In der Arbeit soll untersucht werden, wie der Dreh-Tanz der Derwische als Beispiel eines religiösen Rituals in der Türkei von zeitgenössischen Künstlern dargestellt und in verschiedenen Medien umgesetzt wurde.
Der Fokus liegt dabei auf zwei türkischstämmigen Künstlern. Zum einen auf der Performancekünstlerin Nezaket Ekici, die das Ritual des Trancetanzes in ihrer Performance "Umgestülpt" übernommen hat. Zum anderen auf dem Künstler Vahap Avsar, der mit seiner Installation "Come who ever you are" die Botschaft Mevlana Rumis wieder aufgreift.
Um auf das Kernthema hinzuführen, ist es zunächst wichtig die allgemeine Bedeutung der Derwische und das Ritual der Mevlevi genauer zu beleuchten. In einem ersten Schritt wird daher erklärt, worum es sich bei einem Derwisch handelt. Anschließend wird das Ritual des Mevlevi-Derwisch-Ordens in seinen unterschiedlichen Ausprägungen behandelt. Es soll ein grundlegendes Verständnis für die darauffolgende Interpretation der jeweiligen Kunstwerke Ekicis und Avsars geschaffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Derwische in der Kunst
2 Die Bedeutung der Derwische und ihres Rituals
2.1 Was ist ein Derwisch?
2.2 Das Ritual der Mevlevi-Derwische
3 Umsetzung des Rituals durch zeitgenössische Künstler
3.1 Die Performance „Umgestülpt“ von Nezaket Ekici
3.2 Die Installation „Come“ von Vahap Avsar
4 Die neue Ära der Derwische
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das religiöse Ritual des Dreh-Tanzes der Mevlevi-Derwische als Motiv in der zeitgenössischen türkischen Kunst adaptiert und transformiert wird, um kulturelle Identität und Spiritualität neu zu verhandeln.
- Historische und symbolische Grundlagen des Mevlevi-Derwisch-Ordens
- Analyse der Performance „Umgestülpt“ von Nezaket Ekici
- Untersuchung der Installation „Come“ von Vahap Avsar
- Wechselwirkung zwischen traditionellem Sufismus und moderner Identitätspolitik
- Bedeutung religiöser Symbole in der aktuellen türkischen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
2.2 Das Ritual der Mevlevi-Derwische
Hierbei stellt sich zunächst die Frage was ein Ritual eigentlich ausmacht: Nach Beyeler ist ein Ritual ein „kulturell konstruiertes System symbolischer Verhaltensweisen. Es besteht aus strukturierten und höchst standardisierten Sequenzen von Handlungen und Worten mit repetitivem, formalem und stereotypem Charakter.“ Das Ritual der Derwische besteht aus dem einleitenden Mukabele Ritual und dem darauffolgenden Sema, welcher in vier Selams beziehungsweise Dreh-Tanz-Sequenzen unterteilt ist. Jeder Teil des Derwisch Rituals folgt strengen Vorschriften und einem durchdachten symbolischen Kodex. Dabei hat jede Handlung der Derwische wie beispielsweise die Haltung der Arme sowie die Linksdrehung symbolische Bedeutung.
Der Dreh-Tanz der Mevlevi-Derwische geht auf Mevlana Jalal al-din Rumi (1207-1273) zurück. Mevlana Rumi wurde ursprünglich in Balkh, im heutigen Afghanistan geboren und flüchtete mit seiner Familie vor den Mongolen ins seldschukische Konya in der heutigen Türkei. Dort starb er 1273. Rumi war ein großer Gelehrter, um den sich Anhänger aus allen Glaubensrichtungen versammelten. Die Begegnung mit dem Wanderderwisch Shams-i Täbriz brachte eine folgenreiche Wendung in Rumis Leben: Dieser lehrte ihn ein neues Verständnis von Wissen, wobei dies nur aus der unmittelbaren Erkenntnis des Göttlichen mittels des Dreh-Tanzes und nicht durch das Studieren von Büchern zu erwerben sei. Bereits zu Rumis Zeiten zählte der Dreh-Tanz zu den ältesten Ritualen der Sufisten und war eine verbreitete Methode der mystischen Erkenntnis.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Derwische in der Kunst: Einführung in die Thematik der Adaption des Derwisch-Tanzes durch moderne Künstler als Mittel zur spirituellen Reflexion.
2 Die Bedeutung der Derwische und ihres Rituals: Erläuterung der soziokulturellen Hintergründe des Mevlevi-Ordens sowie der detaillierten Symbolik und Abläufe des traditionellen Dreh-Tanzes.
3 Umsetzung des Rituals durch zeitgenössische Künstler: Fallstudien zur künstlerischen Auseinandersetzung durch die Performance von Nezaket Ekici und die Installation von Vahap Avsar.
4 Die neue Ära der Derwische: Resümee über die kulturelle Bedeutung des Tanzes in der modernen Türkei und seine Rolle als Identitätsmarker im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Schlüsselwörter
Derwische, Mevlevi, Sufismus, Mevlana Rumi, Dreh-Tanz, Sema, Mukabele, zeitgenössische Kunst, Nezaket Ekici, Vahap Avsar, türkische Kultur, Identität, Ritual, Performance, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rezeption und künstlerischen Interpretation des religiösen Rituals des Mevlevi-Derwisch-Ordens innerhalb der zeitgenössischen türkischen Kunst.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die spirituelle Bedeutung des Sufismus, die Symbolik des Dreh-Tanzes (Sema) und die künstlerische Transformation dieser Traditionen in moderne Medien wie Performance und Installation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Künstler das traditionelle Ritual nutzen, um persönliche Identitäten, politische Kritik oder spirituelle Fragestellungen in der modernen Welt auszudrücken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine kunsthistorische und kulturwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Untersuchung spezifischer künstlerischer Fallbeispiele basiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Einleitung zum Derwisch-Kult und eine detaillierte Analyse der Werke von Nezaket Ekici und Vahap Avsar.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sufismus, Mevlana Rumi, Sema, Identität und kulturelle Transformation bestimmt.
Wie unterscheidet sich die künstlerische Herangehensweise von Nezaket Ekici?
Ekici nutzt ihren eigenen Körper in einer Performance, um das traditionell männlich dominierte Ritual zu dekonstruieren und eine neue, weibliche Perspektive auf die Spiritualität zu eröffnen.
Welche Bedeutung kommt Vahap Avsars Installation „Come“ zu?
Avsar nutzt die Installation als provokante Metapher, um seine eigene komplexe kulturelle und politische Identität als Künstler mit Aleviten-Hintergrund in der Türkei zu reflektieren.
- Arbeit zitieren
- Victoria Landmann (Autor:in), 2015, Das Ritual der Mevlevi-Derwische. Religion und Rituale in der zeitgenössischen türkischen Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538666