germany

Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

Vortrag am Münchner Kompetenzzentrum Ethik, 14. Dezember 2018:

“I claim that the Capabilities Approach is the most promising theoretical framework, as we pursue this urgent task of ethical awakening.” (Nussbaum, 2018, S. 630)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Uncanny Valley

Abbildung 2: Roboter Pepper

Abbildung 3: Robbe Paro

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Human values (with Ethical Import) often implicated in system design

Abstract

Der „Pflegenotstand“ in Deutschland steht seit geraumer Zeit im Fokus der öffentlichen Diskussion. Statistischen Rechnungen zufolge wird in 50 Jahren jeder Achte in der Bundesrepublik 80 Jahre und älter sein. Die Anzahl alter und pflegebedürftiger Menschen wird bis 2030 bereits von 2,6 (Stand 2009) auf 3,4 Millionen steigen. Darüber hinaus verändert sich das Krankheitsspektrum dieser Altersgruppe. Alte Menschen sind häufiger chronisch krank und die Anzahl neurodegenerativer Erkrankungen wie Altersdemenz steigt. Zudem wird das Berufsfeld der Pflegefachkraft immer unattraktiver. Laut statistischen Berechnungen fehlen bis 2030 im Worst-Case-Szenario ca. 490.000 Pflegefachkräfte inDeutschland.

Um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken sollen verstärkt Roboter zur Unterstützung des Pflegepersonals eingesetzt werden. Dabei muss aus ethischer Perspektive sichergestellt sein, dass durch den Einsatz von Robotern die Lebensqualität der Pflegebedürftigen nicht vermindert wird. Ein menschenwürdiges Leben, also ein Leben mit Qualität, ist nach der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum dann möglich, wenn der Zugang zu den zehn zentralen Fähigkeiten (Capabilities) gewährleistet ist. In der vorliegenden Arbeit wird diskutiert, wie der Einfluss von Pflegerobotern auf die zentralen Capabilities ethisch zu bewerten ist. Dafür werden zuerst grundlegende Begriffe des Forschungsbereichs der Robotik wie die Künstliche Intelligenz, Roboter (insbesondere humanoide und soziale Roboter) und die Mensch-Roboter-Interaktion erläutert. Anschließend werden beispielhaft der Pflegeroboter Pepper sowie der Therapieroboter Paro vorgestellt. Beide Roboter sind in deutschen Altenpflegeheimen bereits im Einsatz. Im Anschluss wird anhand des Fähigkeitenansatzes (Capabilities Approach: CA) nach Nussbaum beurteilt, inwiefern der Einsatz von Pflegerobotern den Zugang zu den zehn zentralen Capabilities sichert, fördert oder einschränkt. Abschließend wird für einen sensiblen und verantwortungsvollen Einsatz von Robotern in der Altenpflege plädiert. Denn dadurch kann der Zugang zu den zentralen Capabilities für die Pflegebedürftigen, die Angehörigen und das Pflegepersonal gesichert oder sogar gefördert werden. Ein sensibler und verantwortungsvoller Einsatz setzt Richtlinien und Gesetze voraus, wie Roboter eingesetzt werden dürfen. Die Richtlinien und Gesetze müssen auf den Ergebnissen valider Studien und Befragungen mit den Betroffenen basieren. Darüber hinaus muss der Einsatz von Robotern individuell auf die Bedürfnisse der älteren und kranken Menschen angepasst sein. Auch sollten Roboter im Rahmen eines “Value Sensitive Designs” (VSD) Ansatzes entwickelt und eingesetztwerden.

1 Einleitung

„Vermenschlichung der Technik“(Peter Remmers, Philosoph, 2018)

Unser moderner Lebensstandard wird durch den technischen Fortschritt der Künstlichen Intelligenz (KI) ermöglicht. Doch dieser hat weitreichende Handlungsfolgen für das Individuum und für die Gesellschaft. „Künstliche Intelligenz wird die Welt verändern, wie der elektrische Strom“ (Ramge, 2018, S. 21). Dieser Aussage begegnet man in sämtlichen Artikeln, Studien und Büchern zur KI. Die KI als Schlüsseltechnologie der Zukunft , insbesondere das Teilgebiet der Robotik, hat das Potenzial nicht nur dem Menschen neue Chancen zu eröffnen, sondern sie verspricht auch ein großes wirtschaftliches Wachstum. Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (2018) wird allein durch die KI das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland bis 2030 um 11,3% steigen. Dies entspricht einer Wertschöpfung von ca. 430 Milliarden Euro. Die Studie zeigt, dass Deutschland besonders von den Entwicklungen der KI profitiert. Denn hierzulande sind überdurchschnittlich viele Sektoren von KI vertreten, in denen hohe Produktivitätssteigerungen zu erwarten sind. Darunter fallen die Branchen Gesundheitswesen, die Automobilindustrie sowie derFinanzdienstleistungssektor.1

Doch die Konkurrenz in der KI -Entwicklung ist stark. China und die USA investieren massiv in die KI -Forschung und stellen die Marktführer in diesem Bereich dar. Am 03. und04. Dezember 2018 fand in Nürnberg der Digital-Gipfel 2018 statt. Hier wurde eine Strategie geplant, wie Deutschland den Anschluss im Bereich der KI nicht verpasst.2

Bis 2025 will die Bundesregierung ca. 3 Milliarden Euro in die KI -Forschung und somit auch in die Robotik investieren.3

Der Fokus in der vorliegenden Arbeit liegt auf dem Bereich der sozialen Robotik im Gesundheitswesen. Die soziale Robotik ist eine besondere Ausprägung der KI, die sich in den letzten Jahren rasant entwickelt hat. Der Schwerpunkt in dieser Arbeit wird auf soziale Roboter, die mittlerweile in Pflege und Therapie in deutschen Altenpflegeheimen eingesetzt werden, gerichtet. Durch die Robotertechnik soll die Pflege revolutioniert werden: „Pflege 4.0“ lautet das Credo derZukunft.4

So findet die Roboterrobbe Paro seit 2014 unter anderem in der Therapie von Demenzpatienten ihre Anwendung. Der humanoide Roboter Pepper, der sowohl assistierende Aufgaben übernehmen kann sowie als Kreatur der Emotionsrobotik Menschen unterhalten soll, ist seit 2017 in deutschen Altenpflegeheimen unterwegs. Vom Einsatz sozial-interaktiver Roboter verspricht man sich eine Steigerung der Lebensqualität des Patienten5 sowie eine Entlastung des Pflegepersonals.6 In der Zukunft sollen verstärkt Roboter zur Unterstützung des Pflegepersonals eingesetzt werden, um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken.7 Vom Einsatz von Robotern verspricht man sich langfristig auch eine Prozessoptimierung und eine Kostenersparnis. Die Diskussion über den Einsatz von Robotern in der Altenpflege wird dabei oft aus einer ökonomischen Perspektive in Form von Kosten-Nutzen-Analysengeführt.

Doch ökonomische Gründe dürfen nicht die einzigen sein, wenn es um die Pflege des alten und kranken Menschen geht. Aus ethischer Perspektive muss sichergestellt sein, dass durch den Einsatz von Robotern die Lebensqualität der Pflegebedürftigen nicht vermindert wird. Ein menschenwürdiges Leben, also ein Leben mit Qualität, ist nach der amerikanischen Philosophin Martha Nussbaum dann möglich, wenn der Zugang zu den zehn zentralen Capabilities gewährleistet ist.

In der vorliegenden Arbeit wird diskutiert, wie der Einfluss von Pflegerobotern auf die zentralen Capabilities ethisch zu bewerten ist.

Dafür wird zuerst auf das Phänomen des demographischen Wandels und die Situation im Bereich der Altenpflege in Deutschland eingegangen (Kapitel II). Aufgrund eines besseren Verständnisses werden im Anschluss Begriffe wie die KI und Roboter mit dem Fokus auf humanoide und soziale Roboter näher erläutert (Kapitel III). Im Anschluss werden die beiden Roboter Pepper und Paro vorgestellt (Kapitel IV) und in diesem Zusammenhang der Forschungsbereich der Mensch-Roboter-Interaktion expliziert (Kapitel V). Es stellt sich die Frage, wie Pflegeroboter eingesetzt werden müssen, damit sie einen positiven Effekt auf ein menschenwürdiges Leben und die Lebensqualität des Patienten haben. Die Auswirkungen des Robotereinsatzes auf die Menschenwürde und Lebensqualität wird anhand des Capabilities Approach (CA) nach Martha Nussbaum diskutiert (Kapitel VI). Im Zuge dessen wird für einen sensiblen und verantwortungsvollen Einsatz von Robotern in der Altenpflege in der Zukunft plädiert (Kapitel VII). Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick gegeben (KapitelVIII).

