Social Commerce auf Instagram. Potenziale von Social Media-Marketing und E-Commerce für Unternehmen


Fachbuch, 2020

63 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Abgrenzung
1.3 Gang der Arbeit

2 Grundlagen von Social Commerce und Instagram
2.1 Social Media und Web 2.0
2.2 E-Commerce
2.3 Social Commerce
2.4 Instagram
2.5 Zwischenfazit

3 Potenziale und Einschränkungen des Social Commerce für Unternehmen
3.1 Nutzenpotenziale und Ziele für Unternehmen
3.2 Sozialpsychologische Potenziale
3.3 Problembereiche und Einschränkungen
3.4 Zwischenfazit

4 Analyse der Potenziale des Social Commerce auf Instagram
4.1 Faktoren zur erfolgreichen Nutzung von Instagram
4.2 Konsumentenverhalten im Social Commerce auf Instagram
4.3 Auswirkungen der sozialpsychologischen Potenziale auf das Konsumentenverhalten im Social Commerce auf Instagram
4.4 Zwischenfazit

5 Fazit

Anhangsverzeichnis

Anhang

Literaturverzeichnis

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Impressum:

Copyright © Studylab 2020

Ein Imprint der GRIN Publishing GmbH, München

Druck und Bindung: Books on Demand GmbH, Norderstedt, Germany

Covergestaltung: GRIN Publishing GmbH

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Die Grundlagen des Social Commerce

Darst. 2: Weitergabe von Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen

Darst. 3: Zusammenhang zwischen Kaufverhalten und Involvement

Darst. 4: Die drei Phasen des Kaufprozesses

Darst. 5: Shopping-Beispielbeitrag von Def-Shop bei Instagram

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Social Media gewinnt seit Jahren stetig an Bedeutung. Kombiniert mit dem E-Commerce ergibt das den sogenannten Social Commerce (SC), ein Instrument des Social Media-Marketings, um Produkte in sozialen Netzwerken zu vertreiben und den E-Commerce um eine soziale Komponente zu erweitern. Dabei reformieren soziale Medien vermehrt das Online-Kaufverhalten der Konsumenten1. Diese Weiterentwicklungen bieten Unternehmen die Möglichkeit der Kommunikation mit den Konsumenten, welche infolgedessen für Vermarktungszwecke genutzt werden kann. Es handelt sich hierbei um ein hochaktuelles Thema, welches vielzählige Potenziale beinhaltet. Die Social Media-Plattform Instagram stellt mit über 800 Mio. Nutzern ein interessantes Einsatzgebiet für SC dar. Für viele Unternehmen stellt sich jedoch die Frage, womit der Einsatz von Marketing und Vertrieb in Social Media tatsächlich den Unternehmenserfolg beeinflussen kann. Die Antwort darauf könnte „Social Commerce“ sein und Unternehmen zeigen, von welchen Gewinnen sie durch den Einsatz von Social Media-Marketing profitieren könnten. Zum besseren Verständnis scheint die Abgrenzung und Erläuterung der Potenziale des SC hilfreich zu sein.

1.1 Zielsetzung der Arbeit

Die Zielsetzung dieser Bachelorarbeit besteht darin, Potenziale für die Nutzung von Social Commerce für Unternehmen herauszuarbeiten und diese am Beispiel von Instagram zu erläutern. SC scheint noch nicht tiefergehend erforscht zu sein, insbesondere die jüngste Entwicklung von In-App-Käufen auf sozialen Medien findet in der Literatur bisher kaum Beachtung. Auch die Konsumentenforschung hat sich mit dem Thema und dessen Einfluss auf das Käuferverhalten bislang wenig befasst. Da SC sich bis dato überwiegend auf soziale Aspekte im Online-Shopping und nicht auf explizites Kaufverhalten in Social Media-Apps bezog, soll diese Arbeit herausstellen, inwiefern die aktive Nutzung von SC in sozialen Netzwerken einen Mehrwert für Unternehmen darstellt. Dabei werden die kombinierten Potenziale aus E-Commerce, Social Media-Marketing und Sozialpsychologie mit den Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten verknüpft, um die Potenziale des Social Commerce für Unternehmen am Beispiel der Plattform Instagram zu beschreiben.

1.2 Abgrenzung

Nachfolgend werden Social Commerce-Formen vorgestellt, die explizit auf Instagram existieren, wobei kein Bezug auf andere Plattformen wie Facebook oder Pinterest genommen wird. SC in reinen Online-Shops wird ebenfalls weitestgehend außer Acht gelassen, stattdessen liegt der Fokus auf Social Media-Aktivitäten mit direktem Bezug zu Kaufprozessen. Für diese Arbeit gilt das Augenmerk dem mobilen, App-basierten Social Commerce in sozialen Netzwerken wie Instagram und nicht den im Rahmen der Evolution von SC neu entstandenen Geschäftsmodellen. Die herausgearbeiteten Potenziale beziehen sich dabei nicht auf generelles Social Media-Marketing, sondern haben den Social Commerce im Blick. Wenn hierbei von Konsumenten die Rede ist, sind diese als Endverbraucher gemeint. Obwohl der Mehrwert der Konsumenten stark mit dem der Unternehmen korreliert, betrifft diese Arbeit ausdrücklich die Potenziale der Unternehmen.

1.3 Gang der Arbeit

Zunächst werden in Kapitel 2 die Grundlagen von Social Commerce bestehend aus Social Media, E-Commerce und der Evolution von Social Commerce vorgestellt, des Weiteren wird die Plattform Instagram bekannt gemacht. Anschließend erfolgt im dritten Kapitel die Beschreibung der Nutzenpotenziale und Ziele für Unternehmen und die Erklärung der verschiedenen sozialpsychologischen Potenziale. Auch Problembereiche und Einschränkungen wie bspw. die Produkteignung für SC werden angerissen. In Kapitel 4 wird zunächst als Voraussetzung für die erfolgreiche Nutzung von Instagram der Faktor der Markeneignung dargelegt. Danach werden die Erkenntnisse aus Kapitel 3 auf das Konsumentenverhalten in den drei Phasen des Kaufprozesses übertragen und anhand von Beispielen festgehalten sowie die damit verbundenen Auswirkungen untersucht. Die Beispiele sollen dabei der Stützung und Illustration der Argumente helfen, unterdessen kann keine Aussage über den absoluten Erfolg mancher Beispiele gemacht werden. Alle drei Hauptkapitel enden jeweils mit einem Zwischenfazit. Das Schlusskapitel 5 beinhaltet die zentralen Erkenntnisse der Arbeit und das daraus folgende Fazit.

2 Grundlagen von Social Commerce und Instagram

Im folgenden Kapitel werden die Begriffe Social Media und Web 2.0 sowie E-Commerce als Grundlagen des Social Commerce definiert. Zudem erfolgt die Darlegung der Definition und Entwicklung des Social Commerce mit anschließender Vorstellung der Social Media-Plattform Instagram. Das Kapitel 2 endet mit einem Zwischenfazit.

2.1 Social Media und Web 2.0

Mit der Steigerung der Internetnutzung gewinnt das Web an Bedeutung. Laut der ARD / ZDF -Onlinestudie 2017 nutzten im Jahr 2017 in Deutschland 62,4 Mio. Menschen das Internet, 72 % der Bevölkerung surfte täglich im Internet. Im Jahr 2014 waren es hingegen nur 58 % (Koch/Frees, 2017, S. 434 f.). Der Global Digital Report 2018 zeigt, dass sich diese Entwicklung weltweit ähnelt. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung nutzt das Internet, 2017 waren beinahe 250 Mio. Personen weltweit erstmalig online (Kemp, 2018, S. 3). Analog nimmt auch der Gebrauch von sozialen Medien zu. Die Nutzung der sozialen Netzwerke steigt jährlich um mehr als 10 % und erreicht damit insgesamt mehr als drei Milliarden Nutzer weltweit. Im Jahr 2017 haben jeden Tag fast eine Million Menschen erstmalig Social Media-Kanäle genutzt (ebd., 2018, S. 3–8).

Dabei gewinnen Social Media-Plattformen wie bspw. Instagram rasant an Bedeutung, vor allem ermöglicht durch die Weiterentwicklung des Internets. Die Entstehung neuer Technologien, Steigerung der Datenübertragungsraten sowie Senkung der Internetnutzungskosten steuerten maßgeblich dazu bei, dass sich das Internet veränderte. Zur Evolution trug auch die Wandlung des Nutzerverhaltens bei. Nutzer sind nun bereit, selbst Inhalte zu generieren, sogenannten „ User-Generated Content “ (UGC). Außerdem sind sie gewillt, ihre Online-Identität preiszugeben und somit weniger anonym im Internet zu agieren (Hettler, 2012, S. 2–4).

Im Laufe der Zeit entstand daher das sogenannte „Web 2.0“, ein Begriff, welcher den deutlichen Wandel des Internets treffend ausdrückt. Tim O’Reilly prägte diesen Ausdruck grundlegend und beschreibt Web 2.0 als ein Netzwerk, welches als Plattform agiert, dich sich über alle Geräte spannt und dabei die Vorteile von Web 2.0-Anwendungen hervorragend nutzt. Er vergleicht es mit einer Software, welche sich kontinuierlich verbessert, je mehr Menschen sie nutzen und sich daran beteiligen (O'Reilly, 2005). O’Reilly macht deutlich, wie wichtig die Integration der Nutzer und deren Interaktion im Internet bei der Entwicklung zum Web 2.0 ist. User veröffentlichen selbst kreierte Inhalte und nehmen aktiv am Geschehen teil. Das Web wird zum „Mitmach-Internet“, wobei Social Media basierend auf dem Konzept des Web 2.0 entsteht. Kaplan und Haenlein definieren Social Media passend dazu als eine Gruppe internet-basierter Anwendungen, welche auf ideologischer und technischer Basis des Web 2.0 aufbauen und die Schöpfung sowie den Austausch nutzergenerierter Inhalte ermöglichen (Kaplan/Haenlein, 2010, S. 61). Turban et al. bezeichnen Social Media als online Text-, Bild-, Audio- und Videoinhalte, die von Personen erstellt werden, welche Web 2.0-Plattformen und Werkzeuge für soziale Interaktionen und Gespräche nutzen, überwiegend um Meinungen, Erfahrungen, Eindrücke und Erkenntnisse zu teilen (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 8). Zusammenfassend kann Social Media als Web 2.0-Anwendungen beschrieben werden, welche es Nutzern ermöglichen, untereinander zu interagieren, Inhalte zu kreieren und diese auszutauschen.

2.2 E-Commerce

E-Commerce ist die Kurzform des Begriffes „Electronic Commerce“, welcher übersetzt „Elektronischer Handel“ bedeutet. Diesen Begriff beschreibt Wirtz als Handel, der im Web stattfindet und den Leistungsaustauschprozess des Kaufs und Verkaufs zwischen Unternehmen und Kunden umfasst (Wirtz, 2018, S. 30). Auch Schubert/Wölfle definieren E-Commerce als Teil des E-Business, der auf die Anbahnung, Vereinbarung und Abwicklung rechtsverbindlicher Geschäftstransaktionen abzielt (Schubert/Wölfle, 2000, S. 3). Zusammengefasst handelt es sich um den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen über das Internet. Schon in den 1970er Jahren entstanden die ersten Formen des E-Commerce, bspw. der elektronische Datenaustausch zwischen Unternehmen anhand von EDI-Systemen. Mit der Weiterentwicklung und Kommerzialisierung des Webs veränderte sich auch der elektronische Handel, weg vom vereinheitlichten Austausch von Unternehmen hin zu individueller Kommunikation mit und unter Verbrauchern (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 6). Aktuell wächst die Anzahl der Personen, welche den Online-Handel nutzen auf fast 45 % aller Internetuser. Im Jahr 2017 wurden in den USA beinahe 1,5 Billionen US-Dollar über E-Commerce-Plattformen ausgegeben (Bouwman, 2018).

2.3 Social Commerce

Social Commerce kann als Zusammenschluss von Social Media, Web 2.0 und E-Commerce gesehen werden. In Abschnitt 2.3.1 werden der Begriff und die kennzeichnenden Eigenschaften des Social Commerce erläutert und in Abschnitt 2.3.2 die Evolution von Social Commerce sowie der Status Quo beschrieben.

2.3.1 Definition und Charakteristika

Social Commerce wird häufig als E-Commerce-Transaktion innerhalb von Social Media bezeichnet. Da es sich allerdings um ein sehr junges und dynamisches Gebiet handelt, gibt es noch keine einheitlich festgelegte Definition.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 1: Die Grundlagen des Social Commerce

Quelle: Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 9

Wie in Darst. 1 veranschaulicht, bezeichnen Turban et al. Social Commerce (SC) als Integration von E-Commerce und Online-Marketing im Zusammenschluss mit der Nutzung von Web 2.0 und sozialen Medien. Diese Fusion wird unterstützt von Theorien bspw. aus der Sozialpsychologie und dem Konsumentenverhalten (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 8). Bei Bächle und Lehmann liegt der Fokus auf der aktiven Beteiligung der Kunden sowie deren persönlicher Beziehung untereinander. Auch sie sehen Social Commerce als Ausprägung des E-Commerce (Bächle/Lehmann, 2010, S. 112). Richter et al. erklären SC wie folgt:

„Der Social Commerce stellt die zwischenmenschlichen Beziehungen und Interaktionen (den Austausch von Bewertungen, Produktinformationen und Feedback) in den Vordergrund, die vor, während und nach geschäftlichen Transaktionen eine Rolle spielen und setzt damit dem E-Commerce eine zusätzliche kooperations- und kommunikationsorientierte Ebene auf.“ (Richter/Koch/Krisch, 2007, S. 5)

Besonders geprägt wurde der Begriff des Social Commerce allerdings durch den PR-Experten und professionellen Blogger Steve Rubel. Laut ihm kann SC verschiedene Formen annehmen; es geht aber immer darum, für Menschen einen Ort zu schaffen, an dem sie online zusammenarbeiten, Ratschläge von vertrauenswürdigen Personen erhalten, Waren und Dienstleistungen finden und diese dann kaufen können (Rubel, 2005). All diese Definitionen haben gemeinsam, dass der Kunde im Mittelpunkt steht und Prozesse des Kaufens und Verkaufens im Internet um eine soziale Komponente erweitert werden. Kommunikation und Interaktion zwischen Unternehmen und Kunden wie auch zwischen Kunden untereinander gewinnen an Relevanz. Rubel im Besonderen spricht dabei von der Weisheit oder Kraft der Vielen in Bezug auf den Kaufprozess (ebd ., 2005). Auch Yadav et al. beziehen sich auf Austauschprozesse im Rahmen der Wahrnehmungs-, Vorkauf-, Kauf- sowie Nachkaufphase. Als Plattform für Social Commerce dienen dabei die verschiedenen sozialen Netzwerke. Diese können starken Einfluss auf das Kaufverhalten von Konsumenten haben (Yadav et al., 2013, S. 312–315).

2.3.2 Historie und aktuelle Entwicklung

Social Commerce begann mit der Einführung von Ratings und Reviews (Heinemann/Gaiser, 2016, S. 31). Das Unternehmen Amazon erkannte schon früh den Nachteil des Internets gegenüber dem stationären Handel aufgrund der Unpersönlichkeit. Somit setzte Amazon ein Bewertungssystem für Produkte ein, um diese Schwäche auszugleichen und Transparenz zu liefern (Richter/Koch/Krisch, 2007, S. 1). Weiter entwickelte sich der SC durch die Einführung von auf Kauferfahrungen basierenden Produktempfehlungen und individualisierten Angeboten genauso wie Empfehlungen von Freunden (Heinemann/Gaiser, 2016, S. 31). Der Online-Händler Amazon führte diesbezüglich Empfehlungssysteme ein, welche anhand von Data-Mining, „einer multivariaten Datenaufbereitung und -analyse“ (Bruhn/Esch/Langner, 2016, S. 419), das Konsumentenverhalten der Käufer analysieren und darauf aufbauend Kaufempfehlungen vorschlagen, wie z. B. „Kunden, die dieses Buch gekauft haben, kauften auch …“ (Richter/Koch/Krisch, 2007, S. 1). Durch die Weiterentwicklung des Internets zum Web 2.0 wurde die technische Grundlage für Social Media-Apps gelegt. Auf die Veränderung des Nutzerverhaltens folgte daraufhin die Entstehung des eigentlichen SC in sozialen Medien, auf Unternehmenswebseiten, Online-Shops und weiteren Formaten.

Das Nutzungspotenzial des Web 2.0 soll zur Aktivierung der Konsumenten in Prozessen der Innovation, des Vertriebs, des Kaufs und des After Sales genutzt werden (Bächle/Lehmann, 2010, S. 110–112; Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 25 f.). Für Heinemann ist es nur logisch, dieses vorhandene Potenzial zu nutzen und eine Kaufmöglichkeit direkt in der Social Media-App anzubieten, wenn mögliche Kunden sich ohnehin bereits in sozialen Medien über Produkte und Informationen austauschen und informieren (Heinemann, 2018a, S. 212).

Als aktuell höchste Entwicklungsstufe des Social Commerce wird der App-basierte Social Commerce wie bei Instagram bezeichnet. Hierbei können Produkte direkt in Apps gekauft und bewertet werden (ebd ., 2018b, S. 152). SC ist ein hochaktuelles Feld und entwickelt sich stetig weiter, beginnend bei der anfänglichen Nutzung sozialer Werkzeuge in Online-Shops bis zur heutigen Umsetzung von Verkaufsprozessen in Social Media-Apps (ebd., 2018b, S. 143). Im September 2016 haben in den USA 18,2 % der Internetnutzer Produkte direkt über Social Media gekauft (Sumo Heavy, 2016). Laut Schätzungen der Unternehmensberatung Booz & Company lag das Marktvolumen für Social Commerce im Jahr 2011 bei etwa 5 Mrd. US-Dollar und stieg 2015 auf etwa 30 Mrd. US-Dollar (Penrose, 2011). Für das Jahr 2021 wird eine Umsatzentwicklung auf 165,59 Mrd. US-Dollar vorhergesagt (Technavio, 2017). Bei einer Statista -Expertenbefragung in Deutschland zur Bedeutung von E-Commerce in sozialen Medien befanden 59 % der Experten, dass der Gegenstand des Social Commerce ein „interessanter Trend“ sei. 16 % der Befragten waren der Meinung, es handele sich dabei um einen „ Game Changer “ (Statista, 2017).

