Rohstoffe in der Arktis. Droht die Gefahr eines neuen Kalten Krieges?


Einsendeaufgabe, 2020

7 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Rohstoffvorkommen

Gründe für das Interesse an der Arktis

Befürchtungen von Kritikern

Entwarnung von Experten

Kooperationsmaßnahmen

Probleme beim Rohstoffabbau

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Dass der Klimawandel starke Auswirkungen auf die Arktis hat, ist allgemein bekannt. Von schmelzenden Gletschern und einem steigenden Meeresspiegel, der für einen Kollaps des globalen Ökosystems sorgen könnte, hat wohl jeder schon mal gehört. Doch anders, als viele Klimaschützer, sehen Vertreter großer Energiekonzerne das Schmelzen des Eises durchaus positiv. Für sie könnten sich neue Gelegenheiten der Erdöl- und Erdgasgewinnung ergeben, denn es werden riesige Ressourcen unterhalb der Eisdecke vermutet. Lange Zeit waren diese Gebiete unzugänglich und technisch nicht erschließbar. Mit dem Rückgang der Eisdecke werden sie jedoch immer zugänglicher und es ist längst schon die Debatte um territoriale Ansprüche ausgebrochen. Kritiker fürchten, dass in Bezug auf die Arktis ein neuer Kalter Krieg ausbrechen könnte (vgl. Smirnova). Im folgenden Text wird erläutert, inwiefern die Erschließung der Arktis tatsächlich internationales Konfliktpotenzial darstellt. Dabei wird zunächst auf das allgemeine Rohstoffvorkommen in der Region eingegangen, sowie auf die Frage welche Länder einen territorialen Anspruch erheben, sowie auf die möglichen Konflikte und Chancen, die sich daraus ergeben. Außerdem werden Probleme der Ressourcenerschließung erläutert und anschließend ein Fazit gezogen.

Rohstoffvorkommen

In der Arktis befinden sich zahlreiche, bisher unangetastete Vorkommen mineralischer Rohstoffe wie Gold, Eisen, Nickel, Kupfer, sowie Uran und Seltenen Erden (vgl. Amann: S.1) , was das Interesse an dieser Region bei den angrenzenden Staaten geweckt hat. Außerdem werden laut des U.S. Geological Survey (USGS), dem Geologischen Dienstes der USA, circa 13 Prozent der bisher unentdeckten globalen Erdölvorkommen, sowie fast 30 Prozent der unerschlossenen Erdgasvorkommen in der Nordpolarregion vermutet. Diese Tatsache steigert das Interesse an der Region, da die Energiesicherheit eine wichtige politische Rolle spielt (vgl. ebd.).

Gründe für das Interesse an der Arktis

Aufgrund unserer wachsenden Konsumgesellschaft steigt der weltweite Energiebedarf, wodurch die momentan zugänglichen Reserven weiter ausgeschöpft werden. Die Menge an verfügbaren Reserven nimmt deshalb stetig ab, was wiederum einen Preisanstieg nach sich zieht. Auch die Tatsache, dass ein Großteil des Erdöls und -gases heutzutage aus politisch instabilen Ländern, wie zum Beispiel dem Irak stammt, sorgt oft für Preisschwankungen und eine Abhängigkeit von diesen Ländern. Mit der Erschließung der Erdgas- und Erdölquellen in der Arktis ließe sich der Preis in der Theorie stabilisieren und der weltweite Energiebedarf weiterhin decken, was Gründe für das große Interesse an der Arktis sind. Im Verlauf des Textes wird noch näher darauf eingegangen, warum die Praxis jedoch auch anders aussehen könnte. Trotzdem ist die Unabhängigkeit von krisengeprägten Ländern für alle angrenzenden Länder der Arktis erstrebenswert. Neben den vermuteten Ressourcen hoffen die Staaten jedoch auch auf die Erschließung neuer Schifffahrtswege und Handelsrouten, die vorher aufgrund der Eisschicht nicht möglich waren (vgl. Amann: S. 2).

Befürchtungen von Kritikern

Zu den direkt angrenzenden Staaten zählen Russland, Kanada, die USA, Norwegen und Dänemark (aufgrund der völkerrechtlichen Souveränität über Grönland). Aufgrund ihrer geografischen Lage, werden diese Länder auch als die „Arktischen Fünf“ bezeichnet (vgl. Uebachs: S. 5). Kritiker fürchten, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen diesen Staaten hinsichtlich der „Eroberung“ der Arktis kommen könnte, weil es für dieses Gebiet noch kaum territoriale Grenzen gibt (vgl. Amann: S. 1). Durch die Unzugänglichkeit der Region war dies bisher auch nicht nötig, doch nun stellen sich neue sicherheitspolitische Fragen. Jedes der fünf Länder hat in den letzten Jahren seine militärischen Kapazitäten vor Ort erweitert (vgl. Amann: S. 2). Eine im Jahre 2007 durchgeführte russische Militäraktion führte zu großer Beunruhigung und weckte vor allem das mediale Interesse. Dabei platzierte ein U-Boot die russische Flagge auf dem Meeresboden des geografischen Nordpols in über 4.000 Metern Tiefe. Außerdem fiel die Aussage, dass Russland seine nationalen Interessen „notfalls mit militärischer Gewalt verteidigen werde“ (vgl. ebd.), was Kritiker in ihrer Vermutung bestärkte, dass es hinsichtlich der Arktis auch zu militärischen Auseinandersetzungen kommen könnte. Hinzu kommt, dass alle Anrainerstaaten militärische Strategiepapiere entworfen haben, welche zahlreiche Aufrüstungs- und Modernisierungspläne beinhalten, was allgemein als „Kriegsvorbereitung“ gesehen werden könnte (vgl. Amann: S. 6).

Entwarnung von Experten

Dem Politikwissenschaftlers Amann zufolge seien zahlreiche Experten der Meinung, dass die Lage nicht ganz so ernst sei, wie sie scheint. Viele der Pläne wurden bis heute immer wieder aufgeschoben und in der Realität nicht umgesetzt. Außerdem richte sich die Aufrüstung nicht direkt gegen ausländische Streitkräfte, sondern sei ein normaler Prozess im Sinne der Sicherung der neuen Grenzen, von denen vorher keine Gefahr ausging, da das Gebiet nicht zugänglich war und somit auch keine Angriffe zu befürchten waren (vgl. Amman: S. 5). Amman bezeichnet die Arktis vielmehr als eine „Region der Kooperation“ (vgl. Amann: S. 6). Dass diese Bezeichnung durchaus legitim ist, zeigt die Tatsache, dass sich in den letzten Jahren zahlreiche Foren und Kooperationsmaßnahmen rund um die Arktis gebildet haben.

Kooperationsmaßnahmen

Das wohl bedeutendste Forum ist dabei der Arktische Rat (AR), der aus den fünf Anrainerstaaten, sowie Schweden, Island, Finnland und sechs weiteren Gruppen, welche die Interessen der indigenen Bevölkerung vertreten, besteht. Ziel des Rates ist es gemeinsame Strategien im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung und des Naturschutzes zu entwickeln und umzusetzen. Der AR existiert schon seit 1996 und wird von allen Mitgliedern akzeptiert und genutzt (vgl. Arctic Council). Dies kann sich auch in Zukunft als hilfreich erweisen, da sich beim Abbau der Rohstoffe einige Probleme auftun könnten, welche leichter zu bewältigen wären, wenn die Mitglieder des Rates miteinander und nicht gegeneinander arbeiten würden.

Probleme beim Rohstoffabbau

Der Abbau des Erdöls und -gases in der Arktis wird mit deutlich mehr Kosten verbunden sein, als dies bisher der Fall war. Etwa 84% der erwarteten Rohstoffressourcen sollen laut dem USGS offshore, also im Meer zu finden sein, was ohnehin schon mehr kosten wird, als der Ressourcenabbau an Land, da man spezielle Bohrinseln benötigt, die teuer in der Produktion sind. In der Arktis stellt dies jedoch auch insofern ein Problem dar, als dass man nicht mit Sicherheit sagen kann, ob die Bohrinseln den Witterungsbedingungen und der extremen Kälte standhalten. In jedem Fall müssen zusätzliche Isolationsmaßnahmen durchgeführt werden, welche die Kosten weiter in die Höhe treiben werden. Das gleiche gilt für Pipelines, die durch das Nordpolarmeer gelegt werden müssen. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass die Pipelines, Bohrinseln oder deren Versorgerschiffe durch herumtreibendes Packeis beschädigt werden (vgl. Johnston: S. 7). Die entstehenden Kosten wären leichter zu bewältigen, wenn die Mitgliedsstaaten zusammenarbeiten würden.

Fazit

Ausgehend von der Tatsache, dass den Staaten selbst mitunter bewusst ist, dass man in der Arktis mehr durch Kooperation als durch Konflikte oder Krieg erreichen kann, ist die Eingangsfrage, inwiefern der „Kampf um die Ressourcen der Arktis“ ein internationales Konfliktpotenzial darstellt, relativ einfach beantworten. Die unklare Territorialverteilung und Rechtslage in der Region, sowie die vermuteten Rohstoffressourcen bergen natürlich ein gewisses Konfliktpotential und könnten zu Auseinandersetzungen führen. Jedoch werden diese höchstwahrscheinlich nicht militärisch, sondern auf diplomatischem Wege, beispielsweise mithilfe des Arktischen Rates, geklärt. Man kann der Aussage des Politikwissenschaftlers Josef Amanns durchaus zustimmen, dass die militärischen Aktionen vor allem von russischer Seite nicht unbedingt als drohende Kriegsbotschaft zu verstehen sind, sondern lediglich als Machtdemonstration. Sollte Russland das Gebiet der Arktis tatsächlich militärisch erobern, würde dies Unmengen an Geld kosten, sodass nichts mehr übrigbliebe, um die Ressourcen dort erschließen zu können. Es bleibt also festzuhalten, dass die Erschließung der Arktis durchaus internationales Konfliktpotenzial bietet, jedoch ist es als unwahrscheinlich zu betrachten, dass diese Konflikte zu militärischen Auseinandersetzungen führen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Rohstoffe in der Arktis. Droht die Gefahr eines neuen Kalten Krieges?
Hochschule
Universität Hamburg  (Geographie)
Note
1,9
Autor
Jahr
2020
Seiten
7
Katalognummer
V538862
ISBN (eBook)
9783346162571
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rohstoffe Arktis, Arktis, Neuer Kalter Krieg
Arbeit zitieren
Saskia Liehr (Autor), 2020, Rohstoffe in der Arktis. Droht die Gefahr eines neuen Kalten Krieges?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/538862

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Rohstoffe in der Arktis. Droht die Gefahr eines neuen Kalten Krieges?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden