Starker Gott, schwacher Mose? Das Gottesbild und die Darstellung Moses

Eine exegetische Untersuchung von Numeri 25


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Abgrenzung und Einordnung der Perikope

3. Klärung einiger Begriffe

4. Die Schichtung der Perikope als Schlüssel
4.1. Gliederung der Perikope
4.2. Untersuchung der Entstehung

5. Mosebild - Gottesbild
5.1. Der Priester Pinhas
5.2. Das Mosebild
5.3. Das Gottesbild

6. Fazit

7. Verzeichnis der verwendeten Literatur
7.1. Bibelausgaben
7.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Ausgesetzt in einem Weidenkörbchen auf dem Nil, gefunden und aufgezogen von der Tochter des Pharaos, vom Gott in Gestalt des brennenden Dornbusches dazu auserwählt das Volk Israels aus der Sklaverei zu führen und dazu erkoren die Zehn Gebote von Gott zu erhalten und weiterzugeben. Die Rede ist von Mose, einer der bekanntesten Personen des Alten Testaments. Bereits in der Schulzeit lernt man die Geschichte des Mannes, der das rote Meer teilte und die Steintafeln mit den Zehn Geboten erhielt. Diese Geschichte, von der Aussetzung im Weidenkörbchen bis zur Verehrung des goldenen Kalbs durch die Israeliten können viele Menschen problemlos wiedergeben Doch die Person Mose ist weit mehr, als die Geschichte des Buches Exodus. Nicht selten wird vergessen, dass das Buch Numeri die Wanderung der Israeliten unter der Führung Mose wieder aufnimmt, denn das versprochene gelobte Land ist noch nicht erreicht.

Wie die Geschichte, sind auch das Mosebild und das Gottesbild häufig vereinfacht dargestellt. Mose wird zum von Gott auserwählten Retter und Anführer des israelitischen Volkes und Gott wird zum guten Gott stilisiert, der sich für das Volk Israel einsetzt und sie nicht nur in das gelobte Land führt, sondern auch vor Gefahren und Feinden beschützt. Diese Bilder sind jedoch zum Teil falsch. Mose ist nicht immer der gottesfürchtige Held, der mit gutem Beispiel vorangeht und unangefochten an der Spitze steht und ebenso ist auch Gott nicht immer der gütige, beschützende Gott des Volkes Israel. So zeigt sich Gott einige Male zornig gegenüber dem israelitischen Volk und kann nur von Mose besänftigt werden. An Mose wird gezweifelt und er zeigt nicht immer die Qualitäten, die vom Anführer eines Volkes erwartet werden.

Besonders offensichtlich wird dies in der Bibelstelle Numeri 25. Hier wendet sich das Volk Israels von Gott ab, indem sie, verführt von den Moabitern, fremde Götter huldigen. In Zorn befiehlt Gott Mose daraufhin jene umzubringen, die sich an der Huldigung beteiligten. Dies gibt Mose weiter, doch als der Priester Pinhas einen Israeliten, der an der Huldigung teilhatte, mitsamt seiner Geliebten ermordet, wendet sich der Zorn Gottes ab. Diese Arbeit wird sich mit dem Gottesbild, sowie der Darstellung Moses in dieser Geschichte beschäftigen.

Wie werden Gott und Mose dargestellt und wie kommt diese Darstellung zustande? Wie ist der Hintergrund dieses Kapitels? Diesen Fragen möchte ich auf den Grund gehen, indem ich zunächst den Text darstelle und Unklarheiten darlege, sowie versuche diese aufzuklären. Im Anschluss werde ich die Perikope gliedern und versuchen die Entstehung und Schichtung des Kapitels nachzuvollziehen. Anschließend werde ich auf die Darstellungen des Moses, des Gottes und des Pinhas etwas genauer eingehen. Ziel ist es die dargestellten Eigenschaften der Charaktere herauszuarbeiten und anhand der Entstehungsgeschichte in einen Kontext zu bringen.

Literatur zu Numeri 25 findet man vor allem in Form von Bibelkommentaren, in anderer Sekundärliteratur wird diese Stelle hingegen selten angeführt. Deshalb wird in dieser Arbeit eine eigene Argumentation aufgebaut, die mit vorhandener Sekundärliteratur abgeglichen wird.

2. Abgrenzung und Einordnung der Perikope

Um spezielle Aspekte der Bibelstelle detailliert durchleuchten zu können, muss zunächst eine fundierte Bestimmung der zu untersuchenden Perikope unternommen werden. Hierzu wird die Perikope zunächst abgegrenzt, um einen Anfang und ein Ende zu bestimmen, wobei auch auf Besonderheiten hingewiesen wird. Anschließend ist es notwendig, diese Perikope in das Gesamtbild des übergeordneten Handlungsverlaufs einzubetten. Für die Perikope wichtige Handlungsstränge werden dabei betont, um die Geschichte der Bibelstelle verständlich darzulegen.

Bei der von mir ausgewählten Perikope handelt es sich um das gesamte Kapitel Numeri 25.1 Der Beginn der Perikope grenzt sich von Kapitel 24 dadurch ab, dass dessen Protagonisten Bileam und Balak in Kapitel 25 nicht mehr auftreten. Bereits in Numeri 25,1 wird die neue Handlung eingeführt, indem von der Unzucht des Volkes die Rede ist. Das Ende der Perikope zeichnet sich durch inhaltliche Abgeschlossenheit aus. Zwar wird in den Versen 16-17 von Rache gegen die Midianiter berichtet, doch in Vers 18 wird die Handlung noch einmal kurz rekapituliert und so zum Abschluss gebracht. Numeri 25,19 stellt eine Besonderheit dar, da es sich nur um einen halben Satz handelt, der seine Fortführung in Numeri 26,1 findet. Daher fungiert dieser Vers gewissermaßen als Bindeglied zwischen den Kapiteln. In Numeri 25,19 wird betont, dass das Folgende nach den Geschehnissen von Kapitel 25 einsetzt, wodurch dieses endgültig abschließt.

Die Ereignisse von Kapitel 25 reihen sich in den Verlauf der Wanderung des Volkes Israel, unter Führung von Mose, nach Kanaan ein. Das Land Kanaan wurde den Israeliten, stellvertretend Abraham, von Gott versprochen. Auf dem Weg nach Kanaan stellte das Volk Israel fest, dass sie Völkern begegnen würden, die stärker sind als sie. Deshalb weigerten sie sich die Wanderung fortzusetzen, woraufhin Gott sie bestrafte. Sie mussten 40 Jahre durch die Wüste wandern, damit erst ihre Nachkommen nach Kanaan gelangen. In Kapitel 25 hat Mose also bereits ein sehr hohes Alter erreicht. Kurz vor den Geschehnissen von Kapitel 25 stirbt Moses älterer Bruder Aaron, dessen Platz als Hohepriester von Eleasar eingenommen wird. Außerdem müssen die Israeliten zuvor einige Heere besiegen, die ihnen die Wanderung durch ihr Land verwehren. Unmittelbar vor Kapitel 25 vereinen sich die Moabiter und die Midianiter unter dem Herrscher Balak, um gegen die Israeliten vorzugehen. Sie engagierten den Priester Bileam, um die Israeliten zu verfluchen. Doch Gott brachte Bileam dazu, sie stattdessen zu segnen.

Hier setzt der Handlungsstrang des Kapitels 25 ein. Die Israeliten befinden sich in Schittim, in der Region der Moabiter und Midianiter. Diese bringen einige Israeliten dazu ihren Göttern zu huldigen und zu opfern, was Gott erzürnt. Gott befiehlt Mose alle „Häupter des Volkes“2 aufzuhängen. Mose jedoch gibt an die Richter Israels weiter, dass sie jene Israeliten bestrafen sollen, die Teil der Huldigungen waren. Der Zorn Gottes wird von Pinhas, dem Sohn des Eleasar, besänftigt. Dieser ermordet mit seinem Speer einen Israeliten, mitsamt einer midianitischen Frau, mit der er gemeinsam vor die Gemeinde tritt. Durch sein Handeln stoppt Pinhas eine, von Gott gesandte Plage. Als Dank verleiht Gott ihm und seinen Nachfahren den „Bund des ewigen Priestertums“3.

In Kapitel 26 folgt eine zweite Volkszählung, nachdem zu Beginn des Buches Numeri bereits eine stattfand. Danach wird eine Erbfolge von Gott festgelegt und Mose findet in Josua seinen Nachfolger, da auch er Kanaan nicht sehen darf. Er erhält in Kapitel 31 den Befehl von Gott als Bestrafung gegen die Midianiter vorzugehen. In den Kämpfen können sich die Israeliten ohne Verluste durchsetzen. In der Folge nehmen die Israeliten das Land Kanaan ein und zerstören auf Gottes Geheiß ihre Götterstatuen. Danach folgen Gesetze zur Verteilung und Vererbung des Landes, womit das Buch Numeri endet.

3. Klärung einiger Begriffe

In der Perikope Numeri 25 finden sich einige Stellen und Begriffe, die das Verständnis erschweren. Zum Teil hängt dies mit der Entstehung der Textstelle zusammen, die in Kapitel 4 im Fokus stehen wird. Einige Male hängt dies jedoch mit den benutzten Begriffen zusammen, die in diesem Kapitel näher beleuchtet werden sollen, um das Verständnis der Perikope zu vereinfachen.

Zunächst muss der Begriff „Baal-Peor“ näher betrachtet werden. Dieser wird vor allem im Zusammenhang mit „sich daran hängen“ verwendet, wie beispielsweise in Vers 3 oder Vers 5. Die Aussage „sich an den Baal-Peor hängen“ kann mit „dem Baal-Peor huldigen“ gleichgesetzt werden, da es sich bei „Baal Peor“ um eine kanaanäische Gottheit handelt. Das Wort „Baal“ allein ist eine alte Gottesbezeichnung, die sich bereits in der ugaritischen Sprache und im mesopotamischen Raum nachweisen lässt. Der „Baal-Kult“ fand seinen Weg auch bis nach Israel. Er findet sich auch in weiteren Büchern des Alten Testaments. Insbesondere steht die Bezeichnung „Baal“ für den Sturm- oder Wettergott. Im eigentlichen Sinne des Wortes bedeutet „Baal“ auch „Besitzer“, „Herr“ oder „Ehemann“.4 Im polytheistischen Kanaan wurde verschiedenen Baalen gehuldigt, wie sich auch in der Aussage „und diese luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter ein, und das Volk aß und warf sich nieder vor ihren Göttern“ in Vers 2 wiederfindet. Mit „Baal-Peor“ ist eine bestimmte Gottheit gemeint, nämlich jener, dem auf dem Berg „Peor“ gehuldigt wurde. Häufig waren Orte mit Gottheiten verknüpft, weshalb auch einige Orte mit dem Wort „Baal“ beginnen. „Baal-Peor“ wird auch als „Herr des Aufreißens“ oder „Herr des Erdbebens“ gedeutet.5 Das Volk Israel schließt sich also der Verehrung einer lokalen kanaanäischen Gottheit an und wendet sich dadurch von ihrem Gott ab. Dies ist der Auslöser von Gottes Zorn, der in der Plage und dem Mord durch Pinhas mündet.

Ein weiteres Wort, welches einiger Erklärung bedarf, ist das Wort „Eifer“, welches in Vers 11 gleich drei Mal benutzt wird. In diesem Vers lobt Gott Pinhas für sein Handeln, da er Gottes „Eifer mitten unter ihnen geeifert hat“ und so verhindert, dass Gott die Israeliten in seinem „Eifer“ „vernichtet“6. Im Wörterschlüssel der Elberfelder Bibel findet sich das hebräische Wort „qin’ah“ für „Eifer“, welches auch „Leidenschaft“ oder „Eifersucht“ bedeuten kann. Ebenso findet sich dort eine leicht abgewandelte Bedeutung für die Aussage „geeifert hat“. Das hebräische Wort „qana“ bedeutet nämlich ebenfalls „Eifersüchtig sein“ oder „beneiden“. Andere Übersetzungsversionen dieser Bibelstelle gehen ebenfalls verschieden mit diesen Aussagen um. So wird in der Einheitsübersetzung aus „indem er meinen Eifer mitten unter ihnen geeifert hat“ „weil er mitten unter ihnen Eifer für mich bewiesen hat“. Auch „So habe ich die Söhne Israel in meinem Eifer nicht vernichtet“ aus der Übersetzung der Elberfelder Studienbibel wird in der Einheitsübersetzung anders wiedergegeben. Dort heißt es „so musste ich die Israeliten in meinem leidenschaftlichen Eifer nicht umbringen“7. Die Übersetzung der Lutherbibel verkürzt diese beiden Aussagen zu einer, indem sie übersetzt „durch seinen Eifer um mich, dass ich nicht in meinem Eifer die Israeliten vertilgte“8. Diese verschiedenen Übersetzungen zeigen, dass diese Stelle nicht einfach zu übersetzen ist. Es lässt sich aber auch ein gemeinsamer Konsens aus den drei Übersetzungen ziehen, da alle wiedergeben, dass Pinhas dadurch den Zorn Gottes besänftigte, dass er genauso „eifersüchtig“ war, wie Gott. Dass Gott ein „eifersüchtiger Gott“9 ist, sagt er selbst in den Zehn Geboten, zu dem Verbot anderen Göttern zu huldigen. Es ist also durchaus anzunehmen, dass die Textstelle eine Referenz zu jenem Gebot ist. Diese Eifersucht ist jedoch nicht mit dem heutigen Verständnis von Eifersucht gleichzusetzen, die eher dem Neid ähnelt, sondern mit Leidenschaft einem bestimmten Umstand gegenüber.

Ebenfalls etwas unverständlich ist der Zusammenhang zwischen den Moabitern und Midianitern. Dabei geht es weniger um die Begriffe selbst, sondern deren Anwendung und Platzierung. Denn während es in Kapitel 25 zunächst heißt, dass das Volk Israel anfing „Unzucht zu treiben mit den Töchtern Moabs“10, ist später das Mitbringen einer Midianiterin der Auslöser für Pinhas Mord11. Es stellt sich also die Frage, ob die Midianiterin mit den Töchtern Moabs gleichgesetzt wird und wieso der Autor dann speziell eine Midianiterin als Auslöser benutzte. Zunächst lässt sich feststellen, dass es sich bei den Moabitern und den Midianitern um zwei verschiedene Völker handelt. Während sich die Moabiter von Moab, einem Sohn des Lots ableiten, beziehen sich die Midianiter auf Midian, einem Sohn des Abraham als Stammvater. Geographisch befindet sich die Region der Moabiter östlich des Toten Meeres. Südlich davon liegt das Gebiet der Midianiter, dazwischen befindet sich noch das Gebiet Edom.12 Dennoch schließen sich Moab und Midian in Kapitel 22 zusammen und senden Bileam aus, Israel zu verfluchen. Durch diesen Zusammenschluss gegen das Volk Israel, kann man davon ausgehen, dass es für die Israeliten keinen großen Unterschied zwischen den Moabitern und den Midianitern gab, zumal sich beiden gegen Gott und das Volk Israel stellen. Es ist trotzdem wahrscheinlich, dass dieser Wechsel von den Töchtern Moabs zu der Midianiterin bewusst eingebaut wurde – als Schwächung des Moses. Die Midianiter werden so als Feinde der Israeliten dargestellt, wobei sie das für Mose zuvor nicht waren. In Exodus 2,15-25 flieht Mose aus Ägypten nach Midian. Dort wird er von einem midianitischen Priester aufgenommen, dessen Tochter er heiratet. Dass es sich in Vers 6 also ausgerechnet um eine Midianiterin handelt, ist kein Zufall. Es ist fraglich, ob Mose so gehandelt hätte wie Pinhas es getan hat. Da es sich bei der Erwähnung der Midianiterin um einen Bruch mit der zuvor aufgebauten Geschichte handelt, ist es aus meiner Sicht wahrscheinlich, dass es sich hier um einen Nachtrag eines neuen Autors handelt.

Auch die „Plage“ taucht unvermittelt auf. So wird sie in Vers 9 als bekannt vorausgesetzt, obwohl sie zuvor nicht erwähnt wurde. Dies deutet ebenfalls auf eine Bearbeitung des Originaltextes hin. Die Frage nach der Kohärenz des Textes und nach seinen Autoren wird jedoch im folgenden Kapitel genauer beleuchtet.

4. Die Schichtung der Perikope als Schlüssel

In diesem Kapitel wird die Entstehung der Perikope in den Fokus rücken. Ziel dieses Kapitels ist es, durch Untersuchung der Schichtung und Entstehung des Kapitels Numeri 25 Verständnislücken zu schließen und so noch näher an die Intention der Perikope heranzurücken und die Handlungen der Charaktere besser nachvollziehen zu können. Dazu wird zunächst eine Gliederung der Perikope vorgenommen, um inhaltliche Lücken anzuführen und Bruchstellen in der Einheitlichkeit der Geschichte aufzudecken. Im Anschluss werde ich versuchen diese Lücken und Brüche zu erklären, indem ich die Entstehung der Bibelstelle näher untersuche. Dabei wird die Autorschaft eine wichtige Rolle spielen.

4.1. Gliederung der Perikope

Die Gliederung der Perikope wird in zwei Teilen vorgenommen. Zunächst ergibt es Sinn, die Bibelstelle in größere, mehrere Verse umfassende Sinnabschnitte einzuteilen. Dabei steht vor allem der Inhalt im Vordergrund. Danach müssen diese Sinnabschnitte in kleinere Segmente unterteilt werden, da auch diese größeren Sinnabschnitte nicht unbedingt kohärent sind, sich also auch dort noch Brüche oder Lücken befinden.

Der erste Abschnitt beinhaltet die Verse 1 bis 3. Hier wird die Ausgangssituation dargestellt. Das Volk Israel ist in Schittim und hängt sich dem Baal-Peor an, woraufhin Gott zornig wird. In den Versen 4 und 5 kommt nun Mose hinzu, der von Gott die Aufgabe bekommt die Schuldigen umzubringen, woraufhin er diese Aufgabe an die Richter des Volkes Israel weitergibt. Es folgt eine längere Episode, die die Handlung des Pinhas beinhaltet. Sie erstreckt sich von Vers 6 bis 9. Durch das Handeln des Pinhas wird die Plage, welche zuvor noch nicht genannt wurde, abgehalten. Auch wird die Zahl der Toten genannt. Im nächsten Abschnitt, von Vers 10 bis 13, lobt Gott Pinhas vor Mose und erteilt ihm durch Mose den Bund des Friedens und des ewigen Priestertums. In den Versen 14 und 15 folgt die Nennung der beiden Getöteten mitsamt Vätern. In der letzten Passage, von Vers 16 bis Vers 19, spricht Gott zu Mose und trägt ihm auf gegen die Midianiter vorzugehen, da diese das Volk Israel verführt haben.

Bereits im ersten Sinnabschnitt von Vers 1 bis 3 finden sich einige Ungereimtheiten. So wiederholt Vers 3a das, was bereits in den Versen 1 und 2 erzählt wurde, nur mit anderen Begriffen. So wird in Vers 3 aus „dem Volk“ „Israel“ und das schon strafwürdige sich niederwerfen vor anderen Göttern wird durch das Anhängen an den Baal-Peor spezifiziert. Es ist also fraglich, ob Vers 1 und 2 mit Vers 3 zusammenhängen oder ob bereits hier Einfügungen eines anderen Autors vorhanden sind. Ähnliches gilt für die folgenden Verse 4 und 5, die inhaltlich nicht zusammenpassen. So fordert Gott Mose in Vers 4 dazu auf alle „Häupter des Volkes“ vor ihm aufzuhängen. Dies missachtet Mose allerdings scheinbar, indem er den „Richtern Israels“ aufträgt „jeder seine Leute, die sich an den Baal-Peor gehängt haben“ zu erschlagen. Auch hier passen die Begrifflichkeiten, wie „Häupter des Volkes“ in Vers 4 und „Richter Israels“ in Vers 5 nicht zusammen.13

Im nächsten Abschnitt von Vers 6 bis 9 scheinen lediglich die Verse 8b und 9 nicht zu der Handlung zu gehören, es sei denn ein Teil der Handlung wurde zu Beginn weggelassen. Denn in Vers 8b wird zum ersten Mal von der Plage gesprochen, dennoch wird sie als bekannt vorausgesetzt. Die gesamte Handlung dieses Abschnittes resultiert in dem Ergebnis, dass die Plage gestoppt wird, deshalb wäre es sinnvoll gewesen, diese Plage bereits zu Beginn des Abschnittes zu erwähnen. Es kommt hinzu, dass sich die Gemeinde in Vers 6 zum Trauern trifft, was wohl bereits eine Anspielung auf die Plage sein soll, ohne dass sie jedoch genannt wird. Da zumindest der Vers 8b sprachlich jedoch zum Rest der Passage passt, da auch hier von den „Söhnen Israels“ die Rede ist, würde ich die Verse 8b und 9 dennoch zu diesem Abschnitt zählen. Dadurch ergibt sich, dass ein Teil, der ursprünglich zu dieser Handlung gehörte, entfernt worden ist.

[...]


1 Dieser Arbeit liegt die Übersetzung der Elberfelder Studienbibel zugrunde. Sofern nicht in der Fußnote gekennzeichnet, beziehen sich die Angaben der Bibelstellen auf die im Literaturverzeichnis angegebene Ausgabe der Elberfelder Studienbibel.

2 Numeri 25,4.

3 Numeri 25,13.

4 Vgl. Art. Baal. S. 94; Payne, P.F. – Art. Baal. S. 146; Röllig, W. – Art. Baal. S. 223.

5 Vgl. Art. Baal-Peor. S. 96.

6 Numeri 25,11.

7 Vgl. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Numeri 25,11.

8 Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung. Numeri 25,11.

9 Exodus 20,5.

10 Numeri 25,1.

11 Vgl. Numeri 25,6.

12 Vgl. Art. Midian/Midianiter. Midianiter. S. 977; Vgl. Worschech, Uwe - Art. Moab. S. 986-988.

13 Schlüssig in diesem Zusammenhang erscheint die Erklärung von Ludwig Schmidt, der die Verse 1a, 3 und 5 für zusammenhängend hält. Diese wurden durch die Verse 1b, 2 und 4 ergänzt, welche durch den Wechsel Vom Begriff „Israel“ zum Begriff des „Volkes“ gekennzeichnet sind. (Vgl. Schmidt, Ludwig – Das vierte Buch Mose. S. 146.)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Starker Gott, schwacher Mose? Das Gottesbild und die Darstellung Moses
Untertitel
Eine exegetische Untersuchung von Numeri 25
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Mose – Der Mann mit den vielen Gesichtern
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
20
Katalognummer
V537126
ISBN (eBook)
9783346127372
ISBN (Buch)
9783346127389
Sprache
Deutsch
Schlagworte
starker, gott, mose, gottesbild, darstellung, moses, eine, untersuchung, numeri
Arbeit zitieren
Onno Suntken (Autor), 2017, Starker Gott, schwacher Mose? Das Gottesbild und die Darstellung Moses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537126

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