Hexen und Hexenhammer in der Frühen Neuzeit


Ausarbeitung, 2017

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Der steinige Weg der Hexerei

2. Der ,,Hexenhammer‘‘ trifft den Nerv der Zeit

3. Quellenauszug ,,Hexenhammer‘‘

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

6. Anhang

1. Der steinige Weg der Hexerei

,,Hexerei‘‘ – ein Begriff der heutzutage eher Erinnerungen an Bibi Blocksberg oder Harry Potter weckt und somit oftmals höchstens mit der Film- und Fernsehindustrie verbunden wird. Dort reiten Hexen auf Besen, sagen Zaubersprüche auf, treffen sich zu Hexentänzen und können sogar ihre Zauberkräfte nutzen, um Schaden anzurichten. Auch wenn sich diese Beschreibung nach einem neuen Hollywood-Blockbuster anhört, so waren es im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit tatsächliche Vorstellungen, mit denen sich die Kirche, der Staat und die Bevölkerung beschäftigten.

Das Thema ,,Hexerei‘‘ ist allerdings kein spätmittelalterliches oder frühneuzeitliches Phänomen, dahinter steckt ein altertümlicher Glaube. Bereits in den Hochkulturen der Antike vertritt man die Überzeugung, dass es Dämonen und Magie gibt. Schon damals wurden mutmaßliche Hexer oder Hexen für ihre Vergehen mit dem Tode bestraft1. In dieser Arbeit soll es jedoch um die Hexerei in der frühen Neuzeit gehen, denn der Unterschied zur Antike besteht darin, dass die Verurteilten zwar auch hingerichtet, aber nicht systematisch verfolgt wurden.

Zwischen 1450 und 1750 gab es, vor allem durch die Kirche veranlasst, in ganz Europa tausende Gerichtsverfahren, weitestgehend gegenüber Frauen, wovon ca. die Hälfte zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden sind. Dabei darf man es sich nicht so vorstellen, dass in diesem 300 Jahren täglich hunderte Menschen verurteilt worden sind: es gab regelrecht schubartige Prozesswellen, welche zahlreiche Opfer forderte. Während des 15. Jahrhunderts kam es zu einer sukzessiven Zunahme der Prozesse, auf die in den Anfängen des 16. Jahrhundert ein leichter Rückgang folgte. Der Höhepunkt der Hexenverfolgungen wurde im späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts erreicht2.

Bevor man sich allerdings mit der Hexenverfolgung beschäftigt, sollten die Ursachen für die immer größer werdende Kluft zwischen christlichem und magischem Weltbild ergründet werden. Das Christentum, welches sich vor allem in der Spätantike und im Frühmittelalter ausdehnte, sah sich in jener Zeit mit vielen unterschiedlichen Glaubensformen konfrontiert. In Europa waren es die Glaubensvorstellungen der keltischen, germanischen und slawischen Völker. Deren Glaube beinhaltet, im Gegensatz zum Christentum, u.a. zum einen, dass neben den Hauptgottheiten auch zahlreiche Neben- und Lokalgötter existieren und zum anderen Kulte um heilige Plätze, Quellen, Steine etc. kannten. Diese Vorstellungen waren mit dem Christentum nicht vereinbar3, wie es Wolfgang Behringer treffend schreibt:

,,Mit seinem universalen Heilsanspruch waren konkurrierende Kulte unvereinbar, besagte doch das Erste Gebot des christlichen Gottes: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! – ein Gebot, das im Hinblick auf das Thema Zauberei eine überragende Rolle spielen sollte: Augustinus ordnete jede Form der Zauberei, Wahrsagerei oder des Aberglaubens unter die Idolatrie ein (Dok.25) […].‘‘4

Das Christentum wollte einerseits zwar seine Anhängerschaft vergrößern, andererseits aber auch alle anderen nichtchristlichen Glaubensvorstellungen und Religionen ausrotten5. Eine weitere Glaubensvorstellung, welche die keltischen, germanischen und slawischen Völker mitbrachten, war der Glaube an die Kraft der Zauberei, sowohl die heilbringende als auch die schädliche.

Die schädliche Zauberei, oder auch Hexerei genannt, findet demnach dann statt, wenn unheilbringende oder schwarze Magie praktiziert wird. Eine Anwendung schwarzer Magie könnte zum Beispiel sein, wenn der Zauberer oder die Zauberin durch bestimmte Methoden, wie das Verbrennen von ausgewählten Substanzen, die Ernte in ihrem Ertrag beeinträchtigt6.

Wie sich bereits erkennen lässt, eröffnet das Thema ,,Hexen‘‘ ein weites historisches Feld. Die historische Hexenforschung ist auf eine gewisse Art und Weise eine sehr alte Forschung, denn noch bevor die Hexenverfolgungen ihr Ende fanden, wurde bereits die Entstehung des Hexenglaubens erforscht und untersucht. Seit den 1960er Jahren jedoch hat sich dieser geschichtliche Forschungszweig völlig neu gebildet7, da sich der Fokus der Themenkomplexe und Fragestellungen verschoben hat. Man rückt ab von der Forschung zur Entstehung der Hexenlehre und den Hexenprozessen und widmet sich viel mehr den Personen, die dahintersteckten. Es geht eher um Opfer, Täter und deren soziale Umwelt und um zeitliche und regionale Unterschiede. Ein Grund für die Änderung der Sichtweise sind vor allem die Prozessakten und Protokolle der Gerichtsverhandlungen. Es wurden Informationen aus Quellen entnommen, die durch die subjektive Wahrnehmung und zeitgenössische Richter verfälscht sind.

Solche Gerichtsakten und Protokolle stellen nach wie vor eine wesentliche und unverzichtbare Quelle zur Hexenforschung dar, allerdings wird seither versucht aus Sicht der Angeklagten und Verdächtigen die Protokolle zwischen den Zeilen zu lesen und vermehrt mit Interpretationsfragen und Analysen Zugang zu den überlieferten Quellen zu finden8.

2. 2. Der ,,Hexenhammer‘‘ trifft den Nerv der Zeit

Es stellen sich natürlich einige Fragen, die im Verlauf dieser Arbeit beantwortet werden wollen: Wie definiert sich die Hexe oder wird sie definiert? Warum fühlt sich die Kirche so sehr von ihrer Existenz bedroht und was wird durch die Hexe eigentlich gestört? Mit diesem und weiteren Fragen haben sich Anastasia Eckel und ich uns im Seminar ,,Ketzer und Aberglaube‘‘ am 16. Mai 2017 an unsere Kommilitonen und Kommilitoninnen gewandt und unseren Fokus dabei auf einen Auszug aus Heinrich Kramers ,,Hexenhammer‘‘ gelegt.

Der Hexenhammer wurde 1486 von Heinrich Institoris veröffentlicht und stellt seither ein zentrales Werk in der Geschichte der europäischen Hexenverfolgung dar. Zwischen 1486 und 1669 gab es ganze 30 Auflagen9 des, ursprünglich lateinisch erschienen, Hexenhammers, zahlreiche Übersetzungen10 und somit eine lange und intensive Wirkungszeit11. Der Autor schafft mit dem Hexenhammer ein Werk, welches die Hexenverfolgung legitimieren und rechtfertigen soll12 und trifft damit den Nerv der Zeit. Es erscheint zu einem Zeitpunkt, in der gerade eine große Prozesswelle über Europa rollt und erreicht durch die neuartige Erfindung des Buchdrucks eine ungemeine Reichweite13.

Behringer und Jerouschek bezeichnen den Hexenhammer als ein Werk, welches den Leser zugleich fasziniert und abstößt und genau so kam es zur damaligen Zeit auch bei den Menschen an14. Der Hexenhammer hat nicht, wie es vielleicht den Anschein erwecken könnte, die Hexenverfolgung erst ins Rollen gebracht, denn diese existierte bereits15. Allerdings hat er den Nerv der damaligen Zeit getroffen: Die ,,kleine Eiszeit‘‘ trifft Europa und ihre Bevölkerung und verursacht eine starke Klimaverschlechterung. Diese Klimaveränderung trifft eine Gesellschaft mit zerbrechlicher Subsistenz. Auf Missernten folgen Teuerungskrisen und darauf wiederrum Hunger und Elend. Nach dieser ,,kleinen Eiszeit‘‘ folgen weitere schwierige klimatische Veränderungen: es gibt niederschlagsartige Sommer, die zum einen Überschwemmungen und Ernteausfall und zum anderen Epidemien bei Mensch und Tier verursachen. Solche Klimaveränderungen hat die Bevölkerung als ,,unnatürlich‘‘ angesehen und macht für diese Geschehnisse die wettermachenden Hexen verantwortlich16. Somit hat sich der Hexenhammer Gehör verschaffen können, fand in diesem Fall einen Sündenbock für die Ursache des Elends der Bevölkerung und somit auch einige Sympathisanten17. Vielleicht soll der Hexenhammer auch deshalb die, bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts, verbreiteste, konsequenteste Dämonologie überhaupt gewesen sein18.

Der Hexenhammer setzt sich aus insgesamt drei Teilen zusammen: Im ersten Teil wird der Ursprung der Hexerei erklärt und das Hexenverbrechen definiert, wodurch Kramer versucht den Nachweis der realen Existenz von Hexen zu verschärfen. Der zweite Teil beschäftigt sich zum einen mit der Darstellung, was Hexen unheilvolles, wie z.B. Erzeugung von Krankheiten, Tötung von Mensch und Tier, Unwetter und Ernteschäden und Impotenz, verursachen können und zum anderen mit Mitteln der Abhilfe gegen Hexerei. Im dritten und letzten Teil des Hexenhammers befasst sich der Autor mit der rechtspraktischen Umsetzung von Hexenverfolgungen und gibt dabei detaillierte Regeln für den Prozess gegen Hexen vor19.

Ein weiterer wichtiger Aspekt, den man über den Hexenhammer wissen muss, ist, dass er im lateinischen ,,Malleus maleficarum‘‘ heißt und auch mit diesem Namen veröffentlicht wurde. ,,Malleus maleficarum‘‘ bedeutet übersetzt zwar ,,Hexenhammer‘‘, allerdings bezieht sich Heinrich Institoris in seinem Titel mit dem Wort ,,maleficarum‘‘ nur auf die weibliche Form, also auf Frauen die Schadenszauberei betreiben20 und nicht auf Männer. Dies ist allerdings kein Zufall, denn die Zuspitzung auf das weibliche Geschlecht ist Teil des Hexenhammers. Diese Frauenfeindlichkeit ist für ihn ganz natürlich und basiert seines Erachtens nach auf der Anthropologie der Frau, denn diese besitzt einerseits eine viel größere Sündenanfälligkeit als der Mann und andererseits hätten Frauen einen angeborenen, irreparablen Fehler, der dem Dämon das Tor zur menschlichen und männlichen Gesellschaft öffnet. Mit dieser Ansicht steht Heinrich Kramer keineswegs allein da21 und das möge auch erklären, weshalb es in überwältigender Mehrheit Frauen gewesen sind, die verdächtigt, verfolgt, gefoltert und ermordet wurden. Aus diesem Grund stellt der Hexenhammer eben auch eines der frauenfeindlichsten Werke der Weltliteratur dar22.

[...]


1 Aufmkolk, Tobias: Hexenverfolgung, in: Planet Wissen, http://www.planet-wissen.de/geschichte/neuzeit/hexenverfolgung/index.html, Zugriff: 22.09.2017.

2 Levack, Brian P.: Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, 3. Aufl., München 2003, S. 11.

3 Behringer, Wolfgang: Hexen und Hexenprozesse in Deutschland, 2. überarb. Aufl., München 1993, S. 11-21, hier: S. 11.

4 Ebd., S. 11.

5 Ebd. S. 11.

6 Levack: Hexenjagd, S. 14.

7 Dillinger, Johannes: Hexen und Magie. Eine historische Einführung Bd. 3, Frankfurt a. M. 2007, S. 7.

8 Labouvie, Eva: Zauberei und Hexenwerk. Ländlicher Hexenglaube in der frühen Neuzeit, Frankfurt am Main 1991, S. 9f.

9 Behringer, Wolfgang/ Jerouschek, Günter: »Das unheilvollste Buch der Weltliteratur?«. Zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Malleus Maleficarum und zu den Anfängen der Hexenverfolgung, in: Heinrich Institoris: Der Hexenhammer, übers. v. Werner Tschacher, hg. u. eingel. v. Wolfgang Behringer/Günter Jerouschek, 11. Aufl., München 2015, S. 9-101, hier: S. 11.

10 Stollberg-Rilinger, Dr. Barbara: ,,Hexenjagd‘‘ – Frauenverfolgung im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit, in: Ringvorlesung: Hexen, Sommersemester 1987, hg. v. Autonomes Frauen- und Lesbenreferat des AStA’s der Universität zu Köln, Köln 1988, S. 31-48, hier S. 35.

11 Behringer/Jerouschek: »Das unheilvollste Buch der Weltliteratur?«, S. 11.

12 Ebd., S. 10.

13 Ebd., S. 13f.

14 Behringer/Jerouschek: »Das unheilvollste Buch der Weltliteratur?«, S. 9.

15 Ebd., S. 13.

16 Behringer, Wolfgang: Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung, 6. Aufl., München 2015, S. 47f.

17 Behringer/Jerouschek: »Das unheilvollste Buch der Weltliteratur?«, S. 17.

18 Ebd., S. 16.

19 Segl, Peter: Einführung des Herausgebers, in: Ders.: Der Hexenhammer. Entstehung und Umfeld des Malleus maleficarum von 1487, Köln 1988, S. 1-6, hier: S. 3.

20 Behringer/Jerouschek: »Das unheilvollste Buch der Weltliteratur?«, S. 20.

21 Ebd., S. 21.

22 Ebd., S. 21.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Hexen und Hexenhammer in der Frühen Neuzeit
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V537391
ISBN (eBook)
9783346165213
ISBN (Buch)
9783346165220
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frühen, hexen, hexenhammer, neuzeit
Arbeit zitieren
Katharina Ramke (Autor), 2017, Hexen und Hexenhammer in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537391

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