Aristoteles Politika, Erstes Buch


Seminararbeit, 2005

6 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Die Gemeinschaften

Aristoteles geht es im ersten Buch seiner Politika vor allem um die Arten menschlicher Gemeinschaften, ihrer Entstehung, Entwicklung, Art und Funktion. Nach Aristoteles ist „klar, dass alle Gemeinschaften nach einem Gut trachten, am meisten aber und zwar nach dem entscheidendsten unter allen Gütern die Gemeinschaft, die von allen die entscheidendste ist und alle anderen Gemeinschaften umspannt.“[1] Diese allumspannende Gemeinschaft ist die Polis. Sie ist das Ziel der menschlichen Gemeinschaft und erfüllt den höchsten Zweck. Um zur Entstehung der Polis zu gelangen muss zunächst von der kleinstmöglichen Gemeinschaft ausgegangen werden: der Gemeinschaft zwischen zwei Menschen. Frau und Mann bilden so eine Gemeinschaft notwendigerweise, da sie den naturgegebenen Trieb zur Fortpflanzung nur gemeinsam befriedigen können. Gleichzeitig betrachtet Aristoteles die Verbindung zwischen Herr und Sklave ebenfalls als eine naturgegebene und beiden Seiten nützliche Gemeinschaft.[2] Diese beiden kleinsten Gemeinschaften bilden schließlich den Oikos. Dieser Verband aus Familienmitgliedern und Sklaven versorgt alle Mitglieder mit den lebensnotwendigen Gütern, also Nahrung, Kleidung, Werkzeug usw. Er garantiert damit die Reproduktion und das Überleben seiner Mitglieder. Durch die Reproduktion bildet sich dann auch die dritte kleinste Gemeinschaft in den Oikos: die zwischen Vater und Kind.

Der nächst höhere Zusammenschluss setzt sich aus mehreren solcher Hauswirtschaften zusammen und nennt sich Dorf. Der Zusammenschluss erfolgt, um Bedürfnisse zu erfüllen, die über die reine Erhaltung und Reproduktion des Lebens hinausgehen. Diese Dörfer wiederum schließen sich zur Polis zusammen, der höchsten Form der Gemeinschaft. „Die aus mehreren Dörfern zusammengesetzte vollkommene Gemeinschaft ist der Staat, der sozusagen bereits über die Grenze der vollen Selbstgenügsamkeit verfügt, der nun zwar des Lebens wegen entstanden ist, aber doch um des guten Lebens willen besteht.“[3] Die Polis steht also am Ende einer Entwicklung, deren einzelne Entwicklungsstufen jeweils den Zweck einer höheren Bedürfnisbefriedigung erfüllen. Die Polis selbst ist allerdings der Endpunkt dieser Entwicklung, da in ihr und nur in ihr der Mensch seine Selbstgenügsamkeit (Eudaimonia) erreichen kann. Die Eudaimonia hat selbst keinen Zweck mehr, sie ist der letzte Zweck und damit das Ziel einer jeden naturgegeben Entwicklung. Aus diesem Grunde ist die Polis für Aristoteles auch etwas von Natur (physis) aus Bestehendes. Im aristotelischen Naturverständnis wächst alles so wie es ihm von Vornherein gegeben ist. So entsteht aus dem Samen die Pflanze und nie etwas anderes, weil es in der Natur des Samens liegt, zur Pflanze zu werden. Genau so liegt es in der Natur des Menschen, Gemeinschaften einzugehen und diese Gemeinschaften wiederum streben danach über mehrere Entwicklungsstadien in einer Polis aufzugehen, da nur in dieser der letzte Zweck, die Eudaimonia erreicht werden kann. Da kein Mensch allein selbstgenügsam leben kann, braucht er also die Polis. Wer außerhalb der Polis lebt, „ist entweder ein wildes Tier oder ein Gott.“[4]

[...]


[1] Aristoteles: Politik. Übersetzt und herausgegeben von Franz F. Schwarz. Stuttgart 1989. S. 76. (1252a)

[2] Zur Herrschaft bei Aristoteles siehe weiter unten!

[3] Aristoteles: Politik. Übersetzt und herausgegeben von Franz F. Schwarz. Stuttgart 1989. S. 77. (1252b)

[4] Aristoteles: Politik. Übersetzt und herausgegeben von Franz F. Schwarz. Stuttgart 1989. S. 79. (1253a)

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Aristoteles Politika, Erstes Buch
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut der Philosophie)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
6
Katalognummer
V53813
ISBN (eBook)
9783638491563
ISBN (Buch)
9783656567578
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit ist im Grunde keine wirkliche Proseminar-Hausarbeit. Der Dozent verlangte nur 5-6 Seiten und keine Auseinandersetzung mit Sekundärliteratur. Die Arbeit ist daher ein Mittelding zwischen Exzerpt und Essay, auch wenn sie wie eine Proseminararbeit behandelt wurde.
Schlagworte
Aristoteles, Politika, Erstes, Buch, Proseminar
Arbeit zitieren
Andreas Wiedermann (Autor), 2005, Aristoteles Politika, Erstes Buch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53813

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