2.4 Instagram

Da im Rahmen dieser Arbeit das Potenzial von Social Commerce für Unternehmen am Beispiel von Instagram herausgestellt werden soll, wird in diesem Kapitel die Social Media-Plattform Instagram vorgestellt.

2.4.1 Grundlegende Strukturen

Instagram ist eine speziell für Smartphones entwickelte kostenlose Social Media-Plattform zum Teilen von Fotos und Videos. Die Sharing-App entstand im Oktober 2010 und wurde 2012 von Facebook aufgekauft. Als Fusion von Microblog und audiovisueller Plattform kann sie privat wie auch geschäftlich genutzt werden (Gabriel/Röhrs, 2017, S. 39 f.). Nutzer können Inhalte liken und kommentieren, eigene Inhalte generieren, bearbeiten und hochladen oder andere Personen und Unternehmen abonnieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, Personen, Orte oder Hashtags (Schlagworte) zu suchen. Der Fokus von Instagram liegt auf Bildinhalten, daher darf der Text unter einem Bild höchstens 2200 Zeichen und maximal 30 Hashtags beinhalten. Ein für Unternehmen wichtiger Fakt ist, dass die Veröffentlichung von Links oder verlinkten Bildern auf Instagram nicht möglich ist. Links werden in reiner Textform angezeigt (Scholz, 2017, S. 10). Ausnahme davon sind Instagram -Stories sowie werbliche Anzeigen. Als „Story“ können Bilder und Videos veröffentlicht werden, die nach 24 Stunden automatisch wieder gelöscht werden (Instagram, 2016). Seit Ende 2017 ist es möglich, nicht nur Personen, sondern auch Hashtags zu folgen (ebd ., 2017a). Instagram hat viele verschiedene Funktionen und entwickelt sich ständig und rasant weiter. Im Fokus steht dabei immer die Interaktion und Vernetzung der Nutzer untereinander sowie mit Unternehmen und Marken.

Unternehmen steht es frei, ein Business-Profil anzulegen und damit auch Zugriff auf Statistiken und weitere Features zu erlangen (Instagram Business, 2018a). Sie können Ads (Werbeanzeigen) schalten, potenzielle Kunden über Produkte und Dienstleistungen informieren, die Bekanntheit erhöhen und den Produktverkauf ankurbeln (ebd ., 2018b). Seit Frühjahr 2018 ist in einigen Ländern, unter anderem in Deutschland, Shopping auf Instagram möglich (ebd., 2018c). Die Plattform führte sogenannte „ Shoppable Tags on Photos “ ein, mit denen Fotos hervorgehoben und pro Bild bis zu fünf Produkte markiert werden können. Mit diesen Shopping-Beiträgen wurde es ermöglicht, Produktbeschreibungen und Preise innerhalb des Instagram -Feeds angezeigt zu bekommen, ohne die App verlassen zu müssen. Erst wenn ein Verbraucher auf den „Jetzt einkaufen“-Button klickt, wird er zur mobilen Unternehmenswebsite weitergeleitet, auf der er das gewünschte Produkt direkt kaufen kann (Instagram, 2018a).

2.4.2 Relevanz und Nutzung von Instagram

Laut Faßmann/Moss sind die wachsende Unterwegsnutzung des Internets und die verstärkte Verbreitung von mobilen Geräten sehr wichtige Faktoren für die Relevanz von Instagram, da sie Grundvoraussetzungen zur Verwendung der App darstellen (Faßmann/Moss, 2016, S. 19). Die Anzahl der deutschen Smartphone-Nutzer steigt seit Jahren stetig an. Im Jahr 2012 waren es noch 31 Mio. Deutsche, die ein Smartphone nutzten. 2018 sind es schon etwa 57 Mio. (Bitkom Research/comScore, 2018). Soziale Netzwerke werden dabei von 68 % der deutschen Smartphone-Besitzer mobil genutzt (Bitkom Research, 2017, S. 5). Der tägliche Gebrauch des Internets über Smartphones im Jahr 2016 betrug bei 14–29-jährigen Deutschen 86 % (Koch/Frees, 2016, S. 423–425; Projektgruppe ARD/ZDF-Multimedia, 2016, S. 4).

Instagram ist ein Netzwerk mit eher jungen Nutzern. Weltweit sind 67 % der Nutzer unter 35 Jahre alt, 27 % zwischen 35 und 54 sowie 6 % über 54 Jahre alt. Die Geschlechterverteilung ist mit 51 % weiblich und 49 % männlich recht ausgeglichen (Kemp, 2018, S. 77). Deutschlandweit konnte Instagram im August 2017 15 Mio. Nutzer verzeichnen (Horizont, 2017).

Die App erfreut sich einer starken Nutzungsintensität. Mit rund vier Millionen Deutschen, welche die App 2016 täglich nutzten, können Unternehmen eine hohe Reichweite ihrer Posts erlangen und eine große Anzahl potenzieller Kunden erreichen (Koch/Frees, 2016, S. 435 f.; Projektgruppe ARD/ZDF-Multimedia, 2017, S. 8). In Deutschland nutzten 23 % der Gesamtbevölkerung im Alter von 14–29 Jahren im Jahr 2017 täglich Instagram, bei den 30–49 Jährigen waren es nur 3 %. Hierbei besteht ein klarer Zusammenhang mit dem intensiven Smartphone-Gebrauch und der Internetaffinität der jüngeren Generation. Ebenfalls ist die steigende Nutzungsdauer des Internets ein relevanter Faktor für die intensive Nutzung von sozialen Netzwerken (Koch/Frees, 2017, S. 444 f.). Daher ist Instagram besonders für die Bindung von jüngeren Zielgruppen geeignet.

Mit 300 Mio. registrierten Nutzern im Jahr 2014 hat die App bis 2018 einen Zuwachs auf 800 Mio. verzeichnet, wobei über 500 Mio. sogar täglich aktiv waren (Instagram, 2018b). Daher ist auch der Nutzerzuwachs von Instagram ein essenzieller Faktor für die hohe Relevanz (Faßmann/Moss, 2016, S. 20). Etliche Unternehmen haben diese Bedeutung und hohe Reichweite von Instagram erkannt und beteiligen sich mit 25 Mio. Business-Profilen an der wachsenden Community. 200 Mio. private Nutzer besuchen täglich mindestens eines dieser Unternehmensprofile und mehr als 80 % der Instagrammer haben ein Unternehmen abonniert. Dabei gaben laut einer Nutzerumfrage mehr als die Hälfte der Befragten an, auf Instagram von neuen Produkten oder Dienstleistungen zu erfahren (Instagram, 2017b; Instagram Business, 2018d). Die soziale Plattform scheint somit sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen sehr attraktiv zu sein und von hohem Nutzen für sämtliche Akteure. Bei einer weltweiten Umfrage zum Nutzen von Social Media-Marketing gaben 88 % der befragten Unternehmen an, dass sie dadurch die Aufmerksamkeit erhöhen und 69 % der Unternehmen die Kundenloyalität fördern können (Social Media Examiner, 2018). Ausführliche Statistikfunktionen, Werbeanzeigen, Shoppable Tags on Photos, Kundeninteraktion, Data-Mining und besonders die Möglichkeiten zur Markenführung machen das Netzwerk für Unternehmen interessant (Scholz, 2017, S. 9 f.).

2.5 Zwischenfazit

Die steigende Internet- und Social Media-Nutzung wie auch die Weiterentwicklung des Webs und des Nutzerverhaltens lassen soziale Medien als Web 2.0-Anwendungen an Bedeutung gewinnen. Verknüpft mit dem E-Commerce, dem Online-Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen entsteht der Social Commerce als Kommerzialisierung der sozialen Medien. Dabei liegt der Fokus auf der Nutzerinteraktion und -integration sowie der Kommunikation zwischen Verbrauchern und Unternehmen. Die Erstellung von nutzergenerierten Inhalten ist dabei essenziell im SC. Im Rahmen des App-basierten Social Commerce wie auf der Bild- und Video-Sharing-App Instagram können Konsumenten in Prozesse integriert werden und Produkte kaufen. Unternehmen können auf Instagram vor allem junge Nutzer erreichen, welche zudem sehr an Unternehmensprofilen und -inhalten interessiert sind. Die intensive Nutzungsintensität, der starke Nutzerzuwachs und die hohe Aktualität der App weisen darauf hin, dass Instagram auch in Zukunft für Unternehmen relevant sein wird. Mit einem prognostizierten Marktvolumen von über 165 Mrd. US-Dollar im Jahr 2021 liegen im SC ersichtlich hohe Potenziale, nicht nur in der Förderung der Kundenaufmerksamkeit und -loyalität, sondern auch in der Umsatzsteigerung.

3 Potenziale und Einschränkungen des Social Commerce für Unternehmen

Nachfolgend werden die Nutzenpotenziale und Ziele, also die Vorteile von Social Commerce für Unternehmen, erläutert. Als Voraussetzung für weitere Untersuchungen werden daraufhin sozialpsychologische Potenziale in Form von Word-of-Mouth, User-Generated Content, Influencer -Marketing, Advocates sowie Social Support und Social Sharing betrachtet. Anschließend folgen Problembereiche und Einschränkungen des Social Commerce für Unternehmen. Im Zwischenfazit werden bündig die Inhalte des Kapitel 3 zusammengefasst.

3.1 Nutzenpotenziale und Ziele für Unternehmen

Ein Unternehmen, welches Social Commerce nutzt, schöpft parallel die Nutzenpotenziale des E-Commerce aus. Durch den Auftritt im Web wird die globale Präsenz und der damit einhergehende Zutritt zu bisher unerreichten Zielgruppen und Märkten ermöglicht. Ebenfalls ist eine erhöhte Flexibilität gewährleistet, da Angebote individuell platziert und Sortimente flexibel gestaltet werden können. Damit kann die Aktualität der gebotenen Produkte und Dienstleistungen garantiert werden (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 18).

Wie im E-Commerce können auch im Social Commerce Bestellungen direkt angenommen und damit Zeit und Kosten gespart werden. Die aus der Nutzung von E-Commerce gewonnenen Kundendaten lassen sich mit Daten aus sozialen Medien verknüpfen, analysieren und zum Vorteil des Unternehmens nutzen. Dabei können das Such- und Kaufverhalten, Interessen der Konsumenten, bisherige Daten aus Kundenbeziehungen sowie Transaktionen anhand von Data-Mining zur Bildung von exakten Zielgruppen verwendet werden. Zudem können speziell auf den Nutzer angepasste Produkte empfohlen und Marketingmaßnahmen individuell geschaltet werden. Dies führt unter anderem zu einer verbesserten Kundenbindung und der Möglichkeit des Cross-Selling, dem Querverkauf von sich ergänzenden Produkten (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 18; Vajapeyajula/Radhakrishnan/Varma, 2015, S. 493–498). Die Untersuchung des Habitus der Zielgruppen gilt als Erfolgsfaktor, um fähig zu sein, passende Maßnahmen zu induzieren (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 37).

Generell können die Vorteile des Online-Handels genutzt werden wie bspw. die Schnelligkeit des Mediums, Orts- und Zeitunabhängigkeit, die vereinfachte Beschaffung von Informationen aufgrund höherer Transparenz, die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit für Unternehmen und Konsumenten wie auch die niedrigeren Lieferungs- und transparenten Transaktionskosten (ebd., 2015, 18–19).

Neben den Potenzialen des Online-Vertriebs tragen auch die Potenziale des Social Media-Marketing zum Erfolg des Social Commerce bei. Ziele wie die Steigerung der Bekanntheit der Produkte und Marken bzw. des Unternehmens können erreicht werden. Ebenso sind Unternehmen imstande, sich als Experten zu positionieren und Bereitschaft zum Austausch deutlich zu machen, wodurch die Interaktion mit den Nutzern verstärkt werden kann. Die Neukundengewinnung, Kundenbindung und der Kundenservice sind ebenso Potenziale im Social Media-Marketing. Weitere Vorteile bilden das Social Media-Monitoring, Förderung der Markenwahrnehmung und -bildung, Verstärkung des Website-Traffic wie auch das verbesserte Ranking in Suchmaschinen darzustellen (Bitkom, 2016; Kreutzer, 2018, S. 21–29; Rossmann/Sonntag, 2013, S. 152; Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 14 f.).

In den Kaufprozessen stecken speziell im Social Commerce hohe Potenziale. Der Kunde kann einfach in verschiedene Prozesse integriert werden und somit die Wertschöpfungskette beeinflussen. Der Herstellungsprozess eignet sich, um Nutzer in die innovative Produktentwicklung einzubeziehen. Während des Kaufprozesses können Konsumenten durch Produktempfehlungen beeinflusst werden und Social Commerce sowie Social Media als Informationsquelle nutzen. In der Nachkaufphase stecken wiederum die Potenziale der Empfehlungen, Bewertungen und der Online-Mundpropaganda (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 25 f.; Yadav et al., 2013, S. 314–319). Auf diese sozialpsychologischen Potenziale wird in Kapitel 3.2 weiter eingegangen und die damit verknüpften Potenziale in den Phasen des Kaufprozesses in Kapitel 4 erläutert.

Laut Rossmann und Sonntag liegen die Ziele und Potenziale im Social Commerce überwiegend bei der Neukundengewinnung und Absatzsteigerung. Zudem hat die Interaktion mit Nutzern eine hohe Bedeutung, ebenfalls mit dem Ziel der erhöhten Umsatzsteigerung (Rossmann/Sonntag, 2013, S. 152). Auch Turban et al. betonen die Neukundengewinnung und das Feedback der Kunden bezüglich der Produkte, des Service und Designs. Zudem unterstreichen sie die Reduzierung der Kosten durch kostenlose Mundpropaganda sowie Nutzung von Gruppenintelligenz im Innovationsprozess als auch effiziente und schnelle Marktforschung. Weitere Potenziale sind auch bei Turban et al. die erhöhten Absatz- und Umsatzzahlen aufgrund von verschiedenen Faktoren wie z. B. ansteigendem Website-Traffic, Influencer -Marketing oder Markenbildung durch den Dialog mit Nutzern und damit einhergehend die Erhöhung des Marktanteils und Gewinns (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 14 f.).

3.2 Sozialpsychologische Potenziale

Die in diesem Kapitel vorgestellten sozialpsychologischen Potenziale beinhalten gesellschaftliche Verhaltensweisen der Nutzer von sozialen Medien, welche sich auf den Social Commerce auswirken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 2: Weitergabe von Erfahrungen mit Produkten oder Dienstleistungen

Quelle: Bitkom, 2013, S. 39

3.2.1 Word-of-Mouth und User-Generated Content

Laut einer Studie von 2013 (Darst. 2) lesen 73 % der deutschen Internetnutzer vor einem Online-Kauf das Feedback anderer Konsumenten. Für 32 % der User beeinflusst die Bewertung anderer Menschen direkt ihr Online-Kaufverhalten (Bitkom, 2013, S. 39). Die Weitergabe von Empfehlungen und Erfahrungen hat, begründet durch die höhere Glaubhaftigkeit, einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung (Radić/Posselt, 2016, S. 439).

Klassische Mundpropaganda (Word-of-Mouth) bedeutet, dass Verbraucher sich untereinander über Produkte, Marken und Dienstleistungen unterhalten und durch den Meinungsaustausch Kaufentscheidungen anderer Verbraucher beeinflussen, unabhängig von Unternehmen oder kommerziellen Zielen. Wenn diese Empfehlungen und Bewertungen im Internet ausgesprochen werden, bezeichnet man sie als Electronic Word-of-Mouth (eWOM). Kennzeichnend hierbei ist, dass eWOM innerhalb kürzester Zeit eine hohe Reichweite erlangen kann und Akteure sich häufig nicht persönlich kennen, sondern sich aufgrund gemeinsamer Konsuminteressen austauschen (Siegert et al., 2016, S. 339 f.).

Aufgrund der hohen Werbewirkung sollten Unternehmen bewusst eWOM auf Social Media auslösen, um ihre Marke und Produkte zu vermarkten. Kundenzufriedenheit, Erfahrungsmomente, Motive und Involvement sind unter anderem Faktoren, die eWOM initiieren können (ebd., 2016, S. 440). Um positives eWOM zu fördern, können bspw. Gewinnspiele auf sozialen Medien wie Instagram veranstaltet werden und einen Anreiz für Nutzer liefern, selbst Inhalte zu produzieren. Diese von Nutzern generierten Inhalte (UGC) sind für Unternehmen nicht nur kostengünstig, sondern auch aufmerksamkeitserregend und glaubwürdig (ebd ., 2016, S. 335 f.).

Das Bedürfnis nach sozialem Austausch mit anderen Personen ist im Menschen verankert und ein relevantes Motiv zur Erstellung von UGC auf sozialen Netzwerken (Lis/Korchmar, 2013, S. 16; Musiolik, 2014, S. 152). Im Rahmen des Marketings können Unternehmen versuchen, Nutzer zu beeinflussen, sodass diese möglichst positive Informationen über Marken, Dienstleistungen, Produkte oder Unternehmen teilen (Musiolik, 2014, S. 152). In Bezug auf Social Commerce sind eWOM und UGC essenziell, denn sie können den Ruf der Marke sowie Kaufentscheidungen der Nutzer positiv wie auch negativ beeinflussen (Ceyp/Scupin, 2013, S. 157; East/Hammond/Lomax, 2008, S. 215). Die rasante Verbreitung von Informationen mit hoher Reichweite (Viralität) kann zum Vorteil für Unternehmen genutzt werden, um die Markenbekanntheit zu erhöhen, einen Zusatznutzen durch die Marke zu generieren, Markenerlebnisse zu schaffen, Kunden zu gewinnen sowie zu binden und damit letztendlich den Absatz zu steigern. Nutzerbeteiligung und Involvement sind die treibende Kraft für Social Commerce (Benyoucef/Rad, 2011, S. 71).

3.2.2 Influencer-Marketing und Advocates

Influencer -Marketing bedeutet, Schlüsselpersonen miteinzubeziehen, die einen großen Einfluss und ein großes Netzwerk besitzen und somit andere Nutzer beeinflussen können. Diese Markenbotschafter, die Informationen über das Web und soziale Medien verbreiten, sind sogenannte Advocates oder Influencer (Jahnke, 2018, S. 4; Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 147). Als Influencer werden Nutzer bezeichnet, die Weiterempfehlungen anlässlich extrinsischer Motivation wie bspw. Geld oder Produktproben aussprechen. Advocates hingegen sind überzeugte Kunden, die nicht mit kommerziellem Hintergrund, sondern aufgrund selbst gemachter Erfahrung Marken oder Produkte anpreisen (Brown/Fiorella, 2013, S. 201 f.).

Um eWOM zu fördern, sollten Unternehmen sich laut Turban et al. auf Advocates (Fürsprecher) fokussieren. (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 58). Anhand dieser speziellen Form des eWOM und UGC können sie im Rahmen von Social Commerce den Dialog zwischen Unternehmen und Konsumenten fördern und personifizieren. Sie können als Produktberater auftreten, Produktneuheiten bekannt machen sowie Produkt- und Markenbotschaften auf emotionale und persönliche Art multiplizieren und damit Markenerlebnisse generieren. Dadurch wecken sie außerdem die Aufmerksamkeit der Zielgruppe, gewinnen Neukunden und fördern Loyalität. Ebenfalls haben sie Einfluss auf Kaufentscheidungen, Kundenbindung und Markenbekanntheit.

3.2.3 Social Support und Social Sharing

Social Support ist die soziale Unterstützung, die eine Person durch Beziehungen zu anderen Menschen wahrnimmt oder erfährt. Dabei wird sich um die Person gekümmert, sie erhält Antworten und Hilfe von Menschen in ihrem sozialen Umfeld. Ebenfalls kann Social Support als Möglichkeit zur Befriedigung der eigenen psychischen Bedürfnisse gesehen werden, aufgrund des Verlangens nach Zugehörigkeit und Unterstützung. Dabei kann es einer Person helfen, sich besser zu fühlen, indem ihr direkte Hilfe zur Verfügung gestellt wird, um persönliche Probleme zu lösen. Im Internet kann dies durch informative und emotionale Unterstützung geschehen (Liang et al., 2011, S. 70 f.; Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 67). Die Bedeutung von Social Support im Rahmen des Social Commerce ist folgende: Für Nutzer ist es logisch, informationelle Unterstützung als Social Support in sozialen Netzwerken zu leisten. Dabei beinhaltet die Interaktion als Erweiterung des Teilens von hilfreichen Informationen wie bspw. einem guten Rat auch kommerzielle Informationen und Empfehlungen (Liang et al., 2011, S. 72). Diese Unterstützung der User kann direkt verkaufsfördernd wirken und somit ist Social Support eine treibende Kraft im SC. Je größer die soziale Unterstützung auf einem sozialen Netzwerk ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer an Social Commerce teilnehmen (ebd., 2011, S. 70–72).

In diesem Zusammenhang spielt auch Social Sharing eine große Rolle. Social Sharing bezieht sich auf das Teilen von Informationen in sozialen Netzwerken und stellt in Bezug auf Social Commerce eine Empfehlung dar. Z. B. werden in Online-Shops „Teilen“-Verlinkungen, sogenannte „ Social-Sharing-Buttons “ angezeigt, sodass ein Nutzer betrachtete oder gekaufte Produkte mit seinem Social Media-Profil verknüpfen und mit Freunden und Bekannten teilen kann (Jacob, 2015, S. 215). Relevant ist hier, dass die Informationen mit Freunden und Bekannten auf sozialen Netzwerken geteilt werden und nicht wie bei klassischen Produktbewertungen mit Fremden (Liang et al., 2011, S. 69). Social Sharing bezieht sich nicht nur auf Produkte und Marken, sondern generell auf das Teilen von Inhalten mit dem sozialen Netzwerk. Laut Rimés Theorie des „ Social Sharing of Emotions “ teilen Personen emotionale Empfindungen. Dabei gilt: Je intensiver die Emotion oder je verblüffender das Erlebnis, desto eher erzählt eine Person dieses Ereignis weiter (Rimé, 1995). Damit ist die Nutzung von Beziehungen in sozialen Netzwerken zu kommerziellen Zwecken ein Potenzial im SC (Liang et al., 2011, S. 73).

3.3 Problembereiche und Einschränkungen

Obwohl Social Commerce als Anwendung von sozialen Medien im Vertrieb viele Möglichkeiten und Chancen für Unternehmen bietet, beinhaltet die Umsetzung desgleichen einige Probleme und Einschränkungen. Für Unternehmen besteht die Gefahr, die Kontrolle über das Markenbild wie auch ihren Ruf zu verlieren, denn Diskussionen und Bewertungen in sozialen Medien können nicht kontrolliert werden und möglicherweise negativ ausfallen. Ebenfalls ist die Qualität und Glaubwürdigkeit der nutzergenerierten Inhalte (UGC) nicht überprüfbar. Wahrhaftigkeit vermag also zum Problem beim SC werden (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 16). UGC kann sich dementsprechend sowohl positiv als auch negativ auf potenzielle Kunden auswirken. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass angezeigte Empfehlungen bisheriger Kunden andere Nutzer negativ beeinflussen, denn sie könnten als manipulative Reklame empfunden werden. Daraus kann ein möglicher Kaufabbruch aufgrund psychologischer Reaktanz, also einer Abwehrhaltung, resultieren. Eine solche Reaktanz wird ebenfalls ausgelöst durch zu exzessive Verkaufspolitik auf Plattformen wie Instagram (Clee/Wicklung, 1980, S. 391–393; Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 38) .

Davon abgesehen müssen Unternehmen im Reputationsmanagement Lösungen finden, wie falsche oder negative Aussagen gehandhabt werden sollen. Denn Kommentare können sich in sozialen Medien viral, also in kürzester Zeit mit einer hohen Reichweite, verbreiten. Schnelligkeit, Offenheit und Transparenz in der Kommunikation sind daher von hoher Relevanz (Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 38; Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 16).

Probleme der Wirtschaftlichkeit stellen Risiken im Rahmen der Social Media-Nutzung dar. Häufig ist bei Verantwortlichen im Unternehmen nicht das benötigte Social Media-Fachwissen vorhanden und es fehlt eine einheitliche Marketing-Strategie für soziale Medien, wodurch im Endeffekt der Nutzen nicht den Kosten entspricht. Zusätzlich entstehen Wartungs- und Pflegeprobleme auf Grund von nicht stetiger und konsistenter Betreuung der Social Media-Kanäle (Gabriel/Röhrs, 2017, S. 83).

Abgesehen davon tauchen unternehmensinterne Bedenken sowohl bei der Messbarkeit von Leistungskennzahlen als auch bei der Integration von Social Commerce in bestehende IT-Systeme auf (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 16). Die Verletzung von Datenschutz-, Marken- und Urheberrechten sowie der Privatsphäre kann rechtliche Konsequenzen mit sich ziehen (Gabriel/Röhrs, 2017, S. 85). Daher sind rechtliche Aspekte und Sicherheit Faktoren, welche Probleme bereiten können, sofern sie nicht gut durchdacht werden. Außerdem vermag die Rechtfertigung der Ausgaben für Social Commerce problematisch sein (Turban/Strauss/Lai, 2016, S. 16; Vajapeyajula/Radhakrishnan/Varma, 2015, S. 496).

Generell verkörpern einige Schwachstellen des E-Commerce auch Problembereiche im SC. So kann der Kannibalismuseffekt aufgrund der verschiedenen Distributionswege eines Unternehmens auftreten, indem gleiche Güter zu unterschiedlichen Preisen online und offline vermarktet werden. Ein klassisches Problem ist außerdem der mangelnde physische Kontakt mit dem Produkt. Konsumenten können das Produkt nicht anfassen oder erleben, was zu einer Einschränkung der Wahrnehmung und damit einer Beeinflussung der Kaufentscheidung führen kann (Bitkom, 2013, S. 7; Olbrich/Schultz/Holsing, 2015, S. 23).

Obwohl viele Güter online erhältlich sind, eignen sich nicht alle für SC. Allgemein werden Güter, deren Frische relevant ist wie z. B. Lebensmittel und Pflanzen oder Güter, die einen hohen finanziellen Wert haben wie z. B. ein Auto laut Bitkom weniger häufig online eingekauft. Bücher, eBooks, Schuhe, Kleidung und Accessoires werden hingegen sehr oft im Internet erworben, ebenso Unterhaltungsmedien, Reisedienstleistungen und Tickets für Events. Elektronische Güter und Software werden darüber hinaus auch häufig im Web beschafft (Bitkom, 2013, S. 5). Laut Kollmann hängt die Tauglichkeit eines Produktes für den Online-Handel von dessen „ E-Potential “ ab (Kollmann, 2016, S. 266). Bliemel et al. definieren E-Potential als Ausmaß, mit dem ein Produkt anhand seiner Charakteristika über das Internet vertrieben werden kann (Bliemel/Fassott/Theobald, 2000, S. 193). Hauptfaktor für diese Produkteignung ist die Digitalisierbarkeit eines Produktes, der möglichen Transformation eines Gutes in digitale Informationen. Ein Buch kann bspw. in ein eBook umgewandelt werden und eine DVD in einen Video-Download. Für den Internetverkauf am geeignetsten sind daher komplett digitalisierbare Güter (Bliemel/Fassott/Theobald, 2000, S. 193; Kollmann, 2016, S. 266 f.; Walgenbach, 2008, S. 37).

Für nicht digitalisierbare Güter muss auf Basis des E-Potentials anhand weiterer Faktoren evaluiert werden, ob ein Verkauf über E-Commerce und damit Social Commerce lohnend ist. Dafür sollte zum Einen die digitale Beschreibbarkeit betrachtet werden. Diese analysiert, inwieweit Produktinformationen digitalisiert und dargestellt werden können, sodass der Konsument eine fundierte Kaufentscheidung treffen kann. Des Weiteren spielt die digitale Beurteilbarkeit eine große Rolle. Der Konsument sollte rein über das Online-Medium entscheiden können, ob er jenes Gut ohne physische Überprüfung kaufen will. Zum Anderen ist der digitale Beratungsaufwand ein essenzieller Faktor. Dieser Faktor bewertet den Informationsumfang eines Artikels. Wenn bei einem Produkt zwingend eine Beratung durch den Anbieter vorausgesetzt ist, besitzt es ein geringeres E-Potential (Kollmann, 2016, S. 267). Diese Kriterien erklären, warum manche Produkte in der Bitkom -Studie von 2013 deutlich häufiger online vertrieben wurden als andere. Bücher haben ein hohes E-Potential, sie können neben der vollständigen Digitalisierbarkeit als eBook optimal digital beschrieben werden. Der Kunde kann ein Buch durch eine Online-Leseprobe überprüfen und benötigt in der Regel keine tiefergehende Beratung. Neben diesen Faktoren kann auch die visuelle Darstellung des Produktes im Internet die Kaufentscheidung vorteilhaft unterstützen (ebd., 2016, S. 269). Für Social Commerce über ein soziales Medium wie Instagram, dessen Inhalt aus Videos und Fotos besteht, ist diese Visualisierung von höchster Bedeutung (Faßmann/Moss, 2016, S. 36).

Im Allgemeinen können jegliche Güter, die auch im klassischen Online-Handel vertrieben werden, im Social Commerce vermarktet und verkauft werden. Doch im Zusammenhang mit den grundlegenden Eigenschaften von SC eignen sich Produkte mit hohem E-Potential aufgrund ihrer Charakteristika besser zum Vertrieb über Social Commerce. Spezielle Einschränkungen gibt es ebenfalls bei der generellen Eignung von Marken und Produkten für SC auf Instagram. Dies ist abhängig von dem Interesse der Konsumenten, sich mit einem Produkt auseinanderzusetzen und Informationen zu suchen, zu verarbeiten und zu speichern. In Kapitel 4.1 wird diese Marken-/Produkteignung anhand des Involvements und den Grundtypen der Kaufentscheidungen erläutert.

[...]


1 Aus Gründen der Lesbarkeit wird im Verlauf der Arbeit auf gendergerechte Sprache verzichtet.

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Social Commerce auf Instagram. Potenziale von Social Media-Marketing und E-Commerce für Unternehmen
Autor
Jahr
2020
Seiten
63
Katalognummer
V537887
ISBN (eBook)
9783960958680
ISBN (Buch)
9783960958697
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Social Media Marketing, Social Commerce, Instagram, Marketing, Social Media, E-Commerce, BWL, Online-Shopping, Konsumentenverhalten, Unternehmenserfolg, Online-Marketing, Konsumentenforschung
Arbeit zitieren
Natascha Krauss (Autor), 2020, Social Commerce auf Instagram. Potenziale von Social Media-Marketing und E-Commerce für Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537887

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Social Commerce auf Instagram. Potenziale von Social Media-Marketing und E-Commerce für Unternehmen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden