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Das Motiv des Unheimlichen in Jeremias Gotthelfs "Die schwarze Spinne"

"wenn die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt"

Title: Das Motiv des Unheimlichen in Jeremias Gotthelfs "Die schwarze Spinne"

Term Paper , 2019 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sophie Hohmann (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, welchen Einfluss die Rahmenstruktur auf das Unheimliche der Erzählung ausübt, wenn die Binnenhandlungen als Vorgeschichte betrachtet werden. Dazu wird der Fokus auf drei verschiedene Analyseschwerpunkte gelegt, die in folgenden Untersuchungsfragen zusammengefasst sind und als Leitfaden dieser Arbeit dienen: Welche Bedeutung und Funktion nehmen die Dynamisierung der Handlungsstruktur, das Nicht-Wissen und die intradiegetische Angst im Erzählprozess des Unheimlichen ein? Welche neuen Deutungsansichten ergeben sich aus diesem Perspektivwechsel?

Unheimlich ist, „wenn die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt“, so schreibt es Freud in seinen Ausführungen über das Unheimliche im Jahr 1941. Das Unheimliche ist also etwas, „das real vor uns hintritt, was wir bisher für phantastisch gehalten haben“. Für die Unterhaltungsindustrie und vor allem auch für die Gesellschaft stellt diese Verflechtung einen ganz besonderen Reiz dar und so zeigt sich in den letzten Jahrzehnten ein zunehmender Trend zum unheimlichen Unterhaltungsgenre. Die Zahl an klassischen Mystery-Serien und -Filmen oder Fantasy-Büchern hat sich vervielfacht. Insbesondere die Produktionen, deren Protagonisten oder Antagonisten Untote wie Vampire und Zombies oder fantastische Monster darstellen, gewinnen konstant an Beliebtheit.

Dieses Interesse ist jedoch nichts Neuartiges, denn bereits vor mehr als 150 Jahren wurde das unheimliche Erzählen beherrscht. Thomas Degering spricht sogar von „einer der unheimlichsten und beunruhigendsten Novellen, die jemals geschrieben wurde“. Gemeint ist Jeremias Gotthelfs wohl bekanntestes Werk Die schwarze Spinne (1842). Doch wie gelingt es Gotthelf diese bemerkenswert unheimliche Atmosphäre zu schaffen? Ein besonderes strukturelles Merkmal dieser Novelle ist die Kombination aus Rahmen und Binnenhandlungen. Auch die Rahmenerzählung als Stilmittel zu nutzen, ist kein unbekanntes Phänomen, sondern findet seinen Ursprung Jahrhunderte zuvor. Bereits die Geschichtenerzähler von Tausendundeiner Nacht (8. Jh.) nutzten die Unwissenheit des Zuhörers (und der Protagonisten), um den Spannungsbogen möglichst lang zu halten und immer wieder für überraschende Entwicklungen zu sorgen. Auch wenn populäre Produktionen noch heute auf dieses stilistische Phänomen zurückgreifen, feiert die Rahmenerzählung im 19. Jahrhundert ihre Blütezeit.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlung und konventionelle Deutungen der ›Schwarzen Spinne‹

3. Zum Verständnis von Rahmen und Binnenerzählung

4. Nicht-Wissen in der Literatur

5. Das Unheimliche nach Freud

6. Das Unheimliche in ›Die schwarze Spinne‹

6.1 Dynamisierung als Steuermechanismus

6.2 Nicht-Wissen als Katalysator der Angst

6.3 Intradiegetische Angst als Quelle des Unheimlichen

7. Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Rahmenstruktur in Jeremias Gotthelfs Novelle Die schwarze Spinne auf die Erzeugung einer unheimlichen Atmosphäre. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Bedeutung die Dynamisierung der Handlungsstruktur, das Nicht-Wissen und die intradiegetische Angst für den Erzählprozess sowie die Wirkung des Unheimlichen haben.

  • Analyse der Rahmen- und Binnenstruktur als erzählerisches Instrument
  • Untersuchung der Funktion von Nicht-Wissen bei der Entstehung von Angst
  • Anwendung psychoanalytischer Theorien nach Sigmund Freud auf die Erzählung
  • Erforschung der Wechselwirkung zwischen Phantasie und Realität
  • Deutung der kollektiven Identität und der Rolle des Glaubens in der Novelle

Auszug aus dem Buch

6.1 Dynamisierung als Steuermechanismus

Eine der prägnantesten Eigenschaften der Novelle liegt in ihrem strukturellen Aufbau – dem Rahmen und seinen Binnenerzählungen. Schaut man sich die Handlung auf Histoire-Ebene an, beginnt die Erzählung im 13. Jahrhundert, führt den Leser in das 15. Jahrhundert und mündet schließlich in der Vormärz-Gegenwart (vgl. Abbildung 1).

Auf Discours-Ebene verhält sich die Struktur wiederum ganz anders. Folgt man Gotthelfs Erzählung so wie er sie niederschrieb, durchläuft man wiederholt Zeitsprünge. Der Leser wird von der Taufgesellschaft im Vormärz in das 13. Jahrhundert zurückversetzt. Ein Zeitsprung trägt ihn wieder in die Gegenwart, die ihn wiederum in die Vergangenheit des 15. Jahrhunderts leitet. Die Handlung endet schließlich wieder bei der Taufgesellschaft im 19. Jahrhundert. Diese Dynamisierung des Handlungsverlaufs wird in Abbildung 2 bildlich veranschaulicht. Die dadurch entstehende Wirkung ist immens, denn so werden narrative Zusammenhänge gestiftet sowie Plausibilität geschaffen, die andernfalls nicht aufgefallen wären. Andererseits entstehen dadurch Leerstellen, die beim Leser Skepsis, Befürchtungen und Erwartungen schaffen, wodurch der Spannungsbogen gestärkt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert den theoretischen Rahmen des Unheimlichen und skizziert die Bedeutung von Jeremias Gotthelfs Die schwarze Spinne für die Forschung.

2. Handlung und konventionelle Deutungen der ›Schwarzen Spinne‹: Dieses Kapitel fasst die Handlung der Novelle zusammen und beleuchtet gängige Interpretationsansätze wie Religion, Biedermeier-Kontext und sozialpolitische Einflüsse.

3. Zum Verständnis von Rahmen und Binnenerzählung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der erzählerischen Form der Rahmenerzählung und deren Funktion zur Spannungssteigerung dargelegt.

4. Nicht-Wissen in der Literatur: Das Kapitel differenziert verschiedene Kategorien des Nicht-Wissens und dessen Bedeutung als dynamisches Konstrukt für literarische Texte.

5. Das Unheimliche nach Freud: Diese Sektion erläutert Freuds Definition des Unheimlichen, insbesondere die Unterscheidung zwischen dem Unheimlichen des Erlebens und der Phantasie.

6. Das Unheimliche in ›Die schwarze Spinne‹: Das Hauptkapitel wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Konzepte konkret auf die Novelle an und analysiert, wie diese die unheimliche Atmosphäre erzeugen.

6.1 Dynamisierung als Steuermechanismus: Untersuchung der zeitlichen Verschränkungen zwischen Rahmen und Binnenerzählungen als Mittel zur Spannungssteuerung.

6.2 Nicht-Wissen als Katalysator der Angst: Analyse der Rolle des Nicht-Wissens und der Informationsvergabe als treibende Kraft für die Angst der Figuren und Leser.

6.3 Intradiegetische Angst als Quelle des Unheimlichen: Betrachtung der immanenten Ängste der Figuren im Kontext von Tod, Religion und dem Realitätsbezug der Erzählung.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die komplexe Verschränkung von Wissen, Nicht-Wissen und Angst in der Novelle hervor.

Schlüsselwörter

Jeremias Gotthelf, Die schwarze Spinne, Unheimliches, Sigmund Freud, Rahmenerzählung, Binnenerzählung, Nicht-Wissen, Angst, Novelle, Literaturwissenschaft, Poetischer Realismus, Dynamisierung, Taufgesellschaft, Teufelspakt, Religion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie Jeremias Gotthelf durch eine spezielle Erzählstruktur (Rahmen- und Binnenerzählungen) eine Atmosphäre des Unheimlichen erzeugt und welche Rolle das Nicht-Wissen und die Angst dabei spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Bedeutung der Erzählform für die Wirkung von Literatur, die psychoanalytische Deutung des Unheimlichen sowie die soziale und religiöse Einbettung der Novelle im 19. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, welchen Einfluss die Rahmenstruktur auf das Unheimliche der Erzählung ausübt und wie Dynamisierung, Nicht-Wissen und intradiegetische Angst als Steuermechanismen fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der theoretischen Grundlage von Sigmund Freuds Aufsatz "Das Unheimliche" basiert und diese mit modernen Theorien zu Nicht-Wissen und Erzählstrukturen (Rahmenerzählung) kombiniert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Rahmen/Binnenerzählung, Nicht-Wissen, Freud) und eine konkrete Anwendung auf Die schwarze Spinne, wobei die drei Aspekte Dynamisierung, Nicht-Wissen und intradiegetische Angst detailliert untersucht werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Unheimliches, Rahmenerzählung, Nicht-Wissen, Angst, Dynamisierung und die Analyse von Jeremias Gotthelfs Werk charakterisiert.

Wie unterscheidet Gotthelf in der Novelle zwischen verschiedenen Zeitebenen?

Gotthelf nutzt eine dreiteilige Rahmenhandlung, die zwei zeitlich weit entfernte Binnenerzählungen (ca. 1200 und ca. 1400) einbettet. Durch diese Struktur wird eine Dynamisierung des Handlungsverlaufs erreicht, die den Leser permanent zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechseln lässt.

Warum spielt das "Nicht-Wissen" eine so entscheidende Rolle für die unheimliche Atmosphäre?

Das Nicht-Wissen fungiert als Katalysator für Angst. Sobald Figuren (oder Leser) nicht genau wissen, was an einem Ort oder bei einem Phänomen (wie dem Fensterpfosten) vor sich geht, entstehen Leerstellen, die durch Befürchtungen und Paranoia gefüllt werden, was die Spannung massiv erhöht.

Welche Rolle spielt die "intradiegetische Angst" für den Leser?

Die Angst innerhalb der Erzählwelt (intradiegetische Angst) überträgt sich laut der Autorin auf den Leser, da die mündliche Erzählsituation des Großvaters den Leser stets auf dasselbe Wissensniveau wie die Zuhörer im Roman stellt, wodurch die Erwartungshaltungen geteilt werden.

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Details

Title
Das Motiv des Unheimlichen in Jeremias Gotthelfs "Die schwarze Spinne"
Subtitle
"wenn die Grenze zwischen Phantasie und Wirklichkeit verwischt"
College
University of Münster  (Germanistisches Institut)
Course
(Nicht-)Wissen erzählen. Das Modell Vorgeschichte in der Literatur des 19. Jahrhunderts.
Grade
1,3
Author
Sophie Hohmann (Author)
Publication Year
2019
Pages
25
Catalog Number
V538139
ISBN (eBook)
9783346132871
ISBN (Book)
9783346132888
Language
German
Tags
Spinne Vorgeschichte Unheimlich Freud Dynamisierung Nicht-Wissen Angst Phantasie Motiv Gott Glaube Christentum Novelle Französische Revolution Rahmenerzählung Parallelhandlung 19. Jahrhundert Erleben Vormärz Binnenhandlung Teufel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sophie Hohmann (Author), 2019, Das Motiv des Unheimlichen in Jeremias Gotthelfs "Die schwarze Spinne", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538139
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