2 Demographischer Wandel und Pflegenotstand

„Die Folgen der Bevölkerungsentwicklung müssen in ihrerganzen Breite in den Blick genommen werden.“(Bundeskanzlerin Angela Merkel, 2013)

Der demographische Wandel und der Fachkräftemangel in der Altenpflege in Deutschland sorgen für Handlungsdruck. Laut der aktuellsten koordinierten Bevölkerungs- vorausberechnung des statistischen Bundesamts (2015) wird 2060 jeder Dritte in der Bundesrepublik mindestens 65 Jahre alt sein. 2013 lebten in Deutschland 4,4 Millionen 80- Jährige und Ältere in Deutschland. Dies entsprach 5,4% der Gesamtbevölkerung. Dem Trend nach steigt diese Zahl und wird 2050 mit fast 10 Millionen den bis dahin höchsten Wert erreichen. Statistischen Rechnungen zufolge wird in 50 Jahren jeder Achte 80 Jahre und älter sein, was 12% - 13% der Bevölkerung in der BRD entspricht. Denn die Lebenserwartung nimmt weiter zu.8 Nach aktuellen Prognosen wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland bis 2030 bereits von 2,3 Millionen (Stand Dezember 2009) auf 3,4 Millionen steigen. Zugleich steigt auch die Anzahl neurodegenerativer Erkrankungen wie Altersdemenz.9 Darüber hinaus verändert sich auch das Krankheitsspektrum. Es zeigt sich, dass ältere Menschen häufiger chronisch krank sind.10

Bei älteren Menschen besteht eine erhöhte Gefahr, dass sie plötzlich stürzen, krank werden oder verwirrt sind und dann auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Deswegen benötigen viele ältere Menschen Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben im Eigenheim oder sogar eine 100% Pflege im Altenpflegeheim. Aufgrund des soeben beschriebenen demographischen Wandels und der Zunahme an chronischen Krankheiten im Alter wird die Nachfrage an Pflegepersonal im Bereich der Altenpflege weitersteigen.

Doch während die Nachfrage steigt, wird die Ausübung des Berufs einer Pflegefachkraft in Deutschland zunehmend unattraktiver. Man kann hier von einer Teufelsspirale sprechen: Die Ausübung dieses Berufs wird nicht leistungsgerecht entlohnt und anerkannt. Deswegen können und wollen viele diesen Beruf nicht ausüben. Da aber der Bedarf aufgrund des demographischen Wandels weiter steigt, wird die Belastung für das Pflegepersonal immer größer, was für viele den Beruf noch unattraktivermacht.11

So fehlen nach einer aktuellen Studie der BertelsmannStiftung bis zum Jahr 2030 in Deutschland im Worst-Case-Szenario ca. 490.000 Pflegefachkräfte in Altenpflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten. In Bezug auf die Versorgungslücke, die sich zwischen Nachfrage und Angebot bahnt, wird bereits von einem bevorstehenden Pflegenotstand gesprochen. Dieser Pflegenotstand sorgt für Handlungsdruck.12

Aufgrund des Pflegenotstands und der Überforderung des Fachpersonals im Pflegedienst ist auch die Qualität der ambulanten und stationären Altenpflege in Deutschland zu erwähnen. Laut dem aktuellen 5. Pflegequalitätsbericht des medizinischen Dienstes der Krankenkassen (Stand 2017) erfüllt das Fachpersonal in Altenpflegeheimen prinzipiell die Anforderungen an eine gute Pflege. Seit 2004 erfolgen die Qualitätsprüfungen des MDK in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten. Diese Qualitätsprüfungen werden jährlich veröffentlicht. In dem aktuellen Bericht von Dezember 2017 sind die Ergebnisse aus 13.304 Qualitätsprüfungen in stationären Pflegeeinrichtungen und 12.810 bei ambulanten Pflegedienstenaufgeführt.

Dabei wurde bei 104.344 Bewohnern im Altenpflegeheim und 70.538 Patienten in der ambulanten Pflege die tägliche (medizinische) Versorgung überprüft. Zu bemerken ist, dass die meisten Prüfkriterien über Jahre hinweg die Gleichen sind. Dies kann zum Ergebnis haben, dass sich die Pflegeeinrichtungen genau auf diese Prüfkriterien einstellen. Außerdem handelt es sich bei den Prüfkriterien um Minimalanforderungen an die pflegerische Versorgungsqualität, die von allen Pflegeeinrichtungen erfüllt werden sollten, um den Patienten ein menschenwürdiges und gutes Leben trotz Krankheit zu ermöglichen. Dennoch sind erhebliche Mängel in der stationären und ambulanten Altenpflege festzustellen.13 In den Medien wurde gerade in jüngster Zeit regelmäßig von Missständen in deutschen Altenpflegeheimen berichtet. Aussagen wie „festgeschnallt, wund gelegen und mit Medikamenten allein gelassen“ sind keine Seltenheit in der Berichterstattung über die Pflegequalität in deutschen Altenpflegeheimen.14 Der Pflegebericht des MDK (2017) bestätigt, dass zehntausende Pflegebedürftige in deutschen Heimen schlecht versorgt werden. Im Folgenden kann nur auf ausgewählte Mängel in der Pflege hingewiesen werden, denn die Liste ist lang. Mängel in der Altenpflege sind unter anderem bei der Medikamentenversorgung zu verzeichnen. An 11,3% der Pflegebedürftigen in Wohnheimen mit ärztlicher Verordnung zur Medikamentengabe wurden falsche Arzneien ausgegeben oder Medikamente nicht bewohnerbezogen aufbewahrt. In der ambulanten Pflege wurden an 11,7% der Pflegebedürftigen Medikamente ausgehändigt, für die es keine ärztliche Verordnung gab, beziehungsweise auch Medikamente mit einer falschen Wirkstoffkonzentration verabreicht. Zudem sind erhebliche Mängel in der Schmerz- und Wundversorgung der Patienten festzustellen. 4,0% der Patienten in Altenpflegeheimen und 24,7% der Pflegebedürftigen in der ambulanten Pflege mit ärztlicher Verordnung zur Schmerzmittelgabe erhielten die Schmerzmittel nicht wie verordnet. Desweiteren wurden bei 24,4% der untersuchten Patienten in Altenpflegeheimen und 13,1% der Patienten in der ambulanten Pflege die ärztlich erforderlichen Maßnahmen zur Druckentlastung nicht durchgeführt und Hygienestandards bei der Versorgung einer chronischen Wunde nicht beachtet.

Auch die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung eines Dekubitus (Druckgeschwüres) erfolgten nicht wie vorgeschrieben, denn dafür erforderliche Hilfsmittel wurden nicht eingesetzt, Bewegungsmaßnahmen nicht durchgeführt und Hautuntersuchungen unterlassen. Im Vergleich zum Qualitätsbericht von 2016 sind bei der Wundversorgung in der stationären Pflege Verschlechterungen zu erkennen. In der ambulanten Pflege wurden auch Mängel der Pflegeleistung beim Einsatz von Atmungsunterstützungsgeräten, bei der Beratung über Maßnahmen der Flüssigkeitsversorgung und Ernährung sowie bei der Aufklärungsarbeit über Maßnahmen zur Inkontinenz festgestellt.15

Die hier beschriebene Versorgung einiger tausend Patienten in Altenpflegeheimen und ambulanten Pflegediensten wirft die Frage nach einer menschenwürdigen Pflege auf – und zwar sowohl für den Patienten sowie auch für das Pflegepersonal. Die Wahrung der Würde des Patienten kann bei einer menschlichen Versorgung unter den gegebenen Voraussetzungen im Bereich der Altenpflege und der Tatsache, dass der Mensch von Natur aus Fehler macht, nicht immer gewährleistet werden. Deswegen ist der Einsatz von KI so reizvoll. Denn Roboter arbeiten frei von emotionalen Einflüssen. Sie werden nicht unhöflich oder grob gegenüber dem Pflegebedürftigen. Darüber hinaus kennt ein Roboter keinen Stress oder Übermüdung. Roboter arbeiten immer konstant: schnell, fehlerfrei und unermüdlich – bei Tag wie bei Nacht (vgl. Haun, 2013, S. 11/ Sharkey, 2014, S. 65).

Man setzt große Hoffnungen auf den Einsatz von Robotern in der Altenpflege. Seit 2017 ist der Einsatz von humanoiden Robotern wie Pepper auch in deutschen Altenpflegeheimen Realität geworden. Allerdings begann der Hype um die Leistungs- und Einsatzfähigkeit von Robotern im Pflegebereich im „Land der 100-Jährigen“, Japan. Laut aktuellen Studien ist Japan die älteste Gesellschaft auf dem Globus. Über ein Viertel der Bevölkerung ist über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. 2017 war die Anzahl Neugeborener auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen inJapan.

Eine derartig rasant alternde und schrumpfende Gesellschaft mit -0,21% Bevölkerungswachstumsrate (Stand 2017) führt zu großen ökonomischen und gesellschaftlichen Problemen.16 Denn die wenigen jungen Menschen können die alten Menschen nicht pflegen.17 Um dem Pflegenotstand entgegenzuwirken, setzt Japan auf die KI und ist somit zum weltweiten Marktführer im Bereich der sozialen Robotik geworden. Bis 2020 sollen 80% der älteren und kranken Menschen von Robotern gepflegt werden.18 Auch Deutschland steht mit einer Bevölkerungswachstumsrate von -0,16% (Stand 2017) den ökonomischen und gesellschaftlichen Herausforderungen einer stark alternden und schrumpfenden Gesellschaft bevor.19 Deswegen will man auch hierzulande verstärkt auf die Vorteile der KI setzen. Der Verständlichkeit halber wird im Folgenden Kapitel definiert, was unter KI überhaupt zu verstehen ist und was einen Roboterauszeichnet.

3 Begriffsdefinitionen

„Philosophen, die nicht wissen, wie ein Algorithmus funktioniert, werden Probleme haben,Entwicklern beratend zur Seite zu stehen. Dabei sucht die Wirtschaft schon heute moralischen Rat.”(Karin Janker, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung, 20. Dezember 2018)

3.1 Künstliche Intelligenz

Der Forschungsgegenstand der KI ist die menschliche Intelligenz. Im Allgemeinen wird unter der menschlichen Intelligenz eine kognitive Leistungsfähigkeit, wie zum Beispiel die Fähigkeit zur Lösung bestimmter komplexer Probleme, verstanden. Doch der Begriff der menschlichen Intelligenz ist viel weitgreifender: „Intelligenz [äußert sich] durchaus nicht nur in abstrakten gedanklichen Leistungen wie logischem Denken, Rechnen oder Gedächtnis und insbesondere in der Fähigkeit zur Reflexion, sondern wird ebenso offenkundig beim Umgang mit Wörtern und Sprachregeln oder beim Erkennen von Gegenständen und Situationsverläufen“ (Görz, Schmid & Wachsmuth, 2014, S. 4). Das Ziel der KI ist die Simulation des menschlichen Gehirns. Schließlich möchte man menschlich intelligente Prozesse nachahmen. Dazu müssen technische Lösungen entwickelt werden, die es möglich machen, mentale Prozesse und Verhaltensweisen, die denen von Menschen entsprechen, mit Hilfe von Algorithmen20 zu operationalisieren (vgl. Görz et al., 2014, S. 1 -18).

Da es bislang keine allgemeingültige Definition von menschlicher Intelligenz gibt, macht dies auch eine eindeutige Begriffsdefinition der KI umso schwieriger. Der amerikanische Computer-Pionier Marvin Minsky, der den Begriff der KI prägte, beschreibt diese als Wissenschaft “of making machines do things that would require intelligence if done by men” (Minsky, 1968 zitiert nach Whitby, 1996, S. 20).

Oder präziser gesagt: „Künstliche Intelligenz ist die Untersuchung von Berechnungsverfahren, die es ermöglichen, wahrzunehmen, zu schlussfolgern und zu handeln“ (Görz et al., 2014, S. 1).

In der Philosophie unterscheidet man zwischen einer schwachen und einer starken KI (weak and strong AI). Die schwache KI -Hypothese ist die Behauptung, dass Maschinen so ähnlich reagieren können als wären sie menschlich intelligent. Maschinen mit schwacher KI können beispielsweise eigenständig mathematische Lösungen für Probleme finden, Algorithmen verbessern und eigenständig neue Algorithmen generieren. Derartige Funktionen können bereits als eine Form von Intelligenz angesehen werden. Der aktuelle Stand der Technik zeigt, dass es eine Vielzahl von technologischen Anwendungen mit schwacher KI gibt und dass die Anwendungsbereiche und die Kapazitäten dieser Technik stetig weiterentwickelt werden. Virtuelle Assistenten im Eigenheim oder in der Arbeitswelt, intelligente Benutzeroberflächen in virtuellen Welten, Drohnen, Rettungs- und Pflegeroboter sind nur ausgewählte Beispiele, wo sich im Alltag Formen von schwacher KI finden lassen (vgl. Ramge, 2018, S. 19 f.). Festzuhalten ist, dass der schwachen KI keine Fähigkeiten der menschlichen Intelligenz wie beispielsweise„Kreativität“,„Bewusstsein“(Görzetal.,2014.S.4)oder„Intentionalität“(Searle,1980,S. 417) zugeschrieben werden können. Hinzu kommt, dass nach dem aktuellen Forschungstand nur eine unzureichende neurowissenschaftliche Theorie über das menschliche Bewusstsein besteht, obwohl das Bewusstsein die fundamentale Grundlage unseres Erlebens darstellt (vgl. Strube, Ferstl, Konieczny & Ragni, 2014, S. 34). Dies macht eine Imitation des menschlichen Bewusstseins umsounwahrscheinlicher.

Die These der starken KI besagt, „dass Bewusstseinsprozesse nichts anderes als Berechnungsprozesse sind, die also Intelligenz und Kognition auf bloße Informationsverarbeitung reduziert. Ein solcher Nachweis konnte aber bisher nicht erbracht werden – die Behauptung, es sei im Prinzip der Fall, kann den Nachweis nicht ersetzen“ (Görz et al., 2014, S.4).

Demnach bleibt die Erfüllung der starken KI ausgestattet mit dem Masteralgorithmus einer Superintelligenz, die dem Menschen gleich ist und ihn letztendlich auch ersetzen könnte, Utopie.21

Die Unterscheidung von schwacher und starker KI wurde von dem amerikanischen Sprachphilosophen John Searle in seinem Paper Minds, Brains, and Programs (1980) eingeführt. In diesem Paper beschreibt Searle mittels des Gedankenexperiments The Chinese Room, dass eine Maschine nie ein Bewusstsein erreichen kann, selbst wenn sie den Turing Test bestehen würde.22 Folglich spricht sich Searle gegen die Möglichkeit von starker KI aus. Daran, dass ein Philosoph die Begriffsunterscheidung von starker und schwacher KI geprägt hat, zeigt sich, dass die Philosophie beziehungsweise die Angewandte Ethik sehr wohl ein Mitspracherecht haben, wenn es um die Entwicklung und die Zukunft der KI geht.

An dieser Stelle ist zu betonen, dass sowohl der Begriff der menschlichen Intelligenz als auch der KI vage ist, da es keine eindeutigen Definitionen gibt. Deswegen ist grundsätzlich Vorsicht geboten, wenn in der aktuellen Debatte sensible Begriffe wie „Intelligenz“ in Verbindung mit KI beziehungsweise Robotern verwendet werden. KI -Systeme verarbeiten Informationen auf Grundlage einer bestimmten Mustererkennung in den Symbolen, so dass dadurch bestimmte Probleme gelöst werden können. Aber bis jetzt können KI -Systeme noch nicht verstehen, welche sinnvolle Bedeutung die Symbole in der Realität haben, also in welchem Kontext diese Symbole sinnvoll zu verstehen sind.

Auch wenn die KI und die Robotik komplexe Probleme wie Gesichtserkennung in der Masse oder Übersetzungen von einer Sprache in eine andere lösen können, fehlen den Systemen dennoch die Fähigkeiten vernünftig über die Zielsetzungen ihrer Handlungen nachzudenken. Anders gesagt fehlt ihnen ein auf Gründe basiertes Handeln sowie ein vorausschauendes Denken (vgl. Christaller et al., 2001, S. 119 f.).

Eine Ausprägung der KI sind Roboter. Gerade in den letzten Jahren erfährt die Robotertechnologie eine rasante Entwicklung. Der Enthusiasmus der KI -Experten im Silicon Valley kennt keine Grenzen was die Fähigkeit von diesen technologischen Wundern in der nahen Zukunft betrifft. Doch was ist überhaupt unter einem Roboter zu verstehen?

3.2 Roboter

Bevor Roboter zur konkreten Wirklichkeit wurden und ihr Einsatz in unserer komplexen Lebenswelt nicht mehr wegzudenken ist, waren sie Bestandteil der Science-Fiction- Literatur. Der Begriff Roboter taucht als Wort „robota“ erstmals 1920 in dem Theaterstück „Rossum’s Universal Robots (R.U.R)“ des tschechischen Schriftstellers Karel Čapek auf. In diesem Stück entwickeln der Wissenschaftler Rossum und sein Sohn eine chemische Substanz, die sie zur Herstellung von Robotern verwenden. Das Ziel der beiden ist es, Roboter herzustellen, die den Menschen Gehorsam erweisen, dienen und alle schweren Arbeiten verrichten.23 Auch der russisch-amerikanische Biochemiker und Schriftsteller Isaac Asimov hat die Entwicklung der Robotertechnik und Maschinenethik durch seine Science-Fiction-Literatur maßgeblich beeinflusst. Er veröffentlichte zahlreiche Erzählungen, in denen er sich mit Maschinen und ihren künstlichen Gehirnen, sogenannten Robotern,auseinandersetzte.24

Asimov postulierte in seinen Robotergeschichten immer wieder die „Drei Gesetze der Robotik“, die als Grundlage der Entwicklung von Robotern dienten. Die drei Gesetze nach Asimov (1950) lauten wie folgt:

1. A robot may not injure a human being or, through inaction, allow a human being to come to harm.
2. A robot must obey the orders given it by human beings except where such orders would conflict with the First Law.
3. A robot must protect its own existence as long as such protection does not conflict with the First or Second Laws. (S. 40)

Die Roboter, die Asimov noch im Rahmen seiner Science-Fiction-Welt darstellte, sind Realität geworden. Heutzutage werden Roboter definiert als „sensumotorische Maschinen zur Erweiterung der menschlichen Handlungsfähigkeit. Sie bestehen aus mechatronischen Komponenten, Sensoren und rechnerbasierten Kontroll- und Steuerungsfunktionen. Die Komplexität eines Roboters unterscheidet sich deutlich von anderen Maschinen durch die größere Anzahl von Freiheitsgraden und die Vielfalt und den Umfang seiner Verhaltensformen“ (Christaller et al., 2001, S. 19). Darüber hinaus müssen nach dem Unesco Report (2017) Roboter folgende vier Eigenschaften erfüllen:

1. mobility, which is important to function in human environments like hospitals and offices;
2. interactivity, made possible by sensors and actuators, which gather relevant information from the environment and enable a robot to act upon this environment;
3. communication, made possible by computer interfaces or voice recognition and speech synthesis systems; and
4. autonomy, in the sense of an ability to ‘think’ for themselves and make their own decisions to act upon the environment, without direct external control. (S. 4)

Roboter können durchaus als intelligente, lernende Systeme bewertet werden. Sie sind als„wissensbasierte Modellsysteme konzeptionalisiert“ und sind durch „rechnerbasierte Technologien in interaktionsorientierter Hinsicht“ (Haun, 2013, S. 16) ausgestattet. Mittlerweile vergleichen Forschende an Universitäten das stark anwachsende Forschungsfeld der Roboter mit der „kambrischen Explosion“ (Pratt, 2015, S. 52 / 57). Heutzutage besteht und agiert eine Roboterpopulation, die sowohl dem Menschen als auch dem Tier ähnelt. Da ist beispielsweise Sophia, die aktuell als Roboterdame dem Menschen optisch und im Verhalten am meisten ähnelt. Ihr wurde 2017 als erster Roboter die Staatsbürgerschaft von Saudi-Arabien zugesprochen.25 Außerdem gibt es zahlreiche Roboter in realistischer Tierform wie beispielsweise Schildkröten, Schlangen, Krokodilbabys oder Orang-Utans, die zu Forschungszwecken im Tierreich ausgesetzt wurden.26

Da der Forschungs- und der Anwendungsbereich der Robotik komplex ist, müssten Asimovs Gesetze auf den Einsatz der modernen Robotik angepasst werden. Der Herausforderung, Gesetze sowohl für die Entwicklung als auch für den Einsatz moderner Roboter zu formulieren, hat sich bislang jedoch niemand gestellt.27 Bei der Ausarbeitung derartiger Gesetze muss vor allem auch die Meinung der Ethiker berücksichtigt werden.

Im Weiteren liegt der Fokus der Arbeit auf dem Einsatz von (humanoiden) sozialen und emotionalen Robotern in deutschen Altenpflegeheimen.

3.2.1 Humanoide Roboter

Humanoide Roboter sind Roboter, die so konstruiert sind, dass sie der Gestalt des Menschen möglichst ähnlich sind. Das Ziel von humanoiden Robotern ist die Imitation menschlicher Bewegungsabläufe. Die menschenähnliche Gestalt hat den Vorteil, dass diese Roboter in sämtlichen alltäglichen Aufgaben hilfreich sein können. So haben sie beispielsweise die Fähigkeit, Gegenstände zu greifen, zu heben und zu tragen oder das Einordnen von Gegenständen zu übernehmen. Denn humanoide Roboter sind mit (Greif)Armen ausgestattet. Darüber hinaus haben humanoide Roboter meist zwei „Beine“. Derartige menschenähnliche Eigenschaften bei Robotern sind wiederum problematisch, da sie mit hohen Erwartungen an den Roboter verbunden sind. Denn wenn Roboter ähnlich wie Menschen aussehen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man mit ihnen auch wie mit einem Menschen umgeht (vgl. Lenzen, 2018, S. 100 / S.229).

Darüber hinaus tritt bei der optischen Erscheinung eines Roboters das Phänomen des Uncanny Valley auf. Es besagt, dass je ähnlicher Roboter dem Menschen vom Aussehen her sind, desto stärker werden sie vom Menschen akzeptiert. Tritt allerdings eine zu starke Menschenähnlichkeit auf, wirkt sich das Aussehen negativ auf die Beliebtheit von Robotern aus. Dies wird in der folgenden Abbildung graphischdargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das Uncanny Valley (übernomen aus: MacDorman & Kageki, 2012, S. 98)

Die Kurve in der Abbildung zeigt die relative Beliebtheit eines Roboters im Vergleich zu seiner Menschenähnlichkeit. Am Anfang der Kurve stehen die Industrieroboter. Diese werden immer menschenähnlicher und die Beliebtheit der Roboter steigt bis zum humanoiden Roboter an. Danach fällt die Kurve. Sobald ein bestimmtes Maß an Menschenähnlichkeit erreicht ist, nimmt die Beliebtheit des Roboters rapide ab. Denn die Roboter werden nicht mehr als solche wahrgenommen, sondern als defizitäre Menschen beziehungsweise als „Zombies“. Dies führt zu Nichtakzeptanz, Unsicherheit und löst Ängste beim Umgang des Menschen mit dem Roboter aus, was eine Ablehnung des Roboters zur Folge hat (vgl. MacDorman & Kageki, 2012, S. 98 f.).28 Die tiefste Stelle im Verlauf der Kurve wird als „unheimliches Tal“, dem Uncanny Valley, bezeichnet. In der Erscheinungsform von Robotern dürfen Forschende ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Je menschenähnlicher Roboter entwickelt werden desto höher ist die Beliebtheit und Akzeptanz des Roboters beim Menschen – zu menschenähnlich sollten die Roboter nach dem Phänomen des „unheimlichen Tals“ jedoch nicht sein, da sie sonst als unheimlich und unglaubwürdig von den benutzenden Personen wahrgenommenwerden.

3.2.2 Soziale Roboter: Pflege- undTherapieroboter

Das Forschungsinteresse und die Entwicklung neuer Technologien im Bereich der Sozialen Robotik (engl. social robotics) nimmt stark zu. Das Ziel der Sozialen Robotik ist es, künstlich intelligente Maschinen zu entwickeln, die in ihrem Aussehen und ihren Handlungen gesellschaftlich verträglich sind und mit dem Menschen friedlich zusammen leben. Die Aufgabe der Sozialen Robotik ist somit, „richtig und gut handelnde Maschinen“ (Bendel, 2014a, S. 28) zu konstruieren, die mit dem Menschen auf einem anspruchsvollen Niveau interagieren können (vgl. Sparrow & Sparrow, 2006, S. 142). Der Bereich der Maschinenethik befasst sich damit, Vorschläge für die Entwicklung von sozialen Robotersystemen zu geben, damit sich Roboter gegenüber Menschen und Tieren moralisch adäquat verhalten (vgl. Bendel, 2014a, S. 28). Soziale Roboter sollen soziale Dienste für die Gesellschaft leisten. Sie sollen dem Menschen dienen, ihn unterhalten und ihm helfen (vgl. Markowitz, 2015, S. 21). Darüber hinaus ist es die Aufgabe sozialer Roboter sowohl physische als auch psychische Schmerzen zu lindern und überhaupt das Leiden von Menschen zu vermeiden. Dies setzt voraus, dass soziale Roboter mit den Menschen sensibel umgehen (vgl. Bendel, 2014a, S. 28). Sowohl Pflege- als auch Therapieroboter können in die Kategorie sozialer Roboter zugeordnet werden. Pflegeroboter sollen unter anderem in der Altenpflege eingesetzt werden. Die Altenpflege stellt einen Bereich im Pflegesektor dar und umfasst die Versorgung und Betreuung von kranken und alten Menschen. Zentrale Aufgaben sind dabei „die Herstellung von Abwechslung, die Förderung von Wohlbefinden und Gesundheit, die Verhütung und Bekämpfung von Krankheit und Leid sowie, nach der Vorstellung einiger Parteien und Patienten, die Hinauszögerung des Tods. Dabei sollen die Interessen der Pflegebedürftigen ernst- und wahrgenommen werden“ (Bendel, 2018, S.204).

Im Pflegeprozess sollen Pflegeroboter die menschlichen Pflegekräfte unterstützen. Deswegen sind sie mit Funktionen ausgestattet, die beispielsweise die Darreichung von Nahrungsmitteln oder Medikamenten umfasst. Auch können sie bei Routineaufgaben wie dem Hinlegen, Umbetten oder Aufrichten von Patienten assistieren. Aufgrund ihrer assistierenden Fähigkeiten werden solche Roboter auch als Assistenzroboter bezeichnet. Darüber hinaus sollen Pflegeroboter die Patienten auch unterhalten. Deswegen besitzen einige Pflegeroboter sprachliche Fähigkeiten um zu kommunizieren (vgl. Bendel, 2018, S. 206). Durch Deep Learning Systeme können Roboter vom Umgang mit dem Menschen lernen und ihre Robotersprache verbessern. Denn der Wortschatz und somit die Kommunikationsfähigkeit steigert sich, je mehr Input der Mensch dem Roboter gibt. Darüber hinaus sind Pflegeroboter meist mit dem Internet verbunden und stellen somit eine auditive und visuelle Schnittstelle zum Pflegepersonal und zu Angehörigen dar (vgl. Bendel, 2018, S. 206). Der Pflegeroboter Pepper beispielsweise hat ein Tablet auf der Brust, worüber Video-Anrufe zu Ärzten oder zu Angehörigen getätigt werden können (vgl. Vesper, Hoffmann & Müller, 2017, S. 2). Pflegeroboter werden auch dem Bereich der emotionalen Robotik zugeordnet. Ihnen wird maschinelles Erkennen von menschlichen Emotionen, beispielsweise ausgelöst durch ein Lachen des Menschen, zugeschrieben (vgl. Bendel, 2014b, S. 23). Aufgrund der Komplexität dieser Roboter im Design und der Komplexität in der Anwendung existieren Pflegeroboter in Deutschland derzeit meist als Prototypen, die auf Messen und Konferenzen vorgestellt werden (vgl. Bendel, 2018, S. 206).

Im Gegensatz dazu werden Therapieroboter bereits seit 2014 in Deutschland in der Altenpflege eingesetzt. Unter dem Begriff Therapie versteht man „Maßnahmen zur Behandlung von Verletzungen, Krankheiten sowie Fehlstellungen und -entwicklungen. Ziele sind die Ermöglichung oder Beschleunigung einer Heilung, die Beseitigung oder Linderung von Symptomen und die (Wieder-)Herstellung der gewöhnlichen bzw. gewünschten physischen oder psychischen Funktion“ (Bendel, 2018, S. 202). Therapieroboter werden konstruiert, um Pflegebedürftige bei diesen Maßnahmen zu unterstützen oder selbst therapeutische Maßnahmen anzuwenden. Von ihrem Aussehen ähneln sie traditionellen Therapiegeräten. Darüber hinaus verfügen sie oft über „mimische, gestische und sprachliche Fähigkeiten“ (Bendel, 2018, S. 202). Ihnen wird eine beruhigende und therapeutische Wirkung zugeschrieben.

Hinsichtlich Aussehen, Bewegungs- und Interaktionsmöglichkeit werden sie so entwickelt, dass Pflegebedürftige dazu neigen, ihnen menschliche Eigenschaften und mentale Zustände zuzuschreiben, denn Therapieroboter können auf den Menschen täuschend echt wirken (vgl. Schuster, 2016, S.4).

Im Folgenden werden aus dem Bereich der Sozialen Robotik beispielhaft der Pflegeroboter Pepper und der Therapieroboter Paro, die beide in deutschen Altenpflegeheimen eingesetzt werden, vorgestellt.

4 Roboter in der Altenpflege: Status Quo

„Die Stunde des Roboters.“ (Sherry Turkle, Technologieexpertin, 2012)

4.1 Pflegeroboter: Pepper

Im Herbst 2017 startete ein besonderes Pilotprojekt in Deutschland. Erstmals soll ein humanoider Roboter ältere Menschen in einem Altenpflegeheim unterstützen (vgl. Vesper et al., 2017, S. 1 - 7). Der Name des Roboters ist Pepper. Pepper wurde in Japan von der Firma SoftBank Robotics entwickelt und 2014 in Tokio erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In Japan wird Pepper als persönlicher Assistent bereits in mehr als 140 SoftBank Mobile Stores eingesetzt. Hier fungiert er als Serviceroboter. Er heißt die Gäste willkommen, informiert sie und bei Bedarf spielt Pepper auch den Entertainer.29 Mittlerweile wird Pepper beispielweise auch in Bayern als Serviceroboter in diversen Filialen der Imbiskette YORMA‘S eingesetzt.30 Folglich nimmt der Einsatz von Pepper in sämtlichen Lebensbereichen auch in Deutschland zu.

Pepper ist ein 1,20 Meter großer Humanoide auf Rollen mit großen Kulleraugen, die ihre Farbe ändern können. Links und rechts am Kopf hat er jeweils eine runde Fläche, die an „Ohren“ erinnern und auch die Farbe wechseln können. Darüber hinaus hat er zwei Hände mit jeweils 5 Fingern und ein Tablet auf der Brust (vgl. Ramge, 2018, S. 76 f.). Der Roboter erfüllt das „Kindchenschema“ – er sieht süß aus und spricht in hoher Stimmlage (vgl. Vesper et al., 2017, S. 2).

Die eingebauten Motoren sowie zahlreiche Gelenke sorgen dafür, dass Pepper beweglich ist. Schließlich soll Pepper die Menschen auch unterhalten, beispielsweise durch eine Tanzeinlage (vgl. Ramge, 2018, S. 77).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Roboter Pepper (SoftBank Robotics, 2018)31

Pepper ist ein Roboter, der die Menschen durch seine Anwesenheit glücklich machen soll. Das Besondere an dem System hinter Pepper ist, dass es Mimik, Gestik und Tonfall des menschlichen Gesprächspartners analysiert und daraus die Emotionslage seines Gegenübers errechnet, um darauf zu reagieren. Falls der Gesprächspartner traurig wirkt, kann Pepper darauf reagieren und beispielsweise einen Tanz aufführen oder Luftgitarre spielen, um den Menschen aufzuheitern. Als Kreation der emotionalen Robotik wird Pepper auch eingesetzt, um den Lernerfolg beim Menschen zu erhöhen. Pepper kann hier geduldig und motivierend wirken, Empathie simulieren oder auch Strenge zeigen (vgl. Ramge, 2018, S. 77). Darüber hinaus besitzt Pepper die Fähigkeit zu kichern (vgl. Vesper et al., 2017, S. 2). Pepper ist so programmiert, dass er seine Umgebung und den Raum samt seinen Gegenständen und Menschen, in dem er sich bewegt, wahrnimmt. So sind fließende Bewegungen des Roboters möglich (vgl. Vesper et al., 2017, S.2).

Desweiteren ist der Roboter selbst ein Ding im „Internet der Dinge“ (Internet of things).32 Pepper kann auf Informationen im Internet zugreifen. Informationen, die er bereits gesammelt hat, kann er auswerten, miteinander kombinieren und an die entsprechende Stelle kommunizieren. Auf Basis seines bereits gesammelten Wissens kann Pepper bis zu einem gewissen Grad also „selbstständig“ handeln (vgl. Vesper et al., 2017, S. 2).

Wie die smarten Lautsprecher, Alexa von Amazon 33 oder Google Home 34 , verfügt Pepper über ausgeprägte Konversationsmöglichkeiten. Je konkreter das Themenfeld des Gesprächs definiert ist, desto präzisere Antworten kann Pepper geben. Um die Konversationsfähigkeit und die Qualität seiner Antworten zu verbessern, ist Pepper ständig mit dem Internet verbunden. Darüber hinaus kann Pepper als intelligentes Assistenzsystem diverse Serviceleistungen verrichten, wie das Licht ein- und ausschalten, die Jalousien bedienen oder den Fernseher einstellen. Einige ältere Menschen betonen, dass sie mit derartigen Serviceleistungen von Pepper zufrieden sind, denn Pepper bedeutet für sie ein Stück mehr Freiheit. Dabei ist zu betonen, dass für pflegebedürftige Menschen die Annahme von menschlicher Unterstützung oft als Verlust der Selbstständigkeit wahrgenommen wird, während die Hilfe von technischen Geräten als Erhalt der Selbstständigkeit eher akzeptiert wird (vgl. Vesper et al., 2017, S. 1 -3).

Es wird sogar bestätigt, dass es älteren Menschen durch den Einsatz von Pepper auch gesundheitlich besser geht, da Pepper sie beispielsweise daran erinnert zu trinken oder die Raumtemperatur anpasst (vgl. Vesper et al., 2017, S. 3). Zudem sind Serviceroboter wie Pepper durchgängig einsetzbar und die Qualität der Dienstleistung des Roboters ist konstant (vgl. Bendel, 2014b, S. 23). Dies wiederum bedeutet auch Sicherheit für die Angehörigen der zu pflegenden Patienten, da diese wissen, dass der Patient rund um die Uhr unterstützt wird und der Roboter im Notfall Hilfe rufen kann (vgl. Vesper et al., 2017, S. 3).

Somit kann Pepper dem Pflegepersonal Routinetätigkeiten bei Tag und Nacht abnehmen und dadurch zeitlich entlasten. Für das Pflegepersonal bleibt theoretisch mehr Zeit für den zwischenmenschlichen Kontakt mit dem pflegebedürftigen Menschen. Diese Vorteile könnten zu einer besseren Pflege für die Patienten führen. Darüber hinaus ist Pepper mit Anschaffungskosten von ca. 20.000 Euro bereits wirtschaftlich rentabel.35

Gründe der Kostenminimierung und der Effizienz dürfen nicht die einzigen sein, wenn es um die Pflege des alten und kranken Menschen geht. Es muss diskutiert werden, inwiefern es dem Patienten ermöglicht wird, ein gutes und wertvolles Leben im Alter zu führen, wenn er von einem Roboter gepflegt wird. Deswegen wird im Laufe der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen, wie der Einfluss von Pepper in der Altenpflege auf zentrale Capabilities ethisch zu bewerten ist (siehe Kapitel6.3.1.).

4.2 Therapieroboter: Paro

Paro wurde von einer der größten öffentlichen japanischen Forschungseinrichtungen AIST (Advanced Industrial Science and Technology) entwickelt und bereits 2001 als „erster therapeutischer Roboter“ (Turkle, 2011, S. 8) der Öffentlichkeit vorgestellt. Therapieroboter werden – anders als beispielsweise Serviceroboter wie Pepper – nicht dafür eingesetzt, um für den Menschen Arbeit zu leisten, sondern um therapeutisch mit ihm zu arbeiten. Die Roboterrobbe aus Japan ist technisch einfach zu handhaben. Sie verfügt lediglich über eine Ein- und Ausschalttaste. Aufgeladen wird sie über einen Adapter. Es besteht die Garantie, dass sie mindestens 10 Jahre einsatzfähig ist. Als Therapieroboter wird sie in einigen Ländern wie Japan, Schweden, Italien, USA und auch Deutschland bereits erfolgreich eingesetzt (vgl. Shibata & Wada, 2011, S. 381 -384).

Paro ist eine 60 cm lange Roboterrobbe, die durch ihr flauschig-kuscheliges Kunstfell, das schmutz-und bakterienabweisend ist, zum Streicheln einlädt. Unter ihrem Fell befindet sich ein System taktiler Sensorik, sodass die Robbe auf Berührungen, wie Streicheleinheiten mit robbenähnlichen Bewegungen der Flossen, des Schwanzes, der Augen oder der langen Wimpern reagieren kann. Zudem nimmt die Roboterrobbe menschliche Stimmen wahr und kann Blickkontakt zu der Person, die mit ihr spricht, aufnehmen. Darüber hinaus kann der Roboter auch Geräusche von sich geben, die einer Sattelrobbe ähneln. Der Vorteil von Paro ist, dass sie „emotional“ unterschiedlich reagieren kann, je nachdem wie sie behandelt wird. Das heißt, dass Paro erkennt, ob sie sanft oder aggressiv gestreichelt wird und darauf dementsprechend reagiert. So gibt Paro beim sanften Streicheln ein wohlwollendes Brummen von sich. Auf aggressives Streicheln reagiert der Roboter mit Fiepen (vgl. Shibata, Kawaguchi & Wada, 2012, S. 54 f. / Shibata & Wada, 2011, S. 382). Zudem merkt sich Paro den Namen den man ihr gibt und reagiert auf diesen. Im Gegensatz zum humanoiden Roboter Pepper kann durch Paro der Effekt des Uncanny Valley vermieden werden. Benutzer richten an die Roboterrobbe keine menschlichen Erwartungen. Paro erscheint den Nutzern nicht als unheimlich, sondern stößt im Gegenteil auf große Akzeptanz (vgl. Bendel, 2018, S. 202). Die Empirie zeigt, dass beim Streicheln der Roboterrobbe eine tiefe Verbindung zwischen Mensch und Roboterrobbe entsteht, die therapeutisches Potential hat (vgl. Turkle, S. 2011, S.9).

Als Therapieroboter wurde Paro speziell für ältere, kranke und emotional angeschlagene Menschen entwickelt. Bei der Interaktion mit der Roboterrobbe sollen die Patienten ein Gefühl der Wärme und Zuneigung bekommen. Aktuelle Studien aus sieben Ländern zeigen, dass die soziale Interaktion und das Kommunikationsverhalten des Patienten gesteigert wird, sich die Stimmung bessert und Depressionen abnehmen, sobald der Erkrankte regelmäßig von der Roboter-Robbe therapiert wird. Auch wurde in zahlreichen Studien festgestellt, dass durch die Interaktion mit Paro der Stresslevel bei den Versuchspersonen gesunken ist. Darüber hinaus sank auch der wahrgenommene Stress des Pflegepersonals, da die Patienten während sie sich mit Paro beschäftigten, weniger Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Studien aus Japan, UK, Schweden, Italien, Korea, Brunei und den USA kamen zu denselben positiven Ergebnissen, was darauf zurückschließen lässt, dass Kultur und Religion keinen Unterschied auf die positive Wirkung von Paro haben. Mittlerweile wird die Roboter-Therapie als neue und erfolgreiche Therapieform im Bereich psychischer Erkrankungen bei älteren Menschen weltweit eingesetzt. Insbesondere bei der Pflege und Therapie von Patienten mit Demenz wurde der Einsatz von Paro als sehr vielversprechend bewertet (vgl. Shibata & Wada, 2011, S. 381 -385).

Die Krankheit Demenz ist eine große Herausforderung für den Bereich der Altenpflege. Weltweit sind ungefähr 46 Millionen Menschen davon betroffen. Aktuellen Schätzungen zufolge steigt die Anzahl der Erkrankungen bis 2050 auf weltweit 131,5 Millionen an.36 Demenz ist eine Krankheit, die den Rückgang der höheren Gehirnfunktionen zur Folge hat. Kognitive Fähigkeiten, wie zum Beispiel das Erkennen, Erinnern, Sprechen oder Lernen sowie auch emotionale und soziale Fähigkeiten können durch die Demenz eingeschränkt werden. Symptome für eine Demenz sind unter anderem Persönlichkeitsstörungen, Halluzinationen, paranoide Vorstellungen, Aggressionen, Veränderungen der Gemütslage und Inkontinenz (vgl. Shibata & Wada, 2011, S. 383). Dennoch hängen die Symptome einer Demenz von der Art der Erkrankung ab, da es ca. 100 verschiedene Demenzformen mit unterschiedlichen Ursachen gibt. Die häufigste Ursache für Demenz ist Alzheimer mit einer Quote von 50-60% aller Betroffenen.37

Bislang handelt es sich bei der Demenz um eine fortschreitende, nicht heilbare Krankheit. Patienten mit fortgeschrittener Demenz benötigen meist eine Vollzeitpflege in einer entsprechenden Einrichtung. Der Krankheitsverlauf einer Demenz kann neben der Behandlung mit bestimmten Medikamenten wie Donepezil oder durch Maßnahmen wie körperliche Aktivität, die Einhaltung bestimmter Diäten beziehungsweise auch durch Kunst- oder Musiktherapie verlangsamt werden (vgl. Shibata & Wada, 2011, S. 383). Festzuhalten ist, dass die Pflege von dementen Patienten für alle Beteiligten äußerst fordernd ist. Nicht selten stoßen Angehörige und das Pflegepersonal an die Grenzen des Machbaren. Neue therapeutische Hilfsmittel, welche die Pflege dementer Patienten vereinfachen und verbessern, sind in diesem Bereich dringend nötig.

Die Therapie mit Paro zeigt in der Praxis positive Effekte auf Demenzpatienten. Denn Paro spendet durch seine beruhigende Art Aufmerksamkeit, Zuwendung und Geborgenheit. Dadurch gelingt es der Roboterrobbe den oft depressiven, dementen Menschen aufzuheitern, beziehungsweise überhaupt einen Zugang zu ihm zu bekommen.38

[...]


1 Siehe PricewaterhouseCoopers. (2018 ). Auswirkungen der Nutzung von künstlicher Intelligenz in Deutschland. S. 4 & 11. Verfügbar unter https://www.pwc.de/de/business-analytics/sizing-the-price-final-juni-2018.pdf [31.08.2018].

2 Siehe Die Tagesschau. (04.12.2018). Künstliche Intelligenz: Digitalgipfel der Bundesregierung. Verfügbar unter https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-479285.html [05.12.2018].

3 Siehe Handelsblatt. (29.11.2018). 20 Milliarden bis 2020 – Das ist die KI-Strategie der EU. Verfügbar unter https://www.handelsblatt.com/politik/international/kuenstliche-intelligenz-made-in-europe-20-milliarden-bis-2020-das-ist-die-ki-strategie-der-eu/23696932.html [05.12.2018].

4 Siehe BGW Forschungsbericht. (2017). Pflege 4.0 – Einsatz moderner Technologien aus der Sicht professionell Pflegender. Verfügbar unter https://www.bgw-online.de/SharedDocs/Downloads/DE/Medientypen/BGW%20Broschueren/BGW09-14- 002-Pflege-4-0-Einsatz-moderner-Technologien_Download.pdf?blob=publicationFile [25.10.2018].

5 In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und andere Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

6 Siehe Die Bundesregierung. (06.08.2018). „So wird "Pepper" zum Helfer im Seniorenheim“. Verfügbar unter https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2018/08/2018-08-03-roboter-in-der-pflege.html [07.08.2018].

7 In der vorliegenden Arbeit wird nicht diskutiert, ob der Einsatz von Pflegerobotern und somit die Investition in Höhe von Milliarden von Euro in die Roboterforschung als Lösungsstrategie für den Pflegenotstand in Deutschland aus Gründen der Verteilungsgerechtigkeit ethisch akzeptabelist.

8 Siehe Statistisches Bundesamt. (2015). Bevölkerung Deutschlands Bis 2060. 13. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung. S. 6 - 8, S. 19. Verfügbar unter https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/VorausberechnungBevoelkerung/BevoelkerungDeutschland2060Presse5124204159004.pdf?blob=publicationFile [31.08.2018].

9 Studie der BertelsmannStiftung. (2012). Themenreport „Pflege 2030“. S. 6, S. 13, S. 25. Verfügbar unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Themenreport_Pflege_2030.pdf [31.08.2018].

10 Mit älteren Menschen sind in der vorliegenden Arbeit Menschen im dritten Lebensalter gemeint. Also Menschen ab 65 Jahren. Siehe Gesundheitsberichterstattung des Bundes. (2009). Gesundheit und Krankheit im Alter. S. 11. Verfügbar unter https://www.destatis.de/GPStatistik/servlets/MCRFileNodeServlet/DEMonografie_derivate_00000153/Gesundheit_und_Krankheit_im_Alter.pdf%3Bjsessionid=756BDD3B1DEDADFFE9C287CA17413B89 [19.01.2019].

11 Siehe Der Tagesspiegel. (05.02.2018). Überbelastet, unterbezahlt. Verfügbar unter https://www.tagesspiegel.de/politik/pflegekonzept-von-union-und-spd-ueberlastet-unterbezahlt/20924818.html[21.09.2018].

12 Siehe Studie der BertelsmannStiftung. (2012). Themenreport „Pflege 2030“. S. 11. Verfügbar unterhttps://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/GP_Themenreport_Pflege_2030.pdf [31.08.2018].

13 Siehe Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (2017). MDS-Pflege-Qualitätsberichte. S. 1 - 11. Verfügbar unterhttps://www.mds-ev.de/themen/pflegequalitaet/mds-pflege-qualitaetsberichte.html [20.09.2018].

14 Siehe Der Tagesspiegel. (01.02.2018). Zehntausende Pflegebedürftige sind schlecht versorgt. Verfügbar unter https://www.tagesspiegel.de/politik/missstaende-in-heimen-zehntausende-pflegebeduerftige-sind- schlecht-versorgt/20917648.html [20.09.2018].

15 Siehe Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen. (2017). MDS-Pflege- Qualitätsberichte. S. 1 - 11. Verfügbar unter https://www.mds-ev.de/themen/pflegequalitaet/mds-pflege-qualitaetsberichte.html [20.09.2018].

16 Siehe World Factbook. (2017). Japan. Verfügbar unter https://www.cia.gov/llibrary/publications/the-world-factbook/geos/ja.html [03.11.2018].

17 Siehe Business Insider. (06.06.2018). Japan's demographic time bomb is getting more dire, and it's a bad omen for the country. Verfügbar unter https://www.businessinsider.de/japans-population-is-shrinking- demographic-time-bomb-2018-6?r=US&IR=T [03.11.2018].

18 Siehe SUMIKAI. (07.02.3018). Japan – Bis 2020 sollen 80% der Senioren von Robotern gepflegt werden. Verfügbar unter https://sumikai.com/nachrichten-aus-japan/japan-bis-2020-sollen-80-der-senioren-von-robotern-gepflegt-werden-212175/ [03.11.2018].

19 Siehe World Factbook. (2017). Germany. Verfügbar unter https://www.cia.gov/library/Publications/the- world-factbook/geos/gm.html [03.11.2018].

20 Unter einem Algorithmus versteht man eine „wohldefinierte Rechenvorschrift, die eine Größe oder eine Menge von Größen als Eingabe verwendet und eine Größe oder eine Menge von Größen als Ausgabe erzeugt. Somit ist ein Algorithmus eine Folge von Rechenschritten, die die Eingabe in die Ausgabe umwandeln“ (Cormen, Leiserson, Rivest & Stein, 2010, S.5).

21 Nick Bostrom, Professor für Philosophie an der University of Oxford, skizziert in seinem Werk Superintelligence mögliche Szenarien wie die Entwicklung eines Masteralgorithmus beziehungsweise einer Superintelligenz aussehen könnte und was die Folgen der Entwicklung einer Superintelligenz sein könnten. Für einen genaueren Einblick in diese Zukunftsvision siehe Bostrom, N. (2014). Superintelligence. Oxford: Oxford University Press.

22 Alan Turing entwickelte 1950 den sogenannten Turing Test. Durch diesen Test wollte Turing zeigen, dass eine Maschine das gleiche Denkvermögen wie ein Mensch besitzen kann. Der Test läuft so ab, dass ein Mensch über eine Tastatur Fragen an zwei unbekannte Gesprächspartner, wovon einer eine Maschine und der andere ein Mensch ist, stellt. Ohne Sicht- und Hörkontakt zu den Gesprächspartnern soll die Testperson allein durch Fragen herausfinden, bei welchem Gegenüber es sich um eine Maschine oder um einen Menschen handelt. Bis heute hat keine Maschine in einem Wettbewerb den Turing Test mit 100% Sicherheit bestanden. Für weitere Informationen zum Turing Test siehe Turing, A. (1950). Computing Machinery and Intelligence. Mind, 59 (236), S. 433 -460.

23 Čapek, K. (1977). Kollektivdrama mit einem Vorspiel und drei Akten. Übersetzt von G. Just. Berlin: Henschelverl. Der Urheber des Begriffs Roboter ist allerdings der Bruder von Karel Čapek, Josef Čapek. Karel Čapek verwendete das Wort nur erstmals in einem literarischen Werk, das erfolgreich veröffentlicht wurde (vgl. Margolius, I. (17.08.2017). The Robot of Prague. Newsletter, The Friends of Czech Heritage no. 17, Autumn 2017, S. 3 - 6. Verfügbar unter https://czechfriends.net/images/RobotsMargoliusJul2017.pdf [02.09.2018]).

24 Zu seinen bekanntesten Erzählungen mit Robotern zählen die Werke Robbie (1940), I, Robot (1950) oder The Bicentennial Man (1976).

25 Sophia wurde 2016 von Hanson Robotics (Honkong) der Öffentlichkeit vorgestellt. Sophia ist ein humanoider Roboter in Frauengestalt, der auf bestimmte Fragen antworten und bis zu einem gewissen Grad Gespräche führen kann. Sophia ist der Roboter, der bislang am besten menschliche Gestik und Mimik nachahmen kann. Siehe Hanson Robotics. Sophia. Verfügbar unter http://sophiabot.com/ [31.08.2018].

26 Siehe BBC Reportage. (Erstausstrahlung, 2017). Spy in the Wild. Verfügbar unter http://jdp.co.uk/programmes/spy-in-the-wild [03.09.2018]. Hier wurden über 30 Tierroboter als Spione in das Tierreich ausgesetzt, um die Emotionen bestimmter Tierarten besser zu erforschen. Auch derartiges menschliches Eingreifen in die Tierwelt zu Forschungszwecken bedarf einer ethischen Diskussion. Diese ethische Diskussion wird im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht fortgeführt.

27 Die EU fordert Gesetze für Roboter und Künstliche Intelligenzen auf EU-Ebene. Darüber hinaus fordert die EU die Schaffung einer eigenen Behörde für „Robotik und künstliche Intelligenz“. Siehe Spiegel Online. (16.12.2017). Warum das EU-Parlament Gesetze für Roboter fordert. Verfügbar unterhttp://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/kuenstliche-intelligenz-eu-parlament-fordert-regeln-fuer-roboter- technologie-a-1134949.html[10.01.2019].

28 Der japanische Roboter-Experte Masahiro Mori hat 1970 erstmals das Phänomen des Uncanny Valley in einem unbedeutenden japanischen Journal beschrieben. Damals erhielt er für sein Phänomen kaum Aufmerksamkeit. Doch seit kurzem steht das Phänomen des Uncanny Vall ey wieder zur Diskussion. MacDorman und Kageki haben den Beitrag von Mori ins Englische übersetzt. Siehe MacDorman, K. F., Kageki, N. (2012). The Uncanny Valley. IEEE Robotics & Automation Magazine, 19 (2), S. 98 - 100.

29 Siehe SoftBank Robotics. Pepper. Verfügbar unter https://www.softbankrobotics.com/emea/en/pepper [31.08.2018].

30 Demnächst wird Pepper als Serviceroboter im Alltagsgeschäft einer YORMA‘S Filiale am Münchner Hauptbahnhof eingesetzt. Dort wird er Kunden zu den Produkten informieren und sie unterhalten. Siehe Pressemitteilung YORMA’S. (09.03.2018). „Pepper“ peppt Yorma‘s auf. Verfügbar unter https://www.yormas.de/wp-content/uploads/2018/08/pnp-pepper-peppt-yormas-auf-2018.pdf [07.10.2018].

31 Siehe SoftBank Robotics (2018). Pepper. Verfügbar unter https://www.softbankrobotics.com/emea/en/pepper [31.08.2018].

32 Der britische Technologie-Pionier Kevin Ashton prägte den Begriff des “Internet of things”, 1999. Gemeint ist damit die Vernetzung von physischen Objekten (things) mit virtuellen System (vgl. Sundmaeker, Guillemin, Friess, Woelfflé, 2010, S. 12). „Da auch zunehmend Personen, Betriebe, Prozesse, Gebäude, Fahrzeuge und Gegenstände aller Art über eine virtuelle Identität verfügen und sich gegenseitig abstimmen können, läuft die Entwicklung in Richtung des Internet alles Seienden (engl. Internet of Everything; Abkürzung IoE)“ (Hansen, Mendling & Neumann, 2015, S.22).

33 Alexa ist eine digitale Assistentin der Firma Amazon Inc. Sie ist permanent mit dem Internet verbunden und kann per Sprachsteuerung auf bereits genutzte Dienste und Informationen zurückgreifen. Mittels eines Sprachbefehls kann man mit Alexa Musik streamen, aktuelle Nachrichten abrufen, Erinnerungen und Termine verwalten, über Amazon einkaufen oder auch Wissensfragen stellen. Alexa gibt es seit 2016 auf dem deutschen Markt. Siehe Amazon Inc. Amazon Alexa. Verfügbar unter https://developer.amazon.com/de/alexa [24.10.2018].

34 Google Home ist ähnlich wie Alexa ein digitaler Assistent, entwickelt von der Firma Google LLC. Auch Google Home kann unter anderem sämtliche Wissensfragen beantworten, die gewünschte Musik abspielen, Einkaufs- oder To-Do-Listen organisieren und diverse Smart Home Geräte steuern. Seit 2017 wird Google Home auch in deutscher Sprache verkauft. Siehe Google LLC. Google Home. Verfügbar unter https://store.google.com/product/google_home [24.10.2018].

35 Mehr Informationen zum Kauf von Pepper siehe Génération Robots. Humanoider Roboter Pepper For Business mit 2-jähriger Garantie. Verfügbar unter https://www.generationrobots.com/de/402422- humanoider-roboter-pepper.html [02.06.2018].

36 Mehr Informationen zum Kauf von Pepper siehe Génération Robots. Humanoider Roboter Pepper For Business mit 2-jähriger Garantie. Verfügbar unter https://www.generationrobots.com/de/402422- humanoider-roboter-pepper.html [02.06.2018].

37 Siehe Alzheimer’s Disease International (ADI). About dementia. Verfügbar unter https://www.alz.co.uk/about-dementia [09.11.2018].

38 Mehr Informationen zum Therapieeinsatz von Paro bei Patienten mit Demenz siehe Jehle, C. (2014 ). DiePflegerobbe Paro - ein unmoralisches Angebot? Telepolis. Verfügbar unter https://www.heise.de/tp/features/Die-Pflegerobbe-Paro-ein-unmoralisches-Angebot-3368674.html[31.08.2018].

Ende der Leseprobe aus 95 Seiten

Details

Titel
Wie Pflegeroboter die Lebensqualität im Alter sichern können. Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Altenpflege
Autor
Jahr
2020
Seiten
95
Katalognummer
V536553
ISBN (eBook)
9783964872173
ISBN (Buch)
9783964872180
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Künstliche Intelligenz, AI, KI, Roboter, Pflege, Therapie, Menschenwürde, Lebensqualität im Alter, soziale Interaktion, Verantwortung, Capabilities Approach, Martha Nussbaum, humanoide Roboter, Pflegenotstand
Arbeit zitieren
Nicole Kaczmar (Autor), 2020, Wie Pflegeroboter die Lebensqualität im Alter sichern können. Empfehlungen für einen verantwortungsvollen Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Altenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536553

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