Diese Arbeit thematisiert die Begriffe Islam, Islamismus und islamistischer Terrorismus. Der Islam stellt heute mit mehr als 1,8 Milliarden Anhängern, nach dem Christentum, die zweitgrößte Weltreligion dar. Mit den vom Terrornetzwerk al Qaida verübten Anschlägen vom 11. September 2001 rückte der islamistische Terrorismus erstmals in den Fokus einer breiten Weltöffentlichkeit. Seither wird der Islam in der medialen Berichterstattung mit Gewalt assoziiert und es herrscht eine kontinuierliche Debatte über die Verbindung zwischen Religion und Gewalt.
In diesem Zusammenhang soll im Verlauf dieser Ausarbeitung differenziert auf die Abgrenzung zwischen Islam, Islamismus und islamistischem Terrorismus eingegangen werden. Zur Veranschaulichung erfolgt dazu zunächst ein Überblick über die Grundzüge des islamischen Glaubens. Die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung und wesentliche Begrifflichkeiten sollen erklärt und verdeutlicht werden. Danach erfolgt die Bestimmung des Islamismus-Begriffs und eine Abgrenzung zum islamischen Glauben. Vor diesem Hintergrund werden anschließend die Begriffe Salafismus und Wahhabismus sowie der islamische Modernismus erläutert. Der Abschnitt beschäftigt sich abschließend mit den Anfängen und der ideologischen Festigung des Islamismus.
Im Anschluss daran wird der Islamismus dem islamistischen Terrorismus gegenübergestellt. Es folgt eine Begriffsbestimmung des islamistischen Terrorismus und eine Abgrenzung zum Islamismus-Begriff. In diesem Zusammenhang wird daran anknüpfend auf den Begriff des Dschihadismus eingegangen und die Internationalisierung dschihadistischer Gruppierungen betrachtet. Des Weiteren wird stellvertretend für derartige Gruppierungen beispielhaft die Entstehung und Entwicklung der al Qaida und die Sonderstellung des Islamischen Staates (IS) vor dem Hintergrund klassisch strukturierter Terrororganisationen veranschaulicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundzüge des islamischen Glaubens
2.1. Grundlagen
2.2. Vorislamische Zeit
2.3. Der Prophet Mohammed
2.4. Sunniten und Schiiten
2.5. Koran, Sunna und Hadith
2.6. Die Scharia
2.7. Der Dschihad
3. Islamismus
3.1. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
3.2. Salafismus
3.3. Wahhabismus
3.4. Islamischer Modernismus
3.5. Anfänge und ideologische Festigung
4. Islamistischer Terrorismus
4.1. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
4.2. Dschihadismus
4.3. Internationalisierung
4.4. Al Qaida
4.5. Der Islamische Staat
5. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine klare begriffliche Differenzierung zwischen dem Islam als Weltreligion, dem Islamismus als politischer Ideologie und dem islamistischen Terrorismus vorzunehmen, um der pauschalen Gleichsetzung dieser Phänomene in der medialen Debatte entgegenzuwirken.
- Grundlagen und zentrale Normen des islamischen Glaubens
- Ideologische Abgrenzung zwischen Islam und Islamismus
- Entwicklung und Strömungen des Islamismus (Salafismus, Wahhabismus)
- Ursprünge und Strategien des islamistischen Terrorismus
- Fallbeispiele: Transformation der al Qaida und Entstehung des "Islamischen Staates"
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriffsbestimmung und Abgrenzung
Eine allgemeingültige Definition für Islamismus existiert nicht. Grundsätzlich handelt es sich um Bestrebungen, mit Hilfe verschiedenster Aktivitäten weitreichende Veränderungen in Staat, Politik und Gesellschaft vornehmen zu wollen. Dabei erfolgt die Veränderung anhand von Normen und Werten, welche als islamisch angesehen werden. Folglich würde ohne den Islam als Religion die Bewegung des Islamismus nicht existieren, da ihre vermeintliche Legitimation direkt auf der Geschichte des Islam beruht. (vgl. Seidensticker, 2016, S.9ff.) Nichtsdestotrotz muss das Phänomen Islamismus zwingend von der Religion abgegrenzt werden. Es handelt sich dabei eher um eine Ideologie, ähnlich dem Sozialismus oder dem Liberalismus. (vgl. Schirrmacher, 2010, S.17f.) Islamismus kann somit als eine politisierte Form des Islam und eine vermeintlich religiös legitimierte Form des politischen Extremismus beschrieben werden. (vgl. Gemein, Redmer, 2005, S.16) Bei einer Ideologie handelt es sich definitionsgemäß um „ein relativ geschlossenes Dogmensystem von Wert- und Ordnungsvorstellungen, das als kollektives gesellschaftliches Bewusstsein die soziale und politische Herrschaft von Machtgruppen rechtfertigt oder verhüllt“. (vgl. Holtmann, 2000, S.253f.) Diese Definition deckt sich weitestgehend mit dem heutigen Erscheinungsbild des Islamismus. Dieser stellt allerdings, ähnlich wie der Islam als Religion, kein homogenes Phänomen dar. Vielmehr gibt es vielfältige Erscheinungsformen und Strömungen. (vgl. Lohlker, 2017, S.33)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Relevanz der Thematik vor dem Hintergrund globaler Ereignisse und legt den strukturellen Aufbau der Differenzierung dar.
2. Die Grundzüge des islamischen Glaubens: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge, die Rolle des Propheten und die zentralen Quellen (Koran, Sunna, Hadith), die den islamischen Glauben definieren.
3. Islamismus: Hier erfolgt die Einordnung des Islamismus als Ideologie sowie die Analyse verschiedener Strömungen wie Salafismus, Wahhabismus und islamischer Modernismus.
4. Islamistischer Terrorismus: Das Kapitel untersucht die Abgrenzung zum Islamismus, die Dschihadismus-Thematik sowie die Entwicklung von Terrororganisationen wie al Qaida und dem Islamischen Staat.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit der konsequenten Unterscheidung zwischen Religion, politischem Islamismus und gewaltsamem Terrorismus.
Schlüsselwörter
Islam, Islamismus, islamistischer Terrorismus, Dschihadismus, Salafismus, Wahhabismus, Ideologie, Scharia, al Qaida, Islamischer Staat, Koran, Sunna, Religion, Extremismus, Reformbewegung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der notwendigen Differenzierung zwischen dem Islam als Religion, dem Islamismus als politische Ideologie und dem davon abzugrenzenden islamistischen Terrorismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören die theologischen Grundlagen des Islams, die Genese islamistischer Strömungen und die Entstehungsgeschichte moderner terroristischer Organisationen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Hauptziel ist die wissenschaftliche Abgrenzung dieser Begriffe, um der häufigen medialen Vermischung und der pauschalen Kriminalisierung des islamischen Glaubens entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die auf einschlägigen Fachpublikationen, Lexika und historischen Quellen basiert, um die Entwicklung der Ideologien nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte: die religiösen Grundlagen, die historische und ideologische Entwicklung des Islamismus sowie die spezifische Analyse des islamistischen Terrorismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben den drei Hauptbegriffen (Islam, Islamismus, islamistischer Terrorismus) auch spezifische Konzepte wie der Dschihad, die Scharia, Salafismus sowie die Rolle von al Qaida und des IS.
Welche Rolle spielt der Salafismus im Kontext des Islamismus?
Der Salafismus wird als religiös-fundamentalistische Strömung beschrieben, wobei der Autor zwischen puristischen, politischen und dschihadistischen Ausprägungen unterscheidet.
Warum wird der Begriff "Dschahiliya" in der Arbeit erläutert?
Der Begriff wird analysiert, da er besonders durch Sayyid Qutb als Geisteszustand und Rechtfertigungsgrundlage für einen revolutionären Islamismus neu interpretiert wurde.
Wie unterscheidet sich die Strategie des IS von der al Qaida?
Der IS wird als Organisation hervorgehoben, der es gelang, ein quasi-staatliches Gebilde mit einem eigenen Kalifat zu etablieren, wodurch er den dominanten Status im globalen Terrorismus von al Qaida übernahm.
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- Michael Konkel (Author), 2018, Islam, Islamismus und islamistischer Terrorismus. Abgrenzung und Differenzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539055